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Essen im serbischen Subotica

Die Stadt Subotica liegt weit im Norden von Serbien, an den Grenzen zu Ungarn und Kroatien. Wie man hier kulinarisch über die Runden kommt und wie man zu Hause in Deutschland das original serbische Grillaroma erreicht, darum geht es in diesem Artikel.

Mehr als „über die Runden kommen“ kann man das tatsächlich nicht nennen, denn kulinarisch ist Serbien ein echtes Niemandsland. Was fällt einem zu Serbien ein, außer Krieg und Bohnensuppe? Wenig, das ist es eben. Natürlich gibt es auch hier sämtliche Balkanspezialitäten wie im weitaus bekannteren Kroatien. Aber ein richtiges „Trademark“-Gericht, das gibt es nicht. Ich war beruflich für ein paar Tage in Subotica (spricht man aus wie „Subotiza“) und habe dort nach einigen Fehlschlägen schließlich doch noch eine gute Essensquelle gefunden.

Die Stadt selbst ist eine wilde Mischung aus allen Kulturen oder Nationen, die hier einmal drüber gerutscht sind. Sie hat im Laufe der Geschichte x-Mal ihren Namen geändert, um es dem jeweiligen Herrscher Recht zu machen. Egal ob das jetzt die Österreicher, Ungarn oder Türken waren. Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Leider nur sehr wenige beim Essen, das ist mir unerklärlich. Hier im Norden des Landes merkt man von der Nähe zu Ungarn herzlich wenig. Weder Paprikagerichte noch Gulasch & Co. tauchen hier auf. Im Süden soll es wohl etwas türkisch zugehen, aber wenn damit das allgegenwärtige Burek gemeint ist, dann gibt es das auch sonst überall auf dem Balkan.

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Das Hotel „Galleria“

Subotica ist zwar für serbische Verhältnisse groß, hat aber trotzdem nur wenige gute Hotels. Eines davon ist das „Galleria Hotel“, das einen ganzen Straßenblock in der Innenstadt einnimmt und sehr gut ausgeschildert ist. Da das Navi hier im Land nicht richtig funktioniert, fährt man ab der Ortseinfahrt einfach den Schildern nach. Alles Wichtige ist nicht nur in kyrillischen sondern auch in lateinischen Buchstaben ausgeschrieben. Im Hotel hat es einen Wellnessbereich, der gut ausgestattet ist. Er entspricht etwa einer mittleren Saunalandschaft in Deutschland, es soll in Serbien aber angeblich nichts besseres geben. Frühstück, Service etc. ist mittlerer Standard. Hierzulande vergibt man sich dafür schon mal selbst 4 Sterne. Das Niveau in Serbien ist generell sehr niedrig. Ich weiß immer noch nicht, ob man das Land offiziell als Schwellenland bezeichnen darf. An seine Nachbarn reicht es jedenfalls bei weitem nicht heran. Wie auch immer, im Hotel gibt es ein bayerisches Restaurant, bzw. Bar namens „München“, wo Paulaner gezapft wird. Ansonsten serviert man dort morgens frisch gebratene und abends dann in der Mikrowelle erwärmte Würstchen als original deutsche Spezialität. Hier sollte man besser fernbleiben.

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Das Restaurant „Boss“

Nachdem ich einen ganzen Abend lang in der Innenstadt herumgeirrt bin, ohne ein Restaurant zu finden, habe ich später dann zum Glück das „Boss“ in einer Nebenstraße des Hotels gefunden. Unter demselben Namen befinden sich in direkter Nähe noch zwei Cafés, eine Pizzeria und eine Vinothek. Mir wurde gesagt, der deutsche Besitzer hat hier in der Stadt viele Eisen im Feuer. Ihm gehört auch ein großer Teil des örtlichen Industriegebiets, in dem gerade wie blöde expandiert wird. Da Polen und Tschechien nicht mehr zu den billigen Standorten für produzierende Firmen gehört, geht der Stab jetzt an Serbien. Für die nächsten 10 Jahre ist hier also auf der grünen Wiese richtig Cash zu machen. Wo die hier arbeitende Bevölkerung ihren Mittagsimbiss holt, steht weiter unten.

Zurück zum Restaurant-Café „Boss“. Serviert wird eine ungewöhnliche Mischung aus Pizza, Pasta, Balkanküche und: chinesisch! Auf diese Kombination muss man erstmal kommen. Aber es funktioniert. Die Pizza ist zwar etwas weich und labberig, aber lecker. Die gefüllten serbischen Kroketten knusprig und vor allem ist das chinesische Essen erstaunlich gut. Hier muss ein „richtiger“ Chinese in der Küche stehen, denn es schmeckt wesentlich besser als in jedem deutschen Chinarestaurant. Das Bier vom Fass perlt und die Bedienung ist aufmerksam, was will man mehr. Preislich kostet das Essen hier etwa die Hälfte in Vergleich zu Deutschland. Auch bei einem Cappuccino für unter 1 Euro kann man nicht meckern.

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Snack, Imbiss und Grill: „The Best“ und andere

Dieser und andere Grills umgeben das Hotel und füllen im Prinzip die gesamte Innenstadt auf. Da es kaum noch normale Geschäfte gibt, bleiben so manche Lücken in den Häuserreihen leer. Ebenso ist die Dichte von Glücksspiel-Spelunken, Bars und Cafés schon im Bereich der absoluten Sättigung angekommen. Für einen Grill oder Snackbetrieb ist aber immer noch ein Plätzchen frei. Auch ganz normale Restaurants gibt es kaum, aber Pljeskavica & Co. sind an jeder Ecke anzutreffen. Für 2 bis 3 Euro bekommt man eine ordentliche Portion mit Beilage.

Dass die herkömmlichen Geschäfte ausgestorben sind, läge an dem Flohmarkt Komplex, der im Südwesten der Stadt gleich neben dem Industriegebiet aus dem Boden gestampft wurde, sagten mir die Einheimischen. Hierbei handelt es sich im Prinzip um einen Dauerflohmarkt, der jeden Tag von morgens bis mittags öffnet und wo man von Bratpfannen bis zu Wintermänteln alles bekommt. Die Folge war, dass die meisten innerstädtischen Geschäfte dicht machen mussten. Eigentlich genau wie in Frankreich, nur dass hier statt Mega-Hyper-Super Marchées ein einfacher Flohmarkt das Sterben eingeleitet hat.

Da auf dem Markt der Teufel los ist und auch die arbeitende Bevölkerung aus dem Industriegebiet mittags was zwischen die Rippen braucht, hat es in den dort ansässigen Imbissbuden Hochbetrieb. Hier wird gegrillt und gebacken, was das Zeug hält und die Qualität ist überzeugend. Tatsächlich habe ich das beste Pljeskavica genau hier in einem serbischen Grill/Bäckerei/Imbiss gegessen! Das Geheimnis des guten Fleischgeschmacks läge im Räuchern, sagte man mir. Man nimmt das rohe Fleisch und hält es für einige Zeit in die qualmende Holzkohle. Dadurch nimmt es den rauchigen Geschmack an und kann anschließend über dem Feuer gegrillt werden. Wichtig ist, dass die Kohle nur qualmt und nicht brennt. Denn sonst wird es zu heiß. Falls das Feuer doch mal auflodert, kann man es mit einer Handvoll Salz wieder bändigen. Wieder was gelernt. Wenn ich mich recht entsinne, sind mir schon in Kroatien die vielen qualmenden Grills aufgefallen. Und ich habe mich immer gefragt, wozu das gut sein soll. Möglicherweise bekommt man zu dem Aroma auch gleich noch Krebs mitgeliefert. Denn uns Deutschen wird ja seit Ewigkeiten schon eingetrichtert, dass so ziemlich alles zwischen Himmel und Erde und insbesondere die im Rauch enthaltenen Schadstoffe krebserzeugend sein sollen. Und deswegen schmeckt unser Grillgut auch irgendwie kastriert. Muss jeder selbst entscheiden. Geschmacklich ist der Krebs jedenfalls bombastisch.

Wer auf solch ein versautes Grillerlebnis steht und in Frankfurt wohnt, dem sei der „Balkan Grill“ im Gallus an der Mainzer Landstraße wärmstens empfohlen! Hier werden kaum zu schaffende Fleischberge serviert, leider ist die Atmosphäre ein wenig Bahnhofshallenartig. Wer es genauer wissen will, lese die Kritiken auf Yelp. Als Vegetarier oder Biofundamentalist sollte man aber vielleicht woanders hingehen…

Segeln auf der Adria 27: Biograd und die Marina Kornati

Weiter vorne im Blog hatte ich noch überschwänglich verkündet, dass 3.000 Euro für einen Jahresliegeplatz in Kroatien doch viel zu viel Geld wären. Tja. Viele Anfragen später kehrt Ernüchterung ein: es ist selbst für ein Boot meiner (kleinen) Größe kaum möglich, unter 4.000 Euro zu kommen. Jetzt liege ich in Biograd in der sehr großen Marina Kornati und löhne erstmal knapp 2 Riesen für das erste Winterhalbjahr, so sieht’s aus.

