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Super! Motor! Yachten!

Je weiter man mit seinem eigenen mickrigen Segelbootchen herumkommt, desto mehr fallen einem die richtig dicken Yachten auf. Natürlich gibt es auch in der Kategorie „Superyacht“ solche mit Segel, aber meistens handelt es sich doch um Motoryachten. Und auch die mit Segeln werden die meiste Zeit von Motoren fortbewegt, da die gediegene Kundschaft ja rechtzeitig zum nächsten Sundowner wieder in der Marina am Steg liegen möchte. Leider habe ich nicht jedesmal auf den Auslöser gedrückt, wenn so ein BRT-Monster an mir vorbeizog. Aber immerhin doch manchmal. Und diese Bootchen möchte ich hier kurz vorstellen.

adria zelda 2014 (87) super yacht high powerBescheidenheit ist keine Tugend unter Superyacht Besitzern. Während kleinere Motoryachten bis 20 m Länge oft noch spaßige Namen tragen, wie zum Beispiel „The Salt Shaker“ oder „Tooth Fairy“, so verschwindet der Spaß bei den wirklich dicken Dingern. Die Namen werden zunehmend einfallsloser und so erhält dann eine Yacht wie die oben abgebildete im Wert von sehr vielen Millionen Euro den Namen „High Power III„. Da wäre selbst einem Dreijährigen etwas besseres eingefallen. Warum sie vorne hinter dem Bug diesen nashornförmigen Turm spazieren fährt, das weiß wohl auch nur der Konstrukteur. Nein, gerade habe ich es gegoogelt, auch das italienische Designbüro lässt sich darüber nicht aus.

adria_zelda_2013_ (398) torquise silver shalisDie da oben („Silver Shalis„, endlich mal ein guter Name!) habe ich in der Luka Tiha auf der Insel Hvar gesehen. Was die farblich passende Handtasche für die Dame, ist das farblich passende Beiboot für die Superyacht.

adria_zelda_2013_ (169) motor yacht unlimited 88Die hier, malerisch vor Primosten aufgenommen, ist zwar mit knapp 30 m noch gar nicht so riesig. Sie darf trotzdem schon einen langweiligen Namen tragen und hört auf „Unlimited 88„. Bei der 88 komme ich ein wenig ins Grübeln… in Deutschland bedeutet dieser Zahlencode in gewissen Kreisen ein verschlüsseltes „HH“, was das braune Gesocks gerne als Abkürzung für den gegenseitigen Gruß verwendet. Vielleicht ist es auch nur das Baujahr der Eignertochter. Nein, es ist natürlich die Länge in Fuß. Eigentlich ungewöhnlich, sie bei Booten dieser Länge noch im Namen mit anzugeben.

adria zelda 2014 (52) motoryacht maltaDie hier ist jetzt wirklich namenlos, aber sie fährt mir jedes Jahr über den Weg. Wirklich ständig. Der Kapitän müsste mich also schon kennen. Letztes Mal stand er gelangweilt auf der Außenbrücke und hat einen sehr netten, sehr großen Bogen um mich gemacht. Wenn das mal alle Motoryachten täten, dann würden mittags meine Spaghetti auch nicht vom Herd fallen. So klein ist sie eigentlich gar nicht. Aber aufgrund des Alters könnte sie nach einigen Besitzerwechseln wieder zurückgefallen sein in die Kategorie der Spaßnamen. Vielleicht ist es eine „Zeitverschwendung“  oder eine „My Pride and Toy“. Oder – sie kommt ja schließlich aus Malta – es handelt sich um die legendäre „Maltese Falcon“ (hier abgebildet im Tarnzustand).

adria_zelda_2013_ (534) royal clipperUnd hier die letzte aber dafür auch dickste Lady: die „Royal Clipper„. Vor vielen Jahren schon einmal in der Karibik gesehen, hier auf dem Bild liegt sie gerade vor Hvar (Stadt). Sie gilt zwar als Segelschiff, aber einer der Masten ist in Wahrheit ein Schornstein. Und da sie aus eingangs genannten Gründen die wenigste Zeit segelt, kann man sie getrost zu den Super Motoryachten zählen.

Mehr Bilder habe ich nicht parat, aber wer möchte, findet im Mittelmeer Skipper Forum ein Thema, das sich lang und breit mit  „Yacht Spotting“ beschäftigt.

Wer einen Sportbootführerschein besitzt und schon einmal reinschnuppern möchte wie es ist, so viele PS unter dem Hintern zu befehligen, der kann das zum Beispiel in den spanischen Gewässern bei Ibiza oder Mallorca tun. Es ist möglich, sich dort ein Boot zu mieten und damit mal flott zwischen Ibiza und Formentera hin- und herzudüsen. Während meine Fähre damals beim Gitarrenbaukurs noch eine gute halbe Stunde bis nach Formentera brauchte, schafft es so ein Motorspielzeug wohl in 10 Minuten. Preise finden sich dann auch auf der genannten Webseite: eine 40 m lange Megayacht ist dort schon für um die 100.000 Euro zu haben (Charterpreis, pro Woche).

Abschließend noch eine Liste der längsten Yachten der Welt auf Wikipedia, die sich wie ein Best-Of der Scheichs, Oligarchen und Softwaremilliardäre liest.

Ein SKS-Segeltörn auf den Kanaren bleibt scheinlos

Dank ausreichend Zeit gegen Ende des Jahres kam mir spontan die Idee, den Praxistörn für den SKS-Schein zu absolvieren. Es ist zwar nicht sehr sinnvoll, zunächst die Praxis auf dem Boot und erst danach den Theoriekurs zu machen, aber möglich. Innerhalb von zwei Jahren muss man die Theorieprüfung ablegen, dann erhält man den „Sportküstenschifferschein“, kurz „SKS“ genannt. Mit ihm darf man Yachten charten, was der eigentliche Grund für die meisten Segler ist, diesen Schein zu machen.

Im Dezember ist es fast überall kalt, sogar im Mittelmeer. Daher verlagern viele Anbieter von Segelkursen, wie die Firma Well-Sailing, über die ich gebucht habe, ihr Angebot auf die warmen Kanarischen Inseln. Hier scheint die Sonne und man hat konstanten Wind. So ist es jedenfalls fast immer, nur nicht in der einen Woche, als ich dort war.

2013 SKS Gran Canaria (14)_sm

Die Voraussetzungen
Erhofft hatte ich mir genau dieses Standardwetter aus milden Temperaturen um die 20 Grad, Sonnenschein und kein Regen. Dazu Passatwind aus Nordost, so dass die Südseite von Gran Canaria im Windschatten liegt und sowohl Wind als auch Welle etwas abgeschwächt werden. Die ideale Umgebung, um mit einem Boot Manöver für die Prüfung zu üben.
Was wir erhalten sollten, war das genaue Gegenteil: stürmisches Wetter aus südlichen Richtungen mit 5 bis 7 Beaufort Windstärke und den daraus resultierenden hohen Atlantikwellen. Außerdem noch Regen. Der Kanare auf seinem staubtrockenen Felsen freut sich darüber, der Urlauber knirscht mit den Zähnen.

Das Boot war eine ältere „Dynamique 50„, eine stattliche Lady von fast 15 Metern Länge mit einem genialen Deckssalon. Sie verfügt zwar über die übliche moderne Ausrüstung wie Kartenplotter, Radar, etc. aber segeltechnisch wird sie vollständig von Hand bedient. Beide Segel werden auf herkömmliche Weise gesetzt, also am Mast oder Vorstag eingeklinkt und dann hochgezogen. Über Rollvorrichtungen verfügt sie nicht. Für einen Wechsel des Vorsegels müssen ca. 70 qm heruntergezogen, auf dem Vordeck zusammengelegt und in die Backskiste am Heck gepackt werden. Von dort holt man auch das neue Segel, schleppt es nach vorne, packt es aus und bändselt es zunächst an die Reling. Danach kann es gesetzt werden, hierzu benötigt man zwei Personen.

