Essen im serbischen Subotica

Die Stadt Subotica liegt weit im Norden von Serbien, an den Grenzen zu Ungarn und Kroatien. Wie man hier kulinarisch über die Runden kommt und wie man zu Hause in Deutschland das original serbische Grillaroma erreicht, darum geht es in diesem Artikel.

Mehr als „über die Runden kommen“ kann man das tatsächlich nicht nennen, denn kulinarisch ist Serbien ein echtes Niemandsland. Was fällt einem zu Serbien ein, außer Krieg und Bohnensuppe? Wenig, das ist es eben. Natürlich gibt es auch hier sämtliche Balkanspezialitäten wie im weitaus bekannteren Kroatien. Aber ein richtiges „Trademark“-Gericht, das gibt es nicht. Ich war beruflich für ein paar Tage in Subotica (spricht man aus wie „Subotiza“) und habe dort nach einigen Fehlschlägen schließlich doch noch eine gute Essensquelle gefunden.

Die Stadt selbst ist eine wilde Mischung aus allen Kulturen oder Nationen, die hier einmal drüber gerutscht sind. Sie hat im Laufe der Geschichte x-Mal ihren Namen geändert, um es dem jeweiligen Herrscher Recht zu machen. Egal ob das jetzt die Österreicher, Ungarn oder Türken waren. Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Leider nur sehr wenige beim Essen, das ist mir unerklärlich. Hier im Norden des Landes merkt man von der Nähe zu Ungarn herzlich wenig. Weder Paprikagerichte noch Gulasch & Co. tauchen hier auf. Im Süden soll es wohl etwas türkisch zugehen, aber wenn damit das allgegenwärtige Burek gemeint ist, dann gibt es das auch sonst überall auf dem Balkan.

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Das Hotel „Galleria“

Subotica ist zwar für serbische Verhältnisse groß, hat aber trotzdem nur wenige gute Hotels. Eines davon ist das „Galleria Hotel“, das einen ganzen Straßenblock in der Innenstadt einnimmt und sehr gut ausgeschildert ist. Da das Navi hier im Land nicht richtig funktioniert, fährt man ab der Ortseinfahrt einfach den Schildern nach. Alles Wichtige ist nicht nur in kyrillischen sondern auch in lateinischen Buchstaben ausgeschrieben. Im Hotel hat es einen Wellnessbereich, der gut ausgestattet ist. Er entspricht etwa einer mittleren Saunalandschaft in Deutschland, es soll in Serbien aber angeblich nichts besseres geben. Frühstück, Service etc. ist mittlerer Standard. Hierzulande vergibt man sich dafür schon mal selbst 4 Sterne. Das Niveau in Serbien ist generell sehr niedrig. Ich weiß immer noch nicht, ob man das Land offiziell als Schwellenland bezeichnen darf. An seine Nachbarn reicht es jedenfalls bei weitem nicht heran. Wie auch immer, im Hotel gibt es ein bayerisches Restaurant, bzw. Bar namens „München“, wo Paulaner gezapft wird. Ansonsten serviert man dort morgens frisch gebratene und abends dann in der Mikrowelle erwärmte Würstchen als original deutsche Spezialität. Hier sollte man besser fernbleiben.

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Das Restaurant „Boss“

Nachdem ich einen ganzen Abend lang in der Innenstadt herumgeirrt bin, ohne ein Restaurant zu finden, habe ich später dann zum Glück das „Boss“ in einer Nebenstraße des Hotels gefunden. Unter demselben Namen befinden sich in direkter Nähe noch zwei Cafés, eine Pizzeria und eine Vinothek. Mir wurde gesagt, der deutsche Besitzer hat hier in der Stadt viele Eisen im Feuer. Ihm gehört auch ein großer Teil des örtlichen Industriegebiets, in dem gerade wie blöde expandiert wird. Da Polen und Tschechien nicht mehr zu den billigen Standorten für produzierende Firmen gehört, geht der Stab jetzt an Serbien. Für die nächsten 10 Jahre ist hier also auf der grünen Wiese richtig Cash zu machen. Wo die hier arbeitende Bevölkerung ihren Mittagsimbiss holt, steht weiter unten.