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Es gäbe schon noch Alternativen, und womöglich werde ich sie auch in Zukunft nutzen, aber für jetzt liegt meine Zelda eben in einem „normalen“ und somit teuren Hafen. Es wäre theoretisch noch möglich, die Yacht im Trockenlager auf dem Festland unterzubringen. Hierfür bräuchte ich aber wieder einen eigenen Trailer und den habe ich nicht. Auch die Möglichkeit, in kleineren Häfen zu liegen, kommt in Betracht. Außerdem gibt es natürlich noch die Marinas auf den äußeren Inseln, wie z.B. auf Veli Rat, wo der Liegeplatz nur halb so teuer wäre. Nur mit dem Hinkommen ist es so eine Sache. Da ich mir die Option des Verkaufs meiner Zelda offen halten möchte, kommt keine entlegene Region in Frage. Es muss schon in Reichweite eines Flughafens liegen. Und der von Zadar ist vielleicht 30 Minuten entfernt, das ist ein Argument.

Am Steg
Hier in der Marina, genaugenommen im Eignerbereich der „Marina South“, ist alles fest in Österreichisch/Deutscher Hand. Ein paar verstreute Kroaten und Italiener tummeln sich noch, die Stegsprache ist aber Deutsch. Kaum dass ich angelegt habe, wurden mir schon die dramatischsten Geschichten und Gerüchte über andere Boote und deren Eigner zugetragen. Bin da immer etwas unangenehm berührt von, denn wenn ich eins nicht mag, dann dieses Steg-Geklüngel, kleingartenvereinsmäßige Bräuche oder wie ein Kommentator es hier ausdrückte: „alles Schreberwassler!“. Apropos Steg: er ist aus Beton und wird von Stahlgerüsten unter Wasser sehr, äh, fachmännisch, über Wasser gehalten. An anderer Stelle ist der Beton schon zusammengestürzt. Na ja, mer wolle es net so genau wisse, das Boot ist jedenfalls versichert. Gut ist, dass die Stege der Charterboote in einer separaten Ecke der Marina untergebracht sind. So hört man am Wochenende wenigstens nur noch die lautesten Russen und Polen, aber nicht mehr jeden Freudenschrei. Mit einigen Freunden hatten wir dort vor ein paar Jahren auch einmal gechartert. Das einzige, was ich noch weiß ist, dass es sich auf jeden Fall lohnt, selbst am späten Abend noch auszulaufen… Was ich auch noch weiß aber erfolgreich verdrängt habe, ist der Gedanke an das Dingi, welches wir in diesem Urlaub vor der Insel Vis mitsamt dem Außenborder verloren haben. Das Seil zum Festmachen war wohl etwas dünn für die Klampe und mein Knoten vielleicht nicht ganz so fachmännisch. Naja. Bis heute werde alle belegten Klampen dafür dreimal kontrolliert!

Sanitäres
Für den stolzen Preis, den man hier verlangt, sehen die Sanitäranlagen eher unterirdisch aus. Sie bestehen für Männlein und Weiblein aus je einem umgerüsteten Container. Kein Vergleich zu anderen Marinas, wo einem Bach und Mozart auf der geräumigen Toilette um die Ohren wehen. Sauber ist hier ja alles, aber irgendwie wollen die Container einfach nicht zum Preis passen.

Personal
Sehr gut sind die Marinerojungs. Ich habe ja eine leichte Abneigung gegen das Funken (man sollte sich über Kanal 17 eigentlich anmelden) und fahre immer nach Lust und Laune in die Marina zurück. Die Marineros haben aber zum Glück ein Vorwarnsystem in Form eines kleinen Stegs, von dem aus einer Wache hält und die Kollegen im entsprechenden Marina Abschnitt, wo ein dann Boot hinsteuert, vorwarnt. So kommt netterweise immer einer angesprintet, wenn ich anlegen will, was die Sache doch vereinfacht. Auch an der Rezeption ist man nett und spricht Deutsch. Es geht gemächlich zu, aber das ist hier normal.

Service Dienstleister
Auf dem Gelände der Marina befinden sich diverse Dienstleister für alles mögliche. Die sollte man auch nutzen, denn Dank des von mir unterschriebenen Knebelvertrags gilt hier (und auch in den meisten anderen Marinas), dass man für jeden Handwerker von ausserhalb einen exorbitant hohen Schutzzoll zahlen muss. Den Motorservice konnte ich zum Glück sehr spontan und auch preiswert bekommen, da ich alle notwendigen Ersatzteile wie Filter und Impeller schon vorrätig hatte und nur noch Montage und Ölwechsel brauchte. Wie das mit dem Raus- und Reinkranen hier abläuft und ob es ein ähnliches Chaos wie in Portoroz wird, das werde ich wohl im nächsten Frühsommer merken.

Das Restaurant
Es gibt auch ein Restaurant, das häufig lobend erwähnt wird, ganz besonders seine Fischspeisen. Es ist jedoch unterirdisch schlecht und sollte weiträumig umsegelt werden. Vielleicht sollte man auch nicht an einem Freitagabend dort hingehen, aber genau dann wird Leistung gefordert, da viele Crews hier ihren Abschlussabend verbringen. Erst wenn die Küche unter Last ist, merkt man, ob sie was taugt oder nicht. Folgendes haben sie bei uns vermasselt: trockenen gemischten Salat hingestellt ohne Essig/Öl/Salz/Pfeffer zu bringen. Lauwarmen Weißwein serviert. Körniges, flüssiges Risotto gebracht. Eine Fischplatte für zwei Personen serviert, von der nicht einmal eine satt geworden wäre, da sich nur zwei kleine Makrelen und ein paar verstreute Beilagen auf dem Teller befanden. Dazu ein lange Wartezeit und schließlich ein geschockter Kellner, als ich ihm genau diese Mängel genannt habe. Schlechter als hier habe ich während meiner ganzen Zeit in Kroatien nicht gegessen. Es kam zwar schon vor, dass irgendetwas nicht stimmte und an den warmen Wein kann man sich auf die Dauer auch gewöhnen. Aber da hier alles zusammen in geballter Masse auftritt, bleibt mir nur das Fazit, dass man in diesem Laden wohl auf Gäste setzt, die sich hier einmal und nie wieder blicken lassen. Und das sind nunmal die armen Chartercrews.

In die Altstadt von Biograd
Wenige Minuten von der Marina entfernt liegt die Altstadt von Biograd. Wie fast alle Altstädte hier in Küstennähe besteht sie zu 70% aus Restaurants und zu 30% aus Eisdielen. Aber das macht nichts, ich bin ja kein Prüfer der UNESCO sondern bloß ein genußsüchtiger Tourist und freue mich über eine üppige Auswahl an Restaurants und Konobas! Die Basiskarte ist eh überall gleich und die Qualität solide. Wo wir es lecker fanden: Konoba Barba (top fitte Bedienung, gemütliches Ambiente, gut gefüllte Fischplatte siehe Bild) und Restaurant Stari Grad (gleich neben der Kirche, gutes Fleisch in der Peka). Ob die beiden Läden nächstes Jahr auch noch zu empfehlen sind, steht in den Sternen. Ich vermute mal, dass sich das hier schneller ändert, als die Kroaten neue Gebühren für Segeltouristen erfinden.

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Sehr lustig war der Rekordversuch am 21.09., wo der mit 1.200 Metern längste Kirschenstrudel der Welt gebacken werden sollte. Ab sie es geschafft haben, weiß ich nicht. Um 19 Uhr wurde der Riesenstrudel aufgebaut. Als wir um 21 Uhr aus der Konoba wieder herauskamen, war schon alles verputzt und aufgegessen! Dabei hatte ich doch auf eine süße Nachspeise spekuliert.

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Camping
Gleich neben dem Hotelhafen beginnt die Amüsiermeile von Biograd mit Kiesstränden, Pommes- und Palačinkabuden, Fahrgeschäften etc. Und hier liegt auch der Campingplatz Soline, wo meine Eltern für einige Tage mit dem Wohnwagen standen. Alles in allem kein wirklich schöner Platz, aber mit allem Komfort, den man so braucht. Und vor allem schön nahe an der Marina gelegen, das ist das Hauptargument. Der Campingplatz, die Marina, einige Hotels und der Hotelhafen gehören alle dem gleichen Besitzer, nämlich der Ilirija Gruppe. Daher bekommt man auch ein paar Prozent Rabatt, wenn man hier sowohl den Campingplatz als auch die Marina benutzt. Die Hotelrestaurants sahen nicht schlecht aus, müsste man einmal ausprobieren. In anderen Ländern habe ich die Erfahrung gemacht, dass man von Hotelrestaurants selten enttäuscht wird. Wer gerne Camping an der Adria betreibt, kann sich seinen Stellplatz über diverse Anbieter direkt online buchen. Auch diese feststehenden Mobilhomes, sprich Wohnwägen, lassen sich hier reservieren. Gute Erfahrungen haben wir damit auf der Insel Krk machen können.

