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Skifahren in und um das Ötztal herum

Bevor es wieder mit der Freundin nach Garmisch in den Winterurlaub geht, wollte ich es skimäßig dieses Jahr erst einmal alleine knacken lassen. Zu diesem Zweck habe ich mich in Ötz am Anfang des Ötztals einquartiert und die Gegend erkundet.

Geknackt hat es dann auf der Piste tatsächlich, aber leider im Rücken. Obwohl der „Knacks“ beim Renovieren vom Haus schon im Sommer passierte, war anscheinend doch nicht alles verheilt bis Februar. Und als die Knie einmal versehentlich etwas zu hoch geschnellt sind, da hat es dann eben wieder geknackst. Mei, man ist halt nicht mehr zwanzig! Aber ich fange besser von vorne an.

 

Die Idee war wieder einmal, so wie vor einigen Jahren schon, sich für ein paar Tage in eine kleine Pension in Garmisch einzumieten. Gesagt getan. Mit der Freundin Winterwanderungen gemacht und mit dem Münchner Freund in Garmisch Classic und auf der Zugspitze Ski gelaufen. Und leider wieder einmal grün und blau geärgert über die Garmischer Servicementalität. Es gibt nämlich keine und das liegt am stetigen Andrang der Münchner Tagestouristen. Die werden kräftig gemolken und fahren anschließend wieder heim. Es ist also brechend voll und teuer. Aber Investitionen in die Qualität des Skigebiets und des Services bleiben leider aus. Und da dachte ich mir so: wenn sie einem in den Alpen eh das Geld aus der Tasche ziehen, dann lieber dort, wo es professionell geführte Skigebiete gibt und leckeres Essen auf der Hütte, das mit einem Lächeln im Gesicht serviert wird! Und so kam es, dass ich dieses Jahr flugs um die Zugspitze herumfuhr, einmal auf dem Fernpaß günstig tankte und mir anschließend eine Unterkunft in Ötz im Ötztal suchte.

Von Ötz aus hat man Zugang zu einigen prächtigen Skigebieten: Kühtai liegt gleich um die Ecke und Sölden ist nicht weit. Kühtai liegt sehr hoch auf 2.000 Metern und ist daher absolut schneesicher. Hier und in der Umgebung habe ich beim DSV vor 15 Jahren eine Grundausbildung zum Skitourengehen und für Lawinenkunde gemacht. Gerade sehe ich, dass es den Kurs auf der Dortmunder Hütte immer noch gibt. Eine Riesengaudi und ganz schön anstrengend. Das Gehen im frischen Schnee zerrt an den Kräften, so dass man abwärts jeden verdammten Höhenmeter genießt! Ist man erstmal selbst aufgestiegen, so erscheint einem sogar die Aussicht von einer kleinen Bergspitze weitaus spektakulärer als von einem mit der Gondel erklommenen Gletscher…

Zurück im hier und jetzt. Da es dieses Jahr im Februar sehr stürmisch war, verbrachte ich den gesamten ersten Tag am einzigen noch geöffneten Lift in Kühtai: dem klassischen Ankerschlepper „Alpenrosenlift“. Meine Freude hielt sich in Grenzen, aber andere Gebiete hatten komplett geschlossen, da sie lediglich über moderne Kabinenbahnen und Sessellifte verfügen. Hoch sollen sie leben, die alten Schlepplifte, an denen man schon vor der eigentlichen Abfahrt Muskelkater bekommt! Am nächsten Tag ließ der Wind endlich nach und ich verbrachte einen schönen Skitag im Skigebiet von Sölden. Wer hier unterwegs ist, sollte so schnell wie möglich die Liftverbindung zum Rettenbachgletscher nehmen. Der schmilzt nämlich schneller weg, als man eine Spitzkehre im Schnee ausführen kann. Der untere Teil des Gletschers hat sich schon vom Rest getrennt und es ist nur noch eine Frage von wenigen Jahren, bis man hier höchstens noch eine Abbruchkante sehen kann. Die Söldener sorgen sich schon länger um den ausbleibenden Schnee und haben Teile des Geländes im Sommer unter einer weißen Folie verpackt. Mit diesem Restschnee und dem, was sich links und rechts davon noch zusammenkratzen lässt, wird im nächsten Winter die Gletscherpiste präpariert. Jammern hilft nicht, wir haben den Klimawandel nun mal selber angestoßen und das ist eine der Konsequenzen. Ich persönlich finde es gut, den Skibetrieb im Gletscher zu erhalten. So sieht man wenigstens hautnah, was in den Bergen passiert. Nur wären ein paar Hinweisschilder angebracht zur Erklärung des Ganzen. Hier ein Bericht zum Thema.

