Segeln auf der Ostsee 12: Skanör und nicht weiter

„Ich bin immer noch in Skanör. Gestern morgen habe ich entschieden, nicht mehr weiter nach Osten zu fahren. Wie ich vorgestern schon geschrieben habe, ist das bis jetzt nicht der Urlaub, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Bei der Streckenplanung habe ich mich wohl verschätzt. Zwar wären die Etappen alle machbar, allerdings würde es dann im bisherigen Stil weitergehen: Hafen – Segeln – Hafen. Das ist mir zu eintönig und auch zu anstrengend. Dazu kommt der Druck, immer eine gewisse Strecke fahren zu müssen.

 

Jetzt sieht es also so aus, dass ich hier auf Tristan warte, der in ein paar Tagen kommen wird. Wir fahren dann gemeinsam wieder Richtung Dänemark. Heute hat Jürgen den Bus nach Kopenhagen genommen und er fährt dann mit der Bahn weiter in Richtung Frankfurt. Es war super, ihn die ersten zwei Wochen dabei zu haben, habe viel gelernt! Ulli ist auch schon informiert, leider ist er der einzige mit gebuchtem Flug, das tut mit natürlich leid. Aber so sieht er auch noch etwas vom Land :-)

Ansonsten ändert sich an den Crew-Wechsel Terminen erstmal nichts. Nur der Ort ist eben nicht mehr Schweden, sondern Dänemark. Dort kann man auch schön zwischen den Inseln herumfahren und alles liegt dichter beisammen.

Hier in Skanör ist es sehr schön, geradezu „hyggelig“. Es gibt zwei Sandstrände mit weißem, feinem Sand und sogar das Wasser ist teilweise türkisfarben (trotz dem Algenteppich weiter draußen!). Die Toiletten und Duschen sind gut und auch WLAN ist vorhanden. Es gibt zwei Fischgeschäfte und eine Räucherei mit Restaurant und der Fisch schmeckt ausgezeichnet. Wer original rundes, schwedisches Knäckebröd möchte, kann mir jetzt noch Aufträge zum Mitbringen geben.

Gestern Abend hat es im Hafen ganz gewaltig gepfiffen mit gut 7 Windstärken. Die waren so nicht vorhergesagt. Aber es regnet nicht und kalt ist es auch nicht. Da mein Boot hier direkt an der Sliprampe liegt (wo man Boote ins Wasser lässt), habe ich eine Terrasse mit prima Aussicht. Hier legen alle Jollenfahrer und auch die Motorboote vom Trailer an und ab. Ausserdem gibt es bestes Hafenkino, wenn mal jemand (so wie ich) mit zu viel oder zu wenig Schwung anlegt und dadurch ein gewisses Leben ins Hafenbecken bringt…

So, ich warte dann jetzt auf Tristan, werde mir mal ein Fahrrad leihen und über die Halbinsel radeln und ansonsten das gute Wetter am Strand genießen!“

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Nach viel Grübelei hatte ich mich einen Tag nach unserer Ankunft entschlossen, die Reiseplanung der Realität anzupassen… Es wäre einfach idiotisch gewesen, weiter die schwedische Küste entlangzusegeln, wenn ich doch genau wüsste, dass mit jedem Tag und jeder weiteren Seemeile der Druck wachsen würde, die selbe Strecke wieder zurück fahren zu müssen. Zwar hatte ich für den längsten Teil des Weges immer einen Mitsegler organisiert. Allerdings wäre im Falle einer Weiterfahrt gegen Ende des Törns ungefähr zwei Wochen Einhandsegeln angesagt gewesen. Und das habe ich mir zu diesem Zeitpunkt einfach nicht zugetraut.

Auch wenn das jetzt für Ulli bedeutete, von Stockholm aus eine längere Strecke mit der Bahn zurück zu meinem nächsten Liegeplatz zu fahren (750 Km), als es der direkte Weg von daheim zu mir gewesen wäre (700 Km), es half nichts. Aus Fehlern wird man klug, und so werde ich zukünftig bestimmt keine festen Orte oder Termine für den Crewwechsel mehr einplanen.

Kaffee vom Café Wacker in Frankfurt

Neulich hat der Hessische Rundfunk im Abendprogramm doch tatsächlich mal keine Volksmusiksendung gebracht, sondern eine Reportage über Frankfurter Familienbetriebe. Unter anderem ging es um das Café Wacker, wo seit 1914 Kaffee geröstet, gemahlen und verkauft wird.

