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One Day in Bombay – Salaam und Ave Maria

Es gibt erstaunlich gute Bürgersteige in Mumbai. Auch das Überqueren von Straßen funktioniert relativ gelassen, da sich bei großen Kreuzungen sogar an die Grünphasen gehalten wird. Sogar an die für Fußgänger. Ansonsten gilt wie immer: mindestens ein Inder zwischen den Autos und mir! Nur er weiß, ob es ratsam ist loszulaufen oder stehen zu bleiben. Am einfachsten ist es, in einer Gruppe über die Straße zu gehen. Das funktioniert dann auch bei rot.

Mein kleiner Kompass hat sich wieder gut bewährt. Aber wenigstens sind die meisten Straßen zweisprachig beschildert, man kann sich also auch so zurechtfinden. Allerdings sollte man mehr dabei haben, als einen Ausdruck von Google-Maps… es geht aber auch alleine damit *räusper*. Bin gespannt, ob in diesem Land jemals Streetview zum Einsatz kommt. Das muss herrliche Szenen geben!

Unterwegs bin ich in eine Moschee gegangen. Wie soll ich sagen… man wird nicht ganz vorurteilsfrei empfangen. Gegen unfreundliche Blicke hilft aber Schlappen ausziehen, lächeln und trotzdem reingehen. Grundsätzlich sind Moscheen frei zugänglich, sofern nicht anders ausgeschildert. Natürlich sollte man keine kurzen Hosen tragen, nicht gerade vor den Betenden herumlaufen, etc.

Anders dagegen die Kirchen. Diese zu betreten ist stressfreier. Was vielleicht auch daran liegt, dass es hier kaum Christen gibt und sie gähnend leer sind. Wie immer in großen Städten ist es sehr angenehm, eine Weile Platz zu nehmen und durchzuatmen. Es ist zwar nicht so kühl, wie in dickwandigen europäischen Kirchen, aber dennoch erholsam. Die Wände sind voller marmorner Denkmäler für Admiräle, Kapitäne und die Besatzungen ihrer gesunkenen Schiffe. Das war die Zeit der dicken, kanonenbeladenen Linienschiffe. Sehr eindrucksvolle Kolonialgeschichte.

Wuselbilder

Wenn ich aus dem Fenster meines Hotels schaue, während die Sonne langsam untergeht, komme ich mir vor wie der Betrachter eines Wuselbildes:

  • Taxifahrer lehnen entspannt an ihren Autos oder schnarchen auf zurückgeklappten Sitzen.
  • Eine silberne Touri-Pferdekutsche mit grellen Lichterketten trabt durch das Verkehrs-Chaos.
  • Reiche Inderinnnen in wallenden Gewändern tragen ihre Einkäufe aus den Luxusboutiquen nach hause.
  • Raben fliegen über die Dächer und jagen die ebenso zahlreichen Tauben.
  • Menschen stehen am Telefon-Kiosk und palavern mit der Verwandtschaft.
  • Weit draußen im Hafen schwimmt ein Kriegsschiff der indischen Marine und bläst gerade schwarzen Qualm aus seinen Schloten.
  • Davor kämpfen die Boote der Hafenrundfahrt um ihren Platz am Steg.
  • Um das Gateway of India wogt die Menschenmenge, manche Familien campieren auf dem Boden und essen ihr mitgebrachtes Essen oder kaufen geröstete Kichererbsen.
  • Auf dem Dach des Nachbarhotels halten die Bauarbeiter gerade Mittagsschlaf.
  • Eine Großfamilie kämpft sich mutig und Hand-in-Hand als Menschenkette über die Straße.
  • Total ineinander verkeilte Automassen können sich weder vor noch zurück bewegen und werden laut hupend angefeuert, etwas dagegen zu unternehmen.

 

Die Aufzählung ließe sich ewig fortführen…

One Night in Bombay

Diese Menschenmassen! Sonntagabends strömen sie zum „Gateway of India“, dem Wahrzeichen der Stadt. Man kommt sich vor wie im Vatikan: der gesamte Vorplatz ist abgesperrt, man kommt nur links hinein und hinaus. Dann läuft man einmal um das monströse Tor herum und quetscht sich wieder raus. Direkt davor steht das Taj Mahal Palace Hotel. Hier sieht man, dass aufgrund der Lage direkt an der Strasse jederzeit wieder eine Bombe hochgehen könnte. Beides, das Gateway und das Taj, sehen jedenfalls sehr hübsch aus, wenn die Sonne untergeht.

