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Konzertbericht: „The Black Crows“ in der Jahrhunderthalle Frankfurt-Höchst

Am 07.10.2022 spielten die Black Crows in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Hier der Konzertbericht!

Der Background

Die Black Crows hatte ich zum ersten Mal irgendwann um die 00er Jahre herum gehört. Vor langer Zeit sind sie mal als Beifang aus dem Studinetzwerk auf meinem Rechner gelandet und irgendwann später liefen sie auf heavy-rotation. Nur falls gemeckert wird, ich wäre damals schuld am Untergang der Musikindustrie gewesen: später kaufte ich mir noch sehr viele Platten im Nachhinein und rannte auf die entsprechenden Konzerte… sogar den Napster-Hassern von Metallica würde ich über die Jahre gesehen noch ein paar Hundert Flocken für gute Konzerte überweisen. Aber zurück zu den Crows. Als 1990 ihr erstes Album „Shake your money maker“ herauskam, lief auf dem Kassettenrekorder in meinem Kinderzimmer noch die brave „Übergangsmusik“ wie z.B. Chris de Burgh zwischen Kindermärchen und dem, was später für Teenager so angesagt war. Folglich mussten die Robinson Brüder (damals in den Zwanzigern) schon ein wenig älter als ich sein, um ein solches Meisterwerk vorzulegen.

 

Beim Betrachten des Publikums fiel es mir dann später wie Schuppen von den Augen: mit Anfang 40 gehört man hier zu den Youngstern, die meisten Fans waren zwischen 50, 60 und aufwärts. Hört man seine Lieblingsband vor allem zu Hause im stillen Kämmerlein, kommt der Gedanke nach dem Alter der Band oder ihrer Mitglieder gar nicht erst auf. Schon gar nicht beim Hören von zeitloser Musik. Und schon gar nicht beim Gekrächze von Chris Robinson! Sie hätten das Album auch zwanzig Jahre später aufnehmen können, es würde für mich keinen Unterschied machen. Ich kaufte mir also alle Alben, die es bis dato gab und schwelgte im Sound der Black Crows. Ohne jemals einen Gedanken daran zu verschwenden, ob diese dysfunktionale Band jemals ihren Weg nach Europa finden würde.

Die Tournee

Als ich vor einem halben Jahr dann von der Verschiebung des Konzerts in der Frankfurter Jahrhunderthalle auf den 7.10. gehört habe, musste ich zuschlagen. Triple Glück gehabt: die Brüder haben sich vor kurzem wieder vereint. Sie sind auf Europa-Tour. Und sie kommen ins Rhein-Main Gebiet! Zwar nur in die „Wohlstandspocke“ von Frankfurt-Höchst, wie die Jahrhunderthalle liebevoll genannt wird („schwangere Auster“ war schon vergeben). Aber die Festhalle ist wohl eine Spur zu groß und in die neue Batschkapp will auch kein Mensch, seit sie am Ende der Welt liegt (am alten Standort in Eschersheim steht heute ein Rewe, man könnte heulen). Die Halle ist per Bus oder über die S-Bahn-Station Farbwerke-Hoechst zu erreichen. Irgendwo zwischen den Pharmafirmen im Industriepark sowie den von Frankfurt einverleibten Gemeinden Zeilsheim und Unterliederbach steigt man aus der Bahn und ist im Nirgendwo gelandet. Nicht mal ne Currywurstbude gibt es hier draußen mehr, man müsste sich schon eine Dosis Insulin von Sanofi gegen den Hunger ausborgen.

Die Jahrhunderthalle

Die Jahrhunderthalle sieht immer noch sehr schmuck aus, obwohl sie aus den 60er Jahren stammt. Und erstaunlicherweise hat sie eine sehr gute Akustik. Und die hatte sie schon zu Zeiten, als die Tontechnik noch nicht so ausgefuchst war wie heute, wo man sogar der Festhalle einen akzeptablen Sound abringen kann. Im Inneren wird man von einer zentralen, gut geführten Bar flott mit Bier versorgt. Und es gibt sogar eine kleine Kantine mit Imbiss-Essen, wer hätte das gedacht. Also entspannte Wohlfühl-Atmosphäre und das Publikum wie schon erwähnt im gesetzteren Alter. Zu jung, um Hippie zu sein und zu alt für den Moshpit, so mag ich das.