Genug der Traurigkeit, jetzt zu dem, was nach dem Skifahren passiert. Damit meine ich nicht Aprés Ski, was man in Sölden mehr als genug haben kann. Sondern die Kulinarik! Tirol und auch Südtirol (darüber später mehr in einem anderen Artikel) rühmen sich ihrer bodenständigen Küche. Hierzu gehören deftige Gerichte zum Sattwerden mit Nudeln, Klößen und Polenta. Richtig gut servieren die Tiroler diese Speisen auf ihren Berghütten, weniger gut im Tal. Es lohnt sich also, beim Wandern oder Skifahren auf einer Hütte anzuhalten und eine deftige Brotzeit einzunehmen. Irgendwann hat man sich aber auch daran satt gegessen und man möchte die Zunge mit etwas Außergewöhnlichem kitzeln. Und hier kommt eine Hütte am Rande des Söldener Skigebiets ins Spiel, die „Panorama Alm“ (Restaurant Sölden).

Sie ist leicht zu Fuß oder auch mit dem Auto zu erreichen und liegt gleich neben der Piste. Wer also nachmittags die Talabfahrt zur Giggijochbahn nimmt, kann hier bequem den Einkehrschwung machen. Man fährt dem Wirt tatsächlich fast über die Terrasse. Im Angebot ist eine etwas gehobenere Küche mit diversen Spezialitäten. Wem es nach einem Thai Curry oder einem Käse- oder Fleischfondue gelüstet, der wird hier fündig. Mir persönlich läuft das Wasser eher beim angebotenen BBQ-Grillabend im Munde zusammen. Wäre ich mit Familie oder einer Gruppe von Freunden unterwegs, würden wir uns als Highlight sicher den gegrillten Fisch und das Fleisch aus lokaler Herkunft gönnen. Wie gesagt, nicht billig, aber dafür mal etwas Besonderes. Und ja, auch wer vom Aprés Ski nicht lassen kann, der wird hier fündig.

Mein Fazit: Ötztal, wir kommen wieder! Gerne auch im Sommer, um der Hitze zu entgehen.

Gut Essen in der Karibik

Wenn man in der Karibik unterwegs ist, erschlägt einen die Menge der unbekannten Gerichte. Grund ist die ethnische Vielfalt, man hat Menschen aus allen Ecken der Welt hierher geschleppt und jede Gruppe brachte nicht nur ihre Arbeitskraft ins Land, sondern auch ihre kulinarischen Vorlieben.

Wobei die Kariben selbst eigentlich nie eine Rolle spielten. Niemand spricht heute mehr von ihnen. Die Kariben, das waren die Ureinwohner der Antillen Inseln. Damit sind weder die importierten Afrikaner noch die nachfolgenden Inder oder Chinesen gemeint. Die Kariben ähneln viel mehr den Native Americans, also dem Volk, das man in Deutschland die „Indianer von Amerika“ nennt. Sie wurden ausgerottet.

 

Und damit war Raum für die europäische und afrikanische Küche gewonnen. Und die Spanische. Auch die Holländer waren mal hier. Und auch die Portugiesen und sogar die Engländer. Ok, die haben nichts mitgebracht, denn England schafft es selbst heute noch als kulinarisch rückständig zu gelten, obwohl sie Kolonien in allen Ecken der Welt hatten, wo wirklich äußerst anständig gekocht wurde. Wie kann man nur so beratungsresistent sein und das über Jahrhunderte.
Aber zurück zu dem, was man heute in der Karibik genießen kann.

