Archiv der Kategorie: Indien

Frittiertes Kulturgut

Dass man in Indonesien gern Frittiertes isst (zum Beispiel „Fliegende Fische“), hatte ich früher schon geschrieben. Frittiert wird aber eigentlich alles, was nicht rechtzeitig aus dem Wok hüpfen kann. Es gibt in jeder Stadt mindestens ein Geschäft, wo in einem riesigen Kessel vor der Tür heisses Öl kocht und im Inneren des Ladens die Frittaten abgepackt in Tüten zu kaufen sind. Verschiedene Gemüsesorten, Obst, Nüsse, Reis, Kartoffeln, einfach alles. Die Logik dahinter ist ja auch bestechend: backe es aus in heissem Öl, gib Salz, Zucker und Gewürze über das knusprige Zeug und verkaufe diese Droge zu einem guten Preis! Wohin das führt, erkennt man schnell an Einheimischen, die es sich leisten können: das Volk verfettet.

Genauso halten es die Inder. Das fettige Gift wird hier unter dem Namen „Chivda“ verkauft. Der Snack besteht aus in Fett gebratenen Nüssen, Reis (gepuffter, so wie die Kellog’s Rice Krispies), Rosinen und Kokosfleisch. Die Hälfte der Packung ist folglich Öl oder Fett und nach ein paar Happen von diesem Kraftfutter kann man die Beine von sich strecken. Das Dumme ist nur, dass man nicht aufhören kann, diese würzige Mischung in sich hineinzuschaufeln. Es macht wirklich süchtig.

Es ist im Prinzip ähnlich wie das Pemmikan der amerikanischen Indianer, welches allerdings aus Tierfett, Nüssen und anderen haltbaren Kalorienbomben besteht. Damit schafft man es locker durch die Prärie, auch ohne zwischendurch einen Büffel zu erlegen.

Die indischen Indianer dagegen bringen dieses Zeugs liebend gerne mit nach Deutschland, damit sie die ersten Tage etwas zu essen haben. Denn nichts interessiert einen Inder brennender, als die Frage, welche Nahrung ihn ausserhalb der Heimat wohl erwarten mag. Und so kommt es, dass sich meine lieben indischen Kollegen ihre Koffer mit Snacks, Instant-Nudeln und Instant-Coffee füllen, nur um ja nichts unbekanntes im wilden Europa essen zu müssen.

Auch sehr praktisch ist eine konzentrierte Mischung aus gerösteten und dann gemahlenen Erdnüssen, welche mit reichlich Spice versetzt wurde. Mit diesem Pulver und einem Kilo Reis überlebt ein Inder jeglichen Kulturschock. Das Zeug macht übrigens ebenfalls süchtig…

Hier noch ein Rezept für Chivda aus der Region Maharashtra, zum Selbermachen.

Café Leopold

In der Nähe vom Suba Palace Hotel befindet sich das populäre „Café Leopold“. Hier sitzen vor allem Ausländer und trinken ihren Cappuccino oder ein Pint Kingfisher. Es ist teuer und überlaufen, vor allem abends, aber mein Cappuccino war gut. Während ich ihn so vor mich hingeschlürft habe, wurde mir bewusst, dass dieses Café ein prima Ort für den nächsten Terroranschlag ist. In Pune haben sie ja auch die „German Bakery“ in die Luft gejagt und nicht das nahe gelegene „Oh Calcutta!“ oder ein ähnliches Restaurant für Einheimische. Vor dem Leopold verläuft direkt der Colaba Causeway, dazu stehen noch alle Türen weit offen bzw. es gibt gar keine. Man bräuchte bloß gemächlich hineinspazieren und sich auf die Jungfrauen im Paradies freuen. Traurig, so was zu denken. Aber verdrängen kann man es auch nicht, denn es kann jederzeit wieder passieren. Und die überall herumstehenden Polizisten mit Gewehren können daran auch nichts ändern.

(Nachtrag: wie ich später recherchiert habe, war dieses Café tatsächliche das erste von mehreren Zielen für Terrorattacken während der Anschlagserie von 2008)

Einen indischen Chai-Tee haben sie in diesem Café nicht, auch kein Kulfi Eis. Also habe ich mich für „Falooda“ entschieden. Dabei handelt es sich um eine Art Milch-Shake. Er wird mit einem mir unbekannten Eis und einem noch unbekannter schmeckenden roten Sirup sowie mit Maracuja hergestellt. Der Shake ist gar nicht mal so süß, ein weiteres Indiz dafür, dass es das Leopold nicht auf den einheimischen Geschmack abgesehen hat. Der Sirup erinnert an Badeschaum, mit einer Note von Reinigungsmitteln. Kampfer ist es nicht, schmeckt eher wie die flüssige Version dieser roten Räucherstäbchen. Muss das mal googlen. Andererseits – vielleicht auch besser nicht. Wenn man alles weiß, ist der thrill gone…
(Wer es doch wissen will: HowtomakeFalooda)

