Archiv der Kategorie: China

Das Ji House Courtyard Hotel in Peking

Drei Tage Zeit in Peking. Stellt sich wie immer die Frage: wo wohnen? Mein Fazit: ich würde wieder in das Ji House Courtyard Hotel gehen, das idyllisch in einem Hutong der pekinger Altstadt liegt.

Bitte kein Hotel

Es gibt ja mehrere Möglichkeiten, sich in einer fremden Stadt nach einer Unterkunft umzusehen. Erstmal natürlich die Hotel-Portale wie HRS, Booking.com und andere. Hier bekommt man schon mal einen realistischen Überblick, was ein Zimmer ungefähr kosten wird. So richtig „einzigartige“ Unterkünfte sind das natürlich nicht. Falls man es irgendwann satt hat, in den immer gleichen Hotelketten unterzukommen, so gibt es noch andere Wege, um charmante Hotels zu finden. Sehr zu empfehlen ist dafür Tripadvisor. Dieses Portal hat sich international zum Standard für Reisende gemausert. Mittlerweile kann man auch indirekt dort buchen. Hier findet man jedenfalls eine weitaus größere Vielfalt an Hotels, Gasthäusern, Hostels, etc. Und hier findet man sehr viele Bewertungen, die man sich sogar übersetzen lassen kann. Die Qualität der Übersetzungen ist leider mies, besonders von Chinesisch nach Englisch. Aber immer noch ausreichend, um anhand von Schlagworten den Inhalt zu begreifen. Wie das so ist mit Bewertungen, so wird auch hier viel Unsinn geschrieben. Wenn sich aber über Monate hinweg die Beschwerden häufen, dann sollte man von der entsprechenden Unterkunft besser fern bleiben.

2015 peking (112) ji house courtyard hotel

Und dann gibt es seit Neuestem noch Air BnB. Viel gehyped, man liest ständig darüber und vor allem die klassische Hotelbranche würde diesen Anbieter von privat vermieteten Zimmern am liebsten verbieten lassen. Die Auswahl an Zimmern ist groß, allerdings war im Fall von Peking nicht immer klar, ob man jetzt ein eigenes Zimmer für sich alleine hat oder ob man unfreiwillig zum Mitglied der Familie wird… Preiswert war auch nur ein kleiner Teil der angebotenen Zimmer, die meisten fand ich ziemlich teuer.

 

A propos teuer. Peking ist eine Großstadt wie jede andere auch und da muss man es sich leider abschminken, billig wohnen zu können. Es ist zwar nicht so schlimm wie in Moskau, Hong Kong oder Singapur. Aber die Preise liegen auf internationalem Niveau, was bedeutet, für unter einhundert Euro bekommt man kaum etwas Anständiges.

2015 peking (184) ji house zimmer

Lieber was Gemütliches in einem Hutong

Wie kriege ich jetzt die Kurve zum Ji House… ich glaube bei HRS wurde ich fündig. Für ungefähr hundert Euro die Nacht bekommt man hier ein gut ausgestattetes Zimmer mit Doppelbett und großem Bad. Dass der Abfluss etwas müffelt, haben die Bewertungen schon nahegelegt. Chinesischer Pragmatismus ist, einfach rund um die Uhr den Lüfter laufen zu lassen. So tragisch war es nicht und da ich im Frühjahr zu Besuch war, konnte man auch die Fenster immer leicht geöffnet lassen.