Das Konzept

Der Vorhang ging auf, bisschen Gerödel noch und alle konnten sich am Design der Tourbühne erfreuen: linkerseits war eine Bar inklusive lebendem Barkeeper aufgebaut. Eine Jukebox sollte als Intro das Lied „Shake your money maker“ im Original von Elmore James spielen, denn nach diesem Lied wurde das erste Album benannt. Rechts durften die zwei Damen für den Backgroundgesang unter einer Südstaaten Veranda stehen. Da Motto und Idee der Tour wie der Name ihres ersten Albums lautete, würden somit alle Lieder in genau der Reihenfolge wie auf dem Tonträger gespielt werden. So richtig neu ist die Idee nicht, viele Bands besinnen sich irgendwann auf frühere Zeiten und rocken ihre ersten Alben am Stück herunter. Metallica machen das manchmal oder auch Jimi Eat World. Die hatte ich damals in der alten Kapp gesehen und sie hatten gleich zwei ihrer besten Alben runtergerissen, es war ein Traum. Ebenfalls klasse waren „The Analogues“, die die Musik der späten Beatles Platten live aufgeführt hatten, was die Beatles selbst ja nie gemacht haben. Aber ich schweife ab.

Die Vorband

Vorband waren die mir unbekannten „De Wolff“, eine Art junge Ausgabe der Black Crows und nur zu dritt. Aber nicht in der klassischen Kombination Gitarre, Bass, Drums. Sondern statt Bass mit Orgel. Das kam gut, denn natürlich kann ein fitter Organist den Bass übernehmen. Klassischerweise mit den Füßen, aber hier wohl eher mit der linken Hand, während die Rechte die Melodien runternudelt. Und das nudelt schon ziemlich heftig, wenn das wuchtige Leslie Cabinet erstmal auf Umdrehungen gekommen ist! Jedenfalls, sehr sympathische Jungs, die nicht nur gut im Umgang mit ihren Instrumenten sind, sondern auch mit dem Publikum Kontakt aufnehmen. Dass sie Niederländer sind, hat sich erst nach und nach herausgestellt. Als der Sänger immer mehr Deutsch sprach, um das Publikum zu animieren, war klar, dass sie nicht aus Georgia kommen können (sondern aus Geleen, nahe der deutschen Grenze).

Der Hauptact

Und dann betraten die Black Crows die Bühne. Ein kurzes Hallo und los ging’s mit der Setlist, die ja nun keine Überraschung mehr war. Vom Sound her umwerfend, sie haben sich selbst perfekt reproduziert. Wer hier Ausflüge in spontane Jams erwartete, hatte falsche Hoffnungen. Man hätte auch die CD einlegen können. Aber gut, so war es angekündigt und so zogen sie es durch. Einerseits geil, man kann jede Note mitsingen. Andererseits halt ohne Überraschung. Das Album hat 10 Tracks und nach 45 Minuten war es vorbei. Statt einfach ihr zweites Album dranzuhängen, kamen dann noch ein paar Extras wie „Remedy“ (vom Nachfolger) und als Zugabe „Good Morning Captain“ (von „Warpaint“). Auf der seitlichen Bühne gut sichtbar hing eine blaue Digitaluhr im Rack und um Punkt 22:30 Uhr war die Show vorbei. Eject.

 

Mein Eindruck von dem Konzert ist sehr geteilt. Toll war der Sound und der Wiedererkennungswert. Der Aufwand für Rich Robinson, zu jedem Song die passend gestimmte Klampfe zu verwenden. Er wechselte sie gefühlt so oft wie Lady Gaga ihre Kleider. Was bei ihm aber wohl mehr an den offenen Stimmungen lag, die er gerne verwendet. Dann sein Stepptanz auf dem riesigen Pedalboard, alle paar Sekunden tritt er in dieser Matrix aus zig Fußschaltern irgendwo drauf. Nicht immer hört man einen Unterschied. Alles vermutlich digital irgendwo gespeichert, hier könnte Gitarre&Bass mal seine Leute hinschicken, um herauszufinden, ob hier noch irgendwo ein Röhrenverstärker im Spiel ist oder ob wir schon im Metaversum unterwegs sind. Ist aber auch wurscht, was zählt is auf der Bühne und das hat überzeugt.

