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Ashokas Rache

Keine Ahnung, ob der alte Inder-König Ashoka einen Grund hätte, an Touristen Rache zu nehmen, so wie es sein Amtskollege Montezuma aus Südamerika hat. Ich weiß nur eins: der gegrillte Maiskolben vom Straßenrand gestern Nachmittag hatte es in sich (siehe das Foto auf der ?-Seite). Aber besser die Nacht auf der Hotel-Toilette verbracht, als tagsüber zu leiden. So war die Angelegenheit am nächsten Vormittag gegessen, äh, jedenfalls vorbei.

Insgesamt muss ich sagen, dass an den Horrorgeschichten nicht viel dran ist, die sich übervorsichtige Weißnasen gegenseitig erzählen. Wenn man einige Grundregeln einhält, wird man sehr wahrscheinlich ohne Magen-Darm-Probleme durchkommen. Und außerdem ist ja nicht jeder Pups (haha!) gleich eine Magendarmsache.

Meine Top-3 der Auslöser von Ashokas Rache:

  1. Schärfe bzw. „Spice“
    Wer Chilli und die vielen Gewürze nicht gewohnt ist, wird das verdauungstechnisch bemerken. Jeder hat seine eigene Grenze. Wenn ich zu scharf gegessen habe, muss ich zusehen, dass in ca. fünf Stunden die nächste Toilette nicht weit ist. Den Punkt „Schärfe“ kann also jeder selbst beeinflussen. Wer sündigt, muss leiden. Leider. Auch durch Training wird man nicht zum Inder.
  2. Keime
    1. In der Nahrung
      Das kann von einer leichten Magenverstimmung bis zu richtig schwerem Durchfall führen. Ich bin bisher gut damit gefahren, von Straßenständen nur frittiertes oder gegrilltes zu essen. Aber auch das kann schief gehen, siehe oben. Keine Suppen, kein rohes oder schon zerkleinertes Gemüse, kein Eis. In Restaurants und Cafés kann man bedenkenlos alles essen (aber siehe „Spice“!).
    2. Im Wasser
      Wasser nur aus verschlossenen Flaschen trinken. Auch zum Zähneputzen verwenden. Kein gepresster Saft von der Straße, auch kein Zuckerrohrsaft. Eine frische Kokosnuss ist Ok, wenn sie erst beim Kauf geöffnet wird. Wenn die Verarbeitung von Fruchtsäften sauber ist, wie z.B. bei Saftständen mit Maschinen aus Edelstahl, geht das auch in Ordnung. Tee jederzeit. Während einer Dschungeltour auf Sumatra habe ich drei Tage lang nur über dem Feuer abgekochtes Flusswasser getrunken, auch das geht. Chlortabletten (Mikropur oder ähnliches) schmecken widerlich und sind fast immer unnötig. Angeblich kann man eine Wasserflasche aus durchsichtigem Plastik auch mehrere Stunden in die Sonne legen. Die UV-Strahlung würde die meisten Keime vernichten. Das soll mal jemand anders ausprobieren.
  3. Fieses Zeuch
    So nenne ich mal alles, was im Körper bleibt und von diesem nicht per Durchfall entfernt werden kann. Wer länger als zwei, drei Tage an Durchfall leidet, sollte sich im nächsten Krankenhaus untersuchen lassen. Mit ein paar Totschlag-Medikamenten gegen Bakterien sollten dann nach einer Weile alle unerwünschten Magenbewohner beseitigt worden sein. Diese Viecher können allerdings richtig zäh sein.

An dieser Stelle lohnt es sich, auf eine Auslandskrankenversicherung hinzuweisen (z.B. vom ADAC oder andere). Für Urlaubszeiträume von einigen Wochen reicht eine Versicherung, wie man sie für ca. 15 Euro überall angeboten bekommt. Wer länger unterwegs ist oder mehr Leistungen braucht, muss entsprechend mehr löhnen. Hierfür gibt es gesonderte Anbieter. Es wird dann genau nach Tagen und Land abgerechnet. Die eigene Krankenkasse hat häufig Connections, es ist also nicht schwer einen Anbieter zu finden. Wer im Ausland beruflich tätig ist, sollte bei der eigenen Firma nachfragen, ob eine Versicherung besteht und ob diese auch den Rücktransport nach Deutschland und andere Scherze beinhaltet. In diesem Fall braucht man keine eigene Versicherung. Nur falls man private Urlaubsabstecher macht, ist das nötig.

Man muss auch wissen, dass es dem Arzt im Krankenhaus ziemlich Wurst ist, ob man versichert ist oder nicht. Bezahlt wird an der Krankenhaus-Kasse in Cash oder mit Kreditkarte, man ist also Privatpatient. Die Kohle holt man sich dann später von der Auslandskrankenversicherung wieder.