2015 peking (183) ji house badezimmer

Das „Hotel“ besteht aus mehreren kleinen Häuschen von denen jedes ein eigenes Gästezimmer darstellt. Mehr als 5 oder 6 sind es nicht und sie umgeben gemeinsam den zentralen kleinen Innenhof. Damit wäre das „Courtyard“ im Namen auch geklärt. „Ji“ heißt wohl Schilf, wovon es hier aber keines mehr gibt. Das Hotel liegt im Bereich der Altstadt von Peking, vielleicht drei Kilometer vom Platz des Himmlischen Friedens entfernt in nördlicher Richtung. In dieser Gegend nennt man die kleinen Gassen „Hutong“. Und so liegt mein Hotel im Shaluo Hutong. Die Sträßchen sind so eng, dass man dort kaum mit dem Auto durchkommt und am besten Fahrrad fährt (siehe mein Artikel) oder einfach läuft. Eigentlich ist es wie in Deutschen Altstädten auch: eng und gemütlich und hier findet man die interessantesten Läden. Es ist eine kleine Welt für sich, abseits der großen verstopften Straßen. Hier gibt es Imbissbuden, Wäschereien, Fahrradreparateure, Restaurants… kurz, es gibt hier alles, was es im glänzenden Großstadt-Peking auch gibt. Nur eben eine Nummer kleiner.

2015 peking (185) shaluo hutong ji house

Frühstücken wie ein Chinese

Das Frühstück bei den Li’s ist einfach, aber gut. Da ich in fremden Ländern immer die lokale Küche bevorzuge, habe ich mich auch hier für das chinesische Frühstück entschieden. Man kann wohl auch ein Europäisches haben, ist dann aber selbst schuld, wenn es nicht schmeckt (schon mal in einem deutschen Gasthof ein chinesisches Frühstück bekommen?!). Immer dabei ist das heilige Triumvirat aus warmer Suppe, Dumplings und Eierspeise. Im Detail kann es dann eine Art Müslisuppe mit Früchten und weichen Nüssen sein (Laba Reisbrei). Oder eine Congee-ähnliche Reissuppe mit Mais. Und immer ist eine Tasse Sojamilch mit dabei. Die Dumplings sind helle, weiche, gedämpfte Klößchen mit Fleischfüllung. Und Ei-mäßig gibt es fast immer ein luftiges Omelette und ein gekochtes oder gebackenes Ei. Nicht zu vergessen die salzig deftigen Mixed Pickles, die man sich ins Brötchen oder die Suppe streuen kann. Hinterher ist man echt fit für eine lange Tour durch die Stadt!

2015 peking (111) ji house frühstück

Betrieben wird das Gästehaus wie schon erwähnt von Herr Li und seiner Frau. Sein Neffe Tony („speak english driver“) hatte mich vom Flughafen abgeholt und dabei non-stop von Germany geschwärmt. Ein angestelltes Mädel spricht sehr gut Englisch und ist auch die meiste Zeit anwesend. Alles Wichtige sollte man mit ihr besprechen, da die Li’s leider kein Englisch können und der Gast in der Regel kein Chinesisch. Ich halte das Ji House Guesthouse für eine ideale Unterkunft, um Peking zu erkunden. Von hier ist es nicht weit bis zum Drum Tower, dem Lama Tempel oder dem Tempel von Konfuzius. Selbst wenn man abends völlig erschlagen zurückkommt, findet man nicht weit an der nächsten größeren Straße eine große Auswahl an Restaurants. Ein Fahrrad bekommt man gratis geliehen, damit lässt sich hervorragend die Stadt erkunden. Ebenso organisieren sie den Flughafentransfer oder einen Ausflug zu Großen Mauer (siehe mein Artikel).

Zurück zur Übersicht der China Artikel.

Trockene Schnecken, fiese Eier-Congee und Hong Kong Gans

Bei manchen Hong Konger Geschäften steht man als Langnase etwas ratlos davor und fragt sich, ob das nun ein Lebensmittelgeschäft oder eine Apotheke ist. Beides trifft wohl zu, wenn man das Sortiment betrachtet. Die sagenumwobenen Schwalbennester und die extrem teuren Abalone-Schnecken befinden sich sogar noch innerhalb meines Horizonts, da man sie in gehobenen Restaurants ebenfalls angeboten bekommt. Bei getrockneten Riesenraupen, Seegurken, Seepferdchen und anderem Gekreuch und Gefleuch greift zum Glück die automatische Hirnblockade – das möchte ich mir nicht mal gekocht vorstellen…

So genau konnte es mir keiner sagen, da die Inhaber dieser Läden sehr traditionell erscheinen und kein Englisch sprechen, aber ich vermute mal, dass all dieses Zeug bevorzugt zerrieben und in den Tee gerührt wird. Anstatt mir potenzfördernde Wundermittel reinzuziehen, habe ich heute morgen zunächst ein klassisches Congee gegessen, das Lieblingsfrühstück der Hong Kong Chinesen.

