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Segeln auf der Adria 36: Seekrankheiten

Auf See, da wird man seekrank, das weiß doch jedes Kind! Dass man Seekrankheit mit diversen Mitteln lindern oder vermeiden kann, ist auch bekannt. Dass sie Verstopfung auslösen können dagegen eher nicht.

Natürlich ist es nicht so einfach, das ist klar. Und schon gar nicht trifft es jeden. Und erst recht nicht bei jedem Wetter und bei jedem Wellengang. Aber besonders dann, wenn man Mitsegler an Bord hat, die keine Segelerfahrung haben, sollte man ein Auge auf erste Anzeichen von Seekrankheit werfen. Oft fängt es damit an, dass betroffene Menschen zunehmend ruhiger werden. Auch dann, wenn das Wasser nur sehr wenige Wellen aufweist, die Sonne lacht und die Temperaturen angenehm sind. Angst kann in diesem Fall also nicht der Auslöser sein. Es ist wohl eher das ungewohnte Schaukeln, das Rollen und Gieren des Boots.

Das ist für erfahrene Segler beim „Schönwettersegeln“ zwar kaum noch zu spüren, aber natürlich sind diese Bewegungen trotzdem vorhanden. Besonders auf einem kleinen Boot wie meinem. Und wer es nicht gewohnt ist, sie intuitiv auszugleichen, der hat seine Probleme damit. In Phase zwei äussert sich der Betroffene meistens von selbst, schließlich geht es nicht darum, aufkeimende Übelkeit zu verheimlichen. Und so fängt das Programm der Gegenmaßnahmen an:

Beschäftigungstherapie. Der Kranke muss an die Pinne und soll Steuern. Oder er soll den Horizont nach irgendetwas absuchen. Oder man spielt ein Ratespiel, etc. pp., Hauptsache die Ablenkung ist da. Wirkt nur bei sehr leichtem Unwohlsein, das man leider nicht immer rechtzeitig mitbekommt.

seekrank_steuern

Dann Ingwer kauen. Ich habe immer frischen Ingwer an Bord, muss aber zugeben, dass das nicht wirkt. Außerdem ist das Zeug ganz schön scharf! Zitrone und Vitamin C helfen auch nicht spontan, man müsste schon lange vor Abfahrt seinen Vitaminpegel in die Höhe treiben, um überhaupt in die Reichweite eines möglichen Effekts zu kommen. Wer hat da schon Lust zu. Und von Armbändchen zur Stimulierung von irgendwelchen homöopathischen Druckpunkten halte ich überhaupt nichts.

seekrank ingwer zitrone vitamin c

Sich hinlegen. Das wirkt meistens sehr gut, selbst wenn man schon kurz vorm Übeln ist. Der Betroffene ist zwar damit außer Gefecht gesetzt und kann nicht mehr mit anpacken, dafür ist er unter Deck (oder auf der langen Cockpitbank) in Sicherheit und braucht kaum Aufmerksamkeit. Auf dem Bild (unten) das bin ich selber, kurz vor der Kotz-Schwelle. Eine lange Dünung hatte den meisten Mitseglern schon den Rest gegeben. Auch der Alkohol vom Vorabend hat seinen Teil beigetragen. Eisern den Horizont im Blick halten, das hat hier jedenfalls geholfen.

seekrank_sitzen

Wie gerade angesprochen, sollte man Alkohol vor der Abfahrt möglichst vermeiden. Auch eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Käse, welche die Histaminproduktion in die Höhe treiben, sollte man nicht essen. Ziemlich spaßlose Angelegenheit leider.

Jetzt kommen die Mittelchen, die helfen: Medikamente gegen Reiseübelkeit schlucken oder kauen. Es gibt sie als Kaugummis oder Tabletten. Die Marke „Superpep“ ist in Deutschland weit verbreitet (oder „Dramina“ in Kroatien) und hilft bei ersten Anzeichen von Übelkeit. Diese Anzeichen muss man natürlich rechtzeitig an sich selbst erkennen, sonst kann auch Superpep nichts mehr reißen. Bei richtig schwerer Seekrankheit helfen diese Kaugummis allerdings nicht mehr. Nur um hier mal die Relationen zu verdeutlichen: wem übel ist, der kotzt halt. Wer ernsthaft seekrank ist, der möchte sterben. Und würde lieber über Bord gehen, als den Rest einer längeren Seepassage noch durchzustehen.

Was bleibt: stärkere Mittel gehen Reiseübelkeit anwenden. Hier wird es eng auf dem deutschen Markt. Früher gab es „Scopoderm“ zu kaufen, das als kleines Pflasterchen hinters Ohr geklebt wurde. Das Mittel ist in Deutschland nicht mehr erhältlich, aber in Frankreich immer noch zu beziehen. Nur leider ist es sehr teuer. Eine Packung enthält vier Pflaster und kostet ca. 40 Euro. Jedes Pflaster wirkt für mindestens drei Tage, danach lässt der Effekt nach. Da sich das Mittel über 12 Stunden im Körper anreichert und damit seine Wirkung aufbaut, soll man das Pflaster am Vorabend der Abfahrt anlegen. Genauso langsam baut es sich auch wieder ab. Die Wirkung lässt also nicht aprupt nach drei Tagen nach, sondern reduziert sich langsam. Somit kann man getrost von vier Tagen Wirksamkeit ausgehen. Macht 2,50 Euro pro Tag, das ist zu verschmerzen.

seekrank scopoderm dramina

Scopoderm wirkt dummerweise auch beruhigend, um nicht zu sagen sedierend. Manche Skipper lehnen das Mittel daher ab. Mir ist das unverständlich, denn wenn man wirklich seekrank ist, dann ist man komplett außer Funktion gesetzt und nicht mehr dazu in der Lage, sein Boot zu führen. Das Mittel gehört daher meiner Meinung nach in jede Skipper-Apotheke. Dass es wirkt, konnte ich an meiner Freundin feststellen, die es nach ein paar Tagen des Leidens genommen hat. Ich wollte sie gerade fragen, was der Magen macht. Da sah ich sie in aller Seelenruhe im Cockpit ein Buch lesen, während draußen Wellen unterwegs waren, die sie kurz vorher noch schachmatt gesetzt hätten. Da hatte ich dann keine Fragen mehr. Eine sedierende Wirkung konnte ich an ihr kaum feststellen. Jedenfalls nicht so dramatisch, wie es gerne zur Abschreckung unter Seglern erzählt wird. Soweit so gut. Aber eigentlich soll es hier ja um die Verdauung gehen.

Leider haben sowohl Superpep als auch Scopoderm eine weitere Nebenwirkung, die im Beipackzettel lediglich unter „ferner liefen…“ aufgeführt wird: Darmträgheit. Alles rund um die Darmfunktionen ist ja leider ein Tabuthema, selbst in Zeiten von Büchern wie „Charme mit Darm“. Fakt ist, dass einem das Nichtkönnen trotz Wollen ganz schön zusetzen kann. Das betrifft nicht nur Frauen, sondern durchaus auch Männer aus meinem Bekanntenkreis. Und wenn es einmal eine Person an Bord betrifft, dann leidet die ganze Crew. Nicht sehr hilfreich ist, dass es an Bord eines Segelbootes (und besonders eines sehr kleinen) bloß eine winzige Toilette gibt. Diese ist mit etwas Glück in einem abgetrennten Raum untergebracht, manchmal auch nicht. Dazu kommt, dass die kleinen Auslass-Schläuche nicht mit Toilettenpapier klarkommen. Dieses muss separat in einer Tüte entsorgt werden. Segler wissen das. Bei Neulingen führt alleine schon der Gedanke daran gerne einmal zu Verstopfung…

seekrank tannacomp dulcolax

Kommt jetzt noch eine durch Medikamente verursachte Darmträgheit hinzu, dann kann es sehr gut sein, dass rein gar nichts mehr geht. Auch an Land auf einem Porzellan-Thron nicht mehr. Auch nicht nach „Kippen und Kaffee“. Auch nicht nach dem Verzehr von Chilies und pervers scharfen Saucen, die der Skipper aus nicht nachvollziehbaren Gründen durchs Mittelmeer schippert.

Da dieses heiße Thema natürlich alles andere überschattet, begibt man sich nun besser schnellstens zur nächsten Apotheke und sucht nach Abführmitteln. Erst die milden (z.B. Dulcolax), dann die härteren. Es ist doch die reine Freude, was Medikamente und Psyche zusammen für Auswirkungen haben und wie sie die Törnplanung beeinflussen können!

Mein Fazit für die Bordapotheke ist jedenfalls, sowohl leichte wie auch starke Mittel gegen Seekrankheit als auch leichte sowie starke Abführmittel dabei zu haben. Glück hat der, der das alles nicht braucht. Ist es aber mal soweit, können einem diese Mittelchen doch  sehr den Urlaub und die Törnplanung erleichtern.

Segeln auf der Adria 35: Bootspflege

Pflege trifft es vielleicht nicht ganz richtig, eigentlich mehr „Erhaltung“. Es ist unglaublich, wie sehr Sonne, Meer und Wetter einem Boot im Mittelmeer zusetzen können!

Grünen Bewuchs an Deck, wie es die Nordeuropäer plagt, hat man zwar nicht. Dafür brät einem die Sonne aber alles andere weg. Dabei besteht meine Zelda zu 99% aus GFK, viel zum Verrotten ist eigentlich nicht vorhanden. Dummerweise gibt es doch noch ein paar Holzteile und diese 1% verursachen so einiges an Aufwand. Viel ist es also nicht, was aus Holz besteht, aber da es sich an kritischen Stellen befindet (Cockpit, Pinne, Tritte), kann man es auch nicht einfach ignorieren. Aber jetzt mal von vorne. Seit Sommer 2013, also seit zwei Jahren liegt mein Boot nun in der Adria. Es wurde also Zeit für einen Krantermin und damit für einen neuen Unterwasseranstrich und andere Arbeiten.

Antifouling

Da der Voreigner schon „International VC17m Extra“ drauf gemacht hat, hatte ich keine Wahl als ebenfalls dieses Zeugs draufzupinseln. Es handelt sich bei diesem Antifouling um eine Sorte, die Teflon enthält. Deswegen kann man es mit keinem anderen Antifouling überstreichen, es würde nicht halten. Ein Ärgernis, zumal es sauteuer (echter Champagner ist billiger) und im Mittelmeer nicht wirklich verbreitet ist. Die Wirksamkeit ist gut, da gibt es nichts zu meckern. Es hätte noch ein drittes Jahr gehalten, wenn es nicht weitere Gründe für das Kranen gegeben hätte. Erstaunlich war, dass die selbe Menge Antifouling Farbe hier in Kroatien bei 35° C im Schatten nur für etwas mehr als die Hälfte der Fläche gereicht hat. Vor zwei Jahren bei 15° C im frühlingshaften Norddeutschland konnte ich damit noch das komplette Unterwasserschiff gut zwei Mal streichen. Eine kleine Dose von dem Zeug konnte ich in Zadar noch auftreiben, ansonsten musste reichlich Verdünner herhalten, um die Menge zu strecken. Den Verdünner sollte man hier lieber generell vor dem Streichen dazumischen, sonst trocknen die Anstriche einfach zu schnell.

Kroatien 2015 (12) zelda sundown

Die Schraube hatte ich dummerweise vor zwei Jahren vergessen mit Antifouling zu streichen und auch die Welle nicht. Daher konnten sich dort die Seepocken breit machen. Mit einem Schraubenzieher und einem Drahtbürstenaufsatz für die Akkubohrmaschine bekam ich das schnell in den Griff (auch wenn die Behandlung mit der Drahtbürste der Schraube nicht wirklich gut tat).

Kroatien 2015 (10) drahtbürste schraube kalk

Ich hatte mir extra superteures Sprühantifouling für die Schraube gekauft. Erst die Grundierung, den Primer draufgesprüht, danach viele Schichten Antifouling. Das Ergebnis war nicht sehr überzeugend: schon nach der ersten Ausfahrt löste sich ein Streifen komplett von der Schraube. Und die Kalkgehäuse dieser Ringelwürmer haben jetzt schon wieder Fuß auf der Welle gefasst, trotz Antifouling. Nachtrag Herbst 2016: Schraube und Welle sind komplett zugewachsen… was für ein Reinfall.

Kroatien 2015 (13) propeller schraube antifouling

Opferanode

Unterwasser herrscht die Elektrolyse. Es fließt Strom und dieser zersetzt vorzugsweise Metallteile wie Propellerwellen und Schrauben. Damit das nicht passiert, installiert man sogenannte „Opferanoden“ aus einfachem Zink in der Nähe dieser Teile. So wird die Anode statt dem zu schützenden Bauteil aufgelöst. Bei mir sitzt diese Zinkanode am Ende der Welle, gleich hinter der Schraube. Jetzt wo ich weiß wie man sie austauscht, könnte ich das auch unter Wasser durchführen. Die Schraube wird blockiert, ein Schraubenzieher und ein saftiger Schlag, schon fällt einem die verbrauchte Anode entgegen. Aber auch hier muss ich sagen, dass dieser Zinkrest möglicherweise noch eine Saison gehalten hätte.  Kroatien 2015 (9) opferanode schraube

GFK ausbessern

Glasfaser verstärkter Kunststoff (GFK) lässt sich im Prinzip leicht reparieren. Dafür benötigt man Glasfasermatten und Epoxidharz. Für kleinere Dellen und Kratzer tut es auch reines Epoxy ohne Glasfasern oder „Gelcoat“, wie diese Mischung bei Booten heißt. Man mischt das Harz mit dem Härter und hat dann wenige Minuten Zeit, um alle Stellen mit dem Kleister zu bestreichen. Er härtet recht schnell aus und lässt sich später glattschleifen. Hilfreich ist es, etwas Klarsichtfolie auf die ausgebesserte Stelle zu kleben. Sie lässt sich später leicht abziehen und man hat eine schön glatte Fläche, die kaum noch geschliffen zu werden braucht. Zugegeben, bei mir sieht das Resultat ziemlich rustikal aus, aber Hauptsache das Boot ist dicht. A propos „dicht“.

Boot abdichten

Über die Jahre ist mir aufgefallen, dass das Boot nicht ganz wasserdicht ist. Ein Schwachpunkt sind oft die Fenster. Und so habe ich mir schon zu Hause Gedanken darüber gemacht, wie man die Fenstergummis abdichten könnte. Nach etwas Recherche habe ich ein Mittel namens „Capt’n Tolleys Creeping Crack Cure“ gefunden. Bei dem Zeug handelt es sich um eine dünnflüssige, milchige Lösung, die durch den Kapillareffekt in jede noch so kleine Ritze kriecht und dann darin aushärtet. Ich habe es auf allen Fensterdichtungen, Schrauben und Haarrissen angewendet, die ich finden konnte. Bis jetzt sieht es gut aus: dort wo ich es aufgetragen habe, kommt kein Wasser mehr rein. Bei Fensterdichtungen am besten von außen und innen auftragen. Außerdem eignen sich noch Beschläge und Verschraubungen für das Zeug. Einfach überall draufgeben, wo es potentiell nach innen geht. Alternativ kann man natürlich auch die Gummikeule schwingen und alles mit elastischer Dichtmasse beschmieren (z.B. von Sika). Das sieht halt leider entsprechend verbastelt aus und ist auch keine Garantie für ein dichtes Boot. Denn Wasser findet seinen Weg. Immer.

Trotzdem habe ich mit der Kautschuk-Spritze einmal rund ums Boot die Verbindung von Oberdeck zu Rumpf abgedichtet. Kann ja nicht schaden. Und in weiß sieht das sogar richtig gut aus. Man kann das Zeug mit dem Finger glattstreichen und erhält eine Dichtfläche, so glatt wie ein Babypopo.

Holzteile lackieren

Da ist so eine Sache, um die ich gehofft hatte, irgendwie drumherum zu kommen: nämlich Holz zu lackieren. Was für ein sinnloses Unterfangen! Hätte Gott gewollt, dass Bäume glänzen, hätte er sie Lack statt Rinde produzieren lassen…

Kroatien 2015 (163) holz schleifen

An Bord gibt es jedenfalls mal mindestens zwei Sorten Holz: Teak und alles andere, meistens Mahagoni. Falls es sich bei dem Teil, dessen Lack blättert, um Teak handelt ist alles bestens: einfach blättern lassen! Teak ist das pflegeleichteste Holz der Welt. Durch seinen hohen Ölgehalt ist es haltbar ohne Ende und versilbert schön authentisch. Da rottet nichts, Teak braucht weder Lack noch spezielles Öl oder andere Chemikalien wie Borax, die einen Bewuchs verhindern sollen. Handläufe auf Decksaufbauten sind beispielsweise meistens aus Teak und brauchen nicht weiter behandelt zu werden. Meine sind es leider nicht, sondern sehen unter dem Lack etwas rötlich aus, daher tippe ich auf Mahagoni.

