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Im Test: Hamburger für die Mikrowelle aus der Kühltheke von REWE

Für den kleinen Hunger bietet REWE in der Kühltheke einen fix-und-fertig Hamburger an, der nur noch kurz in die Mikrowelle muss. Wie lecker ist das?

Genau genommern handelt es sich um einen „Royal Cheese – Mit allem komplett was du siehst“, was mich unweigerlich an Pulp Fiction denken lässt. Es ist also ein Cheeseburger, bei dem der hungrige Kunde an das Vorbild von McDonald’s denken soll.

Er enthält tatsächlich ziemlich viel Käse. Alles andere macht sich rar. „Komplett mit allem, was du siehst“ bedeutet, dass man bis auf den plastikgelben Schmelzkäse und das Rindfleisch-Patty eigentlich überhaupt nichts sieht. Gut versteckt fliegt noch irgendwo eine Gurkenscheibe herum und die Senf- und Ketchupsauce hat sich bereits heimlich in die Brötchenkrume verzogen. Da es sich nur um Spurenelemente handelt, habe ich den Burger zunächst einmal aus seiner Schachtel befreit und mit Tomate, Gurke, Salat und Zwiebeln aufgehübscht. Dazu noch ein Klacks Sauce obendrauf und so konnte man dieses Industrieprodukt von weitem tatsächlich für einen Hamburger halten.

Dabei habe ich schon den ersten Fehler begangen: laut Anleitung soll die Schachtel, originalverschlossen wie sie ist, für 90 Sekunden in die Mikrowelle gestellt werden. Aber es geht auch mit bereits geöffneter Schachtel, wobei das Öffnen nicht ganz trivial ist, wie schon der JunkFoodGuru in seinem Video festgestellt hat. „Pling“ – und schon ist er fertig. Wie schmeckt er denn nun, der „Royal with Cheese“? Kurze Antwort: langweilig! Selbst mit meinem Tuning obendrauf kommt er nicht über allgemeines Geschmackseinerlei hinaus. Man schmeckt sehr wenig vom Rind (es hätte auch Schwein oder Tofu sein können) und den anderen Zutaten. Etwas kräftigeres Anbraten hätte dem Patty sehr geholfen und eine intensivere Sauce wäre auch nicht schlecht gewesen. Erschwerend kommt hinzu, dass der untere Burger-Bun komplett durchgeweicht ist und das Festhalten damit nicht zum Spaß wird. Der größte Teil des Schmelzkäses hat sich derweil in der Schachtel verteilt. Schade drum, denn im Prinzip mag ich diesen Brabsch. Oder wie drückte es ein Kommentator unter einem der Youtube Videos aus: „Ich esse gerne Müll“. Aber dieses Ding scheitert geschmacklich und visuell auf ganzer Linie.

Ursprünglich hatte ich ja gehofft, der Burger würde ähnlich schmecken wie der von Bofrost aus meiner Jugend. Selbstverständlich war das ein ähnlich versautes Industrieprodukt, dazu noch tiefgekühlt. Doch was die Food-Designer von Bofrost vor zwanzig Jahren schon auf die Beine gestellt hatten war zwar sehr puristisch – aber geschmacklich allemal besser als diese Variante aus der Kühltheke. Kurz mal recherchieren, ob es den heute noch gibt… nein, zumindest nicht im Online Katalog.

Beim Hersteller dieses Burgers handelt es sich um die Firma Abbelen aus Tönisvorst. Sie bieten schon seit geraumer Zeit diverse Burger-Varianten an. In diesem Fall eben in neutraler Verpackung für REWE, aber es gab ihn auch schon bei anderen Supermärkten und Discountern. Hier lautet der Name der Fantasiemarke „Time 4 Taste“, aber wer ein wenig googelt, stößt auch auf frühere Bezeichnungen wie „Tasty Box“ und was nicht alles. Zu den Nährwertangaben gibt es nicht viel zu sagen, außer dass der Fettanteil mit nur 12% erstaunlich gering ist. Ein abgepacktes Sandwich hat in der Regel doppelt so viel Fett.

Segeln auf der Adria 40: Abschied von Zelda

Ein Boot ist ja kein „Ding“ sondern wird von seinen Besitzern gerne mythisch aufgeladen. Ganz so schlimm ist es bei mir nicht, jedenfalls vermute ich in diesem Gemisch aus glasfaserverstärktem Kunststoff und Holz keine Seele. Dennoch habe ich mich nicht nur mit einem lachenden, sondern auch mit einem weinenden Auge im Herbst 2020 von meiner Zelda getrennt.

Der vergangene Sommer war der vorerst letzte Törn auf eigenem Kiel. Es war ein sehr schöner Segelsommer, über den ich allerdings nichts mehr geschrieben habe. Über den davor auch nicht, aber das hatte andere Gründe. Die Themen, über die man schreiben kann, bleiben im Wesentlichen die gleichen und so habe ich die Saison einfach genossen in meinem kleinen Heim. Jedes Jahr verbringe ich hier 6-8 Wochen, das prägt sich ein. Schon seit einer Weile reifte allerdings der Gedanke in mir heran, dass es an der Zeit wäre, auf anderen Segelbooten mehr Erfahrung zu sammeln. Auch in anderen Revieren als der Adria. Natürlich hätte ich meine Zelda einfach in ein anderes Revier überführen können. Auf dem Wasser oder über Land. Aber andere Themen würden sich nicht in Luft auflösen, nämlich die hohen laufenden Kosten und die mangelnde Abwechslung. Schließlich soll nicht nur der Skipper glücklich sein, sondern auch die Kapitänin. So kam einiges zusammen und der Entschluss fiel, mein gutes Boot zu verkaufen.

Preislich muss man im Mittelmeer Abstriche machen. Wenn der Verkauf einigermaßen flott über die Bühne gehen soll und man nicht noch ein weiteres Jahr Liegegebühren zahlen will (und die machen in meinem Fall knapp ein Drittel vom Wert des Boots aus!), dann muss man eben im Preis nachgeben. Gedacht, getan. Und so fand meine Zelda im Herbst ihren neuen Besitzer. Hätte das nicht so schnell geklappt, wäre ich wohl in eine der Trockenmarinas im Umland ausgewichen (bei Pirovac ist ein sehr aktiver Anbieter), aber der Verkauf war am konsequentesten. Sparen hätte ich mir die teuren Verkaufsanzeigen in diversen Online- und Printmedien. Also das, wo ich damals vor 8 Jahren beim Kauf noch fleißig recherchiert habe. Das war alles für die Katz, denn in den „alten“ Medien erhält man heute nur noch sehr wenige Anfragen. Am erfolgreichsten war Ebay Kleinanzeigen. Das kostet bis auf das hin und wieder nötige nach oben Schieben nichts und die Reichweite ist riesig. Auch der Kontakt zum neuen Besitzer kam auf diesem Wege zustande. Mein Boot wird in der jetzigen Gegend bleiben und dem neuen Skipper auf seinen entspannten Törns sicherlich eine Menge Freude bereiten. Genau so, wie es auch bei mir war. Meine eigene Planung wird nun zum einen in Richtung Norden gehen. Also zum Beispiel ins Ejsselmeer oder in die Ostsee. Auf dem Ejsselmeer habe ich im Herbst 2020 erst noch schnell die SKS-Praxis absolviert, aber das ist ein anderes Thema. Doch dem Mittelmeer werde ich ebenfalls treu bleiben und vielleicht Griechenland einen Besuch im Herbst 2021 abstatten. Wenn es die Corona-Lage zulässt. Jedenfalls alles ganz nach Lust, Laune und Möglichkeiten zum jeweiligen Zeitpunkt. Langfristiges Planen geht zur Zeit eh nicht, also wird sich schon etwas ergeben.

In nicht ganz so weiter Ferne wittere ich aber schon wieder ein neues Boot… vielleicht in paar Fuß länger und etwas wendiger und wieder im Mittelmeer. Oder eher kleiner und dafür im Binnenbereich auf den Deutschen Seen, Flüssen und Kanälen… Corona macht kreativ. Aber das hat noch Zeit.

Segeln auf der Adria 39: Kroatien im Herbst

Wie fühlt sich Kroatien eigentlich an, wenn man plötzlich im November hier ist und nicht im Sommer? Kurze Antwort: kalt und windig.

Durch den Bootsverkauf bin ich nun das erste Mal überhaupt im Herbst/Winter in Kroatien. Im Frühjahr 2019 war ich zwar auch schonmal hier, aber nur für ein paar Tage und habe das Experiment dann schnell wieder abgebrochen. Im April ist es einfach noch viel zu kalt in der Luft und im Wasser, da kommt noch kein Sommerfeeling auf. Im Herbst zwar auch nicht, aber auf diese Idee käme auch niemand. Jetzt, Ende November im Corona-Jahr 2020, ist gerade Bora-Lage. Morgens 7 Grad Lufttemperatur und Sturm. Dafür aber strahlende Sonne, wie das bei Bora so üblich ist.

„Willst du das denn wirklich machen, bei Corona in ein Flugzeug steigen?“ wurde ich gefragt. Ja, mache ich halt, war meine Antwort. Es ist fast nichts los an den Flughäfen, die Flugzeuge sind leer und ist man erstmal angekommen, bietet Kroatien mit seinen 4,2 Millionen Einwohnern genug Möglichkeiten, größeren Menschenmengen aus dem Wege zu gehen. In den meisten Fliegern sitzen nur eine Hand voll Passagiere und die Straßen, Hotels und Restaurants sind leer oder gleich ganz geschlossen. Dafür braucht es hier keine Pandemie, das ist quasi normal in touristisch geprägten Landstrichen des Mittelmeers zur Winterzeit. Was die Touristen bei den „Locals“ so schätzen, nämlich das Ursprüngliche, die vielen Ziegen, Fischer mit klapprigen Kuttern und alte Omis, die Fremdenzimmer feilbieten – das ist auch jetzt das einzige was bleibt. Nur eben ohne Touristen. Und die Omas sitzen nicht mehr auf dem Zimmer-Strich, sondern in der warmen Stube. Als „Zimmer-Strich“ bezeichne ich die Einfahrten in Ortschaften, wo alte Omis am Straßenrand stehen und Schilder mit „Zimmer frei“ hochhalten.

Das mit der warmen Stube ist so eine Sache… wirklich gerne heizen tut hier niemand und so blieb auch mein Hotelzimmer recht frisch, wäre da nicht die Klimaanlage gewesen, die ich kurzerhand zum Heizen verwendet habe.

Im Test: Beef-Brisket von Lidl

Lidl bietet in der Kühltheke momentan eine Packung „Beef-Brisket“ an. Zum Kilopreis von knapp 15 Euro erhält man ein vorgekochtes Stück Rinderbrust. Mal sehen, ob das für einen eingefleischten BBQ-Liebhaber überhaupt genießbar ist.

Was ist „Brisket“?

Das amerikanische Barbecue ist seit jeher meine Leidenschaft. Spare Ribs, Pulled Pork und andere Köstlichkeiten werden „low and slow“ auf dem Smoker zubereitet und das Fleisch zergeht einem fast von alleine auf der Zunge. Was ein „Brisket“ ist, das war mir bis vor wenigen Jahren noch kein Begriff. Der erste Kontakt zu dieser Delikatesse fand in der texanischen Hauptstadt Austin statt. Und damit eigentlich im Herzen der Brisket-Kultur. Beim Betreten des Hotels wunderte ich mich schon über das satte Raucharoma in den Fluren. Der Grund war das Nachbargeschäft, eine BBQ-Bar, die ihren Rauch wohl durch ein paar Rohre nach außen ableitete. Und etwas Rauch hat sich dann über die Tiefgarage in das Hotelgebäude geschlichen. Ich folgte also der eigenen Nase und schon standen mein Kollege und ich am späten Abend nach einem langen Atlantikflug an der Theke.

Zwei Spezialitäten hatten sie, auf die sie mächtig stolz waren: Weißbier und Brisket! Als Deutsche durften wir das Weißbier gratis testen und befanden es für gut. Und das Brisket gab es auf einem Sandwich. Abends werden in BBQ-Läden keine größeren Fleischmengen mehr verkauft. Man legt die Reste auf einen Sandwich und erst am nächsten Mittag gibt es wieder frischen Nachschub. Unter „Brisket“ konnten wir uns nichts vorstellen, aber das Fleisch war an Geschmack und Saftigkeit kaum zu überbieten. Es war ein Gedicht, ich war geflasht. Am nächsten Tag am frühen Abend standen wir wieder auf der Matte und konnten uns diesmal am Fleischbüffet bzw. aus dem „Pit“, wie der große gemauerte Grill genannt wird, bedienen.