Es besteht aus zerkochtem, dünnem Reisbrei, der mit allerlei Zutaten aufgepeppt wird. Ich konnte es mir nicht verkneifen und habe die Variante „Schwein und Tausendjährige Eier“ bestellt. Schwein schmeckt wie Schwein, die Tausendjährigen Eier scheinen dagegen das Produkt der chinesischen Gier nach immer neuen Geschmacks-Stimulationen zu sein. Es ist einfach eklig. Allein die Konsistenz erinnert an grün-schwarzen Pudding, welcher eine geschmackliche Partnerschaft mit Schwefel eingegangen ist.

 

Ein weiterer Klassiker, den man aber bedenkenlos empfehlen kann, ist Dim Sum. Das sind kleine gedämpfte Teiglinge mit verschiedener Füllung, wozu gerne Tee gereicht wird. Die Verzehrzeiten von Dim Sum richten sich in etwa nach den Regeln des Deutschen Weißwurst-Gesetzes, also bis maximal 11 Uhr vormittags. Im Laufe des Tages kam ich an einem Teehaus vorbei, welches in einem großen Park lag. Dort habe ich mir dann einige Dim Sum und natürlich Tee bestellt. Lecker, erfrischend und belebend. Die chinesische Variante des englischen 5 o’clock tea (denn so genau nimmt man es hier mit den Zeiten nicht).

Auf der Inselseite von Hong Kong fahren in kurzen Abständen Straßenbahnen von der Ost- zur Westseite der Insel und wieder zurück. Man steigt einfach hinten ein, fährt so lange mit, wie man möchte, und steigt vorne beim Fahrer wieder aus, wo man auch gleich bezahlt. Jede Fahrt kostet 2,30 HK Dollar, was unglaublichen 20 Eurocent entspricht. Deswegen eigenen sich die Metallbehälter für den Münzeinwurf hervorragend, um Schwermetall loszuwerden.

Die Fahrt in diesen Doppelstöckigen Trams ist alleine schon wegen dem Fahrtwind äußerst angenehm. Man lässt sich so lange herumfahren, bis einem die Gegend wieder vielversprechend aussieht und sich ein Bummel zu Fuß anbietet. Während des Gebummels kommt man ganz automatisch an diversen Imbissständen vorbei. Anstatt Nierenspießen und Nackenkoteletts gibt es hier folgendes:

Fischbällchen am Spieß, ziemlich schwammig und fischig. Aber nicht das „Käpt’n-Iglo-fischig“, sondern eher das „seit-vielen-Tagen-tot-fischig“. Außerdem gab es noch:

Hautfetzen am Spieß. Das sah recht lecker aus, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als der Spieß in heißes Wasser anstatt in siedendes Öl getaucht wurde. Es war also ein labberiges Vergnügen, dank der Chili-Erdnuss-Sauce aber deftig scharf.

In Hong Kong wird übrigens viel Gans gegessen, so als wäre jeden Monat Sankt Martin. Ein Traum. Dass man sie traditionell lauwarm isst, erklärte mir der befrackte Ober des „Yung Kee Restaurant“ in der Wellington Street. Ich benahm mich wie ein trotziger Tourist und bestand auf Mikrowelle. Gans muss heiß sein.

Nach diesem leckeren Abschlussessen ging es dann abends zurück zum Hotel. Schnell die verschwitzten Klamotten umgezogen und dann per Airport Express ab zum Flughafen. Der Nachgeschmack der Gans lag mir noch vollmundig auf der Zunge, als ich schon lange wieder im Flieger saß und der unvermeidliche Airline-Pamp auf meinem Tablett landete…

Fazit: Hong Kong macht Laune und ist einfach zu bedienen.

Zurück zur Übersicht der China Artikel.