Abends war ich auf Empfehlung des Liftboys (eigentlich ein armer Liftopa, der immer von seinem Hocker hochschreckt, wenn jemand den Knopf drückt und dann hektisch das Gitter vor der Tür zur Seite schiebt) in einem Lokal nicht weit vom Regal-Kino essen. Hatte es nachmittags auf dem Rückweg schon erspäht. Es fällt allein wegen seines hübschen Äußeren schon auf, leider war es innen dann trauriger Standard. Ein unglaublich lahmer Angestellter bequemte sich irgendwann, meine Bestellung aufzunehmen. Aber erst, nachdem er langsam schlurfend den Weg zu meinem Tisch gefunden und lauthals die Nase hochgezogen hatte: „Yessir…?“. Ich bestellte eine gemischte Barbecue Platte aus dem Tandoor. Es war Ok, nur nicht wirklich heiß. Das Fleisch war sehr zart und gut gewürzt, da könnten auch deutsche Metzger noch etwas von lernen. Zum Nachtisch habe ich es endlich geschafft, „Kulfi“ zu bestellen. Wie sich herausstellte, hatte ich es irgendwann früher schon einmal probiert. Es schmeckt immer noch gewöhnungsbedürftig. Subjektives Rezept:

  • 8 Teile Zucker
  • 1 Teil gesüßte Kondensmilch
  • 1 Teil H-Milch

Nicht wirklich mein Ding.

Echtes Rezept: Kulfi.

Im Trabbi durch Mumbai-Süd

Wie weiter oben schon erwähnt, gibt es in Mumbai vor allem diese Trabbi-artigen Taxis. Ich habe mal dagegen geklopft: sie bestehen wohl doch aus Blech und nicht aus Pappe. Darin gefahren zu werden hat Go-Kart Charakter. Entsprechend fahren die Driver auch, Stoßstange an Stoßstange. Todesmutig fordern sie alles vom Motor und scheuen auch nicht davor zurück, ihn im letzten Gang kurz vorm Abwürgen den Hügel hochzutreiben. Währenddessen könnte man aussteigen und schieben. Das Taxameter habe ich auf der Rückfahrt dann eigenhändig eingeschaltet, was für den Beifahrer auch leichter ist als für den Fahrer, da sich der Blechkasten mit dem Zähler auf der linken Seite vor der Außenscheibe befindet. Alles noch reine Mechanik: den Hebel hintendran zweimal nach rechts drehen, und schon wird gezählt. Vom Planetarium am Nuhru Centre ausgehend zurück zum Gateway of India dauert die Fahrt ca. eine halbe Stunde und kostet 100 Rupees. Jetzt erst geht mir auf, was die Rikscha-Fahrer in Pune doch für Abzocker sind.

Doch zurück zum Anfang des Tages. Zunächst mal habe ich mir wieder in der Mittagshitze die Füße platt gelaufen. Schon klar, das ist bekloppt. Aber was willste machen, die Alternative hieße, früher aufstehen und vormittags losziehen. Dann doch lieber einen Kreislaufkollaps riskieren und ausschlafen.

Nachdem ich mich am Chowpatti Beach habe absetzen lassen, ging es per Pedes weiter in Richtung Hanging Gardens bzw. Malabar Hill. Dummerweise hatte ich Depp immer noch nichts Besseres als den Ausdruck von Google Maps dabei. Das hat sich diesmal endgültig gerächt, denn nachdem ich einmal falsch abgebogen und zwanzig Minuten in die falsche Richtung geschlappt bin, war die Luft raus und ich bin mit dem nächstbesten Trabbi zu Station Nummer zwei gefahren: dem Mahalakshmi Tempel.

Der hatte leider wegen Renovierung geschlossen. Was soll’s, also weiter zu Station Nummer drei: der Haji Ali Bukhari Moschee.

Diese liegt ein Stückchen vor der Küste und ist über einen Damm von einigen hundert Meter Länge zu erreichen. Wenn man nicht so genau hinkuckt, hat das von weitem Ähnlichkeit mit den auf Holzstelzen an die Ostseeküste gepflanzten weiß gestrichenen Restaurants. Wenn man aber doch einmal genauer hinsieht, liegt der Unterschied vor allem darin, dass es an der Ostsee recht wenige Muslimfamilien gibt und am Rand des Steges keine verkrüppelten Bettler um Aufmerksamkeit buhlen. Auch an den hier herrschenden unglaublichen Gestank kann ich mich an der Ostseeküste nicht erinnern. Dort verwesen aber auch nicht bei Ebbe die Abfälle einer Millionenmetropole im Schlick.

Die Moschee ist glänzend weiß und von außen nett anzusehen. In den innersten Bereich bin ich nicht gegangen, dafür war es zu voll und die Moschee zu klein. Außerdem wollte ich meine Schlappen nicht auf den riesigen Haufen zu den anderen werfen. Und schon gar nicht wollte ich den Schuh-Boys Geld fürs „Bewachen“ geben.

Das Planetarium sollte eigentlich erst später am Nachmittag drankommen. Aber da kein Taxifahrer in der Nähe der Moschee mein Ziel für die Mittagspause kannte – die City Walk Shopping Mall – bin ich halt doch früher hin als geplant. Das Planetarium gehört zum Nehru Centre, eine Art Science Park zum Lernen und Anfassen. Nach ein paar Samosas als Mittags-Snack war ich nach kaum einer Stunde Schlangestehen schon drin.