Nicht so sehr überzeugt hat mich die Teilnahmslosigkeit, mit der die Brüder Robinson und ihre Begleitband (es sind nicht mehr die originalen Mitglieder) performt haben. Der einzige mit kindlichem Bewegungsdrang war der Sänger. Kann man gut finden oder nicht, mir ging sein Gehampel schon nach kurzer Zeit auf den Geist. Manche vergleichen das mit Mick Jagger oder Rod Stuart. Die beiden sind auf ihre Art coole Socken, aber das kann man von Robinson dem Älteren nicht behaupten.

Immerhin war er der einzige auf der großen Bühne, der überhaupt mal mehr als den Mundwinkel bewegt hat. Alle anderen standen nur passiv herum und machten ihren Job. Mastermind Rich hat so emotionslos gespielt, wie ich es bei noch keinem Gitarristen gesehen habe. Wozu tragen viele Bands heutzutage Masken, das wär doch eigentlich was für ihn. Soll er sich doch einen Panda oder eine Krähe anfertigen lassen, dann kann er sich dahinter verstecken. Oder sich parallel zur Bühne einen geschlossenen Studioraum bauen lassen, aus dem er zugeschaltet wird. Oder gleich wie Abba als Avatar auftreten. Also ehrlich, falls der schon immer so war, dann meinetwegen. Ansonsten habe ich dafür kein Verständnis. Schließlich sind er und sein Bruder das Herz der Krähen, da kann man wenigstens versuchen, mit dem Publikum irgendeine Art von Kontakt herzustellen.

Das Fazit

Es ist natürlich toll zu hören, wie eine Band mit super Sound ihre Songs spielt. Aber wann fing es eigentlich an, dass sowohl die Haupt- als auch die Vorbands nur noch zur Wasserflasche greifen? Man muss ja nicht wie Lemmy gleich einen Humpen mit Whisky-Cola neben sich stehen haben, aber ein Bier zum dran Nippen muss doch noch erlaubt sein. Wozu hatten die eigentlich einen Barkeeper, wenn der nichts ausschenken darf? Wann ist es ein Zuviel an Professionalität geworden? Und seit wann kosten T-Shirts der Bands mindestens 40 Euro? Das sind fast zwei Drittel vom Ticketpreis, hier stimmt das Verhältnis doch nicht mehr. Kurz und gut: die Black Crows waren hoch professionell, dagegen kann man nichts sagen. Aber trotzdem fehlt mir was, wenn ich nur wüsste, was es ist!


Nachtrag:

In der FAZ klang die Kritik des Konzerts im Vergleich zu meiner recht positiv, hier der Link zum Artikel, leider hinter der Paywall. So ist das mit dem persönlichen Eindruck, er ist halt subjektiv. Im wenige Tage darauf erschienen Leserbrief beklagt sich ein Leser aber ziemlich genau über die selben Punkte, die ich auch genannt habe. Ich bleibe bei meinem Fazit: so net, ihr Bube!

Skandal: keine scharfen knusprigen Hühnchenteile bei KFC mehr!

Seit ein paar Monaten hat KFC die scharfe und extra knusprige Variante seiner Hühnchenteile vom Markt genommen. Was haben wir dem Colonel getan, dass er uns Fans die Laune verdirbt?