2013 SKS Gran Canaria (22)_sm

Die Crew bestand aus dem Ausbilder, einer Co-Skipperin, mir selbst und einem Segelfreund sowie einem dritten Teilnehmer, der nur zum Mitsegeln dabei war und keine Prüfung ablegen wollte. Er sollte sich später noch als ein großes Problem herausstellen, denn obwohl Ende 50, hatte er keinerlei realistische Selbsteinschätzung seiner Fähigkeiten und hat uns bei fast allen Arbeiten mehr behindert als geholfen. In der Konsequenz wurde er vom Ausbilder ins Cockpit verbannt und durfte nicht mehr auf das Vordeck. Auch hier war Jens, so will ich ihn mal nennen, leider keine große Hilfe, da er während eines Manövers nicht wusste, was zu tun war und es sogar schaffte, eine einfache Wende derart zu behindern, dass sie abgebrochen werden musste. Während man selbst als Prüfling am Steuer schon aufgeregt genug ist und jede Hilfe gebrauchen kann, musste man also noch ein drittes Auge auf diesen Mann werfen, um zu verhindern, dass er sich selbst oder das Boot gefährdet.

Der Ausbilder
„In der Törnbeschreibung steht, wir werden hier viel Spaß haben.“ Kurzes trockenes Lachen. „Spaß werden wir hier sicher keinen haben, höchstens ganz am Ende der Ausbildung, wenn alles gelaufen ist!“ Damit waren die Weichen gestellt.

Der Ausbilder ist ein norddeutscher Seebär, der am Ende seines eigentlichen Berufslebens beschlossen hat, als Profiskipper weiterzumachen. Auf diesem Boot sind wir seine erste SKS-Ausbildungscrew. Auch Wind und Wetter ist in dieser Woche zum ersten Mal so richtig übel, das sollte auch ihn an seine Grenzen bringen. Er hat unheimlich viel Segelerfahrung und falls man einen Skipper sucht, der ein Boot sicher von A nach B bringen kann, ist er bestimmt der richtige dafür. Ob er auch als Ausbilder taugt, darüber kann man geteilter Meinung sein. Zwar finde ich es in Ordnung, während des Segelns direkt und lautstark auf gemachte Fehler hingewiesen zu werden. Wenn sich diese Manöverkritik aber in jeden einzelnen Aspekt des Bordalltags hineinzieht, dann kippt die Stimmung schnell. So war es für ihn üblich, den Morgen damit zu beginnen, einen auserwählten Schüler mal so richtig zusammenzustauchen. Auslöser konnte mangelnde Aufmerksamkeit sein, eine kleine Fahrlässigkeit oder eben irgendein anderer Fehler, den man auf einem Boot macht, das man nicht kennt. Darauf folgte ein 20 Minütiger Vortrag über die Gefahren auf See, das allgemeine Versagen der Crew im Ganzen und das des Verursachers im Speziellen. Nach so einer Frühstücksansprache noch motiviert den Hafen zu verlassen war dann nicht mehr möglich. Wir haben seine Fähigkeit, auch noch kleinste Fehler aufzudecken, anfangs noch sehr geschätzt. Aber während des Segelns wurde der psychische Druck derart hoch gehalten, dass es einen irgendwann zermürbt hat. Der nächste Fehler, die nächste Falle war immer nur einen Wimpernschlag entfernt. Auch den Punkt, ab dem ein erschöpfter Schüler nichts mehr lernt, hat er nicht erkannt.

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Man könnte jetzt noch lange den Charakter dieses Menschen beschreiben, der durchaus auch seine positiven Seiten hat. Aber ausschlaggebend für meine vernichtende Bewertung ist, dass er es als Ausbilder nicht geschafft hat, uns nach der Kritik wieder durch Motivation aufzubauen und anzuspornen. Unser Ziel war das Schaffen der Prüfung, wir wollten kein Kapitänspatent machen! Meine eigene Motivation bestand schließlich daraus, das tolle Gefühl zu genießen, mit dem Schiff bei viel Wind und Welle unter Segeln über den Atlantik zu fahren. Alleine dafür hat es sich gelohnt.

Das Segeln
Dass wir überhaupt zum Segeln die Marina verlassen haben, stand jeden Morgen auf des Messers Schneide. Von den Chartercrews in Puerto Mogan ist in dieser Woche keine einzige ausgelaufen. Das Leben fand im Hafen statt. Auch andere Ausbildungscrews blieben liegen, während wir rausfuhren. Unser Segelalltag war weit von dem Schönwettersegeln entfernt, so wie ich das bisher kannte. Auf meinen eigenen Törns kann ich Dank Wettervorhersage gut einschätzen, ob ein Auslaufen sinnvoll ist oder nicht. Und da ich als Einhandsegler sehr vorsichtig bin, bleibe ich bei schlechtem Wetter lieber einen Tag länger im Hafen als umgekehrt (die Fotos in diesem Artikel stammen allesamt aus den kurzen Schönwetterperioden der Woche).

2013 SKS Gran Canaria (5)
Auf Gran Canaria sind wir nur am ersten Tag mit normalen Klamotten ausgelaufen. Schon nach einer Stunde war mir klar, dass hier das ganze Paket her muss: die komplette Regenmontur und natürlich Rettungsweste mit Lifebelt, worauf der Ausbilder von vornherein bestand. Regen gab es zunächst keinen, dafür kam das Wasser aber von unten. Eingepickt in die Lifeline gingen wir auf das Vordeck, um dort die Segel zu setzen. Es war für mich eine neue Erfahrung, bei solch einem Wind ein Segel von der Größe einer 3-Zimmerwohnung am Bug zu setzen, während man wie in einem Fahrstuhl durch die Wellen pflügt und dabei von Meerwasser umspült wird. Beeindruckend. Das Steuern der Yacht in der langen Atlantikdünung, ab und zu ein Brecher von der Seite und dazu ordentlich Wind – deswegen war ich hier! Mein Segelfreund verbrachte den Vormittag dagegen mit dem Kopf über der Reling. Plötzlich kam die Seekrankheit, so dass wir ihn Mittags in der Marina absetzten. Jens, der dritte im Bunde, war nur noch ein graues Bündel Elend und fiel damit auch aus. So wurde das Boot am Ende nur noch vom Ausbilder, seiner Co-Skipperin und mir bedient.

Wir fuhren wieder hinaus und die Dinge nahmen ihren Lauf. Der mittlerweile noch stärker gewordene Wind zerrte schon beim Hochziehen des Vorsegels unheimlich an den Lieken, den Rändern des Segels. Kurz darauf riss das Achterliek auf etwa ein Viertel der Länge. Dieses Segel hat eine Reffmöglichkeit und so verkleinerten der Ausbilder und ich die Segelfläche bis über den Riss, was nicht gerade leicht war. Das Vordeck bewegte sich jetzt endgültig wie ein Amok laufender Fahrstuhl in pendelnden Bewegungen in alle Richtungen, während ich gemeinsam mit dem Ausbilder unter konstanter Beschimpfung das Segel reffte. Gleich als wir fertig waren, riss es erneut: diesmal an der Reffkausch vertikal nach unten. Unter übelsten Beschimpfungen etc. pp. bargen wir das zerrupfte Segel und stopften es durch die Vorluke ins Schiffsinnere. An diesem Tag lief außer Kurshalten und ein paar Wenden also nicht sehr viel. Action war trotzdem mehr als genug. Erst im Hafen merkten wir, dass auch das Achterliek des dreifach gerefften Großsegels gerissen war.

Durch den Einsatz von Superpep Kaugummis war mein Segelkumpel am nächsten Tag wieder mit dabei. Dieser Dienstag war rückblickend der einzige Segeltag in dieser Woche, an dem wir sinnvolles Manövertraining abhalten konnten. Trotz 6-7 Beaufort und Sturmbeseglung war es ein produktiver Tag und wir konnten uns auf unsere Wenden und Halsen konzentrieren. Mein Wunsch nach Schwerwettersegeln war zusätzlich in Erfüllung gegangen, und so konnte dieses Hochgefühl weder von einem verdrehten Knie, einer geprellten Rippe, unzähligen blauen Flecken, noch von einem dauerbrüllenden Ausbilder gedämpft werden. Dass meine geliebte Kappe (und die der Co-Skipperin) jetzt auf dem Meeresgrund vor Gran Canaria liegen, war dafür nur ein fairer Preis.