Zurück zum Restaurant-Café „Boss“. Serviert wird eine ungewöhnliche Mischung aus Pizza, Pasta, Balkanküche und: chinesisch! Auf diese Kombination muss man erstmal kommen. Aber es funktioniert. Die Pizza ist zwar etwas weich und labberig, aber lecker. Die gefüllten serbischen Kroketten knusprig und vor allem ist das chinesische Essen erstaunlich gut. Hier muss ein „richtiger“ Chinese in der Küche stehen, denn es schmeckt wesentlich besser als in jedem deutschen Chinarestaurant. Das Bier vom Fass perlt und die Bedienung ist aufmerksam, was will man mehr. Preislich kostet das Essen hier etwa die Hälfte in Vergleich zu Deutschland. Auch bei einem Cappuccino für unter 1 Euro kann man nicht meckern.

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Snack, Imbiss und Grill: „The Best“ und andere

Dieser und andere Grills umgeben das Hotel und füllen im Prinzip die gesamte Innenstadt auf. Da es kaum noch normale Geschäfte gibt, bleiben so manche Lücken in den Häuserreihen leer. Ebenso ist die Dichte von Glücksspiel-Spelunken, Bars und Cafés schon im Bereich der absoluten Sättigung angekommen. Für einen Grill oder Snackbetrieb ist aber immer noch ein Plätzchen frei. Auch ganz normale Restaurants gibt es kaum, aber Pljeskavica & Co. sind an jeder Ecke anzutreffen. Für 2 bis 3 Euro bekommt man eine ordentliche Portion mit Beilage.

Dass die herkömmlichen Geschäfte ausgestorben sind, läge an dem Flohmarkt Komplex, der im Südwesten der Stadt gleich neben dem Industriegebiet aus dem Boden gestampft wurde, sagten mir die Einheimischen. Hierbei handelt es sich im Prinzip um einen Dauerflohmarkt, der jeden Tag von morgens bis mittags öffnet und wo man von Bratpfannen bis zu Wintermänteln alles bekommt. Die Folge war, dass die meisten innerstädtischen Geschäfte dicht machen mussten. Eigentlich genau wie in Frankreich, nur dass hier statt Mega-Hyper-Super Marchées ein einfacher Flohmarkt das Sterben eingeleitet hat.

Da auf dem Markt der Teufel los ist und auch die arbeitende Bevölkerung aus dem Industriegebiet mittags was zwischen die Rippen braucht, hat es in den dort ansässigen Imbissbuden Hochbetrieb. Hier wird gegrillt und gebacken, was das Zeug hält und die Qualität ist überzeugend. Tatsächlich habe ich das beste Pljeskavica genau hier in einem serbischen Grill/Bäckerei/Imbiss gegessen! Das Geheimnis des guten Fleischgeschmacks läge im Räuchern, sagte man mir. Man nimmt das rohe Fleisch und hält es für einige Zeit in die qualmende Holzkohle. Dadurch nimmt es den rauchigen Geschmack an und kann anschließend über dem Feuer gegrillt werden. Wichtig ist, dass die Kohle nur qualmt und nicht brennt. Denn sonst wird es zu heiß. Falls das Feuer doch mal auflodert, kann man es mit einer Handvoll Salz wieder bändigen. Wieder was gelernt. Wenn ich mich recht entsinne, sind mir schon in Kroatien die vielen qualmenden Grills aufgefallen. Und ich habe mich immer gefragt, wozu das gut sein soll. Möglicherweise bekommt man zu dem Aroma auch gleich noch Krebs mitgeliefert. Denn uns Deutschen wird ja seit Ewigkeiten schon eingetrichtert, dass so ziemlich alles zwischen Himmel und Erde und insbesondere die im Rauch enthaltenen Schadstoffe krebserzeugend sein sollen. Und deswegen schmeckt unser Grillgut auch irgendwie kastriert. Muss jeder selbst entscheiden. Geschmacklich ist der Krebs jedenfalls bombastisch.

Wer auf solch ein versautes Grillerlebnis steht und in Frankfurt wohnt, dem sei der „Balkan Grill“ im Gallus an der Mainzer Landstraße wärmstens empfohlen! Hier werden kaum zu schaffende Fleischberge serviert, leider ist die Atmosphäre ein wenig Bahnhofshallenartig. Wer es genauer wissen will, lese die Kritiken auf Yelp. Als Vegetarier oder Biofundamentalist sollte man aber vielleicht woanders hingehen…

Segeln auf der Adria 33: Delfine!!!