Das erste Mal bei KFC in den USA

Mein erstes Mal KFC war Mitte der Neunziger in den USA. Ich war drei Wochen mit dem Austauschprogramm der Schule unterwegs und in einer Gastfamilie in Oregon untergebracht. Erschlagen nach dem langen Flug wurde ich am Flughafen abgeholt und meine Gasteltern schlugen vor, bei Kentucky Fried Chicken etwas zu Essen zu holen. Amerikaner essen gerne in ihren Autos und das war auch hier der Plan. Also wurde ich auf dem Rücksitz in breitestem American-English gefragt, welche Geschmacksrichtung es denn sein dürfe? Das einzige, was ich als 14-Jähriger von dem Kauderwelsch verstand, war irgendwas mit Barbecue. „Yes, barbecue please!“ sagte ich, ohne wirklich zu wissen, was mich erwartete. Damals war tatsächlich eine Variante von Hühnchenteilen mit Barbecue Sauce im Angebot. Also ohne Panade, dafür eingeschmiert mit BBQ-Sauce. Gar nicht so ungewöhnlich, wenn man heute einmal schaut, was KFC zusammengenommen in sämtlichen US-amerikanischen Bundesstaaten so im Angebot hat (ca. 1.800 Produkte!).

 

Für mich war die Wahl weniger optimal, denn es war schon dunkel und als ich während der Fahrt in die Tüte griff, war das Essen ein ziemliches Schlamassel. Hätte ich mal lieber die Standardvariante genommen, aber so waren meine Hände nach kurzer Zeit vollgeschmiert mit leckerer BBQ-Sauce. Wie auch immer, seitdem lechze ich nach frittierten Hühnerteilen und bin ein großer Fan der knusprig panierten KFC-Produkte. Heute betrachte ich dieses Fastfood eher als die Ausnahme, denn von Bio oder überhaupt irgendwelchen Qualitäten ist bei KFC noch nie die Rede gewesen. Am Imbisswagen mit gegrilltem Hühnchen ist das genauso, aber das macht es nicht besser. Hin und wieder erlaube ich mir jedenfalls diese Sünde.

KFC hat scharfe Hühnchenteile abgeschafft

Für gewöhnlich wähle ich die knusprig und scharf frittierten Teile, denn die Standardvariante ist mir einfach zu labberig und nicht würzig genug. Das Hühnerfleisch darunter erscheint mir auch etwas trockener. Umso erstaunter war ich, als mir bei den letzten Besuchen im KFC auffiel, dass die scharfe knusprige Variante gar nicht mehr im Angebot war. Erst schob ich es auf irgendwelche Lieferkettenprobleme, wer hat das nicht in der Gastro heutzutage. Aber hier machte das keinen Sinn und so erklärte mir die Filialleiterin, dass die hot und crispy Chickenteile schon seit ein paar Monaten nicht mehr auf der Karte stehen. Nach kurzer Recherche gilt das nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich, Frankreich, Italien und England. Nur in Spanien kann man die Knusperteile noch kaufen, zumindest suggerieren das die Bilder. Woanders und vermutlich bald überall in Europa gibt es keine scharfen Hähnchenteile mehr.

Warum wurden die scharfen Hähnchenteile also abgeschafft? Für mich und für viele Fans ein absolutes No-go, schließlich ist es das einzige, was wir beim Colonel so schätzen. Und man schaue sich nur einmal sämtliche Youtube-Videos zum Selbermachen von frittierten Hühnchenteilen an: das Ergebnis sieht immer so aus wie das, was es jetzt nicht mehr zu kaufen gibt! Und zwar weltweit, egal ob es Inder machen, Vietnamesen, Amerikaner oder Deutsche.

Die anderen scharfen knusprigen Hühnchenteile

Zwar kann man alternativ noch die knusprigen Chicken Hot Wings bestellen, aber deren Panade ist leicht anders. Und um ehrlich zu sein, bestelle ich sie allein schon deswegen nicht, weil mir die spezielle Schärfe oder irgendein Zusatzstoff so dermaßen die Verdauung vernichtet, dass sie leider keine Option mehr sind. Noch habe ich nicht herausfinden können, was es genau ist. Laut Karte der Inhaltsstoffe (auf dieser Seite auf „Produktinfos“ klicken für ein PDF) sind zwar Geschmacksverstärker und Phosphat mit drin, aber das enthalten die normalen Teile auch und die machen mir keine Probleme. Die Berichte über Dünnschiss nach dem Essen von Hot Wings mehren sich allerdings, es scheint sich um ein weit verbreitetes Phänomen zu handeln. Siehe hier, hier und hier.

