Archiv der Kategorie: Indonesien

Im Dschungel von Sumatra

Ich erinnere mich daran, als kleiner Junge früher im Fernsehen einen Werbespot für ein bestimmtes Parfum gesehen zu haben. Es hieß „Sumatra Rain“ und wie ich gerade gegoogelt habe, gibt es das immer noch. Die Werbung bestand hauptsächlich aus einem langen Flug über den tiefgrünen, dampfenden Dschungel von Sumatra. Oder vielleicht war es auch nur der Bayerische Wald, so genau sieht man das von oben schließlich nicht. In meiner Phantasie tobte unter dem Blätterdach jedenfalls das pralle Leben und die vielen Affen, Papageien und Säbelzahntiger warteten nur darauf, von mir entdeckt zu werden. Außerdem war ich großer Fan des Marsupilamis. Und wer das kennt, der weiß, dass der Urwald voller Abenteuer ist und man an jeder Ecke vollreife Früchte pflücken kann. Soweit mein Kopfkino.

20 Jahre später. Nachdem ich die letzten beiden Jahre beruflich häufiger in Indonesien unterwegs war, formte sich der Entschluss, auch unbedingt einmal den Urwald zu besuchen. Was weiß man schon groß über Sumatra? Dass es eine riesige Insel ist, die zu Indonesien gehört. Dass dort Orang-Utans leben. Und wer ein bisschen die Nachrichten verfolgt hat, dem wird vor allem die nördliche Provinz Aceh aus zwei Gründen etwas sagen. Zum einen hausen dort die islamistischen Fundamentalisten, die gelegentlich mit der Machete für Gottesfurcht sorgen. Zum anderen schlug hier der Tsunami von 2004 ein.

Nach einiger Recherche im Netz habe ich mich entschieden, ausgehend von Ketambe eine geführte Tour zu buchen. Man muss ein wenig aufpassen, worauf man sich einlässt. Es wird in dieser Region leider auch viel Schindluder mit Touristen und Affen betrieben. Man karrt sie haufenweise zu Aufzuchtstationen für ausgewilderte Orang-Utans, wo diese regelmäßig gefüttert werden. Die Affen. Wie „natürlich“ das ist, wenn ein paar Affen um einen Berg mit Bananen streiten, während sie von Touristen fotografiert und begrapscht werden, das sei einmal dahingestellt. Aber zumindest haben diese Affen ein wie auch immer geartetes Leben, während ihre freien Artgenossen langsam aber sicher dezimiert werden.

Im Dorf Ketambe ist das anders. Hier gibt es das „Friendship Guesthouse & Restaurant“, welches durch tatkräftiges Engagement des Deutschen Uwe Richter aufgebaut wurde. Betrieben wird es von Ahmad, der dort als Concierge, Koch und Organisator tätig ist. Das Dorf liegt am Rande des Gunung Leuser Nationalparks mitten auf Sumatra. In etwa dort, wo im Werbespot das Flugzeug drüber geflogen ist, da bin ich mir sicher. Die Anreise erfolgte in meinem Fall zunächst über Singapur, wo sowieso alle Langstreckenflüge runterkommen und nach einem kleinen Hoppser mit einer lokalen Fluggesellschaft ist man dann schon in Medan. Diese Stadt ist – wie die meisten indonesischen Städte – ein Millionendorf. Riesig und hässlich. Als nächstes bucht man sich einen Platz im Sammeltaxi und schon ist man nach einem Tag schaukeliger Autofahrt in Ketambe. Ein Tipp an alle Nachmacher: bringt euch eine Musikkassette mit eigener Musik mit! Der Fahrer hat möglicherweise nur eine einzige, von der möglicherweise auch nur eine Seite funktioniert und möglicherweise gefällt es nicht jedem, 8 Stunden lang Sumatra-Techno zu hören.

Irgendwann ist aber auch dieser Höllenritt über verkraterte Sandpisten vorbei und man hat nach zwei Reifenpannen und einer Mittagspause Ketambe erreicht. Ausgehend von hier finden die Touren mit einem einheimischen Guide statt. Ich hatte das große Glück, mit John F. Kanedi reisen zu dürfen. Am Namen kann man in etwa sein Alter abschätzen, denn wen seine Eltern bewunderten, ist wohl klar. Mit ihm bin ich drei Tage mit Zelt und Rucksack bergauf und bergab durch den Regenwald gelaufen.

Gleich neben dem Dorf führt ein Weg in Richtung Wald. Bevor wir einsteigen ist erst noch ein kleiner Bakschisch an die irgendwo herumlungernden Parkwächter zu zahlen. Eigentlich ist das schon im Preis mit drin, aber die Praxis sieht nun einmal anders aus. Momentan ist hier aber alles ruhig, wie John meint. Früher, während der Terroraktionen der Islamisten ist er jedoch aus Angst um sein Leben lieber geflüchtet. Die Logik der mordenden Banden war bestechend: er habe mit weißen Touristen zu tun, folglich ist er steinreich und solle gefälligst zahlen, sonst Arm ab.

Länger als eine Viertelstunde haben wir die T-Shirts nicht anbehalten. Es ist heiß, es ist feucht, wir krabbeln über Stock und Stein und der Schweiß fließt in Strömen. Ich habe noch heute als Souvenir meine durch den Schweiß verfärbte und zersetzte Trekkinghose im Schrank liegen. Die Geräuschkulisse ist einmalig. Man betritt den Urwald fast so, wie man eine Kirche betritt: viele laute Geräusche werden gedämpft, die leisen werden jetzt erst hörbar. Sonnenstrahlen, die zwischen den Urwaldriesen den Boden erreichen, verdeutlichen den enormen Temperaturunterschied zwischen Licht und Schatten. Wir folgen dem Trampelpfad hinein ins Grüne.

Um Affen zu finden, gibt es zwei Möglichkeiten: man folgt den lauten Rufen, die durch ihr Echo verstärkt über weite Entfernungen zu hören sind. Oder man folgt ihren Exkrementen. Gerade Orang-Utans haben einen durchdringenden Geruch, der von ihren verdauten Früchten ausgeht. Ein kurzer Blick nach oben, und schon sieht man den peinlich ertappten Affen. John ist ja ein braver Guide mit Respekt vor den Tieren. Er hört auf zu rauchen, wenn wir in ihre Nähe kommen und bedeutet mir, ruhig zu sein. Andere Guides würden mit Ästen gegen die Bäume schlagen, um die Affen aus der Reserve zu locken, sagt er. Die Touris sollen ja was geboten kriegen, und wenn es nur ein flüchtender Orang-Utan ist.