Falls es sich bei dem zu renovierenden Teil jedoch nicht um Teak, sondern um beispielsweise Mahagoni handelt, ist Lackieren angesagt. Man kann auch hier ölen oder hat alternativ die Auswahl zwischen einkomponentigem Lack (der ist eher weich) und zweikomponentigem Lack (mit Härter, wird so hart wie GFK). Beim Anfassen merkt man es schon: wenn der Fingernagel eine kleine Delle eindrücken kann und es sich eher gummistumpf anfühlt, dann hat man wohl einkomponentigen Lack drauf. Und so kam ich zu meiner ersten Dose „Hempel Dura-Gloss Varnish“, einem rotdurchsichtigen Lack. Gemeinsam mit dem dazu passenden Verdünner verbrachten wir die schönsten Nachmittagsstunden gemeinsam an Deck damit, die verschiedensten Holzteile abzuschleifen und wieder einzupinseln. Dort, wo der Lack schon am Abplatzen war, musste die ganze Stelle mit einem scharfen Messer gesäubert und der Bootslack schön verdünnt in einer ersten Schicht aufgetragen werden. Er sieht aus wie roter Himbeersirup, man muss sich schon zusammenreißen, nicht mal eben dran zu naschen. Sechs Schichten verlangt das Faltblatt. Mehr als eine pro Tag geht nicht, man ist also den ganzen Urlaub damit beschäftigt, diesen Sirup zu verstreichen. Zwischendurch lehnt man sich noch mehrmals versehentlich an die gerade gestrichene Stelle. Oder man tritt drauf. Kurz und gut: so schön wie die Werft das damals hinbekommen hat wurde es bei mir nicht. Aber auch hier zählt, dass jede zusätzliche Schicht das Wasser und die Sonne abhält. Also immer dick drauf damit.

Kroatien 2015 (103) holz lackieren

Je mehr Sonne und Wetter das Holz abbekommt, umso schneller altert also der Lack. Dieses Jahr hatte ich die Cockpit-Persenning nicht aufgespannt und das Ergebnis war fatal. Mittlerweile bin ich soweit zu sagen, dass ich mir lieber alle fünf Jahre eine neue Persenning schneidern lasse, als nochmal diese Lackorgie durchzuziehen. Die Persenning kommt drauf für die zehn Monate im Jahr, an denen ich nicht da bin und die Holzteile sehen dafür aus wie neu!
Und wie pflegt man jetzt die Persenning, die aus Stoff, Reißverschlüssen, etwas Kunstleder und den durchsichtigen Plastikfenstern besteht…? Ich fürchte, darum werde ich mich ein andermal kümmern.

Plexiglas/Acrylglas polieren

Kunstglas hat die Angewohnheit, irgendwann kleine Risse zu bekommen und auch noch blind zu werden. Es legt sich ein milchiger Schleier durch’s Plastik und man kann kaum noch etwas erkennen. Im Netz kursieren verschiedene Tipps, wie man Plexiglas wieder auffrischen kann, als da wären:

  • Zahnpasta + Öl = Polierpaste
  • Autopolitur
  • Spezielle Reiniger, Plexiglaspolierpaste, Acrylglasreiniger, Xerapol

Ich habe es zunächst einmal mit kroatischer Zahnpasta pur versucht. Leider mit kaum zu erkennendem Resultat. Dafür riecht die Scheibe jetzt schön frisch und nach Kräutern… wahrscheinlich muss hier was härteres ran. Nur, ob damit die Milchschleier verschwinden, bezweifele ich doch arg.
Nachtrag Herbst 2016: die Lösung heißt „Yachticon Acrylglas Kratzer Entferner„. Unglaubliches Ergebnis… die Scheibe sieht wieder aus wie neu. Gerne würde ich für dieses Statement von der Firma Yachticon einen Sack voll Geld entgegen nehmen… sie mögen sich einfach per Email bei mir melden.

Kroatien 2015 (165) acrylglas plexiglas zahnpasta

Segeln auf der Adria 34: Schatzsuche im U-Boot Bunker

Zwischen den Inseln Dugi Otok und Iz bei Halbwind unterwegs, doch plötzlich ist Flaute. Die Segel schlagen nutzlos herum und mein Blick streift das gegenüberliegende Ufer… doch was ist das, ein schwarzes Loch?!

Schaut man sich den kroatischen Küstenstreifen einmal näher an, so findet man in den Revierführern (z.B. 808 Buchten von Beständig) immer wieder Hinweise auf Bunker. Oft sind das U-Boot Bunker oder auch generell einfach ins Wasser und in die Felsen geschlagene Bunker für beliebige militärische Boote. In den offiziellen kroatischen Seekarten für Sportboote sind sie übrigens nicht verzeichnet. Beim ersten Anblick denkt man sich „original deutsche Baukunst, zweiter Weltkrieg!“, aber dem ist nicht so. Sie sind erheblich neuer und wurden vom Jugoslawischen Militär noch bis vor wenigen Jahren genutzt. Entsprechend sehen sie auch aus, mit Beton ausgespritzt und alles in allem noch ziemlich gut in Schuss.

Kroatien 2015 (146) u-boot bunker angeln

Der große Bunker auf der Insel Vis reicht mit seinen Gängen bis auf die gegenüberliegende Seite der Felsformation. Nimmt man eine Taschenlampe mit (und einige Freunde zur mentalen Unterstützung), so kann man die dunklen Gänge erkunden und erreicht an deren Ende den Hinterausgang mit Blick aufs Meer. Hier stehen noch Fundamente für große Geschütze und man kann sich den militärischen Sinn der Anlage somit ziemlich gut vorstellen. Irgendwo soll hier auch ein „Schatz“ versteckt sein, den Geocacher hierher gebracht haben. Leider haben wir ihn nicht gefunden.

vis_bunker_geocaching

Die maximale Höhe dieser Bunkergewölbe schätze ich auf etwa 15 Meter. Größere Yachten ab 40 Fuß passen mit ihren Masten dort nicht mehr hinein. Ich kleines 27 Fuß Boot mit 11 Meter Mast könnte dort direkt reinfahren. So richtig gut fühlt es sich aber nicht an, in so ein dunkles Loch zu tuckern. Es tropft von der Decke. Fledermäuse flattern herum. Und Ratten soll es auch geben, die dann bequem über die Landfeste an Bord kommen können… und natürlich kann auch jeder andere Unhold leicht an Bord steigen.

Kroatien 2015 (154) bunker dugi otok

Gegen Ratten kann man runde Pappscheiben an den Festmacherleinen montieren. Gegen Unholde hilft nur die solide Maglite Taschenlampe. Mehr als ein paar dicke Traktorreifen trennen einen jedenfalls nicht von der Spundwand. Es ist daher in jedem Fall anzuraten, die Fender ordentlich auszubringen oder sogar Fenderbretter auszuhängen, falls man welche hat. Neben den dicken Pollern und Metallösen stehen nämlich auch manchmal nutzlose und rostige Metallstreben hervor, die im Kampf mit GFK sicherlich als Sieger hervorgehen.

Der Bunker in Vis ist ein Touristenhighlight, dort legen tagsüber auch Ausflugsschiffe an. Und die reagieren etwas gereizt, wenn man dort schon nachmittags am Eingang festmacht und den Platz blockiert. Es ist alles in allem kein wirklicher Spaß, an einem Bunkereingang zu übernachten. Für eine kurze Pause ist es aber schön: eben mal schnell angelegt, ausgestiegen, Fotos gemacht. Und vom Rand der Rampe ins Wasser gesprungen. Dafür sind diese Bunker prima geeignet und gerade an Tagen ohne Wind die ideale Abwechslung.

vis_bunker_tunnel

Der Bunker an der nördlichen Ostküste von Dugi Otok ist leicht zugänglich, hat aber auch nicht sehr viel zu bieten. Im hinteren Teil wurde irgendwann ein Auffangbecken, eine Zisterne für Regenwasser gebaut, das man über einen Wasserhahn abzapfen kann. Alles ist von Kalkstrukturen überzogen. Weitreichende Gänge wie auf Vis gibt es hier aber keine.

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Segeln auf der Adria 33: Delfine!!!

Jeder Segeltourist will im Urlaub Delfine sehen, das ist doch klar. Aber den wenigsten gelingt es. Mit Geduld oder etwas Insider-Wissen hat man aber doch eine Chance auf Sichtung der grauen Kerle.

Während den sechs bis acht Wochen, die ich im Schnitt auf dem Wasser bin, habe ich vielleicht zwei intensive Begegnungen mit Delfinen. Nicht mitgezählt sind dabei Sichtungen in der Ferne. Die Erwartungen einer Charter-Crew, während genau ihrer einen Urlaubswoche Delfine zu sehen, ist daher wohl etwas überzogen. Warum man sie nicht antrifft, dafür gibt es mehrere Gründe:

Man folgt den ausgetretenen Routen anderer Segeltouristen, mit der Folge, dass auf diesen Meeresautobahnen sicherlich keine Delfine mehr freiwillig herumschwimmen. Lösung: mal die eingetretenen Pfade verlassen und entlegene Winkel erkunden. Mal andersherum um die Insel fahren, wo weniger los ist.

Oder man fährt unter Motor anstatt zu Segeln. Motoren sind laut und Delfine mögen keine lauten Boote. Dazu kommt, dass man selber von dem Getöse eingelullt wird und seine Aufmerksamkeit dem nächsten Reiseziel widmet, anstatt einmal das Meer zu beobachten. Lösung: mal die zu hause gemachte Törnplanung in der Schublade lassen und Segeln! Hey, dafür sind diese weißen Lappen gedacht, die manche Skipper mit ihren 17-Meter-Plastikeimern durch die Gegend schippern. Und auch wenn man damit keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellt, so kommt man doch vom Fleck und mit etwas Glück findet einen die nächste Delfin Familie so attraktiv, dass sie spontan mitschwimmt.

Kroatien 2015 (95) delfine herde sichtung

Sind die grauen Kollegen dann einmal in der Nähe, so lässt man sie am besten selbst entscheiden, was sie tun wollen. Es ist nicht sehr sinnvoll, sich den Delfinen krampfhaft zu nähern. Sie sind schneller weg als der Skipper „Klar zur Wende“ rufen kann. Daher sollte man sich vornehm zurückhalten, den eventuell laufenden Motor ausschalten und abwarten, was passiert. Manchmal schwimmen sie einfach ihres Weges, tauchen hin und wieder prustend auf und sonst passiert nichts. Dann wieder kommen sie unter Wasser näher, tauchen unter dem Boot hindurch und checken, um was für einen Gesellen es sich hier handelt. Ist man unter Segeln und gut in Fahrt und macht ein paar Knoten Geschwindigkeit, so freut es die Delfine manchmal, ein wenig vor dem Bug herumzuschwimmen und zu tauchen. Das ist der schönste Moment, wenn man sich mit diesen großen Tieren in trauter Eintracht durchs Wasser bewegt! Manchmal sind sie auch verspielt und springen aus dem Wasser, machen ulkige Bewegungen und ignorieren einen ansonsten. Was auch immer sie tun, man möchte immer mehr davon sehen.

Richtig große Delfine können einen auch ein wenig erschrecken. Letztes Jahr erlebte ich während langsamer Motorfahrt, wie sich eine große Finne und ein riesiger grauer Rücken vor dem Bug meines Bootchens aufbaute und mir entgegen schwamm. Im ersten Moment dachte ich an einen kleinen Wal. Doch dann tauchte der graue Rücken vor mir ab und verschwand in den Tiefen der Adria, anstatt mich zu versenken. Das muss einer der wenigen richtig alten Tümmler gewesen sein. So einen großen habe ich danach nie wieder gesehen.

Vor zwei Jahren hatte ich übrigens auch einen größeren Delfin getroffen, oder er hat wohl eher mich getroffen. Darüber hatte ich bereits in diesem Artikel berichtet. Kurz darauf musste ich noch die Welt retten, aber dafür konnte der Tümmler ja nichts.

Kroatien 2015 (94) delfin neben boot

Beim abendlichen Spaziergang an der Uferpromenade von Biograd entlang hatte ich neulich ein interessantes Gespräch mit einer Touristenfängerin. Dort am Ufer an der Kaimauer wartet eine ganze Armada von Ausflugsbooten darauf, mit neuem Touristenfleisch eine Runde durch die Inselwelt zu drehen. Und viele kokettieren damit, dass Delfinsichtungen garantiert sind. Ich meinte daraufhin zu dem Mädel, dass ich selbst bisher nicht feststellen konnte, dass sich die Delfine an einen bestimmten Ort und an eine bestimmte Uhrzeit halten. Tja, sagte sie, man müsse nur wissen wo: vor den Fischfarmen etwas weiter draußen hätte man gute Chancen, Delfine zu sichten. Früh morgens werden die Fische nämlich gefüttert und das wüßten die Delfine inzwischen.

Wo die Fischfarmen sind, das steht sehr deutlich in meinem Revierführer und an den meisten bin ich schon vorbeigekommen. Aber mal im Ernst: will ich mich dort morgens auf die Lauer legen? Das wäre ja so, als ob ich an einem Trüffelbaum darauf warte, dass dort in der Erde ein Trüffel wächst. Dann fahre ich lieber die kreuz und die quer durch die adriatische Küstenwelt und freue mich über jede wirklich zufällige Definbegegnung.

Wer übrigens tatsächlich einen oder mehrere Delfine gesichtet hat, der kann dies auf einer Webseite melden. Ich habe sie aber leider nicht ergooglen können und stattdessen nur mehr oder weniger seriöse Webseiten von Ferienwohnungen gefunden… Da müssen die Delfinschützer wohl noch mal ran, wenn man ihnen wirklich helfen soll.

Segeln auf der Adria 32: Gut Essen in Biograd

Biograd an der dalmatinischen Küste von Kroatien ist eine typische Touristenstadt. Die zwei großen Marinas „Kornati“ und „Sangulin“ bestimmen das Bild, dazu kommen ein großer Campingplatz, viele Hotels und unzählige privat vermietet Zimmer und Appartements. Hier ein Erfahrungsbericht zu Restaurants in Biograd.

Wer nach Biograd mit dem Auto fährt, wird als erstes vom „Zimmer-Strich“ begrüßt: alte Frauen sitzen am Straßenrand und halten Schilder mit der Aufschrift „Zimmer frei“ hoch. Fährt man die Hauptstraße ein wenig weiter den Ort hinunter, kommt man automatisch zu den Marinas und zur Restaurant-Meile. Seit drei Jahren liegt mein Segelboot nun in der Marina Kornati und seitdem teste ich mich durch die Restaurants, Grills und Imbisse von Biograd. Die meisten Restaurants nennen sich hier im Küstenbereich „Konoba“, was in etwa „Kneipe“ bedeutet. Das Ambiente muss urig sein, die Auswahl an Speisen ist dabei fast immer gleich. Hier meine Erfahrungen mit Gaststätten in Biograd.

Carpymore

Dieses Restaurant ist eines der wenigen, wo die Tische ordentlich mit Tischdecken bestückt sind. Man sitzt im Kern der Altstadt und kann den vorbeiflanierenden Touristen zusehen. Ein zweiter ebenfalls bewirteter Bereich liegt „auf der Gasse“ und besteht aus langen Holzbänken und Holztischen, die einen sehr rustikalen Eindruck hinterlassen. Fast so wie in einer frankfurter Apfelweinwirtschaft. In einer Straßenecke vor dem Lokal spielen häufig Musiker. Das Essen ist leicht gehoben und so sind auch die Preise. Dafür bekommt man gute Qualität. Die Fleischplatte besteht aus verschiedenen Sorten zartem und auf den Punkt gebratenem Fleisch. Sie enthält keine Cevapcici, Würstchen und ähnliches, kostet dafür aber auch mehr. Die Fischplatte besteht leider aus den immer eine Spur zu kleinen Fischen, das lässt sich nur ändern, wenn man höherpreisigen Fisch direkt ordert. Die Pizza ist vorzüglich, wie fast überall in Kroatien. Man wird prompt und höflich bedient.

Kroatien 2015 (83) restaurant carpymore biograd

Grill Corto

Auf der Hauptstraße (die mit dem Zimmer-Strich), die aus Biograd hinausführt, befindet sich ein kleiner Waschsalon. Schräg gegenüber kann man sich die Wartezeit mit einem kühlen Karlovacko oder einem Cappuccino totschlagen. Ansonsten gibt es dort Hamburger, Cevapcici, Pljeskavica oder Pommes. Fast food eben, schnell, unkompliziert und vor allem preiswert. 60 Kuna (ca. 8 Euro) für ein großes Bier und ein Hacksteak mit Pommes, das sind in etwa die Koordinaten. Man sitzt direkt an der Straße, dafür aber auf einer Holzterrasse unter Olivenbäumen. Mücken gibt es abends gratis dazu, wie überall hier während der Sommerzeit. Tipp: die Beine mit Autan einreiben, den Rest hat man unter Kontrolle…

Kroatien 2015 (81) grill corto biograd

Konoba Barba

Folgt man der Uferpromenade von der Marina in Richtung Innenstadt, so führen immer wieder kleine Gässchen hinauf in die Altstadt in Richtung Kirche. Hier findet man die Konoba Barba. Sie hat eine hübsche Holzveranda und rühmt sich für den frischen Fisch. Irgendwie ist man mit dem Fischkutter „Hobo“ verbandelt (den ich noch nie hier liegen gesehen habe, er scheint immer draußen am Fischen zu sein…), und daher wäre die Fischqualität hier eben besonders gut. Ganz nachvollziehen kann ich das nicht, es schmeckt wie bei den meisten anderen Konobas auch. Trotzdem ist es mein Lieblingsrestaurant. Die hübsche Bedienung mit dem kantigen Gesicht ist schnell und freundlich, die Portionen lassen einen nicht hungrig zurück und das Ambiente ist einfach nett. Fleischplatte, Fisch und Salate sind allesamt lecker. Ich habe sehr oft hier gegessen und wurde (fast) nie enttäuscht.

