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Fotografieren

Um nicht immer nur alte Steine zu fotografieren, halte ich manchmal auch Imbissstände und Krimskrams-Händler im Bild fest. Freundlicherweise frage ich vorher, ob denn Fotografieren in Ordnung geht. Das Feedback… hm, so richtig erfreut war niemand. Ganz zu schweigen von einem freundlichen Lächeln. Vielleicht wirke ich nicht wie ein Profi-Fotograf, der eine glanzvolle Model-Kariere verspricht. Bilder wie in den Katalogen der Reiseveranstalter wollten mir jedenfalls nicht gelingen.

Doch dann ist mir einem ruhigen Viertel eine ältere Frau mit einem kleinen Mädchen begegnet. Die Frau hatte einen ganzen Sack voller Postkarten auf dem Kopf balanciert und mich sofort als potentielles Opfer ins Visier genommen. Volle 150 Rupien (knapp 3 Euro) wollte sie für einen Satz von 13 Postkarten – graue Pappe aus dem Copy-Shop – haben. Wenn man bedenkt, dass eine einfache Gemüseverkäuferin am Tag vielleicht 30 Rupees verdienen kann, ist das eine ziemliche Stange Geld. Mit 50 Rp war sie aber auch sofort happy, es gab auch kein überflüssiges Palaver, um noch mehr Kohle rauszuquetschen. So haben wir uns dann freundlich voneinander verabschiedet. Ich konnte mich als Wohltäter fühlen und sie hatte einen ziemlich guten Deal gemacht. Entwicklungshilfe, die ankommt. Und so verschwanden die Frau und das hinter ihr her hüpfende Mädchen im Dunst der Stadt…

Später ist mir dann eingefallen, dass die beiden ein tolles Fotomotiv abgegeben hätten. Bin halt doch kein Profi.

One Day in Bombay – Salaam und Ave Maria

Es gibt erstaunlich gute Bürgersteige in Mumbai. Auch das Überqueren von Straßen funktioniert relativ gelassen, da sich bei großen Kreuzungen sogar an die Grünphasen gehalten wird. Sogar an die für Fußgänger. Ansonsten gilt wie immer: mindestens ein Inder zwischen den Autos und mir! Nur er weiß, ob es ratsam ist loszulaufen oder stehen zu bleiben. Am einfachsten ist es, in einer Gruppe über die Straße zu gehen. Das funktioniert dann auch bei rot.

Mein kleiner Kompass hat sich wieder gut bewährt. Aber wenigstens sind die meisten Straßen zweisprachig beschildert, man kann sich also auch so zurechtfinden. Allerdings sollte man mehr dabei haben, als einen Ausdruck von Google-Maps… es geht aber auch alleine damit *räusper*. Bin gespannt, ob in diesem Land jemals Streetview zum Einsatz kommt. Das muss herrliche Szenen geben!

Unterwegs bin ich in eine Moschee gegangen. Wie soll ich sagen… man wird nicht ganz vorurteilsfrei empfangen. Gegen unfreundliche Blicke hilft aber Schlappen ausziehen, lächeln und trotzdem reingehen. Grundsätzlich sind Moscheen frei zugänglich, sofern nicht anders ausgeschildert. Natürlich sollte man keine kurzen Hosen tragen, nicht gerade vor den Betenden herumlaufen, etc.

Anders dagegen die Kirchen. Diese zu betreten ist stressfreier. Was vielleicht auch daran liegt, dass es hier kaum Christen gibt und sie gähnend leer sind. Wie immer in großen Städten ist es sehr angenehm, eine Weile Platz zu nehmen und durchzuatmen. Es ist zwar nicht so kühl, wie in dickwandigen europäischen Kirchen, aber dennoch erholsam. Die Wände sind voller marmorner Denkmäler für Admiräle, Kapitäne und die Besatzungen ihrer gesunkenen Schiffe. Das war die Zeit der dicken, kanonenbeladenen Linienschiffe. Sehr eindrucksvolle Kolonialgeschichte.

Wuselbilder

Wenn ich aus dem Fenster meines Hotels schaue, während die Sonne langsam untergeht, komme ich mir vor wie der Betrachter eines Wuselbildes:

  • Taxifahrer lehnen entspannt an ihren Autos oder schnarchen auf zurückgeklappten Sitzen.
  • Eine silberne Touri-Pferdekutsche mit grellen Lichterketten trabt durch das Verkehrs-Chaos.
  • Reiche Inderinnnen in wallenden Gewändern tragen ihre Einkäufe aus den Luxusboutiquen nach hause.
  • Raben fliegen über die Dächer und jagen die ebenso zahlreichen Tauben.
  • Menschen stehen am Telefon-Kiosk und palavern mit der Verwandtschaft.
  • Weit draußen im Hafen schwimmt ein Kriegsschiff der indischen Marine und bläst gerade schwarzen Qualm aus seinen Schloten.
  • Davor kämpfen die Boote der Hafenrundfahrt um ihren Platz am Steg.
  • Um das Gateway of India wogt die Menschenmenge, manche Familien campieren auf dem Boden und essen ihr mitgebrachtes Essen oder kaufen geröstete Kichererbsen.
  • Auf dem Dach des Nachbarhotels halten die Bauarbeiter gerade Mittagsschlaf.
  • Eine Großfamilie kämpft sich mutig und Hand-in-Hand als Menschenkette über die Straße.
  • Total ineinander verkeilte Automassen können sich weder vor noch zurück bewegen und werden laut hupend angefeuert, etwas dagegen zu unternehmen.

