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Frankfurter Grüne Sauce – im Bier und im Gin

Im April beginnt in Hessen und Umgebung die Grüne-Saucen-Zeit. Wer möchte, kann sie nun auch im Bier oder als Gin zu sich nehmen. Die Brauerei Glaabsbräu aus Seligenstadt und die Brennerei Henrich aus Kriftel verkrauten erfolgreich ihre Getränke.

Kaum taut der letzte Schnee, schon giert der Frankfurter nach dem ersten Kräuterpäckchen für Grüne Sauce auf dem Wochenmarkt. Und da es heutzutage keine ungestillten Bedürfnisse mehr geben darf, wird man dort auch schnell fündig: dicke, pralle Packungen mit Kräutern für die Grüne Sauce und das schon Ende März oder Anfang April, wie es die Tradition befiehlt. Vor langer Zeit habe ich einmal gelernt, dass unter einer Durchschnittstemperatur von 11°C nichts wächst, aber sei’s drum.  Irgendwann liest die erste Hausfrau das Kleingedruckte und echauffiert sich darüber, dass die „echte Grie Soß“ zusammengestellt wurde mit Kräutern aus Italien, Spanien, Marokko oder sonstwoher. Ei Muddi, wo soll des Zeusch um die Zeit auch sonst wachse…? In Hesse sischerlisch net, noch netmal im Gewächshaus!

Aber kurz darauf ist es dann soweit und es finden sich die ersten „biodeutschen“ Kräuter in den Packungen, was en Glick. Dass die auch jetzt nicht alle aus Oberrad stammen können ist eh klar, denn so verrückt wie der Frankforter auf sein Sößchen ist, reichen die hier produzierten Mengen bei weitem nicht aus. Was en Zerkus um die ollen Kräuter! Überhaupt die Kräuter, welche müssen denn nun offiziell rein in die original Frankfurter Grie Soß? Die Oberräder Kräutergärtner haben hier klare Regeln (bloß kein Dill!) und über ihren „Verein zum Schutz der Frankfurter Grünen Soße e.V.“ haben sie es sogar geschafft, sich die Herkunftsbezeichnung schützen zu lassen. Da steht sie nun zwischen Nürnberger Rostbratwürstchen und Abensberger Spargel und freut sich über ihren geschützten Namen. Die genaue Zusammensetzung wird dort übrigens nicht erwähnt. Und wer das „Frankfurter“ weglässt, kann soviel Grüne Sauce produzieren, wie er will. Das ganze wirkt schon ziemlich ideologisch aufgeblasen, was man auch daran erkennt, dass sich die Wikipedia Gemeinde nicht auf einen gemeinsamen Eintrag für die Grüne Sauce einigen kann (hier vs. hier).

Jetzt aber zum eigentlich Anlass dieses Artikels, der sich in etwa so umreißen lässt: Grüne Sauce und Alkohol! Schon seit ein paar Jahren destilliert die Krifteler Brennerei Henrich einen wohlschmeckenden Dry Gin namens „Gin Sieben„. Auf deren Webseite erfährt man alles Wissenwerte, so dass ich es hier nicht wiederkäuen muss.

Prinzipiell kann man in den Gin an „Botanicals“ fast hineinwerfen, was man möchte. Wichtig ist aber die Unterscheidung zwischen „Dry Gin“ und anderen Gin-Arten, denn Dry Gin ist aufwändiger in der Herstellung. Hierbei muss der Alkohol mitsamt den Botanicals versetzt werden und wird erst danach gebrannt. Im Gegensatz dazu steht der mehr einem Aufgesetzten ähnelnde „Bathtub“ Gin, bei welchem der bereits gebrannte Alkohol erst nachträglich mit den Botanicals versetzt wird. Wer es genauer wissen will, wird hier fündig. Der Gin Sieben schmeckt trocken und nach den Kräutern der Grünen Sauce, aber nie aufdringlich. Am liebsten trinke ich ihn mit Tonic, dort verbindet sich das Grüne mit dem leicht Bitteren. Sehr lecker. Kaufen kann man ihn im Hessen-Shop, wo es auch weiteres sinnvolles Zubehör für Grüne-Saucen-Fanatiker gibt, z.B. Schalen und Teller mit Motiven der sieben Kräuter.