Auf dem Gipfel gibt es Shrimps

Die richtige Restaurantplanung für eine unbekannte Stadt ist schwierig. Selbst wenn man sich vorher schlau gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass genau dann, wenn der kleine Hunger kommt, keine dieser Lokalitäten in Reichweite ist. Wer sich dann noch gern durch die Stadt treiben lässt und es dem Zufall überlässt, wo er mittags oder abends gerade ist, der muss sich eben anderweitig behelfen. Also lautet mein erstes Motto: nicht gleich am nächstbesten Stand vollstopfen, sondern immer eine Magenecke freilassen. Man weiß ja nie, was noch kommt! Und das zweite lautet: keine Gelegenheit auslassen. Denn ein zweites Mal kommt man bestimmt nicht mehr vorbei.

 

Auf das Restaurant, welches ich nachmittags als nächstes besucht habe, trifft ebenfalls ein Motto zu, beziehungsweise ein Filmzitat. Es ist ja so, dass man bei vielen Restaurants von außen versucht zu beurteilen, wie das Essen drinnen wohl schmecken mag. „Das Leben ist wie eine Praline, man weiß nie, was man bekommt“, wusste schon Forrest Gump…
So war ich essen bei „Bubba Gump Shrimp Co“.


Seit 1999 stelle ich mir die Frage, ob diese Kette tatsächlich existiert oder nur wegen dem Film erschaffen wurde. Es ist wohl eher letzteres. Das Ambiente ist klasse, überall Zitate aus dem Film und ein Schild an jedem Tisch: „Run, Forrest, Run“ bzw. „Stop, Forrest, Stop“ um die Bedienung herzubeordern. Ich habe mir eine Mischung von diversen Shrimps mit Saucen bestellt. Wer den Geschmack frischer Shrimps – oder Crevetten, oder Gambas – unauslöschbar im Kleinhirn hat, wird von den hier gebotenen enttäuscht sein. Sie schmecken nach nichts, mehr lässt sich dazu nicht sagen, selbst Surimi hat mehr Geschmack.
„Ich bin vielleicht nicht schlau, aber ich weiß, wie Shrimps schmecken“, möchte ich an dieser Stelle Herrn Gump noch einmal frei zitieren.

Grandios ist jedenfalls ohne Einschränkung der Blick auf die Stadt Hong Kong und ihre Bucht, wenn man vom „Victoria Peak“ einen Blick ins Tal wirft. Das sind immerhin 550 Höhenmeter, man möchte es kaum glauben. Stünde der höchste Wolkenkratzer Hong Kongs (das International Commerce Center, 484 m, links hinten Bild) nicht auf der anderen Seite der Bucht, könnte man den Bewohnern des obersten Stockwerks in die Küche schauen.

Ähnlich wie Anno dazumal im indonesischen Bandung haben sich auch hier oben in luftiger Höhe des Berges bevorzugt die Kolonialherren breit gemacht, da das hiesige Klima einfach besser für den Teint war. Statt den Gouverneuren Ihrer Majestät regiert auf dem Berg heute der Geldadel. Die Grundstücke sind so ziemlich das Teuerste, was man sich weltweit kaufen kann.

Runter ging es für einen Euro mit dem Bus und dann wieder rüber aufs Festland mit der Star Ferry für 30 Cent. Der Nahverkehr ist hier unschlagbar günstig. Selbst die hochmoderne Metro (MTR) kostet unter einem Euro für eine mittlere Strecke. Abends ging es wieder zur Temple Street. Diesmal recht unspektakulär: Auberginen mit Hackfleisch und Knobi sowie Muscheln in dicker Sauce. Das Auberginengericht sollte später ein Klassiker meiner eigenen Küche werden. An diesem Punkt erkennt man, dass Chinesen und Deutsche wenigstens die Vorliebe für dicke, kräftige Saucen teilen. Und für Fleisch. Und für Bier. Das könnte der Anfang einer langen Freundschaft werden. Wenn sich die Chinesen das Schmatzen abgewöhnen. Und wir Deutschen die Vorzüge von Quallensalat entdecken.

Zurück zur Übersicht der China Artikel.