Wir haben nur zweimal das Glück, einen Menschenaffen zu sehen. Und eine der Begegnungen verläuft etwas stressig, da es sich um eine Orang-Utan Mutti mit Baby handelt. Und diese hatte wohl in der Vergangenheit schon schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht, so dass sie jetzt einen Höllenradau veranstaltet. Schließlich schwingt sie sich hoch über unsere Köpfe, reißt einen armdicken Ast ab und wirft ihn nach uns. Diese Tiere haben eine schier unvorstellbare Kraft.

Unser Lager schlagen wir am Flussufer auf. Da wir nur zu zweit sind, reicht ein Kuppelzelt und draußen eine Decke als Wohnzimmer. Ruck zuck haben wir ein Feuer entzündet und John fängt an, das Flusswasser abzukochen. Ich habe dieses leicht rauchig schmeckende Wasser und den daraus zubereiteten Tee drei Tage lang getrunken und hatte keinerlei Probleme. Das Essen wird im Wok über dem offenen Feuer zubereitet und John macht eine Nudelpfanne oder Dschungel-Pancakes. Es ist erstaunlich – der Tag ist mit den wenigen Aktivitäten vollkommen ausgefüllt. Wir genießen die Ruhe, beziehungsweise die sich langsam ändernde Geräuschkulisse des Waldes bei Einbruch der Nacht und hauen uns dann aufs Ohr.

Am nächsten Morgen werden wir unsanft geweckt, das ganze Zelt wackelt und lautes Gekreische umgibt uns. Ich schrecke auf, schaue rüber zu John und denke, er steht draußen am Zelt und erlaubt sich einen Spaß. Leider liegt er auf der anderen Seite und schaut mich genauso entgeistert an. Wir stürmen raus und das Rätsel ist schnell gelöst: hungrige Affen toben im Baum über unserem Zelt und wollen uns von den knackigen Gourmet-Blättern vertreiben, die es hier zu holen gibt. Um das zu unterstreichen, werfen sie alles nach uns, was sie in die Finger bekommen. Und das sind auch abgestorbene, kiloschwere Baumstümpfe, die sie von oben auf uns herunter plumpsen lassen. Kriminelle gewitzte Viecher, unsere nächsten Verwandten.

Das war eindeutig zu viel Aufregung gleich am frühen Morgen. Jetzt erst mal hinein in die heißen Quellen am Fluss, um wieder zu relaxen. Sumatra und eigentlich ganz Indonesien ist vulkanisch heftigst unterwegs. Alle Nase lang bricht irgendwo ein Vulkan aus und so kommt es, dass es hier auch viele heiße Quellen gibt. Wo diese sich mit dem kühlen Flusswasser vereinen, haben Generationen vor uns schon kleine Bassins aus Steinen gebaut, in denen es sich hervorragend kuren lässt. Einmal ist wohl eine Touristin zu nahe an der Quelle ins Wasser gefallen… das sollte man vermeiden.

Auch vermeiden sollte man es, zu lange auf dem selben Fleck Urwaldboden stehen zu bleiben. Denn dort lauern schon die Leeches, die Blutegel. Sie recken sofort gierig ihren Körper in die Höhe, wenn Sie warmes Blut im Umkreis von drei Metern riechen. Auch ohne Augen kriechen sie zielsicher auf einen zu und wetzen schon ihr Mundwerk. Zum Glück tragen wir so eine Art Säcke, welche die Füße bis hinauf zu den Waden bedecken. Dort kommen sie nicht durch. Trotzdem musste ich John einmal von so einem vollgesogenen Ding an seinem Rücken befreien. Wo die nicht alles hineinkriechen, wenn man nicht aufpasst.

An diesem Tag haben wir den Fluß zweimal überquert. Einmal auf einem glitschigen Baumstamm und einmal fast nackt durchs Wasser mit den Klamotten auf dem Kopf. Die Strömung hat es in sich und so müssen wir zwei Leichtgewichte uns ordentlich gegen die Strömung stemmen, um nicht weggespült zu werden. Am anderen Flußufer laufen wir gleich Barfuß weiter und ich merke, warum wir Menschen einst von den Bäumen gestiegen sind: unsere Füße sind perfekt dazu geeignet, um sich auf dem weichen Waldboden fortzubewegen.

Auf einer Lichtung mit Wasserfall machen wir eine Pause. Die Sonne bricht sich einfach zu perfekt in den zerstäubenden Tropfen. Es flirrt und flimmert in der Luft, dass es eine Freude ist. Wäre ich eine Wasserratte, dann würde ich jetzt kopfüber am Fuße des Wasserfalls einfach hineinspringen. Aber im Schatten ist es plötzlich gar nicht mehr so warm und wir entscheiden uns, zurück zum Lager zu gehen.

Kurze Zeit später treffen dort drei merkwürdige Gestalten ein. Es sind ein paar junge Kerle, Vogelfänger aus dem Dorf mit Macheten im Gürtel. John kennt sie, hat aber kein gutes Wort für sie übrig. Wir sind beide froh, als sie wieder abziehen. Als es dunkel wird, fallen ein paar Regentropfen und wir machen ein Feuerchen aus speziellem Holz. John sucht dafür einen ganz bestimmten Baum und bricht einen Zweig ab. Das Holz ist dermaßen mit Harz getränkt, dass es auch im frischen Zustand und sogar bei Regen brennt, erstaunlich.

Diese Nacht verläuft ruhig und so können wir am letzten Tag frisch und erholt losmarschieren. Unterwegs kommen wir an Bäumen und Schlingpflanzen vorbei, deren Struktur so massiv wie die Takelage eines Segelbootes ist. Breite Wurzeln und starke Lianen kämpfen gegeneinander, bis der Baum in der Regel den Kürzeren zieht und stirbt. Auf diese natürliche Art entstehen im Dschungel immer wieder Schneisen im Dickicht durch eingestürzte Baumriesen. Dort haben dann wieder andere Arten eine Chance, das Tageslicht zu nutzen.

Nachdem wir giftige Schlangen, sich häutende Bäume, knospende Stinkblumen und blühende Schimmelpilze hinter uns gelassen haben, öffnet sich der Wald. Wir treten hinaus und ich bin erstmal sprachlos: eben noch dichter Urwald, kurz darauf stehe ich mitten in einer Plantage für Palmöl. Was einem ständig über die Medien gepredigt wird, scheint zu stimmen. Das Abholzen des Waldes für dieses Öl ist eine Tatsache. Den indonesischen Staat interessiert es eher wenig, dass er damit zulässt, dass die einzigartigen Orang-Utans von Sumatra immer weniger Lebensraum finden. Hier zählt nur das schnelle Geld. Wenn der Tourismus stärker wäre, hätten die Umweltschützer ein gutes Argument. Aber die Region ist einfach zu weit ab vom Schuss. Man kann förmlich zusehen, wie diese Dritte-Welt-Länder das Naturerbe der Menschheit vernichten. Da hilft auch das Trinken von ein paar Kästen Krombacher-Pils nichts. Nein, da hilft nur eins: hingehen, bevor es keinen Urwald mehr gibt.