Etwas jüngeren Datums ist das „Grie Soß“ Bier der Seligenstädter Brauerei „Glaabsbräu“. Genaugenommen darf man hier nur von einem „Biermischgetränk“ sprechen, weil die Bayern bei der Erfindung des Deutschen Reinheitsgebots für Bier vor 100 Jahren offenbar vergessen haben, die berühmten sieben Kräuter mit aufzunehmen. Beworben wird es zwar als „wenig hopfig“, für meinen Geschmack geht es aber immer noch stark in die Richtung norddeutscher Biere, die mir ganz einfach zu bitter sind. Das Aroma der Kräuter ist mild und anregend. Nach dem dritten Schluck merkt man es kaum noch, also kein Vergleich mit zum Beispiel Rauchbieren, die einen auch beim letzten Schluck noch denken lassen, man säße mitten in der Räucherkammer. Sowohl die Seligenstädter als auch die Krifteler merken zu ihren Grüne Saucen Produkten an, dass sie den Anteil des Schnittlauchs in der Kräutermischung stark reduziert haben. Es wäre doch mal interessant zu wissen, wie zwiebelig und intensiv ein Schnittlauch-Bier oder -Gin schmecken würde…

In diesem Sinne: Hopfen und Malz, Gott erhalt’s, aber vergiss net die sieben Kräuter dazu!

 

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Guinness in der Dose, wie funktioniert das eigentlich?

Bier und Schaumkrone, das gehört zusammen. Fast immer wird der Schaum durch Kohlensäure erzeugt. Nur beim Guinness Bier funktioniert das anders und in der Dose erst recht.

Guinness Bier wurde bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts in den irischen Pubs auf die folgende Art und Weise gezapft: im ersten Schritt werden drei Viertel des Glases mit gesetztem, „beruhigtem“ Bier aus eingelagerten Fässern befüllt. Das schäumt weniger und macht ein schnelles Einschenken möglich. Im zweiten Schritt wird das restliche Viertel eingeschenkt. Dieses stammt jedoch aus einem frisch gelieferten Fass und enthält das „lebhafte“, noch stark schäumende Bier. Fertig ist ein altmodisches Guinness-Pint mit einer ordentlichen Schaumkrone, das in etwa einer Minute herzustellen war. Vorsicht übrigens beim Lesen des englischen Wikipedia Eintrages, er beschreibt den Vorgang genau falsch herum. Der ganze Prozess erinnert jedenfalls ein wenig an das deutsche 7-Minuten-Pils, das in einigen ländlichen Gegenden noch gepflegt wird… ich habe mich schon immer gefragt, was der Barmann in den restlichen 6 Minuten eigentlich so macht.

Die Iren waren soweit ganz zufrieden mit ihrer Ausschankmethode, nur die Guinness-Brauerei nicht. Wer nun den Stein der Veränderung wirklich angestoßen hat, habe ich nicht herausfinden können. Aber ganz lesenswert ist ein von Guinness gesponsortes englisches Interview mit Michael Ash, dem angeblichen „Erfinder“ des Stickstoffs im Bier. Anfang der 50er Jahre hat man ihn und ein paar weitere junge Männer Anfang zwanzig direkt von der Universität abgeworben und dazu verdonnert, den Brauprozess zu modernisieren. Zwei Probleme galt es zu lösen: die Lagerfähigkeit sollte erhöht werden und das Bier sollte einfacher zu zapfen sein. Das Ergebnis kennen wir heute: das Bier wird in Aluminium-Fässern geliefert (wie überall sonst auch) und die Zapfanlage im Pub verwendet zum Aufschäumen eine Kombination aus Kohlendioxid (CO2) und Stickstoff (N2).

