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Skyline Plaza in Frankfurt. Sie nannten es Food Court.

Reist man ein wenig in der aktuellen Weltgeschichte herum, so dienen einem die Shopping Center in den Großstädten in erster Linie zur Abkühlung, da sie klimatisiert sind. Und zum anderen gibt es dort eine unheimliche Auswahl an Fressständen. Sie nennen es „Food Court“, meistens ist es die mittlere Etage des Gebäudes. Um den Begriff zu erklären, könnte man auch sagen: viele Imbissbuden scharen sich um einen zentralen Bereich mit Tischen und Stühlen. Weiß das der Deutsche? Mir ist der Begriff „Food Court“ hierzulande jedenfalls noch nicht untergekommen, aber er wird sich schon noch einbürgern. Wozu werden Marketing Fachleute bezahlt?

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Die Imbissmöglichkeiten sind schnell aufgezählt, es gibt asiatisch, indisch, orientalisch und deutsches zu kaufen. Klingt erstmal toll, leider erschöpfen sich die Angebote im üblichen Einheitsbrei aus beliebigen Nudel- und Reispfannen sowie Burger & Co. Das ist traurig, aber der Deutsche will es scheinbar so. Vereinzelt kann man „Kreatives“ sichten, wie z.B. gefüllte Aubergine oder Sushivariationen. Auch der Inder ist nicht schlecht. Alles in allem wird die Hauptkundschaft wohl aus Anzugträgern aus den benachbarten Bürotürmen bestehen. Die sind nicht wählerisch, dafür umso liquider. Zu dieser Klientel passt dann auch das Preisniveau: kaum eine Speise ist unter 7 Euro zu haben. Mit etwas Glück findet man eine halbe Portion zu 4 Euro aus der Pappschachtel. Ordentliches Besteck wird einem in diesem Fall verweigert. Auch die Tiefgaragen kosten mit 32 € Tagessatz ab der sechsten Stunde soviel, dass man dort unten sicherlich bald Champignons züchten kann – kein vernünftiger Mensch wird dort zweimal parken.

 

Wer glaubt, in einer modernen Shopping Mall mit ausladender Restaurantmeile muss es doch auch ansprechende Toiletten geben, der irrt. Nachdem man durch das halbe Treppenhaus gestolpert ist, das Stockwerk gewechselt und schließlich den richtigen Gang mit der richtigen Tür gefunden hat, steht man schließlich vor den bundesweit verhassten Sanifair-Schranken. Die Center Manager hatten doch tatsächlich die Dreistheit, die Sanitäranlagen zu verpachten. Dort muss man wie gehabt seine 50 Cent Eintritt zahlen und bekommt dafür einen Gutschein. Dieser ist nicht etwa automatisch in allen Restaurants einzulösen, sondern nur in einigen wenigen. Der Kunde wird also konsequent weitergeschröpft, auch nachdem er sein Geld in teuren Boutiquen und teuren Imbisslokalen gelassen hat. Das kann man nur noch unverschämt nennen. Wäre ich gehbehindert, würde ich den Betreibern ernsthaften Ärger machen, denn die Behinderten-WCs sind geschlossen. Ob die beworbenen Wickelräume geöffnet sind, wage ich ebenfalls zu bezweifeln. Ist aber auch egal, da man die nach oben führenden Rolltreppen mit Kinderwagen eh nicht benutzen kann. In dieser Hinsicht ist jede asiatische Drecks-Mall diesem jämmerlichen deutschen Abklatsch überlegen: es gibt dort frei zugängliche, geleckte WCs an jeder Ecke und das in ausreichender Anzahl. Das ist ein Service, der von den Controllern der Betreiberfirma „ECE Projektmanagement“ augenscheinlich dem Rotstift geopfert wurde. Kein Problem hatten diese Controller dann aber mit der Planung eines Dachgartens mit Himalaya-Birken, Bowlingbahn und Weinberg(!). Überflüssiger Luxus statt Befriedigung der grundlegendsten Bedürfnisse. Das ist die richtige mittelalterliche Einstellung: sollen die Kunden in ihrer glitzernden Burg doch in die Ecken pinkeln. Man möchte weinen.