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Segeln auf der Adria 26: Marina Kastela bei Split

Wie kommt man am besten von Deutschland runter nach Kroatien? Da bleibt nur selber Fahren, was lange dauert und in einem Rutsch nur was für schlaflose Masochisten ist, oder eben Fliegen. Wird geflogen, bleiben nur die Flughäfen Zadar oder Split. Zadar ist nicht schlecht, man ist in wenigen Taximinuten in Biograd oder in ein paar mehr Minuten auf der Insel Murter mit seinen drei großen Marinas. Ich habe meinen Freunden empfohlen, nach Split zu fliegen. Hier kann ich direkt in die Marina Kastela zwischen Trogir, wo der Flughafen liegt, und Split fahren. Man landet quasi genau in der goldenen Mitte zwischen Trogir und Split und braucht bloß vor dem Flughafengebäude in den Bus „Trogir-Airport-Split“ einsteigen, einfacher geht’s nicht. Zwischendrin signalisiert man dem Fahrer, dass man an der Marina Kastela aussteigen möchte, fertig. Die Bushaltestelle liegt gerade 2 Minuten oberhalb des Hafens und ehe man es sich versieht, sitzt man schon beim Sundowner auf dem Boot und kann den Flugzeugmief bei einem Gin-Tonic abschütteln.
Was gibt’s hier noch so?

Marina Kastela

Zunächst mal zur Marina selbst. Sie liegt in der zumeist geschützten Bucht zwischen Trogir und Split, ziemlich genau in der Mitte. Sobald man am kroatischen ozeanographischen Institut in die Bucht eingebogen ist, sieht man schon die Masten der Marina und kann direkt darauf zu halten. Unter der Woche werden Transityachten direkt an die Stege B und C gleich an der Rezeption gelotst, da ja die Charterflotten alle unterwegs sind. Die Marina ist dann gähnend leer und man kann sich in aller Ruhe um alles nötige kümmern, ohne von hektischen, käseweißen Deutschen und Österreichern über den Haufen gerannt zu werden.

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Die Marineros sind hier ausnahmslos hllfsbereit, es kommt nicht vor, dass sie einen ignorieren, wie es mir in Korcula passiert ist. Dafür sind die Murings von der versifftesten Sorte, aber das Boot wird ja eh saubergespritzt. Leider gibt es hier nur Jahresliegeplätze für Boote ab 10 m Länge, so dass es für meine Zelda hier zu teuer war, einen Dauerliegeplatz zu ergattern. Es klingt schon sehr nach bürokratischer Willkür, denn den Muringleinen ist es natürlich vollkommen egal, ob ein 8 oder ein 10 Meter Boot dranhängt. In anderen Marinas wird ehrlicherweise erwähnt, dass die Mindestkosten für einen Liegeplatz immer X Euro sind, was dann in der Regel einem 10 m Boot entspricht. Möglicherweise kommt es hier in der Marina auch bei anderen Gelegenheiten zu „Unregelmäßigkeiten“, wie es so schön heißt. Aber dazu kann ich mangels eigener Erfahrung nichts sagen.

Jedenfalls, Toiletten etc. alles Tiptop, auch einen Geldautomaten hat es hier. An zwei Nächten lief irgendwo Diesel aus einem der Boote, was zu einem Ölteppich im Hafen führte, der enorm gestunken hat. Sowas juckt hier keinen. Während in einer deutschen Marina die Feuerwehr mitsamt schwerem Gerät ausrücken würde (so gesehen in Kiel Schilksee), fahren hier am nächsten Morgen lediglich zwei Marineros mit dem Schlauchboot durch die Gegend und versprühen Spüli aus der Pump-Flasche…
Die Tankstelle befindet sich gleich neben der angrenzenden Vereinsmarina in einem schwimmenden Ponton und ist unter der Woche absolut frei. Hier macht es Spaß zu tanken. Man sollte nicht verschweigen, dass die Marina exakt unterhalb des steil aufragenden Bergrückens liegt, von dem hin und wieder die Bora herunter kachelt. Es gibt einem schon zu denken, dass manche Eignerboote hier mit vier Murings am Bug fixiert sind. Wie es aussieht, wenn die Bora in den Hafen fegt, aufgebockte Boote umwirft und das Wasser aufpeitscht, sieht man in diesem Video.

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Essen

Das Restaurant „Bibijana“ ist leider das einzige, aber auch zum Glück sehr gute Restaurant im Ort und liegt keine 50 Meter von der Marina entfernt. Zwar denkt man, hier würden nur großformatige Hochzeiten gefeiert, da vor dem Laden ein riesiger Pavillon mit 100 Stühlen steht. Aber ein wenig dahinter beginnt der eigentliche Sitzbereich unter Bäumen, wo man sich wieder wie in einem ganz normalen Restaurant wähnt. Man sollte hier unbedingt den Grillteller probieren oder sonst irgendetwas Gegrilltes. Ich weiß nicht, wie sie es machen, aber ein solch intensives Grillaroma habe ich noch nirgendwo geschmeckt, einfach allererste Klasse. Die Bedienung ist mehrsprachig unterwegs und je nach Kundschaft klebrig freundlich (britische Senioren-Stammcrew mit Schampus im Cooler), neutral (braungebrannter Dauerurlauber) oder grenzfreundlich (käseweiße Chartercrew). Wie gesagt: Gegrilltes essen, der Rest spielt keine Rolle.

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Einkaufen

Gleich an der Bushaltestelle empfängt einen schon das Lidl-Schild. Die ersten Male bin ich dort einkaufen gewesen, da ich dachte, der „Getro“ Großmarkt wäre wie in Deutschland nur den Großeinkäufern aus der Gastronomie vorbehalten. Ist aber nicht so, der Laden ist riesig und was man hier nicht findet, gibt es nicht. Ansonsten eben zu Lidl. Mit der Ikea-Tasche über der Schulter lassen sich hier die Einkäufe für eine Woche prima zu zweit transportieren. Die 15 Minuten vom Laden zum Boot muss man halt mal beißen. Schwere Sachen, wie einige Sixpacks Wasser und Bier können im Mini-Markt „Barba“ gleich gegenüber der Marina eingekauft werden. Hier gibt es auch allgemeines Bootszubehör, Campingaz, Tauwerk, Angelzeug, etc. Relativ gut sortiert für so einen Winzladen. Ach ja, an der Bushaltestelle ist ein Kiosk, wo sich das Prepaid Handy mit VIP-Karte wieder aufladen lässt. Es ist also für alles gesorgt, was Skipper und Boot glücklich macht.

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In die Stadt und zum Flughafen

Von der Bushaltestelle an der Marina fährt alle 20 Minuten ein Bus in Richtung Trogir oder Split. Es dauert beide Male etwa eine halbe Stunde und kostet unter 20 Kuna. Der Bus fährt bis Mitternacht, man kann also ohne Bedenken zum Abendessen nach Trogir oder Split fahren und kommt auch wieder zurück. Wie oben schon geschrieben, fährt der Bus der Linie 37 immer zwischen Trogir, Flughafen und Split hin und her, das ist wirklich idiotensicher.

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Segeln auf der Adria 11: Kroatisch Essen

Böse Zungen behaupten ja über die kroatische Küche, dort würde eh nur alles auf den Grill geknallt und der arme Tourist darf das verbrannte Kohlebrikett dann hinterher noch teuer bezahlen. Ganz so ist das natürlich nicht (immer), aber der Grill hat hier definitiv einen hohen Stand. Und zwar nicht nur in den Konobas für Touristen, sondern auch bei den Einheimischen selber. Bei fast niemandem fehlt es an einer zünftigen Feuerstelle auf dem Grundstück und damit meine ich hier nicht den Garten-Eckplatz für den Weber-Grill, sondern die gemauerte 10 qm Grillhütte. Ein echter Kroate hat möglichst folgendes im Garten:

Feuerstelle mit Drehspieß

Eine offene oder per Blechverschlag zu schließende Feuerstelle. Hier dreht sich der Spieß, auf den man nach belieben Lamm, Spanferkel oder Geflügel schnallen kann. Der Wirt eines Lokals schwärmte uns einmal vor, sein Lamm sei so zart und klein, es hätte vielleicht ein Drittel der Größe eines deutschen Lamms… Es käme also gleich nach der Geburt auf den Grill, ergänzte ich im Stillen. Also, Ethik hin oder her, es war tatsächlich ein Gedicht und zerfiel förmlich am Gaumen (das war im Restaurant der ACI-Marina auf der Insel Rab, absolut empfehlenswert).

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Großer Rost

Statt Drehspieß muss auch Platz für einen Rost über dem Feuer sein. So groß, dass hier das Fleisch und die Gemüsebeilage gleichzeitig draufpassen. Am besten mit Flaschenzug aus Edelstahlkette, damit das Grillgut optimal eingestellt werden kann.