 

Auch gäbe es noch die Crispies, das sind knusprige Streifen aus Hühnerbrust. Die sind auch nicht schlecht, aber halt nichts mehr zum Abnagen. Aber gut, vielleicht entspricht das Abnagen von Knochen einfach nicht mehr dem Zeitgeist und die Verkaufszahlen der Chickenteile gingen zurück. Man musste sich für die originale oder die scharfe Variante entscheiden und so fiel die Scharfe dem Zeitgeist zum Opfer. Nur so eine Theorie. Noch bin ich am Forschen und vielleicht klärt sich das Rätsel bald von selbst. Stay tuned. Wer möchte, kann auch die Diskussionen unter diesem Video verfolgen, obwohl es hauptsächlich um die richtige Gewürzmischung geht.

Nachfrage direkt bei KFC Deutschland

Normalerweise halte ich nicht viel von Kontaktformularen auf Firmenwebseiten. Solange das nicht B2B ist, werden private Anfrage gerne ignoriert. Bei KFC dagegen kam die Antwort auf meine Anfrage prompt am nächsten Tag. Hier ist sie:

„Wie Sie wissen, steht KFC für das beste Chicken. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen wir uns auf jedes Hähnchenprodukt fokussieren.
Da unser Produktsortiment zu komplex wurde, haben wir in zahlreichen Restaurants schon vor längerer Zeit H&S-Chickenteile nicht mehr angeboten.
Aufgrund der Testergebnisse und Gästefeedbacks wurde die Entscheidung getroffen zum 1.April bundesweit unser Hot & Spicy Chicken aus dem Sortiment zu nehmen.
Hier steht KFC-Deutschland nicht allein, da bereits in vielen weiteren Ländern ebenfalls keine H&S-Chickenteile mehr angeboten werden.
Wir hoffen aber, dass Sie KFC trotzdem treu bleiben und vielleicht können wir Sie mit unseren anderen Chicken Produkten auch überzeugen.
Wenn Sie weiterhin ein scharfes, knuspriges Produkt genießen möchten, empfehlen wir Ihnen einen Zinger Burger oder unsere leckeren Hot Wings.“

Tja, so sieht’s aus, KFC muss sparen. Es stimmt tatsächlich, dass das Sortiment seit einigen Jahren unglaublich aufgeblasen wurde. Aber warum sie den Kern der Marke, die frittierten Hähnchenteile, reduzieren und nicht bei all dem anderen überflüssigen Gedöns ansetzen, das erschließt sich mir nicht.

Nicht nur KFC verkauft Hühnchenteile

Was bleibt dem Freund von Knusperhühnchen nun als Alternative zu Kentucky Fried Chicken? Im Gegensatz zu den USA, wo es noch weitere Fastfood Ketten für frittierten Hühnchenteile gibt, sieht es bei uns in Deutschland eher mau aus. In Mainz habe ich zumindest das Glück, ganz in der Nähe den Imbiss „Chicken One“ zu finden. Hierbei handelt es sich um eine ehemalige KFC Filiale, die von einigen Mitarbeitern schon seit längerer Zeit unter eigenem Namen weiterbetrieben wird. Und hier gibt es die knusprigen Teile noch! Genau genommen gibt es ausschließlich diese Teile, was mich in der Überzeugung bestärkt, dass es keinen rationalen Grund gibt, diese Variante bei KFC einzustampfen. Wer möchte, kann heute sehr leicht sein eigenes „Crispy Chicken Restaurant“ eröffnen, wie es dieser polnische Anbieter von Panaden und anderen Mixturen für frittiertes Hühnchenfleisch verspricht. Es ist wirklich alles im Angebot, man muss nur noch ein Ladengeschäft mieten und schon kann es losgehen!

 

Ebenfalls in Mainz gibt es noch den koreanischen Imbiss „Chicken Kokio“ und deren Hot Wings sind nochmal um Klassen besser. Ich empfehle jedem, in seiner eigenen Stadt mal die Augen offen zu halten. Es gibt noch weit mehr Läden als KFC, wo man hervorragend leckere frittierte Hühnchenteile kaufen kann!