Abschließend eine Foto-Lovestory zum Auffinden des WCs:

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Und hier noch ein herrlich unkritischer Artikel der FR mit dafür umso gesalzeneren Kommentaren. Man sieht, dieses Einkaufszentrum ist so kurz nach der Eröffnung schon in den Herzen der Bevölkerung angekommen…

Frankfurt kulinarisch: Mit Laura Di Salvo durchs Nordend

Das Konzept der Tour

Die Firma Eat-The-World bietet für 30 Euro pro Person geführte Touren in mehreren Deutschen Großstädten an, seit Neuestem auch in Frankfurt. Innerhalb von 3 Stunden klappert man dabei 7 Stationen ab, wo einem kleine Köstlichkeiten gereicht werden. Nebenbei erfährt man noch etwas über das jeweilige Stadtviertel, wobei der Schwerpunkt nicht auf Geschichte oder Architektur liegt sondern eher auf „Stadt und Leute“. Schließlich werden die Touren nicht von studierten Historikern geleitet, sondern von engagierten Menschen, die die Gegend kennen und eine Faible für das Speisen haben.

 

Die angebotenen Touren richten sich an wirklich jeden, vom Einheimischen bis zum Eingeplackten. Ich selber liege irgendwo dazwischen, da ich mich selbst nicht ernsthaft als einen „Frankfurter“ bezeichnen würde. Wie heißt es doch so schön: entweder, man ist hier geboren und mindestens ein Elternteil ist „echter“ Frankfurter. Oder man wohnt hier schon seit mindestens 25 Jahren. Beides trifft nicht vollständig zu. Als Taunus-Boy bin ich erst nach dem Studium hierher gezogen. Kann allerdings nicht ohne Stolz behaupten, in einem Haus zu wohnen, das schon seit bald 100 Jahren im Besitz der Familie ist.

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Interessanterweise wird der Frankfurt-Ableger von Laura Di Salvo geleitet, die man als echter Hesse natürlich vom Hessischen Rundfunk kennt, wo sie als Wetterfee zu sehen ist. Dort wirkt sie vor der Wetterkarte allergoldigst – alleine wegen ihr schalte ich die Glotze immer schon 2 Minuten vor der Tagesschau an. Trifft man sie dann „in echt“, so ist sie einfach eine charmante und lebhafte Frau, der man es nicht anmerkt, dass die heutige Tour ihre allererste ist.

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Am Friedberger Platz war der Treffpunkt für die 16 Teilnehmer. Von der Leiterin Di Salvo war dank der vielen aufgespannten Regenschirme nicht mehr viel zu sehen, denn Petrus hatte unserer Wetterfee zum Einstieg leider keinen Sonnenschein geschickt, sondern fiesen Dauerregen. So stiefelten wir dann durch das nasse Frankfurt, schnabulierten hier und dort einen Snack und lauschten den Ausführungen unserer Fee. Hier die Stationen im Einzelnen.

Die Stationen

Bäckerei „Kronberger“ mit einem Zitronenkuchen. Der Kuchen war lecker, leider hat sich niemand blicken lassen, um uns den Rest des Sortiments schmackhaft zu machen. Angeblich gäbe es hier die besten Baguettes östlich von Paris. Netter Artikel in der FR.

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Café „Familienbetrieb“ mit einer Knusperrolle, gefüllt mit Frischkäse und Schinken. Auch hier hat sich die Ladenbesitzerin nicht gezeigt. Dabei gibt es eine an das Café angeschlossene Boutique. Über diese ungewöhnliche Kombination hätte sie uns gerne etwas erzählen können.