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Mittwoch blieben wir wegen Dauerregen im Hafen. Donnerstag und Freitagmorgen sollten wir dann noch Gelegenheit zum Üben haben, so war der Plan. Doch es sollte anders kommen. Nach dem üblichen Morgenanschiss fuhren wir hinaus und setzten das Vorsegel. Kaum war es oben, frischte der Wind schnell weiter auf und bei etwa 6 Beaufort musste das Segel wieder runter. Wie sich herausstellte, hatte uns der Ausbilder versehentlich die viel zu große Genua anschlagen lassen. Also wieder runter damit und zusammenlegen auf dem Vordeck. Alle Arbeiten wurden von mir und meinem Segelkumpel ausgeführt. Jens durfte das Cockpit nicht verlassen und der Co-Skipperin war es untersagt, uns zu helfen. So langsam dämmerte es uns, was es bedeutete, auf einem Boot dieser Größe die Segel ohne Rollvorrichtung zu handeln. Der körperliche Einsatz ist immens. Nachdem das 70 qm Segel, das locker seine 40 Kg wog, in der Backskiste verstaut war, sollte die zweite noch intakte Fock gesetzt werden. Diese hat mit ca. 50 qm zwar nur noch die Größe einer 2-Zimmerwohnung, ist dafür aber aus dickerem Tuch genäht. Kaum ist der Sack nach vorne gewuchtet, mache ich zwei Fehler: zunächst fällt mir auf, dass ich beim Abschlagen des alten Segels den großen Schäkel vergessen habe. Der liegt jetzt irgendwo zwischen 70 qm Segeltuch in der Backskiste und ohne ihn kann das neue Segel nicht gesetzt werden. Nachdem ich ihn dort herausgefleddert habe, mache ich den zweiten Fehler und klipse manche der Stagreiter des Vorsegels verkehrt herum an das Vorstag. Also wieder runter damit und unter dem Gezeter des Ausbilders etc. pp. wieder korrekt neu angeschlagen. Als es schließlich oben ist, fährt der Ausbilder ein paar Manöver, Boje über Bord mit Q-Wende, aber keines gelingt. Teilweise wegen ihm, teilweise wegen uns. Wir beide sind erschöpft, unser Timing an den Schotwinschen ist schlecht, die Kommandos drehen sich im Kopf und als ob das noch nicht reicht, pfuscht uns Jens dazwischen und trennt sich dabei fast einen seiner Finger ab, mit denen er ziellos an der Winsch herumfummelt. Wir sind körperlich am Ende, arbeiten seit Stunden hart und trauen uns dabei noch nicht einmal, etwas zu trinken. Zu groß ist die Anspannung. Mit aufgesprungen Lippen lauschen wir also andächtig der erniedrigenden Ansprache unseres Ausbilders und fahren schließlich zurück in die Marina.

Die Entscheidung
Meine Entscheidung war schon etwa um die Mittagszeit herum gefallen. Nach einem kurzen Kriegsrat mit meinem Segelfreund abends am Steg waren wir uns einig: unter diesen Bedingungen werden wir morgen nicht zur Prüfung antreten. Und so wurde es dann auch gemacht. Die Kombination aus zu wenig Übung, einem schwer zu bedienenden Boot und zuwenig helfender Crew waren für uns ausschlaggebend, dem sinnlosen Treiben hier ein Ende zu setzen. Am folgenden Tag gingen wir zum örtlichen Prüfungsausschuss und erklärten unser Verhalten, was auf vollstes Verständnis stieß.
Und so kam es, dass wir bei diesem Segeltörn sicherlich viel mehr gelernt haben, als es während eines sommerlichen Törns im Mittelmeer auf einem modernen Boot mit motivierten Mitseglern möglich gewesen wäre. Nur den Schein, den haben wir buchstäblich in den Wind geschossen.

Gitarrebauen auf Formentera – ein Fazit

Hier geht’s zum ersten Artikel der Gitarrenbau-Serie. Aber jetzt zum Fazit!

Die Insel
Formentera ist einfach schön. Als Reisezeit ist Mai gut geeignet, da die Temperaturen schon angenehm sind und man die Insel noch fast für sich alleine hat. Das Wasser ist allerdings noch sehr frisch und auch der Wind ist nicht ohne, sobald die Sonne weg ist. Das Wasser und die Strände sind sauber und klar.

Wenn man später im Jahr auf die Insel kommt, ist sie brechend voll mit Touristen. Wenn ich daran denke, dass die unzähligen Motorroller, die jetzt noch wartend bei der Vermietstation stehen, alle im Einsatz sind… na danke. Ganz billig ist der Aufenthalt auf der Insel nicht. Wie ich früher schon geschrieben habe, langen die Spanier gut hin. Wer nicht im Hostal Pepe wohnen möchte, was im Sommer sehr stressig sein kann (wie hier sehr schön beschrieben), muss für andere Unterkünfte ein Vielfaches hinblättern. Im Nachhinein betrachtet wäre es auch sinnvoll, in Es Pujols zu wohnen, dort ist man wenigstens gleich am Strand und kann in 10 Minuten zur Werkstatt radeln.

Der Kurs
Nach drei Wochen Gitarrebauen auf Formentera ist die eigene Les Paul Realität geworden. Die Gitarre ist absolut überzeugend in ihrer Qualität. Wer die einzelnen Arbeitsschritte verfolgt hat, kann sehen, dass hier mit großer Detailarbeit ein Instrument entstanden ist, dass in vielen Bereichen die teuren „Custom Shop“ Modelle der großen Hersteller übertrifft.

Dank der handwerklichen Fähigkeiten und der Erfahrung von unserem Kursleiter Ekki konnten schwierige Stellen während der Konstruktionsphase umschifft werden. Besonders die Tatsache, dass Fehler eigentlich immer behoben werden können, indem man diverse Tricks und Kniffe anwendet, fand ich beeindruckend.
Wo Licht ist, ist auch Schatten. In den letzten Tagen des Workshops war die Stimmung im Kurs angespannt und gereizt. Einige unnötige und vor allem unschöne Diskussionen mit dem Kursleiter haben die Atmosphäre ziemlich verschlechtert. Hier kann ich nur für mich selbst sprechen und denke, dass das hoffentlich in anderen Kursen anders verläuft…

Der Urlaub
Abgesehen vom Kurs ist das ja immer noch ein dreiwöchiger Urlaub! In der ausgedehnten Mittagspause zwischen 15 und 18 Uhr hatten wir genug Zeit, die Insel zu erkunden. Es gibt massenhaft schöne Strände, die zu dieser Jahreszeit noch alle leer sind. Mit den Fahrrädern, die uns Ekki netterweise zur Verfügung gestellt hat, ist man mobil genug, um zwischen den Orten San Ferran, La Savina und Es Pujols zu pendeln. Zwischendurch ein Käffchen in einer der vielen Bars, so lässt es sich aushalten. Zusammen mit Bruno und Nadav habe ich hier eine schöne Zeit verbracht. Abgesehen vom Hinterherkucken diverser Strandschönheiten haben wir uns die Zeit mit Gesprächen über Gott und die Welt vertrieben. Besonders die Einblicke in das israelische Leben waren für mich sehr interessant.

Hier geht’s zum ersten Artikel der Gitarrenbau-Serie.

Ibiza – Madrid – Frankfurt, nie mehr mit Spanair

Wie die Spanier ihren Busverkehr betreiben, ist mir immer noch rätselhaft. Nachdem ich schon bei der Ankunft auf Formentera vor drei Wochen den Bus verpasst hatte, ging ich am Morgen des Abflugs auf Ibiza extra früh zur nächsten Station für den Shuttle-Bus zum Flughafen. Hatte mich am Vorabend extra davon überzeugt, dass hier die richtige Linie abfährt. Ein Busfahrer hielt dann sogar an, nur um mich anzumotzen, dass das wohl die falsche Station sei, er mich aber gnädigerweise trotzdem die paar Meter bis zur Nächsten mitnähme. Auf dem Weg zum Flughafen hat der neue Fahrer dann mehrmals am Straßenrand angehalten, um irgendwen rauszulassen… Das alles wirkt, als hätte man spanischen Bauern des letzten Jahrhunderts eine moderne Infrastruktur übergestülpt.

