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Alles, was gut schmeckt…

…muss mindestens mit einer fingerdicken Schicht Öl bedeckt sein. Sagte einmal eine indische Mama. So ganz Unrecht hat sie ja nicht. Mit ordentlich viel Öl schmeckt das Essen einfach besser. Nur muss man sich der Konsequenzen bewusst sein. Dass ihre eigene Bevölkerung beginnt zu verfetten, ist den Indern kein Geheimnis.

mumbai_2011_ (7) full indian meal

Nur ist es schwer, den Menschen eines Schwellenlandes klarzumachen, dass viel Fett nur so lange in Ordnung geht, wie man auch viel Reis isst. Ganz nach dem deutschen Nachkriegs-Spruch: wer die meisten Klöße ist, bekommt auch das meiste Fleisch! Ähnlich sieht in Indonesien aus. Was sich dort an menschlichen Bruttoregistertonnen durch die glitzernden Shopping-Malls wälzt, ist kaum noch zu messen.

Food is different

… und zwar in ganz Indien, wie mir einige der jungen Kollegen ernsthaft versicherten. Genauer nachgefragt, was denn so different sei zwischen dem Food aus Maharashtra und dem aus Bengalen, kam als Antwort: das Öl. Hier in Maharashtra verwendet man „normales“ Erdnussöl, dort drüben am anderen Ende des Kontinents aber ist es Sonnenblumenöl. Soviel zur kulinarischen Toleranz und dem fundierten Halbwissen der Inder. Um sie wirklich glücklich zu machen, müsste man kochen wie ihre Mütter. Das ist auch der Grund, warum sie sich in Deutschland lieber wochenlang bei McDonald’s mit Pommes eindecken als einmal ne Pilzpfanne zu probieren. Selbst Grüne Sauce mit Eiern und Salzkartoffeln konnte ich ihnen nicht schmackhaft machen. Ganz zu schweigen von Handkäs mit Musik. Ist ja nicht so, dass bei uns für Veggies nichts geboten wird. Man muss sich nur darauf einlassen.

Stille Nacht im Rückwärtsgang

Der Knaller kommt, wenn Inder rückwärts fahren. Viele Autobesitzer lassen sich eine Melodie einbauen, welche ertönt, sobald der Rückwärtsgang eingelegt ist. Es handelt sich vorzugsweise um westliche Weihnachtslieder wie „Jingle Bells“ oder „Stille Nacht“. Die Idee dahinter ist allerdings wieder einmal eine Praktische: so erkennt jeder dusselige Fußgänger gleich, dass er in Null Komma Nichts flüchten sollte, wenn er am Leben bleiben will!

Nicht zu verwechseln hingegen sind diese Melodien mit denen, welche indonesische Getränkeverkäufer ihren Wägelchen entlocken. Diese klingen nur im ersten Moment traditionell, sind aber nicht viel länger als 4 Sekunden und nur belangloses Gedudel. Dafür laufen sie auf Heavy Rotation und sollen einen zum Kaufen von Coca Cola animieren. Ehrlich gesagt ist auch „Stille Nacht“ nur noch belangloses Gedudel, wenn es als Rückwärtsgang verwendet wird…

Vielleicht sollte ich mir die Nationalhymne einbauen lassen.
Na, wenn dieser Wurstblinker mal durch den TÜV kommt, ich weiß ja nich.

Die rechte und die linke Hand des Teufels

Die Tischmanieren sind in der Tat eine Sache für sich. Wichtigste Regel ist die Vermeidung der linken Hand. Diese zählt in einem Grossteil dieser Welt als schmutzig. Zu Recht, denn wer kein Klopapier verwendet, nimmt das zur Hand, was eben da ist und ansonsten wenig benutzt wird: die Finger der linken Hand. Eine Anleitung hierfür gibt es im Netz. War nicht leicht zu finden, denn das Thema gehört doch ein klein wenig in den Tabubereich…

toilet-how-use

Was ich nach eigenen Versuchen noch nicht herausfinden konnte ist, wie man sich hinterher wieder trocken bekommt. Hat jeder sein eigenes Poppeshandtuch oder wie ist das? Habe auch auf indischen Familientoiletten nichts dergleichen finden können. Aber allen Bedenkenträgern zum Trotz ist die reinigende Wirkung einer Hochdruckbrause enorm! Die Finger kommen nur ins Spiel, wenn das gröbste Erledigt ist. Schwieriger hat man es, wenn einem nur ein kleiner Becher angeboten wird. Und sonst nichts. Somit lautet die Schlussfolgerung an alle Weißnasen, die im Urlaub auf der Toilette einen Becher finden:

  1. nicht draus trinken
  2. Naggisch machen und dann erst den Becher benutzen, alles andere endet sonst peinlich

Zurück zu den Tischmanieren. Es macht einfach Spaß, Indern und Südostasiaten dabei zuzusehen, wie sie es auf Gedeih und Verderb zu vermeiden versuchen, die linke Hand zu verwenden! Man kann das selbst mal üben: man nehme ein Stück Brot und versuche es ohne Besteck und nur mit den Fingern einer Hand in Stücke zu zerteilen. Da kommt Laune auf, auch bei manchem hungrigen Inder. Daher gehört zumindest ein Löffel zum Standard-Gedeck.
Anschließend vermischt man mit den Fingern den Reis gemeinsam mit einigen anderen Zutaten (Sauce, Gemüse) und führt ihn sich Portionsweise zum Mund. Deswegen gibt es wohl auch so wenige trocken zubereitete Gerichte. Alles muss ja irgendwie am Reis kleben bleiben.

mumbai_2011_ (43) samosa snack

Die Haltung am Tisch ist dabei zweitrangig. Dass überhaupt an Tischen gegessen wird ist ja noch nicht so lange Brauch. Die Haltung ähnelt also eher der meinigen beim Essen am Couchtisch vor dem Fernseher. Was praktisch ist, ist gut. Der Couchtisch wird ganz sicher niemals aussterben, lang lebe der Couchtisch!

Holy Cow

Anzahl heiliger Kühe, die mir bis jetzt begegnet sind: eine. Und die war auf dem Bürgersteig vor einem Geschäft in der Haupteinkaufsstraße von Pune festgebunden. Falls Ochsen auch heilig sind, addiere ich noch 15 dazu. Die kamen mir auf der Straße entgegen, mitsamt Hirte. Wohin die wollten, ist mir noch etwas unklar. Hier ist wirklich weit und breit nichts zu fressen zu finden. Jetzt aber von der Kuh zum Thema „Essen“.

Heute Abend habe ich im Hotel doch entgegen meiner Befürchtung sehr gut gegessen. Da zwischen 19 und 21 Uhr auch noch Happy Hour ist, gab es sogar einen Cocktail gratis. Dazu zwei Starter: einmal so eine Art frittierte Kraut/Kartoffel Fladen, ähnlich einem Kartoffelpuffer. Sehr klasse zum Drink! Und dann noch einen marinierten Hühnerfleischspieß. Was ich sehr gut finde ist, dass hier nicht nur langweiliges Brustfleisch serviert wird sondern man ist sich auch nicht zu schade, das Fleisch der Schenkel auszulösen und zu verwenden. Das lässt so einen Spieß herrlich saftig bleiben. Dazu zum Dippen eine giftgrüne Sauce aus püriertem Koriander.

mumbai_2011_ (79) ziege

Die Hauptspeise war ein Lamm-Curry, das einen hervorragenden Geschmack hatte. Ganz wie aus Omas Küche, lang geschmort und so. Nur eben mit anderen Gewürzen. Überhaupt sind die Unterschiede der deutschen und indischen Küche gar nicht so groß. Gut, es werden anderen Gewürze verwendet. Aber viele Zubereitungsarten sind sich sehr ähnlich. Besonders Currys werden ja gern lange gekocht. Dazu gibt es Brot (Naan, Roti oder Chapati), Kartoffeln, Reis und Gemüse. Als Nachspeise muss etwas Süßes gereicht werden. Nur dass fast alle Speisen gleichzeitig serviert werden, ist nicht so deutsch. Aber mal ehrlich – auch bei uns kommt doch das meiste zum Hauptgang auf den Tisch.

Oh Calcutta!

Möchte man nicht jeden Abend im eigenen Hotel essen, muss man nach Alternativen Ausschau halten. Nach ausgiebiger Recherche im weiten Netz standen mir folgende Restaurants in Pune zur Auswahl:

  • Smoke on the Water
  • Barbecue Nation
  • Charcoal Pit
  • Oh Calcutta!