Kaffee und Tee in ihren Ursprungsländern

Es ist überall das gleiche: die Leute trinken diese widerwärtigen Instant-Coffees und Industrie-Tees bis zum Abwinken. Damit meine ich jetzt nicht uns Deutsche, die zwangsweise in einem Land ohne echter Tee- und Kaffeekultur leben müssen (nein, Eduscho ist nicht die Krönung und Dallmayr trägt nicht zur Kaffeekultur bei und auch ihr Norddeutschen habt den Tee bloß importiert!). Damit meine ich Inder, Indonesier und sogar Österreicher. Das klingt unsinnig? Abwarten.

Klar, in Indien wächst der Tee in Topqualität an den Hügeln des Himalajas, ebenso in Indonesien und das gleiche gilt für Kaffee. Einer der besten Kaffees, die ich bis jetzt trinken durfte, stammt aus Indonesien. Dieses billige Pulver kann es mit jedem Lavazza-Super-Duper Espressopulver aufnehmen. Ist ja auch echter gemahlener Kaffee! Einfach auf die türkische Art rein in die Tasse, dann die Tasse unter einen Heißwasserboiler halten, umrühren, und fertig. Oh, und wer es authentisch indonesisch mag , der schüttet noch 100 g Kondensmilch hinein.

Aber was denken die Einheimischen selber über ihren Kaffee? „Kann ja nix sein, kommt nicht aus dem Westen…“. Traurig aber wahr, selbst Inder, die es nach Indonesien verschlagen hat, bevorzugen portionsweise abgepackten Instant-Coffee. Und der ist noch nicht mal annähernd mit „normalem“ extrahiertem Kaffee zu vergleichen. Im Gegenteil, das Zeug löst sich in einer Wolke aus weißem Schaum mit braunen Schlieren auf und schmeckt wirklich kein bisschen nach Kaffee. Es ist vergleichbar mit diesen wasserlöslichen Capuccino-Drinks, die es damals in jeder Studentenbude gab, auch in meiner. Ein pappiges, meistens überzuckertes Gesöff, das wahrscheinlich noch nicht einmal Koffein enthält.

In dieselbe Kategorie fällt der – ebenfalls in Studentenkreisen – so genannte „Kakachino“. Man zapft ihn für einige Cent aus einem mannshohen Automaten im Flur vor dem Vorlesungsraum. Immer ärgerlich, wenn jemand vorher Gemüsesuppe gewählt hat… Geschmacklich ist das Produkt schwer einzuordnen. Es repräsentiert eine Mischung aus Kaffee, Schoko, Gemüsesuppe und Milchpulver. Würde mich auch nicht wundern, wenn der Hersteller ab und an nur aus Spaß die einzelnen Fächer für die Pulversorten vertauscht.

Extrahierter Kaffee kann dagegen sehr gut sein. Damit meine ich diesen Kaffee, dem mit Hilfe irgendwelcher brutalen Verfahren nach dem Brühen das Wasser entzogen wurde. Der schmeckt sogar echt nicht übel und man darf ihn guten Gewissens überall dorthin mitnehmen, wo die Kaffeemaschine etwas overdressed wirken würde. Zum Beispiel beim Camping, auf dem Boot, oder bei Rock am Ring, um nur mal einige Einsatzmöglichkeiten zu nennen.

Doch zurück zum eigentlichen Thema, nämlich den Menschen in Kaffee-und-Teekulturellen Ländern. Als ich in Mumbay war, musste ich stundenlang bei sengender Hitze durch die Stadt latschen, bis ich endlich an einem tauglichen Teegeschäft vorbei kam. Ich rede nicht von einem Supermarkt, dort bekommt man den gleichen Tee wie überall sonst auf der Welt. Ich meine ein Geschäft, welches indischen Tee verkauft. Vermutlich macht das einfach kein Inder, seinen Tee in einem Teegeschäft zu kaufen und deshalb sind diese Läden so selten. Möglicherweise lässt man sich auch von seinen Verwandten im Himalaja einmal im Jahr einen Sack Teeblätter mitbringen und das war’s dann.
Jedenfalls fand ich dort Tee, der wenigstens hübsch verpackt war. Ansonsten war er keine Offenbarung.

Aber was haben die eingangs erwähnten Österreicher in dieser Runde zu suchen? Auch das ist schnell erklärt. Denn obwohl die Ösis selber natürlich keinen Kaffee anbauen, so haben sie sich doch immerhin ein gutes Stück Kaffeekultur bewahrt und zwar in Form ihrer Nationalgetränke wie „Großer Brauner“, „Wiener Melange“ etc. So ein Käffchen stilecht in einem K. u. K. Kaffeehaus zu trinken, das hat schon was.
„K. u. K.?“
Na, Kaffee und Kuchen natürlich. Aber auch die Österreicher haben es geschafft, sich erfolgreich von ihrer Kultur zu entfremden. So war ich neulich bei einem Kunden in Kärnten, und man glaube es oder nicht, in dessen Büro stand eine ganze Wand mit Kakachino-Automaten. Die tragen mittlerweile sogar die großen Namen, wie Dallmayr etc. Aber das Ergebnis ist immer noch das gleiche wie früher zu Uni-Zeiten:

Gemüsesuppiger Schoko-Kaffee.

Frittiertes Kulturgut

Dass man in Indonesien gern Frittiertes isst (zum Beispiel „Fliegende Fische“), hatte ich früher schon geschrieben. Frittiert wird aber eigentlich alles, was nicht rechtzeitig aus dem Wok hüpfen kann. Es gibt in jeder Stadt mindestens ein Geschäft, wo in einem riesigen Kessel vor der Tür heisses Öl kocht und im Inneren des Ladens die Frittaten abgepackt in Tüten zu kaufen sind. Verschiedene Gemüsesorten, Obst, Nüsse, Reis, Kartoffeln, einfach alles. Die Logik dahinter ist ja auch bestechend: backe es aus in heissem Öl, gib Salz, Zucker und Gewürze über das knusprige Zeug und verkaufe diese Droge zu einem guten Preis! Wohin das führt, erkennt man schnell an Einheimischen, die es sich leisten können: das Volk verfettet.

