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Frittiertes Kulturgut

Dass man in Indonesien gern Frittiertes isst (zum Beispiel „Fliegende Fische“), hatte ich früher schon geschrieben. Frittiert wird aber eigentlich alles, was nicht rechtzeitig aus dem Wok hüpfen kann. Es gibt in jeder Stadt mindestens ein Geschäft, wo in einem riesigen Kessel vor der Tür heisses Öl kocht und im Inneren des Ladens die Frittaten abgepackt in Tüten zu kaufen sind. Verschiedene Gemüsesorten, Obst, Nüsse, Reis, Kartoffeln, einfach alles. Die Logik dahinter ist ja auch bestechend: backe es aus in heissem Öl, gib Salz, Zucker und Gewürze über das knusprige Zeug und verkaufe diese Droge zu einem guten Preis! Wohin das führt, erkennt man schnell an Einheimischen, die es sich leisten können: das Volk verfettet.

Genauso halten es die Inder. Das fettige Gift wird hier unter dem Namen „Chivda“ verkauft. Der Snack besteht aus in Fett gebratenen Nüssen, Reis (gepuffter, so wie die Kellog’s Rice Krispies), Rosinen und Kokosfleisch. Die Hälfte der Packung ist folglich Öl oder Fett und nach ein paar Happen von diesem Kraftfutter kann man die Beine von sich strecken. Das Dumme ist nur, dass man nicht aufhören kann, diese würzige Mischung in sich hineinzuschaufeln. Es macht wirklich süchtig.

Es ist im Prinzip ähnlich wie das Pemmikan der amerikanischen Indianer, welches allerdings aus Tierfett, Nüssen und anderen haltbaren Kalorienbomben besteht. Damit schafft man es locker durch die Prärie, auch ohne zwischendurch einen Büffel zu erlegen.

Die indischen Indianer dagegen bringen dieses Zeugs liebend gerne mit nach Deutschland, damit sie die ersten Tage etwas zu essen haben. Denn nichts interessiert einen Inder brennender, als die Frage, welche Nahrung ihn ausserhalb der Heimat wohl erwarten mag. Und so kommt es, dass sich meine lieben indischen Kollegen ihre Koffer mit Snacks, Instant-Nudeln und Instant-Coffee füllen, nur um ja nichts unbekanntes im wilden Europa essen zu müssen.

Auch sehr praktisch ist eine konzentrierte Mischung aus gerösteten und dann gemahlenen Erdnüssen, welche mit reichlich Spice versetzt wurde. Mit diesem Pulver und einem Kilo Reis überlebt ein Inder jeglichen Kulturschock. Das Zeug macht übrigens ebenfalls süchtig…

Hier noch ein Rezept für Chivda aus der Region Maharashtra, zum Selbermachen.

Café Leopold

In der Nähe vom Suba Palace Hotel befindet sich das populäre „Café Leopold“. Hier sitzen vor allem Ausländer und trinken ihren Cappuccino oder ein Pint Kingfisher. Es ist teuer und überlaufen, vor allem abends, aber mein Cappuccino war gut. Während ich ihn so vor mich hingeschlürft habe, wurde mir bewusst, dass dieses Café ein prima Ort für den nächsten Terroranschlag ist. In Pune haben sie ja auch die „German Bakery“ in die Luft gejagt und nicht das nahe gelegene „Oh Calcutta!“ oder ein ähnliches Restaurant für Einheimische. Vor dem Leopold verläuft direkt der Colaba Causeway, dazu stehen noch alle Türen weit offen bzw. es gibt gar keine. Man bräuchte bloß gemächlich hineinspazieren und sich auf die Jungfrauen im Paradies freuen. Traurig, so was zu denken. Aber verdrängen kann man es auch nicht, denn es kann jederzeit wieder passieren. Und die überall herumstehenden Polizisten mit Gewehren können daran auch nichts ändern.

