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Klenk’s Café Rustico in Caniço auf Madeira

Wenn man früher (also zu Zeiten, als es noch die D-Mark gab, eine Mauer und Helmut Kohl) in den Urlaub fahren wollte, besorgte man sich Hefte und Kataloge aus dem Reisebüro über alle möglichen Ziele. Diese waren voll mit Marketinggeschwätz und bunten Bildern, so dass man der genervten Dame vom Reisebüro irgendwann einfach die billigste Dreisterne-Unterkunft ankreuzte und dort seinen Urlaub verbrachte. Heute blättert man nicht mehr durch Papier, sondern durch Webseiten. Die sind natürlich erst recht voll mit bunten Bildern und gefälschten Hotelbewertungen. Aber je länger man stöbert, desto eher findet man diese kleinen Perlen, welche man früher nur durch Mund-zu-Mund Propaganda gefunden hätte. Auch diese gibt es heute virtuell, und so dauert es nicht lange, bis man durch Links und Berichte in Internet-Foren eine solche Perle gefunden hat. Nämlich das „Café Klenk“ in Caniço auf Madeira.

 

Zum Glück verhält sich die Qualität von Klenk’s Café entgegengesetzt proportional zum Aussehen seiner Webseite. Diese ist noch ganz im Stil der mittleren 90er Jahre gehalten: schön unübersichtlich mit vielen Buttons, verschachtelten Frames, in denen irgendetwas automatisch herum-scrollt und einem stylisch zentrierten Textlayout in allen Farben des Regenbogens. Der Name „Café“ ist ziemlich irreführend. Kaffee kann man hier zwar auch trinken, in erster Linie handelt es sich aber um ein sehr gutes Restaurant und zusätzlich werden auch noch Gästezimmer vermietet. Gleich gegenüber vom Restaurantgebäude befinden sich diese. Zur Auswahl stehen verschiedene einfach eingerichtete Doppelzimmer, teilweise mit kleiner Terrasse aber alle mit Meerblick. Wie fast alle Gebäude auf Madeira liegt auch dieses direkt am Hang, und so genießt man morgens die schönsten Sonnenaufgänge und abends das romantischste Abendrot über den Wellen des Atlantiks.

2013 Madeira (75) cafe klenk canico

Auf der Webseite ist von einem „deftigen“ Frühstück die Rede, das im Zimmerpreis inklusive ist. Hierbei handelt es sich definitiv um eine Untertreibung: es gibt das ganze Programm, man könnte es schon fast als ein Brunch durchgehen lassen. Manchmal gibt’s ein Omelette oder mal einen Kuchen dazu, jedenfalls ist es immer ein „Deutsches Sonntagsfrühstück“, wie es sich Nicht-Deutsche kaum vorstellen können. Alles wird am Platz serviert und vom Cheffe oder seinen Kollegen aufgetischt. Im Café spricht man Deutsch, da der jetzige Besitzer damals zu Helmut-Kohl-Zeiten eine Portugiesin geheiratet hat. Er stammt aus Heppenheim, was am Dialekt nicht ganz zu überhören ist und freut sich schon morgens darauf, mit den Frühstücksgästen ein wenig zu babbeln.

20131219_091037 cafe klenk rustico frühstück

Durch die Deutsch-Portugiesische Verbindung wurden die kulinarischen Vorteile beider Nationen perfekt vereint. Es gibt hier selbstgebrautes Bier, selbstgemachte Wurst und das beste Jägerschnitzel südlich der Alpen. Dazu kommen die portugiesischen Spezialitäten wie Espetada und Espada oder kurz gesagt, Fisch und Fleisch in allen Variationen, auf das Leckerste zubereitet. Sogar mein Wunsch nach „Lapas“, eine einheimische Spezialität aus Napfschnecken, die eigentlich nicht auf der Karte stand, wurde erfüllt. Siehe auch den Artikel über Essen auf Madeira.

20131220_195453 cafe klenk fisch

Was ich normalerweise nie tue, habe ich hier erstmalig gemacht: jeden Tag im gleichen Restaurant essen! Mittags war ich auch mal woanders, aber besser als im Café isst man woanders auch nicht. Dienstag ist allerdings Ruhetag und man muss zwangsweise fremdgehen. Weiter die Straße hinunter findet man ein Hotel neben dem anderen und dort gibt es auch anständige Restaurants. Es ist eigentlich alles zu Fuß oder per Bus erreichbar. Den Flughafentransfer erledigt das Café auf Wunsch. Die Autobahn, welche einen schnell auf der Südseite von Madeira von A nach B bringt, ist nur wenige hundert Meter entfernt. Hat man einen Mietwagen, so ist man in unter einer Stunde zu den meisten Zielen auf der Insel gefahren.

Um es kurz zu machen: das Café Klenk ist günstig gelegen, bietet solide Zimmer zu einem niedrigen Preis sowie außergewöhnlich gutes Essen mit hausgemachten Spezialitäten.

Die Markthalle von Funchal, das Abzockerparadies

Die Markthalle von Funchal, der „Mercado dos Lavradores“, befindet sich gleich in der Nähe vom Altstadtkern, dem Busbahnhof und der Pier für Kreuzfahrtschiffe. Hier werden Touristen auf liebevolle Weise ausgenommen, wenn sie sich eine Bananen-Ananas kaufen wollen.