Der Stickstoffanteil sorgt bei einem gezapften Guinness dafür, dass ein feiner, fast schon schmieriger Schaum entsteht. Die Firma bevorzugt allerdings selbst lieber die Begriffe „seidig“ oder „cremig“, um den Zustand des Schaums zu beschreiben. Das mit dem Gasgemisch versehene Bier rauscht im Zapfhahn außerdem an einer Vorrichtung namens „Creamplate“ vorbei, einer Scheibe mit einigen kleinen Löchern, die durch Verwirbelung reichlich Schaumbläschen bildet. Das fertige Bier enthält daher neben weniger Kohlensäure im Vergleich zu anderen Sorten auch einen Anteil Stickstoff. Weniger Kohlensäure bedeutet, das Guinness-Bier schmeckt etwas flacher und weniger sauer als gewohnt. Dazu kommt der meist recht geringe Alkoholgehalt (ist weltweit unterschiedlich) und voilà, schon hat man ein Bier, das „jot läuft“, wie der Kölner sagen würde. Wer sich mit dem Gedanken trägt, eine eigene Guinness-Zapfanlage in den Keller zu stellen, der lese hier nach, was es dafür braucht: Gasmischung, Armaturen, Ventile, Druck, Temperatur and whatnot.

Besitzt man nun eine korrekt eingestellte Zapfanlage, ist der Zapfprozess schnell beschrieben: Glas schräg (45 Grad) unter den Hahn halten und zu 3/4 befüllen. Warten, bis sich eine erste Schaumkrone bildet (siehe auch das Titelbild dieses Artikels). Weiter befüllen, bis der schlonzige Schaum über die Kante läuft und fertig. Während der erste Schaum sich setzt, kann man ein Schauspiel beobachten, das nur mit Stickstoffbier funktioniert: die vielen kleinen Gasbläschen steigen im Inneren des Biers wie eine Säule nach oben. Dort verdrängen sie die schon oben angekommenen Bläschen, die es nun am Rand des Glases wieder nach unten drückt. Es erscheint von außen, als würden die Bläschen von oben nach unten sprudeln. Dazu der Kontrast des dunklen Stouts mit den hellen Blasen… ein wirklich schönes Schauspiel.

Genauso ein Schauspiel kann einem das Guinness in der Dose für zu Hause bescheren, nur ein wenig kürzer und nicht ganz so eindrucksvoll. Der Trick besteht darin, den Stickstoff in die Dose zu bekommen. Direkt im Bier lösen gelang zunächst nicht zufriedenstellend. Also wurde mit verschiedenen Speichermöglichkeiten für das Gas experimentiert und schließlich kam das erste Flaschen-Guinness 1979 auf den Markt. Schon ein Weilchen her, wer hätte das gedacht. In Flaschen sieht man es heute nicht mehr, dafür aber in Dosen. Diese enthalten eine kleine weiße Kartusche bzw. Kugel, die (unter anderem) den Stickstoff beinhaltet. Für dieses Teil hat sich der Name „Widget“ eingebürgert.

Meine erste Vermutung war, dass die Kunststoffkugel im Abfüllprozess des Bieres unter hohem Druck mit Stickstoff gefüllt und dann verschlossen wird. Über ein winziges Loch mit Sollbruchstelle würde das „Widget“ den unter Druck stehenden Stickstoff wieder abgeben, sobald sich durch das Öffnen der Dose der Umgebungsdruck gesenkt hat. Ungefähr so denken die meisten Guinness-in-Dosen-Genießer. Aber es stimmt nicht. Als nächstes habe ich das folgende Video gefunden. Dort sieht man zwar das Widget, aber leider nicht den Herstellprozess. Zudem enthält es zwei Fehler: es ist natürlich sowohl CO2 als auch N2 im Bier enthalten. Und wenn er die Dose schräg einschenken würde, hätte er mehr Schaum.