Von Deutschland nach Texas

Wer diesen Geschmack mit seinen vielen Raucharomen einmal auf der Zunge hatte, für den liegt die Messlatte für BBQ hoch. Sehr hoch. Denn die Zubereitung von Brisket ist eine Kunst für sich und sie erfordert viel Zeit und Geduld. Also Eigenschaften, die in der Gastronomie kaum noch existieren. Dabei rede ich noch nicht einmal von teuren Ausgangsprodukten oder einem komplizierten Herstellprozess… es ist wirklich die Hingabe, es „richtig“ zu machen, die hier in Texas gelebt wird und anderswo eben nicht. Und darum schmeckt es dort so gut und anderswo eben nicht. Lustigerweise wurde die texanische Grillkultur von deutschen und tschechischen Siedlern ins Land gebracht. Aber ich schweife ab.

Hätte ich damals gewusst, dass Aaron Franklin gerade dabei war, in Austin die größte Nummer für Barbecue zu werden, hätte ich ihm vielleicht einen Besuch abgestattet. Aber so wurden wir für kurze Zeit Stammkunde in der BBQ-Bar gleich neben dem Hotel. Aaron Franklin habe ich zuvor schon erwähnt und tue es hier noch einmal: sein Buch „Das Smoker-Manifest“ halte ich immer noch für die Bibel des BBQ. Er hat sich Schritt für Schritt an die seiner Meinung nach beste Vorgehensweise für gutes BBQ herangetastet, dabei alte Bräuche hinterfragt und frischen Wind in die Szene gebracht. Dazu kommt er sympathisch rüber, man schaue sich nur seine Videoreihe auf Youtube an. Mittlerweile verkauft er sein BBQ-Fleisch nicht nur vor Ort, sondern versendet es auch in der Kühlbox für schlappe 250 USD pro Brisket. Zwar nicht nach Europa, aber zumindest innerhalb der vereinigten Staaten und das Ergebnis scheint nicht so schlecht zu sein, siehe dieses Video. Und damit kommen wir zum eigentlichen Thema des Artikels, nämlich wie man ein Brisket überhaupt so vorbereiten kann, dass man es im Supermarkt einfach mitnehmen kann wie eine Tüte Milch. Für die eiligen Leser: es geht nicht, wer hätte das gedacht. Während sich Franklin sehr genau überlegt hat, wie er das fast fertig gegarte und gesmokete Stück Fleisch seinen Kunden liefert, geht Lidl (bzw. Gustoland) einen wesentlich einfacheren Weg.

Das Lidl-Brisket

Womit haben wir es hier zu tun… zunächst einmal das Offensichtliche: das Fleisch liegt in einer Plastikverpackung zusammen mit einer leicht gewürzten Brühe und außer, dass es stundenlang gekocht wurde, ist mit diesem Fleisch nichts weiter passiert (hoffentlich). Hier wurde jedenfalls nicht gesmoked. Hier wurde nicht gerubbed, dieses Stück Kuh hat niemals den Grill von innen gesehen.

Man sollte also auf das Bild des „Serviervorschlags“ nicht allzuviel geben. Mit dem, was in der Plastiktüte steckt, hat es nichts zu tun. Obwohl doch, man kann sehen, dass wir es hier mit einem kleinen Abschnitt aus dem „Flat“ des Briskets, der Rinderbrust, zu tun haben. Das ist der magere Teil mit weniger Fett und Bindegewebe. Mein Stück hatte ein Gesamtgewicht von gut 700 Gramm. Davon muss man noch die Brühe abziehen und landet dann bei etwa 600 Gramm vorgegartem Fleisch. Zum Vergleich: ein vollständiges, rohes Stück Rindfleisch im typischen Brisket Zuschnitt, also bestehend aus den beiden Muskeln Point und Flat wiegt um die 8 Kilogramm.

So grau, wie es aussieht, erregt es noch keinen Appetit. Es schmeckt ähnlich wie Corned-Beef und besitzt auch keine Raucharomen, da es ja niemals im Smoker war. Deswegen haben schlaue Produktdesigner ein Päckchen „Rub“ beigelegt, das etwas Geschmack ans Fleisch bringen soll. Kurz dran geschnuppert und entschieden, es nicht auf das Fleisch zu geben. Stattdessen meinen eigenen Rub, eine Variante der als „Magic Dust“ bekannten Allround Gewürzmischung. Laut Anleitung soll das Teil nun für 25 Minuten bei 180 Grad Umluft in den Backofen. Was in dieser kurzen Zeit passieren soll, ist mir ein Rätsel. Zur Bildung der begehrten Kruste ist diese Zeit nicht ausreichend. Aber da sich auch nach 40 Minuten keine Kruste bilden wollte, habe ich das Lidl-Brikett, pardon, Lidl-Brisket schließlich aus dem Ofen genommen.

Durch den aufgetragenen Rub ändert sich der Geschmack ein wenig, aber er steht immer noch dem deutschen Tafelspitz näher als dem amerikanischen Beef-Brisket. Eines muss man dem Lidl-Fleisch aber lassen: es war sehr schön mürbe und gar nicht mal so trocken, wie befürchtet. Zusammen mit einer leckeren BBQ-Sauce schmeckte es sogar sehr anständig. Testweise auch mit Sahne-Meerrettich und Frankfurter Grüne Sauce probiert – ebenfalls nicht schlecht. Über die Fleischqualität kann ich nur spekulieren… der eigentliche Hersteller ist Gustoland, der wiederum zum Fleischgiganten Westfleisch gehört. Und die sind in regelmäßigen Abständen Gast in Zeitungsberichten zu prekären Arbeitsbedingungen, industrieller Tierhaltung und Wirtschaftskriminalität.

Fazit: lieber selber ein Stück Rinderbrust vom Metzger kaufen und weichkochen. Hinterher mit einem Rub versehen und im Ofen bei 200 Grad Umluft angrillen. Servieren mit BBQ-Sauce und schon hat man die eingedeutschte Variante des amerikanischen Briskets in anständiger Qualität.

Segeln auf der Adria 38: Die Schweinekreuzung bei Murter

In ganz Kroatien findet man „Sau am Spieß“. Aber nur selten bekommt man sie in Perfektion. Wer das sucht, muss der Küstenstraße in den Süden Richtung Murter folgen.

Kuba hat die Schweinebucht, aber Dalmatien hat die Schweinekreuzung! Die Jadranska Magistrala (D8) kreuzt hier auf Höhe der Insel Murter die Zubringerstraße zur Autobahn (D121/59). Eine perfekte Lage, denn hier muss so ziemlich jeder Verkehr hindurch, der zwischen Zadar und Biograd auf der nordwestlichen Seite, Murter im Südwesten und Sibenik im Südosten stattfindet. Auch die Überlandbusse, welche die Küstenstädte verbinden, legen hier für ihre Passagiere eine Pinkelpause ein.

(c) pixabay.com und openstreetmap.org

„Schweinekreuzung“ wurde sie von mir wegen der beiden Restaurants dort genannt, die den Verkehrskreisel einsäumen. Sie heißen „Kapela“ und „Marin“. Vor beiden qualmen die Schlote von stattlichen Grillhäuschen, in denen Platz für 2×3 Spanferkel gleichzeitig ist. Manchmal auch Lämmer. Es sieht ein wenig makaber aus, aber wer auch nur ein klitzekleines Bisschen den Karnivoren in sich verspürt, der muss dort eine Pause einlegen und Fleisch essen. Natürlich gibt es auch noch andere Speisen auf der Karte, aber wen interessiert das schon. Denn hier sind die Meister des Grillschweins zugange. Morgens werden sie aufgespannt, so dass spätestens ab 11 Uhr die ersten Gäste verköstigt werden können. Danach brennt das Feuer bis zum Abend, so dass ein steter Nachschub an knusprigen Kindertieren gewährleistet ist.

Auf den Teller bekommt man eine Mischung an grob zurecht gehauenen Körperteilen, es ist von allem etwas dabei. Wer ein Freund des amerikanischen Barbecues ist, wird sich hier wohlfühlen. Denn das Fleisch ist saftig und schmackhaft, mit einem Touch Smoke dabei. Hier wird schließlich auf echtem heruntergebrannten Holz gegrillt und nicht auf Kohle. Dabei entsteht knusprige Haut, die einem Freude macht. Natürlich liegen auch Knorpel, Knochen und teils recht fettige Stücke auf dem Teller. Aber mit ein wenig Messerarbeit hat man das leicht im Griff. Der Service ist freundlich und effektiv. Schnell bekommt man sein Essen serviert und wer mit deutschem Englisch ankommt oder ein paar kroatische Wörter stammelt wird gleich in seiner Muttersprache gefragt, was es denn sein darf. Hier wird nicht lange herumgefackelt, die zig Schweine wollen schließlich zügig an den Mann gebracht werden. Apropos Mann… wer den kroatischen fettbeleibten, stiernackigen Mann für eine Stereotype hält, der möge sich hier einmal unauffällig umsehen. Alles hat eben seinen Preis, auch das Schweinefest.
Aber lecker is‘ scho.

Gruß aus der Küche: Best-of Gänsebraten/Martinsgans/Weihnachtsgans

Es kursieren viele Rezepte für den perfekten Gänsebraten im Netz. Sie sind jedoch allesamt falsch!!1! Hier kommt das einzig wahre Rezept für zartes Fleisch und knusprige Haut. In echt jetzt.

Wie geht man vor, wenn man etwas leckeres Kochen will, aber zu faul ist, in eines seiner vielen Kochbücher zu schauen? Richtig, man googelt sich ein „Best of“ des jeweiligen Rezeptes zusammen. Einerseits ist es ein Segen, dass jede zweite Webseite Kochrezepte enthält. Andererseits ein Fluch, denn ein Großteil wird entweder auf lieblosen Werbeseiten von Supermärkten oder auf schlecht recherchierten Blogs von Billig-Food-Zeitschriften veröffentlicht. Es hilft also, sich seine Quellen sorgsam auszusuchen: einmal den Chefkoch durchklicken und ein paar Rezepte zum selben Thema vergleichen wäre ein Anfang. Dann private Blogs durchstöbern. Auch Youtube nicht vergessen, obwohl hier Videos inhaltlich zwischen „Hot“ und „Schrott“ direkt nebeneinander stehen. Und schließlich – denn wozu stehen die alle im Regal – nach einem gedruckten Rezept suchen. Hinterher den Querschnitt bilden und voilà, schon ist das Best-of Rezept erstellt!

Auf diesem Wege bin ich auch beim diesjährigen Gänsebraten vorgegangen. Im Wesentlichen gibt es die folgenden drei vorbereitenden Schritte und dann drei Varianten der Garmethode:

  1. Beschaffung
  2. Vorbereiten der rohen Gans
  3. Salzen, marinieren, einlegen, etc.
  4. Garen in drei Varianten:
    1. Direkt in den Backofen bei Brutzeltemperatur
    2. Vorher Kochen und dann in den Backofen
    3. Im Backofen bei Niedertemperatur, low and slow

Beschaffung

Allen Rezepten gemeinsam ist die Beschaffung und Vorbereitung der nackten Gans. Wer die Ausgabe nicht scheut, sollte sich ein lokales Federvieh vom nächsten Hof suchen. Direkt an der Quelle ist man mit ca. 15 Euro pro Kilo dabei. Viele Geflügelhändler organisieren sich ihre Gänse mittlerweile über Züchter aus Norddeutschland. So auch meiner, der tatsächlich „nur“ noch Händler ist und gar nicht mehr selbst züchtet . Hier muss man mit ca. 20 Euro pro Kilo rechnen. Bei einer typischen 5 Kg Gans ist man also mit um die 100 Euro dabei. Dafür reicht sie aber auch für 5 Personen. Billiger geht es per Tiefkühlware aus osteuropäischen Ländern. Hier muss man sich nicht wundern, wenn den Tieren ihre Innereien nicht beigelegt werden, so wie es sich gehört. Eine Stopfleber lässt sich separat teurer verkaufen. Die Haut sollte makellos sein. Wenn sie das nicht ist und Blutergüsse oder Knochenbrüche sichtbar sind, lässt das nichts Gutes über die Lebenszustände dieser Tiere erahnen. Nicht zu sehen aber leicht ausrechnen kann man sich, dass solche Gänse nur mit reichlich Medikation ihr kurzes Leben überstehen.

Vorbereitung

Zur Vorbereitung der frischen Gans gehört, dass man sie nach größeren Federkielen absucht, die von der Haut abstehen. Man kann sie mit einer kleinen Flachzange aus dem Werkzeugkasten gut entfernen. Abflämmen, wie man das zu früheren Zeiten gemacht hat, ist nicht mehr nötig. Das Rupfen der Federn erfolgt heutzutage meist vollständig, so dass es hier nichts zu tun gibt. Gänse bilden stattliche Fettpolster. Die beiden größten („Flomen“) lassen sich schon im Rohzustand mit der Hand entfernen. Sie befinden sich quasi am Hintern der Gans, links und rechts des Bürzels im „Innenraum“. Klingt wie bei einem Auto und normalerweise ist dort natürlich kein „Raum“ sondern eben der Ort für die Innereien… aber hier befinden sich die etwa faustgroßen Fettpolster, die sich leicht herausziehen lassen. Es lohnt sich, sie in einem Topf bei niedriger Hitze auszulassen. So erhält man reinstes weißes Gänseschmalz, das sich im gekühlten Glas über mehrere Wochen frisch hält.

