Im Test: Kaffeemühle Eureka Mignon Libra – Tipps zum Handling

von Mo

Den eigentlichen Test kann man woanders in aller Ausführlichkeit nachlesen. Hier soll es um das Tuning oder besser gesagt um Tipps und Tricks zur besseren Handhabung gehen. Vor allem: wie vermeidet man herumfliegendes Kaffeepulver?!

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Die Libra ist ihren Preis wert

Vorab kann ich sagen: die Eureka Libra ist eine klasse Mühle! Erst im letzten November habe ich noch in der SCA-Ausbildungswoche gelernt, dass eine Mühle mit automatischer Waage mal locker über 1.500 Euro liegen muss. Und kurze Zeit später bringt Eureka diese Mühle für den Heimgebrauch heraus für lächerliche 600 Euro und sie funktioniert sogar! Da werden die Mahlkönige sicherlich flackernde Augen bekommen, denn warum soll man das Drei- oder Vierfache ausgeben, wenn es doch diese Mühle tut?

Einen ausführlichen Test zur Eureka Libra findet man bei den Kaffeemachern aus der Schweiz. Die sind eh nicht schlecht und was sie hier sagen, stimmt vollkommen: das Teil bringt eine Menge Qualität mit für die Bucks! Klar hat sie ihre Mängel, dass vor allem das Kaffeepulver nicht sauber ausgestoßen wird. Aber das Wichtigste ist: der Mechanismus zum Wiegen funktioniert. Ein Begeisterungsmerkmal, für das man woanders eben ne Menge mehr auf den Tisch legen muss.

Wer das hier liest, hat vermutlich die Mühle schon bestellt oder scannt sich gerade als Kaffee-Nerd durch sämtliche Infos zu diesem Gadget. Daher möchte ich in diesem Beitrag nicht auf die Features der Mühle eingehen. Sondern lieber auf meine Lösungen aus dem Hausgebrauch, um die bekannten Schwächen abzustellen.

Suboptimal: ein Trichter gegen das verstreute Mehl

Schauen wir uns zunächst einmal den Mahlvorgang an. Warum auch immer, jedenfalls hat Eureka entschieden, dass diese Mühle ihr Mehl in das vordere Drittel des Siebträgers bläst. Das führt vor allem bei elektrostatisch aufgeladenem Pulver gegen Ende des Mahlvorgangs unweigerlich zu Kaffeeresten rund um die Mühle. Auch bei den sackteuren Mahlkönig-Maschinen kommt das vor, nur nicht so extrem wie hier. Was kann man nun dagegen tun?

Als erstes ziehe ich den Abschlagkasten direkt unter der Mühle komplett auf. Damit fällt alles Kaffeemehl, das geradeaus fliegt, schonmal in die Schublade.

Danach geht es näher an die Quelle: was kann man tun, damit das Mehl im Siebträger landet und nicht außerhalb? Hierfür gibt es verschiedene Lösungen: der bei den Kaffeemachern schon erwähnte Trichter, bzw. Dosierring. In Fachkreisen auch „Funnel“ genannt. Also ein Aufsatz für den Siebträger, der wie ein Trichter das Pulver sammelt und innerhalb des Siebs ablagert. So ein Ding habe ich gleich mit der Mühle mitbestellt (für günstige 10 Euro von Motta, man kann aber auch locker 40 Euro dafür blechen).

Jedoch der Erfolg war bescheiden: erstmal scheint der Trichter die Waage zu irritieren. Sie findet nicht so recht zum Tara-Gewicht. Und dann sammelt er nicht wirklich perfekt alle Kaffeereste auf. Nach dem Mahlvorgang klebt etwas Pulver an ihm dran, was wieder entfernt werden muss… am Ende hat man jede Menge „Folgefehler“. Gar nicht zu erwähnen das Handling: neben dem Leveler und dem Tamper habe ich nun ein drittes Teil für das Espresso-Orchester, um meinen Wohnzimmerbesuch zu beeindrucken. Ein bißchen too much, das geht besser.

Besser: der Löffeltrick

So besann ich mich auf das eigentliche Problem: der Auslass des Mehls. Hätte Eureka auf die Voice of the Customer gehört, hätte ich ihnen gleich gesagt, dass der Auslass steiler nach unten deuten muss. Vermutlich werden sie das demnächst ändern, meinen auch die Kaffeemacher. Und bis dahin wird vielleicht irgendein Schlauberger auf Ebay seine selbst gedruckten Kunststoffaufsätze an den Mann bringen (wie bei der Rancilio Silvia und ihrem vermaledeiten Auslass für das Rückschlagventil). Doch bis dahin lautet für mich die einfachste und praktischste aller Lösungen: man verwende einfach einen Löffel, der eh bei den meisten Benutzern in der Nähe herumliegt.

Während die Eureka so vor sich hin mahlt, hält man einfach den Löffel in die Luft vor dem Auslass und kann so ganz elegant das herausfliegende Kaffeemehl schon während dem Mahlen in alle Ecken des Siebs dirigieren. Die Waage ist nicht beeinträchtigt, da sie nicht berührt wird und das Ergebnis ist ein perfekt gefüllter Siebträger. Als Nebeneffekt kann man sich das Leveln gleich sparen und muss nur noch Tampern. Diese Vorgehensweise empfiehlt sich also auch für andere Mühlen, die einen hübschen Berg in der Mitte des Siebträgers produzieren. Geht doch nichts über Handarbeit. Und die 8 Sekunden Aufmerksamkeit ist es mir Wert, denn in dieser Zeit kann man eh nichts anderes machen.

Optional: Wasser gegen die Elektrostatik

Der Löffeltrick gerät an seine Grenzen, wenn man Bohnen mahlt, deren Mehl elektrostatisch aufgeladen ist. Das wird durch die Mühle selbst verursacht und tritt vor allem bei niedriger Luftfeuchtigkeit, also im Winter auf. Völlig verhindern kann man das nicht, aus gutem Grund gibt es in der verarbeitenden Industrie Firmen, die sich ausschließlich mit diesem Thema befassen. In unserem Fall und für den Hausgebraucht hilft ein weiterer bewährter Trick: man gibt 2 bis 3 Sprühstöße aus dem Wasserverstäuber auf die Bohnen im Bohnenbehälter und nach ein paar Stunden ist die Feuchtigkeit soweit angehoben, dass das Mahlen wieder ohne Probleme klappt.

Fazit: mit dem Löffeltrick (und zur Winterzeit mit dem Wasserverstäuber) ist diese Mühle quasi disruptiv. Für etwas mehr Geld als eine Mühle ohne Waage und mit ein wenig Aufmerksamkeit während des Mahlens erhält man ein Gerät, das vermutlich zum neuen Standard für alle Homebaristas wird!

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