Viele Infos findet man beim Auswärtigen Amt, siehe dort auch die jeweiligen Länderseiten für Offizielles.

Das Robert-Koch-Institut weiß alles zum Thema Impfen.

Indian Summer

Aufschrift einer 7up-Flasche:
7up – Life is like a lemon, squeeze every drop! (CONTAINS NO FRUIT)

„Indian Summer” hieß das Lokal meiner Wahl (guckst du Google Maps). Sehr originell und auch passend zur Situation, in der ich mich befand. Nachdem ich zunächst einmal in der Gluthitze der Mittagssonne am Marine Drive herumgeschlappt bin, bog ich irgendwann in eine Seitenstraße ein, in der das Restaurant lag. Der Marine Drive, eine Art Uferpromenade, folgt dem Verlauf der Bucht in Richtung Chowpatti Beach und liegt in der prallen Sonne. So können sich die Steinplatten ganz hervorragend aufheizen und man wird wie im Tandoor von allen Seiten schön gegrillt. Mit Umluft.

Wer schlappt schon in der Mittagshitze bei 40 Grad durch die Stadt? Eben, nur ich und andere idiotische Touris. Rechtschaffene Inder halten jetzt lieber ein Mittagsschläfchen, so von 13 bis 16 Uhr. Genau hierfür erschuf Gott den zurückklappbaren Fahrersitz.

Das Restaurant bot ein Buffet, das bedeutet also, jede Menge verschiedener Currys. Alleine die servierten Vorspeisen hätten schon gereicht, um mich satt zu machen. Denn aufgrund der Temperatur war es mit dem Hunger nicht so weit her.

Es gab diese wunderbaren aufgepufften Teigkugeln, in welche man einige grüne und weiße Mungebohnen (oder andere Samen/Nüsse?), Kichererbsen sowie zwei Saucen füllt. Selbst die Inder haben mehrere Namen für die Teile: Pani Puri, Gol Gappa oder Puchka – je nach Region. Die eine Sauce entspricht der giftgrünen Allroundwürze aus Koriander, Minze und grünem Chilli. Die andere ist auch etwas scharf aber größtenteils süß und außerdem rot. Obendrauf kann man noch frittierte Teigkrümel streuen. Dann am Stück ab damit in den Mund und die folgende Geschmacksexplosion genießen… toll! Eine Variante war mit Joghurt sowie den beiden Saucen gefüllt, auch sehr lecker.

Danach gab es eine nicht erwähnenswerte Hühnersuppe, gefolgt von in einen dünnen Teigmantel eingeschlagenem Hühnerfleisch mit Chillisauce. Das war so ähnlich wie das, was es auf dem Hinflug nach Pune zum Frühstück gab. Nur jetzt also in frisch, und nicht aus der Flugzeugdampfküche.

Jedes einzelne Curry des Buffets aufzuzählen spare ich mir jetzt – sie waren gut, aber nicht außergewöhnlich. Buffet eben.

Rezept für Pani Puri hier (nicht ganz so wie in Mumbai).

Mehr Hintergründe zu indischem Streetfood.

Fotografieren

Um nicht immer nur alte Steine zu fotografieren, halte ich manchmal auch Imbissstände und Krimskrams-Händler im Bild fest. Freundlicherweise frage ich vorher, ob denn Fotografieren in Ordnung geht. Das Feedback… hm, so richtig erfreut war niemand. Ganz zu schweigen von einem freundlichen Lächeln. Vielleicht wirke ich nicht wie ein Profi-Fotograf, der eine glanzvolle Model-Kariere verspricht. Bilder wie in den Katalogen der Reiseveranstalter wollten mir jedenfalls nicht gelingen.

Doch dann ist mir einem ruhigen Viertel eine ältere Frau mit einem kleinen Mädchen begegnet. Die Frau hatte einen ganzen Sack voller Postkarten auf dem Kopf balanciert und mich sofort als potentielles Opfer ins Visier genommen. Volle 150 Rupien (knapp 3 Euro) wollte sie für einen Satz von 13 Postkarten – graue Pappe aus dem Copy-Shop – haben. Wenn man bedenkt, dass eine einfache Gemüseverkäuferin am Tag vielleicht 30 Rupees verdienen kann, ist das eine ziemliche Stange Geld. Mit 50 Rp war sie aber auch sofort happy, es gab auch kein überflüssiges Palaver, um noch mehr Kohle rauszuquetschen. So haben wir uns dann freundlich voneinander verabschiedet. Ich konnte mich als Wohltäter fühlen und sie hatte einen ziemlich guten Deal gemacht. Entwicklungshilfe, die ankommt. Und so verschwanden die Frau und das hinter ihr her hüpfende Mädchen im Dunst der Stadt…

Später ist mir dann eingefallen, dass die beiden ein tolles Fotomotiv abgegeben hätten. Bin halt doch kein Profi.