Früchte der Natur

Darunter verstehe ich vor allem die Kokosnuss, die Kakaoschote und die Muskatnuss. Kokosnüsse liegen an jedem Strand herum, sind dann aber auch schon ein wenig über das Verfallsdatum heraus. Trotzdem kann man sie öffnen, wenn man die Fähigkeit dazu besitzt. Es ist nämlich für Büromenschen nahezu unmöglich, an das Fleisch und den Saft heran zu kommen. Auf dieser Seite kann man nachlesen, wie es mit Hilfe eines in den Boden gerammten Stocks funktioniert.

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Die Kakaofrucht ist dann reif, wenn sie von gelb so langsam ins braune changiert. Man öffnet sie einfach und schlabbert das süße, weiße Fruchtfleisch von den Kernen ab. Die Kerne selber, das sind natürlich die Kakaobohnen. Glückwunsch an die Südamerikanischen Völker, dass sie herausfanden, wie man aus diesen bitteren Bohnen etwas so Schmackhaftes wie Schokolade macht. Aber mit bitteren Bohnen kennen die sich ja aus, denn auch der Kaffee stammt nicht weit von hier.

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Muskatnüsse sind ein Wunder der Natur. Mitsamt ihrem überdimensionalen Fruchfleischpanzer sehen sie aus wie ein leckerer Pfirsich. Beißt man hinein, zerfällt diese Illusion schlagartig und es wird klar, dass hier nur der Kern zählt. Die frische Muskatnuss ist mir einem grellroten Netz umgeben, welches selbst als Gewürz verkauft wird und „Macis“ genannt wird, die Muskatnussblüte. Sie schmeckt ebenfalls nach Muskat, nur nicht ganz so intensiv wie die Nuß. Die Inder verwenden sie gern für Curries. Die frische und noch ziemlich weiche Muskatnuss wird dagegen von den heutigen Kariben sehr gern über ihren Punch oder „Ti Punch“ gerieben!

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Sie schmeckt überhaupt nicht so, wie man es von Mutterns Sonntagsbraten kennt. Die fruchtige, leicht scharfe Frische tut jedem Cocktail gut. Hier gibt sie dem Ti Punch aus neuem weißen Rum und Zuckerrohrsirup den nötige herben Akzent. Die Muskatnuss Flocken sind weich und wollig, ganz anders als es eine trockene Muskatnuss kann.

 

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 Früchte des Meeres

So richtig erfolgreich waren wir mit dem Fischen leider nicht. Dafür waren wir gut im Handeln und konnten den lokalen Fischern auf der Insel Mustique für ein paar Caribian Dollars ihre roten Grätenfische abkaufen. Das war jetzt kein Gesellenstück, sondern eher aus der Not geboren. Aber immerhin hatten wir etwas zu tun beim herausfriemeln der Gräten. Und zwar noch lange, nachdem der letzte Currygeschmack unsere Geschmacksnerven durchdrungen hatte. Mann, was waren die grätig… später haben wir sie am Stück gegrillt, das war einfacher.

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Dafür bin ich seit diesem Urlaub ein großer Freund der Conch Schnecken. Dabei handelt es sich um die Tiere, die in diesen stacheligen großen Muscheln leben. Die Gehäuse liegen kubikmeterweise an sämtlichen Stränden der Karibik herum, vorzugsweise dort, wo man sie isst. Sollte man auf die Idee kommen, so ein Gehäuse im Gepäck mit nach Hause zu nehmen, so könnte das zu Diskussionen mit dem heimischen Zoll führen. Selbst 3D-Scanner können aber noch keinen Mageninhalt erfassen, also immer rein damit, denn die Dinger sind einfach delicious. Wer nicht weiß, dass es sich um Meeres-Schnecken handelt, könnte glatt von Hühnerfleisch oder ähnlichem ausgehen. Die Tiere sind recht groß und ergeben kleingeschnitten und gekocht ein ziemlich schmackhaftes Gulasch.