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Peka oder feuerfeste Töpfe

Ein Tontopf, der in die Asche oder direkt ins Feuer gestellt wird: Peka (der/die/das?). Er besitzt eine Grundplatte, auf der das Gargut liegt. Obendrauf wird ein konusförmiger Hut, ebenfalls aus Ton, gestülpt. Leider habe ich noch kein Bild, welches das besser verdeutlichen könnte. Die verdampfte Feuchtigkeit sammelt sich durch Kondensation wieder unten am Boden und hält so das Fleisch wunderbar saftig. Gartöpfe dieser Art gibt es in vielen Kulturen, mit Variationen. Bei uns ist es der Römertopf, bei den Amerikanern der „Dutch Oven“ bzw. der „Potje“. Diese Teile eigenen sich auch noch prima als Mini-Backofen, man kann durch Auflegen von Glut die gewünschte Unter- oder Oberhitze erreichen.

Es landet natürlich nicht nur Fleisch auf dem Feuer, um den berüchtigten Jugoslawischen Grillteller zu füllen. Der übrigens gar nicht so staubtrocken ist, wenn man ihn hier im Lande bestellt. Genauso findet man Oktopus und Fische jeglicher Sorte auf den Grillrosten. Besonders der Tintenfisch mit seinen Tentakeln so dick wie ein Kinderarm hatte es mir angetan. Zart gekocht und mit leichtem Raucharoma einfach ein Gedicht! Bin aber auch familiär vorbelastet, was Tentakel angeht. Als kleine Kinder im Italienurlaub schlürften mein Bruder und ich schon früh in Öl eingelegte Tentakel, die länger als unsere Unterarme waren. Alles fotografisch vom Vadder dokumentiert…

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Bei Spanferkel und Lamm vom Grill kann es schon einmal vorkommen, dass auf dem servierten Teller nachher Stücke liegen, die dem „Fleisch-nur-im-Supermarkt-Käufer“ fremd sind. Vielleicht hängt auch mal etwas mehr Fett dran, als einem lieb ist. Aber so isses nun mal, wer das nicht abkann, sollte sich lieber ein frittiertes „Irgendwas-mit-Zitrone-am-Tellerrand“ bestellen.

Als Beilage wird meistens eine Auswahl von typisch mediterranem Gemüse mit in den Grilltopf geworfen: Zucchini, Aubergine, Mangold. Gerade Mangold steht manchmal so hoch im Kurs, dass es sonst nicht anderes gibt. Das ist etwas schade, denn so doll schmeckt er nun auch wieder nicht, da können ihn die Wirte noch so sehr in Knoblauch ertränken. Dann schon lieber den zarteren Chinakohl oder noch besser gleich Bok-Choy, den man nur vom Dampf küssen lassen muss, um eine zarte Gemüsebeilage zu haben! Die Asiaten wissen das, wann spricht es sich auch endlich in Europa herum?

grillfisch

Das war jetzt mehr oder weniger die Grill-Ecke. Wie gesagt ist gebratener Fisch ein Klassiker. Er kommt nicht immer vom Grill, sondern auch oft aus der Pfanne, da man ihn hier besser kontrollieren kann, um das eingangs erwähnte Kohlebrikett zu vermeiden. In Restaurants wird zwischen Fisch verschiedenwertiger Klassen unterschieden. Der teure kostet dann gerne mal 400 Kuna das Kilo (52 solide Euro, dafür bekommt man teilweise schon Hummer!) und der billigere aus der zweiten Klasse immer noch 250 Kuna. Was mir als Fisch-Laien neulich passierte, war der Klassiker: Fisch zweiter Klasse bestellt. Serviert wurde ein äusserst leckeres Exemplar am Stück, geschätzt irgendwas zwischen 300 und 500 Gramm. Später abgerechnet wurde der teure Fisch aus der ersten Klasse, Gewicht pauschal 500 Gramm. Hmpf! Jetzt frag mich mal einer, was für einen Fisch ich nun wirklich auf dem Teller hatte und wie schwer der war? Bin leider kein Son of a Fisherman sondern tätig in der IT-Branche und kann Fische nicht im geringsten unterscheiden oder auch nur ansatzweise bewerten. Irgendwie roch es nach Bauernfängerei. Die Lehre daraus: auf den bestellten Fisch bestehen, das Teil auf der Karte mit dem Finger markieren, so dass hier nicht auf „wir sprechen leider nur schlecht Englisch“ plädiert werden kann. Und die Krönung an Kundenpenetranz: sich den Fisch am Stück im rohen Zustand zeigen lassen. Damit vermeidet man es außerdem nebenbei, ein Fischstäbchen aus der TK-Abteilung vorgesetzt zu bekommen.

Dann gibt es noch Muscheln, oder „Cozze“, wie der Italiener es appetitlich benennt, also genaugenommen Miesmuscheln. Auf jeder Karte findet man die Zubereitungsart „Buzarra“. Das ist im Wesentlichen eine „dicke Sauce mit Knoblauch“, würde ich mal sagen. Zu Muscheln muss ich die jetzt nicht nochmal haben, aber zu hellem Fleisch fände ich sie ganz passend.

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Auch gerne serviert wird der folgende Appetizer: frittierte Sardellen mit einem Glas Wein. Damit locken einen die Konobas in ihre – leider oft teuren – Arme. Für knappe 30 Kuna, also keine 4 Euro, werfen sie einem den Teller mit knusprigen Sardellen plus einem Glas Hauswein hinterher. Davon zwei Stück und man ist auch bedient, es gibt ja noch Brot dazu. Falls man dann nicht schwach wird und einen der oben genannten Fische bestellt, kommt man echt preiswert aus der Nummer wieder heraus. Aber mal Hand auf’s Herz: wenn der Grill lodert und das Grillgut seine Düfte verbreitet, welcher Teutone wird da nicht schwach und bestellt sich noch was á la Carte?

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Mal sehen, was mir noch unter den Gaumen kommt, während ich hier in Kroatien unterwegs bin. Für kulinarische Sünden bin ich jedenfalls immer zu haben.

Ein Schnitzel in Wien

In Wien fand 1996 die Abschlussfahrt meiner Schulklasse statt. Damals mussten wir in einer Jugendherberge vom Kolpingwerk übernachten und solche Dinge wie „Senfeier“ essen. Mittlerweile bin ich doppelt so alt und darf selbst entscheiden, was ich essen will. Was liegt also näher, als in Wien in ein Schnitzelhaus zu gehen und Wiener Schnitzel zu essen?

Als Berufsreisender muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren und deshalb ließ ich alle „K&K Cafés“ mit ihren braunen Vierspännern links liegen und ging lieber gleich auf die Suche nach was Originellem. Was Fleischigem. In diesem Fall war es so, dass ich kaum meinen Fuß in den „Schnitzelwirt Zeiner“ in der Neubaustraße setzen musste, um gleich gefragt zu werden „Wos mogst?“. Noch bevor ich saß, war die Bestellung „Ein Schnitzel“ schon draußen. Was die Mutti dann keine 5 Minuten später brachte, waren zwei Lappen paniertes Fleisch, die locker ihre 500 Gramm auf die Waage brachten. So richtig „Wiener Schnitzel“ war es eigentlich nicht, denn es war vom Schwein und nicht vom Kalb und hat ausserdem nur 6,50 gekostet. Ich hatte es ja auch nicht ausdrücklich bestellt. Aber es war knusprig und frisch aus dem Fett gezogen, was will man mehr. Wie es sich herausstellte, war das nur die kleine Portion. Denn die Typen vom Nachbartisch hatten im Vergleich dazu wahre Berge auf ihrem Teller liegen. Einfach unschaffbar.

Mit diesem Fleisch/Fettgemisch im Bauch machte ich mich am nächsten Morgen dann ohne Frühstück auf zum Kunden, der glücklicherweise direkt neben dem großen Wiener Krankenhaus logierte. Im Falle eines Magendurchbruchs wäre ich also gut versorgt gewesen.

Hier noch das Rezept von Sarah Wiener für Wiener Schnitzel, die kann das.

Auch der Taunus hat ein dank RTL mittlerweile überregional berühmtes Schnitzelhaus, nämlich den Waldgeist in Hofheim. Hier werden dann auch leckere Fress-Wettbewerbe ausgetragen. Ziel ist es, den megafetten Moderator „Jumbo“ sattzukriegen. Auch Normalsterbliche können dort Wettbewerbe ausüben, natürlich wer das meiste Fleisch in sich reinstopfen kann und so. Da vergeht es einem wirklich.

Was die Nordlichter so essen

Wenn der Segelkurs in Kühlungsborn abends endlich rum ist, steht die wichtigste Entscheidung des Tages an: in welches Restaurant gehe ich heute? Zur Auswahl stehen diverse Fischkneipen und Segler-Kaschemmen – genau was ich brauche.

Zum Harten Törn
Hier hab ich lecker Labskaus und Grünkohl mit Schweinebauch gegessen. Beim Labskaus handelt es sich um eine Pampe aus Kartoffelbrei mit Corned Beef und Roter Beete sowie anbei einem Matjes mit Zwiebeln. Oben drauf noch ein gebackenes Ei und schon ist Surf ’n Turf à la Ostsee fertig. Ich mag ja Kontraste. Bei anderen dürfte das latenten Brechreiz auslösen.