Eventuell kann man noch am Halsansatz weitere Fettpolster abschneiden und dabei auch gleich den Hautlappen etwas kürzen, das ist je nach Gans unterschiedlich. An alle weiteren Stellen ist kein Herankommen möglich. Im Verlauf des Garens wird das Tier knapp einen Liter Fett ausschwitzen! Es hilft, wenn man die Fettpolster auf den Innenseiten der Schenkel und am Bürzel (wenn man ihn nicht entfernt) regelmäßig einsticht. Schließlich tastet man noch den Innenraum ab und entfernt eventuell hervorstehende Reste der Innereien. Hin und wieder wird behauptet, man solle auch die Nieren oder Lungenreste entfernen, da sie beim Braten einen unangenehmen Geschmack entwickeln. Der Meinung bin ich nicht, im Gegenteil: auch diese Teile schmecken nach Gans. Eine wirklich schöne bebilderte Anleitung zur Vorbereitung einer rohen Gans hat Mario auf seiner Webseite veröffentlicht.

Salzen, marinieren, einlegen, etc.

So ziemlich jedes Fleisch profitiert enorm davon, eine gewisse Zeit vor der Zubereitung entweder direkt gesalzen, in Lake eingelegt oder mariniert zu werden. Das Salzen halte ich für den wichtigsten Aspekt (siehe hierzu auch meinen Artikel zum „Lakefleisch“). Man kann das Salz direkt auftragen, wobei man mit etwa 1 Teelöffel pro fünfhundert Gramm Fleisch mit Knochen rechnet. Man kann es in Salzlake einlegen, wobei die Lake etwa 3% Salz enthalten sollte. Das sind 30 Gramm Salz auf einen Liter Flüssigkeit. Hier bin ich bei Geflügel etwas vorsichtiger als bei anderen Fleischarten, da man seinen Braten ja schließlich nicht versalzen will. Um eine ganze Gans einzulegen braucht man locker 3 Liter Flüssigkeit (wenn die Gans im Beutel liegt) und dementsprechend 90 Gramm Salz. Das wirkt zunächst mal sehr viel. Aber es zieht ja auch nicht alles Salz in die Gans sondern es findet ein langsamer Ausgleich der Salzkonzentration zwischen Fleisch und Lake statt. Je länger man das Fleisch in der Lake lässt, desto vollständiger der Ausgleich. Die Einlegezeit ist auch der Grund für die oft unterschiedlich angegebene Stärke der Salzkonzentration. Hier ist also Vorsicht angebracht. Statt im Beutel kann man auch einen Eimer verwenden, nur wird hierbei mehr Lake benötigt. Gänsezeit ist zum Glück im Winter und so kann der Eimer so lange wie es nötig ist auf dem Balkon stehen bleiben.

Bei einem großem Tier wie einer Gans sollte man die Salzaktion mindestens einen Tag vorher starten, damit die Lake einwirken kann. Zum Thema Salzen ist das Buch von Samin Nosrat „Salz Fett Säure Hitze“ sehr zu empfehlen. Von ihr stammt auch der Tipp, Geflügel in Buttermilch einzulegen. Auch hier bin ich wieder nach der Best-of Methode vorgegangen und habe die saure Buttermilch kurzerhand kräftig gesalzen und etwas gezuckert sowie noch Lorbeerblätter und Wacholderbeeren hinzugefügt. Buttermilch kostet weniger als Sprudelwasser und Salz ist ebenfalls billig, also spricht nichts dagegen, reichlich von beidem zu verwenden. Wenn die Gans vor dem Braten aus der Lake geholt wird, sollte man sie gut ausleeren und trocken tupfen. Außerdem ist nun der Zeitpunkt, sich für eine Füllung zu entscheiden. Ich selbst finde, dass eine Füllung dazu dienen sollte, dem Fleisch Feuchtigkeit und Aroma zu geben. Also verwende ich eine Mischung aus Äpfeln, Orangen, Zwiebeln und Petersilie sowie einige andere Kräuter nach Lust und Laune.

Das Ergebnis ist am Ende der Garzeit eine zarte und saftige Gans, die man nicht mehr mit irgendwelchen Zaubermittelchen betupfen muss, um eine knusprige Haut zu erhalten. Das passiert von ganz allein. Außer bei der Zubereitungsvariante mit vorherigem Kochen halte ich diese Art der Vorbereitung für die sinnvollste.

Garen in drei Varianten

Direkt in den Backofen bei Brutzeltemperatur

Das ist die klassischste aller Zubereitungsarten, so wie sie im alten „Hausbuch für die deutsche Familie“ erwähnt wird oder wie sie unsere Ommas seit jeher praktizieren. Die Gans wandert für eine gewisse Zeit in den Backofen und wenn sie fertig ist, holt man sie wieder heraus. Gut, ein wenig mehr gehört schon dazu… je nachdem, ob man den Ofen auf Ober-/Unterhitze oder auf Umluft stellt, ist die Temperatur und Garzeit unterschiedlich. Bei Umluft sollte man die Temperatur nicht zu hoch drehen. Mehr als 150 Grad würde ich nicht einstellen, da die Gans sonst schnell verbrennt. Man rechnet ca. 45 Minuten pro Kilo Gans. Das sind bei einer 5 Kg Gans schon fast 4 Stunden. Bei Unter-/Oberhitze darf es etwas mehr Temperatur sein, allerdings wird die Haut dabei nicht so schön gleichmäßig knusprig wie bei Umluft.

Von der Grillfunktion des Backofens sollte man sich nicht zu viel erwarten: die Oberseite verbrennt schnell, während alle anderen Seiten der Gans vom Grillen nichts haben. Außer, man wendet sie ständig. Dabei fällt die Gans am Ende der Garzeit leicht auseinander und die Haut bekommt Risse, das will man nun wirklich nicht. Rechtzeitig auf Umluft schalten, das wirkt. Größter Nachteil dieser klassischen Methode ist, dass das Fleisch entweder saftig und noch zäh ist oder trocken und dafür mürbe. Aber es gibt ja noch andere Garmethoden…

Vorher Kochen und dann in den Backofen

Die Gans vorher am Stück zu kochen scheidet für die meisten Köche leider aus, da sie keinen Kochtopf oder Bräter besitzen, der eine Gans vollständig fassen kann. Bei gekauften Einzelteilen wäre es allerdings eine Option. Diese Garmethode halte ich für mit die beste, da im siedenden Wasser weniger als 100 Grad Celsius herrscht und das Fleisch während dieser Zeit auch nicht austrocknen kann. Übertreiben sollte man es natürlich nicht, mehr als eine Stunde würde ich sie nicht drinlassen. Schließlich wollen wir die Gans nicht wie ein Suppenhuhn auskochen sondern nur schonend garen. Bei Einzelteilen würde das auch prima im Dampfgarer funktionieren, so man denn einen besitzt. Anschließend kommt die Gans noch zum knusprig machen bei 160 Grad Umluft in die Röhre. Durch diese Variante der Zubereitung verkürzt man die Zeit im Backofen, während der das Fleisch leicht austrocknen kann. Dieses Youtube Video vom etwas penetrant daher redenden Calle und seiner Frau Carmen, die er wie ein Kamerakind behandelt, zeigt die Vorgehensweise. Leider muss man sich wirklich die Ohren zuhalten, bei seinem unprofessionellen Gequatsche. Er steht mit dieser Art Video leider nicht alleine da im Netz. Weitere schreckliche Beispiele gibt es hier und hier. Aber im Vergleich zu anderen „Köchen“ erzählt er zumindest inhaltlich nichts Falsches.

Im Backofen bei Niedertemperatur, low and slow

Der Begriff „Low and slow“ stammt eigentlich aus der Welt des amerikanischen Barbecue. Er bezeichnet eine Garmethode, bei welcher das Grillgut mit niedriger Hitze für eine sehr lange Zeit gegart wird. Spareribs, Beef Brisket und Pulled Pork sind die Klassiker dieser Zubereitungsart. Man lässt das Fleisch bei ca. 120 Grad Celsius für 8, 10 oder 15 Stunden garen und erhält am Ende eine butterzarte Textur mit reichlich Rauchgeschmack. Wer sich hierfür interessiert, sollte beim Meister lernen. Und das ist aktuell Aaron Franklin („Das Smoker-Manifest“).

Hier soll es allerdings um das Garen bei Niedertemperatur im Backofen gehen. Und damit ist gemeint, dass man das Fleisch keiner größeren Hitze aussetzen sollte als seiner später gewünschten Kerntemperatur. Im Gegensatz zum „low and slow“ der Amerikaner gart das Fleisch nach Erreichen der Zieltemperatur nicht mehr nach, weil die Außentemperatur ja schließlich der Innentemperatur des Fleisches entspricht. Beim Barbecue muss man diesen Effekt allerdings mit einberechnen und das Fleisch ca. 3 Grad vor Erreichen der Zieltemperatur vom Grill nehmen. Hier muss ich einen kurzen Ausflug zu den Kerntemperaturen bei verschiedenen Fleischarten machen. Rindfleisch und durchzogenes Schwein vertragen eine höhere Kerntemperatur als Geflügel. Bei Rinderbrust sind 90 Grad Kerntemperatur wünschenswert. Bei durchzogenem Schweinenacken etwa 80 Grad und bei Schweinefilet 70 Grad. Man kann sich ungefähr folgende Regel merken: je durchwachsener, fettiger und größer ein Tier ist, desto mehr Temperatur und längere Garzeit verträgt es. Bei Geflügel wie Truthahn, Pute oder eben einer Gans stellt man 80 Grad Zieltemperatur ein. Da wir eine vollständige Gans zubereiten wollen, können wir schlecht das Bruststück bei 75 Grad Kerntemperatur herauslösen und den Rest weiter garen. Obwohl es so ideal wäre. Also müssen wir mit dem Kompromiss leben, dass die Ofen-Temperatur von 80 Grad über einen sehr langen Zeitraum eingehalten werden muss, bis alle Teile der Gans ordentlich durch sind. Für die Brust ist das gerade noch richtig, aber für den Rest eher etwas zu wenig. So zumindest das Feedback meines geschätzten Bruders, der die Gänseschenkel nachher doch für etwas zu saftig hielt.

Zurück zum Best-of der Gänsebratenrezepte in Bezug auf Niedertemperatur. So ziemlich jeder verweist auf dieses Rezept hier im Netz, das eine gute Grundlage liefert. Es besagt, dass man die Gans zunächst eine Stunde mit hoher Temperatur von 180 Grad Celsius Ober-/Unterhitze gart, bevor man sie für etwa 7 Stunden bei niedriger Temperatur von 80 Grad bei Ober- und Unterhitze fertig garen soll. Zwei Dinge wollte ich verbessern: einerseits die Garzeit etwas verkürzen aber andererseits trotzdem durchgegarte Schenkel erhalten. Also stellte ich die Temperatur für 7 Stunden auf 90-95 Grad ein (aus der Verkürzung wurde nichts, ein Apéro braucht eben auch seine Zeit!). Und am Ende nochmal hoch auf 160 Grad Umluft für 30 Minuten. Leider war die Brust dadurch wieder etwas trocken geraten. Alle anderen Teile waren dafür ideal und die Haut gleichmäßig braun und super knusprig. Beim nächsten Versuch würde ich 85-90 Grad Ofentemperatur anpeilen und es ansonsten bei den 7 Stunden in der Niedertemperatur belassen. Das genaue Messen der Backofentemperatur geht mit Hilfe eines Grillthermometers sehr gut: einfach den Fühler per Kabel auf Höhe der Gans am Rost befestigen. Apropos: bloß nicht den Braten auf das Backblech in die Flüssigkeit legen! Immer schön auf den Rost.

Am Ende nochmal das vollständige Rezept für einen Gänsebraten, der (nicht nur, aber zu großen Teilen) per Niedrigtemperatur zubereitet wurde:

  1. Gans vorbereiten: überstehende Kiele entfernen, Fett überall wo man drankommt abziehen oder schneiden.
  2. Gans salzen bzw. in Lake einlegen für mindestens einen Tag.
  3. Gans aus der Lake heben, trocken tupfen und mit saftiger Füllung bestücken. Beide Öffnungen mit Hilfe von Metallspießen verschließen.
  4. Den Backofen auf 160 Grad Celsius Umluft vorheizen. Die Gans kommt mit der Brust nach oben auf den Rost und darunter ein tiefes Blech mit heißem Wasser. Zwei Hände voll Suppengemüse und den Gänsehals dazu aufs Blech, damit es schön mitgaren und später für die Sauce verwendet werden kann.
  5. Nach 45 Minuten die Temperatur auf 85 Grad reduzieren und den Backofen auf Ober-/Unterhitze umstellen. Bei dieser Gelegenheit die Gans umdrehen und das bis jetzt ausgetretene Fett abschöpfen und Wasser nachgießen.
  6. In der Niedertemperaturphase nach 5 oder 6 Stunden einmal die Kerntemperatur im Inneren des Schenkels auf der Körperseite messen. Hier sollten jetzt fast 80 Grad anliegen. Falls nicht, unverändert weitergaren. Bei der Gelegenheit nochmals Fett abschöpfen und das Suppengemüse herausholen. Jetzt kann man sich schonmal entspannt um die Sauce kümmern.
  7. Bei Erreichen der Kerntemperatur den Ofen auf 160 Grad Umluft für ca. 30 Minuten stellen und die Gans umdrehen, so dass die Brust wieder nach oben zeigt. Ziel soll sein, die Haut maximal knusprig zu bekommen.