Genauso halten es die Inder. Das fettige Gift wird hier unter dem Namen „Chivda“ verkauft. Der Snack besteht aus in Fett gebratenen Nüssen, Reis (gepuffter, so wie die Kellog’s Rice Krispies), Rosinen und Kokosfleisch. Die Hälfte der Packung ist folglich Öl oder Fett und nach ein paar Happen von diesem Kraftfutter kann man die Beine von sich strecken. Das Dumme ist nur, dass man nicht aufhören kann, diese würzige Mischung in sich hineinzuschaufeln. Es macht wirklich süchtig.

Es ist im Prinzip ähnlich wie das Pemmikan der amerikanischen Indianer, welches allerdings aus Tierfett, Nüssen und anderen haltbaren Kalorienbomben besteht. Damit schafft man es locker durch die Prärie, auch ohne zwischendurch einen Büffel zu erlegen.

Die indischen Indianer dagegen bringen dieses Zeugs liebend gerne mit nach Deutschland, damit sie die ersten Tage etwas zu essen haben. Denn nichts interessiert einen Inder brennender, als die Frage, welche Nahrung ihn ausserhalb der Heimat wohl erwarten mag. Und so kommt es, dass sich meine lieben indischen Kollegen ihre Koffer mit Snacks, Instant-Nudeln und Instant-Coffee füllen, nur um ja nichts unbekanntes im wilden Europa essen zu müssen.

Auch sehr praktisch ist eine konzentrierte Mischung aus gerösteten und dann gemahlenen Erdnüssen, welche mit reichlich Spice versetzt wurde. Mit diesem Pulver und einem Kilo Reis überlebt ein Inder jeglichen Kulturschock. Das Zeug macht übrigens ebenfalls süchtig…

Hier noch ein Rezept für Chivda aus der Region Maharashtra, zum Selbermachen.

Batavias schwarze Kanäle

Jakarta besitzt so etwas wie eine Altstadt. Es ist bloß nicht wirklich viel davon übrig geblieben. Im Wesentlichen sind es nur noch zwei, drei Gebäude, die ein bisschen Altertum ausstrahlen. Und dazu zähle ich jetzt mal nicht die Bauwerke, welche einfach nur verrottet, aber nicht historisch sind (also halb Jakarta). Wirklich antik ist beispielsweise das „Museum Fatahillah“ (Historisches Museum und ursprüngliches Rathaus), welches ich mir heute ansehen wollte. Dummerweise wollten das einige hundert Schulklassen auch, und so hab ich das mal schön sein lassen.

Zweimal hat man mich überfallen, allerdings nur zum Interviewen. Einige Schulklassen hatten wohl die Aufgabe, Touristen aus der Menschenmenge zu fischen und ihnen diverse Fragen zu stellen. Nicht nur meine Antworten auf diese Fragen von historischer Bedeutung („Where are you from?“), auch meine Signatur schmückt jetzt die Poesiealben einiger indonesischer Mädchen.

Die Gegend an sich ist hier an Unattraktivität schwer zu überbieten. Genau in diesem nördlichen Zipfel der Stadt hatten die alten Holländer Anfang 1700 ihr „Batavia“ gegründet. Es lag – und liegt immer noch – in einer sumpfigen Küstengegend, welche mit Kanälen zum Abführen des Wassers durchzogen ist.
Wenn unsere lieben Nachbarn ja schon immer eines konnten, dann war das Kanäle bauen. Und so ziehen sich diese stehenden, brackigen und tiefschwarzen Gewässer auch heute noch durch diesen Teil der Stadt. Für die Slumbewohner ist das ein Segen, so braucht hier keine Müllabfuhr vorbeizukommen. Einmal im Jahr zur Regenzeit zieht dann Petrus die Spülung. Das muss reichen.
Ich hatte mich schon immer gefragt, wenn in Büchern vom „süßlichen Gestank der Verwesung“ die Rede ist, wie das wohl riecht. Jetzt weiß ich es, und ich kann gern darauf verzichten.

Schon als James Cook mit seiner „Endeavour“ um 1770 herum in Batavia einen Zwischenstopp einlegte, konnte er den Aufenthalt nicht kurz genug halten. Ein Großteil seiner gesunden Matrosen hatte sich dank Mosquitos mit Malariafieber und allen möglichen anderen Krankheiten angefreundet. Wie er das fand, hat sein Biograph J. C. Beaglehole sehr realistisch beschrieben, ein Auszug:

„Batavia, said Cook, was certainly a place that Europeans need not covet to go to. ‘Founded by the Dutch on the ruins of Jakarta in the early seventeenth century, it had been instrumental in extending their empire through the East Indies, had sent vast riches to the Netherlands, seen the coming and going of fleets, had provisioned and loaded and mended them; gained a reputation as ‘Queen of the Eastern Seas’. It was a queen that stank to heaven, corrupt and filthy.“

Dem ist auch 240 Jahre später nichts mehr hinzuzufügen.
Gerade die korrupte Polizei hat auch heute wieder einmal bewiesen, dass alles beim alten ist: mein Fahrer durfte nach einer Kontrolle erstmal etwas Bakschisch abdrücken, bevor es weiterging. Aber das hatte ich selbst ja auch schon erlebt.

Wer sich für die Reisen von Capt’n Cook interessiert, dem empfehle ich das Buch „James Cook – Die Entdeckung eines Entdeckers„, da es auf sehr unterhaltsame Weise davon erzählt, wie der Autor der Cook’schen Route nachgereist ist.

Ach ja, Mittagessen gab es wieder im „Grand Duck King„. Neben Soft Shell Crab, Barbecue Duck und diversen Dim Sum habe ich wieder einmal Hühnerfüße probiert. Das unscharfe Schrottfoto zeigt ein einsames Füßlein in scharfer Sauce. Interessant ist, dass tatsächlich jede Zehe aus mehreren Knöchelchen besteht, ganz wie beim Menschen. Entsprechend umständlich ist das Essen und ich habe es dann auch aufgegeben.

Mantel der Moderne

Wieder mal einen Monat rumgebracht in diesem Land. Auf dem Weg zum Flughafen war eigentlich ein Zwischenstopp bei einem Padang-Restaurant geplant. Seit Montag ist jedoch Ramadan, deswegen findet man tagsüber kein Rumah Makan, das geöffnet ist. Alles tutup, geschlossen. Dabei sind die tropischen Länder noch in einer vorteilhaften Lage, denn hier geht die Sonne etwa um sechs Uhr morgens auf und zwölf Stunden später gleich wieder unter. Ramadan im August, das bedeutet für strenggläubige Moslems in Deutschland, ganze 15 Stunden auf Essen und Trinken zu verzichten. Ob das sinnvoll ist, oder ob es sich nur um eine weitere idiotische Regel handelt, die alte Männer vor langer Zeit für ihre jeweilige Weltreligion eingeführt haben, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

So kam es, dass ich tatsächlich beim indonesischen KFC eingekehrt bin, der konsequenterweise geöffnet hatte. Viel war nicht los, außer mir hat nur noch eine einzige liberal gekleidete Familie zu Mittag gegessen.