 

Die Aufzählung ließe sich ewig fortführen…

One Night in Bombay

Diese Menschenmassen! Sonntagabends strömen sie zum „Gateway of India“, dem Wahrzeichen der Stadt. Man kommt sich vor wie im Vatikan: der gesamte Vorplatz ist abgesperrt, man kommt nur links hinein und hinaus. Dann läuft man einmal um das monströse Tor herum und quetscht sich wieder raus. Direkt davor steht das Taj Mahal Palace Hotel. Hier sieht man, dass aufgrund der Lage direkt an der Strasse jederzeit wieder eine Bombe hochgehen könnte. Beides, das Gateway und das Taj, sehen jedenfalls sehr hübsch aus, wenn die Sonne untergeht.

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Kulinarisch gesehen gab es abends leckere Lamm-Rippchen in rotem Curry auf der heißen Platte („sizzling“) sowie gebratene Auberginen. Letzteres hatte ich selbst schon einige Male gekocht und war daher überrascht, wie nah ich dem ganzen zu Hause schon gekommen bin. Hierfür benötigt man die kleinen Mini-Auberginen, die von sämtlichen Indern im Frankfurter Bahnhofsviertel angeboten werden. Man muss daran denken, sie einzuschneiden, dann garen sie beim Braten gleichmäßiger. Wenn man sie dann noch im rohen Zustand kurz blanchiert, zieht das die Bitterkeit aus der Frucht.

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Als kleine Finesse hatte dieses Bratauberginencurry (es gibt nix ohne Curry-Sauce) ein intensives Knoblauch- und Röstaroma. Als Beilage noch das übliche Chapati und Roti. Diesmal habe ich in weiser Voraussicht ein Kingfisher Beer in Stufe „mild“ gewählt. Es hat die „korrekten“ 5%. Übrigens, falls man beim Bestellen von Getränken nach der Wunschtemperatur gefragt wird, immer sagen: freezing! Warm wird’s von alleine, und zwar noch vor dem Hauptgang.

Temperaturmäßig legt Mumbai im Vergleich zu Pune noch einen ordentlichen Zahn zu. Irgendwo zwischen 35 und 40 Grad pendelt sich das Thermometer ein. Zumindest jetzt, zur Frühlingszeit bzw. im Frühsommer. Hinzu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit. Es entsteht dann dieser charakteristische gärende, dampfende, süße, organische Mief, der auch in Jakarta vorherrschend war. Will gar nicht wissen, wie das zur Regenzeit ist.

Auf dem Rückweg zu meinem Hotel („Suba Palace„) – man kann übrigens prima auf Bürgersteigen laufen – bin ich durch eine Shoppingstraße gegangen. Hier gibt es alles Zeuch und Krempel, was man sich nur wünschen kann. Leider ist mein Koffer schon am Limit. Platz im Magen hatte ich dagegen noch für eine kleine spezielle Süßigkeit vom Straßenrand. Ähnlich dem früher schon beschriebenen „Paan“ handelte es sich ebenfalls um eine in ein Blatt gewickelte Gewürzmischung. War wohl Bombay-Paan. Nachdem mir der Verkäufer den Preis von 10 Rp nannte, war ich erstmal skeptisch… man weiß ja nie, will der mich über den Tisch ziehen? Aber fairerweise muss ich sagen, dass es bis heute noch kein Inder versucht hat, mich auszunehmen. Jedenfalls keine Geschäftsleute. Die sich häufig anbiedernden und meist etwas schäbig aussehenden Gesellen hier einmal ausgenommen, die haben natürlich nur Dollars in den Augen: „What’s your name, where are you from, I am hungry…“.
Vielleicht sollte ich beim Einkaufen nicht so misstrauisch sein.

Wer noch nicht ausgelastet ist, hat unterwegs immer wieder die Möglichkeit, Haschisch oder „nice ladies“ zu kaufen bzw. zu besteigen. Das erinnert mich sehr an karibische Verhältnisse. Falls man auf die Frage „Do you like Bob Marley?“ mit „Yes“ geantwortet hat, war das ein klares Signal an den Verkäufer, seine Ganja-Vorräte zu präsentieren.