Schließlich liegt die fertig gebratene, knusprige Best-of Gans auf ihrem Schneidebrett und darf sich ein wenig entspannen. Die Zeit kann man nutzen, um alle übrigen Leckereien vom Backblech zu kratzen und die Sauce fertig zu binden. Danach wird die Gans tranchiert und als Koch muss man sich dabei selbstverständlich um die herrenlosen Stücke kümmern, die immer wieder ihren Weg in den Mund finden. Fazit: sehr zeitaufwändig, aber es lohnt sich!

Wie liest man ein altes Kriegstagebuch?

Handgeschriebene Texte aus dem letzten Jahrhundert sind oft in der „Sütterlin“ Schrift verfasst. Was tun, wenn man sie entziffern will?

Vor ziemlich vielen Jahren fing es damit an, dass ich das Kriegstagebuch meines Großvaters lesen wollte. Er hat es durch den zweiten Weltkrieg geschleppt und viele seiner Erlebnisse (aber längst nicht alle) darin festgehalten. Mein Opa war damals schon ziemlich am Endes seines Lebens angekommen und es war nur eine Frage der Zeit, wann ich ihn nicht mehr würde fragen können, was in dem Büchlein steht. Das Problem war, dass er das Kriegstagebuch in der damals üblichen Sütterlin Schriftart geschrieben hat. Diese besteht für das ungeübte Auge vor allem aus Zickzacklinien, die wie endlos aneinander gereihte Buchstaben „u“ und „n“ aussehen. Es mag natürlich auch an der Faulheit jedes Einzelnen liegen, in wieweit die eigene Handschrift ordentlich ausgeführt oder eher sparsam verhuscht rüberkommt.

Da mein Opa zu dieser Zeit ziemlich oft bei uns war und nach dem gemeinsamen Mittagessen eh nichts mehr zu tun hatte, schnappte ich mir das alte Diktiergerät und bat ihn, mir doch einfach ein paar Seiten vorzulesen. Es war ja nicht nur die Handschrift, sondern es waren auch die vielen unbekannten militärischen Begriffe und Abkürzungen, die ich lernen musste. Und so verbrachten wir recht viel Zeit mit Vorlesen und Aufnehmen. Zwischendurch kamen ihm natürlich ab und zu die Erinnerungen hoch… wie gesagt, nicht alles schreibt man in ein Kriegstagebuch.

So sieht eine typische Doppelseite aus:

Die Woche über habe ich hinterher das Tonband abgehört, mit dem Geschriebenen verglichen und alles so gut es ging abgetippt. Auf diese Weise lernte ich die Schrift im Laufe der Zeit recht gut zu lesen. Als dann mein Opa irgendwann nicht mehr war, konnte ich so den restlichen Text fast vollständig rekonstruieren.

Es hätte sicherlich auch die Möglichkeit gegeben, über Vereine mit Ehrenamtlichen jemanden zu finden, der eine Übersetzung erstellen kann. Aber ich wollte es ja selbst schaffen. Wäre das heute, in Corona-Zeiten gewesen, wo sich jeder in der Quarantäne zu hause langweilt, dann hätte ich mir vielleicht einen Onlinekurs zum Thema Lernen der Sütterlinschrift (https://suetterlinlernen.de) gegönnt. Sehr teuer ist so etwas nicht und die einzelnen Lektionen beschäftigen einen für ein paar Tage. Man fühlt sich wieder wie ein Grundschüler und darf sich ganz auf das Schreiben und Verbinden von Buchstaben zu Wörtern freuen. Eine Schultüte bekommt man leider nicht, dafür muss man aber auch nicht vier Jahre lang die Schulbank drücken, sondern es reichen schon ein paar Stunden.

Guinness in der Dose, wie funktioniert das eigentlich?

Bier und Schaumkrone, das gehört zusammen. Fast immer wird der Schaum durch Kohlensäure erzeugt. Nur beim Guinness Bier funktioniert das anders und in der Dose erst recht.

Guinness Bier wurde bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in den irischen Pubs auf die folgende Art und Weise gezapft: im ersten Schritt werden drei Viertel des Glases mit gesetztem, „beruhigtem“ Bier aus eingelagerten Fässern befüllt. Das schäumt weniger und macht ein schnelles Einschenken möglich. Im zweiten Schritt wird das restliche Viertel eingeschenkt. Dieses stammt jedoch aus einem frisch gelieferten Fass und enthält das „lebhafte“, noch stark schäumende Bier. Fertig ist ein altmodisches Guinness-Pint mit einer ordentlichen Schaumkrone, das in etwa einer Minute herzustellen war. Vorsicht übrigens beim Lesen des englischen Wikipedia Eintrages, er beschreibt den Vorgang genau falsch herum. Der ganze Prozess erinnert jedenfalls ein wenig an das deutsche 7-Minuten-Pils, das in einigen ländlichen Gegenden noch gepflegt wird… ich habe mich schon immer gefragt, was der Barmann in den restlichen 6 Minuten eigentlich so macht.

Die Iren waren soweit ganz zufrieden mit ihrer Ausschankmethode, nur die Guinness-Brauerei nicht. Wer nun den Stein der Veränderung wirklich angestoßen hat, habe ich nicht herausfinden können. Aber ganz lesenswert ist ein von Guinness gesponsortes englisches Interview mit Michael Ash, dem angeblichen „Erfinder“ des Stickstoffs im Bier. Anfang der 50er Jahre hat man ihn und ein paar weitere junge Männer Anfang zwanzig direkt von der Universität abgeworben und dazu verdonnert, den Brauprozess zu modernisieren. Zwei Probleme galt es zu lösen: die Lagerfähigkeit sollte erhöht werden und das Bier sollte einfacher zu zapfen sein. Das Ergebnis kennen wir heute: das Bier wird in Aluminium-Fässern geliefert (wie überall sonst auch) und die Zapfanlage im Pub verwendet zum Aufschäumen eine Kombination aus Kohlendioxid (CO2) und Stickstoff (N2).

Der Stickstoffanteil sorgt bei einem gezapften Guinness dafür, dass ein feiner, fast schon schmieriger Schaum entsteht. Die Firma bevorzugt allerdings selbst lieber die Begriffe „seidig“ oder „cremig“, um den Zustand des Schaums zu beschreiben. Das mit dem Gasgemisch versehene Bier rauscht im Zapfhahn außerdem an einer Vorrichtung namens „Creamplate“ vorbei, einer Scheibe mit einigen kleinen Löchern, die durch Verwirbelung reichlich Schaumbläschen bildet. Das fertige Bier enthält daher neben weniger Kohlensäure im Vergleich zu anderen Sorten auch einen Anteil Stickstoff. Weniger Kohlensäure bedeutet, das Guinness-Bier schmeckt etwas flacher und weniger sauer als gewohnt. Dazu kommt der meist recht geringe Alkoholgehalt (ist weltweit unterschiedlich) und voilà, schon hat man ein Bier, das „jot läuft“, wie der Kölner sagen würde. Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine eigene Guinness-Zapfanlage in den Keller zu stellen, der lese hier nach, was es dafür braucht: Gasmischung, Armaturen, Ventile, Druck, Temperatur and whatnot.

Besitzt man nun eine korrekt eingestellte Zapfanlage, ist der Zapfprozess schnell beschrieben: Glas schräg (45 Grad) unter den Hahn halten und zu 3/4 befüllen. Warten, bis sich eine erste Schaumkrone bildet (siehe auch das Titelbild dieses Artikels). Weiter befüllen, bis der schlonzige Schaum über die Kante läuft und fertig. Während der erste Schaum sich setzt, kann man ein Schauspiel beobachten, das nur mit Stickstoffbier funktioniert: die vielen kleinen Gasbläschen steigen im Inneren des Biers wie eine Säule nach oben. Dort verdrängen sie die schon oben angekommenen Bläschen, die es nun am Rand des Glases wieder nach unten drückt. Es erscheint von außen, als würden die Bläschen von oben nach unten sprudeln. Dazu der Kontrast des dunklen Stouts mit den hellen Blasen… ein wirklich schönes Schauspiel.

Genauso ein Schauspiel kann einem das Guinness in der Dose für zu Hause bescheren, nur ein wenig kürzer und nicht ganz so eindrucksvoll. Der Trick besteht darin, den Stickstoff in die Dose zu bekommen. Direkt im Bier lösen gelang zunächst nicht zufriedenstellend. Also wurde mit verschiedenen Speichermöglichkeiten für das Gas experimentiert und schließlich kam das erste Flaschen-Guinness 1979 auf den Markt. Schon ein Weilchen her, wer hätte das gedacht. In Flaschen sieht man es heute nicht mehr, dafür aber in Dosen. Diese enthalten eine kleine weiße Kartusche bzw. Kugel, die (unter anderem) den Stickstoff beinhaltet. Für dieses Teil hat sich der Name „Widget“ eingebürgert.

Meine erste Vermutung war, dass die Kunststoffkugel im Abfüllprozess des Bieres unter hohem Druck mit Stickstoff gefüllt und dann verschlossen wird. Über ein winziges Loch mit Sollbruchstelle würde das „Widget“ den unter Druck stehenden Stickstoff wieder abgeben, sobald sich durch das Öffnen der Dose der Umgebungsdruck gesenkt hat. Ungefähr so denken die meisten Guinness-in-Dosen-Genießer. Aber es stimmt nicht. Als nächstes habe ich das folgende Video gefunden. Dort sieht man zwar das Widget, aber leider nicht den Herstellprozess. Zudem enthält es zwei Fehler: es ist natürlich sowohl CO2 als auch N2 im Bier enthalten. Und wenn er die Dose schräg einschenken würde, hätte er mehr Schaum.

Zum Glück behauptet unterhalb des Videos in den Kommentaren ein Mensch, dass er offizieller Guinness Botschafter wäre und das Geheimnis des Widgets kennt. Seine Erklärung klingt sogar ziemlich gut:

„…You’re partly right, and this is the only part of the video they get wrong. There is a mixture of 75% N2 & 25% CO2 in the beer. During the canning process, a dose of liquid N2 is shot into the can, and then it’s sealed. The liquid evaporates, causing pressure in the can and forcing a mixture of gas & beer into the Widget. When the can is cracked open, the Widget releases that mixture, and through friction, the gas (both N2 & CO2) are broken out of suspension in the beer.“

Wenn das so stimmt, dann bedeutet es, dass die Kugel genaugenommen leer in die Dose gepackt wird. Danach wird die Dose mit Bier, flüssigem CO2 und N2 befüllt. Dann wird sie verschlossen und der nun entstehende Überdruck sorgt dafür, dass sich das Widget langsam und von selbst mit Gas und etwas Bier füllt. Beim Öffnen der Dose strömt alles wieder aus und sorgt für die Bläschen. Nur, welches „Gas“ gelangt denn jetzt wirklich in die Kugel? Es muss eine Mischung aus CO2 und N2 sein, anders geht es ja nicht. Das wäre auch logisch, da die Zapfanlage im Pub ebenfalls gleichzeitig beide Gase dem Bier zugibt.

Auf dieses Kugelsystem hält Guinness, bzw. die Mutterfirma Diageo, das Patent. Wenn man das Kugel-Widget aufschneidet sieht man sofort, dass es sehr simpel aufgebaut ist. Es besteht aus ziemlich dickem Kunststoff und es enthält nur eine Kammer. Die einzige Öffnung ist ein winziges Loch, kleiner als 1 mm, durch das die Kugel gefüllt und entleert wird (sieht man auf meinem Foto nicht). Ein paar weitere Details zum Patent und dem Herstellprozess der Kugel findet man hier, wobei ich meine Hand für die Richtigkeit der Quelle nicht ins Feuer legen würde.

Es gibt auch andere Lösungen auf dem Markt. So setzen einige Anbieter wie die Firma Ball (Slogan: „why cans are cooler“) auf die Lösung, eine Kapsel mit Stickstoff am Boden der Dose zu fixieren. Beim Öffnen gibt sie den Stickstoff ab (bzw. vermutlich auch eine Gasmischung). Mir scheint das fast die bessere Lösung zu sein. Denn das Kugel-Widget wirkt nicht immer gleichermaßen stark und außerdem schwimmt es oben oder bewegt sich zumindest dorthin. Meine letzte Guinness Dose lag horizontal im Kühlschrank. Nach dem Öffnen war nur wenig des charakteristischen Zischens zu hören und der Schaum war merklich geringer. Vielleicht lag es an der ungünstigen Lage des Widgets?