Die Show war ein wenig Altbacken. Unter einem Planetarium hatte ich mir etwas Moderneres vorgestellt als nur langweilig animierte Fotos von Sternenhaufen. Ich hatte auch in Erinnerung, dass normalerweise so ein riesiges Projektionsmonster in der Mitte der Kuppel steht und sich dreht wie wild. Hier wurde das Bild von einigen rot/blau/gelb-Projektoren an den Wänden erzeugt. Mit dem Erfolg, dass sich die Kids in den hinteren Reihen einen Spaß daraus gemacht haben, ihre dicken Birnen davor zu halten, so dass man das in riesengroß an der Kuppeldecke sehen konnte. Meinem Sitznachbarn war das wurscht. Er ist schnarchend eingepennt, kaum nachdem es dunkel war.

Ashokas Rache

Keine Ahnung, ob der alte Inder-König Ashoka einen Grund hätte, an Touristen Rache zu nehmen, so wie es sein Amtskollege Montezuma aus Südamerika hat. Ich weiß nur eins: der gegrillte Maiskolben vom Straßenrand gestern Nachmittag hatte es in sich (siehe das Foto auf der ?-Seite). Aber besser die Nacht auf der Hotel-Toilette verbracht, als tagsüber zu leiden. So war die Angelegenheit am nächsten Vormittag gegessen, äh, jedenfalls vorbei.

Insgesamt muss ich sagen, dass an den Horrorgeschichten nicht viel dran ist, die sich übervorsichtige Weißnasen gegenseitig erzählen. Wenn man einige Grundregeln einhält, wird man sehr wahrscheinlich ohne Magen-Darm-Probleme durchkommen. Und außerdem ist ja nicht jeder Pups (haha!) gleich eine Magendarmsache.

Meine Top-3 der Auslöser von Ashokas Rache:

  1. Schärfe bzw. „Spice“
    Wer Chilli und die vielen Gewürze nicht gewohnt ist, wird das verdauungstechnisch bemerken. Jeder hat seine eigene Grenze. Wenn ich zu scharf gegessen habe, muss ich zusehen, dass in ca. fünf Stunden die nächste Toilette nicht weit ist. Den Punkt „Schärfe“ kann also jeder selbst beeinflussen. Wer sündigt, muss leiden. Leider. Auch durch Training wird man nicht zum Inder.
  2. Keime
    1. In der Nahrung
      Das kann von einer leichten Magenverstimmung bis zu richtig schwerem Durchfall führen. Ich bin bisher gut damit gefahren, von Straßenständen nur frittiertes oder gegrilltes zu essen. Aber auch das kann schief gehen, siehe oben. Keine Suppen, kein rohes oder schon zerkleinertes Gemüse, kein Eis. In Restaurants und Cafés kann man bedenkenlos alles essen (aber siehe „Spice“!).
    2. Im Wasser
      Wasser nur aus verschlossenen Flaschen trinken. Auch zum Zähneputzen verwenden. Kein gepresster Saft von der Straße, auch kein Zuckerrohrsaft. Eine frische Kokosnuss ist Ok, wenn sie erst beim Kauf geöffnet wird. Wenn die Verarbeitung von Fruchtsäften sauber ist, wie z.B. bei Saftständen mit Maschinen aus Edelstahl, geht das auch in Ordnung. Tee jederzeit. Während einer Dschungeltour auf Sumatra habe ich drei Tage lang nur über dem Feuer abgekochtes Flusswasser getrunken, auch das geht. Chlortabletten (Mikropur oder ähnliches) schmecken widerlich und sind fast immer unnötig. Angeblich kann man eine Wasserflasche aus durchsichtigem Plastik auch mehrere Stunden in die Sonne legen. Die UV-Strahlung würde die meisten Keime vernichten. Das soll mal jemand anders ausprobieren.
  3. Fieses Zeuch
    So nenne ich mal alles, was im Körper bleibt und von diesem nicht per Durchfall entfernt werden kann. Wer länger als zwei, drei Tage an Durchfall leidet, sollte sich im nächsten Krankenhaus untersuchen lassen. Mit ein paar Totschlag-Medikamenten gegen Bakterien sollten dann nach einer Weile alle unerwünschten Magenbewohner beseitigt worden sein. Diese Viecher können allerdings richtig zäh sein.

An dieser Stelle lohnt es sich, auf eine Auslandskrankenversicherung hinzuweisen (z.B. vom ADAC oder andere). Für Urlaubszeiträume von einigen Wochen reicht eine Versicherung, wie man sie für ca. 15 Euro überall angeboten bekommt. Wer länger unterwegs ist oder mehr Leistungen braucht, muss entsprechend mehr löhnen. Hierfür gibt es gesonderte Anbieter. Es wird dann genau nach Tagen und Land abgerechnet. Die eigene Krankenkasse hat häufig Connections, es ist also nicht schwer einen Anbieter zu finden. Wer im Ausland beruflich tätig ist, sollte bei der eigenen Firma nachfragen, ob eine Versicherung besteht und ob diese auch den Rücktransport nach Deutschland und andere Scherze beinhaltet. In diesem Fall braucht man keine eigene Versicherung. Nur falls man private Urlaubsabstecher macht, ist das nötig.

