Trüffel mit Ralf Bos in der Frankfurter Genussakademie

Es war ein verregneter, winterlicher Abend vor einigen Jahren in Frankfurt auf der Fressgass. Trüffelzeit bedeutet ja meistens „schlechtes Wetter“, da die Hochsaison genau in die Matschsaison von Herbst und Winter fällt. Jedenfalls wurde bei der Frankfurter Genussakademie zu dieser Zeit ein Kurs zum Thema Trüffel angeboten.

Die Trüffel und ich, wir haben uns erst recht spät kennengelernt. Nämlich in einem wunderbaren italienischen Restaurant namens „La Strada“ in Kelkheim. Es wird klein und familiär geführt: der Mann steht in der Küche, die Frau bedient. Mein Lieblingsgericht dort heißt ganz simpel „Tagliatelle mit Trüffeln“. Es handelt sich hierbei um eine Sauce, die eine perfekte Mischung aus Butter, Sahne, Knoblauch und Trüffeln ist und einem förmlich im Mund explodiert. Wahrscheinlich enthält sie auch Trüffel-Öl und andere Dinge, die ich nicht herausschmecken kann. Ein Nachkochen war jedoch sinnlos und auch auf Nachfrage wollte mir Roberto sein Geheimnis nicht verraten. Recht hat er.

Jedenfalls, die Leidenschaft war geweckt. Nachdem mich ein italienischer Händler in der teuren Kleinmarkthalle einmal so richtig übers Ohr gehauen hatte, indem er mir geschmacksneutralen China-Trüffel für teuer Geld verkaufte, schwor ich mir, zukünftig besser Bescheid zu wissen. Da kam der Trüffelkurs in der Genussakademie gerade recht. Ralf Bos ist Besitzer eines Geschäfts für luxuriöse Nahrungsmittel und außerdem Autor eines Buches über Trüffel und gilt somit als Experte. Das merkte man auch, er hat uns Teilnehmern auf sehr unterhaltsame Weise den Trüffel näher gebracht. Auch einige Knollen brachte er mit – es ist schon ein tolles Gefühl, diesen super teuren weißen Trüffel einmal selbst in der Hand zu halten. Und daran zu riechen! Alleine schon zum Kennenlernen der gigantischen Unterschiede im Aroma zwischen den Trüffelsorten war diese Veranstaltung ein Volltreffer. Seitdem schaue ich genauer auf die Inhaltsangaben an diesen kleinen Gläschen mit eingelegtem Trüffel: meistens handelt es sich um den billigen und schwach riechenden Sommertrüffel oder über minderwertige chinesische Trüffelsorten, die sich zwar prächtig und massenweise züchten lassen. Ihr Geschmack ist jedoch unterirdisch und durch den langen Transport von der Ernte bis nach Deutschland verfliegt dann schließlich auch das letzte Aroma. Man kann es sich leicht auf folgende Weise merken: nur schwarzer oder weißer Wintertrüffel lohnt das Geld. Und man braucht natürlich einen Dealer seines Vertrauens. Und das sollte nicht der Obst- und Gemüsehändler ums Eck sein, auch nicht, wenn er in der edlen Kleinmarkthalle residiert.

Was in diesem Kochkurs allerdings nicht passierte, das war aktives Kochen. Wirklich gekocht hat nur der „Resident“-Koch der Akademie, wahrscheinlich hat man uns Laien den Umgang mit dem teuren Trüffel nicht zugetraut. Einerseits schade, andererseits konnte uns Herr Bos auf diese Weise sein Wissen mitteilen, während im anderen Bereich der Küche fleißig ein Gang nach dem anderen zubereitet wurde. Das Essen war wirklich hervorragend und jeder Gang zeigte eine spannende Alternative, wie Trüffel zubereitet werden kann. Herr Bos hat sich nach jedem Gang an einen anderen Tisch gesetzt und so konnten wir ihn ausfragen, beziehungsweise einfach erzählen lassen, denn der Mann ist nicht zu bremsen.

Lediglich seine Einstellung bezüglich Online-Shopping fand ich doch etwas arg misstrauisch: beim Bestellvorgang werden unnötige Daten wie zum Beispiel das Geburtsdatum des Kunden abgefragt. Wer diese Felder nicht ausfüllt, landet intern sogleich in der Kategorie „uffgebasst, Kunde macht evtl. Probleme, vorzugsweise per Vorkasse zahlen lassen“. Dass ich das als Kunde schlecht finde, wollte er leider nicht einsehen. Aber mal ehrlich, was geht einen Ladenbesitzer mein Alter an?! Ich kann mich nicht erinnern, wann mich der Tankwart das letzte Mal danach gefragt hat. Und dort lasse ich regelmäßig weit mehr Kohle als in jedem Online-Shop.

Später habe ich trotzdem bei ihm bestellt. Natürlich ohne Altersangabe. Fazit dieses Kurses: sehr lohnenswert, viel Know-How, leckeres Essen. Ein Muss für jeden Gourmet.

Kleine Anmerkung noch zu dem einzigen verwendeten Foto in diesem Artikel: normalerweise stammen hier alle Bilder aus meiner eigenen Kamera, allein schon aus lizenzrechtlichen Gründen. Dieses Bild stammt jedoch von der Webseite der Frankfurter Kleinmarkthalle, wo man mich ja wie weiter oben beschrieben, so gründlich über den Tisch gezogen hat. Deswegen fallen hier auch alle Hemmungen, ausnahmsweise mal ein Bild von einer fremden Quelle zu Klauen. Hihi.

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