Schlagwort-Archive: Curry

Maggi Scharf – Das Kochstudio und der Shop in Frankfurt

Wenn es einen Tempel für die Anbeter von Tütensuppe gibt, dann liegt dieser in Frankfurt, gleich neben der Zeil. Tatsächlich scheint es Jünger zu geben, die so dermaßen unwissend und mit geschlossenen Augen durch die Welt rennen, dass sie auf dem Weg zum Maggi Kochstudio sämtliche Leckereien links liegen lassen. Als da wären: die Kleinmarkthalle (gleich gegenüber), den Metzger Heininger mit der besten Bratwurst der Stadt (5 Meter links), Brezel Benno (nochmal 50 Meter links) und selbst Burger King (alle 100 Meter überall).

Prinzipiell kann man es als den Gipfel der Frechheit ansehen, aber Maggi verfährt genau so: im Shop kann man sich das Tütengericht seiner Wahl aussuchen und hat wenige Sekunden später – solange wie der Wasserkocher eben braucht – eine schmackhafte Mahlzeit auf dem Teller. Die Menschen an den Tischen wirken gar nicht mal so unzufrieden, in den Gesichtern kann man erkennen, dass ihnen ein heißer Aufguss aus Salz und Geschmacksverstärker als Mittagessen vollkommen ausreicht. Statt 0,49 Euro pro Tüte legen sie dann auch gut und gerne das Zehnfache auf den Tisch, denn mal ehrlich: wer hat schon Zeit und Lust, sich zu Hause eine aufwändige Tütenmahlzeit zuzubereiten? Natürlich niemand und daher empfinden es diese Menschen auch als legitim, wenn ihnen für ein paar Löffel heißem Hefeextrakt der Preis für zwei Currywürste abgeknöpft wird.

 

Doch was ist das?! Bevor mich der Brechreiz übermannte und ich den Laden überstürzt verlassen musste, fiel mir noch ein marketingtechnisch vor dem Ausgang äußerst geschickt platziertes Fläschchen mit einem zauberhaften Extrakt ins Auge: Maggi Sauce… aber mit Chili. Maggi Scharf. Es führte kein Weg vorbei, auch ich musste meinem inneren Schweinehund die Flosse reichen und mir eingestehen, dass sich dieser schwarze Zaubertrunk hervorragend auf hart gekochten Eiern machen würde. Und da gekochte Eier meine Leib- und Magenspeise sind und ich sie für gewöhnlich mit diversen scharfen Saucen als Mitternachtssnack esse, traf dieses Produkt genau meinen Nerv.

Der Geschmackstest in aller Kürze: salzig, umami, leicht scharf. Etwas weniger scharf als Tabasco. Von mir aus dürfte es noch schärfer sein, denn um die gewünschte Schärfe mit dieser Sauce zu spüren, müsste man zunächst mal den Salz-Schock überleben. Von daher ist Überschärfen ausgeschlossen. Ach ja: Maggi Scharf passt auch gut auf Spiegelei. Und Omelette.

Nachtrag 10 Jahre später: das Maggi „Koch“-studio hat zu gemacht. Welch ein Verlust…

Ab in den Einkaufswagen

Maggi Scharf. Sonst nichts.

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Käufen.

Taj Taj Tandoori Restaurant Kritik

Das Taj Taj Restaurant liegt auf halbem Weg, wenn man vom Frankfurter Hauptbahnhof die Kaiserstraße hinunter läuft. Gleich nebenan ist das English Theatre und ansonsten jede Menge Banken und andere zwielichtige Läden – ganz Kaiserstraße also.

Das Taj Taj zählt sich selbst zu den edleren Locations, was in erster Linie über den Preis definiert wird. Ein Butter-Chicken für 19 Euro, das ist schon happig, besonders wenn man die überschaubare Portionsgröße bedenkt. Geschmeckt hat es gut, es ist solide indische Küche, nicht mehr und nicht weniger. Somit ist es genaugenommen zu teuer. Davon abgesehen, dass das Chilli-Chicken eindeutig eine geschmackliche Verirrung in Richtung China war. So kocht man nicht in Indien, da waren sich alle anwesenden Inder einig.

Das Ambiente im Inneren ist nett, aber auch nicht gerade spektakulär. Es gibt keinen überflüssigen Tand, wie man das häufig in Asia-Restaurants findet. Alles ist ein wenig reduziert. Hier geht die Reduzierung allerdings so weit, dass noch nicht einmal ein Schild zum Finden der Toiletten angebracht wurde. Wenn ich eines hasse, dann nach den Toiletten fragen zu müssen.

Der Service machte einen gemischten Eindruck. Obwohl einige der Jungs indisch-orientalisch aussahen, konnten sie sich mit meinen indischen Kollegen nicht auf Hindi verständigen. Englisch ging gerade so. Die Bedienung als Selbstbewusst zu beschreiben, würde das ganze etwas beschönigen. Freundlich Worte wird man hier jedenfalls nicht zu hören bekommen. Selbst dann nicht, wenn der Laden am frühen Abend noch halb leer ist und man eigentlich relaxt sein könnte. Selbstverständlichkeiten, wie etwa eine Portion extra Schärfe im Essen, so dass es auch indischen Zungen schmeckt, wurden uns selbst nach ausdrücklichem Wunsch nicht erfüllt. Das ist der einzig wirklich traurige Punkt, denn schließlich soll das hier authentisch indisch sein. Aber uns Deutschen geht es ja nicht anders, wenn wir in einem Bayerischen Restaurant in Singapur sitzen und uns dennoch deplatziert vorkommen.