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Feinkostladen „Die Olive“ mit Wurst und Käse aus Italien. Sehr sympathische Besitzerin, die uns über ihre Philosophie aufklärte und das Sortiment kurz vorstellte. Habe ihr gleich ein Stück Salsiccia abgekauft.

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Restaurant „Wiesenlust“ mit… Pommes! Sollten eigentlich aus Süßkartoffeln sein, aber die waren schon aus. Also gab es selbstgemachte Kartoffelpommes stattdessen. Eigentlich steht der Laden für Hamburger. Merkwürdig.

Michis Schokoatelier“ mit Pralinen und anderen Schokoladereien. Leider war auch der „Michi“ schwer beschäftigt, und so musste ich mir selbst die Frage stellen, wie man eigentlich so schöne Pralinen wie auf dem Foto unten herstellen kann oder was man in seinen Kursen so alles lernt.

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Imbiss „Suppengrün“ mit einer Kürbissuppe. Verfeinert mit Ingwer und anderen Gewürzen, sehr lecker. Die Dame des Hauses hat es sich nicht nehmen lassen, uns über die Herstellung zu informieren und gab uns noch diverse Tipps zum Suppekochen mit auf den Weg. So hatte ich mir das vorgestellt. Warum dieser Laden floriert, aber die früher ebenfalls Suppen und Eintöpfe anbietende „Chilli Queen“ dicht gemacht hat, ist mir ein Rätsel.

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Café und Lounge „Dolce & Gusto“ mit einem gefüllten Gebäck aus Italien. Was es genau war, konnte uns der junge Chef leider nicht sagen.

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Fazit

Die Tour war unterhaltsam und bot einige wirklich gute Leckereien. Andererseits aber auch reinen Durchschnitt, wie z.B. die „Pommes“, den Sandkuchen und das etwas dröge Gebäck aus Italien. Nur wenige Ladenbesitzer haben sich Zeit für unsere Gruppe genommen. Die meisten glänzten durch Abwesenheit, und dass obwohl noch nicht einmal immer viel Betrieb herrschte. Dieser Punkt ist wirklich tragisch, denn scheinbar haben sie nicht begriffen, dass hier ein paar nette Worte und einige Hintergrundinformationen auf ein dankbares Publikum treffen würden. Zumindest eine Vorstellung des eigenen Sortiments müsste wohl drin sein. Natürlich soll diese Tour nicht zu einer Teppich-Verkaufsveranstaltung mutieren, aber wenn es einem schmeckt und der Laden einen guten Eindruck macht… wer lässt da nicht noch freiwillig ein paar Euros zusätzlich? Vielleicht dauert es noch eine Weile, bis das Konzept auch bei den Ladenbesitzern angekommen ist. Momentan hat man eher noch nicht das Gefühl, überall willkommen zu sein. Man wird wortwörtlich draußen im Regen stehen gelassen.

Laura Di Salvo hat diese Tour erstmalig auf die Beine gestellt und dafür, dass es das erste Mal war, ist es wirklich gut gelaufen. Ich würde mir wünschen, dass zukünftig noch andere Stationen hinzukommen und vielleicht kann sie die Ladenbesitzer ja auch davon überzeugen, in ihrem eigenen Interesse mehr auf die Kulinariker-Gruppe einzugehen. Denn immerhin sind fast jeden Freitag und Samstag Touren geplant. Wer als Ladenbesitzer keine Lust hat, auf diese Zielgruppe einzugehen, soll eben nicht mitmachen.

Es gibt in Frankfurt noch andere Anbieter von kulinarischen Touren, aber alles in allem könnte hier ruhig noch mehr passieren, denn Frankfurt hat viel zu bieten. Also: hingehen, denn trotz meinem Gemecker sind es drei schöne Stunden!