„Bütt!“ Zur Weinlese in Mainz-Laubenheim

Wenn es „Büüütt“ durch den Wingert schallt, ist wieder ein Eimer bereit zur Abholung durch die „Bütt“, also den großen Sammelkorb des Winzers. Wir waren einen Tag dabei zur Weinlese in Mainz-Laubenheim.

Je nach Region heißt dieser Behälter natürlich unterschiedlich: mal ist es offiziell die „Trage-Bütte„, dann nur die „Bütt“ und bei uns auch mal die „Butz“. Ganz einig ist man sich in Rheinhessen wohl nicht. Vielleicht habe ich das auch falsch verstanden, aber gemeint ist immer das selbe korbartige Behältnis zum Tragen der Trauben auf dem Rücken. Doch was hat uns eigentlich in den Weinberg verschlagen…?

Die goldene Herbsteszeit

Ein Freund von uns, Christopher Dellee, hat zusammen mit seinem Freund Oliver Grimm irgendwann in grauer Vorzeit beschlossen, eigene Weine zu keltern. Christopher ist Geschäftsführer von Asbach und Oliver betreibt die Goldene Ente in Laubenheim. Mit Essen und vor allem Trinken kennen sich die beiden somit aus und man kann sie wohl als echte Laubenheimer Gewächse bezeichnen. Hin und wieder tranken wir also einen Wein der Dellee & Grimm Weinkellerei und kamen uns durch diese Connection schon fast selbst wie echte Winzer vor… Man muss dazu sagen, dass man ihren Wein außerhalb von Laubenheim eher nicht kaufen kann, aber innerhalb des Dorfes ist er omnipräsent.

Nun standen wir neulich auf einem der größten herbstlichen Weinfeste von Mainz, dem Mainzer Weinmarkt, zusammen und tranken Wein, da fiel es Christopher plötzlich ein, dass am nächsten Wochenende schon der erste Weinberg abgeerntet werden soll. „Berg“ ist dabei nicht ganz wörtlich zu nehmen, es handelt sich in diesem Fall genaugenommen um eine gute Hand voll Reihen mit Rebstöcken, die er für die gemeinsame Weinkellerei bewirtschaften lässt. Davon gibt es mehrere mit unterschiedlichen Traubensorten in unterschiedlichen Lagen. Die jetzt zur Lese fälligen Reben trugen jedenfalls den grünen Silvaner. Da ich weder Getränketechniker, Winzer, Weinprinz noch sonst wie mit diesem Gewerbe verbandelt bin, verzeihe man mir die eventuell nicht ganz korrekten Bezeichnungen einiger Zusammenhänge.

Rein in die Trauben

Die Silvaner Traube ergibt einen leicht grünlich schimmernden Weißwein „mit feiner Säure und zarter Blume“, wie Wikipedia es beschreibt. Fakt ist, dass er zu den am besten gehenden Weinen der Weinkellerei gehört. Außerdem liefert er gute Erträge, die Traube „ist selten geschultert, mittelgroß und mittel dichtbeerig bis kompakt. Die rundlichen Beeren sind mittelgroß und von grünlicher Farbe“. Das können wir so unterschreiben, wie man gleich sehen wird.

Für den Tag der Weinlese Mitte September war reichlich Regen angesagt worden. Nach fast zwei Monaten Trockenheit und hohen Temperaturen fiel das Lesedatum diesmal wohl etwas früher als üblich aus. Letztendlich hielt sich der Regen in Grenzen und man kann behaupten, einen goldenen Herbsttag mit milden Temperaturen erlebt zu haben. Am Weinberg tröpfelten nach und nach die Lesehelfer ein, bis wir ungefähr ein Dutzend waren. Mitgerechnet schon den harten Kern, denn nicht nur Christopher und Oliver packten mit an, sondern auch noch weitere junge Enthusiasten, die sich auch etwas tiefer mit der Materie auskannten. Wie gesagt, nicht alle Zusammenhänge waren mir geläufig.