 

Natürlich wurde der Kaffee in dem Bericht hoch gelobt und ob seiner Einzigartigkeit förmlich auf ein Podest gehoben. So ist das immer, wenn über einen lokalen Betrieb berichtet wird, ist doch klar. Diesen Superkaffee musste ich also am nächsten Samstag gleich ausprobieren gehen.

Das Café Wacker befindet sich gleich gegenüber vom Parkhaus an der Hauptwache, nämlich am Kornmarkt. Von außen betrachtet ist es reichlich unspektakulär. Das einzige, was auffällt, ist die lange Schlange von Menschen, die hier für ihren Kaffee ansteht. Und da sind wir auch schon gleich beim Knackpunkt: die Bedienung hinter der riesigen Espressomaschine arbeitet zwar schnell und effektiv, was ihr hoch anzurechnen ist. Mehr als einen normalen Standard-Espresso erzeugt sie aber leider nicht. Eigentlich hatte ich die Hoffnung, hier einen dieser seltenen Orte zu finden, wo Cafè so wie Italien, also mit einer nussigen Note, extrahiert wird. Tja, leider nicht. Es liegt bestimmt nicht am Kaffee oder an der Maschine. Ich denke einfach, dass hierzulande die Bedienung der Geräte nicht richtig beherrscht wird. Es sind viele Faktoren, die einen guten Kaffee bestimmen und die man als Barista den äußeren Gegebenheiten wie z.B. der Luftfeuchtigkeit angleichen muss. Das weiß ein Bäcker, der Mehl verarbeitet und genauso weiß das ein Barista, der mit Kaffeepulver hantiert. Nur ein normaler Thekenmitarbeiter, den man vor eine solche chromblitzende Espressomaschine stellt, der weiß das nicht.

Wirklich außergewöhnlich ist die Tatsache, dass man hier frisch gemahlenes Kaffeepulver auch in kleinen Portionen à 125 Gramm verkauft. So kann man mehrere Sorten probieren und muss nicht ein halbes Jahr lang von der 500 Gramm Packung zehren, die man sonst üblicherweise aufgeschwatzt bekommt. Ich habe mich für die Sorten „Espresso II“ und „Costa Rica“ entschieden, beides als relativ grob gemahlener Kaffee für den Einsatz in der Mokka-Kanne. Nachdem ich beide Sorten in der Bialetti ausprobiert habe, kann ich hier nur ein Lob loswerden: die beiden Kaffees sind wirklich um Längen besser als der sonst von mir bevorzugte Espresso von Lavazza. Möglicherweise liegt es am Mahlgrad, vielleicht auch an der Frische. Es ist jedenfalls eine Freude, dem sprudelnden Mokka beim Brühen zuzuschauen. Er bildet sogar in der Kanne eine schöne Crema… was will man mehr.

Segeln auf der Ostsee 11: Von Rödvig nach Skanör

„Wir sind jetzt seit gestern offiziell in Schweden. Und zwar in Skanör, das ist der kürzeste Weg rüber über den Sund zwischen Dänemark und Schweden. Dummerweise liegt dort auch ein überdimensionales Verkehrstrennungsgebiet. Das ist so eine Art Autobahn für die Berufsschiffahrt und dort hat es sogar einen Kreisverkehr.

 

Dieser Kreisel misst ca. 4 Seemeilen. Bis man dort mit 4,5 Knoten durch ist, das dauert fast eine Stunde. Immer mit dem flauen Gefühl, ob nicht irgendwo noch ein Tanker auftaucht. Denn die Riesendinger fahren so schnell, dass sie schwer einzuschätzen sind. War aber alles gut.

Nur das Wasser ist immer trüber geworden. Erst haben wir es für abgelassene Scheiße gehalten. War aber „bloß“ Algenwuchs. Überall, wie ein Teppich. Und Mücken auf dem Wasser ohne Ende. Zum Glück im Hafen nicht. Heute hatten wir Glück: ein Mann hat im überfüllten Hafenbecken auf eine kleine Lücke ganz am Ende gedeutet und dort haben wir uns in Zeitlupe reingezogen, ohne Motor. Das geht prima. Später haben wir dann zugesehen, wie die Päckchen immer größer wurden. Jetzt liegen uns gegenüber zwei 7er Päckchen. Man muss also im Extremfall über 6 Boote steigen, um an Land zu kommen. Scheint wohl noch Hochsaison zu sein….