Musikmesse Frankfurt: der Wert der Dinge

„Beute, Beute, sagt der Dieb zu seiner Frau
und erhebt den Becher zum Sieg“
– Molli

Heute war Musikmesse angesagt. Länger nicht mehr da gewesen und gleich ein Online Ticket gekauft. Man ist ja nicht blöd und kauft für 30 Euro an der Kasse, sondern lieber für 20 Euro im Vorverkauf. Was man ebenfalls gleich online abgibt, ist das Recht auf Selbstbestimmung. Selbstbewusst wie die Messegesellschaft ist, zwingt sie einen gleich, sämtliche Persönlichkeitsrechte direkt am Eingang abzugeben.

 

Sprich, wer nicht damit einverstanden ist, dass die eigenen Kontaktdaten an sämtliche Firmen, mit denen die Messegesellschaft zu tun hat, weitergegeben wird, kann seine Karte gefälligst vor Ort kaufen. Für 50% Aufschlag versteht sich. Man kann den Erpressern natürlich ein Schnippchen schlagen und eine Phantasieadresse angeben, das tut nicht weh.

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Wenn man schon ein paar mal auf der Musikmesse war, hält sich der Drang, neue Dinge zu entdecken doch schwer in Grenzen. Die Branche ist Erzkonservativ, hier tut sich seit Jahren nichts mehr, man kann also ebensogut den Typ vom Kiosk unterstützen und ihm das eine oder andere Beck’s-Bier abkaufen. In diesem Stil arbeitet man sich voran, um von einer Autogrammstunde zur nächsten zu fallen. Dieses Jahr waren Kuddel (bei Gibson) und Vom (bei Paiste) von den Toten Hosen vor Ort. Mangels zu unterschreibender Schallplatten oder anderer Fanartikel habe ich den beiden einfach mal meinen nackten Bauch hingehalten. Bis der Edding abgeht, bin ich nominell doch ziemlich wertvoll, aber zu Geld machen lässt sich der vollgekritzelte Wanst natürlich nicht. Und seit der alte Herr Marshall (Autokennzeichen: JCM-800) nicht mehr unter uns weilt, hat meine Motivation, irgendwelche Autogramme abzugreifen, doch sehr nachgelassen. Es ist einfach keiner der alten bedeutenden Recken mehr am Leben. Also können sie mir ruhig auf den Speck krakeln.

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Was doch ziemlich erschreckend ist, das sind die vielen asiatischen Firmen mit ihren Kopien von etablierten westlichen Marken. Im Kopieren sind das Reich der Sonne und das der Großen Mauer immer noch ungeschlagen. Und da sich die Technik der Gitarrenbranche irgendwo zwischen Steinzeit und Dampfmaschine befindet, bereitet es den Chinesen auch kein wirkliches Problem, so etwas Simples wie eine E-Gitarre oder einen Röhrenverstärker eins zu eins abzukupfern und nebenbei noch zu verbessern. Das führt uns Wessis vor Augen, was für vorsintflutliche Technik wir uns eigentlich für ein Heidengeld aufschwatzen lassen.

Jedenfalls, der Tag neigt sich dem Ende zu, und da kann es schon einmal passieren, dass dem einen oder anderen Besucher ein Effektpedal oder zwei unbeabsichtigt in den Rucksack fallen. Gerade dann, wenn man sich mit dem Standpersonal gut versteht und das eine oder andere Freibier oder -kaffee fließt, ergeben sich unvorhergesehene Geschäfte (Peavey T-Shirt: 10 Euro). Spätestens, wenn die Teppiche um 18 Uhr eingerollt werden (und das werden sie wortwörtlich), locken einen die Koreaner und Chinesen mit schier unwiderstehlichen Argumenten an ihre Stände. Ein Effektgerät für 20 Euro? Kein Thema. Man deutet auf ein Audio-Interface, einen Mini-Amp, ein Multieffektgerät…  je 10 Euro. Dürfen es noch 5 Doppelklinkenstecker sein? Alles für nen 10er, dem symbolischen Preis um diese Zeit. Kein Aussteller möchte am letzten Messetag noch palettenweise Material wieder mit nach Hause schleppen. Und so wird rausgehauen, was geht.