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Kulinarisch gesehen gab es abends leckere Lamm-Rippchen in rotem Curry auf der heißen Platte („sizzling“) sowie gebratene Auberginen. Letzteres hatte ich selbst schon einige Male gekocht und war daher überrascht, wie nah ich dem ganzen zu Hause schon gekommen bin. Hierfür benötigt man die kleinen Mini-Auberginen, die von sämtlichen Indern im Frankfurter Bahnhofsviertel angeboten werden. Man muss daran denken, sie einzuschneiden, dann garen sie beim Braten gleichmäßiger. Wenn man sie dann noch im rohen Zustand kurz blanchiert, zieht das die Bitterkeit aus der Frucht.

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Als kleine Finesse hatte dieses Bratauberginencurry (es gibt nix ohne Curry-Sauce) ein intensives Knoblauch- und Röstaroma. Als Beilage noch das übliche Chapati und Roti. Diesmal habe ich in weiser Voraussicht ein Kingfisher Beer in Stufe „mild“ gewählt. Es hat die „korrekten“ 5%. Übrigens, falls man beim Bestellen von Getränken nach der Wunschtemperatur gefragt wird, immer sagen: freezing! Warm wird’s von alleine, und zwar noch vor dem Hauptgang.

Temperaturmäßig legt Mumbai im Vergleich zu Pune noch einen ordentlichen Zahn zu. Irgendwo zwischen 35 und 40 Grad pendelt sich das Thermometer ein. Zumindest jetzt, zur Frühlingszeit bzw. im Frühsommer. Hinzu kommt die hohe Luftfeuchtigkeit. Es entsteht dann dieser charakteristische gärende, dampfende, süße, organische Mief, der auch in Jakarta vorherrschend war. Will gar nicht wissen, wie das zur Regenzeit ist.

Auf dem Rückweg zu meinem Hotel („Suba Palace„) – man kann übrigens prima auf Bürgersteigen laufen – bin ich durch eine Shoppingstraße gegangen. Hier gibt es alles Zeuch und Krempel, was man sich nur wünschen kann. Leider ist mein Koffer schon am Limit. Platz im Magen hatte ich dagegen noch für eine kleine spezielle Süßigkeit vom Straßenrand. Ähnlich dem früher schon beschriebenen „Paan“ handelte es sich ebenfalls um eine in ein Blatt gewickelte Gewürzmischung. War wohl Bombay-Paan. Nachdem mir der Verkäufer den Preis von 10 Rp nannte, war ich erstmal skeptisch… man weiß ja nie, will der mich über den Tisch ziehen? Aber fairerweise muss ich sagen, dass es bis heute noch kein Inder versucht hat, mich auszunehmen. Jedenfalls keine Geschäftsleute. Die sich häufig anbiedernden und meist etwas schäbig aussehenden Gesellen hier einmal ausgenommen, die haben natürlich nur Dollars in den Augen: „What’s your name, where are you from, I am hungry…“.
Vielleicht sollte ich beim Einkaufen nicht so misstrauisch sein.

Wer noch nicht ausgelastet ist, hat unterwegs immer wieder die Möglichkeit, Haschisch oder „nice ladies“ zu kaufen bzw. zu besteigen. Das erinnert mich sehr an karibische Verhältnisse. Falls man auf die Frage „Do you like Bob Marley?“ mit „Yes“ geantwortet hat, war das ein klares Signal an den Verkäufer, seine Ganja-Vorräte zu präsentieren.

Von Lonavla nach Mumbai

Mit dem selben Fahrer, mit dem ich sonntags zuvor Pune unsicher gemacht habe, bin ich an diesem Tag nach Mumbai gefahren. Sein forscher Fahrstil wurde immer zögerlicher, je näher wir der Großstadt gekommen sind. Schließlich hat er sogar kaum noch gehupt, und das will etwas heißen. A propos Hupen – jemand hat einmal geschrieben, dass Inder sich im Straßenverkehr wie Fledermäuse zurechtfinden: durch reine Akustik. Da scheint etwas dran zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass sie konstant weiterhupen, auch wenn offensichtlich gerade Stau ist und Hupen rein gar nichts bringt.