Grünkohl mit Schwein ist soweit nichts Besonderes, das gibt es in Variationen auch in Hessen bis runter nach Bayern. Bei uns heißt das halt „Haspel“ mit Sauerkraut und bei den Bayern ist es ne „Hax’n“ mit Kraut, alles das gleiche. Schlachtplatte eben. Nur der Grünkohl wird hier oben doch häufiger gegessen, das hatte ich schon während meiner Bremer Zeit entdeckt. Im Original gehört dazu natürlich „Pinkel“, was nichts Unanständiges ist, sondern eine Mettwurst mit geschrotetem Hafer, den man als Grütze auch an den Kohl gibt, um die Flüssigkeit zu binden.

Fisch Hus
Dieser Pavillion-artige Laden ist spezialisiert auf Fisch und es war tatsächlich jedes Mal lecker. Großartige Varianten darf man allerdings nicht erwarten. Der Fisch wird halt in die Pann gehauen, in Butter gebraten und dazu gibt es dann Bratkartoffeln. Meine Buttermakrele war prima, nur der orangefarbene Dünnpfiff vom vielen Fett am nächsten Tag war doch aussergewöhnlich unangenehm.

Café unterm Leuchtturm
Genaugenommen Valetins Café, wie es richtig heißt. Da der Leuchtturm nur 10 Minuten von meiner Pension entfernt lag, bin ich dort auch bei horizontalem Regen und Sturm noch hingetigert, um einen Sanddorn Grog zu trinken. Vom Tisch aus hat man einen prima Blick auf die Ostsee, welche an dieser Stelle in die Wismarer Bucht einbiegt. Genau dort fanden auch einige der Kartenaufgaben zum Sportbootführerschein See statt. Dass der Leuchtturm eine Kennung mit Blinklicht (2,1 Sekunden), Gruppe 4 mit den Farben weiß und rot hat, spielt an dieser Stelle allerdings überhaupt keine Rolle und sei bloß erwähnt, um unnützes gelerntes Wissen wieder loszuwerden…

Taj Taj Tandoori Restaurant Kritik

Das Taj Taj Restaurant liegt auf halbem Weg, wenn man vom Frankfurter Hauptbahnhof die Kaiserstraße hinunter läuft. Gleich nebenan ist das English Theatre und ansonsten jede Menge Banken und andere zwielichtige Läden – ganz Kaiserstraße also.

Das Taj Taj zählt sich selbst zu den edleren Locations, was in erster Linie über den Preis definiert wird. Ein Butter-Chicken für 19 Euro, das ist schon happig, besonders wenn man die überschaubare Portionsgröße bedenkt. Geschmeckt hat es gut, es ist solide indische Küche, nicht mehr und nicht weniger. Somit ist es genaugenommen zu teuer. Davon abgesehen, dass das Chilli-Chicken eindeutig eine geschmackliche Verirrung in Richtung China war. So kocht man nicht in Indien, da waren sich alle anwesenden Inder einig.

Das Ambiente im Inneren ist nett, aber auch nicht gerade spektakulär. Es gibt keinen überflüssigen Tand, wie man das häufig in Asia-Restaurants findet. Alles ist ein wenig reduziert. Hier geht die Reduzierung allerdings so weit, dass noch nicht einmal ein Schild zum Finden der Toiletten angebracht wurde. Wenn ich eines hasse, dann nach den Toiletten fragen zu müssen.

Der Service machte einen gemischten Eindruck. Obwohl einige der Jungs indisch-orientalisch aussahen, konnten sie sich mit meinen indischen Kollegen nicht auf Hindi verständigen. Englisch ging gerade so. Die Bedienung als Selbstbewusst zu beschreiben, würde das ganze etwas beschönigen. Freundlich Worte wird man hier jedenfalls nicht zu hören bekommen. Selbst dann nicht, wenn der Laden am frühen Abend noch halb leer ist und man eigentlich relaxt sein könnte. Selbstverständlichkeiten, wie etwa eine Portion extra Schärfe im Essen, so dass es auch indischen Zungen schmeckt, wurden uns selbst nach ausdrücklichem Wunsch nicht erfüllt. Das ist der einzig wirklich traurige Punkt, denn schließlich soll das hier authentisch indisch sein. Aber uns Deutschen geht es ja nicht anders, wenn wir in einem Bayerischen Restaurant in Singapur sitzen und uns dennoch deplatziert vorkommen.

Wäre ich nicht geschäftlich hier gewesen, wäre ich wohl nicht freiwillig gekommen. Die Preise für das Essen kamen mir schon von vornherein unrealistisch hoch vor, was auf keine gesunde Mentalität dieses Restaurants schließen lässt.
Wie sagten meine Kollegen am Ende so schön: wenn sie in Indien mehr als eine viertel Stunde auf das Essen warten müssen, dann gehen sie einfach. Hier hätten sie dann dreimal gehen können.

Batavias schwarze Kanäle

Jakarta besitzt so etwas wie eine Altstadt. Es ist bloß nicht wirklich viel davon übrig geblieben. Im Wesentlichen sind es nur noch zwei, drei Gebäude, die ein bisschen Altertum ausstrahlen. Und dazu zähle ich jetzt mal nicht die Bauwerke, welche einfach nur verrottet, aber nicht historisch sind (also halb Jakarta). Wirklich antik ist beispielsweise das „Museum Fatahillah“ (Historisches Museum und ursprüngliches Rathaus), welches ich mir heute ansehen wollte. Dummerweise wollten das einige hundert Schulklassen auch, und so hab ich das mal schön sein lassen.

Zweimal hat man mich überfallen, allerdings nur zum Interviewen. Einige Schulklassen hatten wohl die Aufgabe, Touristen aus der Menschenmenge zu fischen und ihnen diverse Fragen zu stellen. Nicht nur meine Antworten auf diese Fragen von historischer Bedeutung („Where are you from?“), auch meine Signatur schmückt jetzt die Poesiealben einiger indonesischer Mädchen.

Die Gegend an sich ist hier an Unattraktivität schwer zu überbieten. Genau in diesem nördlichen Zipfel der Stadt hatten die alten Holländer Anfang 1700 ihr „Batavia“ gegründet. Es lag – und liegt immer noch – in einer sumpfigen Küstengegend, welche mit Kanälen zum Abführen des Wassers durchzogen ist.
Wenn unsere lieben Nachbarn ja schon immer eines konnten, dann war das Kanäle bauen. Und so ziehen sich diese stehenden, brackigen und tiefschwarzen Gewässer auch heute noch durch diesen Teil der Stadt. Für die Slumbewohner ist das ein Segen, so braucht hier keine Müllabfuhr vorbeizukommen. Einmal im Jahr zur Regenzeit zieht dann Petrus die Spülung. Das muss reichen.
Ich hatte mich schon immer gefragt, wenn in Büchern vom „süßlichen Gestank der Verwesung“ die Rede ist, wie das wohl riecht. Jetzt weiß ich es, und ich kann gern darauf verzichten.

Schon als James Cook mit seiner „Endeavour“ um 1770 herum in Batavia einen Zwischenstopp einlegte, konnte er den Aufenthalt nicht kurz genug halten. Ein Großteil seiner gesunden Matrosen hatte sich dank Mosquitos mit Malariafieber und allen möglichen anderen Krankheiten angefreundet. Wie er das fand, hat sein Biograph J. C. Beaglehole sehr realistisch beschrieben, ein Auszug:

„Batavia, said Cook, was certainly a place that Europeans need not covet to go to. ‘Founded by the Dutch on the ruins of Jakarta in the early seventeenth century, it had been instrumental in extending their empire through the East Indies, had sent vast riches to the Netherlands, seen the coming and going of fleets, had provisioned and loaded and mended them; gained a reputation as ‘Queen of the Eastern Seas’. It was a queen that stank to heaven, corrupt and filthy.“

Dem ist auch 240 Jahre später nichts mehr hinzuzufügen.
Gerade die korrupte Polizei hat auch heute wieder einmal bewiesen, dass alles beim alten ist: mein Fahrer durfte nach einer Kontrolle erstmal etwas Bakschisch abdrücken, bevor es weiterging. Aber das hatte ich selbst ja auch schon erlebt.

Wer sich für die Reisen von Capt’n Cook interessiert, dem empfehle ich das Buch „James Cook – Die Entdeckung eines Entdeckers„, da es auf sehr unterhaltsame Weise davon erzählt, wie der Autor der Cook’schen Route nachgereist ist.

Ach ja, Mittagessen gab es wieder im „Grand Duck King„. Neben Soft Shell Crab, Barbecue Duck und diversen Dim Sum habe ich wieder einmal Hühnerfüße probiert. Das unscharfe Schrottfoto zeigt ein einsames Füßlein in scharfer Sauce. Interessant ist, dass tatsächlich jede Zehe aus mehreren Knöchelchen besteht, ganz wie beim Menschen. Entsprechend umständlich ist das Essen und ich habe es dann auch aufgegeben.