Vielleicht braucht es bald gar kein klassisches Widget aus Kunststoff mehr. Denn die Wissenschaft hat festgestellt, dass ein wenige Zentimeter großes Stück Zellulosefaser (ähnlich einem Kaffeefilter) den Stickstoff ebenso gut aufschäumen kann. Und ein anderer Technologieanbieter wirbt damit, dass man eigentlich gänzlich auf jegliches Widget verzichten könne. Bier plus Stickstoff direkt in die Dose und fertig ist das „Nitro-Beer“, wie es z.B. die Amerikaner von Sam Adams bewerben. Diese Variante muss allerdings senkrecht kopfüber ins Glas eingeschenkt werden. Wichtig ist hierbei die Verwirbelung, und die soll auf diesem Wege wohl am besten funktionieren.

Bleibt nur noch zu klären, wie man das Dosen-Guinness jetzt so wirklich 100% richtig einschenkt und trinkt. Klingt banal…? Nein, denn mein eigenes erstes Dosen-Guinness war ein Desaster: Rock am Ring, die Dose lauwarm, leicht geschüttelt, nach dem Öffnen erstmal eine Schaumdusche bekommen, dann versucht aus der Dose zu trinken… ich habe seitdem nie wieder ein Dosen-Guinness angefasst. Der richtige Weg ist, die ordentlich gekühlte Dose direkt nach dem Öffnen in ein großes Glas mit flachem Boden im 45 Grad Winkel einzuschenken. Nicht senkrecht halten. Nicht versuchen, das Ur-System mit 3/4 und 1/4 zu kopieren. Einfach das Glas vollmachen, etwas abwarten. Dann trinken.

Segeln auf der Adria 37: Hal-oluja

Komische Überschrift, ich weiß… reim dich oder ich fress dich! In diesem Fall sollte das kroatische Wort „oluja“ für Sturm und Gewitter eingebunden werden. Und darum soll es nun auch hier gehen.

Der kroatische Sommer zeichnet sich üblicherweise durch bombiges Wetter aus. Hin und wieder Bora-Lage, welche aber meist frühzeitig bekanntgegeben wird und sie fällt auch lange nicht so stark aus wie im Winter. Kein Grund jedenfalls, sich stressen zu lassen. Respekt sollte man lieber vor etwas anderem haben, nämlich den ordinären Gewittern. Sie werden nur vage vorhergesagt, da es unmöglich ist, genau zu wissen, wo sie sich bilden und wie stark sie werden. Gewitter sind relativ häufig. Mit einem pro Woche muss man rechnen. Und alle paar Wochen fällt es ungewöhnlich stark aus, verbunden mit Sturm und Starkregen. Besonders, wenn es der Vorbote einer sich ändernden Wetterlage ist.

Als wir dieses Jahr Mitte Juli auf Murter ankamen, hatte es schon einen deftigen Weltuntergang gegeben. Vom Balkon unserer Ferienwohnung auf dem Hügel von Murter aus hatten wir das Spektakel bestens im Blick. Es kam gut Bewegung ins Feld der Ankerlieger in der Bucht vor der Marina Hramina. Wenn es dort in der Hauptsaison voll ist, bleibt nicht viel Platz für Manöver jeglicher Art. Schon gar nicht im Dunkeln.

Und auch einen Monat später, also Mitte August, als ich leider alleine an Bord war, sollte es wieder zu einem prächtigen Gewittersturm kommen. Da mein Heimathafen die Marina Betina ist, nächtige ich gern am letzten Abend in der Kosirine Bucht, die vielleicht 1,5 h von Betina entfernt ist. Wie aus dem Nichts heraus entstand nun nachts eine deftige Gewitterlage. Die folgenden Bilder beschreiben das anschaulich (Quellen: Kachelmann GmbH und sat24.com).

Im Morgengrauen sehe ich schon das Wetterleuchten und beschließe, Anker auf zu gehen. Aber was muss ich ein ums andere Mal lernen: „einem Gewitter entkommste einfach nich‘ wa?“ So war es dann auch, also statt Kurs auf den Heimathafen, Kurs auf mittenrein ins Gewitter genommen. Ich wollte Abstand zur Küste gewinnen. Eine eindrucksvolle Gewitterwalze kam auf mich zu. Mit einer Wirbelwolke, die wie ein Auge rotierte… dass sich solche Wolkenmassen so schnell bewegen können! Gruselig und gleichzeitig faszinierend. Aber vor Stress und Anspannung war für Angst keine Zeit.

Das Dingi überschlug sich schon gleich nach der ersten heftigen Böe und ich musste es losmachen… adieu mein Freund, an dich hatte ich in der Eile nicht gedacht. Aber du warst eh fast durch. Ich fuhr im Winkel von ca. 30 Grad zu Wind und Wellen. Dadurch bot meine Vega nicht so viel Windwiderstand und ich konnte sie immer wieder gut auf Kurs bringen. Danach kam der Regen von allen Seiten, dazu Gischt von vorne, die über die Sprayhood flog wie im Windkanal. Komisch, zu hause schleppe ich einen Regenschirm mit mir durch die Stadt, um bloß keinen Regentropfen abzukriegen. Und hier auf dem Wasser nützt einem die beste Kleidung nichts und man ist binnen weniger Minuten nass bis auf die Haut… Sehen konnte man eh nichts mehr, also hielt ich Kurs durch Starren auf den Kompass. Hin und wieder ein Blick auf die Logge und das GPS, was der Speed über Grund so macht: fahre ich überhaupt noch vorwärts oder sind das „Rückwärtsknoten“? Bei einer Motorisierung von 11 PS kann man schon skeptisch sein, ob das eigene Bootchen es schaffen wird. Das Wasser war vor dem Unwetter noch spiegelglatt, das kam mir jetzt zu Gute. Die Wellen waren zwar hoch, aber nur durch den lokalen Wind aufgewühlt und ohne langen Fetch.

In Gischt, Regen, Blitz und Donner verschwand die Welt um mich herum… leider auch das schöne Leuchtfeuer auf Prisnjak, an dem ich mich orientieren wollte. Durch diese Wasserwand konnte man es nicht sehen. Zwischendurch kam in einiger Entfernung eine Motoryacht vorbeigeschaukelt, kuckt sich meinen Kampf an und entschied nach einer Weile, weiter zu fahren. Danke an den Unbekannten an dieser Stelle. Er hätte zwar nichts tun können, aber mental hilft es schon zu wissen, dass man nicht ganz alleine ist. Winken wollte ich nicht, damit es zu keinen Mißverständnissen kommt.

Danach verhielt sich das Unwetter wie aus dem Lehrbuch, es zog also über mich hinweg, der Wind drehte mit und schließlich war es durch. Alles in allem hat es vielleicht 45 Minuten gekachelt zwischen 8 und 9 Uhr morgens, danach nur noch leichter Regen.
Glück gehabt, dass alles so gut geklappt hat. Noch einmal brauche ich das allerdings nicht. Das Risiko auf dem Wasser in Küstennähe ist nicht zu unterschätzen.

Welche Lektionen hat mich das gelehrt:

  • Dem eigenen überdimensionierten Anker vertrauen. Notfalls mit  etwas Motorkraft gegen den Winddruck entlasten.
  • Das Boot besser wetterfest machen: Rollgenua mit Bändsel vorne sichern, sie wird sich sonst ein Stück ausrollen. Dingi an Bord holen und Luft rauslassen.
  • Bilge vorsorglich leeren… Regen und Gischt werden sie auffüllen.
  • Navi/Handy mit Seekarte bereitlegen. Genau zu wissen, wo man ist, beruhigt in Küstennähe ungemein.
  • Den Motor bei ruhigem Wetter mal eine Weile bei Vollgas fahren: riecht der dann auch so verbrannt…?

Ach ja, wie stark war der Wind denn nun, mit welchem Seglerlatein kann ich beim nächsten Steg-Schnack prahlen? Tja – keine Ahnung. Leider habe ich keinen Windmesser und kann daher nur schätzen. Die meiste Zeit vermutlich irgendwas um Windstärke 7 herum. Am Höhepunkt vermutlich mehr. So war es bei einem ähnlichen Unwetter, dass ich auf einer großen Charteryacht in den Kornaten erleben durfte. Auf einem kleinen Bootchen wie meinem brauche ich nicht mehr als Windstärke 5. Alles andere erlebe ich zukünftig lieber vor Anker oder in der Marina.

Frankfurter Mispelchen, das Kultgetränk

Als „Mispelchen“ wird ein Getränk aus Calvados, garniert mit einer eingelegten Mispel aus der Dose bezeichnet. Aber was zum Geier ist eigentlich eine Mispel?!

Als jemand, der in und um Frankfurt lebt und aufgewachsen ist, glaubt man ja, eigentlich schon alles über die hiesigen Kultgetränke zu wissen. Als ich aber neulich mit Freunden in einer sachsenhausener Apfelweinwirtschaft saß, musste ich mich von Eingeplackten mit Hemd und Kravatte belehren lassen, was ein „Mispelchen“ ist. Normalerweise kümmert mich das Kluggescheiße von irgendwelchen Bankern und selbsternannten Gordon Gecko’s herzlich wenig. Aber diesmal hatten sie Recht: es gibt seit geschätzten 15 Jahren eine frankfurter Spezialität, die an mir vorbeigegangen ist. Vielleicht stand sie auch schon immer auf der Getränkekarte und wurde von mir bloß als Modegetränk abgetan. Aber das würde dem Mispelchen Unrecht tun. Denn es hat eine Eigenschaft, die sie für immer im frankfurter Kosmos verankern wird: Äpfel!

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Ok, nur die eine Hälfte ist aus Apfel, nämlich der Calvados. Und der stammt aus Frankreich. Ist aber auch kein Problem, denn schließlich sind vor langer Zeit genügend Hugenotten hier eingewandert und es waren sicherlich sie, die den Calvados im Ledersäckel hatten und hier einführten. Dazu kommt die andere Hälfte des Getränks, nämlich die Mispel. Wieder so ein urtümliches Gewächs, das vor langer Zeit einmal einen festen Platz in Europa hatte aber mittlerweile größtenteils verschwunden ist. An manchen Plätzen wächst der Baum aber noch, man muss nur aufmerksam hinschauen. Im Saarland nennen sie die aprikosenartige Frucht übrigens „Hundsärsch“, da sie vom Pol aus betrachtet ein wenig an die Poperze eines Köters erinnert. Sie machen Schnaps daraus, was sonst.

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Der Mispelbaum fällt nicht besonders auf mit seinem strauchartigen, leicht krüppelig wirkenden Geäst. Das Obst, also die Mispel, wird erst im Spätherbst reif und hängt von nun an im dürren Gezweig des Bäumchens und warten auf jemanden, der sie erntet. Frost tut der Frucht gut, denn ansonsten ist sie steinhart und ähnlich ungenießbar wie die Quitte. Lässt man die Mispel also ein paar Wochen im Obstkorb vor sich hin reifen, dann kann man es schon wagen, einmal hinein zu beißen. Genug der Theorie, wo findet man schon Mispelbäume (z.B. am kelkheimer Rettershof…)? Es ist doch wesentlich einfacher, sich eine Dose mit der eingelegten Frucht zu kaufen.

Aber woher nehmen, wenn man sie nicht selbst eingedost hat? Im Supermarkt findet man in der Büchsenabteilung zwar eine Menge Obst von der Williams Christ Birne über die Hotelfrühstückobstgarnitur bis hin zur Lychee. Aber die Mispel gibt es nur in sehr wenigen Märkten. Gute Chancen hat man außerhalb des frankfurter Raums, denn die „Mispelchen“-Grenze verläuft recht genau am Rande des franfurter Postleitzahlenbereichs entlang. Und innerhalb dieses Bereichs sind die seltenen Lieferungen schnell ausverkauft. Wer aber einen Asia-Supermarkt um die Ecke hat oder einen dieser arabischen Läden mit einem Sortiment zwischen Souk und Toom-Baumarkt, der kann es auch hier versuchen. Unter der Bezeichnung „Loquat“ wird man manchmal fündig. Ob das jetzt ganz exakt die gleiche Sorte ist, das kann sicher der Botaniker klären (oder man liest die drei Zeilen in Wikipedia). Schmecken tut sie jedenfalls ziemlich ähnlich und auch preislich ist diese Variante sehr attraktiv.

A propos Preis. Man kann ohne weiteres 14 Euro pro Dose mit vielleicht 10 Früchten ausgeben (Amazon). Es geht aber auch billiger, z.B. beim Gourmet Versand für unter 5 Euro oder bei der Metro für 3 Euro. Die frische Mispel dagegen kostet das Kilo etwa 5 Euro, manchmal auch weniger.

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Wie man das Mispelchen jetzt zubereitet, ist schnell erklärt: Calvados ins Cognac-Gläschen geben, eine Mispel dazu und „Kopp in‘ Nacken“, wie der Norddeutsche zu sagen pflegt. Ob man jetzt noch einen Schuss Dosensirup zum Calva gibt oder nicht, die Mispel auf einen Zahnstocher spießt oder nicht, das ist wirklich Geschmacksache. Auch erhitzt und genossen wie ein warmer Sliwowitz macht sich das Mispelchen gut.

