Gucci auf dem Bau, Versace für den Slum

Indonesien ist ein modebewusstes Land. Oder eher gesagt, es ist sich seiner Mode nicht bewusst, trägt sie aber äußerst lässig. Hier wundert es keinen, wenn der Arbeiter vom Straßenbau knietief im Dreck steht und dabei eine Hose von Gucci versaut. Oder dass völlig abgeroppte Personen aus dem Slum mit Hemden von Versace herumlaufen.

Der Grund heißt „Bandung„! Die Stadt preist sich selbst als das „Paris von Java“ an, nur weil die brutalen Kolonialisten aus Holland hier damals zur Sommerfrische hinfuhren. In dieser Stadt, vier Stunden östlich von Jakarta, wird alles verkauft, was die lokalen Kleiderfabriken herstellen können. Ein großer Teil ist schlecht kopierte Ware, was man schnell am Einheitsdesign oder an falschen Logos erkennt. Aber andere Klamotten sehen schon verdammt original aus und zeigen auch nach häufigem Tragen keine Qualitätseinbußen. Hierbei handelt es sich einerseits um fehlerhafte Originalprodukte, also z.B. Polo-Shirts mit einem kleinen Fleck irgendwo oder mit einem falschem Etikett. Andererseits kann es auch Ware aus Überproduktion sein, die eigentlich nicht auf den Markt gelangen sollte. Das trifft dann eher auf Adidas & Co zu, hier hängen manchmal noch die Etiketten für den US- oder Euro-Markt mitsamt Verkaufspreis dran (was natürlich auch wieder gefaked sein könnte…). Da die meisten Textilien von Einheimischen gekauft werden und damit das Land nicht verlassen, können die Hersteller ihren mystischen Markenhype in Europa ungestört weiter zelebrieren.

Es wäre uns Westlern auch schwer zu vermitteln, warum in der Frankfurter Goethestraße ein Polo Shirt von Burberry oder Hackett über 100 Euro kosten soll, während es in Bandung gerade mal 25 Euro kostet. Diese nette Anleitung zum Erkennen von gefakeden Burberry Shirts sollte man vor der Shopping Tour gelesen haben, um keinen Schrott zu kaufen.

Zwei Straßenzüge sind in Bandung besonders beliebt für Klamotten. Das ist der Jalan Cihampelas („Jeans Street“) und Jalan Riau. Auf letzterer Straße befinden sich die großen Factory Outlets, während die Jeans Street hauptsächlich – wer hätte das gedacht – Jeans im Angebot hat. In Zeiten, wo eine Jeans bei Aldi nur noch 15 Euro kostet ist es aber relativ sinnfrei, hier einzukaufen. Außer man geht natürlich auf Markenjagd. Besonders die großen, phantasievollen Pappkameraden an den Fassaden der Läden machen aber eine Menge her und erfreuen den Shopper.

Fast am Ende des Jalan Cihampelas befindet sich ein Restaurant der lokalen Kette „Sapu Lidi„. Wer den Link aufruft, hört dort exakt jene Sorte von Musik, welche hier in allen traditionellen Restaurants vom Band läuft… leicht nervig, aber eben „okinal“. Bis jetzt war ich in zwei Sapu Lidis und muss sagen, es speist sich hier ganz exquisit. Die Atmosphäre stimmt auch, man sitzt in einem ruhigen Garten auf der Rückseite des Gebäudes unter offenen, palmwedelgedeckten Hütten. Das Haupthaus in Lembang bietet sogar noch Reisfelder, die um die Tische wachsen. Das Essen ist sundanesisch, es gibt also allerlei Frittiertes, Huhn und Fisch. Besonders der Fisch ist phänomenal, denn sie können ihn so frittieren, dass man ihn mitsamt Kopf und Gräten wegknuspern kann. Meine Wahl fiel diesmal allerdings auf einen Fisch mit Tomaten-Chilli-Sauce, siehe Bild. Diese kleinen grünen Stippse da, das ist der Mörder-Chilli. Je kleiner, je gemeiner.

Ganz zu schweigen von wirklich geschmackvollen Saté Ayam (Hühnerspießen) mit Erdnußsauce. So lecker (und keimfrei) bekommt man sie weder auf der Straße bei einem fahrenden Warung, noch irgendwo in Europa in einem Asia-Restaurant. Was ich sonst noch auf dem Teller hatte: in Chilli-Kokossauce angemachte Auberginen-Scheiben (links) und eine Probierportion von extrem salzigem, frittiertem Klippfisch (kleines grünes Päckchen unten links).

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