Im Test: Caro Kaffee Normal vs. Extra Kräftig

von Mo

Seit Großmutters Zeiten gibt es Caro Kaffee. Jetzt ist die Version „Extra Kräftig“ erhältlich, die auch extra viel kostet. Wir haben verglichen und soviel sei verraten: Nestlé zieht uns über den Tisch, dass es qualmt!

Caro Kaffee in der Fastenzeit

Der Hersteller Nestlé spricht zwar lieber von „Landkaffee“, aber letzten Endes wird das Pulver im Volksmund wie ein einziges Wort ausgesprochen, nämlich „Carokaffee“. Eine herstellerneutrale Bezeichnung für das Getränk lautet „Muckefuck„, was aber heute niemand mehr verwendet, da die etwas anstößige Verwechslung mit dem englischen Schimpfwort naheliegt. Oder man verwendet die technische Variante „Kaffeesurrogatextrakt“. Mir persönlich fällt kein Grund ein, Muckefuck zu trinken (diesem Barista ebenfalls nicht). Meiner Freundin aber schon.

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Zweimal im Jahr ist Fastenzeit angesagt und zwar in der Adventszeit sowie vor Ostern. Jeder brave Christ wählt freiwillig den oder die Laster aus, auf die er in der Fastenzeit verzichten möchte. Da unser Haushalt aus Kaffeejunkies besteht und Alkohol bei meiner Freundin keine Rolle spielt, musste es also der Verzicht auf Kaffee sein. Für mich als Heide und frisch ausgebildeten Barista ist das natürlich dumm gelaufen: jetzt muss ich nicht nur mit der Espressomaschine hantieren, sondern parallel dazu noch mit dem Wasserkocher. Aber wozu habe ich gelernt, 6 Kaffeegetränke in 6 Minuten zuzubereiten? Da ist der zusätzliche Muckefuck doch wohl ein Klacks. Ein erster Versuch, das Prozedere zu vereinfachen, ging leider schief. Ich dachte mir, warum nicht einfach das Pulver direkt in den Siebträger geben und einen schönen Muckepresso brühen? Leider ging das unter Zischen und Dampfen gründlich in die Hose. Das Pulver löst sich viel zu schnell auf und am Ende hat man im Siebträger einen Saustall angerichtet. Warum das so ist, erkläre ich im Kapitel weiter unten.

Wieviel Caro Kaffee als Ersatz für Espresso?

Und da komme ich auch schon zur eigentlich vorgesehenen Zubereitungsart für Caro Kaffee: er wird einfach nur mit kochendem Wasser übergossen, einmal kräftig umgerührt und fertig ist das Kaffeeersatzgetränk. Zu Beginn der Fastenzeit gönne ich der Liebsten drei gehäufte Espressolöffel mit Pulver auf etwa 100ml Wasser. Gegen Ende muss die Dosis erhöht werden und sie braucht schon fast sechs Löffelchen für den Getreidekick! Besonders, wenn der Caro Kaffee als Grundlage für einen Muckeccino dient. Hierbei wird der Ersatzkaffee mit Milchschaum aufgefüllt. Gegen Milch setzt er sich aber geschmacklich nur schwer durch. Ähnlich wie ein heller Arabica Espresso, der das beim herkömmlichen Cappuccino auch nicht schafft. Etwas stärkeres muss also her, oder mehr Pulver, oder beides. Und dann kam der Zufall ins Spiel…

Der Vergleich: Caro Kaffee Normal vs. Extra Kräftig

Beim Stöbern im Supermarkt stießen wir vor kurzem auf eine Neuigkeit: Caro Kaffee in der Version „Extra Kräftig“. Wow, genau, was wir jetzt brauchen – je intensiver umso besser! Nestlé hat seinem neuen Produkt auch gleich eine neue Verpackung gegönnt. Das Pulver wird nun in einem schweren Glas mit Schraubdeckel aus Kunststoff verkauft statt in der Pappkiste mit Plastikdeckel. Und auch der Preis wurde in die Höhe geschraubt, man gönnt sich jetzt statt 17,45 EUR für die normale Version stolze 23,27 EUR für die Version „Extra Kräftig“ (Kilopreis bei Rewe)! Das ist ein Aufpreis von exakt 33,35%, also von einem Drittel. Ganz schön sportlich von Nestlé, damit stieg die Erwartung an den Geschmack selbstredend ebenfalls um ein Drittel…

Zu Hause folgte der Test auf den Fuß. Beim Öffnen des Caro Kaffee Extra Kräftig im Glas fiel auf, dass das Pulver eine andere Konsistenz hat, als die normale Version. Anstatt fein und mehlartig zu sein ist es eher grob und stückig. Es wirkt eher so, wie die seit Urzeiten erhältlichen Getränkepulver in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Geruchlich gibt es keinen Unterschied zwischen beiden Versionen.

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Aber nun zum Aufguss! Als Barista besitze ich natürlich eine digitale Feinwaage und die kam nun zum Einsatz. Denn schließlich wollten wir einen direkten Vergleich starten und dafür brauchten wir exakt die gleiche Gewichtsmenge Pulver. Das Pulver der neuen Version ist voluminöser und daher wäre ein Abmessen per gehäuftem Löffel nicht korrekt gewesen. Auch das verwendete Wasser wird in der Espressotasse direkt auf der Feinwaage abgewogen und im Resultat erhalten wir also zwei genau gleiche Caro-Espressi mit der selben Menge an Pulver und Wasser.