Als langjähriger Fastfood-Junkie dachte ich ja eigentlich, die Dialoge mit dem Kassenpersonal in sämtlichen Fastfood Restaurants dieses Planeten zu beherrschen. Dabei hatte ich wohl nicht an die Feinheiten in der englischen Aussprache der indonesischen Damen gedacht. Eigentlich freute ich mich schon auf den „Fried Rice“, was mir zwar für ein KFC-Restaurant ungewöhnlich, aber nicht unmöglich vorkam. Stattdessen erhielt ich „French Fries“.
Da ging mir plötzlich ein Licht auf.

Ein wenig scheinen sich solche Restaurants doch zu genieren, während des Ramadans tagsüber geöffnet zu haben. Alle Fenster sind halbhoch mit Vorhängen bedeckt, damit man von aussen keinen Blick auf die Speisenden werfen kann. Ist vielleicht auch besser so. Die Indonesier sind zwar als sanftmütiges Volk bekannt. Das gilt allerdings nicht immer. Denn wenn sie etwas richtig auf die Palme bringt, fliegen schnell die Steine oder es werden die Messer gezückt. Das kann passieren, wenn ein wütender Europäer mit dem Fuß auf einen Indonesier zeigt. Das kann passieren, wenn sich herausstellt, dass eine Weißnase aus Australia kommt. Das interkulturelle Verhältnis dieser beiden Länder ist dank regelmäßiger Streitigkeiten über die Pazifische Fischgründe an Explosivität nicht zu überbieten. Das durften auch die Österreicher leidvoll erfahren. Deswegen sagen sie Indonesiern gegenüber meistens, dass sie aus Germany und nicht aus Austria kommen. Die Verwechslungsgefahr ist einfach zu hoch.

Bei einem leckeren Donut von „Dunkin‘ Donuts“ dachte ich mir dann so, dass der Mantel der Moderne in diesem Land doch wirklich noch sehr locker hängt.

Knusprige, fliegende Fische

D’Cost

Nach den weniger erfreulichen Ereignissen des Tages, jetzt endlich zu den schönen Dingen. Unser kulinarischer Streifzug durch die West-Javanesische Küche war heute geprägt von Sundanesischem Essen. Mittags sind wir im „D’Cost“ eingekehrt, einer Seafood Restaurantkette („Mutu Bintang 5 – Harga Kaki 5“: Five Star Quality – Street Hawker Price).

Das Essen kommt schnell und es gibt immer eine Bedienung, die Englisch versteht. Ausserdem ist die Speisekarte reich bebildert. Wir bestellten uns im ersten Gang:

  1. Kingpraws auf Spießen mit Spicy Sauce
  2. grüne Bohnen mit feinem Rinderhack und auch wieder sehr Spicy
  3. „Flying Fish“
  4. einen ganzen Krebs in Black Pepper Sauce. Spicy.

Alles sehr delikat, nur der Krebs war leider total verkocht und nur unter Veranstaltung größter Sauerei mit Hilfe eines Nußknackers zu essen. Die Pfeffersauce erinnerte in der Konsistenz und Farbe an flüssigen, gemahlenen Mohn und war abgesehen vom Pfeffergeschmack auch noch ziemlich süß – interessant und ungewöhnlich. Zum Flying Fish muss ich ein Wort verlieren. Dieser heißt so, weil seine Filets auf beiden Seiten angeschnitten und hochgeklappt werden. Wird der Fisch dann frittiert, erstarrt er in einer Form, die eben an einen „Flying Fish“ erinnert. Möglicherweise haben die Jungs in der Küche auch noch andere Tricks parat, um das hinzubekommen.

Nachdem wir uns die Hände und das Gesicht gewaschen sowie den Tisch haben reinigen lassen, bestellten wir Gang Nummer zwei:

  1. Frittierten Tintenfisch
  2. Kingprawns in Buttersauce
  3. Gebackenes Huhn in süßer Sauce
  4. Spinat in – jawoll – Spicy Sauce

Zugegeben, das klingt, als würden sich die Balken biegen. Aber die Portionen sind klein und überschaubar, das dass man hier doch eine Menge verputzen kann. Am Ende kostete uns der Spaß knappe 200.000 Rupien, das sind etwa 17 Euro.

 

Raja Sunda

Nach einer anstrengenden Shoppingtour durch Bandungs Factory Outlets stand auf dem Rückweg das Restaurant „Raja Sunda“ auf dem Radar. Hier bin ich früher schon öfters eingekehrt, nämlich immer dann, wenn aufgrund der Uhrzeit abzusehen war, dass ich im Hotel nichts mehr bekommen würde.

Der Laden ist traditionell ausgerichtet und bietet Sundanesische Küche. An den Tischen sitzen nur Einheimische, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Auch hier konnte wir nicht anders, als die Karte rauf und runter zu bestellen:

  1. Flying Fish, weil der schon mittags so gut geschmeckt hat
  2. Gegrillte Hühnerteile in Barbecue Sauce
  3. Gegrillte Ententeile in Barbecue Sauce
  4. Lamm Spießchen mit Erdnußsauce
  5. Gegrillte Kingprawns

Der Fliegende Fisch war hier sogar noch besser als im D’Cost. Das Hühner- und Entenfleisch war butterzart und fiel förmlich vom Knochen. Das will bei Ente schon etwas heißen, schließlich erinnere ich mich noch allzu gut an das lederne Vieh, welches mir in Medan auf den Teller gelegt wurde. Aber hier dagegen – besser hätte es ein Texaner mit seinem BBQ-Smoker auch nicht hinbekommen. Da fällt mir ein, dass ich bei Gelegenheit meinem Brüderchen einen Besuch abstatten sollte, um seine 3-2-1 Ribs zu probieren. Aber der Maßstab liegt jetzt hoch, soviel ist klar.

Ebenfalls ungewöhnlich und sehr erfrischend war das hauseigene grell-grüne Mixgetränk. Ich vermute mal, es bestand aus Melone, Soursop, Gurke, Limette, Zitronenmelisse und eventuell etwas Thai-Basilikum. Und natürlich Zucker. Eine prima leichte Ergänzung zu diesem deftigen Menü. Alles zusammen haben wir hier etwa 300.000 Rupien gelassen, etwa 25 Euro.