Trockene Schnecken, fiese Eier-Congee und Hong Kong Gans

Bei manchen Hong Konger Geschäften steht man als Langnase etwas ratlos davor und fragt sich, ob das nun ein Lebensmittelgeschäft oder eine Apotheke ist. Beides trifft wohl zu, wenn man das Sortiment betrachtet. Die sagenumwobenen Schwalbennester und die ebenfalls extrem teuren Abalone-Schnecken befinden sich sogar noch innerhalb meines Horizonts, da man sie in gehobenen Restaurants ebenfalls angeboten bekommt. Bei getrockneten Riesenraupen, Seegurken, Seepferdchen und anderem Gekreuch und Gefleuch greift zum Glück die automatische Hirnblockade – das möchte ich mir nicht mal gekocht vorstellen…

So genau konnte es mir keiner sagen, da die Inhaber dieser Läden sehr traditionell erscheinen und kein Englisch sprechen, aber ich vermute mal, dass all dieses Zeug bevorzugt zerrieben und in den Tee gerührt wird.

Anstatt mir potenzfördernde Wundermittel reinzuziehen, habe ich heute morgen zunächst ein klassisches Congee gegessen, das Lieblingsfrühstück der Hong Kong Chinesen.

Es besteht aus zerkochtem, dünnem Reisbrei, der mit allerlei Zutaten aufgepeppt wird. Ich konnte es mir nicht verkneifen und habe die Variante „Schwein und Tausendjährige Eier“ bestellt. Schwein schmeckt wie Schwein, die Tausendjährigen Eier scheinen dagegen das Produkt der Chinesischen Gier nach immer neuen Geschmacks-Stimulationen zu sein. Es ist einfach eklig. Allein die Konsistenz erinnert an grün-schwarzen Pudding, welcher eine geschmackliche Partnerschaft mit Schwefel eingegangen ist.

Ein weiterer Klassiker, den man aber bedenkenlos empfehlen kann, ist Dim Sum. Das sind kleine gedämpfte Teiglinge mit verschiedener Füllung, wozu gern Tee gereicht wird. Die Verzehrzeiten von Dim Sum richten sich in etwa nach den Regeln des Deutschen Weißwurst-Gesetzes, also bis maximal 11 Uhr vormittags. Im Laufe des Tages kam ich an einem Teehaus vorbei, welches in einem großen Park lag. Dort habe ich mir dann einige Dim Sum und natürlich Tee bestellt. Lecker, erfrischend und belebend. Die chinesische Variante des englischen 5 o’clock tea (denn so genau nimmt man es hier mit den Zeiten nicht).

Auf der Inselseite von Hong Kong fahren in kurzen Abständen Straßenbahnen von der Ost- zur Westseite der Insel und wieder zurück. Man steigt einfach hinten ein, fährt so lange mit, wie man möchte, und steigt vorne beim Fahrer wieder aus, wo man auch gleich bezahlt. Jede Fahrt kostet 2,30 HK Dollar, was unglaublichen 20 Eurocent entspricht. Deswegen eigenen sich die Metallbehälter für den Münzeinwurf hervorragend, um Schwermetall loszuwerden.

Die Fahrt in diesen Doppelstöckigen Trams ist alleine schon wegen dem Fahrtwind äußerst angenehm. Man lässt sich so lange herumfahren, bis einem die Gegend wieder vielversprechend aussieht und sich ein Bummel zu Fuß anbietet. Während des gebummels kommt man ganz automatisch an diversen Imbissständen vorbei. Anstatt Nierenspießen und Nackenkoteletts gibt es hier folgendes:

Fischbällchen am Spieß, ziemlich schwammig und fischig. Aber nicht das „Käpt’n-Iglo-fischig“, sondern eher das „seit-vielen-Tagen-tot-fischig“.
Ausserdem gab es noch:

Hautfetzen am Spieß. Das sah recht lecker aus, jedenfalls bis zu dem Zeitpunkt, als der Spieß in heißes Wasser statt in Öl getaucht wurde. Es war also ein labberiges Vergnügen, dank der Chili-Erdnuss-Sauce aber deftig scharf.

In Hong Kong wird übrigens viel Gans gegessen, so als wäre jeden Monat Sankt Martin. Ein Traum. Dass man sie traditionell lauwarm isst, erklärte mir der befrackte Ober des „Yung Kee Restaurant“ in der Wellington Street. Ich bestand auf Mikrowelle. Gans muss heiß sein.

Nach diesem leckeren Abschluss-Essen ging es dann abends zurück zum Hotel. Schnell die verschwitzten Klamotten umgezogen und dann per Airport Express ab zum Flughafen. Der Nachgeschmack der Gans lag mir noch vollmundig auf der Zunge, als ich schon lange wieder im Flieger saß und der unvermeidliche Airline-Pamp auf meinem Tablett landete…

Fazit: Hong Kong macht Laune und ist einfach zu bedienen.

Auf dem Gipfel gibt es Shrimps

Die richtige Restaurantplanung für eine unbekannte Stadt ist schwierig. Selbst wenn man sich vorher schlau gemacht hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass genau dann, wenn der kleine Hunger kommt, keine dieser Lokalitäten in Reichweite ist. Wer sich dann noch gern durch die Stadt treiben lässt, und es dem Zufall überlässt, wo er mittags oder abends gerade ist, der muss sich eben anderweitig behelfen. Also lautet mein erstes Motto: nicht gleich am nächstbesten Stand vollstopfen, sondern immer eine Magenecke freilassen. Man weiß ja nie, was noch kommt! Und das zweite lautet: keine Gelegenheit auslassen. Denn ein zweites Mal kommt man bestimmt nicht mehr vorbei.

Auf das Restaurant, welches ich nachmittags als nächstes besucht habe, trifft ebenfalls ein Motto zu, beziehungsweise ein Filmzitat. Es ist ja so, dass man bei vielen Restaurants von außen versucht zu beurteilen, wie das Essen drinnen wohl schmecken mag. „Das Leben ist wie eine Praline, man weiß nie, was man bekommt“, wusste schon Forrest Gump…
So war ich essen bei „Bubba Gump Shrimp Co“.


Seit 1999 stelle ich mir die Frage, ob diese Kette tatsächlich existiert oder nur wegen dem Film erschaffen wurde. Es ist wohl eher letzteres. Das Ambiente ist klasse, überall Zitate aus dem Film und ein Schild an jedem Tisch: „Run, Forrest, Run“ bzw. „Stop, Forrest, Stop“ um die Bedienung herzubeordern. Ich habe mir eine Mischung von diversen Shrimps mit Saucen bestellt. Wer den Geschmack frischer Shrimps – oder Crevetten, oder Gambas – unauslöschbar im Kleinhirn hat, wird von den hier gebotenen enttäuscht sein. Sie schmecken nach nichts, mehr lässt sich dazu nicht sagen, selbst Surimi hat mehr Geschmack.
„Ich bin vielleicht nicht schlau, aber ich weiß, wie Shrimps schmecken“, möchte ich an dieser Stelle Herrn Gump noch einmal frei zitieren.

Grandios ist jedenfalls ohne Einschränkung der Blick auf die Stadt Hong Kong und ihre Bucht, wenn man vom „Victoria Peak“ einen Blick ins Tal wirft. Das sind immerhin 550 Höhenmeter, man möchte es kaum glauben. Stünde der höchste Wolkenkratzer Hong Kongs (das International Commerce Center, 484 m, links hinten Bild) nicht auf der anderen Seite der Bucht, könnte man den Bewohnern des obersten Stockwerks in die Küche schauen.

Ähnlich wie Anno dazumal im indonesischen Bandung haben sich auch hier oben in luftiger Höhe des Berges bevorzugt die Kolonialherren breit gemacht, da das hiesige Klima einfach besser für den Teint war. Statt den Gouverneuren Ihrer Majestät regiert auf dem Berg heute der Geldadel. Die Grundstücke sind so ziemlich das Teuerste, was man sich weltweit kaufen kann.

Runter ging es für einen Euro mit dem Bus und dann wieder rüber aufs Festland mit der Star Ferry für 30 Cent. Der Nahverkehr ist hier unschlagbar günstig. Selbst die hochmoderne Metro (MTR) kostet unter einem Euro für eine mittlere Strecke. Abends ging es wieder zur Temple Street. Diesmal recht unspektakulär: Auberginen mit Hackfleisch und Knobi sowie Muscheln in dicker Sauce. An diesem Punkt erkennt man, dass Chinesen und Deutsche wenigstens die Vorliebe für dicke, kräftige Saucen teilen. Und für Fleisch. Und für Bier. Das könnte der Anfang einer langen Freundschaft werden. Wenn sich die Chinesen das Schmatzen abgewöhnen. Und wir Deutschen die Vorzüge von Quallensalat entdecken.

Mantel der Moderne

Wieder mal einen Monat rumgebracht in diesem Land. Auf dem Weg zum Flughafen war eigentlich ein Zwischenstopp bei einem Padang-Restaurant geplant. Seit Montag ist jedoch Ramadan, deswegen findet man tagsüber kein Rumah Makan, das geöffnet ist. Alles tutup, geschlossen. Dabei sind die tropischen Länder noch in einer vorteilhaften Lage, denn hier geht die Sonne etwa um sechs Uhr morgens auf und zwölf Stunden später gleich wieder unter. Ramadan im August, das bedeutet für strenggläubige Moslems in Deutschland, ganze 15 Stunden auf Essen und Trinken zu verzichten. Ob das sinnvoll ist, oder ob es sich nur um eine weitere idiotische Regel handelt, die alte Männer vor langer Zeit für ihre jeweilige Weltreligion eingeführt haben, das muss jeder für sich selbst entscheiden.