Vorgestern war es etwas schwieriger. Auch Rödvig war schon voll und so sind wir wieder längsseits im Päckchen zu einem Norweger gegangen. Später meinte der dann, es wird morgen recht früh werden, sie wollen die Klippen von Mön bei Sonnenaufgang erleben. Also haben wir nachts um 4 Uhr die Boote mit Leinen herumrangiert. Ich hätt kotzen können. Ging aber gut. Die Klippen konnten die gar nicht bei Sonnenaufgang erreichen, denn die Entfernung ist zu weit und die Sonne geht schon vor 5 Uhr auf. Wirklich Deppen.
Heute lagen wir hier in Skanör und sind nicht gesegelt. Mir ist die ganze Hetzerei zu stressig. Immer von Hafen zu Hafen ohne irgendwas zu sehen. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Also wird morgen mal Urlaub gemacht. Demnächst werde ich es öfter so machen.“
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Windstille mitten im Öresund. Mücken auf dem Wasser, Mücken in der Luft, Mücken am Segel und sogar Mücken zwischen den Zähnen! Es war grauenvoll und wir hofften, dass es im Hafen besser ist. Zum Glück war es auch so, andernfalls wäre es unerträglich geworden. Warum nur beginnt ab Dänemark der skandinavische Mückenwahnsinn? Was haben die hier, was die Mücken glücklich macht? Wenn die jetzt auch noch auf die Idee kommen würden, zu stechen, dann gute Nacht.

Skanör jedenfalls, da lag ich nun. Falsterbo im Süden der Halbinsel, Malmö im Norden und die Brücke über den Öresund in Blickweite. Der Hafen war wirklich schön. Es gab zwei Fischräuchereien, ein Restaurant und mehrere Imbiss-Stände sowie im Städtchen einen sehr guten Supermarkt. Hier war Leben, ganz anders als in den meisten anderen Häfen, die ich noch anlaufen sollte. Ein riesiger Sandstrand und eine weite Dünenlandschaft gleich nebendran. Skanör machte den Eindruck, das Kronberg oder das Schwabing der Schweden zu sein. Wo sonst fährt der Hafenmeister einen Porsche?

Kulinarisch armes Dänemark

Freunde des hohen Nordens schätzen oft ganz besonders Dänemark. So richtig erklären können sie es nicht, aber sie begründen ihre Einstellung schnell mit der vielgerühmten „hyggeligkeit“ und den überall zu bekommenden Pölsern. Im Prinzip ist hiermit alles Wissenswerte über Dänemark gesagt. Ich vermute mal eher, dass die Freunde des Nordens nicht sehr wählerisch sind und einfach in das nächstbeste skandinavische Land rennen und das ist von Deutschland aus gesehen nun einmal Dänemark.

 

Es ist tatsächlich so, dass die kleinen Inseln, die kleinen Häuschen, die kleinen Segelboote und das alles sehr hyggelig wirken, also gemütlich und stressfrei. Und ebenfalls stimmt es, dass man an jeder Ecke Pölser kaufen kann, also labberige Hotdogs und Bratwürste. Aber das war es dann auch schon mit den erwähnenswerten Dingen, denn ansonsten ist hier tote Hose. Es gibt keine Restaurants. Es gibt keine Imbiss-Stände, die etwas anderes außer Pölsern, Spaghetti, Hamburgern und Pizza anbieten. Es gibt keinen Fisch, obwohl das ganze Land von Meer umgeben ist. Sie verkaufen ihn lieber gleich nach England, wo er in Panade gehüllt, in Fett frittiert und schließlich in Essig ertränkt wird. Und es gibt noch nicht einmal knusprige, schmackhafte Brötchen zum Frühstück. Es ist traurig. Auch die Selbstversorgung im Supermarkt führt nicht weiter. Das Grillfleisch ist von schlechter Qualität, es ist knorpelig und trocken. Die Wurst, der Käse, das Brot… es schmeckt einfach wie ein schlechter Abklatsch von dem, wie es sein sollte. Und damit meine ich jetzt nicht unbedingt die deutschen Lebensmittel, die ich besser finde. Man schaue sich nur einmal um in der Welt: Die Franzosen können zum Beispiel Käse. Die Polen können Wurst. Die Italiener können Pasta.
Was aber können die Dänen?