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Im Innenbereich von Mumbai dürfen keine Moppeds und Rickshaws fahren. Daher gibt es hier nur die knubbeligen schwarz-gelben Cabs, die einem Trabbi verdammt ähnlich sehen. Lustigerweise haben sie den selben Taxameterkasten wie die Rikschas, nur außen anstelle des Rückspiegels an der Beifahrerseite montiert. Klimaanlage is nich, mehr als einen Motor, eine Hupe und vier Räder hat man diesen Gefährten nicht gegönnt. Angeblich werden sie nahezu unverändert seit ca. 1940 gebaut. Mehr Infos zum Mumbaier Nahverkehr.

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Die Mumbaier Außenbezirke sehen genauso aus wie die von Jakarta: hohe graue Betonburgen sind der letzte Schrei. In großen Werbekampagnen wird versucht, der neuen Mittelklasse das Leben in solchen Plattenbauten schmackhaft zu machen. Man wäre dort unter sich, die böse Welt bleibt draußen und so. Wie das in 30 Jahren aussieht, dafür bräuchten die indischen Städteplaner bloß mal nach Deutschland zu fahren. Die Straßenpenner der Zukunft werden jedenfalls reichlich Gebäude zum „Platte machen“ finden… falls sie reinkommen.

Auf der anderen Seite müssen diese Unmassen an Menschen in Indien ja auch irgendwo untergebracht werden. Es können und wollen ja nicht alle im Slum leben. „Slum“ ist auch ein ziemlicher wischiwaschi-Begriff. Manche Slum-Häuser sind richtig gemauert und es gibt auch Straßen. Aber dennoch ist es natürlich nicht unbedingt wünschenswert, dort zu wohnen.

Touristen wurden in diesen Gegenden früher angeblich nach dem Ausrauben nackt ausgezogen und dann ohne alles wieder in der Stadt abgesetzt. Soviel zu den seit „Slumdog Millionaire“ und auch davor schon angebotenen Touristen-Touren durch ebendiese Slums. Wie mir später der Taxifahrer auf dem Weg zum Flughafen erzählt hat, führt er selbst diese Touren durch Dharavi (wie der Slum offiziell heißt) seit zehn Jahren durch und alles wäre prima…
Das soll mal jemand anders ausprobieren.

P.S.: im Laufe der Zeit musste ich einige Links in diesem Artikel entfernen, da es die Seiten dahinter nicht mehr gibt. Besonders auf neon.de gab es einen exquisiten Artikel, den ein Praktikant im Lande geschrieben hat. Heute findet man auf den Webseiten des Schundblatts „Neon“ bloß noch oberflächliche 5-Zeiler von Leuten, die kaum mehr als einen Kurzurlaub in Indien verbracht haben. Es kotzt an, das zu sehen. Das Land hat mehr zu bieten als 4-jährige Prostituierte und geschockte Backpacker, so hart das jetzt klingen mag.

Von Pune nach Lonavla: die Bhaja Caves

Zwischen Pune und Mumbai liegt das Städtchen Lonavla (hier gibt es übrigens das berühmte „Chikki„). Da es ziemlich genau auf halbem Weg liegt, ist hier sogar ein größerer Bahnhof eingerichtet. Menschen aus Mumbai flüchten gern hierher, weil Lonavla schon im Hochland, der Deccan Ebene, liegt und somit kühler ist. Aus Pune kommt man dagegen auch gerne her, einfach zur Abwechslung. Es gibt auch einige Seen und vor allem Höhlen. Ich habe mir die Höhlen von Bhaja angesehen. Das habe ich auch erst nachträglich herausgefunden, eigentlich wollte ich zu den Höhlen von Karla. Aber egal, die sind sowieso recht ähnlich.

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Diese Höhlen sind nicht einfach nur Löcher im Stein, sondern eher Tempel. Sie wurden in eine senkrechte Wand aus dem Felsen gehauen und dienten den Mönchen der Vergangenheit als Tempel und als Schlaflager. Dafür hatte jeder Mönch seine eigene Schlafhöhle, mit einem Podest drin und das war’s. Schon recht eindrucksvoll, besonders die Haupthöhle, die wie das Mittelschiff einer Kathedrale wirkt. Alles fein säuberlich rausgemeißelt, man sieht die Spuren noch. Mittendrin im Mittelschiff das indische Phallussymbol oder sowas in der Art. Es scheint wohl Glück zu bringen, oben hinein Geldmünzen zu werfen, das war jedenfalls die Hauptbeschäftigung der anwesenden Kinder.