Die Aufnahmekriterien für diese Liste waren:

  • der Name sollte originell sein
  • möglichst kein Hotelrestaurant
  • Kebab oder ähnliches auf der Karte

Am naheliegendsten war das „Smoke on the Water“. Wie sich herausstellte liegt es im Hotel gleich nebenan, und zwar auf dem Dach. Kaum war ich dort, hatte es schon geschlossen, wie immer montags.

Ins „Charcoal Pit“ wäre ich nachmittags schon fast reingestolpert. Es befindet sich auch in einem Hotel auf der M.G. Road. Allerdings in einem dermaßen schmierigen Gebäude, dass ich mir das echt nicht antun wollte.

„Barbecue Nation“ war mir zu weit weg und somit bin ich im schönen „Oh Calcutta!“ gelandet (liegt noch im 50 Rupees Radius)!

Das Essen war hervorragend. Und sehr teuer, man kann 400 Rupien pro Gericht rechnen. Bei drei bis vier Gerichten plus Getränke ist man bei flotten 2000 Rupien, also über 30 Euro. Aber was soll’s, dann verfresse ich eben meinen Tagessatz für Auslandsverpflegung in einem üppigen Dinner, das ist es wert. Was mir in Erinnerung geblieben ist, das ist das Senföl, was einige Speisen enthalten. Am Anfang denkt man, nanu, was schmeckt denn hier nach Motoröl… Beim zweiten Hinschmecken erkennt man aber ganz klar das Senfaroma. Ziemlich stechend, aber sehr senfig. Auch als kleiner Appetizer wurde Senf gereicht. Er sah aus wie bayrischer süßer Senf, nur ohne Zucker. Dafür aber mit Schmackes, also schön scharf. Da hätte jetzt auch eine Weißwurst dazu gepasst! Südlich des Weißwurst-Äquators liegen Pune und Kalkutta allemal.

Ohne Meter, ohne Stress

Auf Kurzstrecken kriegt man keinen Rikschafahrer dazu, den Taxameter anzuschalten. Jedenfalls nicht, wenn man kein Inder ist. Und da sich viele Fahrten im Bereich von 2 Kilometern um das Hotel herum abspielen, gilt hier also der Fixpreis. Das sind in Pune 50 Rupees, also knapp ein Euro. Natürlich könnte man auch diesen Preis noch verhandeln. Wenn man aber nur mal eben in ein Restaurant gefahren werden will, hat man einfach keinen Bock, wegen 10 Cent noch groß Palaver zu veranstalten. Nur mehr als das sollte man nicht zahlen. Man hat ja auch seinen Stolz.

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Sehr spaßig ist immer der erste Kontakt mir dem Rikschafahrer. Wird er wohl gleich kapieren, was ich von ihm will bzw. wohin ich will? Es ist ja nicht so wie bei deutschen Taxifahrern, die ziemlich genau wissen sollten, wo welche Straße zu finden ist. Anhand der offiziellen indischen Adresse ahnt man schon, womit dieser Berufsstand zu kämpfen hat und dass es mit der Präzision nicht so weit her sein kann. Ein Beispiel.

Hotel XY
„Sassoon Road 11, Pride-Galaxy-of-India Building, gleich gegenüber von XY-Gebäude, in der Nähe vom Multiplex Kino“

Und mit diesen Infos fragt sich der Fahrer dann halt durch, wenn er nicht weiter weiß. Je näher er dem Ziel kommt, desto besser können ihm die Kollegen am Straßenrand weiterhelfen. Ein effektives System.

Ebenfalls spaßig ist die Situation, erst von einem Bengalen zum Frankfurter Flughafen gefahren zu werden, um dann in Indien von einem Landsmann ins Hotel gebracht zu werden. Das nur am Rande. Der Deutsch-Inder trug aber Turban, bei Rikschafahrern hab ich das noch nicht gesehen.

Mit Meter oder ohne?

Als Nicht-Inder hat man zwei Möglichkeiten, in Städten herumzukommen: Taxi oder Rikscha. Zu Fuß gehen kann man außerhalb der Shopping-Meilen abhaken. Es gibt kaum nennenswerte Bürgersteige (siehe dagegen Mumbai) und spätestens die nächste größere Straßenkreuzung ist ein unüberwindbares Hindernis. Also lautet die Frage: vier Räder oder drei, Taxi oder Rikscha?