Kroatien 2015 (87) konoba barba biograd

Guste

Der Guste liegt direkt neben dem Westteil der Marina Kornati, also vor meiner Haustür. Hinten raus hat es einen hübschen Innenhof, ansonsten muss man unter einer stickigen, eingemauerten Veranda sitzen. Ein Fernseher mit Bundesliga läuft. Ich war nur einmal dort und leider etwas enttäuscht: die Spaghetti mit Meeresfrüchten waren eine rote Pampe mit kleingeschnittenen, unidentifizierbaren Meeresbewohnern. Dazu gab es frisches und luftiges Brot, das sehr gut schmeckte. Andere Gerichte auf den Nachbartischen sahen aber solide aus.

Konoba Bazilika

Hat man den „Kirchberg“ erklommen, so stößt man hier auf ein Schild, das zur Konoba Bazilika führt. Sie liegt in einer verwinkelten Seitengasse gleich neben den antiken Überresten der besagten Basilika. Man kann an zwei Tischen gleich vorne an der Gasse sitzen und befindet sich damit in etwa auf Augenhöhe der lokalen Anwohner, die hier auch gerne ihre Stühle vor die Tür stellen. Ansonsten sitzt man hinten raus auf einer Veranda mit Weinreben mit Blick in den Gemüsegarten. Der Service und die Küche sind manchmal etwas lahm, aber die Qualität stimmt. Der Oktopus Salat war gut, genauso wie das gegrillte Lamm oder andere Standards. Hier findet man aufgrund der abgeschiedenen Lage meistens noch ein Plätzchen. Es ist überhaupt sinnvoll, während der Sommermonate hier einmal vorbeizuschauen. Denn gleich neben der antiken Basilika befindet sich ein offener Platz, der für Konzerte verschiedenster Art genutzt wird. Zuschauen und –hören kostet nichts, also einfach mal dem Gesang folgen.

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Restaurant in der Marina Kornati

Was man nicht tun sollte: Samstag abends Essen gehen, schon gar nicht im Restaurant einer Marina. An diesem Tag kommen die neuen Crews der Charteryachten und lassen es gerne gleich einmal krachen. Dazu kommen Siegerehrungen der vergangenen Woche und es ist generell viel Trubel, da auch sämtliche anderen Feriengäste an diesem Tag ankommen und etwas essen wollen. Wir waren trotzdem samstags hier essen, denn das Lokal machte tagsüber einen großzügigen und geräumigen Eindruck mit vielen Tischen und wurde andernorts schon hoch gelobt. Hier habe ich bisher am schlechtesten gegessen. Die Fischplatte war mit wenigen winzigen Fischlein bestückt, das Risotto kalt und das Bier warm, um die Highlights zu nennen. Unser ehrliches Feedback an die Bedienung wurde mit Schweigen quittiert. Man kann es auf die hohe Auslastung an diesem Tag schieben. Ich vermute bei dieser Küche aber eher grundsätzliche Schwächen. Jedenfalls kein Vergleich zum Restaurant in der Marina Supetarska Draga auf der Insel Rab. Hier speist man vorzüglich, es gibt sogar ohne Vorbestellung geschmortes Lamm aus der „Peka“.

Kroatien 2015 (80) restaurant marina kornati biograd

Restaurant Arkada

Erst ziemlich spät, nämlich dieses Jahr, habe ich das Restaurant Arkada entdeckt. Es befindet sich am Ende der Uferpromenade, dort wo man an der kleinen Hotel-Marina der Illyria Ressorts vorbeikommt. Die Bedienung besteht aus jungen Kellnern sowie einer wirklich alten Frau, die aber so flott und eifrig ist, dass sie meinen persönlich Kellner-Oskar von Biograd bekommt! Unglaublich, was für einen Überblick die Dame hat und wie wieselflink sie Bestellungen entgegennimmt und die Gäste bedient. Das ist schonmal ein Drittel der Miete. Hinzu kommt die gute Küche, die auch noch schnell liefert. Hier habe ich mittlerweile sehr oft gegessen und mich sehr wohl gefühlt. Die Preise sind ein kleines bißchen gehoben, dafür muss man aber auch keine Überraschungen auf der Rechnung fürchten, wie das extra berechnete Brot in so manchen Gaststätten. Man kann während der kurzen Wartezeit sogar schonmal Törnplanung betreiben: die Tischdecken zeigen Seekarten aus dem Raum Rund um Biograd.

Kroatien 2015 (107) restaurant arkada biograd

Konoba Cotonum

Die Konoba „Cotonum“ zeichnet sich dadurch aus, dass sie neben dalmatinischer Küche auch „antike“ Gerichte auf der Speisekarte hat. Diese lesen sich zwar auch wie die bekannte mediterrane Küche, aber es ist eine willkommene Variation im Einheitsbrei der biograder Konobas. Die Karte ist übersichtlich und passt auf eine Doppelseite, dazu kommen noch ein paar Tagesgerichte. Das finde ich immer sehr sympathisch. Denn diese Riesenauswahl an Gerichten, wie sie auf anderen Speisekarten zu finden ist, führt wahrscheinlich eher dazu, dass mehr Fertigprodukte verwendet werden. Diese haut man nochmal schnell in die Friteuse und schon hat man die üblichen Standards „Cevapcici-Calamari-Sardellen“ abgefrühstückt. Zurück zur Konoba Cotonum. Im Innenhof und auf der „Empore“ haben nur so viele Gäste Platz, dass sie von den beiden Kellnern flott bedient werden können. Das ist sehr angenehm, man muss hier nicht um die Rechnung betteln.

Kroatien 2015 (160) konoba cotonum biograd

Restaurant Stari Grad

Der Laden liegt auf dem Kirchberg, nicht weit weg von ebender Kirche. Ich war dort zweimal Essen und jedesmal hat es ein „Geschmäckle“ hinterlassen, leider kein Positives. Das erste Mal waren wir zu dritt und hatten am Vortag eine Lamm-Peka bestellt. Dabei wird Fleisch zusammen mit Kartoffeln und Gemüse in einem großen Topf geschmort. Geschmacklich war das gut, nur bestand der Topf zum allergrößten Teil aus Kartoffeln. Verständlich, aus Sicht des Wirts. Aber ärgerlich aus Sicht des Gastes. Danach war ich ein Jahr später nochmal hier für eine Fleischplatte. Sie hatte ihren Namen nicht verdient, da sie nur aus Schwein bestand und zwar in den verschiedensten Aggregatformen. Kein Huhn, kein Rind, vor allem jede Menge Hackfleisch. Hinzu kommt, dass man einen Gruß aus der Küche aufgedrängt bekommt (in Knoblauch ertränktes Weißbrot) mit dem Hinweis, der wäre kostenlos. Na Danke. Woanders is besser.

Kroatien 2015 (85) grill stari grad biograd

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in Biograd wahrscheinlich nur wenige Totalausfälle gibt. Dafür ist nach oben noch reichlich Luft. Fragt sich nur, ob ein teureres Lokal auch geschätzt werden würde. Ich behaupte, das Niveau liegt stabil irgendwo in der Mitte, es spielt kaum eine Rolle, wo man sich hinsetzt. Meine Favoriten sind die Konoba Barba, das Carpymore und das Arkada.

Segeln mit dem Katamaran durch die Karibik

Die Karibik, das waren für mich immer Piraten, Goldschätze, Rum und Kanonenfregatten. Heute gibt es dort nur noch den Rum. Das Piratenflair findet man auch noch, aber bloß in Form von Hollywood-Kulissen, die nach dem Dreh von „Piraten der Karibik“ übrig geblieben sind. Im Winter 2008 bin ich auf einem Charter-Katamaran mitgesegelt und habe einen der schönsten Urlaube in der karibischen Inselwelt erlebt.

Bevor ich mich einige Jahre später dazu entschied, lieber selber ein Boot zu führen als irgendwo mitzusegeln, bin ich damals doch ziemlich häufig irgendwo mitgesegelt. Eigentlich nicht „irgendwo“, sondern bei einem der vielen Anbieter von Charter-Segeltörns in der Karibik. Nur im Sommer in Kroatien mit Freunden herumzuschippern, das langte mir nicht. Ich wollte dort hin, wo bis jetzt nur meine Phantasie unterwegs war. Es gibt dieses eine Hörspiel von Pippi Langstrumpf, dass ich als Kind auf heavy-rotation gehört habe. Darin wird das Schicksal ihres Vaters beleuchtet. Er vegetierte in einem karibischen Gefängnis vor sich hin, bis Pippi höchstpersönlich dort hinreiste und ihm ein Eisbein per Flaschenzug in seine Zelle schickte. Die Piraten knallten sich derweil in ihrer Höhle mit Rum und Grog den Kopf zu und so gelang es Pippi, ihren Vater schlußendlich zu befreien.
Kurz und gut: da wollte ich auch hin!

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Doch bevor ich diesen zweiwöchigen Urlaubstörn antrat, habe ich mir zunächst einmal die Ausgangs-Insel näher angesehen. Das war Martinique, eine Insel genau in der Mitte der wie auf einer Perlenkette aufgereihten Inseln „über dem Winde„. Sie ist Teil Frankreichs und damit der EU. Man zahlt in Euro und das allgemeine Feeling ist das eines sehr südlichen französischen Departments. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Schließlich habe ich meinen Mietwagen in Le Marin abgegeben, meinen Seesack geschultert, den Gitarrenkoffer gepackt und mich auf den Weg zum Steg unseres Katamarans gemacht. Ich hatte tatsächlich einen Seesack, zumindest die moderne Variante, sehr beständig und wasserdicht, wenn man alle Verriegelungsmechanismen korrekt bedient hat. Dazu allerdings den klapprigen Koffer mit der Slide-Gitarre in der Hand. Der hatte mir schon bei der Einreise einige Aufmerksamkeit beim Zoll beschert. Klar, da passt ne Menge Dope rein. Hätte ich auch mal genauer reingeschaut an denen ihrer Stelle. Mehr als dass der Halsstab ziemlich schief eingeleimt ist, habe ich aber trotz Röntgen nicht erfahren.

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Kaum näherte ich mich dem Steg, begrüßte mich Hans der Skipper und sagte, ich solle meinen Kram doch einfach schon mal im Kat deponieren. Samstags werden die Charterboote immer gründlich gereinigt. In diesem Fall war Svend Age, seines Zeichens Chef der Agentur, noch im Boot und organisierte die Verteilung der letzten Spaghettireste der Vorgängergruppe an die nächste Crew. Sobald er von Bord war, übernahm Hans das Kommando und leitete erstmal eine Chlorifizierung der Toiletten ein. Danach eilten wir im Mietwagen mit- und gegen den Straßenverkehr („In der Türkei ist der Verkehr noch viel schlimmer“ – später dachte ich noch öfter an diesen Ausspruch) durch Le Marin und organisierten unsere Einkäufe. Hans besaß ein Gulet (großes Holzboot) in der Türkei und machte den Job des Karibikskippers im Winter, weil in dieser Zeit niemand mit ihm im Mittelmeer herumfährt.

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Unsere Crew bestand aus einer Gruppe aus Franken, einer Krankenschwester, einer Schweizerin und mir. Im Nachhinein kann ich sagen, dass diese Konstellation kaum zu toppen war. Aber zu Beginn hatte ich doch so meine Zweifel. Wir kauften die üblichen irrsinnigen Vorräte an Alkohol und beluden das Boot damit. Nur – das Wetter meinte es nicht gut mit uns. Stürmische Winde sorgten für eine ordentliche Welle aus dem Osten und verzögerten unseren Aufbruch. Tja, was macht man bei 30° Celsius im Salon eines Boots, wenn die Alkoholvorräte aufgefüllt sind?
Man verbraucht sie! Und so klimperte ich auf meiner schönen Slide-Gitarre vor mich hin, während die Gruppe einen Gin/Vodka/Rum/Tonic nach dem anderen abschüttete. Ich malte mir Schreckliches aus, wie sollten die nächsten Tage werden? Hätte ich gewusst, dass mich Sandra, die Schweizerin, vier Jahre später auf dem eigenen Boot begleiten sollte, wäre ich wohl optimistischer gestimmt gewesen.

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Schließlich legten wir ab. Hans wußte, dass es immer noch sehr kabbelig war. Resultat war dann, dass die großen Wellen zwischen den Inseln unseren Katamaran in regelmäßigen Abständen anhoben und damit für ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengrube sorgten. Ich will nicht lange drumherumreden, es soll zwar Dinge geben wie Vitamin C, gesunde Ernährung, wenig Alkohol und eine disziplinierte Betrachtung des Horizonts. Aber daran hat sich natürlich niemand gehalten und schließlich haben die meisten Mitsegler leeseitig die Fische gefüttert. Auch mir lief schon vor Vorfreude das Wasser im Munde zusammen, doch zum Glück erreichten wir rechtzeitig die Lee-Seite der nächsten Insel: St. Lucia.

Eine Freundin verbrachte dort vor einiger Zeit zusammen mit Bekannten den Karneval und konnte berichten, dass Karneval in der Karibik eine nette Umschreibung für Sex in der Öffentlichkeit ist.
Sobald man die Gewässer der Insel befährt, scharen sich schnell einige Motorboote um die eigene Yacht und belatschern den Skipper, doch bitte an der eigenen Boje anzulegen. Man nennt sie die „Boat Boys“.

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Sie verbreiten ein weltmännisches Flair, da sie angeblich schon die eine oder andere Engländerin beglückt haben, die es dann leider doch aus unpässlichen Gründen versäumt hat, sie mit nach Hause zu nehmen. Als Reisender aus einem reichen Land darf man hier nie eine simple Wahrheit vergessen: alle, die einen ansprechen, sind arme Schlucker und wollen etwas von einem. Das ist absolut legitim, nur sollte man es korrekt einzuordnen wissen. Wir legen an der Boje des Boat-Boys  an und wenig später spratzelt schon der Grill. Irgendeine Pfeife lässt den Grill-Rost ins Wasser fallen… auch emsiges Tauchen bringt ihn nicht wieder ans Tageslicht. Aber unser Boat-Boy leistet uns dafür noch ein wenig Gesellschaft.

Wir sind unschuldige Touristen, kredenzen Cocktails mit Kokosmilch und Rum und da soll unser Boy ruhig auch was von abbekommen. Er erzählt uns von seinem Leben, das im Wesentlichen aus Doperauchen und Ziegenhüten besteht. Und er wird es nicht müde zu erwähnen, dass er als Lover von so einigen Engländerinnen wirklich hoch im Kurs stehe. Wie soll man sich verhalten, als unendlich reicher Europäer, wenn einem so ein Kerl davon erzählt, wie er den Zipfel des Reichtums zu fassen bekommt und es doch niemals schaffen wird, davon wirklich etwas zu greifen? Da hilft auch Reggae Musik von Bob Marley nicht weiter. Für mich war es aber die Nacht, in der Bob Marley Gesicht und Gefühl bekam. Heute sitze ich in meiner frankfurter Wohnung und schaue mit einem merkwürdigen Gefühl zurück auf diese Szene, in der sich die reiche und die arme Welt auf dem Kunststoffdeck eines Boots begegneten. Auch später in anderen Teilen dieser Welt sollte es mir so gehen… dieser Gegensatz ist nicht aufzulösen, damit muss man leben. Oder nicht in diese Länder reisen. Seitdem ist meine Einstellung zu allen „Extragebühren“, abzockerischen Obstverkäufern und Gaunern am Straßenrand die folgende: gib ihnen was ab von deinem Reichtum. Es ist letztendlich Entwicklungshilfe, nur sehr direkt an den Mann gebracht. Ohne eine deutsche Hilfsorganisation dazwischen, die etwa die Hälfte der Spendengelder für organisatorische Zwecke abzweigt.