Man muss auch wissen, dass es dem Arzt im Krankenhaus ziemlich Wurst ist, ob man versichert ist oder nicht. Bezahlt wird an der Krankenhaus-Kasse in Cash oder mit Kreditkarte, man ist also Privatpatient. Die Kohle holt man sich dann später von der Auslandskrankenversicherung wieder.

Viele Infos findet man beim Auswärtigen Amt, siehe dort auch die jeweiligen Länderseiten für Offizielles.

Das Robert-Koch-Institut weiß alles zum Thema Impfen.

Indian Summer

Aufschrift einer 7up-Flasche:
7up – Life is like a lemon, squeeze every drop! (CONTAINS NO FRUIT)

„Indian Summer” hieß das Lokal meiner Wahl (guckst du Google Maps). Sehr originell und auch passend zur Situation, in der ich mich befand. Nachdem ich zunächst einmal in der Gluthitze der Mittagssonne am Marine Drive herumgeschlappt bin, bog ich irgendwann in eine Seitenstraße ein, in der das Restaurant lag. Der Marine Drive, eine Art Uferpromenade, folgt dem Verlauf der Bucht in Richtung Chowpatti Beach und liegt in der prallen Sonne. So können sich die Steinplatten ganz hervorragend aufheizen und man wird wie im Tandoor von allen Seiten schön gegrillt. Mit Umluft.

Wer schlappt schon in der Mittagshitze bei 40 Grad durch die Stadt? Eben, nur ich und andere idiotische Touris. Rechtschaffene Inder halten jetzt lieber ein Mittagsschläfchen, so von 13 bis 16 Uhr. Genau hierfür erschuf Gott den zurückklappbaren Fahrersitz.

Das Restaurant bot ein Buffet, das bedeutet also, jede Menge verschiedener Currys. Alleine die servierten Vorspeisen hätten schon gereicht, um mich satt zu machen. Denn aufgrund der Temperatur war es mit dem Hunger nicht so weit her.

Es gab diese wunderbaren aufgepufften Teigkugeln, in welche man einige grüne und weiße Mungebohnen (oder andere Samen/Nüsse?), Kichererbsen sowie zwei Saucen füllt. Selbst die Inder haben mehrere Namen für die Teile: Pani Puri, Gol Gappa oder Puchka – je nach Region. Die eine Sauce entspricht der giftgrünen Allroundwürze aus Koriander, Minze und grünem Chilli. Die andere ist auch etwas scharf aber größtenteils süß und außerdem rot. Obendrauf kann man noch frittierte Teigkrümel streuen. Dann am Stück ab damit in den Mund und die folgende Geschmacksexplosion genießen… toll! Eine Variante war mit Joghurt sowie den beiden Saucen gefüllt, auch sehr lecker.

Danach gab es eine nicht erwähnenswerte Hühnersuppe, gefolgt von in einen dünnen Teigmantel eingeschlagenem Hühnerfleisch mit Chillisauce. Das war so ähnlich wie das, was es auf dem Hinflug nach Pune zum Frühstück gab. Nur jetzt also in frisch, und nicht aus der Flugzeugdampfküche.

Jedes einzelne Curry des Buffets aufzuzählen spare ich mir jetzt – sie waren gut, aber nicht außergewöhnlich. Buffet eben.

Rezept für Pani Puri hier (nicht ganz so wie in Mumbai).

Mehr Hintergründe zu indischem Streetfood.

Fotografieren

Um nicht immer nur alte Steine zu fotografieren, halte ich manchmal auch Imbissstände und Krimskrams-Händler im Bild fest. Freundlicherweise frage ich vorher, ob denn Fotografieren in Ordnung geht. Das Feedback… hm, so richtig erfreut war niemand. Ganz zu schweigen von einem freundlichen Lächeln. Vielleicht wirke ich nicht wie ein Profi-Fotograf, der eine glanzvolle Model-Kariere verspricht. Bilder wie in den Katalogen der Reiseveranstalter wollten mir jedenfalls nicht gelingen.

Doch dann ist mir einem ruhigen Viertel eine ältere Frau mit einem kleinen Mädchen begegnet. Die Frau hatte einen ganzen Sack voller Postkarten auf dem Kopf balanciert und mich sofort als potentielles Opfer ins Visier genommen. Volle 150 Rupien (knapp 3 Euro) wollte sie für einen Satz von 13 Postkarten – graue Pappe aus dem Copy-Shop – haben. Wenn man bedenkt, dass eine einfache Gemüseverkäuferin am Tag vielleicht 30 Rupees verdienen kann, ist das eine ziemliche Stange Geld. Mit 50 Rp war sie aber auch sofort happy, es gab auch kein überflüssiges Palaver, um noch mehr Kohle rauszuquetschen. So haben wir uns dann freundlich voneinander verabschiedet. Ich konnte mich als Wohltäter fühlen und sie hatte einen ziemlich guten Deal gemacht. Entwicklungshilfe, die ankommt. Und so verschwanden die Frau und das hinter ihr her hüpfende Mädchen im Dunst der Stadt…

Später ist mir dann eingefallen, dass die beiden ein tolles Fotomotiv abgegeben hätten. Bin halt doch kein Profi.