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Noch besser als die Karla und Bhaja Caves sollen wohl die Tempelanlagen von Ellora sein. Dort hat man die Idee konsequent zu Ende gedacht, einfach alles an Stein wegzukloppen, was nicht Tempel ist. Und so ist eine Anlage entstanden, bei der jedes Gebäude und jede Götterfigur aus dem selben Stück Stein entstanden ist.

Oh Sweet India!

Zum Nachtisch im Thali-Restaurant gab es einen extrem süßen Mango-Shake-Pudding. Der Löffel blieb senkrecht drin stecken. Reihenfolge der Zutaten:

  1. Zucker
  2. Mehl/Stärke
  3. Mango
  4. Farbstoff

Es ist einfach unglaublich süß gewesen. Als Vergleich zu deutschen Süßspeisen fällt mir höchstens das Mousse-au-Chocolat meiner Mutter ein. Hier aber noch extra Süßstoff hinzudenken. Ähnliches passiert mit Cola & Co., denn diese werden für den indischen Markt ebenfalls aufgezuckert. Wer also den Zuckerflash sucht, befindet sich hier im 7ten Himmel.

Auch anderes Naschzeug ist sehr süß. In der Regel bestehen die Sweets lediglich aus Zucker bzw. Sirup, Butter oder Ghee und irgendetwas, damit die Butter-Zucker-Masse gebunden wird. Das ist wahlweise Milchpulver, Kokosnussfleisch, etwas Mehl oder ähnliches. Die Konsistenz ist dann genau richtig, wenn sich nach dem Aufnehmen mit der Hand ganz langsam ein Siruptropfen am unteren Rand der Köstlichkeit zu formen beginnt. Außen herum bildet der Zucker eine leichte Kruste, die erst dann ihr klebriges Inneres preisgibt, wenn man reinbeißt. Phänomenal, Molekularküche made in India.

Ein Klassiker dieser Bauart ist so ein wurmartiges, in sich verschlungenes Spritzgebäck („Jalebi“), welches man nach dem Frittieren in grellfarbenen Sirup ertränkt. Es hat vermutlich ähnliche Eigenschaften wie Plutonium. Denn außer, dass es nachts leuchtet, frisst es sich mit Sicherheit auch durch jeden Zahnschmelz hindurch.

Hier schreibt einer unter anderem auch über Indian Sweets.

Thali, all you can eat

Zum Lunch gab es heute „Thali“, und das geht so:

  1. Hinsetzen
  2. Thali serviert bekommen
  3. Essen
  4. Nachfüllen lassen
  5. Essen, etc.
  6. Zahlen, und schließlich den eigenen Dickwanst aus dem Restaurant schieben

Bei einem Thali handelt es sich um eine Platte mit gemischten Speisen. In der Mitte stapelt sich das Fladenbrot, der Reis, Gurkensalat und die unvermeidlichen Zwiebel- und Limettenstücke. Drumherum reihen sich in kleine Blechschüsseln gefüllte Köstlichkeiten auf. Meistens ist der Inhalt vegetarisch, es gibt also Dal (Linsensuppe), verschiedene Currys in scharf, in süß und in scharf-süß und noch Curd (Joghurt). Als Inder würde man jetzt alles mit dem Reis zermanschen und es sich mit der Hand hineinschaufeln. Als unzivilisierter Deutscher greift man doch lieber zum Löffel und nutzt die Hand nur zum Stippen von Brot in Curry. „Brot mit Tunke“, wieder eine Gemeinsamkeit zwischen deutscher und indischer Küche.

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Sobald sich der Pegel der Schälchen senkt, kommt einer vom Restaurant herbeigeeilt und füllt sie wieder aus seinem 4-fach-Curry-Vorratsbehälter auf. Das funktioniert relativ unemotional, so wie man es sich in einem Gefängnis vorstellt: Kelle rein und einen ordentlichen Platscher auf die Thali-Platte gemacht.