Zum ersten Mal Erntehelfer

Voller Spannung gingen wir also zum ersten Mal auf Weinlese und bekamen gleich die nötige Ausrüstung mitgegeben, nämlich einen schwarzen Eimer und eine spitze Schere. „Lesen“ im klassischen Sinne bedeutet „Auswählen“ der Trauben. Wir Anfänger bekamen zum Glück die Anweisung, einfach alle Trauben zu ernten. Ansonsten könnte man mit entsprechend Ahnung und Geduld auch versuchen, nur die reifsten Trauben zu ernten und den Rest noch eine Weile hängen zu lassen. Wie auch immer, die Handlese hat den Vorteil, die Beeren größtenteils unverletzt zu lassen und deshalb gilt diese Art der Ernte als besonders schonend.

Am selben Tag fuhr nicht weit von uns ein bestellter Vollernter über einige andere Reihen und brachte so innerhalb kürzester Zeit durch Rütteln und Schütteln sämtliche Trauben ein. Ich habe es im Eifer des Gefechts noch nicht einmal mitbekommen, so schnell ging das! Durch die verwendete Technik ist der Vollernter zwar schneller und auch die Traubenstängel bleiben an der Rebe und landen nicht in der Maische. Dafür sehen die Beeren hinterher doch ziemlich derangiert aus und der Winzer muss sich beeilen, seine Lese in den Weinkeller zu bringen, bevor hier die spontane Vergärung beginnt.

Für uns hieß es nun: wo sind die Trauben und wie bekommt man sie abgeschnitten?! Das klingt banal, aber einige Trauben hingen so dermaßen eng umschlungen an ihren Reben, dem Draht oder gar den Metallpfosten, dass kein Anfang zu erkennen war. In diesem Fall war uns aber sanfte Gewalt erlaubt worden. Die Blätter konnte man ohne Bedenken abrupfen, falls sie im Weg waren und die Sicht behindern sollten. Und bei den Trauben darf man zur Not auch mal rabiat zu Werke gehen. Wenn sie sich nicht fügen wollen, wozu hat man die spitze Schere? Mittenrein in die Trauben und irgendwo findet sich schon eine Stelle zum Spalten.

Unser größter Anfängerfehler war nämlich, immer den obersten Trieb finden zu wollen. Hat man den durchgeschnitten, fällt einem das Traubenbündel elegant in die Hand oder sogar gleich in den Korb. Nur leider ist das selten der Fall und man tastet sich schrittweise zur Quelle vor. Oder verschwendet Zeit mit der Suche nach der optimalen Stelle zum Abschneiden.

Kinderarbeit macht Spaß

Irgendwann hat es dann auch der zärtlichste Erntehelfer geschafft, seinen Eimer zu füllen. Und spätestens jetzt sollte er lautstark nach der „Bütt“ rufen. Daraufhin kommt ein fleißiger Helfer mit der Bütt auf dem Rücken und man schüttet ihm die geernteten Trauben in sein Behältnis. Er wiederum leert seine Bütt in den großen Hänger und dann beginnt alles wieder von vorn.

Hat man an solch einem Erntetag auch Familien mit Kindern dabei, so eigenen sich kleine „Kinder-Bütt“ hervorragend dazu, die lieben Kleinen zu beschäftigen. Ansonsten fangen sie nach kurzer Zeit nämlich an, das Unterfangen der Weinlese subtil zu boykottieren: keine Lust mehr auf Traubenschneiden, hier ein Loch im Finger, Hunger, Pipi etc. Die Kinder-Bütt löst dieses Problem auf elegante Weise, denn hiermit können die Zwerge sich nicht nur wichtig fühlen, sie sind es auch! Ein eingespieltes Team aus erwachsenem Erntehelfer und freiwillig versklavtem Bütten-Kind ist einfach unschlagbar. Nächstes Mal lassen wir uns bezahlen, und zwar im Akkord!