Zum Glück behauptet unterhalb des Videos in den Kommentaren ein Mensch, dass er offizieller Guinness Botschafter wäre und das Geheimnis des Widgets kennt. Seine Erklärung klingt sogar ziemlich gut:

„…You’re partly right, and this is the only part of the video they get wrong. There is a mixture of 75% N2 & 25% CO2 in the beer. During the canning process, a dose of liquid N2 is shot into the can, and then it’s sealed. The liquid evaporates, causing pressure in the can and forcing a mixture of gas & beer into the Widget. When the can is cracked open, the Widget releases that mixture, and through friction, the gas (both N2 & CO2) are broken out of suspension in the beer.“

Wenn das so stimmt, dann bedeutet es, dass die Kugel genaugenommen leer in die Dose gepackt wird. Danach wird die Dose mit Bier, flüssigem CO2 und N2 befüllt. Dann wird sie verschlossen und der nun entstehende Überdruck sorgt dafür, dass sich das Widget langsam und von selbst mit Gas und etwas Bier füllt. Beim Öffnen der Dose strömt alles wieder aus und sorgt für die Bläschen. Nur, welches „Gas“ gelangt denn jetzt wirklich in die Kugel? Es muss eine Mischung aus CO2 und N2 sein, anders geht es ja nicht. Das wäre auch logisch, da die Zapfanlage im Pub ebenfalls gleichzeitig beide Gase dem Bier zugibt.

Auf dieses Kugelsystem hält Guinness, bzw. die Mutterfirma Diageo, das Patent. Wenn man das Kugel-Widget aufschneidet sieht man sofort, dass es sehr simpel aufgebaut ist. Es besteht aus ziemlich dickem Kunststoff und es enthält nur eine Kammer. Die einzige Öffnung ist ein winziges Loch, kleiner als 1 mm, durch das die Kugel gefüllt und entleert wird (sieht man auf meinem Foto nicht). Ein paar weitere Details zum Patent und dem Herstellprozess der Kugel findet man hier, wobei ich meine Hand für die Richtigkeit der Quelle nicht ins Feuer legen würde.

Es gibt auch andere Lösungen auf dem Markt. So setzen einige Anbieter wie die Firma Ball (Slogan: „why cans are cooler“) auf die Lösung, eine Kapsel mit Stickstoff am Boden der Dose zu fixieren. Beim Öffnen gibt sie den Stickstoff ab (bzw. vermutlich auch eine Gasmischung). Mir scheint das fast die bessere Lösung zu sein. Denn das Kugel-Widget wirkt nicht immer gleichermaßen stark und außerdem schwimmt es oben oder bewegt sich zumindest dorthin. Meine letzte Guinness Dose lag horizontal im Kühlschrank. Nach dem Öffnen war nur wenig des charakteristischen Zischens zu hören und der Schaum war merklich geringer. Vielleicht lag es an der ungünstigen Lage des Widgets?

Vielleicht braucht es bald gar kein klassisches Widget aus Kunststoff mehr. Denn die Wissenschaft hat festgestellt, dass ein wenige Zentimeter großes Stück Zellulosefaser (ähnlich einem Kaffeefilter) den Stickstoff ebenso gut aufschäumen kann. Und ein anderer Technologieanbieter wirbt damit, dass man eigentlich gänzlich auf jegliches Widget verzichten könne. Bier plus Stickstoff direkt in die Dose und fertig ist das „Nitro-Beer“, wie es z.B. die Amerikaner von Sam Adams bewerben. Diese Variante muss allerdings senkrecht kopfüber ins Glas eingeschenkt werden. Wichtig ist hierbei die Verwirbelung, und die soll auf diesem Wege wohl am besten funktionieren.

Bleibt nur noch zu klären, wie man das Dosen-Guinness jetzt so wirklich 100% richtig einschenkt und trinkt. Klingt banal…? Nein, denn mein eigenes erstes Dosen-Guinness war ein Desaster: Rock am Ring, die Dose lauwarm, leicht geschüttelt, nach dem Öffnen erstmal eine Schaumdusche bekommen, dann versucht aus der Dose zu trinken… ich habe seitdem nie wieder ein Dosen-Guinness angefasst. Der richtige Weg ist, die ordentlich gekühlte Dose direkt nach dem Öffnen in ein großes Glas mit flachem Boden im 45 Grad Winkel einzuschenken. Nicht senkrecht halten. Nicht versuchen, das Ur-System mit 3/4 und 1/4 zu kopieren. Einfach das Glas vollmachen, etwas abwarten. Dann trinken.