So wirkt auch der Flughafen von Madrid. Es gibt zwar eine große Spanair Lounge, aber nur eine „Gold“-Lounge für Star Alliance Mitglieder. Zu denen zähle auch ich mit der miles&more Karte. Dummerweise hätte ich mehrmals um die Welt fliegen müssen, um diese edle Lounge betreten zu dürfen. Mit der mickrigen Frequent Flyer Karte in Silber komme ich dort nicht rein, wie mir der fließend englisch sprechende Hombre am Eingang versicherte. Er ist scheinbar der einzige Angestellte an diesem Flughafen, der Englisch spricht. Selbst das Personal am Boarding Gate spricht ausschließlich Spanisch. Wirklich lächerlich für einen internationalen Flughafen. Auch Französisch hat hier nicht geholfen, was ja wirklich gleich ums Eck liegt.

Die Gitarre habe ich in ihrem Koffer für den Flug gut verpackt. Mit reichlich Luftpolsterfolie unter dem Hals-Korpusübergang und der Kopfplatte sowie zerknülltem Papier drumherum sollte ihr nichts passieren. Auf dem Hinflug ist der leere Koffer im Bauch des Fliegers mitgeflogen. Jetzt, mit dem kostbaren Inhalt, will ich der Klampfe dieses ungewisse Schicksal ersparen. Anders als damals beim Flug in die Karibik (AirFrance – eine klasse Fluglinie) musste ich bei Spanair einen Aufpreis von 50 Euro zahlen und der Koffer ist dann direkt am Flieger vom Personal im Gepäckraum verstaut worden. Dämliche Aufpreispolitik, denn mein Rucksack plus der Koffer sind sicherlich nicht schwerer als die erlaubten 20 Kilo gewesen. Aber so ist das gute Stück wenigstens sicher verpackt. In einer Softcover Tasche hätte ich sie niemandem anvertrauen wollen, auch nicht in der Kabine.
Spanair zeichnet sich überhaupt dafür aus, ähnlich Praktiken wie Ryan Air anzuwenden. Während des 2-Stundenflugs von Madrid nach Frankfurt gab es Getränke und Snacks nur gegen Bares. Sogar reines Wasser sollte 2 Euro kosten. Das ist schlicht unverschämt. Bei einem Code-Sharing Flug mit der Deutschen Lufthansa erwarte ich wenigstens einen Basis-Service. Der Hohn ist, dass Spanair im bordeigenen Magazin damit wirbt, sich im Punkt der Gepäckaufgabe von Ryan Air zu unterscheiden. Glatt gelogen, wie man an meinem aufpreispflichtigen Gitarrenkoffer merkt. Hasta la vista, Spanair.

Ibiza und Eivissa

Wenn man „Eivissa“ ein wenig nuschelig ausspricht, landet man bei – Ibiza. Von dort ging es Samstagmorgen über Madrid wieder zurück nach Frankfurt. Leider schon recht früh, weswegen ich Freitagabend schon von Formentera rübergesetzt bin. Die Stadt Ibiza ist eigentlich eine einzige große Theke. Kein Fleck, auf dem nicht entweder ein Hotel, ein Restaurant oder eine Bar steht. Außerdem wurden die Tourismusgelder in schön gestaltete Plätze und palmenbestückte Straßenkreuzungen investiert, was wirklich etwas hermacht. Hübsch anzugucken ist auch der Hügel mit der ummauerten Altstadt. Von hier oben hat man einen tollen Blick auf das Meer und die Insel. Außerdem ist es ruhig. Kein Stadtlärm, keine Autos. Nur kuschelige kleine Gassen und jede Menge historisch wertvolle alte Steine, die wahlweise von Phöniziern, Arabern oder Spaniern aufgeschichtet wurden.

Es gibt in der Altstadt auch eine Art Freßgass, wie in Frankfurt. Hier liegt ein Restaurant neben dem anderen und man kann entspannt den Menschen beim Flanieren zuschauen. Ich war im Restaurant „Dalt Vila“ und habe mir das preiswerte Tagesmenü für 15 Euro gegönnt. Nachdem ich eigentlich mit einer typischen Touristenfalle gerechnet hatte, war das Essen aber doch sehr gut. Vorneweg gab es einen Käsesalat. Das war eigentlich gepresster Frischkäse, verziert mit einigen Salatblättern, Anchovis und gebratenen Paprikas. Vor allem sehr elegant angerichtet, das ganze. Der Hauptgang waren gebratene Lammkoteletts, zart und auf den Punkt gegart und auch noch gut gewürzt. Als „postre“ (Nachtisch) konnte man zwischen mehreren Desserts wählen. Alternativ geht auch immer Café Solo (Espresso), Cortado (Espresso mit etwas Milch) oder Café Leche (Milchkaffee/Capuccino). Nach einem wirklich guten Espresso bin ich dann zurück zum Hafen und habe mir die prolligen Luxusyachten von Eros Ramazotti & Co angeschaut. Hier also wohnt das Geld!

Montieren und Einstellen

Montage
Heute – am letzten Tag – wird alles, was noch lose auf der Werkbank herumfliegt, an der Gitarre montiert und das Schätzchen hinterher noch eingestellt:

  • Die Mechaniken werden an die Kopfplatte geschraubt. Kleine Löcher von 2 mm werden mit dem Handbohrer gebohrt.
  • Montieren der Brücke und des Stop-Tail-Piece. An die Verbindung zur Masse denken! Hierfür geht ein Loch aus dem Loch für die Brücke in das Elektronikfach. Eine durchgeführte Litze verbindet die Brücke mit der Masse und erdet somit auch die Saiten. Wichtige Sache, falls man mit einem defekten Amp spielt und nicht unter Strom stehen möchte.
  • Bevor die Pickups montiert werden, landen sie noch im heißen Wachsbad. Das Wachs schließt die Zwischenräume in der Wicklung und beugt damit Brummgeräuschen vor.
  • Einsetzen der PUs in ihre Halterähmchen und ab damit in die Ausfräsungen des Korpus. Die Rahmen hält man an die gewünschte Stelle und bohrt kleine Löcher von 1,8 mm für die Schräubchen. Den PU mit Rahmen so ausrichten, dass die Saiten schön über die Polschrauben verlaufen.
  • Befestigen der Klinkenbuchse und des Buchsenblechs.
  • Bohren der Löcher für die beiden Gurtpins.
  • Aufstecken der Drehknöpfe für die Potis.

Tipp: alle Schrauben vor dem Eindrehen ins Holz erst in ein Stück Seife drücken. Das fluppt dann besser.

Einstellen der Saitenlage
Jetzt, wenn alles montiert ist, kann die Einstellung des Instruments beginnen. Saiten sind ja schon drauf, also wird als erstes mal die Höhe der Saitenlage geprüft. Die grobe Einstellung wird an der Brücke vorgenommen. Diese hat Drehscheiben und kann daher leicht verändert werden. Das Feintuning wird nun über die Halsbiegung eingestellt. Über die kleine Mutter im Inneren des Halses kann man die Biegung konkav oder konvex beeinflussen. Die Mutter arbeitet in beide Richtungen. Bei anderen Hälsen mit einfachem Stab geht das meist nur in Richtung „gerade strecken“. Dreht man also nach rechts, streckt das den Hals und er möchte konvex werden. Nach links biegt ihn konkav bzw. U-Förmig, wenn man von der Seite aus draufschaut. Immer eine halbe Umdrehung der Mutter vornehmen und dann nachschauen, was passiert. Da man mit Gucken alleine nicht so weit kommt, schnappt man sich am besten eine Schiebelehre (bester Freund des Gitarrenbauers) und misst nach. Die Faustregel lautet: wenn man die Saite am letzten und am ersten Bund herunterdrückt, sollte der Abstand zum in der Mitte liegenden Bundstäbchen minimal sein oder ihn sogar berühren. Geschmacksache. Falls es beim Spielen doch zu sehr rappelt, kann man den Abstand ja ganz nach Gusto einstellen. Die Biegung wird sich sowieso noch ein wenig ändern, da die Luftfeuchtigkeit in Deutschland niedriger ist als auf der Insel.