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Am nächsten Morgen war Sightseeing angesagt. Dampfende Vulkankrater und Fledermaushöhlen wollten besichtigt werden. Ein einheimischer Führer lotste uns (so wie hunderte andere Touristengruppen vorher) durch das Unterholz zu einer heißen Quelle mit Wasserfall. Auch eine Kakaofrucht direkt vom Baum holte er uns herunter. Das weiße Fruchtfleisch um die Kakaobohnen herum schmeckte süß und aromatisch lecker. Ein netter Ausflug und außerdem so ziemlich das einzige, womit wir Touristen die Inselwirtschaft rund um das Städtchen Soufriere ankurbeln konnten. Wir blieben noch auf ein „Piton“-Bier in einer der Kaschemmen in Ufernähe. Die kaputten Holzhäuser mit der abblätternden Farbe wirkten auf uns doch sehr romantisch. In Wahrheit aber war der Verfall der Ortschaft und auch der Menschen hier unübersehbar.

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In dieser Nacht sollte mein Kojennachbar aufstehen und im Suff den Motor des Boots starten. Während wir noch fest an der Boje lagen. Er wollte weg, fühlte sich von den Klippen in der Nähe bedroht. Skipper Hans hat es zum Glück bemerkt und verbrachte den Rest der Nacht mit Erklärungen und Beschwichtigungen. Bei anderen Skippern hätte mein Kojennachbar wohl im nächsten Hafen von Bord gemusst. Bei Skipper Hans nicht, und das ist ihm hoch anzurechnen. Er konnte Konflikte auf eine nette Art lösen, das ist sehr selten unter diesen Touristen-Kommandanten. Besonders, da ich mittlerweile die leidvolle Erfahrung mit anderen Skipper-Admirälen machen durfte (siehe Ein SKS-Törn auf den Kanaren bleibt scheinlos).

Leider ist Hans mittlerweile tot. Er verunglückte wenige Jahre später auf dem Weg zu einem Boot in der Türkei. Abgerutscht mit dem Auto oder dem Mopped, ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass seine ultra-obszessive türkische Freundin ihn auf Schritt-und-Tritt überwacht hat, soweit es die damalige Handy-Technologie eben zuließ. Jetzt überwacht er uns von oben und freut sich bestimmt, dass sein damaliger Mitsegler mittlerweile selbst zum Skipper geworden ist.

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Wir lösten uns von der Boje. Wir wollten weiter in Richtung Süden. Normalerweise lautet der Plan auf einem solchen Segeltörn, schnell in Richtung Süden zu fahren, um dann gemächlich wieder in den Norden zu kommen. So ist man flexibel, was Wind und Wetter angeht und so hielten wir es auch. Saint Vincent war unser nächstes Ziel. Dank konstantem Passatwind besteht das Segeln im Wesentlichen aus dem Setzen der Segel. Danach wird solange man möchte auf halbem Wind gesegelt und irgendwann holt man die Segelgarnitur wieder ein, um sich ein ruhiges Plätzchen in Lee der Inseln zum Übernachten zu suchen. Wenden oder Kreuzen braucht man nicht. Halsen auch nicht. Solange man stabiles Wetter hat, fährt man einfach seinen Kurs und folgt den reihenweise auftauchenden Inseln.

In welcher Bucht wir genau übernachtet haben weiß ich nicht mehr. Nur, dass nachts plötzlich Taschenlampen im Dickicht zu leuchten begannen. Als verweichlichter Europäer malt man sich in so einem Fall die grausigsten Gründe dafür aus. Von karibischen Kannibalen, die es auf weißes Frischfleisch abgesehen haben bis zu korrupten Polizisten, die einem ans Leder wollen… Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass wir vor einem aufgegebenen Hotelkomplex geankert hatten. Die kleinen Gästehütten lagen verstreut am Hang und wie es aussah, gab es noch eine Handvoll Wachmänner, die das Gebiet kontrolliert haben. Tja, es sah ganz so aus, als ob wir selber die Eindringlinge gewesen sind.

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Und weiter ging es mit dem Wind! Der nächste Halt war die kleine Insel Bequia mit seiner „Hauptstadt“ Port Elisabeth. Eine große Bucht mit türkisfarbenem Wasser empfing uns. Die verrücktesten Bootskonstruktionen näherten sich uns Neuankömmlingen und boten ihre Dienste an: Verkauf von Frischwasser, Absaugung von Abwasser, Diesel, Wäscheservice und natürlich die allgegenwärtigen Obst- und Gemüseverkäufer. Wir verbrachten den Abend an Land im ziemlich edlen „Devil’s Table – Food and Barrels of Rum“ und anschließend in einer klapprigen Bar mit einem unglaublich zugedröhnten DJ – es war wunderbar.

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Der Wind blies uns weiter, und zwar nach Mustique. Die Insel der Reichen und der Adligen, der Stars aus Rock und Pop! Und weil man in diesen Kreisen gerne unter sich bleibt, kostet das Ankern vor Mustique auch eine unverschämt hohe Gebühr, die nur von solch großen Touristengruppen wie uns überhaupt noch berappt wird. Ganz ähnlich wie im kroatischen Briuni Nationalpark vor Istrien. Andererseits – in „Basil’s Bar“, so sagt man, kommt hin und wieder Keith Richards vorbei, trinkt seine vier Finger hoch Rum und spielt ein Liedchen auf seiner Klampfe. Und genau das hatte ich ebenfalls vor! Was ich wieder mal verdrängt hatte: keiner der Superstars ist länger als ein paar Wochen pro Jahr in seinem Feriendomizil auf Mustique anzutreffen. Die Chance also, hier auf Bryan Adams, Mick Jagger, Paul McCartney oder Johnny Depp zu treffen ist mehr als bescheiden. Die einzigen Menschen, die hier wirklich leben, das sind die guten Geister in Form von Gärtnern, Hausmädchen und anderen Angestellten, die die Insel am Laufen halten. Und die sie in einen riesigen sterilen Golfplatz verwandelt haben. Sie malen sogar die Kokosnüsse an den Palmen zu Weihnachten silbern an. Nichts wie weg hier.

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Bevor wir ablegten, besorgten wir uns noch etwas Fisch bei den herumsitzenden Fischern der Insel. Sie spielen den ganzen Tag Domino. So sieht es jedenfalls aus. Was den Chinesen ihr Mahjong, ist den Kariben ihr Domino. Die Fische waren jedenfalls rot und ziemlich grätig. Auch wenn hier Berge von Gehäusen von Conch-Schnecken herumlagen und wir uns gerne ein schönes Exemplar für zu Hause mitgenommen hätten: lieber nicht, sowas wird vom Zoll einkassiert und man darf dazu noch ordentlich Strafe zahlen.

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Wir segelten weiter. Union Island war das nächste Ziel und diese Insel ist eigentlich einen eigenen Artikel wert. Korallen als Wellenbrecher, Lambi’s Bar mit Steel Drum Band und Conch-Schnecken-Ragout. Die Künstler Kolonie. Soggy Dollar „Happy“-Bar (nicht die auf den British Virgin Islands). Beinah abgebrochener Außenborder dank Korallen im Dunkeln. Party mit Carib-Beer. Party mit minderjährigen Nutten, die nach Eheringen suchen. Krankenschwestern, die einen retten. Skipper, die nachts mit Klamotten auf dem Kopf zurück zum Boot schwimmen. Kanonen, die auf Kreuzfahrtschiffe zeigen. Auf dieser Insel gibt es alles. Die Karibik im Kleinen.

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Mit nur unwesentlichem Kater im Kopp ging es am nächsten Tag weiter in die Tobago Cays hinein. Das sind schon wieder kleine Inseln, nur diesmal geschützt von einem vorgelagerten Korallenriff. Draußen blasen 5-6 Beaufort Wind und schleudern eine ordentliche Welle an das Riff. Drinnen ist es spiegelglatt und nur der Wind heult – surreal. Hier darf man keinen Pups lassen, keine Fische angeln und auch nicht Ankern, ohne dass gleich ein Parkwächter ankommt und einem nen fetten Strafzettel verpasst. Außer man ist Einheimischer. Dann wartet man ab, bis der Touri an der Boje liegt und verkauft ihm dann den eben frisch harpunierten Fisch. Ich glaube, man nennt es Ambivalenz.

Wer es wollte, konnte hier am Riff und auch dahinter Schnorcheln gehen. Für mich als Brillenträger relativ uninteressant, da ich nichts sehe. Dazu kommt die recht heftige Strömung, die einen in null komma nix weggetrieben hat. Nichts für Landratten. Aber wir konnten mit Wasserschildkröten um die Wette schwimmen. Es wimmelte hier nur so von denen und kam man ihnen zu nahe, schnappten sie nach einem. Habe ich mir später von Dritten erzählen lassen…

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Und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg, in Richtung Norden, nach Martinique. Eine Nacht sind wir durchgefahren, unter Motor gegen die Wellen. Es war ein denkwürdiges Gefühl, in der eigenen Koje wie in einem Trampolin zu liegen. Jede Welle führte zu einem kurzen Moment der Schwerelosigkeit. Wenn ich heute daran zurück denke, wie komfortabel es doch alles in allem auf diesem Katamaran war, dann will ich mir wirklich nicht vorstellen, wie sich diese Reise mit meinem kleinen 27 Fuß Bootchen angefühlt hätte. Man kann das aber nachlesen, denn Thomas Langer hatte vor ein paar Jahren mit seiner Albin Vega „Frigga“ diese Route genommen. Und hat dann mitten auf dem Atlantik festgestellt, dass ihn das ewige Geschaukel um den Verstand bringt. Auch ein Argument für mich, erst mal im Küstenbereich des Mittelmeers zu bleiben.

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Irgendwie habe ich die Insel Mayreau vergessen. Hier haben wir auch gestoppt, irgendwo zwischen Union Island und den Tobago Cays. Ich muss kurz über Kreuzfahrtschiffe sprechen. Die haben ja eigentlich alles an Bord, was man jemals brauchen könnte. Nur eines haben sie (noch) nicht: einen eigenen Sandstrand! Und weil es uncool ist, ein Barbecue woanders als an einem karibischen Sandstrand zu halten, mietet man eben mal schnell eine halbe Insel und baut ein Grillbuffet für 3000 Passagiere auf. Das sah dann für uns so aus, dass wir am Vorabend noch mutterseelenallein in einer schönen Bucht vor Mayreau lagen. Während am frühen Morgen ein Kreuzfahrtriese draußen seinen Anker warf und die Beiboote im Morgengrauen damit begannen, den Strand vorzubereiten. Liegen, Tische, Grills und eine zünftige Cocktailbar müssen schon stehen, wenn um 9 Uhr die ersten Gäste eintrudeln. Und ehe wir es uns versahen, lagen wir „im Weg“. Schon merkwürdig, wenn einen nach dem Aufstehen ein paar hundert Touristen-Augen anstarren…

Hey, das war mal unser Strand! Wir sind hier gestern Abend im Schweiße unseres Angesichts die steile Dorfstraße aufgestiegen. Wir waren das, die gestern in Robert’s Bar eingekehrt sind und dort die letzten Biervorräte geleert haben! Wir waren das, die zu Reggae aus einem Subwoofer aus Kanalröhren getanzt haben! Ihr habt währenddessen in eurer Kajüte gelegen und euch zur nächsten nichtssagenden Insel fahren lassen, für die ihr widerwillig die klimatisierte Kabine verlassen müsst, wenn ihr sie besichtigen wollt!

roberts bar mayreau raggae

Der alte Robert war korrekt. Mit seinem Joint in der Rechten und der Mundharmonika in der Linken hat er den Laden im Griff gehabt. Nachdem ich mit seinen Jungs ein wenig getrommelt habe und er irgendwann kein Bier mehr hatte, ist er zusammen mit uns in seine Lieblingskneipe gezogen und hat uns dort einen ausgegeben. Das war ein kalt gekachelter Laden, in dem sich die Einheimischen vergnügt haben. Irgendwie hatten sie alle was mit den Touristen zu tun: die Boat Boys, die Barbesitzer, die Charter Skipper wie unser Hans, die örtlichen Nutten (die waren wirklich überall)… es war ein Spaß! Und ich glaube, hier muss ich mich berichtigen: es war hier, wo unser Skipper kein Ende fand und sich erst am frühen Morgen mit den Klamotten auf dem Kopf schwimmend auf den Weg zu unserem Kat machte.

Eigentlich war es das. Wir waren noch in den Restekulissen von „Piraten der Karibik“ und haben uns verkleidet und mit Säbeln attackiert. Was anderes blieb uns auch nicht übrig, um die Zeit herumzukriegen: Hans hatte uns schon ausklariert für den Grenzübertritt und wir lagen trotzdem noch in der Bucht dieser Insel. Das ist eigentlich kein Weltuntergang – außer, draußen patrouilliert seit Stunden die Küstenwache. Und da dachten wir uns so, vielleicht sollten wir lieber noch ein wenig klatschnass hier in der Bar sitzen bleiben, bis die Polente wieder weg ist. Alle haben es überlebt. Hinterher gab es gebratene Chillis und spätestens dann war es wieder allen warm!

Karibik 704 schwimmweste bier

Was soll ich sagen. Dieser Urlaub war genial und es kamen viele glückliche Umstände zusammen. Und er ist sicherlich so nicht wiederholbar. Aber wer Interesse an solch einem Segeltörn hat, dem würde ich jederzeit empfehlen: mach es! Man sollte sich nicht von alten Karibikhasen beeindrucken lassen, die behaupten, früher wäre dort alles besser gewesen. Fahrt hin und schaut euch die Gegend an. Obwohl tausendfach stärker besucht als früher, ist es dort immer noch ursprünglicher als in den meisten Touristengebieten Europas.

Zum Ausklang noch ein paar Bilder, die ich kommentarlos loswerden möchte…

Karibik 502 palme klettern

karibik boot verkäufer

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karibik limbo dance

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Segeln auf der Adria 31: Die perfekte Flaschenpost

Schonmal davon geträumt, eine Flaschenpost zu finden? Man schlappt so nichts ahnend durch den Sand und plötzlich: eine beklebte Flasche!
Oder wie wäre es damit: man träumt sogar davon, eine eigene Flaschenpost zu erhalten? Wie man eine solche Flasche versendet, das erklärt dieser Artikel.

Zunächst mal zurück auf den Boden der Tatsachen: der Finder einer Flaschenpost ist niemals der Empfänger. Ok, unter Fischern wäre das vielleicht eine Art von Running-Gag, sich gegenseitig eine Flaschenpost zu schicken: „Jorge, deine Netze stinken, Alter! Gruß, Jose“ oder: „Zlatko fängt nur kleine Fische und hat auch einen kleinen Pulpo! Do viđenja. Ante“.

In Wahrheit sieht es wohl eher mal so aus, dass die Flasche nach tage- oder wochenlangem Treiben im Meer irgendwann an irgendeiner Küste an irgendeiner Kante hängenbleibt und auf ihr Schicksal wartet. Reißt die nächste Windböe sie wieder frei? Kommt die nächste Flut und schwemmt sie wieder in den Kreislauf der Dinge? Kommt vielleicht ein volltrunkener Pauschaltourist daher, macht sich einen Spaß daraus und pfeffert erstmal einen Stein auf die Flasche? Oder wird sie von Herr Abramovic seiner Mega-Yacht in Stücke geshreddert, ohne dass er es überhaupt merkt? Ma waases net. Aber eins ist sicher: irgendwo findet auch die abwegigste Strömung des Mittelmeers ein Ende und die Flasche kommt wahrscheinlich zur Ruhe. Und ab hier ist sie auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen des Finders ausgeliefert.

adria zelda 2014 (112) flaschenpost brief

Der Inhalt einer erfolgreichen Flaschenpost muss folglich immer aus zwei Teilen bestehen, nämlich dem schleimigen Anschreiben an den Finder und der eigentlichen Botschaft. Beide sollte man mit wasserfesten Stiften schreiben, also mit Bleistift oder Buntstift. Texte, die mit Kugelschreiber oder Filzstift geschrieben werden, zerfransen schnell auf feuchtem Papier. Was man in beiden Briefen sinnvollerweise erwähnen sollte:

  • Den Absender, also Bootsname und eigener Name
  • Datum des Abwurfs
  • Position des Abwurfs mit GPS Koordinaten

Der Finder liest natürlich zuerst den Brief an sich selbst, den man sinnigerweise außen um den eigentlichen Brief an den Adressaten herumwickelt. Darin schreibt man, dass man sich unbändig freut, dass diese Flaschenpost ans Ziel gekommen ist und dass der eigentliche Adressat sich noch viel unbändiger freuen würde, wenn der ehrliche Finder diese Flaschenpost mit der regulären (und dummerweise auch kostenpflichtigen) Post weitersenden würde. Ewiger Dank und Jungfrauen im Paradies sind ihm sicher, nur im Diesseits habe er leider keine weitere Belohnung zu erwarten.

Lustigerweise sind Flaschenpostfinder normalerweise nicht in der Position, dass sie jedes Jahr eine Flaschenpost beim Strandspaziergang aufgabeln. Und so finden sie die Sache noch sehr spannend und leiten den Brief aus der Flasche gerne weiter. Außer, man gerät an Jorge, Zlatko oder Ante. Dann fliegt die Flasche wahrscheinlich noch auf hoher See wieder zurück ins Wasser. Was aber auch Ok ist, dann hat die Message in der Bottle noch eine Chance, mehr Strecke zu machen.