(Nachtrag: wie ich später recherchiert habe, war dieses Café tatsächliche das erste von mehreren Zielen für Terrorattacken während der Anschlagserie von 2008)

Einen indischen Chai-Tee haben sie in diesem Café nicht, auch kein Kulfi Eis. Also habe ich mich für „Falooda“ entschieden. Dabei handelt es sich um eine Art Milch-Shake. Er wird mit einem mir unbekannten Eis und einem noch unbekannter schmeckenden roten Sirup sowie mit Maracuja hergestellt. Der Shake ist gar nicht mal so süß, ein weiteres Indiz dafür, dass es das Leopold nicht auf den einheimischen Geschmack abgesehen hat. Der Sirup erinnert an Badeschaum, mit einer Note von Reinigungsmitteln. Kampfer ist es nicht, schmeckt eher wie die flüssige Version dieser roten Räucherstäbchen. Muss das mal googlen. Andererseits – vielleicht auch besser nicht. Wenn man alles weiß, ist der thrill gone…
(Wer es doch wissen will: HowtomakeFalooda)

Abends war ich auf Empfehlung des Liftboys (eigentlich ein armer Liftopa, der immer von seinem Hocker hochschreckt, wenn jemand den Knopf drückt und dann hektisch das Gitter vor der Tür zur Seite schiebt) in einem Lokal nicht weit vom Regal-Kino essen. Hatte es nachmittags auf dem Rückweg schon erspäht. Es fällt allein wegen seines hübschen Äußeren schon auf, leider war es innen dann trauriger Standard. Ein unglaublich lahmer Angestellter bequemte sich irgendwann, meine Bestellung aufzunehmen. Aber erst, nachdem er langsam schlurfend den Weg zu meinem Tisch gefunden und lauthals die Nase hochgezogen hatte: „Yessir…?“. Ich bestellte eine gemischte Barbecue Platte aus dem Tandoor. Es war Ok, nur nicht wirklich heiß. Das Fleisch war sehr zart und gut gewürzt, da könnten auch deutsche Metzger noch etwas von lernen. Zum Nachtisch habe ich es endlich geschafft, „Kulfi“ zu bestellen. Wie sich herausstellte, hatte ich es irgendwann früher schon einmal probiert. Es schmeckt immer noch gewöhnungsbedürftig. Subjektives Rezept:

  • 8 Teile Zucker
  • 1 Teil gesüßte Kondensmilch
  • 1 Teil H-Milch

Nicht wirklich mein Ding.

Echtes Rezept: Kulfi.

Im Trabbi durch Mumbai-Süd

Wie weiter oben schon erwähnt, gibt es in Mumbai vor allem diese Trabbi-artigen Taxis. Ich habe mal dagegen geklopft: sie bestehen wohl doch aus Blech und nicht aus Pappe. Darin gefahren zu werden hat Go-Kart Charakter. Entsprechend fahren die Driver auch, Stoßstange an Stoßstange. Todesmutig fordern sie alles vom Motor und scheuen auch nicht davor zurück, ihn im letzten Gang kurz vorm Abwürgen den Hügel hochzutreiben. Währenddessen könnte man aussteigen und schieben. Das Taxameter habe ich auf der Rückfahrt dann eigenhändig eingeschaltet, was für den Beifahrer auch leichter ist als für den Fahrer, da sich der Blechkasten mit dem Zähler auf der linken Seite vor der Außenscheibe befindet. Alles noch reine Mechanik: den Hebel hintendran zweimal nach rechts drehen, und schon wird gezählt. Vom Planetarium am Nuhru Centre ausgehend zurück zum Gateway of India dauert die Fahrt ca. eine halbe Stunde und kostet 100 Rupees. Jetzt erst geht mir auf, was die Rikscha-Fahrer in Pune doch für Abzocker sind.

Doch zurück zum Anfang des Tages. Zunächst mal habe ich mir wieder in der Mittagshitze die Füße platt gelaufen. Schon klar, das ist bekloppt. Aber was willste machen, die Alternative hieße, früher aufstehen und vormittags losziehen. Dann doch lieber einen Kreislaufkollaps riskieren und ausschlafen.