Einstellen der Oktavreinheit
Eine Gitarre ist oktavrein, wenn ein Ton in der tieferen Oktave (z.B. leere e-Saite) genauso sauber klingt wie sein Pendant eine Oktave höher auf der selben Saite (e gegriffen im 12. Bund). Ist dem nicht so, kann man die kleinen Saitenreiter in der Brücke per Schraubenzieher ein wenig verstellen. Dadurch wird die Länge der schwingenden Saite beeinflusst. Dreht man den Reiter etwas nach hinten, schwingt eine längere Saite und der Ton wird tiefer. Dreht man den Reiter nach vorn, schwingt weniger Saite und der Ton wird etwas höher. Man spielt also zunächst den tiefen Ton und dann den höheren. Je nachdem, wie der höhere Ton klingt, kann man jetzt durch Verstellen der Reiter einen sauberen Ton in allen Lagen erreichen.

Bünde Abrichten und Elektronik Löten

Die Bünde
Die Bünde sind noch in einem ziemlich rohen Zustand. Sie wurden zwar schon etwas in Form gebracht, damit man sich nicht die Arterien beim Spielen aufschlitzt. Es fehlt aber noch der letzte Feinschliff, damit sie gut bespielbar sind. Auch wenn die Bünde mit dem bloßen Auge betrachtet alle scheinbar gleich hoch sind, so gibt es doch minimale Unterschiede, die beseitigt werden müssen. Man erkennt das auf folgende Weise:
Zunächst schnappt man sich einen Edding-Stift und markiert die Bünde auf der Oberseite. Man kann das auch nur bei ausgewählten Bünden machen, je nach Geschmack. Dann nimmt man den großen Schleifklotz (Diamantfeile) und fährt ohne viel Druck über das gesamte Griffbrett. Dort, wo die Feile Material abträgt, ist die Oberfläche uneben. Und deswegen fährt man solange hin und her, bis die Feile die Oberfläche jedes Bundes berührt. Man erkennt es beim schräg drübergucken. Die Oberseite der Bünde ist jetzt abgeflacht, je nachdem wie groß der Höhenunterschied zu den Nachbarbünden war. Dort, wo noch Edding sichtbar ist, hat man die Oberfläche noch nicht erreicht.

Um nun wieder eine schön abgerundete Oberfläche zu erhalten, nimmt man sich die Bundfeile, welche wir vor kurzem schon verwendet haben, und formen damit die platte Oberseite wieder rund. Gaaanz saaachte! Wir wollen hier ja nichts versemmeln. Auch die Bundenden erhalten jetzt noch mal eine Behandlung im 45 Grad Winkel.

Anschließend gehen wir mit 400er Sandpapier längs über das Griffbrett, und zwar so, dass wir es an jeden Bund dranstoßen und drüberwuppen lassen. Auch über die Griffbrettseite gehen wir, so dass keine Feilspuren mehr an den Bundenden zu erkennen sind.

Die Elektronik
Beim Löten der Elektronik handelt es sich hauptsächlich um das Anbringen von Litzen und Käbelchen, um alle Bauteile miteinander zu verbinden. Die vier Anschlüsse der PUs müssen an die Potis und der Switch wird mit dem Rest verbunden. Zwischen die Potis kommen noch Kondensatoren, dann wird alles ordentlich mit Masse verbunden und das war’s auch schon. Ekki hat einen Plan auf eine Pizza-Schachtel gemalt, nach welchem ich das Löten durchgeführt habe. Bis auf einen etwas wackeligen Massekontakt hat alles beim ersten Mal gleich gesessen.

Wie früher schon erwähnt kann ich mittels Push-Pull Poti jeweils eine Humbucker Spule abschalten. Damit erhalte ich dann Single-Coil PUs mit weniger Output aber mehr Höhen. Das ermöglicht nette Soundvarianten. Dann gibt es noch eine weitere Besonderheit. An beiden Volumen-Potis ist ein weiterer Kondensator zwischengeschaltet. Über ihn fließen die hohen Frequenzen relativ ungehindert zum Ausgang, während die Bässe abgedreht werden. Damit soll erreicht werden, dass die Gitarre beim Leiserdrehen nicht so basslastig wird. So ganz begeistert bin ich von dem Ergebnis nicht. Denn komplett stummschalten lässt sich das Signal nun nicht mehr. Möglicherweise entferne ich diese beiden Kondensatoren wieder oder löte andere rein.

Letzte Ölung und Anfertigen des Sattels

Ölen
Wenn der Body soweit fertig ist, wird er geölt. Hierfür gibt es – ähnlich wie beim Taufen am Strand – wieder einmal ein Ritual, das von Ekki „Midnight Oil“ genannt wird. Folglich fand die Ölung um kurz nach Mitternacht statt, nachdem wir uns einige der extrem leckeren Pizzas von Macondo geholt haben.

Das Öl ist eine Mischung aus Terpentin und Leinöl. Also, das für die Gitarre. Das auf der Pizza dagegen ist Chilli-Öl, welches sicherlich auch eine dauerhafte Verbindung mit der Klampfe eingehen würde, was aber in diesem Fall nicht gewünscht ist. Das Leinöl wird also mit einem Pinsel großzügig überall aufgetragen, bis das Holz nichts mehr schluckt. Nach einer Viertelstunde haben wir unsere Bodies (Korpen?) mit einem Baumwolltuch abgetrocknet und das Holz über Nacht ruhen gelassen. Ziel ist, dass das Öl im Laufe der Zeit verharzt und der Oberfläche dadurch Stabilität gibt. Es ist tatsächlich so, dass eine mehrere Jahre alte Gitarre, welche nur geölt ist, fast schon wie lackiert wirkt. Ein sehr angenehmes Gefühl. Und es riecht gut!

Am nächsten Tag haben wir dann die zweite – und damit zunächst mal letzte – Ölung aufgetragen. Diesmal in Verbindung mit wasserfestem 1000er Schleifpapier. Das Öl war auch ein anderes, nämlich Hartwachs-Öl („Clou – Lumberjack“). In kreisförmigen Bewegungen wird immer eine Stelle nach der anderen behandelt und nass geschliffen. So lange, bis sich der Untergrund wieder glatt anfühlt und der Schleifton nicht mehr zu hören ist. Ekki empfiehlt, diese Behandlung zu hause nach 2 Monaten erneut durchzuführen, dann sollte es erstmal gut sein. Auch zum Reinigen und Aufhübschen einer Gitarre wäre das gut geeignet.

Sattel

Zwischen den Ölungen wurde der Sattel hergestellt. Über den Sattel („Nut“) laufen die Saiten, nachdem sie von den Mechaniken der Kopflatte kommen über das Griffbrett. Es gibt verschiedene Materialien zu Auswahl; ich habe mich für Knochen entschieden, das einen leicht gelblichen Farbton hat. Auch beim Sägen der Schlitze für die Saiten merkt man, dass es sich um Knochen handelt: es stinkt. Beim Sägen haben wir wieder Schablonen für die Saitenabstände verwendet. Hat man die nicht, sollte man etwa 3 mm von beiden Enden des Sattels Abstand halten und den Zwischenraum gleichmäßig für die 6 Saiten aufteilen. Die Sägen haben eine unterschiedliche Dicke. Es gibt folglich 6 Sägen, die für jeder Saite in der Dicke passende Schlitze herstellen. Ich habe mich für einen Sägesatz entschieden, der Schlitze für einen 10er Saitensatz sägt. Aber es passen dann später auch 9er oder 11er drauf. Ansonsten hätte ich aber auch einen dickeren Sägesatz verwenden können. Ehrlich gesagt habe ich auf meine Klampfen bisher immer rücksichtslos alles draufgezogen, was der Markt hergab, völlig wurscht ob dick oder dünn… Theoretisch hätte ich die Halsbiegung, die Oktavreinheit und was noch alles anpassen müssen. Aber weeste watt: et jeit auch so.