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Saucen

Vor allem eine Sauce ist mir im Kleinhirn hängen geblieben: sie war gelb, durchsetzt mit roten Pünktchen und sehr scharf. Es handelte sich um eine Mischung aus Banane, Senf und Chili. Sie wird fast überall in kleinen Salzstreuern zum Nachwürzen am Tisch angeboten. Man kippt zunächst mal aus den Latschen, weil sie so scharf ist, möchte sie aber nach eine Weile nicht mehr missen. Wer keinen Feinkost- oder Gewürzeladen in der Nähe hat wie zum Beispiel das Gewürzhaus Alsbach in Frankfurt, der findet solche Saucen unter dem Namen Baron West Indian Hot Sauce (und ähnlich klingende) im online Versand.

Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, dem seien noch folgende Saucen ans Herz gelegt, die in eine ähnliche Richtung gehen:

Ob zur Bratwurst, aufs gekochte Ei oder zu Fisch und Fleisch: diese Saucen passen immer. Man darf sich nur nicht irritieren lassen, falls dieser Geschmack auf der nächsten Grillparty bei anderen auf Unverständnis stößt… einfach immer ein Aldi-Gewürzketschup für den deutschen Geschmacksverweigerer in petto haben.

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Gut Essen auf Madeira

Auch wenn die Madeirenser nicht gerade den Ruf haben, Weltküche aufzutischen, so bekommt man hier doch eine leckere Mischung von Fisch- und Fleischgerichten. Es zwingt einen ja niemand, in Funchal um die Mittagszeit den billigsten Touristenteller mit labberigem Schnitzel und Pommes zu essen.

Das war jetzt etwas fies, denn selbst die Touristenkost hat hier noch wirklich solide Qualität. Aber es geht auch besser! Und das ist nicht mal unbedingt sehr viel teurer. Folgende Speisen sollte man probiert haben:

 

Espada (Degenfisch)
Ein ziemlich langer und schmaler, schwarzer Fisch. Er treibt sich in über tausend Metern Wassertiefe herum und wird mit Angeln gefischt. Beim Hochziehen verfärbt sich seine Haut ins Schwarze. Interessant ist, wie hinterlistig er jagt. Normalerweise schwimmt er mit schlängelnden Bewegungen durch die Gegend und genießt die Ruhe der Tiefsee. Doch wenn er Beute wittert, schießt er lang gestreckt wie ein Stock direkt auf sein Opfer zu. Da er so schmal ist, sieht er von vorne nicht sehr bedrohlich aus und kann sich auf diese Weise seine verdutzte Beute schnappen. Der Haken an dieser Theorie ist nur, dass es da unten eigentlich gar kein Licht mehr gibt und das Opfer den Espada sowieso nicht sehen kann… aber egal, es ist ne tolle Story und wenn’s auf Wikipedia steht, muss es einfach stimmen.

2013 Madeira (142) espada degenfisch

Aber jetzt zum Essen. Der Espada wird in Scheiben geschnitten serviert und sieht dann aus wie seine Kollegen Schwertfisch, Marlin oder Thun. In der Pfanne gebraten landet er auf dem Teller wie ein Steak; der einzige Wirbel lässt sich leicht um-essen bzw. einfach herauslösen, so dass man nahezu grätenfreien Fischgenuss erlebt. Auch für Fischverachter ein Versuch, denn fischig schmeckt der Espada nicht.

Espetada (Fleischspieß)
Klingt fast wie der „Espada“, ist aber Rindfleisch am Spieß. Eigentlich nicht sehr spektakulär, eher wie ein in Stücke gehauenes Rumpsteak, das man auf einen Metallstab gespießt hat. Die Art der Darreichung ist hier das Besondere: der Spieß ist etwa einen Meter lang und wird entweder in einem tragbaren Ständer, der aussieht wie eine Halterung für Ofenwerkzeug, serviert. Oder aber der Spieß wird direkt am Tisch eingeklinkt. Manche Tische haben hierfür extra ein Loch in der Mitte, das keinen Sonnenschirm aufnimmt sondern ein vierkant Stahlprofil, in das sich die Spieße direkt einhängen lassen! Fehlt nur noch eine Machete zum Abernten des Spießes, dann käme echtes Gaucho-Feeling auf. Man kann die Fleischstücke aber auch einfach abziehen, ohne ein Massaker zu veranstalten.