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Für blutige Einsteiger sollte man sich zunächst mit dem Taxi anfreunden. Am besten den Taxi-Service vom Hotel bemühen, hier wird man fair und ordentlich bedient. Wenn man dann in etwa weiß wie die Kuh läuft, kann man auf die „freien“ Taxen umsteigen. Den groben Preis sollte man schon im Kopf haben, da man bei Rupien schnell mal eine Null hintendran übersieht. Die Taxis haben AC, sind also schweinekalt, filtern dafür aber einigermaßen gut den schwarzen Straßenschmodder aus der Luft. Es wird häufig empfohlen, bestimmte Sicherheitsrichtlinien zu beachten, wie z.B. dass man hinten links sitzen sollte um einen besseren Überblick zu haben. Aber letztendlich, wenn man einmal eingestiegen ist, dann ist man drin, komme was wolle. Was aber immer gilt, ist, dass das Taxameter an sein muss („meter“). Das verhindert zwar nicht, dass der Fahrer Umwege nach Belieben fahren kann. Er kann bei der Preisgestaltung aber nur begrenzt Phantasie walten lassen, da es eine feste Tabelle zur Umrechnung des Meterstandes in Rupees gibt.

Da es weniger Taxis als Rikschas gibt (kommt immer auf den Stadtteil an, das kann auch andersherum sein), wird man früher oder später auch dieses Transportmittel wählen. Ich finde, es gehört auch einfach dazu. Und schließlich kann man zuhause dann stolz authentische Bilder aus dem Herzen des indischen Straßenverkehrs zeigen. Nur die Duftnote kommt so nicht rüber – zur Not einfach einen alten Autoreifen im Wohnzimmer direkt neben einem Räucherstäbchen anzünden, das kommt der Sache schon recht nahe.

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Es gibt natürlich auch noch öffentliche Transportmittel. Wessen Hindi nicht so gut ist, wird sich damit wohl etwas schwer tun. Es sei denn, man kennt in etwa die Routen der Busse und kann entsprechend aufspringen und absteigen. Und für die ganz faulen Touristen ist es keine schlechte Idee, sich einen Wagen mit Fahrer für den ganzen Tag zu organisieren. Das kostet zwar mehr als „normales“ Taxifahren. Aber man weiß genau, was es kostet und man kennt den Fahrer. So kann man sich sehr relaxt durch die Stadt kutschieren lassen.

Kreuz und quer durch Pune

Pune gilt als „die“ Technologiestadt Indiens, zusammen mit Bangalore. Wenn man aus Richtung Europa hergeflogen kommt, hat man während ca. 6 von 8 Flugstunden vor allem weite Einöde unter sich. Das Bild erhellt sich schleichend durch mehr und mehr Lichthaufen, welche die Dunkelheit durchbrechen, bis man dann schon plötzlich im Landeanflug ist.

Was mir auffällt ist, dass ich hier als europäische Weißnase kaum für Aufsehen sorge. Anders als in Medan (Indonesien) kann ich hier durch einen quirligen Basar laufen, ohne ständig von freudigen „Hello, Mister“ Rufen begleitet zu werden. Vielleicht ist der Vergleich nicht ganz fair – Medan liegt auf Sumatra, wohin sich selten eine Bleichhaut verirrt und Pune bietet einen Linienflug nach Frankfurt… Es ist auf jeden Fall entspannender auf diese Weise.

pune_2011- (27)_sm

Falls man den Direktflug Frankfurt-Pune nimmt, kommt man zu unchristlichen Zeiten an. Fliegt man am Samstag, ist die Ankunft Sonntagnacht. Somit hat man noch einen halben Tag totzuschlagen, wenn man nicht scharf darauf ist, diesen im Hotelzimmer zu verbringen. Mein persönlicher Langeweiletotschläger war diesmal das „Raja Dinkar Kelkar“ Museum. Jede Menge alte gesammelte Dinge aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen der Inder. Anschließend habe ich mich noch auf die Suche nach der Laxmi Road gemacht. Die sollte nördlich des Museums zu finden sein und indisch-authentischen Krimskrams bieten. Bin mir nicht ganz sicher, ob sie das nun war oder nicht. Die Schilder sind alle auf Hindi oder Mahrati und Krimskramsläden finden sich hier überall…