Hier nochmal der Flugfisch, einfach nur so:

Übrigens, auch laut tripadvisor.de ist dieses Restaurant sehr zu empfehlen. Hier die lesenswerte Kritik, welche dank automatischer Übersetzung noch zusätzlich an Reiz gewinnt:

„Die natürliche Dekoration mit viel Bambus und rotan nahmen unsere Aufmerksamkeit. Das Personal war höflich und freundlich. Wir lieben der gebratene Reis mit Satay. Die Zwergflusspferd , spitzmaulnashorn , Saft ist besonders die wir nie Geschmack vor. Es ist eine Mischung aus vegetarisches. Es schmeckte gut und Frische. Natürlich der Preis ist etwas höher als das Essen eine Duschkabine.“

Die Polisi – Dein Freund und Gauner

Indonesien ist eine Demokratie. Wer daran zweifelt, wandert in den Knast. Die Polizei ist dein Freund und ständiger Beobachter; besonders gerne kontrolliert dieser Freund an Wochenenden wie diesen die in Bandung einfallenden Blechlawinen. Der Begriff „Kontrolle“ wird hier recht großzügig ausgelegt. Es fällt jedenfalls auf, dass bevorzugt ortsfremde Kennzeichen rausgewunken werden. So diesmal auch wir.


Der Fahrer wurde schon leicht unruhig und auch mir fielen wieder Geschichten von tagelang festgehaltenen Ausländern ein, die wegen einer Nichtigkeit in Schwierigkeiten gerieten. In unserem Fall hatte der Kontrolleur der Polisi leider Recht: wir waren auf den Rücksitzen beide nicht angeschnallt. Nachdem der Mann mir irgendeinen Vordruck mit diversen Geldstrafen unter die Nase gehalten hatte, durfte ich also 500.000 Rupien zahlen. Den Betrag hatte ich nicht komplett in Bar dabei, es war etwas weniger. Interessiert hat es den Polizisten nicht. Es war klar, die Kohle wandert stracks in seine Tasche und so war er auch mit weniger hochzufrieden.

Hinterher fiel mir noch ein: müsste es nicht eigentlich eine Million sein, bei zwei Personen? Und müsste ich nicht eigentlich eine Quittung bekommen? Oder sollte ich die Angelegenheit als „Entwicklungshilfe“ abschreiben? Und wie könnte ich den Betrag dann als Spende in meiner Steuererklärung geltend machen?

Was soll’s, dachte ich mir. Bei anderen Kollegen wurde während einer Kontrolle nach dem Reisepass gefragt, den sie natürlich nicht dabei hatten. 3 Millionen jeder. Soviel kann man noch nicht einmal in einer Aktion am ATM ziehen. So gesehen hatten wir Glück und sind mit 45 Euro Strafe glimpflich davongekommen. Korrupsi hin oder her – zu hause hätten wir in etwa das selbe gezahlt.

Möbel aus Wurzelholz

Wochenende, endlose Langeweile macht sich breit. Wohin gehen, nach Bandung oder Jakarta? Viel weiter geht nicht in der kurzen Zeit. Den größten Teil des Tages werde ich eh im Auto, im Stau verbringen. Wenn man sich erst einmal damit abgefunden hat, geht’s.

Bandung also wieder. Shopper’s Paradise. Zusammen mit einem Kollegen durch das Javanesische Mittelgebirge gebraust und unterwegs einem kleinen Möbelshop einen Besuch abgestattet. Laut unserer einheimischen Sekretärin wäre er gleich rechts am Straßenrand in Cikalong. Er war tatsächlich dort, allerdings nicht so offensichtlich. Er lag vielmehr versteckt in den Gassen hinter der Hauptstraße. Hier eröffnete sich mir ein Blick auf wunderbar gepflegte Wege und Stege, Springbrunnen und Hinterhöfe. Kein Vergleich zur verdreckten und verkommenen Durchgangsstraße. Die stolze Besitzerin des Ladens präsentierte uns ihr Angebot an Möbelstücken aus Teak-Wurzelholz. Sehr beeindruckend und leider auch sehr teuer.


Da die gute Frau zwar unheimlich gesprächig war, allerdings kein Englisch konnte, war unser Zusammentreffen ein wenig sinnfrei. Ihr zahnloser Mann konnte hier leider auch nichts dran ändern. Der Fahrer versuchte, einige Brocken übersetzen, aber das war nur ein Bruchteil ihres Redeschwalls. Allein schon verhandlungstechnisch muss das nächste Mal ein Dolmetscher her. Trotzdem, ein interessanter Laden.

Wochenende, Endlose Langeweile macht sich breit. Wohin gehen, nach Bandung oder Jakarta? Viel mehr geht nicht in der 

kurzen Zeit. Den größten Teil des Tages werde ich eh im Auto, im Stau verbringen. Wenn man sich einmal damit abgefunden

hat, geht’s.

Bandung also wieder. Shopper’s Paradise. Zusammen mit einem Kollegen durch das Javanesische Mittelgebirge gebraust und

unterwegs einem kleinen Möbelshop einen Besuch abgestattet. Laut unserer einheimischen Sekretärin wäre er gleich rechts

am Straßenrand in Cikalong. Er war tatsächlich dort, allerdings nicht so offensichtlich. Er lag vielmehr versteckt in den

Gassen hinter der Hauptstraße. Hier eröffnete sich mir ein Blick auf wunderbar gepflegte Wege und Stege, Springbrunnen

und Hinterhöfe. Kein Vergleich zur verdreckten und verkommenen Durchgangsstraße. Die stolze Besitzerin des Ladens

präsentierte uns ihr Angebot an Möbelstücken aus Teak-Wurzelholz. Sehr beeindruckend und leider auch sehr teuer.

Da die gute Frau zwar unheimlich gesprächig war, allerdings kein Englisch konnte, war das Zusammentreffen ein wenig

sinnfrei. Ihr zahnloser Mann konnte hier leider auch nichts dran ändern. Der Fahrer konnte einige Brocken übersetzen,

aber das war nur ein Bruchteil ihres Redeschwalls. Allein schon verhandlungstechnisch muss das nächste Mal ein

Dolmetscher her. Trotzdem, ein interessanter Laden.