Nach ein paar Stunden ist auch die längste Reihe abgeerntet und die Erntehelfer merken plötzlich, dass sie auch noch über einen knurrenden Magen verfügen. Als naive Neu-Erntehelfer kramten wir sofort den morgens frisch gebackenen Quetschekuchen hervor. Aber ach, der Plan lautete leider anders. Am wichtigsten sind nunmal die frisch geernteten Trauben und diese müssen nun so schnell wie möglich ins Weingut gebracht werden. Die größten Freunde und gleichzeitig die größten Angstgegner des Winzers sind nämlich Enzyme und Hefen! Die stecken nicht nur im Hefeteig, sondern fliegen auch sonst so überall herum und daher ist nach der Ernte Eile geboten, um eine spontane Vergärung zu vermeiden.

Volle Bütt, voller Hänger: ab in die Kelter

Alsdann, rauf auf den Trecker, den Unimog gestartet und ab geht es in die nahe gelegene Weinkellerei am Marienhof. Diesen Hof kann man nicht nur für Feiern mieten, er ist im Kern vor allem ein Weingut mit allem, was der Winzer zur Herstellung seiner guten Tropfen benötigt. Und hier werden die Trauben nun aus dem Hänger direkt in die Presse gepumpt. Hierbei kommen die Vorzüge eines Unimogs zum Tragen, denn über eine separate Antriebswelle am Motor kann die Transportschraube im Hänger betrieben werden. Alle Trauben, mitsamt Stil und Stengel, werden also mit sanfter Gewalt durch einen Schlauch in die Presse gepumpt. Dabei werden sie auch gleich zerkleinert, so dass die Pressmaschine weniger Arbeit hat. Das Resultat ist die Maische.

Bei der Pressmaschine handelt es sich um eine Neuanschaffung, auch wenn sie eigentlich aus den 80ern stammt. Von Raketentechnik kann man hier zwar nicht sprechen, aber sie holt mit Hilfe von ein paar Tricks auch noch den letzten Tropfen Traubensaft aus der Maische heraus. Das Ergebnis heißt ab jetzt „Most“ und schmeckt fantastisch, denn im Rohzustand enthält der frisch gepresste Most noch sämtliche Aromen und Geschmacksdetails, die dem filtrierten und abgekochten Traubensaft später fehlen.

Die Pressmaschine besteht aus einer großen drehbaren Trommel, die an verschiedenen Auslässen den Most nach unten in eine Wanne laufen lässt. Am Anfang geht das schnell und leicht, aber später muss der Kompressor ran. Über den Wechsel von Druck und Entspannung kann im Inneren der Trommel eine stabile Folie um die Ernte gepresst werden. Dieser Vorgang aus Pressen und Entspannen findet nun mehr oder weniger automatisch gesteuert statt, so dass man lediglich die Saftwanne im Auge behalten muss. Sobald sich hier genügend Saft gesammelt hat, sollte man die Pumpe anwerfen, um den Most in einen der Edelstahltanks zu pumpen.

Taufe der neuen alten Pressmaschine

Die meiste Arbeit ist jedenfalls das Ernten. Was danach kommt, ist im Wesentlichen ein Verbinden von Schläuchen mit Behältern und Abwarten, dass etwas passiert. Ab jetzt ist Know-How gefragt statt Muskelschmalz, der Winzer übernimmt. Langweilig wird es trotzdem nicht, denn der interessierte Laie kann sich endlich einmal alles genau erklären lassen. Und zum Glück wird heute nicht der erste Jahrgang gekeltert und deshalb steht immer ein Schoppen Silvaner des Vorjahres zur Verfügung und will verköstigt werden.
Auch der Riesling des Vorjahres ist zu empfehlen.
Oder auch – hicks – der Grauburgunder.
Oer ers recht der -%&§ – Pottegiser Weiserbst…

Die neue Presse musste natürlich getauft werden, nur an den Namen konnte ich mich seltsamerweise nicht mehr erinnern. Und irgendwann, wenn die Herbstsonne schon lange hinter dem Horizont verschwunden und der eigene Magen mit Weck, Worscht und Wein gesättigt ist, dann entscheidet der Winzer: is‘ gut für heute! Der Tank ist gefüllt, die Geräte werden penibel gesäubert und wer von den Helfern immer noch da ist und noch immer keinen sitzen hat, der sollte zum Abschluss des Tages wirklich einmal die letzte Ernte probieren.