Ob sie eines Tages der gleiche kulturelle Ausverkauf wie Pfläumchen, Willi & Co. ereilt, die auf Österreichs Party-Skipisten rund um das Epizentrum von Ischgl und St. Anton gereicht werden, weiss ich nicht.
Aber verkehrt wär’s sischer aach net.

Segeln auf der Adria 36: Seekrankheiten

Auf See, da wird man seekrank, das weiß doch jedes Kind! Dass man Seekrankheit mit diversen Mitteln lindern oder vermeiden kann, ist auch bekannt. Dass sie Verstopfung auslösen können dagegen eher nicht.

Natürlich ist es nicht so einfach, das ist klar. Und schon gar nicht trifft es jeden. Und erst recht nicht bei jedem Wetter und bei jedem Wellengang. Aber besonders dann, wenn man Mitsegler an Bord hat, die keine Segelerfahrung haben, sollte man ein Auge auf erste Anzeichen von Seekrankheit werfen. Oft fängt es damit an, dass betroffene Menschen zunehmend ruhiger werden. Auch dann, wenn das Wasser nur sehr wenige Wellen aufweist, die Sonne lacht und die Temperaturen angenehm sind. Angst kann in diesem Fall also nicht der Auslöser sein. Es ist wohl eher das ungewohnte Schaukeln, das Rollen und Gieren des Boots.

Das ist für erfahrene Segler beim „Schönwettersegeln“ zwar kaum noch zu spüren, aber natürlich sind diese Bewegungen trotzdem vorhanden. Besonders auf einem kleinen Boot wie meinem. Und wer es nicht gewohnt ist, sie intuitiv auszugleichen, der hat seine Probleme damit. In Phase zwei äussert sich der Betroffene meistens von selbst, schließlich geht es nicht darum, aufkeimende Übelkeit zu verheimlichen. Und so fängt das Programm der Gegenmaßnahmen an:

Beschäftigungstherapie. Der Kranke muss an die Pinne und soll Steuern. Oder er soll den Horizont nach irgendetwas absuchen. Oder man spielt ein Ratespiel, etc. pp., Hauptsache die Ablenkung ist da. Wirkt nur bei sehr leichtem Unwohlsein, das man leider nicht immer rechtzeitig mitbekommt.

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Dann Ingwer kauen. Ich habe immer frischen Ingwer an Bord, muss aber zugeben, dass das nicht wirkt. Außerdem ist das Zeug ganz schön scharf! Zitrone und Vitamin C helfen auch nicht spontan, man müsste schon lange vor Abfahrt seinen Vitaminpegel in die Höhe treiben, um überhaupt in die Reichweite eines möglichen Effekts zu kommen. Wer hat da schon Lust zu. Und von Armbändchen zur Stimulierung von irgendwelchen homöopathischen Druckpunkten halte ich überhaupt nichts.

seekrank ingwer zitrone vitamin c

Sich hinlegen. Das wirkt meistens sehr gut, selbst wenn man schon kurz vorm Übeln ist. Der Betroffene ist zwar damit außer Gefecht gesetzt und kann nicht mehr mit anpacken, dafür ist er unter Deck (oder auf der langen Cockpitbank) in Sicherheit und braucht kaum Aufmerksamkeit. Auf dem Bild (unten) das bin ich selber, kurz vor der Kotz-Schwelle. Eine lange Dünung hatte den meisten Mitseglern schon den Rest gegeben. Auch der Alkohol vom Vorabend hat seinen Teil beigetragen. Eisern den Horizont im Blick halten, das hat hier jedenfalls geholfen.

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Wie gerade angesprochen, sollte man Alkohol vor der Abfahrt möglichst vermeiden. Auch eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Käse, welche die Histaminproduktion in die Höhe treiben, sollte man nicht essen. Ziemlich spaßlose Angelegenheit leider.

Jetzt kommen die Mittelchen, die helfen: Medikamente gegen Reiseübelkeit schlucken oder kauen. Es gibt sie als Kaugummis oder Tabletten. Die Marke „Superpep“ ist in Deutschland weit verbreitet (oder „Dramina“ in Kroatien) und hilft bei ersten Anzeichen von Übelkeit. Diese Anzeichen muss man natürlich rechtzeitig an sich selbst erkennen, sonst kann auch Superpep nichts mehr reißen. Bei richtig schwerer Seekrankheit helfen diese Kaugummis allerdings nicht mehr. Nur um hier mal die Relationen zu verdeutlichen: wem übel ist, der kotzt halt. Wer ernsthaft seekrank ist, der möchte sterben. Und würde lieber über Bord gehen, als den Rest einer längeren Seepassage noch durchzustehen.

Was bleibt: stärkere Mittel gehen Reiseübelkeit anwenden. Hier wird es eng auf dem deutschen Markt. Früher gab es „Scopoderm“ zu kaufen, das als kleines Pflasterchen hinters Ohr geklebt wurde. Das Mittel ist in Deutschland nicht mehr erhältlich, aber in Frankreich immer noch zu beziehen. Nur leider ist es sehr teuer. Eine Packung enthält vier Pflaster und kostet ca. 40 Euro. Jedes Pflaster wirkt für mindestens drei Tage, danach lässt der Effekt nach. Da sich das Mittel über 12 Stunden im Körper anreichert und damit seine Wirkung aufbaut, soll man das Pflaster am Vorabend der Abfahrt anlegen. Genauso langsam baut es sich auch wieder ab. Die Wirkung lässt also nicht aprupt nach drei Tagen nach, sondern reduziert sich langsam. Somit kann man getrost von vier Tagen Wirksamkeit ausgehen. Macht 2,50 Euro pro Tag, das ist zu verschmerzen.

seekrank scopoderm dramina

Scopoderm wirkt dummerweise auch beruhigend, um nicht zu sagen sedierend. Manche Skipper lehnen das Mittel daher ab. Mir ist das unverständlich, denn wenn man wirklich seekrank ist, dann ist man komplett außer Funktion gesetzt und nicht mehr dazu in der Lage, sein Boot zu führen. Das Mittel gehört daher meiner Meinung nach in jede Skipper-Apotheke. Dass es wirkt, konnte ich an meiner Freundin feststellen, die es nach ein paar Tagen des Leidens genommen hat. Ich wollte sie gerade fragen, was der Magen macht. Da sah ich sie in aller Seelenruhe im Cockpit ein Buch lesen, während draußen Wellen unterwegs waren, die sie kurz vorher noch schachmatt gesetzt hätten. Da hatte ich dann keine Fragen mehr. Eine sedierende Wirkung konnte ich an ihr kaum feststellen. Jedenfalls nicht so dramatisch, wie es gerne zur Abschreckung unter Seglern erzählt wird. Soweit so gut. Aber eigentlich soll es hier ja um die Verdauung gehen.

Leider haben sowohl Superpep als auch Scopoderm eine weitere Nebenwirkung, die im Beipackzettel lediglich unter „ferner liefen…“ aufgeführt wird: Darmträgheit. Alles rund um die Darmfunktionen ist ja leider ein Tabuthema, selbst in Zeiten von Büchern wie „Charme mit Darm“. Fakt ist, dass einem das Nichtkönnen trotz Wollen ganz schön zusetzen kann. Das betrifft nicht nur Frauen, sondern durchaus auch Männer aus meinem Bekanntenkreis. Und wenn es einmal eine Person an Bord betrifft, dann leidet die ganze Crew. Nicht sehr hilfreich ist, dass es an Bord eines Segelbootes (und besonders eines sehr kleinen) bloß eine winzige Toilette gibt. Diese ist mit etwas Glück in einem abgetrennten Raum untergebracht, manchmal auch nicht. Dazu kommt, dass die kleinen Auslass-Schläuche nicht mit Toilettenpapier klarkommen. Dieses muss separat in einer Tüte entsorgt werden. Segler wissen das. Bei Neulingen führt alleine schon der Gedanke daran gerne einmal zu Verstopfung…

seekrank tannacomp dulcolax

Kommt jetzt noch eine durch Medikamente verursachte Darmträgheit hinzu, dann kann es sehr gut sein, dass rein gar nichts mehr geht. Auch an Land auf einem Porzellan-Thron nicht mehr. Auch nicht nach „Kippen und Kaffee“. Auch nicht nach dem Verzehr von Chilies und pervers scharfen Saucen, die der Skipper aus nicht nachvollziehbaren Gründen durchs Mittelmeer schippert.

Da dieses heiße Thema natürlich alles andere überschattet, begibt man sich nun besser schnellstens zur nächsten Apotheke und sucht nach Abführmitteln. Erst die milden (z.B. Dulcolax), dann die härteren. Es ist doch die reine Freude, was Medikamente und Psyche zusammen für Auswirkungen haben und wie sie die Törnplanung beeinflussen können!

Mein Fazit für die Bordapotheke ist jedenfalls, sowohl leichte wie auch starke Mittel gegen Seekrankheit als auch leichte sowie starke Abführmittel dabei zu haben. Glück hat der, der das alles nicht braucht. Ist es aber mal soweit, können einem diese Mittelchen doch  sehr den Urlaub und die Törnplanung erleichtern.

Segeln auf der Adria 35: Bootspflege

Pflege trifft es vielleicht nicht ganz richtig, eigentlich mehr „Erhaltung“. Es ist unglaublich, wie sehr Sonne, Meer und Wetter einem Boot im Mittelmeer zusetzen können!

Grünen Bewuchs an Deck, wie es die Nordeuropäer plagt, hat man zwar nicht. Dafür brät einem die Sonne aber alles andere weg. Dabei besteht meine Zelda zu 99% aus GFK, viel zum Verrotten ist eigentlich nicht vorhanden. Dummerweise gibt es doch noch ein paar Holzteile und diese 1% verursachen so einiges an Aufwand. Viel ist es also nicht, was aus Holz besteht, aber da es sich an kritischen Stellen befindet (Cockpit, Pinne, Tritte), kann man es auch nicht einfach ignorieren. Aber jetzt mal von vorne. Seit Sommer 2013, also seit zwei Jahren liegt mein Boot nun in der Adria. Es wurde also Zeit für einen Krantermin und damit für einen neuen Unterwasseranstrich und andere Arbeiten.

Antifouling

Da der Voreigner schon „International VC17m Extra“ drauf gemacht hat, hatte ich keine Wahl als ebenfalls dieses Zeugs draufzupinseln. Es handelt sich bei diesem Antifouling um eine Sorte, die Teflon enthält. Deswegen kann man es mit keinem anderen Antifouling überstreichen, es würde nicht halten. Ein Ärgernis, zumal es sauteuer (echter Champagner ist billiger) und im Mittelmeer nicht wirklich verbreitet ist. Die Wirksamkeit ist gut, da gibt es nichts zu meckern. Es hätte noch ein drittes Jahr gehalten, wenn es nicht weitere Gründe für das Kranen gegeben hätte. Erstaunlich war, dass die selbe Menge Antifouling Farbe hier in Kroatien bei 35° C im Schatten nur für etwas mehr als die Hälfte der Fläche gereicht hat. Vor zwei Jahren bei 15° C im frühlingshaften Norddeutschland konnte ich damit noch das komplette Unterwasserschiff gut zwei Mal streichen. Eine kleine Dose von dem Zeug konnte ich in Zadar noch auftreiben, ansonsten musste reichlich Verdünner herhalten, um die Menge zu strecken. Den Verdünner sollte man hier lieber generell vor dem Streichen dazumischen, sonst trocknen die Anstriche einfach zu schnell.

Kroatien 2015 (12) zelda sundown

Die Schraube hatte ich dummerweise vor zwei Jahren vergessen mit Antifouling zu streichen und auch die Welle nicht. Daher konnten sich dort die Seepocken breit machen. Mit einem Schraubenzieher und einem Drahtbürstenaufsatz für die Akkubohrmaschine bekam ich das schnell in den Griff (auch wenn die Behandlung mit der Drahtbürste der Schraube nicht wirklich gut tat).

Kroatien 2015 (10) drahtbürste schraube kalk

Ich hatte mir extra superteures Sprühantifouling für die Schraube gekauft. Erst die Grundierung, den Primer draufgesprüht, danach viele Schichten Antifouling. Das Ergebnis war nicht sehr überzeugend: schon nach der ersten Ausfahrt löste sich ein Streifen komplett von der Schraube. Und die Kalkgehäuse dieser Ringelwürmer haben jetzt schon wieder Fuß auf der Welle gefasst, trotz Antifouling. Nachtrag Herbst 2016: Schraube und Welle sind komplett zugewachsen… was für ein Reinfall.