Indisches Party-Animal

Am Abend extra noch eine Aspirin eingeworfen. Der Tag war mehr als stressig. Aber später stand die indische Party auf dem Programm, da konnte ich unmöglich fehlen. Das bedeutet: Abhotten zu Maharaschdra Beats! Es hieß: für Essen und Getränke ist gesorgt. De-Facto hieß das: die Party startet um 18 Uhr, bis 21 Uhr gibt es aber nur Snacks. Die Inder sind ja ein Volk, das ausschließlich von Snacks leben kann. Wir dicken Europäer haben dagegen den Anspruch, vor einem wie auch immer gearteten Abend etwas ordentliches zwischen die Rippen zu bekommen. Hier bedeutet das, es gibt gewürzten Puffreis, Erdnüsse & Co. Mein eher kräftig gebauter Kollege hat schon ein langes Gesicht gezogen…

Viel Zeit zum Schnute ziehen war aber sowieso nicht, denn: „After six, we are all equal!“. Auf gut Deutsch: nach sechse herrscht Party on the dancefloor und da hat der Cheffe nichts mehr zu melden. Oder noch anders ausgedrückt: was die Inder tagsüber nicht schaffen, das machen sie am Wochenende auf der Tanzfläche locker wieder wett. Unglaublich, wie die Jungs in diesem völlig überklimatisierten Raum abhotten. Wer tagsüber noch unscheinbar über den Flur geschlurft ist, mutiert hier plötzlich zum Shah-Rukh-Travolta. Besonders der 100kg schwere Monster-Inder zieht hier seine Show ab: wer ihm in die Arme fällt, hat nichts zu lachen. Hemd aus der Hose und hoch das Bein. Er „führt“ nicht nur, er schleudert. Six o’clock und Party on Wayne, what the f*.

Ok, diverse Rum-Cola und Bintangs später zuckte auch bei mir die Hüfte ziemlich lässig. Irgendwie muss man sich ja Respekt verschaffen. Aber diese Jungs haben den Beat einfach im Blut. Weder Status noch Alter können verhindern, dass hier ein gemeinsames Happening zelebriert wird.
In Deutschland?
Äh…

Genau.

Padang Essengehen

Padang ist der Name einer Stadt im Westen von Sumatra. Von hier stammen viele Menschen, die auf der Nachbarinsel Java harter körperlicher Arbeit nachgehen und die entsprechend kräftige Nahrung brauchen. Man sagt, die Männer von dort verdienen ihr Geld auf dem Bau, während ihre Frauen Restaurants betreiben. Wie auch immer. Padang-Restaurants findet man an jeder Autobahnraststätte und in jedem Städtchen. Zu erkennen sind sie an ihren spitzgiebeligen Dächern und in jedem Fall an den kunstvoll aufgestapelten Tellern im Schaufenster.

Gerade für Nicht-Indonesier ist diese Sorte Lokal ideal, denn man muss sich keine Gedanken über den Bestellvorgang machen. Vergessen ist das ewig dauernde Studieren rätselhafter Speisekarten. Auch der Herr Ober legt keinen Wert auf Konversation. Sobald man sitzt, wird der Tisch gedeckt bis er sich biegt. Es kommen bis zu 12 Teller mit den verschiedensten Speisen zum Einsatz. Reis und Tee gibt es auch gleich dazu, man ist also in wenigen Augenblicken voll ausgestattet und kann sofort zulangen.

Die Regel ist einfach: was angefasst, bzw. probiert wird, muss bezahlt werden. Der Rest geht wieder zurück. Auf mehr als 5 Euro wird man aber auf keinen Fall kommen, es schadet also nicht, alles mal probiert zu haben. Das mit dem Zurückgehen ist natürlich so eine Sache – wer will schon gerne das zurückgegangene Essen der Vorgänger haben. Aber ich kann versichern, die Herren Ober schauen äusserst wachsam auf die Tische und rechnen gnadenlos ab, auch wenn man nur ein winziges Stückchen stibitzt. In kleineren Lokalen kann es schon mal sein, dass sie einem das Essen nicht richtig warmmachen. Hier hilft das internationale Zeichen für „Mikrowelle“ (gibt es bestimmt eins).

Das Essen selbst ist eine wahrhaftig bunte Mischung aus diversen Stilrichtungen: Thai-Curries, Seafood, Frittiertes, Omelette, Gemüse. Und alles ziemlich spicy. Bei manchen Tellern weiss ich immer noch nicht, ob es jetzt Gemüse oder Gehirn war, aber hauptsache die Sauce ist gut. Mit diesem Argument hatte ich auch einen indischen Kollegen, seines Zeichens strikter Vegetarier, in ein Padang-Restaurant gelockt. Er sollte sich einfach nur vorstellen, dass es alles Gemüse ist.
Er war nicht zu überzeugen.
Ich aber liebe es.

Gucci auf dem Bau, Versace für den Slum

Indonesien ist ein modebewusstes Land. Oder eher gesagt, es ist sich seiner Mode nicht bewusst, trägt sie aber äußerst lässig. Hier wundert es keinen, wenn der Arbeiter vom Straßenbau knietief im Dreck steht und dabei eine Hose von Gucci versaut. Oder dass völlig abgeroppte Personen aus dem Slum mit Hemden von Versace herumlaufen.

Der Grund heißt „Bandung„! Die Stadt preist sich selbst als das „Paris von Java“ an, nur weil die brutalen Kolonialisten aus Holland hier damals zur Sommerfrische hinfuhren. In dieser Stadt, vier Stunden östlich von Jakarta, wird alles verkauft, was die lokalen Kleiderfabriken herstellen können. Ein großer Teil ist schlecht kopierte Ware, was man schnell am Einheitsdesign oder an falschen Logos erkennt. Aber andere Klamotten sehen schon verdammt original aus und zeigen auch nach häufigem Tragen keine Qualitätseinbußen. Hierbei handelt es sich einerseits um fehlerhafte Originalprodukte, also z.B. Polo-Shirts mit einem kleinen Fleck irgendwo oder mit einem falschem Etikett. Andererseits kann es auch Ware aus Überproduktion sein, die eigentlich nicht auf den Markt gelangen sollte. Das trifft dann eher auf Adidas & Co zu, hier hängen manchmal noch die Etiketten für den US- oder Euro-Markt mitsamt Verkaufspreis dran (was natürlich auch wieder gefaked sein könnte…). Da die meisten Textilien von Einheimischen gekauft werden und damit das Land nicht verlassen, können die Hersteller ihren mystischen Markenhype in Europa ungestört weiter zelebrieren.

Es wäre uns Westlern auch schwer zu vermitteln, warum in der Frankfurter Goethestraße ein Polo Shirt von Burberry oder Hackett über 100 Euro kosten soll, während es in Bandung gerade mal 25 Euro kostet. Diese nette Anleitung zum Erkennen von gefakeden Burberry Shirts sollte man vor der Shopping Tour gelesen haben, um keinen Schrott zu kaufen.

Zwei Straßenzüge sind in Bandung besonders beliebt für Klamotten. Das ist der Jalan Cihampelas („Jeans Street“) und Jalan Riau. Auf letzterer Straße befinden sich die großen Factory Outlets, während die Jeans Street hauptsächlich – wer hätte das gedacht – Jeans im Angebot hat. In Zeiten, wo eine Jeans bei Aldi nur noch 15 Euro kostet ist es aber relativ sinnfrei, hier einzukaufen. Außer man geht natürlich auf Markenjagd. Besonders die großen, phantasievollen Pappkameraden an den Fassaden der Läden machen aber eine Menge her und erfreuen den Shopper.