Und das bringt uns genau zu dem wichtigsten Punkt: Strecke machen! Eine Flaschenpost ist ja äußerst nachhaltig unterwegs, sprich, sie verbraucht keine Energie und reitet mit der Natur. Wirft man sie ins Wasser an einer Stelle, die laut Windvorhersage optimal ist, so kann es sein, dass sie aus Strömungssicht ganz und gar nicht optimal ist. So passierte mir das zwischen den Inseln Hvar und Brac in Kroatien. Es herrschte Südwind und die Flasche hätte eigentlich schön in Richtung Norden nach Istrien oder meinetwegen auch nach Venedig treiben sollen. Tatsächlich aber habe ich die Strömung vernachlässigt. Die scherte sich nicht besonders um den kurzzeitig wehenden Südwind und verfrachtete die Flasche auf dem kürzesten Wege in die nahe südliche Bucht von Hvar, wo sie wenige Tage später von einem aufmerksamen Menschen gefunden und zurückgesendet wurde. Soweit die hochtrabenden Pläne für diese Flasche.

adria zelda 2014 (110) flaschenpost

Die zweite Flasche aber ist zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs, obwohl sie nur einen Tag später „abgesendet“ wurde. Hoffentlich denkt der Finder an seine eigenen Absendedaten, so dass ich weiß, wo und wann er sie gefunden hat! Aber jetzt mal zur Hardware.

Flasche ist nicht gleich Flasche. Stellt man ein Lastenheft für eine Flaschenpost auf, so fallen die folgenden Begriffe:

  • Langlebigkeit
  • Dicht muss sie sein
  • Stabilität
  • Raum für einen Brief

Damit scheiden schonmal kleine und/oder dünnwandige Flaschen oder solche mit mangelhafter Verschließbarkeit aus. Weinflaschen zum Beispiel. Viel zu dünnwandig. Optimal sind Likör- oder Schnapsflaschen. Sie haben die erforderliche Größe, sie sind aus stabilem Glas und haben meist einen korkenartigen Verschluss. So können sie ruhig einmal gegen die nächste Klippe dotzen und treiben dennoch ihres Weges ohne Leck zu schlagen. Abdichten lassen sie sich auch prima.

Normalerweise haben Schnappsflaschen entweder einen Plastikkorken oder einen Drehverschluss. Nachdem man die Briefe an den Finder und den Empfänger zusammengerollt und hineingesteckt hat, wird die Flasche also erstmal abgedichtet. Dafür eignet sich sehr gut Marine-Fett oder einfach Wachs. Oder am besten beides. Etwas Fett auf das Flaschengewinde schmieren, dann den Deckel aufschrauben. Hinterher alles zusammen mit flüssigem Wachs abdichten, Kalfatern sozusagen. Wer paranoid ist, wickelt jetzt noch Ducktape drumherum, aber das löst sich in der Sonne nach ein paar Wochen sowieso auf. Kann man sich also sparen und den natürlichen Zutaten vertrauen. Nach dem Abwurf wird man beobachten können, dass die Flasche wegen dem schweren Glas doch reichlich Tiefgang hat. Das erklärt auch die Tatsache, dass weniger der Wind als die Strömung die Oberhand über die Zugrichtung der Flasche behält.

Nicht zu vergessen ist das fachmännische Bekleben der Flasche. Niemand stoppt sein Boot wegen einer herumtreibenden Buddel. Wenn aber schon von weitem erkennbar ist, dass mit der Flasche „was nicht stimmt“, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der fachkundige Skipper die Chance zur Übung des „Flasche über Bord“ Manövers wahrnimmt. Ich habe für meine Flaschenposten (bis jetzt zu 77,7% erfolgreich) einfach weißes Papier bemalt und mit durchsichtigem Klebeband außen an der Flasche befestigt.

Die erste Post in 2013 brauchte noch knapp vier Monate. Die zweite in 2014 schaffte es in drei Wochen zum Empfänger. Wenn das bei der dritten in dem Stil so weitergeht, werde ich von jetzt an jeden Brief einfach in das nächste Gewässer werfen. Ist doch erheblich billiger und dauert kaum länger als mit der herkömmlichen gelben Post.

Segeln auf der Adria 30: Ankern unter Segeln

Nördlich von Split auf der Festlandseite gibt es eine großzügige Ankerbucht, an der das Dorf Vinisce liegt. In den letzten Jahren kam es hier immer wieder zu „Unregelmäßigkeiten“, wie es im Küstenhandbuch für Segler so schön heißt. Mit anderen Worten: hier wurde spontan und illegal eine kleine Marina eröffnet, die kurze Zeit später von der Polizei wieder geschlossen wurde. Dann gibt es dort noch das immer wiederkehrende Unwesen von Freibeutern, die abends ihre Runde in der Ankerbucht drehen und frech eine Phantasiegebühr von den dort liegenden Jachten verlangen. Für diese Bucht ist jedoch nie eine Konzession vom Staat vergeben worden und somit liegen hier keine Bojen aus, noch hat jemand das Recht, einfach Geld einzusammeln. Eine alte, zeternde Frau macht das trotzdem und daher hat man (abgesehen vom Bezahlen) zwei Möglichkeiten, die Angelegenheit zu klären: Ausdiskutieren oder einfach vom Boot an Land flüchten. Da ich der Dame schon am Vortag klar gemacht habe, dass ich nicht zu zahlen gedenke, bin ich heute Abend an Land gerudert. Erstens ist das besser für den Stresspegel und zweitens überfiel mich wieder einmal die Lust auf eine Fleischplatte, die es in einem der Restaurants mit Sicherheit geben wird. Aber ich schweife ab.

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Die Bucht. Sie ist groß und überwiegend flach, so dass sie ein beliebtes Ziel für Jachten ist, die ankern wollen. Nach einem langen Segeltag komme ich also mit ordentlich Rückenwind an den Eingang der Bucht und denke mir, wofür eigentlich jetzt den Motor anmachen? Der Wind bläst mich doch schon seit über einer Stunde bis auf wenige Grad genau in die Bucht hinein. Also bleibt das große Vorsegel oben. Und wieder eine Viertelstunde später denke ich mir, du wolltest doch schon immer mal ausprobieren, wie es ist, nur unter Segeln zu ankern. Gedacht, getan. Das Großsegel ist eh schon seit heute Mittag eingeholt, denn bei Wind von hinten trägt es nicht viel zur Geschwindigkeit bei. Also steht nur noch die Genua, welche ich nun schrittweise einrolle, um nicht zu schnell zu sein. Man braucht erstaunlich wenig Segelfläche, da einen der Wind sowieso anschiebt. Das Einrollen des Vorsegels geht auf Vorwindkurs sehr gut und so gleite ich lautlos mit 2 bis 3 Knoten Fahrt in die Bucht und erfreue mich an den Kommentaren der am Ufer badenden Urlaubsgäste. Ob sein Motor wohl kaputt ist?

Schon von weitem sehe ich geradeaus ein schöne Lücke zwischen den vor Anker liegenden Jachten. Da will ich rein. Ich fahre so platt vor dem Wind wie möglich, um im Notfall noch anluven und ausweichen zu können. Der Motor ist natürlich startbereit – aber diesmal soll er ja ausbleiben. Da ich am Bug keine Ankerwinsch habe, hole ich den Anker aus der Backskiste, schaue ob die Leine klar ist und warte auf den richtigen Augenblick. Die Genua ist bis auf einen Fetzen eingerollt und ich habe immer noch 2 Knoten Fahrt drauf. Mehr soll es nicht sein, denn wenn mein Anker greift (und das tut er immer), soll es mir die Heckklampe nicht ausreißen.

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Der Anker fällt, ich gebe Leine, belege an der Heckklampe und harre der Dinge… Nur, es passiert nichts, außer dass ich stehen bleibe. Das Boot ruckt leicht ein, das ist schon alles. Das Segel ist natürlich noch gebläht und ich rolle es nun komplett aus, um mehr Druck auf die Ankerleine zu geben. Ende des Manövers. Ein lustiger Anblick, so mitten im Feld der Ankerlieger mit geblähten Segeln auf der Stelle zu stehen. Später tauche ich noch den Anker ab, nur um festzustellen, dass er sich vorbildlich eingebuddelt hat.

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Vor lauter Stolz und Selbstzufriedenheit über diese gelungene Aktion hatte ich eigentlich fest damit gerechnet, dass mir die Crews auf den anderen Booten Beifall klatschen, mich auf ein Bier einladen und mir dann ihre Töchter schenken. Aber leider blieb es wie üblich bei meinem eigenen Ankerbier. Das war dann aber doppelt so lecker!

Ein SKS-Segeltörn auf den Kanaren bleibt scheinlos

Dank ausreichend Zeit gegen Ende des Jahres kam mir spontan die Idee, den Praxistörn für den SKS-Schein zu absolvieren. Es ist zwar nicht sehr sinnvoll, zunächst die Praxis auf dem Boot und erst danach den Theoriekurs zu machen, aber möglich. Innerhalb von zwei Jahren muss man die Theorieprüfung ablegen, dann erhält man den „Sportküstenschifferschein“, kurz „SKS“ genannt. Mit ihm darf man Yachten charten, was der eigentliche Grund für die meisten Segler ist, diesen Schein zu machen.

Im Dezember ist es fast überall kalt, sogar im Mittelmeer. Daher verlagern viele Anbieter von Segelkursen, wie die Firma Well-Sailing, über die ich gebucht habe, ihr Angebot auf die warmen Kanarischen Inseln. Hier scheint die Sonne und man hat konstanten Wind. So ist es jedenfalls fast immer, nur nicht in der einen Woche, als ich dort war.

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Die Voraussetzungen
Erhofft hatte ich mir genau dieses Standardwetter aus milden Temperaturen um die 20 Grad, Sonnenschein und kein Regen. Dazu Passatwind aus Nordost, so dass die Südseite von Gran Canaria im Windschatten liegt und sowohl Wind als auch Welle etwas abgeschwächt werden. Die ideale Umgebung, um mit einem Boot Manöver für die Prüfung zu üben.
Was wir erhalten sollten, war das genaue Gegenteil: stürmisches Wetter aus südlichen Richtungen mit 5 bis 7 Beaufort Windstärke und den daraus resultierenden hohen Atlantikwellen. Außerdem noch Regen. Der Kanare auf seinem staubtrockenen Felsen freut sich darüber, der Urlauber knirscht mit den Zähnen.

Das Boot war eine ältere „Dynamique 50„, eine stattliche Lady von fast 15 Metern Länge mit einem genialen Deckssalon. Sie verfügt zwar über die übliche moderne Ausrüstung wie Kartenplotter, Radar, etc. aber segeltechnisch wird sie vollständig von Hand bedient. Beide Segel werden auf herkömmliche Weise gesetzt, also am Mast oder Vorstag eingeklinkt und dann hochgezogen. Über Rollvorrichtungen verfügt sie nicht. Für einen Wechsel des Vorsegels müssen ca. 70 qm heruntergezogen, auf dem Vordeck zusammengelegt und in die Backskiste am Heck gepackt werden. Von dort holt man auch das neue Segel, schleppt es nach vorne, packt es aus und bändselt es zunächst an die Reling. Danach kann es gesetzt werden, hierzu benötigt man zwei Personen.

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Die Crew bestand aus dem Ausbilder, einer Co-Skipperin, mir selbst und einem Segelfreund sowie einem dritten Teilnehmer, der nur zum Mitsegeln dabei war und keine Prüfung ablegen wollte. Er sollte sich später noch als ein großes Problem herausstellen, denn obwohl Ende 50, hatte er keinerlei realistische Selbsteinschätzung seiner Fähigkeiten und hat uns bei fast allen Arbeiten mehr behindert als geholfen. In der Konsequenz wurde er vom Ausbilder ins Cockpit verbannt und durfte nicht mehr auf das Vordeck. Auch hier war Jens, so will ich ihn mal nennen, leider keine große Hilfe, da er während eines Manövers nicht wusste, was zu tun war und es sogar schaffte, eine einfache Wende derart zu behindern, dass sie abgebrochen werden musste. Während man selbst als Prüfling am Steuer schon aufgeregt genug ist und jede Hilfe gebrauchen kann, musste man also noch ein drittes Auge auf diesen Mann werfen, um zu verhindern, dass er sich selbst oder das Boot gefährdet.

Der Ausbilder
„In der Törnbeschreibung steht, wir werden hier viel Spaß haben.“ Kurzes trockenes Lachen. „Spaß werden wir hier sicher keinen haben, höchstens ganz am Ende der Ausbildung, wenn alles gelaufen ist!“ Damit waren die Weichen gestellt.

Der Ausbilder ist ein norddeutscher Seebär, der am Ende seines eigentlichen Berufslebens beschlossen hat, als Profiskipper weiterzumachen. Auf diesem Boot sind wir seine erste SKS-Ausbildungscrew. Auch Wind und Wetter ist in dieser Woche zum ersten Mal so richtig übel, das sollte auch ihn an seine Grenzen bringen. Er hat unheimlich viel Segelerfahrung und falls man einen Skipper sucht, der ein Boot sicher von A nach B bringen kann, ist er bestimmt der richtige dafür. Ob er auch als Ausbilder taugt, darüber kann man geteilter Meinung sein. Zwar finde ich es in Ordnung, während des Segelns direkt und lautstark auf gemachte Fehler hingewiesen zu werden. Wenn sich diese Manöverkritik aber in jeden einzelnen Aspekt des Bordalltags hineinzieht, dann kippt die Stimmung schnell. So war es für ihn üblich, den Morgen damit zu beginnen, einen auserwählten Schüler mal so richtig zusammenzustauchen. Auslöser konnte mangelnde Aufmerksamkeit sein, eine kleine Fahrlässigkeit oder eben irgendein anderer Fehler, den man auf einem Boot macht, das man nicht kennt. Darauf folgte ein 20 Minütiger Vortrag über die Gefahren auf See, das allgemeine Versagen der Crew im Ganzen und das des Verursachers im Speziellen. Nach so einer Frühstücksansprache noch motiviert den Hafen zu verlassen war dann nicht mehr möglich. Wir haben seine Fähigkeit, auch noch kleinste Fehler aufzudecken, anfangs noch sehr geschätzt. Aber während des Segelns wurde der psychische Druck derart hoch gehalten, dass es einen irgendwann zermürbt hat. Der nächste Fehler, die nächste Falle war immer nur einen Wimpernschlag entfernt. Auch den Punkt, ab dem ein erschöpfter Schüler nichts mehr lernt, hat er nicht erkannt.

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Man könnte jetzt noch lange den Charakter dieses Menschen beschreiben, der durchaus auch seine positiven Seiten hat. Aber ausschlaggebend für meine vernichtende Bewertung ist, dass er es als Ausbilder nicht geschafft hat, uns nach der Kritik wieder durch Motivation aufzubauen und anzuspornen. Unser Ziel war das Schaffen der Prüfung, wir wollten kein Kapitänspatent machen! Meine eigene Motivation bestand schließlich daraus, das tolle Gefühl zu genießen, mit dem Schiff bei viel Wind und Welle unter Segeln über den Atlantik zu fahren. Alleine dafür hat es sich gelohnt.

Das Segeln
Dass wir überhaupt zum Segeln die Marina verlassen haben, stand jeden Morgen auf des Messers Schneide. Von den Chartercrews in Puerto Mogan ist in dieser Woche keine einzige ausgelaufen. Das Leben fand im Hafen statt. Auch andere Ausbildungscrews blieben liegen, während wir rausfuhren. Unser Segelalltag war weit von dem Schönwettersegeln entfernt, so wie ich das bisher kannte. Auf meinen eigenen Törns kann ich Dank Wettervorhersage gut einschätzen, ob ein Auslaufen sinnvoll ist oder nicht. Und da ich als Einhandsegler sehr vorsichtig bin, bleibe ich bei schlechtem Wetter lieber einen Tag länger im Hafen als umgekehrt (die Fotos in diesem Artikel stammen allesamt aus den kurzen Schönwetterperioden der Woche).

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Auf Gran Canaria sind wir nur am ersten Tag mit normalen Klamotten ausgelaufen. Schon nach einer Stunde war mir klar, dass hier das ganze Paket her muss: die komplette Regenmontur und natürlich Rettungsweste mit Lifebelt, worauf der Ausbilder von vornherein bestand. Regen gab es zunächst keinen, dafür kam das Wasser aber von unten. Eingepickt in die Lifeline gingen wir auf das Vordeck, um dort die Segel zu setzen. Es war für mich eine neue Erfahrung, bei solch einem Wind ein Segel von der Größe einer 3-Zimmerwohnung am Bug zu setzen, während man wie in einem Fahrstuhl durch die Wellen pflügt und dabei von Meerwasser umspült wird. Beeindruckend. Das Steuern der Yacht in der langen Atlantikdünung, ab und zu ein Brecher von der Seite und dazu ordentlich Wind – deswegen war ich hier! Mein Segelfreund verbrachte den Vormittag dagegen mit dem Kopf über der Reling. Plötzlich kam die Seekrankheit, so dass wir ihn Mittags in der Marina absetzten. Jens, der dritte im Bunde, war nur noch ein graues Bündel Elend und fiel damit auch aus. So wurde das Boot am Ende nur noch vom Ausbilder, seiner Co-Skipperin und mir bedient.