One Day in Bombay – Salaam und Ave Maria

Es gibt erstaunlich gute Bürgersteige in Mumbai. Auch das Überqueren von Straßen funktioniert relativ gelassen, da sich bei großen Kreuzungen sogar an die Grünphasen gehalten wird. Sogar an die für Fußgänger. Ansonsten gilt wie immer: mindestens ein Inder zwischen den Autos und mir! Nur er weiß, ob es ratsam ist loszulaufen oder stehen zu bleiben. Am einfachsten ist es, in einer Gruppe über die Straße zu gehen. Das funktioniert dann auch bei rot.

Mein kleiner Kompass hat sich wieder gut bewährt. Aber wenigstens sind die meisten Straßen zweisprachig beschildert, man kann sich also auch so zurechtfinden. Allerdings sollte man mehr dabei haben, als einen Ausdruck von Google-Maps… es geht aber auch alleine damit *räusper*. Bin gespannt, ob in diesem Land jemals Streetview zum Einsatz kommt. Das muss herrliche Szenen geben!

Unterwegs bin ich in eine Moschee gegangen. Wie soll ich sagen… man wird nicht ganz vorurteilsfrei empfangen. Gegen unfreundliche Blicke hilft aber Schlappen ausziehen, lächeln und trotzdem reingehen. Grundsätzlich sind Moscheen frei zugänglich, sofern nicht anders ausgeschildert. Natürlich sollte man keine kurzen Hosen tragen, nicht gerade vor den Betenden herumlaufen, etc.

Anders dagegen die Kirchen. Diese zu betreten ist stressfreier. Was vielleicht auch daran liegt, dass es hier kaum Christen gibt und sie gähnend leer sind. Wie immer in großen Städten ist es sehr angenehm, eine Weile Platz zu nehmen und durchzuatmen. Es ist zwar nicht so kühl, wie in dickwandigen europäischen Kirchen, aber dennoch erholsam. Die Wände sind voller marmorner Denkmäler für Admiräle, Kapitäne und die Besatzungen ihrer gesunkenen Schiffe. Das war die Zeit der dicken, kanonenbeladenen Linienschiffe. Sehr eindrucksvolle Kolonialgeschichte.

Wuselbilder

Wenn ich aus dem Fenster meines Hotels schaue, während die Sonne langsam untergeht, komme ich mir vor wie der Betrachter eines Wuselbildes:

  • Taxifahrer lehnen entspannt an ihren Autos oder schnarchen auf zurückgeklappten Sitzen.
  • Eine silberne Touri-Pferdekutsche mit grellen Lichterketten trabt durch das Verkehrs-Chaos.
  • Reiche Inderinnnen in wallenden Gewändern tragen ihre Einkäufe aus den Luxusboutiquen nach hause.
  • Raben fliegen über die Dächer und jagen die ebenso zahlreichen Tauben.
  • Menschen stehen am Telefon-Kiosk und palavern mit der Verwandtschaft.
  • Weit draußen im Hafen schwimmt ein Kriegsschiff der indischen Marine und bläst gerade schwarzen Qualm aus seinen Schloten.
  • Davor kämpfen die Boote der Hafenrundfahrt um ihren Platz am Steg.
  • Um das Gateway of India wogt die Menschenmenge, manche Familien campieren auf dem Boden und essen ihr mitgebrachtes Essen oder kaufen geröstete Kichererbsen.
  • Auf dem Dach des Nachbarhotels halten die Bauarbeiter gerade Mittagsschlaf.
  • Eine Großfamilie kämpft sich mutig und Hand-in-Hand als Menschenkette über die Straße.
  • Total ineinander verkeilte Automassen können sich weder vor noch zurück bewegen und werden laut hupend angefeuert, etwas dagegen zu unternehmen.

 

Die Aufzählung ließe sich ewig fortführen…

One Night in Bombay

Diese Menschenmassen! Sonntagabends strömen sie zum „Gateway of India“, dem Wahrzeichen der Stadt. Man kommt sich vor wie im Vatikan: der gesamte Vorplatz ist abgesperrt, man kommt nur links hinein und hinaus. Dann läuft man einmal um das monströse Tor herum und quetscht sich wieder raus. Direkt davor steht das Taj Mahal Palace Hotel. Hier sieht man, dass aufgrund der Lage direkt an der Strasse jederzeit wieder eine Bombe hochgehen könnte. Beides, das Gateway und das Taj, sehen jedenfalls sehr hübsch aus, wenn die Sonne untergeht.

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Kulinarisch gesehen gab es abends leckere Lamm-Rippchen in rotem Curry auf der heißen Platte („sizzling“) sowie gebratene Auberginen. Letzteres hatte ich selbst schon einige Male gekocht und war daher überrascht, wie nah ich dem ganzen zu Hause schon gekommen bin. Hierfür benötigt man die kleinen Mini-Auberginen, die von sämtlichen Indern im Frankfurter Bahnhofsviertel angeboten werden. Man muss daran denken, sie einzuschneiden, dann garen sie beim Braten gleichmäßiger. Wenn man sie dann noch im rohen Zustand kurz blanchiert, zieht das die Bitterkeit aus der Frucht.