Frankfurter Mispelchen, das Kultgetränk

Als „Mispelchen“ wird ein Getränk aus Calvados, garniert mit einer eingelegten Mispel aus der Dose bezeichnet. Aber was zum Geier ist eigentlich eine Mispel?!

Als jemand, der in und um Frankfurt lebt und aufgewachsen ist, glaubt man ja, eigentlich schon alles über die hiesigen Kultgetränke zu wissen. Als ich aber neulich mit Freunden in einer sachsenhausener Apfelweinwirtschaft saß, musste ich mich von Eingeplackten mit Hemd und Kravatte belehren lassen, was ein „Mispelchen“ ist. Normalerweise kümmert mich das Kluggescheiße von irgendwelchen Bankern und selbsternannten Gordon Gecko’s herzlich wenig. Aber diesmal hatten sie Recht: es gibt seit geschätzten 15 Jahren eine frankfurter Spezialität, die an mir vorbeigegangen ist. Vielleicht stand sie auch schon immer auf der Getränkekarte und wurde von mir bloß als Modegetränk abgetan. Aber das würde dem Mispelchen Unrecht tun. Denn es hat eine Eigenschaft, die sie für immer im frankfurter Kosmos verankern wird: Äpfel!

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Ok, nur die eine Hälfte ist aus Apfel, nämlich der Calvados. Und der stammt aus Frankreich. Ist aber auch kein Problem, denn schließlich sind vor langer Zeit genügend Hugenotten hier eingewandert und es waren sicherlich sie, die den Calvados im Ledersäckel hatten und hier einführten. Dazu kommt die andere Hälfte des Getränks, nämlich die Mispel. Wieder so ein urtümliches Gewächs, das vor langer Zeit einmal einen festen Platz in Europa hatte aber mittlerweile größtenteils verschwunden ist. An manchen Plätzen wächst der Baum aber noch, man muss nur aufmerksam hinschauen. Im Saarland nennen sie die aprikosenartige Frucht übrigens „Hundsärsch“, da sie vom Pol aus betrachtet ein wenig an die Poperze eines Köters erinnert. Sie machen Schnaps daraus, was sonst.

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Der Mispelbaum fällt nicht besonders auf mit seinem strauchartigen, leicht krüppelig wirkenden Geäst. Das Obst, also die Mispel, wird erst im Spätherbst reif und hängt von nun an im dürren Gezweig des Bäumchens und warten auf jemanden, der sie erntet. Frost tut der Frucht gut, denn ansonsten ist sie steinhart und ähnlich ungenießbar wie die Quitte. Lässt man die Mispel also ein paar Wochen im Obstkorb vor sich hin reifen, dann kann man es schon wagen, einmal hinein zu beißen. Genug der Theorie, wo findet man schon Mispelbäume (z.B. am kelkheimer Rettershof…)? Es ist doch wesentlich einfacher, sich eine Dose mit der eingelegten Frucht zu kaufen.

Aber woher nehmen, wenn man sie nicht selbst eingedost hat? Im Supermarkt findet man in der Büchsenabteilung zwar eine Menge Obst von der Williams Christ Birne über die Hotelfrühstückobstgarnitur bis hin zur Lychee. Aber die Mispel gibt es nur in sehr wenigen Märkten. Gute Chancen hat man außerhalb des frankfurter Raums, denn die „Mispelchen“-Grenze verläuft recht genau am Rande des franfurter Postleitzahlenbereichs entlang. Und innerhalb dieses Bereichs sind die seltenen Lieferungen schnell ausverkauft. Wer aber einen Asia-Supermarkt um die Ecke hat oder einen dieser arabischen Läden mit einem Sortiment zwischen Souk und Toom-Baumarkt, der kann es auch hier versuchen. Unter der Bezeichnung „Loquat“ wird man manchmal fündig. Ob das jetzt ganz exakt die gleiche Sorte ist, das kann sicher der Botaniker klären (oder man liest die drei Zeilen in Wikipedia). Schmecken tut sie jedenfalls ziemlich ähnlich und auch preislich ist diese Variante sehr attraktiv.