Beim Aufgießen fielen uns sofort zwei Dinge auf: das neue Pulver löst sich schlechter und es erzeugt weniger Crema bzw. Schaum. Den nun folgenden Geschmacksvergleich haben wir uns sehr spannend vorgestellt, er war es aber nicht: beide Caro Kaffee Versionen schmecken identisch! Noch schnell einen Blindtest gemacht: immer noch identisch. Hätte die neue Version stärker geröstete Inhaltsstoffe im Ausgangsgetränk gehabt, würde man das nun merken. Aber leider Fehlanzeige.

Die Auswertung des Tests

So richtig überrascht waren wir natürlich nicht… als kritische Konsumenten fiel uns schon vor dem Geschmackstest beim vergleichen der beiden Verpackungen einige Ungereimtheiten auf:

  • Die Angabe der Inhaltsstoffe und die Tabelle der Nährwerte ist identisch. Um es nochmal deutlich zu sagen: alles ist wirklich gleich. Egal ob kcal, Fett, Eiweiß, Ballaststoffe, enthaltene Getreideanteile… alles identisch.
  • Die Zubereitungsempfehlung des „Extra Kräftigen“ Pulvers unterscheidet sich nur insofern, als dass man dem Kunden eine größere Menge Pulver empfiehlt als in der normalen Version. Ganz schön klug: mehr Pulver gleich kräftigerer Geschmack, das leuchtet ein!

Wir haben mal ein wenig herumgesponnen und uns folgenden Dialog ausgedacht, wie er sich so oder so ähnlich bei Nestlé abgespielt haben muss:

„Leute, wir müssen die Preise erhöhen! Die Rohstoffe werden teurer, Kredite kosten wieder was, unsere Boni wollen finanziert werden und die Inflation erledigt den Rest. Wie wäre es mit einer Erhöhung um 33%?“

„Prima Idee, Chef. Ich hätte da auch ein paar Ideen für unser Caro-Pulver, damit der Kunde die Preiserhöhung nicht sofort merkt. Wir sollten als Erstes die Menge pro Verpackung ändern und weniger hineinfüllen. Dazu nehmen wir ein älteres Herstellungsverfahren und sparen uns das Feinmahlen des Pulvers. Das kommt uns billiger und das Pulver bleibt voluminöser.“

„Klasse! Noch mehr Ideen?“

„Klar, wir nehmen eine kleinere Verpackung aus Glas! Transparenz ist doch in Mode. Die Verpackung enthält dann zwar ein Viertel weniger Pulver, sie ist aber gleichzeitig viel schwerer als früher und sieht gut gefüllt aus. So hat der Kunde wirklich was in der Hand.“

„Gibt es irgendwelche Nachteile?“

„Nun ja, die neue schwere Verpackung ist weniger umweltfreundlich in der Herstellung. Die Transportkosten erhöhen sich. Und das Pulver wird sich schlechter auflösen als früher. Schaum erzeugt es auch nicht mehr.“

„Ok, Leute, damit muss der Kunde leben. Somit wäre das also beschlossen: wir verkaufen unseren Caro Kaffee ab jetzt in einer neuen Variante zu einem höheren Preis. Dafür erhält der Kunde ein schlechteres Produkt, aber dafür in einer schicken Verpackung!“

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Woraus besteht das Pulver von Caro Kaffee?

Der einzig wirklich sichtbare Unterschied zwischen den beiden Caro Kaffee Sorten besteht in der Konsistenz des Pulvers. Die altbekannte Version hat ein sehr feines Pulver, eher schon Mehl und löst sich in nullkommanix auf. Die neue Version ist verklumpter und benötigt daher länger, um sich aufzulösen. Dazu kommt, dass sie beim Übergießen mit kochendem Wasser keine Crema bildet. Da der Geschmack und die Inhaltsstoffe vollkommen identisch sind, hat man sich vermutlich nur das Feinmahlen des Sprühgetrockneten Caro Kaffees gespart. Weiter unten im Glas haben sich die feinen Teilchen angesammelt und sie sehen dem herkömmlichen Caro Kaffee doch verdammt ähnlich!

Zur Herstellung von Caro Kaffee wird vermutlich eine Art der Sprühtrocknung angewendet. Man brüht also den Muckefuck aus geröstetem Getreide und Zichorie auf und zerstäubt dann die Flüssigkeit mit Druck in einem Strom aus heißer Luft. Das Wasser verdampft und zurück bleibt das mehr oder weniger feine Pulver. Wie das funktioniert, ist auf Wikipedia gut beschrieben. Die Antwort auf die Frage, woraus das Pulver von Caro Kaffee denn nun besteht, lautet also: aus den gelösten Feststoffen des bereits aufgebrühten Getreidekaffees. Deswegen ist es sehr konzentriert und kann mit Hilfe von Wasser wieder zu einem Getränk in der gewünschten Stärke (bzw. Konzentration von Feststoffen) zurück verwandelt werden. Hex hex!

Beim Preis macht Nestlé dann auch noch „hex hex“ und schon wird uns altes Pulver in neuen Verpackungen verkauft. Ein seit Urzeiten praktizierter Brauch.

Ab in den Einkaufswagen

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