Der Speichel im Mundwinkel hat kaum Zeit, um zäh zu werden, schon lockt das nächste Angebot: eine Akustik-Gitarre. Schnell angespielt am Stand der Great-Wall-Music: so schlecht ist die Klampfe gar nicht. Die Saitenlage etwas hoch, aber korrigierbar. Ansonsten sauber verarbeitet, einige Teile nur geleimt und nicht massiv, aber das ist Branchenstandard. Der Chinese fragt freundlich, ob denn Interesse besteht. Na ja, theoretisch schon, eine Zweitgitarre für auf’s Boot wäre eine Maßnahme. Was sie denn kosten solle?
50.
Für eine fabrikneue Westernklampfe 50 Ocken? Das ist doch mal ne Hausnummer.
Sekunde, der Chef ist noch nicht fertig.
50 Euro für beide Western Gitarren zusammen, die hier rumstehen. Die eine in schwarz, die andere im Tortoise-Style.
Ok. Das sitzt. Spätestens jetzt flackern die Augen wirklich hektisch und der Mundwinkel kann den Sabber nicht mehr halten. Hier kann man leicht in Versuchung geraten.

Die Umhängetaschen der Besucher sind zwar schon zum bersten voll mit Werbematerial, aber die Sirenenstimmen des nächsten Standes nehmen einen gefangen, ich belausche ein Gespräch: ob es noch ein Stimmgerät sein darf? Zum an die Gitarre klemmen, heute für nur 3 Euro?
Na klar darf es eins sein, denkt sich so mancher. Oder doch lieber gleich vier Stück? Kleingeld hat hier keine Bedeutung mehr, es zählen nur noch die 10er-Scheine. Wie beim Hütchenspiel werden im allgemeinen Chaos noch schnell weitere Päckchen in Sicherheit gebracht. Am ehrlichen Lotterie-Drehrad von Musik Meinl hatte ich selbst zuvor schon versagt und leider keinen Preis gewonnen, aber was man hier für niedrigstes Geld kaufen könnte, schlägt jede Lotterie um Längen.

Was hat das jetzt mit Werten zu tun? Ganz einfach, ohne dem planetenumfassenden Transportnetz wäre ein solches Erlebnis wie heute nicht möglich gewesen. Betrachtet man die Textilbranche, läuft es dort genauso extrem: die Kleiderkette Primark verkauft ebenfalls Waren aus Fernost zu lächerlich niedrigen Preisen. Auch hier reden wir von einstelligen Eurobeträgen für ein T-Shirt oder eine Bluse. Hin und wieder krepieren ein paar indische Näherinnen in einer brennenden Fabrik, auf deren Rücken diese Preise zustanden kommen. Aber von solchen Schlagzeilen lassen wir uns nicht davon abbringen, kräftig zuzulangen, wenn der Preis einen dazu verführt.

Davon abgesehen, dass in diesem Fall – also auf der Messe – eigentlich gar nichts hätte verkauft werden dürfen, dürfte es solche Preisgefälle insgesamt eigentlich gar nicht geben. Haben denn manche Gegenstände nicht wenigstens einen minimalen Wert, unter dem sie nicht zu erschaffen sind? Scheinbar nicht, es geht immer noch ein wenig billiger. Die Gitarre, welche ich über 20 Jahre spielte, die durch die Hände mehrerer Familienmitglieder ging, und die aufgrund ihrer Qualität einen Wert verkörpert – wie ist das mit einer gleichwertigen Gitarre aus Fernost zu vereinbaren, die heute nur noch einen winzigen Bruchteil dieses Preises kostet? Die ich, wenn sie kaputt geht, eher wegwerfe anstatt sie reparieren zu lassen, weil das wirtschaftlicher Unsinn ist? Die Arbeitsstunde eines Europäers und die eines Asiaten liegt so unsagbar weit auseinander, dass hier Welten aufeinander prallen. Ob irgend etwas passieren würde, wenn die Jungs in Asien unseren Lebensstandard geniessen würden? Wären dann unsere iPhones und Gitarren um ein vielfaches teurer? Wahrscheinlich. Müssten wir uns mehr anstrengen, um im Wettbewerb zu bestehen? Sicher.
Hätten wir keine bessere Ausbildung und würde nicht unsere Fähigkeit zur Innovation gefördert, könnten wir gleich zumachen. Denn ist ein Ding erstmal erfunden, können es die Chinesen besser.