A propos Preis. Man kann ohne weiteres 14 Euro pro Dose mit vielleicht 10 Früchten ausgeben (Amazon). Es geht aber auch billiger, z.B. beim Gourmet Versand für unter 5 Euro oder bei der Metro für 3 Euro. Die frische Mispel dagegen kostet das Kilo etwa 5 Euro, manchmal auch weniger.

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Wie man das Mispelchen jetzt zubereitet, ist schnell erklärt: Calvados ins Cognac-Gläschen geben, eine Mispel dazu und „Kopp in‘ Nacken“, wie der Norddeutsche zu sagen pflegt. Ob man jetzt noch einen Schuss Dosensirup zum Calva gibt oder nicht, die Mispel auf einen Zahnstocher spießt oder nicht, das ist wirklich Geschmacksache. Auch erhitzt und genossen wie ein warmer Sliwowitz macht sich das Mispelchen gut.

Ob sie eines Tages der gleiche kulturelle Ausverkauf wie Pfläumchen, Willi & Co. ereilt, die auf Österreichs Party-Skipisten rund um das Epizentrum von Ischgl und St. Anton gereicht werden, weiss ich nicht.
Aber verkehrt wär’s sischer aach net.

 

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Gut Essen in der Karibik

Wenn man in der Karibik unterwegs ist, erschlägt einen die Menge der unbekannten Gerichte. Grund ist die ethnische Vielfalt, man hat Menschen aus allen Ecken der Welt hierher geschleppt und jede Gruppe brachte nicht nur ihre Arbeitskraft ins Land, sondern auch ihre kulinarischen Vorlieben.

Wobei die Kariben selbst eigentlich nie eine Rolle spielten. Niemand spricht heute mehr von ihnen. Die Kariben, das waren die Ureinwohner der Antillen Inseln. Damit sind weder die importierten Afrikaner noch die nachfolgenden Inder oder Chinesen gemeint. Die Kariben ähneln viel mehr den Native Americans, also dem Volk, das man in Deutschland die „Indianer von Amerika“ nennt. Sie wurden ausgerottet.

Und damit war Raum für die europäische und afrikanische Küche gewonnen. Und die Spanische. Auch die Holländer waren mal hier. Und auch die Portugiesen und sogar die Engländer. Ok, die haben nichts mitgebracht, denn England schafft es selbst heute noch als kulinarisch rückständig zu gelten, obwohl sie Kolonien in allen Ecken der Welt hatten, wo wirklich äußerst anständig gekocht wurde. Wie kann man nur so beratungsresistent sein und das über Jahrhunderte.
Aber zurück zu dem, was man heute in der Karibik genießen kann.

Früchte der Natur

Darunter verstehe ich vor allem die Kokosnuss, die Kakaoschote und die Muskatnuss. Kokosnüsse liegen an jedem Strand herum, sind dann aber auch schon ein wenig über das Verfallsdatum heraus. Trotzdem kann man sie öffnen, wenn man die Fähigkeit dazu besitzt. Es ist nämlich für Büromenschen nahezu unmöglich, an das Fleisch und den Saft heran zu kommen. Auf dieser Seite kann man nachlesen, wie es mit Hilfe eines in den Boden gerammten Stocks funktioniert.

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Die Kakaofrucht ist dann reif, wenn sie von gelb so langsam ins braune changiert. Man öffnet sie einfach und schlabbert das süße, weiße Fruchtfleisch von den Kernen ab. Die Kerne selber, das sind natürlich die Kakaobohnen. Glückwunsch an die Südamerikanischen Völker, dass sie herausfanden, wie man aus diesen bitteren Bohnen etwas so Schmackhaftes wie Schokolade macht. Aber mit bitteren Bohnen kennen die sich ja aus, denn auch der Kaffee stammt nicht weit von hier.