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Als kleine Finesse hatte dieses Bratauberginencurry (es gibt nix ohne Curry-Sauce) ein intensives Knoblauch- und Röstaroma. Als Beilage noch das übliche Chapati und Roti. Diesmal habe ich in weiser Voraussicht ein Kingfisher Beer in Stufe „mild“ gewählt. Es hat die „korrekten“ 5%. Übrigens, falls man beim Bestellen von Getränken nach der Wunschtemperatur gefragt wird, immer sagen: freezing! Warm wird’s von alleine, und zwar noch vor dem Hauptgang.

Temperaturmäßig legt Mumbai im Vergleich zu Pune noch einen ordentlichen Zahn zu. Irgendwo zwischen 35 und 40 Grad pendelt sich das Thermometer ein. Zumindest jetzt, zur Frühlingszeit bzw. im Frühsommer. Hinzu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit. Es entsteht dann dieser charakteristische gärende, dampfende, süße, organische Mief, der auch in Jakarta vorherrschend war. Will gar nicht wissen, wie das zur Regenzeit ist.

Auf dem Rückweg zu meinem Hotel („Suba Palace„) – man kann übrigens prima auf Bürgersteigen laufen – bin ich durch eine Shoppingstraße gegangen. Hier gibt es alles Zeuch und Krempel, was man sich nur wünschen kann. Leider ist mein Koffer schon am Limit. Platz im Magen hatte ich dagegen noch für eine kleine spezielle Süßigkeit vom Straßenrand. Ähnlich dem früher schon beschriebenen „Paan“ handelte es sich ebenfalls um eine in ein Blatt gewickelte Gewürzmischung. War wohl Bombay-Paan. Nachdem mir der Verkäufer den Preis von 10 Rp nannte, war ich erstmal skeptisch… man weiß ja nie, will der mich über den Tisch ziehen? Aber fairerweise muss ich sagen, dass es bis heute noch kein Inder versucht hat, mich auszunehmen. Jedenfalls keine Geschäftsleute. Die sich häufig anbiedernden und meist etwas schäbig aussehenden Gesellen hier einmal ausgenommen, die haben natürlich nur Dollars in den Augen: „What’s your name, where are you from, I am hungry…“.
Vielleicht sollte ich beim Einkaufen nicht so misstrauisch sein.

Wer noch nicht ausgelastet ist, hat unterwegs immer wieder die Möglichkeit, Haschisch oder „nice ladies“ zu kaufen bzw. zu besteigen. Das erinnert mich sehr an karibische Verhältnisse. Falls man auf die Frage „Do you like Bob Marley?“ mit „Yes“ geantwortet hat, war das ein klares Signal an den Verkäufer, seine Ganja-Vorräte zu präsentieren.

Von Lonavla nach Mumbai

Mit dem selben Fahrer, mit dem ich sonntags zuvor Pune unsicher gemacht habe, bin ich an diesem Tag nach Mumbai gefahren. Sein forscher Fahrstil wurde immer zögerlicher, je näher wir der Großstadt gekommen sind. Schließlich hat er sogar kaum noch gehupt, und das will etwas heißen. A propos Hupen – jemand hat einmal geschrieben, dass Inder sich im Straßenverkehr wie Fledermäuse zurechtfinden: durch reine Akustik. Da scheint etwas dran zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass sie konstant weiterhupen, auch wenn offensichtlich gerade Stau ist und Hupen rein gar nichts bringt.

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Im Innenbereich von Mumbai dürfen keine Moppeds und Rickshaws fahren. Daher gibt es hier nur die knubbeligen schwarz-gelben Cabs, die einem Trabbi verdammt ähnlich sehen. Lustigerweise haben sie den selben Taxameterkasten wie die Rikschas, nur außen anstelle des Rückspiegels an der Beifahrerseite montiert. Klimaanlage is nich, mehr als einen Motor, eine Hupe und vier Räder hat man diesen Gefährten nicht gegönnt. Angeblich werden sie nahezu unverändert seit ca. 1940 gebaut. Mehr Infos zum Mumbaier Nahverkehr.

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Die Mumbaier Außenbezirke sehen genauso aus wie die von Jakarta: hohe graue Betonburgen sind der letzte Schrei. In großen Werbekampagnen wird versucht, der neuen Mittelklasse das Leben in solchen Plattenbauten schmackhaft zu machen. Man wäre dort unter sich, die böse Welt bleibt draußen und so. Wie das in 30 Jahren aussieht, dafür bräuchten die indischen Städteplaner bloß mal nach Deutschland zu fahren. Die Straßenpenner der Zukunft werden jedenfalls reichlich Gebäude zum „Platte machen“ finden… falls sie reinkommen.

Auf der anderen Seite müssen diese Unmassen an Menschen in Indien ja auch irgendwo untergebracht werden. Es können und wollen ja nicht alle im Slum leben. „Slum“ ist auch ein ziemlicher wischiwaschi-Begriff. Manche Slum-Häuser sind richtig gemauert und es gibt auch Straßen. Aber dennoch ist es natürlich nicht unbedingt wünschenswert, dort zu wohnen.