Kroatien 2015 (13) propeller schraube antifouling

Opferanode

Unterwasser herrscht die Elektrolyse. Es fließt Strom und dieser zersetzt vorzugsweise Metallteile wie Propellerwellen und Schrauben. Damit das nicht passiert, installiert man sogenannte „Opferanoden“ aus einfachem Zink in der Nähe dieser Teile. So wird die Anode statt dem zu schützenden Bauteil aufgelöst. Bei mir sitzt diese Zinkanode am Ende der Welle, gleich hinter der Schraube. Jetzt wo ich weiß wie man sie austauscht, könnte ich das auch unter Wasser durchführen. Die Schraube wird blockiert, ein Schraubenzieher und ein saftiger Schlag, schon fällt einem die verbrauchte Anode entgegen. Aber auch hier muss ich sagen, dass dieser Zinkrest möglicherweise noch eine Saison gehalten hätte.  Kroatien 2015 (9) opferanode schraube

GFK ausbessern

Glasfaser verstärkter Kunststoff (GFK) lässt sich im Prinzip leicht reparieren. Dafür benötigt man Glasfasermatten und Epoxidharz. Für kleinere Dellen und Kratzer tut es auch reines Epoxy ohne Glasfasern oder „Gelcoat“, wie diese Mischung bei Booten heißt. Man mischt das Harz mit dem Härter und hat dann wenige Minuten Zeit, um alle Stellen mit dem Kleister zu bestreichen. Er härtet recht schnell aus und lässt sich später glattschleifen. Hilfreich ist es, etwas Klarsichtfolie auf die ausgebesserte Stelle zu kleben. Sie lässt sich später leicht abziehen und man hat eine schön glatte Fläche, die kaum noch geschliffen zu werden braucht. Zugegeben, bei mir sieht das Resultat ziemlich rustikal aus, aber Hauptsache das Boot ist dicht. A propos „dicht“.

Boot abdichten

Über die Jahre ist mir aufgefallen, dass das Boot nicht ganz wasserdicht ist. Ein Schwachpunkt sind oft die Fenster. Und so habe ich mir schon zu Hause Gedanken darüber gemacht, wie man die Fenstergummis abdichten könnte. Nach etwas Recherche habe ich ein Mittel namens „Capt’n Tolleys Creeping Crack Cure“ gefunden. Bei dem Zeug handelt es sich um eine dünnflüssige, milchige Lösung, die durch den Kapillareffekt in jede noch so kleine Ritze kriecht und dann darin aushärtet. Ich habe es auf allen Fensterdichtungen, Schrauben und Haarrissen angewendet, die ich finden konnte. Bis jetzt sieht es gut aus: dort wo ich es aufgetragen habe, kommt kein Wasser mehr rein. Bei Fensterdichtungen am besten von außen und innen auftragen. Außerdem eignen sich noch Beschläge und Verschraubungen für das Zeug. Einfach überall draufgeben, wo es potentiell nach innen geht. Alternativ kann man natürlich auch die Gummikeule schwingen und alles mit elastischer Dichtmasse beschmieren (z.B. von Sika). Das sieht halt leider entsprechend verbastelt aus und ist auch keine Garantie für ein dichtes Boot. Denn Wasser findet seinen Weg. Immer.

Trotzdem habe ich mit der Kautschuk-Spritze einmal rund ums Boot die Verbindung von Oberdeck zu Rumpf abgedichtet. Kann ja nicht schaden. Und in weiß sieht das sogar richtig gut aus. Man kann das Zeug mit dem Finger glattstreichen und erhält eine Dichtfläche, so glatt wie ein Babypopo.

Holzteile lackieren

Da ist so eine Sache, um die ich gehofft hatte, irgendwie drumherum zu kommen: nämlich Holz zu lackieren. Was für ein sinnloses Unterfangen! Hätte Gott gewollt, dass Bäume glänzen, hätte er sie Lack statt Rinde produzieren lassen…

Kroatien 2015 (163) holz schleifen

An Bord gibt es jedenfalls mal mindestens zwei Sorten Holz: Teak und alles andere, meistens Mahagoni. Falls es sich bei dem Teil, dessen Lack blättert, um Teak handelt ist alles bestens: einfach blättern lassen! Teak ist das pflegeleichteste Holz der Welt. Durch seinen hohen Ölgehalt ist es haltbar ohne Ende und versilbert schön authentisch. Da rottet nichts, Teak braucht weder Lack noch spezielles Öl oder andere Chemikalien wie Borax, die einen Bewuchs verhindern sollen. Handläufe auf Decksaufbauten sind beispielsweise meistens aus Teak und brauchen nicht weiter behandelt zu werden. Meine sind es leider nicht, sondern sehen unter dem Lack etwas rötlich aus, daher tippe ich auf Mahagoni.

Falls es sich bei dem zu renovierenden Teil jedoch nicht um Teak, sondern um beispielsweise Mahagoni handelt, ist Lackieren angesagt. Man kann auch hier ölen oder hat alternativ die Auswahl zwischen einkomponentigem Lack (der ist eher weich) und zweikomponentigem Lack (mit Härter, wird so hart wie GFK). Beim Anfassen merkt man es schon: wenn der Fingernagel eine kleine Delle eindrücken kann und es sich eher gummistumpf anfühlt, dann hat man wohl einkomponentigen Lack drauf. Und so kam ich zu meiner ersten Dose „Hempel Dura-Gloss Varnish“, einem rotdurchsichtigen Lack. Gemeinsam mit dem dazu passenden Verdünner verbrachten wir die schönsten Nachmittagsstunden gemeinsam an Deck damit, die verschiedensten Holzteile abzuschleifen und wieder einzupinseln. Dort, wo der Lack schon am Abplatzen war, musste die ganze Stelle mit einem scharfen Messer gesäubert und der Bootslack schön verdünnt in einer ersten Schicht aufgetragen werden. Er sieht aus wie roter Himbeersirup, man muss sich schon zusammenreißen, nicht mal eben dran zu naschen. Sechs Schichten verlangt das Faltblatt. Mehr als eine pro Tag geht nicht, man ist also den ganzen Urlaub damit beschäftigt, diesen Sirup zu verstreichen. Zwischendurch lehnt man sich noch mehrmals versehentlich an die gerade gestrichene Stelle. Oder man tritt drauf. Kurz und gut: so schön wie die Werft das damals hinbekommen hat wurde es bei mir nicht. Aber auch hier zählt, dass jede zusätzliche Schicht das Wasser und die Sonne abhält. Also immer dick drauf damit.

Kroatien 2015 (103) holz lackieren

Je mehr Sonne und Wetter das Holz abbekommt, umso schneller altert also der Lack. Dieses Jahr hatte ich die Cockpit-Persenning nicht aufgespannt und das Ergebnis war fatal. Mittlerweile bin ich soweit zu sagen, dass ich mir lieber alle fünf Jahre eine neue Persenning schneidern lasse, als nochmal diese Lackorgie durchzuziehen. Die Persenning kommt drauf für die zehn Monate im Jahr, an denen ich nicht da bin und die Holzteile sehen dafür aus wie neu!
Und wie pflegt man jetzt die Persenning, die aus Stoff, Reißverschlüssen, etwas Kunstleder und den durchsichtigen Plastikfenstern besteht…? Ich fürchte, darum werde ich mich ein andermal kümmern.

Plexiglas/Acrylglas polieren

Kunstglas hat die Angewohnheit, irgendwann kleine Risse zu bekommen und auch noch blind zu werden. Es legt sich ein milchiger Schleier durch’s Plastik und man kann kaum noch etwas erkennen. Im Netz kursieren verschiedene Tipps, wie man Plexiglas wieder auffrischen kann, als da wären:

  • Zahnpasta + Öl = Polierpaste
  • Autopolitur
  • Spezielle Reiniger, Plexiglaspolierpaste, Acrylglasreiniger, Xerapol

Ich habe es zunächst einmal mit kroatischer Zahnpasta pur versucht. Leider mit kaum zu erkennendem Resultat. Dafür riecht die Scheibe jetzt schön frisch und nach Kräutern… wahrscheinlich muss hier was härteres ran. Nur, ob damit die Milchschleier verschwinden, bezweifele ich doch arg.
Nachtrag Herbst 2016: die Lösung heißt „Yachticon Acrylglas Kratzer Entferner„. Unglaubliches Ergebnis… die Scheibe sieht wieder aus wie neu. Gerne würde ich für dieses Statement von der Firma Yachticon einen Sack voll Geld entgegen nehmen… sie mögen sich einfach per Email bei mir melden.

Kroatien 2015 (165) acrylglas plexiglas zahnpasta

Segeln auf der Adria 34: Schatzsuche im U-Boot Bunker

Zwischen den Inseln Dugi Otok und Iz bei Halbwind unterwegs, doch plötzlich ist Flaute. Die Segel schlagen nutzlos herum und mein Blick streift das gegenüberliegende Ufer… doch was ist das, ein schwarzes Loch?!

Schaut man sich den kroatischen Küstenstreifen einmal näher an, so findet man in den Revierführern (z.B. 808 Buchten von Beständig) immer wieder Hinweise auf Bunker. Oft sind das U-Boot Bunker oder auch generell einfach ins Wasser und in die Felsen geschlagene Bunker für beliebige militärische Boote. In den offiziellen kroatischen Seekarten für Sportboote sind sie übrigens nicht verzeichnet. Beim ersten Anblick denkt man sich „original deutsche Baukunst, zweiter Weltkrieg!“, aber dem ist nicht so. Sie sind erheblich neuer und wurden vom Jugoslawischen Militär noch bis vor wenigen Jahren genutzt. Entsprechend sehen sie auch aus, mit Beton ausgespritzt und alles in allem noch ziemlich gut in Schuss.

Kroatien 2015 (146) u-boot bunker angeln

Der große Bunker auf der Insel Vis reicht mit seinen Gängen bis auf die gegenüberliegende Seite der Felsformation. Nimmt man eine Taschenlampe mit (und einige Freunde zur mentalen Unterstützung), so kann man die dunklen Gänge erkunden und erreicht an deren Ende den Hinterausgang mit Blick aufs Meer. Hier stehen noch Fundamente für große Geschütze und man kann sich den militärischen Sinn der Anlage somit ziemlich gut vorstellen. Irgendwo soll hier auch ein „Schatz“ versteckt sein, den Geocacher hierher gebracht haben. Leider haben wir ihn nicht gefunden.

vis_bunker_geocaching

Die maximale Höhe dieser Bunkergewölbe schätze ich auf etwa 15 Meter. Größere Yachten ab 40 Fuß passen mit ihren Masten dort nicht mehr hinein. Ich kleines 27 Fuß Boot mit 11 Meter Mast könnte dort direkt reinfahren. So richtig gut fühlt es sich aber nicht an, in so ein dunkles Loch zu tuckern. Es tropft von der Decke. Fledermäuse flattern herum. Und Ratten soll es auch geben, die dann bequem über die Landfeste an Bord kommen können… und natürlich kann auch jeder andere Unhold leicht an Bord steigen.

Kroatien 2015 (154) bunker dugi otok

Gegen Ratten kann man runde Pappscheiben an den Festmacherleinen montieren. Gegen Unholde hilft nur die solide Maglite Taschenlampe. Mehr als ein paar dicke Traktorreifen trennen einen jedenfalls nicht von der Spundwand. Es ist daher in jedem Fall anzuraten, die Fender ordentlich auszubringen oder sogar Fenderbretter auszuhängen, falls man welche hat. Neben den dicken Pollern und Metallösen stehen nämlich auch manchmal nutzlose und rostige Metallstreben hervor, die im Kampf mit GFK sicherlich als Sieger hervorgehen.

Der Bunker in Vis ist ein Touristenhighlight, dort legen tagsüber auch Ausflugsschiffe an. Und die reagieren etwas gereizt, wenn man dort schon nachmittags am Eingang festmacht und den Platz blockiert. Es ist alles in allem kein wirklicher Spaß, an einem Bunkereingang zu übernachten. Für eine kurze Pause ist es aber schön: eben mal schnell angelegt, ausgestiegen, Fotos gemacht. Und vom Rand der Rampe ins Wasser gesprungen. Dafür sind diese Bunker prima geeignet und gerade an Tagen ohne Wind die ideale Abwechslung.

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Der Bunker an der nördlichen Ostküste von Dugi Otok ist leicht zugänglich, hat aber auch nicht sehr viel zu bieten. Im hinteren Teil wurde irgendwann ein Auffangbecken, eine Zisterne für Regenwasser gebaut, das man über einen Wasserhahn abzapfen kann. Alles ist von Kalkstrukturen überzogen. Weitreichende Gänge wie auf Vis gibt es hier aber keine.

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Eine Woche Martinque zum Eingewöhnen

Ich verreise nicht gerne nur für einen 2-Wochen-Event. Wenn ich schon um die halbe Welt fliege, möchte ich auch ein wenig in die örtliche Kultur eintauchen. Und deshalb verbrachte ich im Dezember 2008 eine Woche zur Akklimatisierung in einem Bungalow auf der Insel Martinique, bevor es auf große Fahrt ging.