Wäre ich nicht geschäftlich hier gewesen, wäre ich wohl nicht freiwillig gekommen. Die Preise für das Essen kamen mir schon von vornherein unrealistisch hoch vor, was auf keine gesunde Mentalität dieses Restaurants schließen lässt.
Wie sagten meine Kollegen am Ende so schön: wenn sie in Indien mehr als eine viertel Stunde auf das Essen warten müssen, dann gehen sie einfach. Hier hätten sie dann dreimal gehen können.

Indisch Kochen in der Genussakademie

Die Genussakademie in Frankfurt bietet viele Kurse rund um’s Kulinarische an. Vorletztes Jahr hatte ich einen Kurs von Ralf Bos besucht, in dem es rund um Trüffel ging. Leider haben wir Teilnehmer nicht selbst gekocht, sondern wurden von Profis bekocht. Dazu gab es reichlich Theorie und Geschichten von Herrn Bos, was sehr informativ war und das Essen später war dann auch sehr lecker.

 

Durch Zufall hatte ich jetzt entdeckt, dass die Genussakademie auch indische Kochkurse anbietet, und zwar mit „richtigem“ Kochen. Ursprünglich hatte ich gegoogelt, ob es sowas wie Feinschmecker-Touren durch Bombay gibt. Auf diesem Weg bin ich über Anjana Schmidt gestolpert, die nicht nur Kochkurse in der Genussakademie gibt, sondern auch selbst Gourmet-Reisen in Indien veranstaltet. Sie hat mich freundlicherweise mit reichlich Infos versorgt, wo man in Bombay hingehen sollte, um leckere Dinge zu essen. Siehe meine Artikel aus Bombay.

Zurück in Frankfurt habe ich also spontan den nächsten freien Kurs gebucht. Am Sonntag ging es schon gleich los in der „Fressgass“, wo die Genussakademie residiert. Passender Ort, irgendwie.

Nach einer Begrüßung mit Apéritif haben wir 13 Teilnehmer uns die Schürzen umgebunden und ran ging es ans Masala! Anjana hat zunächst die einzelnen Gänge des Menüs erklärt und gezeigt, wie die Zubereitung zu erfolgen hat. Danach waren wir dran. Durch die super Vorbereitung lagen alle Zutaten schon in Reichweite auf den Tischen und wir konnten uns auf das Schnibbeln, Marinieren und Braten konzentrieren. Zwischendurch ist auch genug Zeit, den anderen Teilnehmern mal über die Schulter zu gucken.

In meiner Gruppe („Vorspeise“ – Tandoori Spieße mit Minzsauce) war eine junge Dame von vielleicht Mitte dreißig, die sich überraschenderweise nicht als Studentin sondern als Richterin entpuppt hat. Sie kümmert sich um den Bereich der Straftäter mit elektronischer Fußfessel in Hessen. Nachdem ich mir beim Zwiebelhacken die Bemerkung erlaubte, dass es prima ist, nachgucken zu können wo sich so ein Straftäter gerade aufhält, bekam ich erstmal eine Lektion in Gesetzestreue. Nein, es wäre nicht möglich und schon gar nicht „legal“, immer zu wissen wo sich ein Fußfesselträger gerade aufhält. Das wisse nur der Computer und der gibt dann auch Alarm, falls nötig. Da ich selbst in der Software-Branche arbeite, habe ich ihr meine Skepsis mitgeteilt, und ob es nicht besser wäre, jemand Lebendiges vor den Ortungs-Schirm zu setzen, der solche Menschen überwacht. Aber zwecklos, als Juristin stellt sie keine Gesetze in Frage sondern sorgt für ihre Einhaltung… aber dennoch schade, dass sie nicht über den Tellerrand guckt. Denn man darf doch wohl auch als Richter eine eigene – private – Meinung haben.

Später dann („Nachspeise“ – Mango-Mousse mit Sahne) bin ich zu dem Schluss gelangt, dass ich dieser jungen Richterin wirklich nicht als Angeklagter gegenüberstehen möchte. Davon mal abgesehen, dass ich generell keinem Richter gegenüberstehen möchte. Falls doch, dann aber bitte jemand mit mehr Lebenserfahrung, dem ich das Konservativ-Sein auch abkaufe. Oder warte mal, ist das nicht überhaupt Grundvorraussetzung, um Richter zu sein? Werden die konservativen Menschen von diesem Job  nicht wie magisch angezogen? Und dieses Volk hebt oder senkt schließlich den Daumen über uns, na Danke.

Am Ende war das Menü jedenfalls gegessen, allen hat es geschmeckt und wer wollte, konnte sich sogar noch ein paar Reste einpacken (der gelbe Reis mit den gerösteten Nüssen war grandios!). Nach einem Espresso ging ich erstmal ans Mainufer runter, zum Relaxen in der Sonne. Und zum Nachdenken, warum es eigentlich keinen Psychotest für Richter gibt.