Beim eigentlichen Sägen beginnt man mit einer sehr feinen Feile, um für die eigentlichen Sägeblätte eine Führung zu haben. Und dann legt man los. Es dauert eine ganze Weile, bis man durch ist, die Sägen sind sehr fein und tragen nur langsam Material ab. Am Ziel ist man, wenn der Schlitz so tief ist, dass er sich fast auf Höhe des ersten Bundes befindet. Dieses „ein klein wenig höher“ kann man auf folgende Weise herausfinden: das Sägeblatt in den Schlitz legen und es durchziehen. Macht es laut „Klack“, wenn es auf den ersten Bund trifft, muss der Schlitz noch tiefer. Ist es nur einen leises „Klick“ liegt man richtig. Oder präziser ausgedrückt: irgendwo zwischen 0,5 und 1 mm Unterschied zur Oberkante des ersten Bundes liegt man richtig. Ist letztlich auch Geschmacksache. Ach ja, und wenn es weder Klick noch Klack macht, kann man diesen Sattel wegschmeißen.

Und wichtig: dran denken, dass der hintere Teil des Schlitzes zu den Mechaniken abfällt. Von dort kommt die Saite, und sie soll vorne im Sattel einen klar definierten Auflagepunkt haben. Und keine Auflagefläche von der Breite des Sattels.

Schließlich wird der Sattel noch mit grober und feiner Feile zugeschliffen, so dass er bündig mit dem Griffbrett abschließt. Danach noch mit grobem und feinem Sandpapier drüber, und die Sache ist geritzt.

Tapas!

Jeder kennt Tapas. Aber würde man sie auch toll finden, wenn man einfach „Häppchen“ dazu sagen würde? Im Prinzip sind die hier auf der Insel angebotenen Tapas alle gleich. Es gibt in jeder Bar eine Kühltheke mit einer Auswahl von „Häppsche“, wie man wohl in Frankfurt sagen würde: Kleine Chorizo-Würstchen, Blutwurst (manchmal mit Zimt, da schlägt der nahe Orient durch!), verschiedene Fisch- und Meeresfrüchtemischungen, Russischer Eiersalat, Kartoffelomelett, Sardinen in Knoblauch-Öl, etc.
Like!
Wenn ich die Originalnamen der Tapas wüsste, klänge das sicherlich noch besser, aber so weiß man wenigstens, worum es sich handelt. Es schmeckt alles gut und man kann sich sogar oft die Menge aussuchen. Für einen kleinen Imbiss oder einen Mitternachtssnack ist das ideal. Bezahlt wird in Spanien übrigens meistens an der Bar, sofern es kein Restaurant ist. Wieder was gelernt.

An manchen Tagen machen Nadav, Bruno und ich unsere eigenen Tapas. Dafür fahren wir zu Bruno nach La Savina in sein Zimmer mit Mini-Küche und kaufen unterwegs alles Nötige ein. Und dann wird aufgetischt! Von seinem Balkon aus hat man einen prima Blick in die Bucht. Nur leider kostet das Zimmer mehr als doppelt so viel wie meins, und man muss morgens 6 Km mit dem Rad bis nach Sant Ferran fahren, was etwa 20 Minuten dauert. Zu zweit wäre das aber eine echte Maßnahme.

iPhone-Facebook-Narzissmus

Was mir echt auf den Sack geht? Wenn Menschen ständig ihr iPhone in der Hand halten und darauf sinnlose Dinge tun. Es vergeht kein Augenblick, in dem Nadav, Bruno oder seine Freundin nicht damit herumspielen. So sitzt man dann als einziger iPhone-loser Mensch am Tisch und fragt sich, warum die „Freunde“ bei Facebook wichtiger sind als die Personen, mit denen man gerade zusammensitzt.

Es gibt ja neuerdings (oder schon seit Jahren?) diese Buttons mit der Aufschrift „Like“ oder „Don’t like“ auf Webseiten. Klickt man darauf, teilt man der Nachwelt und vor allem Facebook mit, dass man ebendiese Seite mag oder nicht. Ab jetzt findet dieser Button Einzug in mein Vokabular. Rumsitzen mit iPhone? – Don’t like.

In die selbe Richtung geht das Fotografieren von sich selbst. Die drei oben genannten Telefon-User sind ständig damit beschäftigt, Fotos von sich selbst zu schießen. Je nach Stil, den man persönlich vertritt, wird dann entweder ernst und emotionslos (Nadav, sein Rechner ist randvoll mit Selbstportraits) oder barbiepüppchenmäßig mit Schmollmund (Julia) in die Kamera gegrient. Das geht sogar so weit, dass man beim Abendessen zusammen sitzt und einer sich selbst permanent mit dem Handy fotografiert. Oder beim Radfahren. War hier. War dort. Restaurant im Hintergrund. Sonne im Hintergrund, Mo im Hintergrund… Die Bilder landen dann umgehend auf Facebook im Brainwash 2.0.
Nur um noch mal den Don’t-like-Button zu verwenden, möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass hier auf Formentera sehr viele sehr militärisch aussehende Polizisten in dicken Autos herumfahren.

Körperkult und Pickups à la carte

Nachdem der Korpus der Gitarre jetzt in seiner finalen Form steht, kann das Formentera-Ritual durchgeführt werden: Baden gehen mit Gitarre! Hierfür treffen wir uns bei Ekki zu hause und nutzen den in der Nähe liegenden Strand zum Taufen der Bodies. Außer einem rituellen hat die Aktion auch einen praktischen Hintergrund. Durch das Wässern stellen sich die Fasern auf und man kann nach dem Trocknen erneut mit feinem Sandpapier drüber gehen. Das haben wir am Folgetag noch einmal etwas unromantisch mit einem nassen Schwamm wiederholt. Nach dem (vorläufig) letzten Schleifen war der Korpus dann so glatt wie ein Babypopo.

Nach der Bade-Aktion stand Pickup-Theorie auf Ekkis Veranda auf dem Stundenplan. Ich erspare mit jetzt die allgemeinen Ausführungen zur Elektronik und was der Magnet mit den Saiten macht. Hier gibt es anderswo ausführliche Quellen. Mich interessiert hier nur, was für meine Les Paul wichtig ist. Und das wäre folgendes:

Les Paul Gitarren haben zwei Pickups in Humbucker Bauform. Jeder Pickup (kurz: PU) besitzt zwei Spulen, die miteinander verbunden sind. Dadurch wird erreicht, dass zum einen das Signal stärker ist und man an Röhrenverstärkern schneller Verzerrungen erzeugt. Zum anderen rauschen oder brummen diese Tonabnehmer kaum. Leider geht die Verschaltung der beiden Spulen zu Lasten der hohen Frequenzen, weshalb ein Humbucker Pickup immer dumpfer als ein Singlecoil Pickup klingt (wie er in fast allen Fender Gitarren steckt). Mein Ziel ist also, einen Humbucker mit möglichst vielen Höhen zu bauen. Hierbei ist mir besonders der Hals PU wichtig, denn dieser erklingt naturgemäß dumpfer als der PU an der Brücke (rechts, hinten).
Die folgenden Merkmale beeinflussen den Klang:

  1. Anzahl der Wicklungen des Drahts auf der Spule. Je mehr Windungen, desto mehr Output. Weniger Wicklungen ergibt weniger Output aber mehr Höhen. Also wird mein PU eher wenige Wicklungen haben. Hals = 4000, Bridge = 6000.
  2. Dicke des verwendeten Drahts. Je dünner/feiner der Draht ist, desto enger liegen die Wicklungen auf der Spule nebeneinander. Das erzeugt mehr Output aber kostet Höhen. Also wird mein Hals PU mit Draht von 0,063 mm (Gibson Standard) und der Steg PU mit 0,056 mm (eher Richtung Fender) gewickelt werden.
  3. Isolierung. Der Draht ist immer mit einer ultradünnen Schicht isoliert, damit der Strom auch brav durch alle Wicklungen fließt und nicht die Abkürzung quer durch die Spule nimmt. Je dicker die Isolierung, desto weiter auseinander liegen die Drähte und mehr Höhen bleiben erhalten. Daher habe ich mich beim Hals PU für eine doppelte Isolierung entschieden und beim Bridge PU für eine einfache.
  4. Die fertigen PUs haben keine Kappe aus Blech, wie das bei den meisten Humbuckern üblich ist. Diese könnte ich nachträglich noch draufsetzen, sie würde aber wieder ein wenig hohe Frequenzen kosten und ist daher kontraproduktiv.