Wer hauptsächlich Chapatis isst, so wie ich, der ist übrigens offiziell nur halb satt. Denn ohne Reis ist für einen Inder der Magen nur halb gefüllt. Klingt irgendwie nach der weltweit üblichen Erziehungsmethode der Eltern: wer die meisten Klöße/Kartoffeln/Brot isst… na und so weiter.

Paan

Der volljährige Inder holt sich die Portion Paan abends nach dem Essen beim Wasserhäuschen seines Vertrauens.

Es handelt sich um in ein Betel Blatt gewickelte Gewürze, welche für frischen Atem und eine geregelte Verdauung sorgen sollen. Natürlich gibt es in Pune recht wenige Wasserhäuschen, die Funktion dieser kleinen Kioske ist aber die selbe. Es hängt dort auch der selbe Menschenschlag herum. Man bekommt das Zeug aber ausschließlich dort, also hält man eben schnell am Straßnerand und holt sich seine glitschige Portion Paan für 7 Rupees. Ich wurde leider von meinem übervorsichtigen Kollegen bevormundet und übergangen und muss mich demnächst also selbst um diesen Stoff kümmern.

Hier kann man sehen, wie Paan hergestellt wird.
In Bombay konnte ich es später selbst probieren.

Das Abendessen bestand aus einem Hühnerkabab, der förmlich im Munde zerschmolzen ist! Drumherum eine leckere Hülle aus irgendwas und dann das ganze noch gebarbecued. Ein Gedicht. Hauptspeise war ebenfalls Huhn, nur diesmal in extrem scharfer Currysauce. Ich hatte ausdrücklich „spicy“ geordered, mein Kollege hat es dann aber heimlicherweise und auf Hindi in „medium spicy“ umgewandelt. Hat aber immer noch gebrannt wie Sau. In etwa vergleichbar mit Stufe C+ bei Best Worscht in Town.

Dazu Fladenbrot und Reis, was ich sehr gerne als Entschärfung gekaut habe. Eine Anmerkung ist noch das Kingfisher Beer in Stufe „strong“ wert. Es hat lockere 8 Volumenprozent Alkohol und die Flasche enthält 650 ml davon. Mehr braucht es nicht. Namaste.

 

In Bollywood wird nicht geknutscht

Neben dem Hotel befindet sich ein Kino Multiplex namens INOX. Hier werden alle möglichen Sorten indischer Filme gezeigt. Wie ich von meinem indischen Kollegen gelernt habe, gibt es allerdings sehr verschiedene Stilrichtungen. Die sind in etwa so unterschiedlich wie das Essen zwischen Ost- und Westküste, das heißt der Unterschied ist für Europäer nicht feststellbar.

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Unser Film hieß „The Game“ und er enthielt keine einzige Szene, welche in Indien gedreht wurde. Ein auf modern getrimmter Agatha Christie Verschnitt. Es hat ordentlich geknallt und gerummst, jeder Held durfte ausgiebig und sehr cool posieren und die Schicksen haben die Hüften wackeln lassen, dass es eine Freude ist. Nur eines kam trotz heißester Tanzszenen nicht vor: ein Kuss. Nicht mal ein kleiner. Andernfalls wäre der Film nicht mehr in der Familienkategorie eingeordnet und wäre damit automatisch ein Flop.

Nach einer Stunde war schon Pause. Man zeigt Werbung, blendet offiziell aussehende eingescannte Dokumente ein, welche bezeugen, dass der Werbespot genehmigt ist. Man vertritt sich die Beine und dann geht es wieder weiter. Seltsam. Jeder Europäer sollte sich mal in eine Hindi-Vorstellung setzen. Man versteht die „Handlung“ auch so hervorragend, da ein Kauderwelsch aus Indisch (Hindi, Marathi, etc.) und Englisch gesprochen wird. Fazit: Style gewinnt.

Smoke on the Water

So nennt sich das Restaurant auf dem Dach des Nachbarhotels (Central Park Hotel). Heute Abend hatte es mal geöffnet, also nix wie hin. Leider war es eine Enttäuschung. Zwar ist der Ausblick klasse, man sitzt im Freien und kann seinen Blick über den Pool in Richtung Stadt schweifen lassen, aber das Ambiente rechtfertigt die hohen Preise nicht. Auch die zehn Personen nicht, die für mich als einzigen Gast zuständig waren. Rund dreimal soviel wie in meinem eigenen Hotel lassen sich die Jungs hier das Essen bezahlen. Dazu war es nicht besonders gut und der Cocktail ausgesprochen schlecht. Es sollte ein Singapore Sling sein, war aber nur ein bitterer Gin-Wasser-Aufguss. Die Fajitas durfte ich mir selbst rollen und sie hatten selbstverständlich ein indisches Innenleben statt eines mexikanischen. Letztendlich ein Curry im Teigmantel. Darum merke man sich folgendes: in Indien immer indisch essen. Keine Experimente. Inder können und wollen nur indisch essen und kochen. Feierabend.