2013 Madeira (78) espetada fleisch spiess lorbeer

Besonders gut schmeckt das Fleisch, wenn zwischen den Stücken frische Lorbeerblätter mitgeröstet werden. Das soll wohl ein wenig darüber hinweghelfen, dass der Espetada zu ganz ursprünglichen Zeiten traditionell mit Ästen des Lorbeerbaumes zubereitet wurde. So viel Lorbeerholz hat es hier nicht mehr, daher nun also mit Metallspieß.
Auf das oberste Fleischstück legt man noch einen Batzen Kräuterbutter, der im Laufe des Schlachtfestes über das Fleisch rinnt und am Boden der Vorrichtung eine schmackhafte Blut-Butter-Sauce bildet. Diese lässt sich ganz vorzüglich aufstippen mit…

Bolo de caco (Knoblauchbrot)
Hierbei handelt es sich um sehr weiches, fladenartiges Brot, das einmal horizontal aufgeschnitten wird. Man kann es sich vorstellen wie fluffiges Pizzabrot oder Lángos. Frisch aus dem Ofen und mit ordentlich Knoblauchbutter bestrichen ist es ein Genuß (wie ja eigentlich alles, was frisch aus dem Ofen kommt).

2013 Madeira (76) bolo de caco knoblauchbrot

 

Milho frito (frittierte Maiswürfel)
Wenn wir schon bei den Beilagen sind, hier also eine weitere. So kreativ wie die Südtiroler sind die Madeiraner zwar nicht, aber auch sie können aus Polenta tolle Sachen herstellen. In diesem Fall handelt es sich um in Fett ausgebackene Würfel oder Stäbchen aus Maismehl, die gern an Stelle von Pommes serviert werden. Sehr empfehlenswert, weil einfach lecker. Die Teile kommen auch nicht so wuchtig rüber wie das alpenländische Polenta. Solche außen knusprig und innen weichen Mais-Pommes habe ich dort jedenfalls noch nicht gesehen.

2013 Madeira (79) milho frito mais polenta

Bolo de Mel (Gewürzkuchen)
Gewürzkuchen gibt es in vielen Ländern. Bei uns läuft er unter „Lebkuchen“, so wie man ihn an rheinischen Sauerbraten gibt, um die leicht süßliche Sauce zu erhalten. Die Franzosen nennen ihn „Pain d’Epice“ und halten ihn im Burgund, rund um Dijon für etwas einzigartiges. Letztendlich ist es ein sehr süßer, nach Lebkuchen schmeckender Kuchen, der noch ein paar Nüsse und Trockenfrüchte enthält. Die Version aus Madeira wird natürlich mit Zuckerrohrsirup gesüßt und es gibt ihn traditionell zur Weihnachtszeit. Er taugt gut als Mitbringsel und hält dank dem hohen Zuckergehalt ewig. Als Dessert und Magenschließer passt er prima zu einem Gläschen Madeira, beispielsweise einem Bual oder Malmsey. Besonders frischen Bolo de Mel gibt es in der Zuckerrohr Fabrik in Calheta, siehe auch den separaten Artikel.