Das Herstellen der PUs erfolgt auf einer selbst gebastelten Wickelmaschine. Der noch leere Spulenkörper wird an einer Drehscheibe montiert und mit dem Draht von der Rolle verbunden. Mit einem Fußschalter kann man jetzt die Geschwindigkeit steuern, mit der sich der Draht aufwickelt. Während die Maschine fleißig dreht, bewegt man den Draht mit Hilfe einer kleinen Führung von links nach rechts. So verteilt sich der Draht einigermaßen gleichmäßig auf der Spule, wenn er nicht zwischendurch abreißt. Das tut er gerne, da eine kleine Unachtsamkeit oder nachlassende Drahtspannung schnell zum Exitus führen. Durch diese Unregelmäßigkeiten in der Führung entsteht der „magische“ Sound von selbst gewickelten Pickups, sagt man. Na ja, Gitarristen haben ja eine Schwäche für alles Altertümliche und verbinden einfache Technik gern mit Voodoo… Wie dem auch sei, das Resultat ist mehr als Hervorragend, wie ich später feststellen konnte.

Die fertigen PUs haben rein messtechnisch gesehen folgende Werte (pro Spule):

  • Hals PU = 3,2 KOhm
  • Bridge PU = 6 KOhm

Diese Werte sind an und für sich nicht sehr aussagefähig. Sie geben nur einen vagen Hinweis in die erwartete Sound-Richtung. Schließlich kann niemand anhand der Werte feststellen, wie und womit die PUs gewickelt wurden und wie sich das auf den Sound auswirkt.

Planung des Inlays und Fräsen der Halstasche

Inlay

Eine selbstgebaute Gitarre braucht ein besonderes Inlay. Woher soll der Laie sonst erkennen, dass die Klampfe nicht von der Stange ist? Jedenfalls in meinem Fall ist die Verwechslungsgefahr groß, da eine Les Paul Gitarre nun mal immer ähnlich aussieht. Aber mit einer schönen Einlegearbeit aus Perlmutt wird sie zum Unikat. Ich habe mich dank einer Anregung von Bruno für eine Windrose entschieden. Ursprünglich sollte es eine Sonne werden. Aber nachdem Bruno sie wunderschön symmetrisch aufgezeichnet hatte, dachte ich mir: das ist eine Windrose, ganz klar!

Und da es mich selbst ja auch in die eine oder andere Himmelsrichtung getrieben hat, halte ich einen Kompass bzw. die Windrose für sehr passend. Hier ist der Plan:

Zunächst stand die Entscheidung an, welcher Teil aus Perlmutt sein soll: der Zackenstern oder das Drumherum? Ich habe mich für den Stern entschieden. Dieser wird von einem Kreis aus dunklem Padouk-Holz eingefasst. Die Stelle, wo das Inlay auf der Gitarre hin sollte, habe ich erst später festgelegt. Ich dachte erst an eine der Flanken, dort wo der Arm aufliegt. Aber letztlich ist dort überall viel Wölbung, was die Sache kompliziert macht. Also blieb entweder die Rückseite oder vorne zwischen den Pickups. Ich habe mich für letzteres entschieden. Und so verlief die Umsetzung:

  1. Ausmessen des Platzes zwischen den beiden Pickups. Anfertigen eines runden Plättchens nach Maß mit der Bandsäge. Feilen und Schleifen brauche ich eigentlich nicht zu erwähnen…
  2. Aufzeichnen des Sterns auf Millimeterpapier, danach am Kopierer auf Echt-Größe verkleinert.
  3. Dieses Sternchen dann auf ein Stück Perlmutt kleben und mit feiner Handsäge aussägen.
  4. Nacharbeiten mit Mini-Feilen. Bloß nix abbrechen.
  5. Mit der Handoberfräse wird die Kontur des Sterns in das Holzplättchen gefräst. Nicht zu tief, gerade so, dass das Perlmutt hineinpasst.
  6. Einkleben des Perlmutt-Sterns in das Plättchen mit Sekundenkleber. Füllen der Ritzen mit Epoxi Kleber, welcher mit rotem Holzstaub vermischt wurde.
  7. Bohren des Kreises für das Plättchen in die Gitarre. Ein widerlicher Moment, als der 36 mm Bohrer in die intakte Oberfläche fräst…
  8. Einkleben des Plättchens mit Sekundenkleber (Unterseite) und außen herum wieder mit dem besten Freund des Gitarrenbauers: Epoxi.
  9. Zum Schluss ausgiebig schleifen, bis kein Unterschied zur Oberfläche mehr spürbar ist.
  10. Ganz zum Schluss dann das Einschlagen der Buchstaben für die vier Himmelsrichtungen: N, S, W, O. Hierbei gab es mehrere Probleme… zum einen waren diese Einschlagmeißel für die Buchstaben ursprünglich für den Zeitungsdruck hergestellt worden. Das heisst, die Buchstaben sind alle spiegelverkehrt. Das merkt man aber nur beim N und beim S. Und auch nur, wenn man es weiß. Bilde ich mir ein. Zum anderen ist eine Ecke des W abgebrochen und ich musste es durch ein V ergänzen. Das Einschlagen hat schließlich gut geklappt, da ich zuvor ausgiebig an Schrottholz geübt habe. Nur das O ist leider etwas daneben gegangen, wer hätte das gedacht. Aber egal, es ist eben eine Charaktergitarre.

 

Halstasche

Der Übergang des Halses in den Korpus ist eine heilige Angelegenheit. Ziel ist es, die Schwingungen des Halses in das Holz des Korpus zu leiten. Dafür muss eine optimale Verbindung zwischen beiden hergestellt werden. Hier darf nichts wackeln oder sonst wie falsch sitzen. Der Hals darf gerade noch so mit Gewalt, pardon, „Gefühl“ in die Tasche passen. Dann etwas Knochenkleber drauf und es hält für immer. So weit ist es aber noch nicht, jetzt geht es erstmal um die perfekte Form der Halstasche. Sie muss den Hals so aufnehmen, dass auch die Saitenlage gleich richtig ist, wenn man versuchsweise die Brücke auf die Decke legt und eine Testseite drüber spannt.

Also hieß es wieder: ab unter die große Fräse! Sie fräst dermaßen sauber, dass hinterher im Innern der Tasche keine weitere Handarbeit mehr erforderlich ist. Die Ausfräsung erfolgt auf einer angekippten Konstruktion. Grund: bei einer Les Paul geht der Hals nicht gerade aus dem Korpus, wie z.B. bei Fender, sondern in einem Winkel.

 

 

 

Ein Zwischenstand:

Paella, Sangria, Sonne, Panzer

Nachdem es seit Mai in der Fonda Pepe endlich Frühstück gibt – übrigens ein reichhaltiges – hat dort auch das Restaurant geöffnet. Heute Abend waren wir dort Paella essen. Sie war zwar nicht so grellgelb wie man das kennt, aber sehr geschmackvoll. Mit diversen Köstlichkeiten wie Huhn, Langusten, Miesmuscheln und Krabben. Die Sangria ist nicht billig, wird aber dafür im großen Krug serviert.

Nadav war vom Restaurant überhaupt nicht angetan, während Bruno und ich es einfach lecker fanden. Obwohl wir beide jetzt jeden Morgen für umme dort frühstücken, wird sein künstlerischer Schöngeist von den tristen pastellfarbenen Wänden wohl beleidigt. Er entpuppt sich immer mehr als doch recht exzentrischer Alternativkünstler.