So kam es, dass ich tatsächlich beim indonesischen KFC eingekehrt bin, der konsequenterweise geöffnet hatte. Viel war nicht los, außer mir hat nur noch eine einzige liberal gekleidete Familie zu Mittag gegessen.

Als langjähriger Fastfood-Junkie dachte ich ja eigentlich, die Dialoge mit dem Kassenpersonal in sämtlichen Fastfood Restaurants dieses Planeten zu beherrschen. Dabei hatte ich wohl nicht an die Feinheiten in der englischen Aussprache der indonesischen Damen gedacht. Eigentlich freute ich mich schon auf den „Fried Rice“, was mir zwar für ein KFC-Restaurant ungewöhnlich, aber nicht unmöglich vorkam. Stattdessen erhielt ich „French Fries“.
Da ging mir plötzlich ein Licht auf.

Ein wenig scheinen sich solche Restaurants doch zu genieren, während des Ramadans tagsüber geöffnet zu haben. Alle Fenster sind halbhoch mit Vorhängen bedeckt, damit man von aussen keinen Blick auf die Speisenden werfen kann. Ist vielleicht auch besser so. Die Indonesier sind zwar als sanftmütiges Volk bekannt. Das gilt allerdings nicht immer. Denn wenn sie etwas richtig auf die Palme bringt, fliegen schnell die Steine oder es werden die Messer gezückt. Das kann passieren, wenn ein wütender Europäer mit dem Fuß auf einen Indonesier zeigt. Das kann passieren, wenn sich herausstellt, dass eine Weißnase aus Australia kommt. Das interkulturelle Verhältnis dieser beiden Länder ist dank regelmäßiger Streitigkeiten über die Pazifische Fischgründe an Explosivität nicht zu überbieten. Das durften auch die Österreicher leidvoll erfahren. Deswegen sagen sie Indonesiern gegenüber meistens, dass sie aus Germany und nicht aus Austria kommen. Die Verwechslungsgefahr ist einfach zu hoch.

Bei einem leckeren Donut von „Dunkin‘ Donuts“ dachte ich mir dann so, dass der Mantel der Moderne in diesem Land doch wirklich noch sehr locker hängt.

Knusprige, fliegende Fische

D’Cost

Nach den weniger erfreulichen Ereignissen des Tages, jetzt endlich zu den schönen Dingen. Unser kulinarischer Streifzug durch die West-Javanesische Küche war heute geprägt von Sundanesischem Essen. Mittags sind wir im „D’Cost“ eingekehrt, einer Seafood Restaurantkette („Mutu Bintang 5 – Harga Kaki 5“: Five Star Quality – Street Hawker Price).

Das Essen kommt schnell und es gibt immer eine Bedienung, die Englisch versteht. Ausserdem ist die Speisekarte reich bebildert. Wir bestellten uns im ersten Gang:

  1. Kingpraws auf Spießen mit Spicy Sauce
  2. grüne Bohnen mit feinem Rinderhack und auch wieder sehr Spicy
  3. „Flying Fish“
  4. einen ganzen Krebs in Black Pepper Sauce. Spicy.

Alles sehr delikat, nur der Krebs war leider total verkocht und nur unter Veranstaltung größter Sauerei mit Hilfe eines Nußknackers zu essen. Die Pfeffersauce erinnerte in der Konsistenz und Farbe an flüssigen, gemahlenen Mohn und war abgesehen vom Pfeffergeschmack auch noch ziemlich süß – interessant und ungewöhnlich. Zum Flying Fish muss ich ein Wort verlieren. Dieser heißt so, weil seine Filets auf beiden Seiten angeschnitten und hochgeklappt werden. Wird der Fisch dann frittiert, erstarrt er in einer Form, die eben an einen „Flying Fish“ erinnert. Möglicherweise haben die Jungs in der Küche auch noch andere Tricks parat, um das hinzubekommen.

Nachdem wir uns die Hände und das Gesicht gewaschen sowie den Tisch haben reinigen lassen, bestellten wir Gang Nummer zwei:

  1. Frittierten Tintenfisch
  2. Kingprawns in Buttersauce
  3. Gebackenes Huhn in süßer Sauce
  4. Spinat in – jawoll – Spicy Sauce

Zugegeben, das klingt, als würden sich die Balken biegen. Aber die Portionen sind klein und überschaubar, das dass man hier doch eine Menge verputzen kann. Am Ende kostete uns der Spaß knappe 200.000 Rupien, das sind etwa 17 Euro.

 

Raja Sunda

Nach einer anstrengenden Shoppingtour durch Bandungs Factory Outlets stand auf dem Rückweg das Restaurant „Raja Sunda“ auf dem Radar. Hier bin ich früher schon öfters eingekehrt, nämlich immer dann, wenn aufgrund der Uhrzeit abzusehen war, dass ich im Hotel nichts mehr bekommen würde.

Der Laden ist traditionell ausgerichtet und bietet Sundanesische Küche. An den Tischen sitzen nur Einheimische, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Auch hier konnte wir nicht anders, als die Karte rauf und runter zu bestellen:

  1. Flying Fish, weil der schon mittags so gut geschmeckt hat
  2. Gegrillte Hühnerteile in Barbecue Sauce
  3. Gegrillte Ententeile in Barbecue Sauce
  4. Lamm Spießchen mit Erdnußsauce
  5. Gegrillte Kingprawns

Der Fliegende Fisch war hier sogar noch besser als im D’Cost. Das Hühner- und Entenfleisch war butterzart und fiel förmlich vom Knochen. Das will bei Ente schon etwas heißen, schließlich erinnere ich mich noch allzu gut an das lederne Vieh, welches mir in Medan auf den Teller gelegt wurde. Aber hier dagegen – besser hätte es ein Texaner mit seinem BBQ-Smoker auch nicht hinbekommen. Da fällt mir ein, dass ich bei Gelegenheit meinem Brüderchen einen Besuch abstatten sollte, um seine 3-2-1 Ribs zu probieren. Aber der Maßstab liegt jetzt hoch, soviel ist klar.

Ebenfalls ungewöhnlich und sehr erfrischend war das hauseigene grell-grüne Mixgetränk. Ich vermute mal, es bestand aus Melone, Soursop, Gurke, Limette, Zitronenmelisse und eventuell etwas Thai-Basilikum. Und natürlich Zucker. Eine prima leichte Ergänzung zu diesem deftigen Menü. Alles zusammen haben wir hier etwa 300.000 Rupien gelassen, etwa 25 Euro.

Hier nochmal der Flugfisch, einfach nur so:

Übrigens, auch laut tripadvisor.de ist dieses Restaurant sehr zu empfehlen. Hier die lesenswerte Kritik, welche dank automatischer Übersetzung noch zusätzlich an Reiz gewinnt:

„Die natürliche Dekoration mit viel Bambus und rotan nahmen unsere Aufmerksamkeit. Das Personal war höflich und freundlich. Wir lieben der gebratene Reis mit Satay. Die Zwergflusspferd , spitzmaulnashorn , Saft ist besonders die wir nie Geschmack vor. Es ist eine Mischung aus vegetarisches. Es schmeckte gut und Frische. Natürlich der Preis ist etwas höher als das Essen eine Duschkabine.“

Padang Essengehen

Padang ist der Name einer Stadt im Westen von Sumatra. Von hier stammen viele Menschen, die auf der Nachbarinsel Java harter körperlicher Arbeit nachgehen und die entsprechend kräftige Nahrung brauchen. Man sagt, die Männer von dort verdienen ihr Geld auf dem Bau, während ihre Frauen Restaurants betreiben. Wie auch immer. Padang-Restaurants findet man an jeder Autobahnraststätte und in jedem Städtchen. Zu erkennen sind sie an ihren spitzgiebeligen Dächern und in jedem Fall an den kunstvoll aufgestapelten Tellern im Schaufenster.

Gerade für Nicht-Indonesier ist diese Sorte Lokal ideal, denn man muss sich keine Gedanken über den Bestellvorgang machen. Vergessen ist das ewig dauernde Studieren rätselhafter Speisekarten. Auch der Herr Ober legt keinen Wert auf Konversation. Sobald man sitzt, wird der Tisch gedeckt bis er sich biegt. Es kommen bis zu 12 Teller mit den verschiedensten Speisen zum Einsatz. Reis und Tee gibt es auch gleich dazu, man ist also in wenigen Augenblicken voll ausgestattet und kann sofort zulangen.

Die Regel ist einfach: was angefasst, bzw. probiert wird, muss bezahlt werden. Der Rest geht wieder zurück. Auf mehr als 5 Euro wird man aber auf keinen Fall kommen, es schadet also nicht, alles mal probiert zu haben. Das mit dem Zurückgehen ist natürlich so eine Sache – wer will schon gerne das zurückgegangene Essen der Vorgänger haben. Aber ich kann versichern, die Herren Ober schauen äusserst wachsam auf die Tische und rechnen gnadenlos ab, auch wenn man nur ein winziges Stückchen stibitzt. In kleineren Lokalen kann es schon mal sein, dass sie einem das Essen nicht richtig warmmachen. Hier hilft das internationale Zeichen für „Mikrowelle“ (gibt es bestimmt eins).