madeira bolo de mel gewürzkuchen

Lapas (Napfschnecken)
Napfschnecken kann man tatsächlich essen. Hier das Highlight zum Schluss, die urtümlichen „Lapas“. Jeder hat diese krustigen Beulen schonmal gesehen, wie sie an den vom Meer umspülten Felsen kleben. Als Kind hatte ich italienischen Männern teils mit Faszination, teils mit Ekel, dabei zugesehen, wie sie die Napfschnecken mit einem Taschenmesser vom Stein gehebelt und gleich an Ort und Stelle ausgeschlürft haben. Jetzt kam ich endlich in den Genuss, diese Arme-Leute-Austern auch einmal zu probieren. Allerdings im gebackenen Zustand, mit reichlich Kräuterbutter und Zitronensaft garniert. Der freundliche Wirt des Café Klenk, wo ich die Woche über gegessen hatte, war so nett, mir eine Portion zuzubereiten. Normalerweise stehen die Lapas nicht auf der Karte. Sie sind etwas gewöhnungsbedürftig, da sie eine knorpelige Konsistenz haben und auch viel Seetang – oder „Seemoos“ – mitbringen. Wer Weinbergschnecken mag, dem werden jedenfalls auch Lapas schmecken. Recht ähnlich im Geschmack sind die kleinen Meeresschnecken namens „Bulot„, wie sie die Franzosen servieren. Und sogar die fette „Conch„-Muschel aus der Karibik ist eigentlich eine Schnecke. Dort gibt es so viele davon, dass man daraus sogar Gulasch macht. Und zwar ein richtig leckeres.

2013 Madeira (122) lobos schnecken
Aber zurück zu den Lapas. Eigentlich müsste man sagen „Bio-Lapas“. Denn im Gegensatz zu Weinbergschnecken müssen Lapas nicht erst über Salz kriechen, um ihren Schleim zu verlieren. Und gezüchtet werden sie auch nicht. Man kommt also in den Genuß von quasi „freilaufenden“, wilden Napfschnecken, die ein garantiert glückliches Napfschneckenleben hatten!

Natürlich gibt es noch eine Menge anderer Köstlichkeiten auf Madeira zu erkunden. Weitere portugiesische Gerichte findet man bei Wikipedia. Oder auch hier und hier.

Kulinarisch armes Dänemark

Freunde des hohen Nordens schätzen oft ganz besonders Dänemark. So richtig erklären können sie es nicht, aber sie begründen ihre Einstellung schnell mit der vielgerühmten „hyggeligkeit“ und den überall zu bekommenden Pölsern. Im Prinzip ist hiermit alles Wissenswerte über Dänemark gesagt. Ich vermute mal eher, dass die Freunde des Nordens nicht sehr wählerisch sind und einfach in das nächstbeste skandinavische Land rennen und das ist von Deutschland aus gesehen nun einmal Dänemark.

 

Es ist tatsächlich so, dass die kleinen Inseln, die kleinen Häuschen, die kleinen Segelboote und das alles sehr hyggelig wirken, also gemütlich und stressfrei. Und ebenfalls stimmt es, dass man an jeder Ecke Pölser kaufen kann, also labberige Hotdogs und Bratwürste. Aber das war es dann auch schon mit den erwähnenswerten Dingen, denn ansonsten ist hier tote Hose. Es gibt keine Restaurants. Es gibt keine Imbiss-Stände, die etwas anderes außer Pölsern, Spaghetti, Hamburgern und Pizza anbieten. Es gibt keinen Fisch, obwohl das ganze Land von Meer umgeben ist. Sie verkaufen ihn lieber gleich nach England, wo er in Panade gehüllt, in Fett frittiert und schließlich in Essig ertränkt wird. Und es gibt noch nicht einmal knusprige, schmackhafte Brötchen zum Frühstück. Es ist traurig. Auch die Selbstversorgung im Supermarkt führt nicht weiter. Das Grillfleisch ist von schlechter Qualität, es ist knorpelig und trocken. Die Wurst, der Käse, das Brot… es schmeckt einfach wie ein schlechter Abklatsch von dem, wie es sein sollte. Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt die deutschen Lebensmittel, die ich besser finde. Man schaue sich nur einmal um in der Welt: Die Franzosen können zum Beispiel Käse. Die Polen können Wurst. Die Italiener können Pasta.
Was aber können die Dänen?