Fast am Ende des Jalan Cihampelas befindet sich ein Restaurant der lokalen Kette „Sapu Lidi„. Wer den Link aufruft, hört dort exakt jene Sorte von Musik, welche hier in allen traditionellen Restaurants vom Band läuft… leicht nervig, aber eben „okinal“. Bis jetzt war ich in zwei Sapu Lidis und muss sagen, es speist sich hier ganz exquisit. Die Atmosphäre stimmt auch, man sitzt in einem ruhigen Garten auf der Rückseite des Gebäudes unter offenen, palmwedelgedeckten Hütten. Das Haupthaus in Lembang bietet sogar noch Reisfelder, die um die Tische wachsen. Das Essen ist sundanesisch, es gibt also allerlei Frittiertes, Huhn und Fisch. Besonders der Fisch ist phänomenal, denn sie können ihn so frittieren, dass man ihn mitsamt Kopf und Gräten wegknuspern kann. Meine Wahl fiel diesmal allerdings auf einen Fisch mit Tomaten-Chilli-Sauce, siehe Bild. Diese kleinen grünen Stippse da, das ist der Mörder-Chilli. Je kleiner, je gemeiner.

Ganz zu schweigen von wirklich geschmackvollen Saté Ayam (Hühnerspießen) mit Erdnußsauce. So lecker (und keimfrei) bekommt man sie weder auf der Straße bei einem fahrenden Warung, noch irgendwo in Europa in einem Asia-Restaurant. Was ich sonst noch auf dem Teller hatte: in Chilli-Kokossauce angemachte Auberginen-Scheiben (links) und eine Probierportion von extrem salzigem, frittiertem Klippfisch (kleines grünes Päckchen unten links).

Toilettenspiele mit Mandi

Ich hatte ja schon früher einmal über die Toilettengewohnheiten der Inder geschrieben.  Die Indonesen sind hier auch nicht schlecht drin. Also füge ich hiermit noch ein Kapitel zu diesem äußerst beliebten Thema hinzu, wie mir die Webstatistiken immer wieder verraten. Ist ja auch klar – Pipi, Kacka, Popo, das lieben schon die kleinsten Kinder…

Klopapier ist hierzulande – wie in Indien – ursprünglich unbekannt gewesen. Erst die holländischen Sesselfurzer der VOC bestanden auf dieses Hilfsmittel. Die Einheimischen bevorzugen bis heute stattdessen den kleinen Plastikbecher zur Reinigung. Hierbei darf man nicht durcheinander kommen. Denn der Wasserbecher selbst sollte immer sauber bleiben, nur das Wasser darf an den Bobbes. Und zurückfließen sollte da auch nichts. Deshalb hilft nur: Schwung.

Früher war die „Toilette“ ja meistens der Acker oder irgendein Graben, da fielen die Wasserspiele nicht weiter ins Gewicht. Aber wie nun in modernen Zeiten? Ganz einfach: es wird weiter fleißig gespritzt und gewässert, entsprechend nass ist die Toilette auch. Wobei der Begriff der „Toilette“ ein europäischer ist. Hier nennt man das ganze „Mandi„, worunter im Wesentlichen ein großer Wasserbottich mit dem besagten kleinen Becher drin verstanden wird. Aus dem Bottich schöpft man sowohl das Duschwasser zum über den Kopf schütten als auch das Popoputzwasser. Deswegen die Sorgfalt und strikte Trennung von Frisch- und Grauwasser.
Auf öffentlichen Toiletten fasse ich diesen Becher trotzdem nicht an.

Wohin es führt, wenn indonesische Moslems in die Neuzeit katapultiert werden, sehe ich jeden Tag auf der Firmentoilette: es gehört wohl zum guten Brauch, sich vor dem Besuch des Gebetsraums die Füße zu waschen. Man darf sich also nicht die Augen reiben, wenn nach dem eigenen Geschäft das Handwaschbecken schon von einem kleinen Indonesier belegt ist, der sich unter heftigsten Verrenkungen die Füße wäscht.
„Praying, Sir, praying!“
Praying wird auch sonst gerne mal vorgeschoben, wenn jemand gerade abwesend ist. Wo der Kollege ist? Na, gerade praying. Oder rauchen. Oder zu Hause. Uns Weißnasen kann man ja viel erzählen. Welcome to Indonesia!

Sweat Job

Wieder im triefenden Indonesien. Anders kann man es nicht bezeichnen, wenn einem die Klamotten schon am Körper kleben, wenn man seinen Fuß vor die Tür setzt. Hier hat es zwar „nur“ relaxte 30-33 Grad, dafür aber 1000% Luftfeuchtigkeit. Dazu kommt noch, dass ich leider nicht auf Bali am Strand liege sondern im Rahmen meines Jobs in einer Fabrikanlage für Textilien arbeite. Die dort hergestellten Fasern werden allerdings nicht mit alternativen Batikfarben behandelt, sondern mit Schwefelsäure. Entsprechend muss man sich den Geruch vorstellen: mit jedem Atemzug inhaliert man feuchten, dampfenden Faule-Eier-Mief. An das salzige Gefühl auf der Zunge gewöhnt man sich ganz gut nach ein paar Tagen. Dass die Fahrräder hier nach kurzer Zeit wegrosten hat schon seinen Grund.

Netterweise gibt es hier all-inclusive, also fast wie auf Bali. Indonesische Köche bemühen sich, den Geschmack der anwesenden Europäer, Chinesen und Inder zu treffen und liegen damit zumindest nicht jeden Tag falsch. An die Ameisen im Zimmer hab ich mich schnell gewöhnt, sie krabbeln auch nie an den Möbeln oder dem Bett hoch, daher kommen wir uns nicht in die Quere. Ohne balinesische Hotels zu kennen, behaupte ich mal, dass dort sicherlich ebenfalls kleine Geckos durchs Zimmer flitzen und nasse schwarze Kackbomben von der Decke fallen lassen. Ganz normal also.

Gegen den Jetlag hat wieder mal nur bewusstes Wachbleiben geholfen, anders kommt man völlig durcheinander. Nach 10 Stunden neben einem Deutsch-Chinesischen dauerknutschenden Pärchen im Flugzeug ist Relaxen auch erstmal das Wichtigste. Freue mich schon auf das üppige Frühstück, welches hier aus Toast mit Spiegelei und Scheiblettenkäse besteht. Immerhin Käse. Letztendlich lässt sich alles mit Chilli-Sauce tunen.