Hinterher waren wir noch im Felix’, welches heute eröffnet hat und gleich gegenüber vom Macondo liegt. Noch nicht viel los, aber wir haben gleich einen Begrüßungsschnaps vom humpelnden Chef bekommen. Sehr ordentlich. Das Felix’ gehört eher in die Kategorie „Eckkneipe“ mit gelegentlicher Live-Musik. Auch hier sitzen dieselben altbekannten Nasen wie überall herum, z.B. der Ami mit der Spezialbrille. Das Dorf ist halt klein. Am Vormittag wird man noch im Hostal von der Bedienung mit Kaffee versorgt, am Abend sitzt man dann nebeneinander in der nächsten Kneipe.

Gestern haben wir drei Gitarrenbaugesellen uns beim Mittagessen im Hotel Pitiüsas nicht auf das richtige englische Wort für „Bohren“ einigen können. Da stand hinter uns ein kleiner, älterer knollennasiger, rauchender Mann aus England, der uns sogleich weiter half. Wie sich herausstellte, war das Phil aus England, der hier auf Formentera seine Zweimaster-Yacht verchartert. Er hat sich gleich mit unserem Israeli verbrüdert, denn nach dem Sinai Krieg hat Phil gemeinsam mit Italienern (?) die alten Panzer der Israelischen Armee ins Land zurückgeholt. Er ist scheinbar bisher gut herum gekommen im Leben. Außerdem ist er noch Ingenieur und Schreiner und wäre deswegen unser ideales lebendes Wörterbuch. Sein Boot, die „Oasis“, ist übrigens aus gegossenem Beton und er hat es selbst geplant und gebaut. Es liegt in der Marina von La Savina und wartet dort auf Chartergäste.

Heute war es sehr sonnig. Wir lagen nachmittags am Strand und haben uns schön grillen lassen. Bruno, der beinahe-Porno-Star, musste sich natürlich mit Kokosöl einsprühen, um schneller braun zu werden. Hin und wieder ins kalte Wasser zur Erholung, so ist das richtig. Der Strand wird momentan mit Hilfe von Lastwagen und Baggern vom Seegras befreit. Das freut die Touristen, denn hinter den Seegrasbergen herrscht weniger Wind und dort lässt es sich scheinbar vortrefflich campieren.
Da unsere „Mittagspause“ ja von ca. 14 – 18 Uhr geht, haben wir alle Zeit der Welt, um auch noch Strandurlaub zu machen. Jedenfalls, wenn nicht gerade fieser Wind weht. Und der wird zum Glück immer wärmer in den letzten Tagen.

Kopfplatte löchern und formen

Abgesehen vom finalen Feinschmirgeln des Halses (man kann nie genug schmirgeln!) stand als nächstes die Kopfplatte an. Eine Les Paul hat ein Kopfteil, das wie ein aufgeschlagenes Buch aussieht. Daher auch die amerikanische Bezeichnung „Open Book Headstock“. Das bringt mit sich, dass es oben drin eine Spalte gibt, die nicht so leicht herzustellen ist. Um das Holz dort gleichmäßig zu schleifen, habe ich mir diverse „Spezialwerkzeuge“ hergestellt. Was man nicht alles mit doppelseitigem Klebeband und Sandpapier veredeln kann…

Die restlichen Rundungen an der Seite können mit einem gebogenen Werkzeug oder dem Trommelschleifer bearbeitet werden. Dieser feine Spalt bleibt aber Fummelarbeit. Daher kamen hier besonders kleine Feilen zum Einsatz, wie man sie auch für die Einlegearbeiten aus Abalone verwendet. Mein Hals ist zwar aus Mahagoni, er hat aber einen Mittelstreifen aus dunklem Wenge Holz. Der ist dann auch ständig gesplittert und ich musste ihn noch mehrfach mit Epoxi betupfen, damit die Risse wieder geschlossen waren. Eine optische Sache zwar nur, weil die Risse sehr klein waren, aber trotzdem nervig.

Die Kopfplatte braucht noch 6 Löcher für die Mechaniken. Man bohrt zunächst mit einem 8 mm Holzbohrer vollständig hindurch. Im zweiten Durchgang weitet man das Loch von oben mit einem 8,7 mm Bohrer. Das hängt natürlich von den verwendeten Mechaniken ab. Meine sind Kluson Vintage Style (leicht grünliche Tulpengriffe) und haben Einschlaghülsen, die eben genau in das gebohrte Loch passen.

Halsdicke und Profil

Bevor das überschüssige Holz von dem noch ziemlich rohen Halsklotz abgesägt wird, steht wieder einmal die Überlegung an, wie der finale Hals denn geformt sein soll. Man sagt, je dicker der Hals, desto dicker der Ton. Damit ist das An- und Ausschwingverhalten des Holzes gemeint. Ein Hals mit weniger Holz lässt sich durch die Vibration der Saiten schneller in Schwingung versetzen, als ein Schwerer. Dafür schwingt ein dicker Hals länger nach und lässt die Saiten dadurch ebenfalls länger schwingen. Les Paul Gitarren sind bekannt für dicke Hälse, siehe auch weiter vorne im Bericht.

Üblicherweise gibt es zwei Stellen, an denen die Dicke gemessen wird: am 1. und am 12. Bund. Gängige Werte liegen zwischen 20 und 24 mm. Die Auflagepunkt zum Messen sind die Oberseite des Griffbretts und die Unterkante des Halses. Später, wenn die Gitarre fertig ist, miss man natürlich auf dem Griffbrettholz, nicht auf den Bünden. Die Dicke ist leicht ansteigend; am 12. Bund sollte sie etwa 2 mm mehr haben als am 1.

Ich habe mich für eine Dicke von 21 mm entschieden, die auf 23 mm ansteigt. Das geht in Richtung einer Les Paul der 50er Jahre, die für eher dicke Hälse bekannt sind. Zum Vergleich:
Eine LP Standard 60s hat 20,3 auf 23 mm bzw. 20 auf 22 mm in der „thin“ Version. Dieser Unterschied dürfte wohl kaum spürbar sein.

Ausschlaggebender für das „fette“ Gefühl in der Hand ist eher das Profil, als die reine Dicke des Holzes. Man bezeichnet das Profil mit Buchstaben, da es ihnen ähnlich sieht. Ein V- oder C-Profil ist eher flach, während das runde D-Profil die Hand füllt. Ich habe mich für ein C-Profil entschieden, genug Holz hat der Hals ja.

Um aus dem Kantholz mit Griffbrett einen geformten Hals zu machen, ist als nächstes ausgiebiges Feilen angesagt. Zunächst (und eigentlich bis ganz zum Schluss) wird eine Mittellinie aufgezeichnet. Hört sich einfacher an, als es ist. Da wir hier von halben Millimetern sprechen und allein der Bleistift schon eine etwa millimeterdicke Linie zieht, ist hier Sorgfalt angesagt und der Spitzer wird zum besten Freund.

Anschließend werden weitere Linien gezogen, die markieren, bis wohin gefeilt werden muss. Dafür halbiert man sowohl die Strecke auf der Oberseite (Mittellinie bis Rand) als auch auf den Seiten (Hälfte zwischen Griffbrett und Unterkante). Nun wird zwischen diesen beiden Linien im 45 Grad Winkel das Holz weggeraspelt. Hierbei aufpassen, eine glatte Fläche mit klar definierten Kanten zu erhalten. Denn im folgenden Schritt wird zwischen den entstandenen Kanten wieder gefeilt, diesmal natürlich im flacheren Winkel.

Das Griffbrett wird hierbei nie berührt, man kann bis 1 mm herangehen. Der Übergang zur Kopfplatte ist meinem Fall eine auslaufende, V-förmige Kante, die an den unteren Ecken der Kopfplatte endet.

 

 

 

Nach dem Feilen wird wieder ausgiebig geschmiergelt. Zunächst mit grobem 100er Papier die letzten Kanten abrunden, danach mit 250er und 400er längs jede verbliebene Unebenheit wegsanden. Zwischendurch immer mal wieder den Hals unter das Licht halten und um die Längsachse drehen:  dort wo sich der Schatten hart bricht, ist noch eine Kante. Sind schließlich alle Kanten, Feil- und Schleifspuren beseitigt, ist diese Baustelle erstmal fertig.