An diese persönliche Erfahrung muss ich jedes Mal denken, wenn im Fernsehen wieder eine gastronomische Doku über Kopenhagen läuft, der Stadt mit den meisten Sternerestaurants der Welt. Es mag ja alles stimmen, und das aktuell sehr gehypte „Noma“ mit seinen frischen Kräutern ist sicherlich noch ein bis zwei Jahre einen Bericht Wert (zumindest solange, bis die aktuelle Mode auch von dieser Art der Küche wieder genug hat, siehe das El Bulli mit seinen Molekularschäumen, das interessiert heute niemanden mehr). Aber danach fällt die kulinarische Kurve steil nach unten. Verlasse Kopenhagen und finde dich damit ab, an einer Tankstelle genauso gute Würstchen zu bekommen wie an einer x-beliebigen anderen Frittenbude. Es gibt hier einfach keine Restaurantkultur. Es gibt keine „Gut Bürgerlichen Restaurants“, wo man die 10 nationalen Standardgerichte bekommt. Und selbst die ausländische Küche findet hier nur in Form von Pizza- und Gyrosbuden mit Plastikmobiliar statt. Einen guten Italiener? Einen guten Thai? Leider nein.

Na gut. Zur Ehrenrettung hier nun die drei Speisen, die man in Dänemark probiert haben sollte:

Frokost
Man nehme eine Scheibe Toastbrot, lege sie auf einen Teller und häufe dann alles darauf, was einem einfällt. Frokost-Teller sind die einzige Möglichkeit, an etwas Fischiges zu kommen (zumindest in den Hafenstädtchen). Es gibt sie tatsächlich auch in lecker, und zwar zum Beispiel im „Café Razz“ in Middelfart an der Hafenmole. Dort besteht so ein Teller aus gebratenem und frittiertem Fisch sowie einem halben Kilo Krabben obendrauf, das ganze noch garniert mit Potatoe Wedges und Salat. Allerdings wird auch hier nicht gezaubert: die Krabben sind aus der Dose und der panierte Fisch aus der Tiefkühltruhe, was sich leider im Preis nicht bemerkbar macht. Aber es schmeckt.
Frokost heißt eigentlich „Frühstück“, meint aber eher Mittagessen und daher gibt es das nur vom Vormittag bis zum späten Nachmittag. Kommt man also zu spät, muss man mit dem Rest der Speisekarte vorlieb nehmen (Spaghetti, Burger… siehe weiter oben).

Frühstücksgebäck
Das Beste, was Dänemark kulinarisch zu bieten hat. Butterige, knusprige, blätterige, auch nach 24 Stunden noch wie frisch schmeckende Stückchen! Die Geschmacksrichtung spielt keine Rolle. Ob mit Schoko, Marmelade, Vanille oder Zimt. Das Zeug ist die Wucht. Vollkommen rätselhaft, wie sich hier im Backbereich eine so gute Qualität durchsetzen konnte. Ansonsten essen die Dänen ja auch alles Minderwertige, was man ihnen vorsetzt. Tschuldigung, es isso. Nicht umsonst zählen sie zu den überfetteten Nationen und mussten 2011 eine Fettsteuer einführen. Übrigens: das Gebäck gibt’s auch an jeder Tanke, in gleich hoher Qualität. Und warum schmeckt das so gut? Na, wegen der Butter!

Räucherfisch
Nach sechs Wochen Segeln in dänischen Gewässern gab es tatsächlich nur einen einzigen Hafen, wo ein Fischer seinen frisch gefangenen Fisch selbst geräuchert und zum Kauf angeboten hat. Er schmeckte hervorragend! Selbst nach einigen Tagen in der nicht so doll kühlenden Kühlbox war er noch lecker. Leider hat es sich unter seinen Fischerkollegen noch nicht herumgesprochen, dass man den Fisch auch an Touristen direkt verkaufen kann, anstatt ihn beim nächsten Großeinkäufer für einen Bruchteil des möglichen Erlöses abzuladen. Noch getoppt wurde der dänische Räucherfisch allerdings vom schwedischen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wem das jetzt alles zu miesepetrig beschrieben ist, der lese hier eine positive Beschreibung von echten Dänemark Fans.

P.S.: ich selber habe neulich auch Dänemarks schöne Seite kennen gelernt: Aarhus überzeugt.