Die große Fahrt, das war der Segeltörn, den ich schon im Artikel „Segeln mit dem Katamaran durch die Karibik“ beschrieben habe. Die Woche davor habe ich größtenteils nichts gemacht. Niente. Also, keine Pläne geschmiedet, welche Ecken der Insel Martinique ich besuchen möchte. Keine „Must-See“ und „Big-Fife“ oder „Top-10“ der lokalen Touristenhighlights herausgesucht. Letztendlich bin ich dort natürlich schon gelandet. Aber freiwillig. Und immer dann, wenn ich es wollte. Denn ich hatte ein Auto. Das ist sehr zu empfehlen, auch wenn die Karren ein bißchen rumpelig wirken, so bringen sie einen doch zumindest im ersten Gang über jeden Hügel der Insel. Was man bedenken sollte ist, dass es hier in karibischen Gefilden um Punkt 18 Uhr dunkel wird. Eben noch pickt man sein Gepäck vom Gepäckband und sieht draußen den idyllischen Sonnenuntergang. Und schon ist es finstere Nacht. Die Sonne fällt ins Wasser – und wo eben noch die Kolibris koitiert haben, schnalzen jetzt die Grillen.

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Und diese Grillen sind echt tierisch laut. Man hört sie durch die geschlossenen Fensterscheiben und denkt, sie müssen mal mindestens die Größe von Eichhörnchen haben, um diesen Lärm produzieren zu können. Dazu kommt das Gequietsche der Förderpumpen links und rechts der Landstraße. Und es regnet. Und statt Standstreifen haben die Straßen einen metertiefen Seitengraben als Ablauf für das Regenwasser. Einmal falsch gelenkt und der Corsa ist hinüber. Meine Güte, was für ein Einstieg… Navi gab es 2008 auch keins. Hab die halbe Küste nach der Bungalow-Siedlung abgesucht. Dann fand ich die Einfahrt, gleich hinter dem Kaff namens „Le Diamond“, ein kleines Tor am Rande der Landstraße nach Petite Anse: Les Océanides!

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Da stand ich nun in meinem Bungalowchen. Den Seesack über die Schulter geworfen und den Gitarrenkoffer unter dem Arm. Regentropfen so groß wie Murmeln sammelten sich auf den Blättern der Pflanzen im Garten. Und ich dachte mir, dass dieses üppige Grün wohl heute den Regenguss seines Lebens abbekommen hatte. Das war auch so, wie ich später feststellen sollte. Ich lag auf dem Bett und es fiel mir Dank abendlicher Dunkelheit und Jetlag nicht schwer, einzuschlafen.

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Wer früh schlafen geht, wacht auch früh wieder auf. Und so kam es, dass ich in dieser Woche fast immer mit der Sonne aufstand. Das ist früh! Sie geht hier irgendwann kurz nach 6 Uhr auf, der Horizont färbt sich entsprechend früher. Mein Bungalow war schön nach Süden ausgerichtet, so dass ich die ersten Sonnenstrahlen um die Ecke lunzen sah. Eigentlich bin ich eine Eule. Aber für diese eine Woche wurde ich zur Lärche. Was tun mit all der Zeit?!

Zum Beispiel Cruisen gehen. Mit dem Miet-Corsa in aller Ruhe mal die Küstenstraße abfahren (also nicht das, was andere Randgruppen unter diesem Begriff verstehen!).  Was mir auffiel: schon im nächsten Kaff ist der Sand schwarz statt weiß. Und man wird komisch angeschaut, wenn man bei 30° C und 100% Luftfeuchtigkeit eine Regenjacke trägt. Viel Armut. Zerrupfte Dörfer und Flußläufe. Argwöhnisch kuckende Einheimische. Warum ist der nicht in seiner Ferienanlage? Hat er vielleicht sein Kreuzfahrtschiff verpasst? Haben sie ihn ausgesetzt?

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Also erkunde ich die anderen Ecken in Martiniques Süden. Irgendwie steckt in den Straßen ja auch ein Stück meiner Steuern. Denn Frankreich unterstützt seine Départements auf der anderen Seite des Atlantiks nicht zu knapp mit Euronen und hinzu kommen noch Gelder aus EU-Fördertöpfen. Deswegen gibt es hier (und auch auf Madeira und ich möchte meinen Arsch verwetten auch auf den Azoren und Kanaren) exzellente Landstraßen und stylische Flughäfen. War das wirklich so gedacht, als man das System erfand…?

Die Landstraßen schlängeln sich den Berg hinauf und sind so prächtig, dass die Einheimischen sie gerne für Rennen nutzen. Es kann also passieren, dass einem auf 1.500 m Höhe über dem Meer in einer engen Kurve ein Kleinwagen auf der eigenen Spur entgegen kommt. Wohin, wenn rechts nur Fels ist und links der Abgrund? Das dachte sich wohl auch der Franz-Karibe und schwenkte mit rauchenden Reifen zurück auf seine Seite des Abhangs… verdammte Hacke, sowas braucht kein Mensch. Zerfetzt werden auf Martinique, da kommt mich am Grab doch keiner besuchen. Sobald mein Herzschlag wieder im Mitteleuropäischen Bereich angelangt war, hielt ich an der nächsten Parkbucht an und besuchte den örtlichen Hähnchenbrater. Die Schwarzkariben braten gerne mal ein Huhn. Besonders gerne in einem halbierten Ölfass. Und so knabberte ich mein Backhendl und bewunderte die in Lokalkolorit verfassten Schilder des Restaurants.

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Weiter rauf den Berg und auch sonst an jeder Ecke gibt es sehenswerte Flora zu bestaunen. Genau wie auch auf Madeira sprießt es hier aus jeder Ecke und ein botanischer Park folgt dem nächsten. Sehr schön ist zum Beispiel der Jardin de Balata in den Bergen nördlich von Fort-de-France. Als sonstige Flora gibt es auf Martinique eigentlich nur noch zwei erwähnenswerte Arten: Zuckerrohr und Bananen. Beide werden auf großen Plantagen angebaut und haben über die Jahrhunderte dazu geführt, dass auf diese Insel nahezu jede Frucht (und auch fast das gesamte Fleisch) importiert werden muss. Dank der Subventionen aus Paris ist das möglich und so wird auch in absehbarer Zeit niemand auf die Idee kommen, hier sinnvollere Dinge als Zuckerrohr und Bananen anzupflanzen.

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A propos Zuckerrohr. Wie auch auf anderen Inseln der Karibik wird er nahezu vollständig zu Rum verarbeitet. Besonders der frische, klare und etwas grasig schmeckende Rhum Agricole ist hier zu erwähnen. Auf Madeira am anderen Ende des Atlantiks heißt er Aguardente, die Brasilianer nennen ihn Cachaça. Bekannte Destillerien sind hier auf Martinique zum Beispiel Dillon, Trois Rivières, Clément oder La Mauny. Alle haben sie mehr oder weniger schöne Destillerien. Die Rumbrennerei in Calheta auf Madeira schlagen sie jedoch mit Leichtigkeit. Hervorzuheben sind hier die Destillerien von Dillon bei Fort-de-France und die von Clément auf der Ostseite der Insel. Gleich daneben befindet sich eine verfallene Bananenplantage inklusive wildem Stier, die ebenfalls einen Besuch wert ist.

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Die Marken Dillon und La Mauny bekommt man auch in den Feinkostabteilungen vieler deutscher Supermärkte. Ein Daumenhoch davon im Schnapsglas zusammen mit einem Viertel ausgedrückter Limette, etwas Zuckerrohrsirup und einer Prise Muskatnuß und schon erhält man den kleinen Apéritif namens Ti Punch. Der macht zwar ganz schön blau, besonders wenn man den „authentischen“ Rum mit 55 Umdrehungen verwendet. Dafür hat er aber ein Aroma zum Niederknien.

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Irgendwann zieht es einen auch mal in die Hauptstadt Fort-de-France. Hier habe ich es weniger als 15 Minuten ausgehalten. Mangels Parkplatz aber dafür mit penetrant drängelnden Einheimischen gesegnet, gab ich meinem kleinen Corsa die Sporen und schon waren wir wieder auf der Landstraße nach ich-weiß-nicht-wo.

So verging ein Tag nach dem anderen. Früh aufstehen, dann auf dem Markt einkaufen. Natur und Orte besichtigen. An traumhaften Stränden faulenzen. Und abends vor dem Grill zu ein paar Gläsern Rum und mit Gitarrengezupfe den Sonnenuntergang bewundern. Was will man mehr von einem Urlaub. Die Zeit vergeht wie im Fluge, man gewöhnt sich sogar ein wenig an die karibische Gelassenheit. Und mit dieser gesunden Einstellung trat ich den längeren Teil der Karibikreise auf einem Katamaran unter Segeln an.

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Ein Tag auf der Galopprennbahn in Frankfurt

Die frankfurter Galopprennbahn gibt es seit 1864. Jetzt hat die Stadt sie an den Deutschen Fußball Bund verhökert und ihr letztes Stündlein hat geschlagen. Wir waren dabei, als das (wahrscheinlich) letzte Rennen lief.

Obwohl vertraglich zwischen der Stadt Frankfurt und dem DFB soweit alles unter Dach und Fach war, wurden auf der Rennbahn weiterhin fleißig Rennen veranstaltet, so als ob nichts wäre. Und auch so, als ob es keine festgelegten Termine für die Räumung des Geländes gäbe. Dem Schicksal ins Gesicht spuckend, pochte der Frankfurter Rennclub auf bestehende Verträge und veranstaltete einfach weiter ein Rennen nach dem anderen. Das letzte war am 15. November und man kann es nicht anders beschreiben als einen prallen Event für die ganze Familie, das Unmengen von Zuschauern anzog.

galopprennbahn_frankfurt (8) ziel einlauf

Im Gegensatz zu gängigen Vorurteilen ist das Reiten selbst zwar ein teurer Sport. Das Zugucken an der Rennbahn ist dagegen billiger als ein Kinobesuch und man kann den halben Tag dort verbringen. Die Imbiss-Stände verkaufen ihre Bratwurst, den Espresso, die Crêpes und den Piccolo zu anständigen Preisen. Es ist billiger als auf jedem Bauernmarkt. Das Publikum ist bunt gemischt und es werden vereinzelt sogar ein paar elegante Hutträgerinnen gesichtet. Hier und dort ein Dandy mit Tweedjacke und Knickerbockern… da kommt Flair auf! Die meisten laufen allerdings rum wie immer und schenken dem eigentlichen Rennen auch nicht mehr Beachtung als es verdient hat.

Wie läuft das ab, so ein Galopprennen? Zunächst mal das Wichtigste: man ist ständig auf Achse. Als erstes deckt man sich mit Wett-Zetteln ein. Hier drauf werden die Tipps notiert. Bevor man aber auf ein Pferd setzt, sollte man es sich zunächst einmal im Führring anschauen. Wirkt es unruhig und tänzelt auf und ab? Könnte heißen, dass es kaum zu bändigen ist und eine Spitzenzeit hinlegt! Könnte aber auch heißen, dass ihm die Nerven durchgehen und es keinen einzigen Platz gutmacht.

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Jetzt wirft man einen Blick auf die große LED-Leinwand. Hier werden kontinuierlich die Quoten für jedes teilnehmende Pferd angezeigt. Je höher, desto schlechter das Pferd. Je niedriger, desto bessere Chancen werden dem Gaul eingeräumt. Die Quoten sind ständig in Bewegung, je nachdem wie viele Leute noch am Tipp-Abgeben sind.

galopprennbahn_frankfurt (4) LED Leinwand

Jetzt wird der Wett-Zettel ausgefüllt. Zuerst die Nummer des Rennens. Das können locker acht Stück sein. Dann den Einsatz: 50 Cent, 1 Euro, 2 Euro, etc. Dann die Art der Wette: auf Sieg (Gaul ist erster), auf Platz (Gaul kommt unter die ersten drei Plätze) oder auf Einlauf (mehrere Gäule laufen in bestimmter Reihenfolge ins Ziel ein). Und schließlich die Nummer des Pferdes. Mit dem Zettel läuft man nun zum Wettschalter, bezahlt und gibt ihn ab.

Jetzt läuft man rüber zur Tribüne oder einfach an den Rand der Rennbahn und wartet auf den Start. Nach ein paar Minuten ist das Rennen vorbei und man ist entweder reich geworden oder hat, was wahrscheinlicher ist, „äusserst knapp“ sein Haus und Hof verzockt.

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Hilft aber alles nichts… schnell einen leeren Wettschein gezückt, rüber zum Führring gegangen und auf das nächste Rennen gesetzt. Die ganze Prozedur beschreibt auch der Frankfurter Rennclub sehr schön auf seiner Webseite: Das erste Mal auf der Rennbahn.

Es ist übrigens keine Schande, auch mal ein Rennen auszulassen und bei Bier und Bratwurst dem Getümmel zuzuschauen. So hat man auch die Muße, der Siegerehrung beizuwohnen, die reichlich unemotional geschätzte 90 Sekunden dauert. Oder im Programmheft zu blättern und nach der Verwandschaft der rennenden Gäule zu schauen. Vielleicht ist ja ein berühmter Papa oder eine schnelle Mama dabei und diese Information sollte natürlich ausgewertet werden und in das nächste Rennen mit einfließen…

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