Wir fuhren wieder hinaus und die Dinge nahmen ihren Lauf. Der mittlerweile noch stärker gewordene Wind zerrte schon beim Hochziehen des Vorsegels unheimlich an den Lieken, den Rändern des Segels. Kurz darauf riss das Achterliek auf etwa ein Viertel der Länge. Dieses Segel hat eine Reffmöglichkeit und so verkleinerten der Ausbilder und ich die Segelfläche bis über den Riss, was nicht gerade leicht war. Das Vordeck bewegte sich jetzt endgültig wie ein Amok laufender Fahrstuhl in pendelnden Bewegungen in alle Richtungen, während ich gemeinsam mit dem Ausbilder unter konstanter Beschimpfung das Segel reffte. Gleich als wir fertig waren, riss es erneut: diesmal an der Reffkausch vertikal nach unten. Unter übelsten Beschimpfungen etc. pp. bargen wir das zerrupfte Segel und stopften es durch die Vorluke ins Schiffsinnere. An diesem Tag lief außer Kurshalten und ein paar Wenden also nicht sehr viel. Action war trotzdem mehr als genug. Erst im Hafen merkten wir, dass auch das Achterliek des dreifach gerefften Großsegels gerissen war.

Durch den Einsatz von Superpep Kaugummis war mein Segelkumpel am nächsten Tag wieder mit dabei. Dieser Dienstag war rückblickend der einzige Segeltag in dieser Woche, an dem wir sinnvolles Manövertraining abhalten konnten. Trotz 6-7 Beaufort und Sturmbeseglung war es ein produktiver Tag und wir konnten uns auf unsere Wenden und Halsen konzentrieren. Mein Wunsch nach Schwerwettersegeln war zusätzlich in Erfüllung gegangen, und so konnte dieses Hochgefühl weder von einem verdrehten Knie, einer geprellten Rippe, unzähligen blauen Flecken, noch von einem dauerbrüllenden Ausbilder gedämpft werden. Dass meine geliebte Kappe (und die der Co-Skipperin) jetzt auf dem Meeresgrund vor Gran Canaria liegen, war dafür nur ein fairer Preis.

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Mittwoch blieben wir wegen Dauerregen im Hafen. Donnerstag und Freitagmorgen sollten wir dann noch Gelegenheit zum Üben haben, so war der Plan. Doch es sollte anders kommen. Nach dem üblichen Morgenanschiss fuhren wir hinaus und setzten das Vorsegel. Kaum war es oben, frischte der Wind schnell weiter auf und bei etwa 6 Beaufort musste das Segel wieder runter. Wie sich herausstellte, hatte uns der Ausbilder versehentlich die viel zu große Genua anschlagen lassen. Also wieder runter damit und zusammenlegen auf dem Vordeck. Alle Arbeiten wurden von mir und meinem Segelkumpel ausgeführt. Jens durfte das Cockpit nicht verlassen und der Co-Skipperin war es untersagt, uns zu helfen. So langsam dämmerte es uns, was es bedeutete, auf einem Boot dieser Größe die Segel ohne Rollvorrichtung zu handeln. Der körperliche Einsatz ist immens. Nachdem das 70 qm Segel, das locker seine 40 Kg wog, in der Backskiste verstaut war, sollte die zweite noch intakte Fock gesetzt werden. Diese hat mit ca. 50 qm zwar nur noch die Größe einer 2-Zimmerwohnung, ist dafür aber aus dickerem Tuch genäht. Kaum ist der Sack nach vorne gewuchtet, mache ich zwei Fehler: zunächst fällt mir auf, dass ich beim Abschlagen des alten Segels den großen Schäkel vergessen habe. Der liegt jetzt irgendwo zwischen 70 qm Segeltuch in der Backskiste und ohne ihn kann das neue Segel nicht gesetzt werden. Nachdem ich ihn dort herausgefleddert habe, mache ich den zweiten Fehler und klipse manche der Stagreiter des Vorsegels verkehrt herum an das Vorstag. Also wieder runter damit und unter dem Gezeter des Ausbilders etc. pp. wieder korrekt neu angeschlagen. Als es schließlich oben ist, fährt der Ausbilder ein paar Manöver, Boje über Bord mit Q-Wende, aber keines gelingt. Teilweise wegen ihm, teilweise wegen uns. Wir beide sind erschöpft, unser Timing an den Schotwinschen ist schlecht, die Kommandos drehen sich im Kopf und als ob das noch nicht reicht, pfuscht uns Jens dazwischen und trennt sich dabei fast einen seiner Finger ab, mit denen er ziellos an der Winsch herumfummelt. Wir sind körperlich am Ende, arbeiten seit Stunden hart und trauen uns dabei noch nicht einmal, etwas zu trinken. Zu groß ist die Anspannung. Mit aufgesprungen Lippen lauschen wir also andächtig der erniedrigenden Ansprache unseres Ausbilders und fahren schließlich zurück in die Marina.

Die Entscheidung
Meine Entscheidung war schon etwa um die Mittagszeit herum gefallen. Nach einem kurzen Kriegsrat mit meinem Segelfreund abends am Steg waren wir uns einig: unter diesen Bedingungen werden wir morgen nicht zur Prüfung antreten. Und so wurde es dann auch gemacht. Die Kombination aus zu wenig Übung, einem schwer zu bedienenden Boot und zuwenig helfender Crew waren für uns ausschlaggebend, dem sinnlosen Treiben hier ein Ende zu setzen. Am folgenden Tag gingen wir zum örtlichen Prüfungsausschuss und erklärten unser Verhalten, was auf vollstes Verständnis stieß.
Und so kam es, dass wir bei diesem Segeltörn sicherlich viel mehr gelernt haben, als es während eines sommerlichen Törns im Mittelmeer auf einem modernen Boot mit motivierten Mitseglern möglich gewesen wäre. Nur den Schein, den haben wir buchstäblich in den Wind geschossen.

ISAF Sicherheitstraining – Überleben auf See

Wie kann ich Brände an Bord bekämpfen? Wie funktioniert eine Wiederbelebung? Löst meine Rettungsweste aus und wie schaffe ich es in eine Rettungsinsel? Wer es genau wissen will, nimmt teil an einem Sicherheitstraining.

Mönchengladbach ist nicht der offene Atlantik und die Kothausener Feuerwehr versprüht einen etwas anderen Charme als das New York Fire Department. Aber man kann in diesem zweitägigen Kurs der Firma „Sailing Island“ dennoch hervorragend üben, was einem auf See im Ernstfall passieren kann. Sei es das Löschen eines Feuers in der Pantry, die Wiederbelebung eines über Bord gefallenen Mitseglers oder das Besteigen einer Rettungsinsel. „Überleben auf See“ heißt dieser von der ISAF zertifizierte Kurs. Nur wenige der hier im Raum sitzenden Teilnehmer brauchen die Bescheinigung wirklich. Sie ist beispielsweise zur Teilnahme an größeren Regatten vorgeschrieben, wie der „Atlantic Ralley for Cruisers“. Zwei Männer aus dem Kreis der Teilnehmer haben eine solche Atlantiküberfahrt bei „Sailing Island“ gebucht (geht auch woanders), andere sind einfach neugierig oder wollen ihre Kenntnisse wieder auffrischen. Mich selbst hat es hierhin eher durch Zufall verschlagen. Eigentlich sollte es diesen Herbst noch ein Schwerwettertraining werden. Diese Fahrten sind leider schnell ausgebucht und so wendete ich mich dem thematisch recht nahe stehenden Thema „Überleben auf See/Survival at Sea“ zu.

Der Kurs wird vom Leiter der Segelschule – Markus Seebich – und anderen Dozenten gehalten. Ein Großteil der Inhalte besteht natürlich aus grauer Theorie, die uns über dafür um so buntere Powerpoint Folien ins Kleinhirn gehämmert wird. In so einem Fall bin ich immer wieder froh, wenn die Dozenten schon im gesetzteren Alter sind und auf viele Segeljahre zurückblicken können: sie erzählen einfach die spannendsten Stories! Bei nahezu jedem Thema folgt eine Anekdote und das lockert die Theorie doch ordentlich auf. Das gefiel mir schon damals beim Kurs für den SBF See in Kühlungsborn.

Warum ich hergekommen bin, ist aber die Praxis! Ein Bestandteil des Kurses ist die Übung zur Wiederbelebung von Menschen mit Herzstillstand. Dann wird auch der Umgang mit dem Feuerlöscher geübt und schließlich, ganz am Ende, kommt der Blockbuster, weswegen wir eigentlich alle hier sind: die Übung im Wasser, das Training zum Besteigen und Handhaben von Rettungsinseln, während man selbst in voller Montur baden geht. Hier die Übungen im Einzelnen.

Wiederbelebung bei Herzstillstand
Ein Mitarbeiter vom Deutschen Roten Kreuz baut zwei Personen-Dummies auf und jeder Teilnehmer darf mal ran. 30 mal aufs Brustbein drücken, dann 2 Mal Mund-zu-Mund Beatmung. Das Pressen, also die Herzdruckmassage, sollte etwas schneller als einmal pro Sekunde erfolgen, etwa 100 Mal pro Minute. Beim Beatmen kräftig reinpusten in den Menschen, der hält das aus. Wer im Detail nachlesen möchte, wie eine Herz-Lungen-Wiederbelebung funktioniert, kann das hier tun.

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Handhabung eines Feuerlöschers
Feuerlöscher sind nützlich, wenn man sie hat und regelmäßig warten lässt. Nachdem der Dozent einen Stoß aus einem Pulverlöscher ablässt und damit halb Kothausen vernebelt, ist uns allen klar, dass wir so ein Teil nicht an Bord haben wollen. Das unheimlich feine Pulver würde sich im ganzen Boot absetzen und schon ein kleiner Brand wäre wirtschaftlich gesehen ruinös. Geübt wird hier mit den teuren CO2 Löschern. Die Fauchen zwar kräftig, hinterlassen aber keinerlei Spuren. Mit einem Schaumlöscher geht es auch, den werde ich mir wohl demnächst anschaffen und das kleine 1 Kg Pulverspielzeug ausmisten. Ein so kleiner Feuerlöscher würde nur für wenige Sekunden reichen. Selbst die 2 Kg Geräte waren schon nach 20 Sekunden leer.

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Hier noch eine Fettexplosion, so wie sie die Kamera sieht. Will man auch nicht in der Kombüse haben.

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Düsseldorf ist um die Ecke, da kommen die Toten Hosen her. Und was macht der Campino gerne? Richtig, Bengalos anzünden. Unter Seglern nennt man so eine Handfackel „Seenotsignal„, macht aber genauso Laune.

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Rettungsweste, Rettungsinsel & Co.
Das Training im Wasser findet im Düsseldorfer Hallenbad statt, gleich neben der Messe. Im Januar ist hier wieder die boot angesagt, wo man nagelneue Yachten besichtigen kann, die weniger für Sicherheit auf See als auf Wohnkomfort im Hafen ausgelegt sind. Ich bin jetzt vor allem auf eines gespannt, nämlich ob und wie meine Rettungsweste auslösen wird. Im Gegensatz zu dem armen Tropf, dessen Weste nach einem kurzen „plopp“ gleich wieder in sich zusammenfiel, blieb meine stabil und ich konnte wie ein aufgeblasenes Ballonmännchen durch das Becken treiben.

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Da ich Brillenträger bin, musste für diese Übung eine alte Brille herhalten. Aber zusammen mit diesen kleinen Gummierweiterungen an den Bügeln und einer schützenden Hand vor dem Gesicht überstand sie den Sprung vom 3 Meter Sprungbrett unbeschadet. Gut zu wissen. Diese „Brillenbügel Endgummis“ zum Aufstecken bekommt man beim Optiker für wenige Cent. Im Gegensatz zu einer Kordel oder einem Brillenband kann sich hier nichts verfangen und es hält wirklich bombig.

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Das Tragen einer aufgeblasenen Weste im Wasser ist ziemlich unangenehm. Man sieht auch nicht sehr viel, da einem die Lufttaschen die Sicht versperren. Damit zu Schwimmen geht ebenso schlecht und sobald man versucht, die Rettungsinsel zu entern, versperren einem die Schwimmkörper den Weg. Es ist also sinnvoll, über das Ventil einiges an Luft abzulassen. Auf dem selben Weg kann man auch leicht wieder Luft hineinblasen, die Gaspatrone ist also nur für das erste automatische Aufblasen notwendig. Das ist besonders dann wichtig, wenn man ohnmächtig über Bord geht, was nach einem Schlag mit dem Großbaum schnell vorkommen kann. Rettungswesten gibt es in verschiedenen Größen mit unterschiedlichem Auftrieb. Ich kann nur jedem davon abraten, sich eine zu große Weste zu kaufen, nur weil dort „Hochseetauglich“ draufsteht. Die Weste muss den Menschen selbständig in die Rückenlage drehen können, falls dieser ohnmächtig ist. Nicht mehr und nicht weniger. Selbst ein großer und schwerer (nicht dicker!) Teilnehmer des Trainings, ein Mann mit sicherlich über 100 Kg Lebendgewicht wurde aber von den riesigen Schwimmkörpern seiner 275N Weste eher erdrückt und behindert, als dass sie ihm genützt haben. Für mich mit meinen knappen 70 Kg inklusive Schwerwetterkleidung reicht eine Weste mit 150N Auftrieb locker aus. Schon mit einer 220N Weste würde ich wahrscheinlich wie ein Heißluftballon vom Winde verweht werden…
Auch ein Schrittgurt wäre hilfreich gewesen, der leider bei fast keiner Weste mehr angebracht ist. Zwar dauert das Anlegen länger, aber dafür sitzt man besser festgeschnallt im Wasser und kann auch leichter abgeborgen oder in die Rettungsinsel gezogen werden.

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Wenn man dann schließlich zu acht in dieser Rettungsinsel mehr oder weniger übereinander gestapelt drinsitzt, wird einem bewusst, dass das „in echt“ kein Spaß wäre. Es ist eng, man sitzt in einem Wasserbecken, das im Ernstfall eiskalt wäre. Man bekommt schlecht Luft und sobald einer kotzen muss oder andere Körperfunktionen sich bemerkbar machen, ist es eh vorbei. Man möchte es sich nicht vorstellen.

Fazit dieses Überlebenstrainings: es ist nicht ganz billig, aber sehr sinnvoll. Man erhält einen Rundumschlag an sicherheitsrelevanten Themen. Wobei die Wiederbelebung bei Herzstillstand und das Handling eines Feuerlöschers auch im Leben abseits des Segelbootes relevant ist. Und Spaß macht das ganze natürlich auch. Es ist vielleicht wie bei einem Fahrsicherheitstraining für das Auto: hinterher hat man einfach mehr Vertrauen in die eigene Ausrüstung und das eigene Können.

Mehr zum Thema:

Segeln auf der Adria 29: Städtetouren in Trogir, Split und Dubrovnik

Trogir
Zwischen Trogir und Split liegt die Marina Kastela, wo ich recht oft diesen Sommer Station gemacht habe, um neue Mitsegler vom Flughafen abzuholen. Trogir selbst ist – genau wie Split – mit dem Bummelbus in einer knappen halben Stunde von der Marina aus zu erreichen. Auch von den anderen Marinas in der Nähe, also Agana und Rogoznica/Frapa müsste es gute Verbindungen geben, denn so weit ist es nicht. Die beiden Marinas in und neben Trogir habe ich nicht besucht, da sie räuberische Preise haben.

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Die Stadt Trogir, beziehungsweise genaugenommen die Altstadt, denn der Rest interessiert weniger, sieht aus wie Split nur kleiner. Außerdem riecht es in den Gassen penetrant nach Pommes, was wohl nicht langt, um der Stadt den Status eines UNESCO Weltkulturerbes zu entziehen. Trotzdem ein schönes Städtchen, nur extra hinfahren würde ich nicht, zumindest wenn man schon in Split war. Es reicht auch, sich einfach den Wikipedia Artikel zu Trogir reinzuziehen.

Split
Split ist da schon eine andere Hausnummer und definitiv einen Besuch wert. Das Highlight ist sicherlich die Innen-Innenstadt, also der ummauerte Bereich des ehemaligen Diokletian Palastes. Die Gassen sind hier unglaublich eng und kuschelig. Es fällt kaum noch Licht von oben hinein, weswegen es früher (also ziemlich früh, vor etwa 1500 Jahren) nicht erlaubt war, Balkone anzubauen. Wenn man sich überlegt, dass der Teutonen-Touri hier auf Marmorböden aus der Römerzeit herumlatscht, dann ist das irgendwie… beeindruckend! Heute befinden sich in den Gässchen kleine „Concept-Stores“ oder auf Altdeutsch „Lädchen“, die allen möglichen Krimskrams verscherbeln. Natürlich gibt es auch hier jede Menge Restaurants, aber es hat einfach mehr Stil als in Trogir. Ok, ich muss jetzt nicht jedes Mal in einem Lokal von einem in Toga gehüllten Ober bedient werden, aber die Fischplatte war wider Erwarten gut!