Alles so schön bunt hier

Wer die Frankfurter Kleinmarkthalle kennt, wird sich hier gleich wie zu hause fühlen: es gibt Obst- und Gemüsestände noch und nöcher sowie im hinteren Bereich eine separate Fischhalle. Genau wie in der Kleinmarkthalle ist das Obst hier vor allem eines, nämlich sehr teuer.

2013 Madeira (141) markthalle funchal obst

Ich dachte eigentlich, mittlerweile immun gegen die einheimischen Bauernfänger zu sein, aber diesmal handelte es sich um eine außergewöhnlich hübsche Bauernfängerin mit großen, ähm, Körben. Und während ich noch versonnen auf ihre Auslage blickte, hatte sie mich auch schon in ihren Fängen.

Hier mal was probiert, da mal gekostet, alles sehr süß und lecker. Und als ich mich dann schließlich für eine Kreuzung aus Banane und Ananas entschieden hatte, hätte ich eigentlich das teuflische Lächeln des Mädchens richtig interpretieren müssen. Aber erst, als sie mir nonchalant den Preis von 8 Euro nannte, wachte ich aus dem süßen Traum auf. Wie in dem Film „Inception“ versuchte mein Verstand das eben gehörte einzuordnen und kämpfte sich mühsam durch mehrere Traumebenen an die Oberfläche. Paralysiert und mit einem debilen Grinsen reichte ich der Verkäuferin meine Geldbörse mit der Bitte, sich doch einfach selbst herauszunehmen, was sie für angemessen hielt…

 

Bananarama oder was soll das sein?

Erst später, als ich mit baumelnden Beinen an der Pier saß und die teure Banananas schälte, kam ich wieder zu Bewusstsein. Grund war das kratzende Gefühl am Gaumen und im Hals, das mich noch bis zum Abend begleiten sollte. Doch bis auf die winzigen Stacheln mit Widerhaken daran und die alles betäubende Oxalsäure schmeckte die Ananas-Banane eigentlich prima, ein wenig in Richtung Hubba-Bubba Kaugummi. Außerdem zog sie schleimige Fäden und besaß in ihrem Inneren irgendwelche schwarzen Stippsen. Dass ich mit einem Preis von 8 Euro noch sehr gut weggekommen bin, schildern andere Berichte im Web sehr anschaulich. Hier wurden teilweise 80 Euro für eine Tüte Obst bezahlt, siehe Video unten im Kommentar.

2013 Madeira (144) ananas banane monstera fensterblatt

Das war also die funchaler Markthalle, ein Ort, wo Touristen so richtig charmant ausgenommen werden. Fairerweise muss ich hier anmerken, dass man als Touri auf Madeira ansonsten sehr anständig behandelt wird. Und da man hier dank billigen Cafés schon täglich ein paar Euro spart, muss man sich eben damit abfinden, sie an anderer Stelle wieder loszuwerden.

Ab in den Einkaufswagen

Wer die Banananas mal selber ziehen möchte – bitte schön:

Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Käufen.

Das Walmuseum in Caniçal auf Madeira

Manchmal auf Reisen passiert es einem, dass man wie aus dem Nichts vor einem hochmodernen Gebäude steht, das seinen Platz genausogut neben dem MOMA in New York oder an ähnlich spektakulären Ecken der Welt haben könnte. Fährt man ganz in den Osten von Madeira und folgt dem Schild „Museu da Baleia“, so stößt man direkt auf das nagelneue Walfangmuseum in Caniçal.

Von einer Walfang-Tradition auf Madeira mag man eigentlich kaum sprechen, denn die Phase umfasste nur knappe 50 Jahre, von den 1940ern bis in die 1980er Jahre. Im Gegensatz zu den Bewohnern auf den Azoren kam man hier also erst recht spät auf den Trichter, aus Walen Geld zu machen. Im Museum wird diese Geschichte äußerst unterhaltsam und modern geschildert.

2013 Madeira (74) walfang museum

Man kann zwar auch einfach nur entspannt durch die Ausstellung schlendern. Es lohnt sich aber, einen Audioguide mitzunehmen und den Ausführungen des Erzählers zu lauschen. Fast wie in einem Hörbuch erhält man Atmosphäre und Informationen zur jeweiligen Schautafel, an der man vorbei läuft.

 

Mittels markierter Stellen am Boden erkennen die Geräte zuverlässig, wo man steht und welcher Beitrag abgespielt werden muss. Es ist also nicht nötig, am Audioguide herumzufummeln, er erledigt alles von selbst. Nur falls man noch ausführlichere Geschichten hören will, muss man eine der Nummern eingeben, die am Exponat angebracht sind. Das lohnt sich besonders dann, wenn man auf einer Bank sitzt und ganz entspannt das Meer durch die Glasfront des Museumsgebäudes beobachten möchte.

2013 Madeira (73) walmuseum Caniçal

An einem verregneten Tag auf der Insel kann man den Museumsbesuch gut dafür nutzen, diesen Geschichten zu lauschen und sich dabei die Einheimischen vorzustellen, wie sie bis zum Bauchnabel im Walgekröse stehen und fröhlich den Speck ernten! Man sollte sich ruhig ein bis zwei Stunden Zeit nehmen und am Ende noch den 3D-Tauchgang im U-Bootsimulator mitmachen. Zurück auf der Straße nach Funchal kommt man unweigerlich an einem der vielen Straßencafés vorbei und kann dort für kleines Geld Kaffee und Kuchen essen. Beides zusammen für 2 Euronen, da lacht das Herz des Großstädters, der ungläubig auf die Rechnung schaut.