Touristen wurden in diesen Gegenden früher angeblich nach dem Ausrauben nackt ausgezogen und dann ohne alles wieder in der Stadt abgesetzt. Soviel zu den seit „Slumdog Millionaire“ und auch davor schon angebotenen Touristen-Touren durch ebendiese Slums. Wie mir später der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen erzählt hat, führt er selbst diese Touren durch Dharavi (wie der Slum offiziell heißt) seit zehn Jahren durch und alles wäre prima…
Das soll mal jemand anders ausprobieren.

P.S.: im Laufe der Zeit musste ich einige Links in diesem Artikel entfernen, da es die Seiten dahinter nicht mehr gibt. Besonders auf neon.de gab es einen exquisiten Artikel, den ein Praktikant im Lande geschrieben hat. Heute findet man auf den Webseiten des Schundblatts „Neon“ bloß noch oberflächliche 5-Zeiler von Leuten, die kaum mehr als einen Kurzurlaub in Indien verbracht haben. Es kotzt an, das zu sehen. Das Land hat mehr zu bieten als 4-jährige Prostituierte und geschockte Backpacker, so hart das jetzt klingen mag.

Von Pune nach Lonavla: die Bhaja Caves

Zwischen Pune und Mumbai liegt das Städtchen Lonavla (hier gibt es übrigens das berühmte „Chikki„). Da es ziemlich genau auf halbem Weg liegt, ist hier sogar ein größerer Bahnhof eingerichtet. Menschen aus Mumbai flüchten gern hierher, weil Lonavla schon im Hochland, der Deccan Ebene, liegt und somit kühler ist. Aus Pune kommt man dagegen auch gerne her, einfach zur Abwechslung. Es gibt auch einige Seen und vor allem Höhlen. Ich habe mir die Höhlen von Bhaja angesehen. Das habe ich auch erst nachträglich herausgefunden, eigentlich wollte ich zu den Höhlen von Karla. Aber egal, die sind sowieso recht ähnlich.

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Diese Höhlen sind nicht einfach nur Löcher im Stein, sondern eher Tempel. Sie wurden in eine senkrechte Wand aus dem Felsen gehauen und dienten den Mönchen der Vergangenheit als Tempel und als Schlaflager. Dafür hatte jeder Mönch seine eigene Schlafhöhle, mit einem Podest drin und das war’s. Schon recht eindrucksvoll, besonders die Haupthöhle, die wie das Mittelschiff einer Kathedrale wirkt. Alles fein säuberlich rausgemeißelt, man sieht die Spuren noch. Mittendrin im Mittelschiff das indische Phallussymbol oder sowas in der Art. Es scheint wohl Glück zu bringen, oben hinein Geldmünzen zu werfen, das war jedenfalls die Hauptbeschäftigung der anwesenden Kinder.

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Noch besser als die Karla und Bhaja Caves sollen wohl die Tempelanlagen von Ellora sein. Dort hat man die Idee konsequent zu Ende gedacht, einfach alles an Stein wegzukloppen, was nicht Tempel ist. Und so ist eine Anlage entstanden, bei der jedes Gebäude und jede Götterfigur aus dem selben Stück Stein entstanden ist.

Oh Sweet India!

Zum Nachtisch im Thali-Restaurant gab es einen extrem süßen Mango-Shake-Pudding. Der Löffel blieb senkrecht drin stecken. Reihenfolge der Zutaten:

  1. Zucker
  2. Mehl/Stärke
  3. Mango
  4. Farbstoff

Es ist einfach unglaublich süß gewesen. Als Vergleich zu deutschen Süßspeisen fällt mir höchstens das Mousse-au-Chocolat meiner Mutter ein. Hier aber noch extra Süßstoff hinzudenken. Ähnliches passiert mit Cola & Co., denn diese werden für den indischen Markt ebenfalls aufgezuckert. Wer also den Zuckerflash sucht, befindet sich hier im 7ten Himmel.

Auch anderes Naschzeug ist sehr süß. In der Regel bestehen die Sweets lediglich aus Zucker bzw. Sirup, Butter oder Ghee und irgendetwas, damit die Butter-Zucker-Masse gebunden wird. Das ist wahlweise Milchpulver, Kokosnussfleisch, etwas Mehl oder ähnliches. Die Konsistenz ist dann genau richtig, wenn sich nach dem Aufnehmen mit der Hand ganz langsam ein Siruptropfen am unteren Rand der Köstlichkeit zu formen beginnt. Außen herum bildet der Zucker eine leichte Kruste, die erst dann ihr klebriges Inneres preisgibt, wenn man reinbeißt. Phänomenal, Molekularküche made in India.

Ein Klassiker dieser Bauart ist so ein wurmartiges, in sich verschlungenes Spritzgebäck („Jalebi“), welches man nach dem Frittieren in grellfarbenen Sirup ertränkt. Es hat vermutlich ähnliche Eigenschaften wie Plutonium. Denn außer, dass es nachts leuchtet, frisst es sich mit Sicherheit auch durch jeden Zahnschmelz hindurch.

Hier schreibt einer unter anderem auch über Indian Sweets.