Alles, was gut schmeckt…

…muss mindestens mit einer fingerdicken Schicht Öl bedeckt sein. Sagte einmal eine indische Mama. So ganz Unrecht hat sie ja nicht. Mit ordentlich viel Öl schmeckt das Essen einfach besser. Nur muss man sich der Konsequenzen bewusst sein. Dass ihre eigene Bevölkerung beginnt zu verfetten, ist den Indern kein Geheimnis.

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Nur ist es schwer, den Menschen eines Schwellenlandes klarzumachen, dass viel Fett nur so lange in Ordnung geht, wie man auch viel Reis isst. Ganz nach dem deutschen Nachkriegs-Spruch: wer die meisten Klöße ist, bekommt auch das meiste Fleisch! Ähnlich sieht in Indonesien aus. Was sich dort an menschlichen Bruttoregistertonnen durch die glitzernden Shopping-Malls wälzt, ist kaum noch zu messen.

Food is different

… und zwar in ganz Indien, wie mir einige der jungen Kollegen ernsthaft versicherten. Genauer nachgefragt, was denn so different sei zwischen dem Food aus Maharashtra und dem aus Bengalen, kam als Antwort: das Öl. Hier in Maharashtra verwendet man „normales“ Erdnussöl, dort drüben am anderen Ende des Kontinents aber ist es Sonnenblumenöl. Soviel zur kulinarischen Toleranz und dem fundierten Halbwissen der Inder. Um sie wirklich glücklich zu machen, müsste man kochen wie ihre Mütter. Das ist auch der Grund, warum sie sich in Deutschland lieber wochenlang bei McDonald’s mit Pommes eindecken als einmal ne Pilzpfanne zu probieren. Selbst Grüne Sauce mit Eiern und Salzkartoffeln konnte ich ihnen nicht schmackhaft machen. Ganz zu schweigen von Handkäs mit Musik. Ist ja nicht so, dass bei uns für Veggies nichts geboten wird. Man muss sich nur darauf einlassen.

Stille Nacht im Rückwärtsgang

Der Knaller kommt, wenn Inder rückwärts fahren. Viele Autobesitzer lassen sich eine Melodie einbauen, welche ertönt, sobald der Rückwärtsgang eingelegt ist. Es handelt sich vorzugsweise um westliche Weihnachtslieder wie „Jingle Bells“ oder „Stille Nacht“. Die Idee dahinter ist allerdings wieder einmal eine Praktische: so erkennt jeder dusselige Fußgänger gleich, dass er in Null Komma Nichts flüchten sollte, wenn er am Leben bleiben will!

Nicht zu verwechseln hingegen sind diese Melodien mit denen, welche indonesische Getränkeverkäufer ihren Wägelchen entlocken. Diese klingen nur im ersten Moment traditionell, sind aber nicht viel länger als 4 Sekunden und nur belangloses Gedudel. Dafür laufen sie auf Heavy Rotation und sollen einen zum Kaufen von Coca Cola animieren. Ehrlich gesagt ist auch „Stille Nacht“ nur noch belangloses Gedudel, wenn es als Rückwärtsgang verwendet wird…

Vielleicht sollte ich mir die Nationalhymne einbauen lassen.
Na, wenn dieser Wurstblinker mal durch den TÜV kommt, ich weiß ja nich.