Kaffee vom Café Wacker in Frankfurt

Neulich hat der Hessische Rundfunk im Abendprogramm doch tatsächlich mal keine Volksmusiksendung gebracht, sondern eine Reportage über Frankfurter Familienbetriebe. Unter anderem ging es um das Café Wacker, wo seit 1914 Kaffee geröstet, gemahlen und verkauft wird.

 

Natürlich wurde der Kaffee in dem Bericht hoch gelobt und ob seiner Einzigartigkeit förmlich auf ein Podest gehoben. So ist das immer, wenn über einen lokalen Betrieb berichtet wird, ist doch klar. Diesen Superkaffee musste ich also am nächsten Samstag gleich ausprobieren gehen.

Das Café Wacker befindet sich gleich gegenüber vom Parkhaus an der Hauptwache, nämlich am Kornmarkt. Von außen betrachtet ist es reichlich unspektakulär. Das einzige, was auffällt, ist die lange Schlange von Menschen, die hier für ihren Kaffee ansteht. Und da sind wir auch schon gleich beim Knackpunkt: die Bedienung hinter der riesigen Espressomaschine arbeitet zwar schnell und effektiv, was ihr hoch anzurechnen ist. Mehr als einen normalen Standard-Espresso erzeugt sie aber leider nicht. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, hier einen dieser seltenen Orte zu finden, wo Cafè so wie Italien, also mit einer nussigen Note, extrahiert wird. Tja, leider nicht. Es liegt bestimmt nicht am Kaffee oder an der Maschine. Ich denke einfach, dass hierzulande die Bedienung der Geräte nicht richtig beherrscht wird. Es sind viele Faktoren, die einen guten Kaffee bestimmen und die man als Barista den äußeren Gegebenheiten wie z.B. der Luftfeuchtigkeit angleichen muss. Das weiß ein Bäcker, der Mehl verarbeitet und genauso weiß das ein Barista, der mit Kaffeepulver hantiert. Nur ein normaler Thekenmitarbeiter, den man vor eine solche chromblitzende Espressomaschine stellt, der weiß das nicht.

Wirklich außergewöhnlich ist die Tatsache, dass man hier frisch gemahlenes Kaffeepulver auch in kleinen Portionen à 125 Gramm verkauft. So kann man mehrere Sorten probieren und muss nicht ein halbes Jahr lang von der 500 Gramm Packung zehren, die man sonst üblicherweise aufgeschwatzt bekommt. Ich habe mich für die Sorten „Espresso II“ und „Costa Rica“ entschieden, beides als relativ grob gemahlener Kaffee für den Einsatz in der Mokka-Kanne. Nachdem ich beide Sorten in der Bialetti ausprobiert habe, kann ich hier nur ein Lob loswerden: die beiden Kaffees sind wirklich um Längen besser als der sonst von mir bevorzugte Espresso von Lavazza. Möglicherweise liegt es am Mahlgrad, vielleicht auch an der Frische. Es ist jedenfalls eine Freude, dem sprudelnden Mokka beim Brühen zuzuschauen. Er bildet sogar in der Kanne eine schöne Crema… was will man mehr.