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Was die Splitter, die Splitsker, na die Einwohner von Split halt, nicht gut finden, das ist die neu gestaltete Flaniermeile „Riva“ zwischen Meer und Palast. Statt Beton für den Boden hätte man hier doch wohl bitte ebenfalls Marmor verwenden können, meinten wohl einige. Gut, die Kroaten bekommen ja nun seit dem EU-Beitritt sicher jede Menge Subventionen (vorausgesetzt, sie liefern den einen oder anderen „Kriegshelden“ aus), da wird bestimmt demnächst noch ein Groschen zum Anlegen einer stilvollen Marmorpiazza abfallen. Alternativ könnte man dafür auch eine ordentliche Kläranlage bauen und das fette Abwasserrohr stilllegen, das seine stinkende Brühe direkt in das Hafenbecken ergießt. Aber was sind schon ein paar Klopapierreste im Wasser und ein leichter Kläranlagengestank gegen eine blank polierte Flaniermeile? Da muss man schon Prioritäten setzen.

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Dubrovnik
Nach Dubrovnik muss man erstmal kommen. Leider hört die Autobahn einige Kilometer vorher auf und man möchte dem Navi nicht so recht glauben, wenn es von einer ewig erscheinenden Restfahrzeit schwafelt. Aber leider ist das korrekt. Denn man fährt nicht nur über Stock und Stein, diverse Obstanbaugebiete und ein Flußdelta sondern auch noch über zwei Staatsgrenzen. Ausreise aus Kroatien, Einreise nach Bosnien, Ausreise Bosnien, Einreise Kroatien. Da glüht der Personalausweis. Schließlich nähert man sich über eine wunderschöne Küstenstraße der Stadt, schaut die Steilküste herab und hat freien Blick auf die Adria, welche nur durch grüne bewaldete Inselchen und hier und da ein weißes Segelboot aufgebrochen wird.

Empfehlenswert ist der Campingplatz „Solitudo„, er liegt nur 10 Minuten mit dem Bus von der Altstadt entfernt. Der Platz ist nicht schön, aber praktisch und für Stadtbesichtiger wie uns genau richtig. Betritt man die Altstadt, so unterschreitet man als erstes die Stadtmauer und kommt auf der anderen Seite wieder heraus. Jetzt kann man sich entscheiden, ob man zunächst durch die Gassen irren will oder sich die Geschichte lieber mal vorher von oben anschaut. Genau das haben wir gemacht (und gefühlte 2 Millionen andere Touristen auch) und sind auf der Mauer einmal im Uhrzeigersinn komplett um die Altstadt herum spaziert. Das dauert seine 1-2 Stunden, je nach Häufigkeit der Fotostopps, aber es lohnt sich. Man hat einfach einen geilen Ausblick, anders lässt es sich schlecht beschreiben. Lasst Bilder sprechen:

adria_zelda_2013_ (684) dubrovnikWie schon erwähnt ist man in Dubrovnik selten alleine, eher schon könnte man klaustrophobische Anfälle bekommen. Die Stadt hat fleißig in eine riesige Pier als Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe investiert. Und wenn dort ein paar Kreuzfahrtriesen liegen, dazu die Bustouristen kommen, die kontinuierlich angekarrt werden und natürlich die „normalen“ Touristen wie unsereiner, dann platzt die Stadt buchstäblich aus ihren Nähten, siehe diesen Zeitungsartikel. Ich weiß gar nicht was die eigentlich wollen, so ein schwimmender Palast fügt sich doch ganz harmonisch ins Stadtbild ein:

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Angeblich hätten diesen Sommer im August einmal sechs Kreuzfahrtschiffe angelegt und 15.000 Touristen ausgespuckt. Damit war Dubrovnik dann erstmal lahmgelegt, so dass auch die Polizei schließlich aufgeben musste. So kann man sich den eigenen Ruf natürlich auch ruinieren, aus reiner Geldgier.

dubrovnik kroatien 1Alte Mauern und alte Kirchen machen hungrig. Besonders, wenn man in luftiger Höhe an all den lecker riechenden Konobas vorbeiläuft, aber weit und breit keine Möglichkeit zum Abstieg vorhanden ist. Schließlich haben wir, mehr oder weniger durch Zufall, das Restaurant „Domino“ gefunden, welches im Reiseführer wärmstens empfohlen wurde. Das Essen war abwechslungsreich, nicht der übliche Mangold-und-Hackfleisch-Einheitsbrei, sondern schmackhafte Eingeborenenküche. So mag ich das. Was ich nicht mag und was mir auch vollkommen unverständlich war, ist die Tatsache, dass man uns in der bestellten Mineralwasserflasche leicht nach Chlor schmeckendes Leitungswasser angedreht hat. Das hat der Laden nicht verdient, sehr rätselhaft. Außerdem hat es mich als Asien-Reisenden geärgert, dass ich dem Kellner beim Öffnen der Flasche nicht genauer auf die Finger geschaut habe. Hier erwarte ich sowas aber auch nicht. Schwamm drüber, Essen war gut.

adria_zelda_2013_ (686) dominoAußer bloß durch die Stadt zu latschen, kann man noch Ausflüge mit den Glasbodenbooten unternehmen. Durch ein Fenster im Boden lässt sich das Wasser aus der Nähe betrachten. Ich will jetzt nicht behaupten, dass die Adria tot ist, aber nun ja… spannend ist was anderes. Oder um es mit den Worten Ephraim Kishons zu sagen:

„Noch nie im Leben habe ich einen so fehlerlosen, so ideal gleichmäßigen, so sanften, so von jeder Unregelmäßigkeit freien Exklusivsand gesehen!“

dubrovnik kroatien 3Wie auch immer, aus dem Boot heraus sieht man das schöne Dubrovnik auf diese Weise auch mal von außen, was ja auch ganz reizend sein kann.

Segeln auf der Adria 28: Das Wetter vorhersagen

Die Kroatische Adria gilt als Einsteiger- und Anfängerrevier. Die Gründe hierfür sind zum einen das stabile, gute Wetter während der Sommersaison und zum anderen die vielen sicheren Orte, um schlechtes Wetter sicher zu überstehen. Damit sind nicht nur die Marinas gemeint, welche meist innerhalb weniger Meilen bei einander liegen, sondern auch die vielen Bojenfelder und die (leider selten gewordenen) geschützten Ankerbuchten. In diesem Revier muss niemand von schlechtem Wetter überrascht werden. Es gibt vom Kroatischen Wetterdienst meteo.hr sehr präzise Vorhersagen, die sich leicht online abfragen lassen. Die Webseite ist auch auf Englisch verfügbar und in dieser Sprache ebenfalls auf dem letzten Stand. Es gibt auch eine Deutsche Version, die allerdings der Zeit hinterher hinkt und deswegen nicht empfohlen werden kann.

Von anderen Wetterdiensten, wie z.B. dem viel gerühmten „Windfinder„, halte ich nichts. Der lag einfach zu oft daneben, war ungenau und damit im Prinzip unbrauchbar. So auch heute. Auch der Deutsche Wetterdienst hält ein paar allgemeine Vorhersagen für das Mittelmeer in Form einer schlichten Tabelle parat. Wer es geschafft hat, sich durch die unsäglich anwenderfeindliche Benutzeroberfläche zu klicken, finden die Vorhersage schließlich hier. Man kann anhand der erwähnten Windstärken zwar in etwa ahnen, was einen erwartet. Aber im Vergleich zum Kroatischen Wetterdienst ist es doch eine armselige Nummer. Hinzu kommt, dass die Vorhersagen für die Ostsee, welche ich letztes Jahr häufig abgerufen habe, falsch waren oder so ungenau (z.B. „zwischen 3-5 Bft“), dass sie mir nicht viel genützt haben. Sehr zu empfehlen für das Ostseewetter war dagegen die Seite des Dänischen Wetterdienstes DMI.
Im Folgenden zeige ich, welche Informationen ich täglich von meteo.hr abgerufen habe, dem Smartphone sei Dank.

Wetterbericht
Unter diesem Link verbirgt sich die kompakte Wettervorhersage für die Kroatischen Küstengewässer von Istrien bis Dubrovnik. Sie wird zweimal täglich aktualisiert, einmal um 06 Uhr früh und einmal mittags um 12 Uhr. Für den 01. Oktober 2013 sieht die 12 Uhr Vorhersage dann so aus:

prognoza_englishDa wir uns schon im Herbst befinden, ist der erste Abschnitt für die „Warnings“ gut gefüllt. Falls es irgendwo im Bereich der Kroatischen Adria zu Starkwind kommen sollte, wird das hier näher definiert. Im Bereich des Velebit Gebirges (Insel Krk und südlich davon) kachelt es zum Beispiel regelmäßig. Wenn man dort nicht unterwegs ist, betreffen einen die Warnings aber nur sehr selten. Was man hier nicht lesen wird, ist eine explizite „Bora-Warnung“ oder „Jugo-Warnung“. Das muss man sich anhand der Windstärke und -richtung dann schon selbst zusammenreimen. In diesem Beispiel handelt es sich um eine Boralage, da mit Wind aus Nord-Ost in Sturmstärke gerechnet werden muss (Windstärke 7-8, in Böen 10!). Ob das wirklich eintritt, ist nicht gesagt, aber da es im Bereich des Möglichen liegt, wird eben davor gewarnt.
Danach kommt die Synopsis, also eine Zeile zur Lage der Hoch- und Tiefdruckgebiete, welche sich gerade im Anflug oder Abflug befinden. Wer es jetzt ganz genau wissen will, kann sich die zwei folgenden Textblöcke mit Details zur Lage in verschiedenen Seegebieten und zur weiteren Entwicklung in den nächsten 12 Stunden durchlesen. Was hier steht, ist meiner Erfahrung nach eher konservativ geschätzt, meistens hatte ich etwas weniger Wind als dort angekündigt war.

Windkarte
Ich nenne es mal die „Windkarte“, eigentlich nennen sie es ALADIN. Dabei handelt es sich um eine farbige Darstellung der Windrichtung und -stärke, so ähnlich wie in den Grib-Daten. Auch ALADIN basiert auf einer automatisch erstellten Vorhersage anhand von Daten der Messstationen. So sieht es wieder am 01. Oktober um 15 Uhr aus, im spektakulären Bereich bei Krk und Rab, wo die Bora zwischen den Inseln hindurch fegt:

aladin_weatherFür mich war Segeln immer dann entspannt, wenn der Wind nicht farbiger als hellgrün geworden ist. Das entspricht einer Maximalstärke von 8 m/s, also bis höchstens Windstärke 5. Darüber wird es gelb und reicht bis weit in den 6er Bereich hinein, was starkes Reffen der Segel und meist auch ordentlich Welle bedeutet. Wie man hier sehen kann, ist der Wind eigentlich um 15 Uhr noch nicht so stark. Klickt man in der Zeitleiste weiter auf den nächsten Morgen um 09 Uhr, so kachelt es jetzt auch rund um die Südspitze von Istrien und in der Kvarner Bucht. Wer sich dann noch im Velebitkanal aufhält, kann mit den zuvor schon erwähnten 8-9 Beaufort rechnen, was in Dunkelgelb dargestellt wird:

aladin_weather2Solche Wetterlagen kann man über die ALADIN Seite prima vorhersehen, man braucht sich bloß einmal durch die nächsten Tage zu klicken, um zu wissen, was einen in etwa erwartet. Auf diese Weise konnte ich meinen Törn immer sehr sicher planen und entsprechend Hafentage einplanen. Wie gesagt, im Sommer passiert hier nur selten etwas und meistens ist die Windkarte morgens weiss und ab Mittag färbt sie sich langsam grünlich. So muss das sein.
Die kleinen Pfeile zeigen die Richtung an, aus welcher der Wind weht. Das ist erstaunlich präzise. Die vorhergesagten Winddreher kamen meistens wie versprochen, vielleicht mit plus/minus 1-2 Stunden. Alle paar Wochen lag die Karte auch mal komplett daneben, aber das war so selten, dass man es verkraften konnte.

Marine forecast
Unter dem Menüpunkt Marine forecast verbirgt sich eine Meereskarte mit anklickbaren Wetterstationen. Man zoomt hinein und wählt die Station aus, welche einem am nächsten ist.

marine_forecast1Die roten Markierungen enthalten eine Vorhersage zu Wellenhöhe, was im Sommer ziemlich eintönig ist, da es kaum zu größeren Wellen kommt. Interessanter sind die gelben Markierungen. Hinter diesen verbirgt sich ein Popup-Fenster mit Infos zur Wolkenbedeckung, erwarteter Regenmenge sowie Windstärke und -richtung an dieser Position. Hier ein Beispiel für die Station Senj, neben der Insel Krk:

marine_forecast2Die Daten stammen aus der selben Quelle, wie jene der Windkarte. Nur beziehen sie sich eben auf eine exakte Position. Man kann erkennen, dass die Bora bei strahlendem Sonnenschein einschlagen wird. Wenn das mal keine positive Nachricht ist!

Wird es sonnig oder regnet es?
Wer es nicht so genau braucht und nur die grobe Regenwahrscheinlichkeit und ob es sonnig oder wolkig wird wissen will, ist mit der 3-Tagesvorhersage oder der etwas allgemeineren 7-Tagesvorhersage gut bedient:

3-dayFür die 3-Tagesvorhersage lässt sich zunächst eine Region über die gelbe Landkarte auf der linken Seite auswählen. In der Tabelle am unteren Rand kann man schließlich eine der naheliegenden Städte wählen. Für die 7-Tagesvorhersage lässt sich nur aus einer gröberen Liste der „großen“ Städte auswählen.

Die meisten der hier aufgeführten Wetterdaten hängen auch in den Marinas aus. Aber wer ein internetfähiges Handy hat, kann sich das Wetter viel leichter selbst einholen. Man hat wirklich überall Empfang und der Verbrauch an Datenvolumen hält sich in Grenzen. Wer kein Smartphone hat oder lieber Wetterdurchsagen über das Funkgerät abhört, der findet auf dieser Seite eine Tabelle der Uhrzeiten und Kanäle zum Download.

Segeln auf der Adria 27: Biograd und die Marina Kornati

Weiter vorne im Blog hatte ich noch überschwänglich verkündet, dass 3.000 Euro für einen Jahresliegeplatz in Kroatien doch viel zu viel Geld wären. Tja. Viele Anfragen später kehrt Ernüchterung ein: es ist selbst für ein Boot meiner (kleinen) Größe kaum möglich, unter 4.000 Euro zu kommen. Jetzt liege ich in Biograd in der sehr großen Marina Kornati und löhne erstmal knapp 2 Riesen für das erste Winterhalbjahr, so sieht’s aus.

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Es gäbe schon noch Alternativen, und womöglich werde ich sie auch in Zukunft nutzen, aber für jetzt liegt meine Zelda eben in einem „normalen“ und somit teuren Hafen. Es wäre theoretisch noch möglich, die Yacht im Trockenlager auf dem Festland unterzubringen. Hierfür bräuchte ich aber wieder einen eigenen Trailer und den habe ich nicht. Auch die Möglichkeit, in kleineren Häfen zu liegen, kommt in Betracht. Außerdem gibt es natürlich noch die Marinas auf den äußeren Inseln, wie z.B. auf Veli Rat, wo der Liegeplatz nur halb so teuer wäre. Nur mit dem Hinkommen ist es so eine Sache. Da ich mir die Option des Verkaufs meiner Zelda offen halten möchte, kommt keine entlegene Region in Frage. Es muss schon in Reichweite eines Flughafens liegen. Und der von Zadar ist vielleicht 30 Minuten entfernt, das ist ein Argument.

Am Steg
Hier in der Marina, genaugenommen im Eignerbereich der „Marina South“, ist alles fest in Österreichisch/Deutscher Hand. Ein paar verstreute Kroaten und Italiener tummeln sich noch, die Stegsprache ist aber Deutsch. Kaum dass ich angelegt habe, wurden mir schon die dramatischsten Geschichten und Gerüchte über andere Boote und deren Eigner zugetragen. Bin da immer etwas unangenehm berührt von, denn wenn ich eins nicht mag, dann dieses Steg-Geklüngel, kleingartenvereinsmäßige Bräuche oder wie ein Kommentator es hier ausdrückte: „alles Schreberwassler!“. Apropos Steg: er ist aus Beton und wird von Stahlgerüsten unter Wasser sehr, äh, fachmännisch, über Wasser gehalten. An anderer Stelle ist der Beton schon zusammengestürzt. Na ja, mer wolle es net so genau wisse, das Boot ist jedenfalls versichert. Gut ist, dass die Stege der Charterboote in einer separaten Ecke der Marina untergebracht sind. So hört man am Wochenende wenigstens nur noch die lautesten Russen und Polen, aber nicht mehr jeden Freudenschrei. Mit einigen Freunden hatten wir dort vor ein paar Jahren auch einmal gechartert. Das einzige, was ich noch weiß ist, dass es sich auf jeden Fall lohnt, selbst am späten Abend noch auszulaufen… Was ich auch noch weiß aber erfolgreich verdrängt habe, ist der Gedanke an das Dingi, welches wir in diesem Urlaub vor der Insel Vis mitsamt dem Außenborder verloren haben. Das Seil zum Festmachen war wohl etwas dünn für die Klampe und mein Knoten vielleicht nicht ganz so fachmännisch. Naja. Bis heute werde alle belegten Klampen dafür dreimal kontrolliert!