Nachdem ich mich am Chowpatti Beach habe absetzen lassen, ging es per Pedes weiter in Richtung Hanging Gardens bzw. Malabar Hill. Dummerweise hatte ich Depp immer noch nichts Besseres als den Ausdruck von Google Maps dabei. Das hat sich diesmal endgültig gerächt, denn nachdem ich einmal falsch abgebogen und zwanzig Minuten in die falsche Richtung geschlappt bin, war die Luft raus und ich bin mit dem nächstbesten Trabbi zu Station Nummer zwei gefahren: dem Mahalakshmi Tempel.

Der hatte leider wegen Renovierung geschlossen. Was soll’s, also weiter zu Station Nummer drei: der Haji Ali Bukhari Moschee.

Diese liegt ein Stückchen vor der Küste und ist über einen Damm von einigen hundert Meter Länge zu erreichen. Wenn man nicht so genau hinkuckt, hat das von weitem Ähnlichkeit mit den auf Holzstelzen an die Ostseeküste gepflanzten weiß gestrichenen Restaurants. Wenn man aber doch einmal genauer hinsieht, liegt der Unterschied vor allem darin, dass es an der Ostsee recht wenige Muslimfamilien gibt und am Rand des Steges keine verkrüppelten Bettler um Aufmerksamkeit buhlen. Auch an den hier herrschenden unglaublichen Gestank kann ich mich an der Ostseeküste nicht erinnern. Dort verwesen aber auch nicht bei Ebbe die Abfälle einer Millionenmetropole im Schlick.

Die Moschee ist glänzend weiß und von außen nett anzusehen. In den innersten Bereich bin ich nicht gegangen, dafür war es zu voll und die Moschee zu klein. Außerdem wollte ich meine Schlappen nicht auf den riesigen Haufen zu den anderen werfen. Und schon gar nicht wollte ich den Schuh-Boys Geld fürs „Bewachen“ geben.

Das Planetarium sollte eigentlich erst später am Nachmittag drankommen. Aber da kein Taxifahrer in der Nähe der Moschee mein Ziel für die Mittagspause kannte – die City Walk Shopping Mall – bin ich halt doch früher hin als geplant. Das Planetarium gehört zum Nehru Centre, eine Art Science Park zum Lernen und Anfassen. Nach ein paar Samosas als Mittags-Snack war ich nach kaum einer Stunde Schlangestehen schon drin.

Die Show war ein wenig Altbacken. Unter einem Planetarium hatte ich mir etwas Moderneres vorgestellt als nur langweilig animierte Fotos von Sternenhaufen. Ich hatte auch in Erinnerung, dass normalerweise so ein riesiges Projektionsmonster in der Mitte der Kuppel steht und sich dreht wie wild. Hier wurde das Bild von einigen rot/blau/gelb-Projektoren an den Wänden erzeugt. Mit dem Erfolg, dass sich die Kids in den hinteren Reihen einen Spaß daraus gemacht haben, ihre dicken Birnen davor zu halten, so dass man das in riesengroß an der Kuppeldecke sehen konnte. Meinem Sitznachbarn war das wurscht. Er ist schnarchend eingepennt, kaum nachdem es dunkel war.

Ashokas Rache

Keine Ahnung, ob der alte Inder-König Ashoka einen Grund hätte, an Touristen Rache zu nehmen, so wie es sein Amtskollege Montezuma aus Südamerika hat. Ich weiß nur eins: der gegrillte Maiskolben vom Straßenrand gestern Nachmittag hatte es in sich (siehe das Foto auf der ?-Seite). Aber besser die Nacht auf der Hotel-Toilette verbracht, als tagsüber zu leiden. So war die Angelegenheit am nächsten Vormittag gegessen, äh, jedenfalls vorbei.

Insgesamt muss ich sagen, dass an den Horrorgeschichten nicht viel dran ist, die sich übervorsichtige Weißnasen gegenseitig erzählen. Wenn man einige Grundregeln einhält, wird man sehr wahrscheinlich ohne Magen-Darm-Probleme durchkommen. Und außerdem ist ja nicht jeder Pups (haha!) gleich eine Magendarmsache.