Thali, all you can eat

Zum Lunch gab es heute „Thali“, und das geht so:

  1. Hinsetzen
  2. Thali serviert bekommen
  3. Essen
  4. Nachfüllen lassen
  5. Essen, etc.
  6. Zahlen, und schließlich den eigenen Dickwanst aus dem Restaurant schieben

Bei einem Thali handelt es sich um eine Platte mit gemischten Speisen. In der Mitte stapelt sich das Fladenbrot, der Reis, Gurkensalat und die unvermeidlichen Zwiebel- und Limettenstücke. Drumherum reihen sich in kleine Blechschüsseln gefüllte Köstlichkeiten auf. Meistens ist der Inhalt vegetarisch, es gibt also Dal (Linsensuppe), verschiedene Currys in scharf, in süß und in scharf-süß und noch Curd (Joghurt). Als Inder würde man jetzt alles mit dem Reis zermanschen und es sich mit der Hand hineinschaufeln. Als unzivilisierter Deutscher greift man doch lieber zum Löffel und nutzt die Hand nur zum Stippen von Brot in Curry. „Brot mit Tunke“, wieder eine Gemeinsamkeit zwischen deutscher und indischer Küche.

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Sobald sich der Pegel der Schälchen senkt, kommt einer vom Restaurant herbeigeeilt und füllt sie wieder aus seinem 4-fach-Curry-Vorratsbehälter auf. Das funktioniert relativ unemotional, so wie man es sich in einem Gefängnis vorstellt: Kelle rein und einen ordentlichen Platscher auf die Thali-Platte gemacht.

Wer hauptsächlich Chapatis isst, so wie ich, der ist übrigens offiziell nur halb satt. Denn ohne Reis ist für einen Inder der Magen nur halb gefüllt. Klingt irgendwie nach der weltweit üblichen Erziehungsmethode der Eltern: wer die meisten Klöße/Kartoffeln/Brot isst… na und so weiter.

Paan

Der volljährige Inder holt sich die Portion Paan abends nach dem Essen beim Wasserhäuschen seines Vertrauens.

Es handelt sich um in ein Betel Blatt gewickelte Gewürze, welche für frischen Atem und eine geregelte Verdauung sorgen sollen. Natürlich gibt es in Pune recht wenige Wasserhäuschen, die Funktion dieser kleinen Kioske ist aber die selbe. Es hängt dort auch der selbe Menschenschlag herum. Man bekommt das Zeug aber ausschließlich dort, also hält man eben schnell am Straßnerand und holt sich seine glitschige Portion Paan für 7 Rupees. Ich wurde leider von meinem übervorsichtigen Kollegen bevormundet und übergangen und muss mich demnächst also selbst um diesen Stoff kümmern.

Hier kann man sehen, wie Paan hergestellt wird.
In Bombay konnte ich es später selbst probieren.

Das Abendessen bestand aus einem Hühnerkabab, der förmlich im Munde zerschmolzen ist! Drumherum eine leckere Hülle aus irgendwas und dann das ganze noch gebarbecued. Ein Gedicht. Hauptspeise war ebenfalls Huhn, nur diesmal in extrem scharfer Currysauce. Ich hatte ausdrücklich „spicy“ geordered, mein Kollege hat es dann aber heimlicherweise und auf Hindi in „medium spicy“ umgewandelt. Hat aber immer noch gebrannt wie Sau. In etwa vergleichbar mit Stufe C+ bei Best Worscht in Town.

Dazu Fladenbrot und Reis, was ich sehr gerne als Entschärfung gekaut habe. Eine Anmerkung ist noch das Kingfisher Beer in Stufe „strong“ wert. Es hat lockere 8 Volumenprozent Alkohol und die Flasche enthält 650 ml davon. Mehr braucht es nicht. Namaste.

 

In Bollywood wird nicht geknutscht

Neben dem Hotel befindet sich ein Kino Multiplex namens INOX. Hier werden alle möglichen Sorten indischer Filme gezeigt. Wie ich von meinem indischen Kollegen gelernt habe, gibt es allerdings sehr verschiedene Stilrichtungen. Die sind in etwa so unterschiedlich wie das Essen zwischen Ost- und Westküste, das heißt der Unterschied ist für Europäer nicht feststellbar.

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Unser Film hieß „The Game“ und er enthielt keine einzige Szene, welche in Indien gedreht wurde. Ein auf modern getrimmter Agatha Christie Verschnitt. Es hat ordentlich geknallt und gerummst, jeder Held durfte ausgiebig und sehr cool posieren und die Schicksen haben die Hüften wackeln lassen, dass es eine Freude ist. Nur eines kam trotz heißester Tanzszenen nicht vor: ein Kuss. Nicht mal ein kleiner. Andernfalls wäre der Film nicht mehr in der Familienkategorie eingeordnet und wäre damit automatisch ein Flop.

Nach einer Stunde war schon Pause. Man zeigt Werbung, blendet offiziell aussehende eingescannte Dokumente ein, welche bezeugen, dass der Werbespot genehmigt ist. Man vertritt sich die Beine und dann geht es wieder weiter. Seltsam. Jeder Europäer sollte sich mal in eine Hindi-Vorstellung setzen. Man versteht die „Handlung“ auch so hervorragend, da ein Kauderwelsch aus Indisch (Hindi, Marathi, etc.) und Englisch gesprochen wird. Fazit: Style gewinnt.