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Muskatnüsse sind ein Wunder der Natur. Mitsamt ihrem überdimensionalen Fruchfleischpanzer sehen sie aus wie ein leckerer Pfirsich. Beißt man hinein, zerfällt diese Illusion schlagartig und es wird klar, dass hier nur der Kern zählt. Die frische Muskatnuss ist mir einem grellroten Netz umgeben, welches selbst als Gewürz verkauft wird und „Macis“ genannt wird, die Muskatnussblüte. Sie schmeckt ebenfalls nach Muskat, nur nicht ganz so intensiv wie die Nuß. Die Inder verwenden sie gern für Curries. Die frische und noch ziemlich weiche Muskatnuss wird dagegen von den heutigen Kariben sehr gern über ihren Punch oder „Ti Punch“ gerieben!

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Sie schmeckt überhaupt nicht so, wie man es von Mutterns Sonntagsbraten kennt. Die fruchtige, leicht scharfe Frische tut jedem Cocktail gut. Hier gibt sie dem Ti Punch aus neuem weißen Rum und Zuckerrohrsirup den nötige herben Akzent. Die Muskatnuss Flocken sind weich und wollig, ganz anders als es eine trockene Muskatnuss kann.

Karibik 540 muskatnuss macis fruchtfleisch

 Früchte des Meeres

So richtig erfolgreich waren wir mit dem Fischen leider nicht. Dafür waren wir gut im Handeln und konnten den lokalen Fischern auf der Insel Mustique für ein paar Caribian Dollars ihre roten Grätenfische abkaufen. Das war jetzt kein Gesellenstück, sondern eher aus der Not geboren. Aber immerhin hatten wir etwas zu tun beim herausfriemeln der Gräten. Und zwar noch lange, nachdem der letzte Currygeschmack unsere Geschmacksnerven durchdrungen hatte. Mann, was waren die grätig… später haben wir sie am Stück gegrillt, das war einfacher.

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Dafür bin ich seit diesem Urlaub ein großer Freund der Conch Schnecken. Dabei handelt es sich um die Tiere, die in diesen stacheligen großen Muscheln leben. Die Gehäuse liegen kubikmeterweise an sämtlichen Stränden der Karibik herum, vorzugsweise dort, wo man sie isst. Sollte man auf die Idee kommen, so ein Gehäuse im Gepäck mit nach Hause zu nehmen, so könnte das zu Diskussionen mit dem heimischen Zoll führen. Selbst 3D-Scanner können aber noch keinen Mageninhalt erfassen, also immer rein damit, denn die Dinger sind einfach delicious. Wer nicht weiß, dass es sich um Meeres-Schnecken handelt, könnte glatt von Hühnerfleisch oder ähnlichem ausgehen. Die Tiere sind recht groß und ergeben kleingeschnitten und gekocht ein ziemlich schmackhaftes Gulasch.

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Saucen

Vor allem eine Sauce ist mir im Kleinhirn hängen geblieben: sie war gelb, durchsetzt mit roten Pünktchen und sehr scharf. Es handelte sich um eine Mischung aus Banane, Senf und Chili. Sie wird fast überall in kleinen Salzstreuern zum Nachwürzen am Tisch angeboten. Man kippt zunächst mal aus den Latschen, weil sie so scharf ist, möchte sie aber nach eine Weile nicht mehr missen. Wer keinen Feinkost- oder Gewürzeladen in der Nähe hat wie zum Beispiel das Gewürzhaus Alsbach in Frankfurt, der findet solche Saucen unter dem Namen Baron West Indian Hot Sauce (und ähnlich klingende) im online Versand.

Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, dem seien noch folgende Saucen ans Herz gelegt, die in eine ähnliche Richtung gehen:

Ob zur Bratwurst, aufs gekochte Ei oder zu Fisch und Fleisch: diese Saucen passen immer. Man darf sich nur nicht irritieren lassen, falls dieser Geschmack auf der nächsten Grillparty bei anderen auf Unverständnis stößt… einfach immer ein Aldi-Gewürzketschup für den deutschen Geschmacksverweigerer in petto haben.

Karibik 705 segeln cocktails