Meine Top-3 der Auslöser von Ashokas Rache:

  1. Schärfe bzw. „Spice“
    Wer Chilli und die vielen Gewürze nicht gewohnt ist, wird das verdauungstechnisch bemerken. Jeder hat seine eigene Grenze. Wenn ich zu scharf gegessen habe, muss ich zusehen, dass in ca. fünf Stunden die nächste Toilette nicht weit ist. Den Punkt „Schärfe“ kann also jeder selbst beeinflussen. Wer sündigt, muss leiden. Leider. Auch durch Training wird man nicht zum Inder.
  2. Keime
    1. In der Nahrung
      Das kann von einer leichten Magenverstimmung bis zu richtig schwerem Durchfall führen. Ich bin bisher gut damit gefahren, von Straßenständen nur frittiertes oder gegrilltes zu essen. Aber auch das kann schief gehen, siehe oben. Keine Suppen, kein rohes oder schon zerkleinertes Gemüse, kein Eis. In Restaurants und Cafés kann man bedenkenlos alles essen (aber siehe „Spice“!).
    2. Im Wasser
      Wasser nur aus verschlossenen Flaschen trinken. Auch zum Zähneputzen verwenden. Kein gepresster Saft von der Straße, auch kein Zuckerrohrsaft. Eine frische Kokosnuss ist Ok, wenn sie erst beim Kauf geöffnet wird. Wenn die Verarbeitung von Fruchtsäften sauber ist, wie z.B. bei Saftständen mit Maschinen aus Edelstahl, geht das auch in Ordnung. Tee jederzeit. Während einer Dschungeltour auf Sumatra habe ich drei Tage lang nur über dem Feuer abgekochtes Flusswasser getrunken, auch das geht. Chlortabletten (Mikropur oder ähnliches) schmecken widerlich und sind fast immer unnötig. Angeblich kann man eine Wasserflasche aus durchsichtigem Plastik auch mehrere Stunden in die Sonne legen. Die UV-Strahlung würde die meisten Keime vernichten. Das soll mal jemand anders ausprobieren.
  3. Fieses Zeuch
    So nenne ich mal alles, was im Körper bleibt und von diesem nicht per Durchfall entfernt werden kann. Wer länger als zwei, drei Tage an Durchfall leidet, sollte sich im nächsten Krankenhaus untersuchen lassen. Mit ein paar Totschlag-Medikamenten gegen Bakterien sollten dann nach einer Weile alle unerwünschten Magenbewohner beseitigt worden sein. Diese Viecher können allerdings richtig zäh sein.

An dieser Stelle lohnt es sich, auf eine Auslandskrankenversicherung hinzuweisen (z.B. vom ADAC oder andere). Für Urlaubszeiträume von einigen Wochen reicht eine Versicherung, wie man sie für ca. 15 Euro überall angeboten bekommt. Wer länger unterwegs ist oder mehr Leistungen braucht, muss entsprechend mehr löhnen. Hierfür gibt es gesonderte Anbieter. Es wird dann genau nach Tagen und Land abgerechnet. Die eigene Krankenkasse hat häufig Connections, es ist also nicht schwer einen Anbieter zu finden. Wer im Ausland beruflich tätig ist, sollte bei der eigenen Firma nachfragen, ob eine Versicherung besteht und ob diese auch den Rücktransport nach Deutschland und andere Scherze beinhaltet. In diesem Fall braucht man keine eigene Versicherung. Nur falls man private Urlaubsabstecher macht, ist das nötig.

Man muss auch wissen, dass es dem Arzt im Krankenhaus ziemlich Wurst ist, ob man versichert ist oder nicht. Bezahlt wird an der Krankenhaus-Kasse in Cash oder mit Kreditkarte, man ist also Privatpatient. Die Kohle holt man sich dann später von der Auslandskrankenversicherung wieder.

Viele Infos findet man beim Auswärtigen Amt, siehe dort auch die jeweiligen Länderseiten für Offizielles.

Das Robert-Koch-Institut weiß alles zum Thema Impfen.