An diese persönliche Erfahrung muss ich jedes Mal denken, wenn im Fernsehen wieder eine gastronomische Doku über Kopenhagen läuft, der Stadt mit den meisten Sternerestaurants der Welt. Es mag ja alles stimmen, und das aktuell sehr gehypte „Noma“ mit seinen frischen Kräutern ist sicherlich noch ein bis zwei Jahre einen Bericht Wert (zumindest solange, bis die aktuelle Mode auch von dieser Art der Küche wieder genug hat, siehe das El Bulli mit seinen Molekularschäumen, das interessiert heute niemanden mehr). Aber danach fällt die kulinarische Kurve steil nach unten. Verlasse Kopenhagen und finde dich damit ab, an einer Tankstelle genauso gute Würstchen zu bekommen wie an einer x-beliebigen anderen Frittenbude. Es gibt hier einfach keine Restaurantkultur. Es gibt keine „Gut Bürgerlichen Restaurants“, wo man die 10 nationalen Standardgerichte bekommt. Und selbst die ausländische Küche findet hier nur in Form von Pizza- und Gyrosbuden mit Plastikmobiliar statt. Einen guten Italiener? Einen guten Thai? Leider nein.

Na gut. Zur Ehrenrettung hier nun die drei Speisen, die man in Dänemark probiert haben sollte:

Frokost
Man nehme eine Scheibe Toastbrot, lege sie auf einen Teller und häufe dann alles darauf, was einem einfällt. Frokost-Teller sind die einzige Möglichkeit, an etwas Fischiges zu kommen (zumindest in den Hafenstädtchen). Es gibt sie tatsächlich auch in lecker, und zwar zum Beispiel im „Café Razz“ in Middelfart an der Hafenmole. Dort besteht so ein Teller aus gebratenem und frittiertem Fisch sowie einem halben Kilo Krabben obendrauf, das ganze noch garniert mit Potatoe Wedges und Salat. Allerdings wird auch hier nicht gezaubert: die Krabben sind aus der Dose und der panierte Fisch aus der Tiefkühltruhe, was sich leider im Preis nicht bemerkbar macht. Aber es schmeckt.
Frokost heißt eigentlich „Frühstück“, meint aber eher Mittagessen und daher gibt es das nur vom Vormittag bis zum späten Nachmittag. Kommt man also zu spät, muss man mit dem Rest der Speisekarte vorlieb nehmen (Spaghetti, Burger… siehe weiter oben).

Frühstücksgebäck
Das Beste, was Dänemark kulinarisch zu bieten hat. Butterige, knusprige, blätterige, auch nach 24 Stunden noch wie frisch schmeckende Stückchen! Die Geschmacksrichtung spielt keine Rolle. Ob mit Schoko, Marmelade, Vanille oder Zimt. Das Zeug ist die Wucht. Vollkommen rätselhaft, wie sich hier im Backbereich eine so gute Qualität durchsetzen konnte. Ansonsten essen die Dänen ja auch alles Minderwertige, was man ihnen vorsetzt. Tschuldigung, es isso. Nicht umsonst zählen sie zu den überfetteten Nationen und mussten 2011 eine Fettsteuer einführen. Übrigens: das Gebäck gibt’s auch an jeder Tanke, in gleich hoher Qualität. Und warum schmeckt das so gut? Na, wegen der Butter!

Räucherfisch
Nach sechs Wochen Segeln in dänischen Gewässern gab es tatsächlich nur einen einzigen Hafen, wo ein Fischer seinen frisch gefangenen Fisch selbst geräuchert und zum Kauf angeboten hat. Er schmeckte hervorragend! Selbst nach einigen Tagen in der nicht so doll kühlenden Kühlbox war er noch lecker. Leider hat es sich unter seinen Fischerkollegen noch nicht herumgesprochen, dass man den Fisch auch an Touristen direkt verkaufen kann, anstatt ihn beim nächsten Großeinkäufer für einen Bruchteil des möglichen Erlöses abzuladen. Noch getoppt wurde der dänische Räucherfisch allerdings vom schwedischen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Wem das jetzt alles zu miesepetrig beschrieben ist, der lese hier eine positive Beschreibung von echten Dänemark Fans.

P.S.: ich selber habe neulich auch Dänemarks schöne Seite kennen gelernt: Aarhus überzeugt.