Die rechte und die linke Hand des Teufels

Die Tischmanieren sind in der Tat eine Sache für sich. Wichtigste Regel ist die Vermeidung der linken Hand. Diese zählt in einem Grossteil dieser Welt als schmutzig. Zu Recht, denn wer kein Klopapier verwendet, nimmt das zur Hand, was eben da ist und ansonsten wenig benutzt wird: die Finger der linken Hand. Eine Anleitung hierfür gibt es im Netz. War nicht leicht zu finden, denn das Thema gehört doch ein klein wenig in den Tabubereich…

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Was ich nach eigenen Versuchen noch nicht herausfinden konnte ist, wie man sich hinterher wieder trocken bekommt. Hat jeder sein eigenes Poppeshandtuch oder wie ist das? Habe auch auf indischen Familientoiletten nichts dergleichen finden können. Aber allen Bedenkenträgern zum Trotz ist die reinigende Wirkung einer Hochdruckbrause enorm! Die Finger kommen nur ins Spiel, wenn das gröbste Erledigt ist. Schwieriger hat man es, wenn einem nur ein kleiner Becher angeboten wird. Und sonst nichts. Somit lautet die Schlussfolgerung an alle Weißnasen, die im Urlaub auf der Toilette einen Becher finden:

  1. nicht draus trinken
  2. Naggisch machen und dann erst den Becher benutzen, alles andere endet sonst peinlich

Zurück zu den Tischmanieren. Es macht einfach Spaß, Indern und Südostasiaten dabei zuzusehen, wie sie es auf Gedeih und Verderb zu vermeiden versuchen, die linke Hand zu verwenden! Man kann das selbst mal üben: man nehme ein Stück Brot und versuche es ohne Besteck und nur mit den Fingern einer Hand in Stücke zu zerteilen. Da kommt Laune auf, auch bei manchem hungrigen Inder. Daher gehört zumindest ein Löffel zum Standard-Gedeck.
Anschließend vermischt man mit den Fingern den Reis gemeinsam mit einigen anderen Zutaten (Sauce, Gemüse) und führt ihn sich Portionsweise zum Mund. Deswegen gibt es wohl auch so wenige trocken zubereitete Gerichte. Alles muss ja irgendwie am Reis kleben bleiben.

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Die Haltung am Tisch ist dabei zweitrangig. Dass überhaupt an Tischen gegessen wird ist ja noch nicht so lange Brauch. Die Haltung ähnelt also eher der meinigen beim Essen am Couchtisch vor dem Fernseher. Was praktisch ist, ist gut. Der Couchtisch wird ganz sicher niemals aussterben, lang lebe der Couchtisch!

Holy Cow

Anzahl heiliger Kühe, die mir bis jetzt begegnet sind: eine. Und die war auf dem Bürgersteig vor einem Geschäft in der Haupteinkaufsstraße von Pune festgebunden. Falls Ochsen auch heilig sind, addiere ich noch 15 dazu. Die kamen mir auf der Straße entgegen, mitsamt Hirte. Wohin die wollten, ist mir noch etwas unklar. Hier ist wirklich weit und breit nichts zu fressen zu finden. Jetzt aber von der Kuh zum Thema „Essen“.

Heute Abend habe ich im Hotel doch entgegen meiner Befürchtung sehr gut gegessen. Da zwischen 19 und 21 Uhr auch noch Happy Hour ist, gab es sogar einen Cocktail gratis. Dazu zwei Starter: einmal so eine Art frittierte Kraut/Kartoffel Fladen, ähnlich einem Kartoffelpuffer. Sehr klasse zum Drink! Und dann noch einen marinierten Hühnerfleischspieß. Was ich sehr gut finde ist, dass hier nicht nur langweiliges Brustfleisch serviert wird sondern man ist sich auch nicht zu schade, das Fleisch der Schenkel auszulösen und zu verwenden. Das lässt so einen Spieß herrlich saftig bleiben. Dazu zum Dippen eine giftgrüne Sauce aus püriertem Koriander.

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Die Hauptspeise war ein Lamm-Curry, das einen hervorragenden Geschmack hatte. Ganz wie aus Omas Küche, lang geschmort und so. Nur eben mit anderen Gewürzen. Überhaupt sind die Unterschiede der deutschen und indischen Küche gar nicht so groß. Gut, es werden anderen Gewürze verwendet. Aber viele Zubereitungsarten sind sich sehr ähnlich. Besonders Currys werden ja gern lange gekocht. Dazu gibt es Brot (Naan, Roti oder Chapati), Kartoffeln, Reis und Gemüse. Als Nachspeise muss etwas Süßes gereicht werden. Nur dass fast alle Speisen gleichzeitig serviert werden, ist nicht so deutsch. Aber mal ehrlich – auch bei uns kommt doch das meiste zum Hauptgang auf den Tisch.