Das Essen selbst ist eine wahrhaftig bunte Mischung aus diversen Stilrichtungen: Thai-Curries, Seafood, Frittiertes, Omelette, Gemüse. Und alles ziemlich spicy. Bei manchen Tellern weiss ich immer noch nicht, ob es jetzt Gemüse oder Gehirn war, aber hauptsache die Sauce ist gut. Mit diesem Argument hatte ich auch einen indischen Kollegen, seines Zeichens strikter Vegetarier, in ein Padang-Restaurant gelockt. Er sollte sich einfach nur vorstellen, dass es alles Gemüse ist.
Er war nicht zu überzeugen.
Ich aber liebe es.

Gucci auf dem Bau, Versace für den Slum

Indonesien ist ein modebewusstes Land. Oder eher gesagt, es ist sich seiner Mode nicht bewusst, trägt sie aber äußerst lässig. Hier wundert es keinen, wenn der Arbeiter vom Straßenbau knietief im Dreck steht und dabei eine Hose von Gucci versaut. Oder dass völlig abgeroppte Personen aus dem Slum mit Hemden von Versace herumlaufen.

Der Grund heißt „Bandung„! Die Stadt preist sich selbst als das „Paris von Java“ an, nur weil die brutalen Kolonialisten aus Holland hier damals zur Sommerfrische hinfuhren. In dieser Stadt, vier Stunden östlich von Jakarta, wird alles verkauft, was die lokalen Kleiderfabriken herstellen können. Ein großer Teil ist schlecht kopierte Ware, was man schnell am Einheitsdesign oder an falschen Logos erkennt. Aber andere Klamotten sehen schon verdammt original aus und zeigen auch nach häufigem Tragen keine Qualitätseinbußen. Hierbei handelt es sich einerseits um fehlerhafte Originalprodukte, also z.B. Polo-Shirts mit einem kleinen Fleck irgendwo oder mit einem falschem Etikett. Andererseits kann es auch Ware aus Überproduktion sein, die eigentlich nicht auf den Markt gelangen sollte. Das trifft dann eher auf Adidas & Co zu, hier hängen manchmal noch die Etiketten für den US- oder Euro-Markt mitsamt Verkaufspreis dran (was natürlich auch wieder gefaked sein könnte…). Da die meisten Textilien von Einheimischen gekauft werden und damit das Land nicht verlassen, können die Hersteller ihren mystischen Markenhype in Europa ungestört weiter zelebrieren.

Es wäre uns Westlern auch schwer zu vermitteln, warum in der Frankfurter Goethestraße ein Polo Shirt von Burberry oder Hackett über 100 Euro kosten soll, während es in Bandung gerade mal 25 Euro kostet. Diese nette Anleitung zum Erkennen von gefakeden Burberry Shirts sollte man vor der Shopping Tour gelesen haben, um keinen Schrott zu kaufen.

Zwei Straßenzüge sind in Bandung besonders beliebt für Klamotten. Das ist der Jalan Cihampelas („Jeans Street“) und Jalan Riau. Auf letzterer Straße befinden sich die großen Factory Outlets, während die Jeans Street hauptsächlich – wer hätte das gedacht – Jeans im Angebot hat. In Zeiten, wo eine Jeans bei Aldi nur noch 15 Euro kostet ist es aber relativ sinnfrei, hier einzukaufen. Außer man geht natürlich auf Markenjagd. Besonders die großen, phantasievollen Pappkameraden an den Fassaden der Läden machen aber eine Menge her und erfreuen den Shopper.

Fast am Ende des Jalan Cihampelas befindet sich ein Restaurant der lokalen Kette „Sapu Lidi„. Wer den Link aufruft, hört dort exakt jene Sorte von Musik, welche hier in allen traditionellen Restaurants vom Band läuft… leicht nervig, aber eben „okinal“. Bis jetzt war ich in zwei Sapu Lidis und muss sagen, es speist sich hier ganz exquisit. Die Atmosphäre stimmt auch, man sitzt in einem ruhigen Garten auf der Rückseite des Gebäudes unter offenen, palmwedelgedeckten Hütten. Das Haupthaus in Lembang bietet sogar noch Reisfelder, die um die Tische wachsen. Das Essen ist sundanesisch, es gibt also allerlei Frittiertes, Huhn und Fisch. Besonders der Fisch ist phänomenal, denn sie können ihn so frittieren, dass man ihn mitsamt Kopf und Gräten wegknuspern kann. Meine Wahl fiel diesmal allerdings auf einen Fisch mit Tomaten-Chilli-Sauce, siehe Bild. Diese kleinen grünen Stippse da, das ist der Mörder-Chilli. Je kleiner, je gemeiner.

Ganz zu schweigen von wirklich geschmackvollen Saté Ayam (Hühnerspießen) mit Erdnußsauce. So lecker (und keimfrei) bekommt man sie weder auf der Straße bei einem fahrenden Warung, noch irgendwo in Europa in einem Asia-Restaurant. Was ich sonst noch auf dem Teller hatte: in Chilli-Kokossauce angemachte Auberginen-Scheiben (links) und eine Probierportion von extrem salzigem, frittiertem Klippfisch (kleines grünes Päckchen unten links).

Café Leopold

In der Nähe vom Suba Palace Hotel befindet sich das populäre „Café Leopold“. Hier sitzen vor allem Ausländer und trinken ihren Cappuccino oder ein Pint Kingfisher. Es ist teuer und überlaufen, vor allem abends, aber mein Cappuccino war gut. Während ich ihn so vor mich hingeschlürft habe, wurde mir bewusst, dass dieses Café ein prima Ort für den nächsten Terroranschlag ist. In Pune haben sie ja auch die „German Bakery“ in die Luft gejagt und nicht das nahe gelegene „Oh Calcutta!“ oder ein ähnliches Restaurant für Einheimische. Vor dem Leopold verläuft direkt der Colaba Causeway, dazu stehen noch alle Türen weit offen bzw. es gibt gar keine. Man bräuchte bloß gemächlich hineinspazieren und sich auf die Jungfrauen im Paradies freuen. Traurig, so was zu denken. Aber verdrängen kann man es auch nicht, denn es kann jederzeit wieder passieren. Und die überall herumstehenden Polizisten mit Gewehren können daran auch nichts ändern.

(Nachtrag: wie ich später recherchiert habe, war dieses Café tatsächliche das erste von mehreren Zielen für Terrorattacken während der Anschlagserie von 2008)

Einen indischen Chai-Tee haben sie in diesem Café nicht, auch kein Kulfi Eis. Also habe ich mich für „Falooda“ entschieden. Dabei handelt es sich um eine Art Milch-Shake. Er wird mit einem mir unbekannten Eis und einem noch unbekannter schmeckenden roten Sirup sowie mit Maracuja hergestellt. Der Shake ist gar nicht mal so süß, ein weiteres Indiz dafür, dass es das Leopold nicht auf den einheimischen Geschmack abgesehen hat. Der Sirup erinnert an Badeschaum, mit einer Note von Reinigungsmitteln. Kampfer ist es nicht, schmeckt eher wie die flüssige Version dieser roten Räucherstäbchen. Muss das mal googlen. Andererseits – vielleicht auch besser nicht. Wenn man alles weiß, ist der thrill gone…
(Wer es doch wissen will: HowtomakeFalooda)

Abends war ich auf Empfehlung des Liftboys (eigentlich ein armer Liftopa, der immer von seinem Hocker hochschreckt, wenn jemand den Knopf drückt und dann hektisch das Gitter vor der Tür zur Seite schiebt) in einem Lokal nicht weit vom Regal-Kino essen. Hatte es nachmittags auf dem Rückweg schon erspäht. Es fällt allein wegen seines hübschen Äußeren schon auf, leider war es innen dann trauriger Standard. Ein unglaublich lahmer Angestellter bequemte sich irgendwann, meine Bestellung aufzunehmen. Aber erst, nachdem er langsam schlurfend den Weg zu meinem Tisch gefunden und lauthals die Nase hochgezogen hatte: „Yessir…?“. Ich bestellte eine gemischte Barbecue Platte aus dem Tandoor. Es war Ok, nur nicht wirklich heiß. Das Fleisch war sehr zart und gut gewürzt, da könnten auch deutsche Metzger noch etwas von lernen. Zum Nachtisch habe ich es endlich geschafft, „Kulfi“ zu bestellen. Wie sich herausstellte, hatte ich es irgendwann früher schon einmal probiert. Es schmeckt immer noch gewöhnungsbedürftig. Subjektives Rezept:

  • 8 Teile Zucker
  • 1 Teil gesüßte Kondensmilch
  • 1 Teil H-Milch

Nicht wirklich mein Ding.

Echtes Rezept: Kulfi.