pune_2011- (45)_laxmi_road

Aber dank meines Mini-Kompasses würde ich sagen: jupp, das war sie, die Himmelsrichtung war korrekt. Ein tolles Helferlein, so ein kleiner Kompass. Mit einem groben Stadtplan im Hinterkopf rennt man damit zumindest einmal grob in die richtige Richtung. Hat mir auch in Frankfurt schon geholfen! Auf die Gefahr hin, mich als Volltrottel zu outen: wer hat beim Aussteigen aus der U-Bahn noch nicht den falschen Ausgang genommen? Ein kurzer Blick auf die Windrose und voilà, schon steht die Peilung.

Private Disco Airlines

Man ist es ja gewöhnt, beim Betreten des Fliegers mit Musik beschallt zu werden. Austrian Air spielt Mozart, das muss auch so sein, denn ansonsten käme nur noch Falco oder Christina Stürmer in Frage. Die sind aber beide wahrscheinlich zu teuer, und so greift man lieber auf Herrn M. zurück, dessen Rechte sicher schon irgendwann im neunzehnten Jahrhundert ausgelaufen sind. Jedenfalls, der heutige Empfang in einem der Flieger von „PrivatAir“ (fliegt für die Lufthansa) war bombastisch! Die Gitarrenriffs flogen einem nur so um die Ohren und machten das sonst übliche genuschelte „Hello Sir“ in Richtung des Sitznachbarn vollkommen überflüssig. Zum Glück wurde die Musik dann kurz vor dem Abheben ausgeschaltet und für die nächsten acht Stunden durch das sonore Dröhnen der Turbinen ersetzt.

Business Lounge (I)

Ich liebe die Business Lounge. Seit ich am Jahresende einige Bonusmeilen in Statusmeilen umgetauscht habe, zähle ich jetzt zu den „Frequent Flyern“ und habe Zugang zu diesen Lounges.

Hier hängen zwar auch die gleichen übermüdeten Gesichter herum, mit auf dem Schoß zusammengefallenen Zeitungen und Sabberfaden im Mundwinkel. Aber, und das ist der wesentliche Unterschied zur Lounge für die Normalos einen Stock tiefer, das Ganze hat einen größeren Sexappeal. Man fühlt sich als ein Teil der weltweiten Reise-Elite, was wohl auch so beabsichtigt ist. Besonders die jungen Häufigflieger lassen diese Eliten-Attitüde auch gern raushängen. Man erkennt es am demonstrativ gelangweilten Gesichtsausdruck, mit dem man sich im Clubsessel herumfläzt.

Wie muss man sich so eine Lounge vorstellen? Also zunächst mal: wer wirklich nagenden Hunger hat, der sollte sich noch in der Check-In Halle des Flughafens einen Burger reinziehen. Wer dagegen etwas Experimentierfreude mitbringt und auch dem einen oder anderen Schluck härteren Alkohol nicht abgeneigt ist, der sollte zusehen, dass er so schnell wie möglich die Business Lounge entert.

Es ist tatsächlich so, dass hier alkoholabhängige Manager voll auf ihre Kosten kommen. Die Bar (und auch der Rest der Selbstbedienungstheke) ist von 5 Uhr morgens bis spät in die Nach hinein geöffnet. Die Palette reicht vom harmlosen Beck‘s-Bier über diverse Weine – auch der heimatliche Äppelwoi ist dabei – bis zum harten Sprit. Ein eiswürfelgekühlter Kelch enthält einige Vodkaflaschen, gleich daneben geht es mit Jägermeister und Co weiter. Ein Paradies besonders für die oben erwähnten Grünschnabel-Vielflieger. Eigentlich fehlt hier nur noch ein Kühlschrank mit verschreibungspflichtigen Psychopharmaka und Schmerzmitteln… aber das ist dann wohl der Senators-Lounge vorbehalten.

Einen weiteren Vorteil hat mein neuer Vielfliegerstatus noch: ich dürfte jetzt endlich meine prallgefüllte Golf-Tasche mitnehmen! Hätte ich denn eine, wäre ich hocherfreut gewesen. So aber muss ich wohl nach wie vor meinen „prallen“ Gitarrenkoffer, der mich hin und wieder begleitet, mit dem erprobten Charme an der Dame vom Check-In  vorbeibekommen.