Sanitäres
Für den stolzen Preis, den man hier verlangt, sehen die Sanitäranlagen eher unterirdisch aus. Sie bestehen für Männlein und Weiblein aus je einem umgerüsteten Container. Kein Vergleich zu anderen Marinas, wo einem Bach und Mozart auf der geräumigen Toilette um die Ohren wehen. Sauber ist hier ja alles, aber irgendwie wollen die Container einfach nicht zum Preis passen.

Personal
Sehr gut sind die Marinerojungs. Ich habe ja eine leichte Abneigung gegen das Funken (man sollte sich über Kanal 17 eigentlich anmelden) und fahre immer nach Lust und Laune in die Marina zurück. Die Marineros haben aber zum Glück ein Vorwarnsystem in Form eines kleinen Stegs, von dem aus einer Wache hält und die Kollegen im entsprechenden Marina Abschnitt, wo ein dann Boot hinsteuert, vorwarnt. So kommt netterweise immer einer angesprintet, wenn ich anlegen will, was die Sache doch vereinfacht. Auch an der Rezeption ist man nett und spricht Deutsch. Es geht gemächlich zu, aber das ist hier normal.

Service Dienstleister
Auf dem Gelände der Marina befinden sich diverse Dienstleister für alles mögliche. Die sollte man auch nutzen, denn Dank des von mir unterschriebenen Knebelvertrags gilt hier (und auch in den meisten anderen Marinas), dass man für jeden Handwerker von ausserhalb einen exorbitant hohen Schutzzoll zahlen muss. Den Motorservice konnte ich zum Glück sehr spontan und auch preiswert bekommen, da ich alle notwendigen Ersatzteile wie Filter und Impeller schon vorrätig hatte und nur noch Montage und Ölwechsel brauchte. Wie das mit dem Raus- und Reinkranen hier abläuft und ob es ein ähnliches Chaos wie in Portoroz wird, das werde ich wohl im nächsten Frühsommer merken.

Das Restaurant
Es gibt auch ein Restaurant, das häufig lobend erwähnt wird, ganz besonders seine Fischspeisen. Es ist jedoch unterirdisch schlecht und sollte weiträumig umsegelt werden. Vielleicht sollte man auch nicht an einem Freitagabend dort hingehen, aber genau dann wird Leistung gefordert, da viele Crews hier ihren Abschlussabend verbringen. Erst wenn die Küche unter Last ist, merkt man, ob sie was taugt oder nicht. Folgendes haben sie bei uns vermasselt: trockenen gemischten Salat hingestellt ohne Essig/Öl/Salz/Pfeffer zu bringen. Lauwarmen Weißwein serviert. Körniges, flüssiges Risotto gebracht. Eine Fischplatte für zwei Personen serviert, von der nicht einmal eine satt geworden wäre, da sich nur zwei kleine Makrelen und ein paar verstreute Beilagen auf dem Teller befanden. Dazu ein lange Wartezeit und schließlich ein geschockter Kellner, als ich ihm genau diese Mängel genannt habe. Schlechter als hier habe ich während meiner ganzen Zeit in Kroatien nicht gegessen. Es kam zwar schon vor, dass irgendetwas nicht stimmte und an den warmen Wein kann man sich auf die Dauer auch gewöhnen. Aber da hier alles zusammen in geballter Masse auftritt, bleibt mir nur das Fazit, dass man in diesem Laden wohl auf Gäste setzt, die sich hier einmal und nie wieder blicken lassen. Und das sind nunmal die armen Chartercrews.

In die Altstadt von Biograd
Wenige Minuten von der Marina entfernt liegt die Altstadt von Biograd. Wie fast alle Altstädte hier in Küstennähe besteht sie zu 70% aus Restaurants und zu 30% aus Eisdielen. Aber das macht nichts, ich bin ja kein Prüfer der UNESCO sondern bloß ein genußsüchtiger Tourist und freue mich über eine üppige Auswahl an Restaurants und Konobas! Die Basiskarte ist eh überall gleich und die Qualität solide. Wo wir es lecker fanden: Konoba Barba (top fitte Bedienung, gemütliches Ambiente, gut gefüllte Fischplatte siehe Bild) und Restaurant Stari Grad (gleich neben der Kirche, gutes Fleisch in der Peka). Ob die beiden Läden nächstes Jahr auch noch zu empfehlen sind, steht in den Sternen. Ich vermute mal, dass sich das hier schneller ändert, als die Kroaten neue Gebühren für Segeltouristen erfinden.

fischplatte_barba

Sehr lustig war der Rekordversuch am 21.09., wo der mit 1.200 Metern längste Kirschenstrudel der Welt gebacken werden sollte. Ab sie es geschafft haben, weiß ich nicht. Um 19 Uhr wurde der Riesenstrudel aufgebaut. Als wir um 21 Uhr aus der Konoba wieder herauskamen, war schon alles verputzt und aufgegessen! Dabei hatte ich doch auf eine süße Nachspeise spekuliert.

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Camping
Gleich neben dem Hotelhafen beginnt die Amüsiermeile von Biograd mit Kiesstränden, Pommes- und Palačinkabuden, Fahrgeschäften etc. Und hier liegt auch der Campingplatz Soline, wo meine Eltern für einige Tage mit dem Wohnwagen standen. Alles in allem kein wirklich schöner Platz, aber mit allem Komfort, den man so braucht. Und vor allem schön nahe an der Marina gelegen, das ist das Hauptargument. Der Campingplatz, die Marina, einige Hotels und der Hotelhafen gehören alle dem gleichen Besitzer, nämlich der Ilirija Gruppe. Daher bekommt man auch ein paar Prozent Rabatt, wenn man hier sowohl den Campingplatz als auch die Marina benutzt. Die Hotelrestaurants sahen nicht schlecht aus, müsste man einmal ausprobieren. In anderen Ländern habe ich die Erfahrung gemacht, dass man von Hotelrestaurants selten enttäuscht wird. Wer gerne Camping an der Adria betreibt, kann sich seinen Stellplatz über diverse Anbieter direkt online buchen. Auch diese feststehenden Mobilhomes, sprich Wohnwägen, lassen sich hier reservieren. Gute Erfahrungen haben wir damit auf der Insel Krk machen können.

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Segeln auf der Adria 26: Marina Kastela bei Split

Wie kommt man am besten von Deutschland runter nach Kroatien? Da bleibt nur selber Fahren, was lange dauert und in einem Rutsch nur was für schlaflose Masochisten ist, oder eben Fliegen. Wird geflogen, bleiben nur die Flughäfen Zadar oder Split. Zadar ist nicht schlecht, man ist in wenigen Taximinuten in Biograd oder in ein paar mehr Minuten auf der Insel Murter mit seinen drei großen Marinas. Ich habe meinen Freunden empfohlen, nach Split zu fliegen. Hier kann ich direkt in die Marina Kastela zwischen Trogir, wo der Flughafen liegt, und Split fahren. Man landet quasi genau in der goldenen Mitte zwischen Trogir und Split und braucht bloß vor dem Flughafengebäude in den Bus „Trogir-Airport-Split“ einsteigen, einfacher geht’s nicht. Zwischendrin signalisiert man dem Fahrer, dass man an der Marina Kastela aussteigen möchte, fertig. Die Bushaltestelle liegt gerade 2 Minuten oberhalb des Hafens und ehe man es sich versieht, sitzt man schon beim Sundowner auf dem Boot und kann den Flugzeugmief bei einem Gin-Tonic abschütteln.
Was gibt’s hier noch so?

Marina Kastela

Zunächst mal zur Marina selbst. Sie liegt in der zumeist geschützten Bucht zwischen Trogir und Split, ziemlich genau in der Mitte. Sobald man am kroatischen ozeanographischen Institut in die Bucht eingebogen ist, sieht man schon die Masten der Marina und kann direkt darauf zu halten. Unter der Woche werden Transityachten direkt an die Stege B und C gleich an der Rezeption gelotst, da ja die Charterflotten alle unterwegs sind. Die Marina ist dann gähnend leer und man kann sich in aller Ruhe um alles nötige kümmern, ohne von hektischen, käseweißen Deutschen und Österreichern über den Haufen gerannt zu werden.

marina_kastela

Die Marineros sind hier ausnahmslos hllfsbereit, es kommt nicht vor, dass sie einen ignorieren, wie es mir in Korcula passiert ist. Dafür sind die Murings von der versifftesten Sorte, aber das Boot wird ja eh saubergespritzt. Leider gibt es hier nur Jahresliegeplätze für Boote ab 10 m Länge, so dass es für meine Zelda hier zu teuer war, einen Dauerliegeplatz zu ergattern. Es klingt schon sehr nach bürokratischer Willkür, denn den Muringleinen ist es natürlich vollkommen egal, ob ein 8 oder ein 10 Meter Boot dranhängt. In anderen Marinas wird ehrlicherweise erwähnt, dass die Mindestkosten für einen Liegeplatz immer X Euro sind, was dann in der Regel einem 10 m Boot entspricht. Möglicherweise kommt es hier in der Marina auch bei anderen Gelegenheiten zu „Unregelmäßigkeiten“, wie es so schön heißt. Aber dazu kann ich mangels eigener Erfahrung nichts sagen.

Jedenfalls, Toiletten etc. alles Tiptop, auch einen Geldautomaten hat es hier. An zwei Nächten lief irgendwo Diesel aus einem der Boote, was zu einem Ölteppich im Hafen führte, der enorm gestunken hat. Sowas juckt hier keinen. Während in einer deutschen Marina die Feuerwehr mitsamt schwerem Gerät ausrücken würde (so gesehen in Kiel Schilksee), fahren hier am nächsten Morgen lediglich zwei Marineros mit dem Schlauchboot durch die Gegend und versprühen Spüli aus der Pump-Flasche…
Die Tankstelle befindet sich gleich neben der angrenzenden Vereinsmarina in einem schwimmenden Ponton und ist unter der Woche absolut frei. Hier macht es Spaß zu tanken. Man sollte nicht verschweigen, dass die Marina exakt unterhalb des steil aufragenden Bergrückens liegt, von dem hin und wieder die Bora herunter kachelt. Es gibt einem schon zu denken, dass manche Eignerboote hier mit vier Murings am Bug fixiert sind. Wie es aussieht, wenn die Bora in den Hafen fegt, aufgebockte Boote umwirft und das Wasser aufpeitscht, sieht man in diesem Video.

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Essen

Das Restaurant „Bibijana“ ist leider das einzige, aber auch zum Glück sehr gute Restaurant im Ort und liegt keine 50 Meter von der Marina entfernt. Zwar denkt man, hier würden nur großformatige Hochzeiten gefeiert, da vor dem Laden ein riesiger Pavillon mit 100 Stühlen steht. Aber ein wenig dahinter beginnt der eigentliche Sitzbereich unter Bäumen, wo man sich wieder wie in einem ganz normalen Restaurant wähnt. Man sollte hier unbedingt den Grillteller probieren oder sonst irgendetwas Gegrilltes. Ich weiß nicht, wie sie es machen, aber ein solch intensives Grillaroma habe ich noch nirgendwo geschmeckt, einfach allererste Klasse. Die Bedienung ist mehrsprachig unterwegs und je nach Kundschaft klebrig freundlich (britische Senioren-Stammcrew mit Schampus im Cooler), neutral (braungebrannter Dauerurlauber) oder grenzfreundlich (käseweiße Chartercrew). Wie gesagt: Gegrilltes essen, der Rest spielt keine Rolle.

fleischplatte

Einkaufen

Gleich an der Bushaltestelle empfängt einen schon das Lidl-Schild. Die ersten Male bin ich dort einkaufen gewesen, da ich dachte, der „Getro“ Großmarkt wäre wie in Deutschland nur den Großeinkäufern aus der Gastronomie vorbehalten. Ist aber nicht so, der Laden ist riesig und was man hier nicht findet, gibt es nicht. Ansonsten eben zu Lidl. Mit der Ikea-Tasche über der Schulter lassen sich hier die Einkäufe für eine Woche prima zu zweit transportieren. Die 15 Minuten vom Laden zum Boot muss man halt mal beißen. Schwere Sachen, wie einige Sixpacks Wasser und Bier können im Mini-Markt „Barba“ gleich gegenüber der Marina eingekauft werden. Hier gibt es auch allgemeines Bootszubehör, Campingaz, Tauwerk, Angelzeug, etc. Relativ gut sortiert für so einen Winzladen. Ach ja, an der Bushaltestelle ist ein Kiosk, wo sich das Prepaid Handy mit VIP-Karte wieder aufladen lässt. Es ist also für alles gesorgt, was Skipper und Boot glücklich macht.

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In die Stadt und zum Flughafen

Von der Bushaltestelle an der Marina fährt alle 20 Minuten ein Bus in Richtung Trogir oder Split. Es dauert beide Male etwa eine halbe Stunde und kostet unter 20 Kuna. Der Bus fährt bis Mitternacht, man kann also ohne Bedenken zum Abendessen nach Trogir oder Split fahren und kommt auch wieder zurück. Wie oben schon geschrieben, fährt der Bus der Linie 37 immer zwischen Trogir, Flughafen und Split hin und her, das ist wirklich idiotensicher.

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Segeln auf der Adria 25: Kroatische Pasteten zum Lunch

Auf Segelbooten herrscht ja meistens ein etwas anderer Lebensrhythmus als an Land. Es wird zwar gefrühstückt und zu Abend gegessen, aber das Mittagessen fällt meistens flach. Da mir Punkt 11 Uhr 30 aber trotzdem der Magen knurrt, muss was deftiges her. Glaubt man der Weltumsegler-Elite wie Herrn Erdmann, sind ein ausreichend großer Vorrat an Haferflocken zum Porridge machen und ein paar Zentner Zwiebeln ausreichend, um „einmal rund“ zu kommen. Dass Normalsterbliche von dieser Kost ein wenig abgetörnt werden, steht auf der anderen Seite der Medaille und wird vom Erdmann selbst auf wunderbare Weise in seinem Buch mit den Preisausschreiben Gewinnern, mit denen er über den Atlantik nach New York segelte, beschrieben. Porridge in süß und salzig ist übrigens gar nicht so schlecht und mit etwas heißem Wasser leicht zuzubereiten, ich hatte die Haferflocken auch an Bord (Kölln Flocken, die in der blauen Packung). Aber genauso wie beim ebenfalls mitgenommenen Zwieback sind die schlechten Zeiten für solches Zeug einfach nicht wirklich eingetreten und so schlummert dieser Proviant im Schapp in aller Ruhe vor sich hin und wird hoffentlich irgendwann ungenutzt vergammeln und entsorgt werden müssen.

kroatische pasteten

Was deftiges muss also her, und da trifft sich die Vorliebe der Kroaten mit meiner Schwäche für Dosennahrung genau in der Mitte. In jedem Laden, und sei er auch noch so klein, steht eine 5 m lange Regalwand oder wenigstens ein Pappaufsteller mit allerlei Varianten von in Dosen und kleine Döschen (Dös-chen, klar?) gepressten „Pasteten“. So nennen die das hier, in Wahrheit handelt es sich um nicht mehr zu identifizierende Pampe mit Spuren von Huhn oder Schwein, angereichert mit Verdickungsmitteln und Konservierungsstoffen. Genau mein Style, denn ich habe schon als Kind die Dosenrouladen vom Aldi genossen, während sich meine Geschwister mit empfindlicheren Mägen angeekelt abgewendet haben.

kroatische pasteten auf brot

Als Deutscher kennt man natürlich das Sammelsurium an verdoster Leberwurst, Blutwurst, Bierwurst, Bratwurst, Presskopf und dergleichen. Schmeckt gut, ist fleischig und einfach lecker, für Notfälle hat man das immer in der Schublade. Das im Hinterkopf geht man dann Pasteten shoppen. Tja, lasst mich eines sagen… das kroatische Zeug ist gegen unser Zeug wirklich, ähem, einzigartig. Ob gut oder schlecht, soll mal jeder für sich selbst entscheiden, habe das ja weiter oben beschrieben. Ich habe es jedenfalls immer gern gegessen, auch wenn es sich meiner Ansicht nach manchmal ganz klar um eingefärbten Mehlbrei mit Schweinegeschmack gehandelt hat. Egal, ab auf’s Brot damit, etwas Käse dazu und Lunch ist fertig. Am Abend gibt es dann wieder was selbst gekochtes, versprochen.