Jeder Segeltourist will im Urlaub Delfine sehen, das ist doch klar. Aber den wenigsten gelingt es. Mit Geduld oder etwas Insider-Wissen hat man aber doch eine Chance auf Sichtung der grauen Kerle.

Während den sechs bis acht Wochen, die ich im Schnitt auf dem Wasser bin, habe ich vielleicht zwei intensive Begegnungen mit Delfinen. Nicht mitgezählt sind dabei Sichtungen in der Ferne. Die Erwartungen einer Charter-Crew, während genau ihrer einen Urlaubswoche Delfine zu sehen, ist daher wohl etwas überzogen. Warum man sie nicht antrifft, dafür gibt es mehrere Gründe:

Man folgt den ausgetretenen Routen anderer Segeltouristen, mit der Folge, dass auf diesen Meeresautobahnen sicherlich keine Delfine mehr freiwillig herumschwimmen. Lösung: mal die eingetretenen Pfade verlassen und entlegene Winkel erkunden. Mal andersherum um die Insel fahren, wo weniger los ist.

Oder man fährt unter Motor anstatt zu Segeln. Motoren sind laut und Delfine mögen keine lauten Boote. Dazu kommt, dass man selber von dem Getöse eingelullt wird und seine Aufmerksamkeit dem nächsten Reiseziel widmet, anstatt einmal das Meer zu beobachten. Lösung: mal die zu hause gemachte Törnplanung in der Schublade lassen und Segeln! Hey, dafür sind diese weißen Lappen gedacht, die manche Skipper mit ihren 17-Meter-Plastikeimern durch die Gegend schippern. Und auch wenn man damit keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellt, so kommt man doch vom Fleck und mit etwas Glück findet einen die nächste Delfin Familie so attraktiv, dass sie spontan mitschwimmt.

Kroatien 2015 (95) delfine herde sichtung

Sind die grauen Kollegen dann einmal in der Nähe, so lässt man sie am besten selbst entscheiden, was sie tun wollen. Es ist nicht sehr sinnvoll, sich den Delfinen krampfhaft zu nähern. Sie sind schneller weg als der Skipper „Klar zur Wende“ rufen kann. Daher sollte man sich vornehm zurückhalten, den eventuell laufenden Motor ausschalten und abwarten, was passiert. Manchmal schwimmen sie einfach ihres Weges, tauchen hin und wieder prustend auf und sonst passiert nichts. Dann wieder kommen sie unter Wasser näher, tauchen unter dem Boot hindurch und checken, um was für einen Gesellen es sich hier handelt. Ist man unter Segeln und gut in Fahrt und macht ein paar Knoten Geschwindigkeit, so freut es die Delfine manchmal, ein wenig vor dem Bug herumzuschwimmen und zu tauchen. Das ist der schönste Moment, wenn man sich mit diesen großen Tieren in trauter Eintracht durchs Wasser bewegt! Manchmal sind sie auch verspielt und springen aus dem Wasser, machen ulkige Bewegungen und ignorieren einen ansonsten. Was auch immer sie tun, man möchte immer mehr davon sehen.

Richtig große Delfine können einen auch ein wenig erschrecken. Letztes Jahr erlebte ich während langsamer Motorfahrt, wie sich eine große Finne und ein riesiger grauer Rücken vor dem Bug meines Bootchens aufbaute und mir entgegen schwamm. Im ersten Moment dachte ich an einen kleinen Wal. Doch dann tauchte der graue Rücken vor mir ab und verschwand in den Tiefen der Adria, anstatt mich zu versenken. Das muss einer der wenigen richtig alten Tümmler gewesen sein. So einen großen habe ich danach nie wieder gesehen.

Vor zwei Jahren hatte ich übrigens auch einen größeren Delfin getroffen, oder er hat wohl eher mich getroffen. Darüber hatte ich bereits in diesem Artikel berichtet. Kurz darauf musste ich noch die Welt retten, aber dafür konnte der Tümmler ja nichts.

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Beim abendlichen Spaziergang an der Uferpromenade von Biograd entlang hatte ich neulich ein interessantes Gespräch mit einer Touristenfängerin. Dort am Ufer an der Kaimauer wartet eine ganze Armada von Ausflugsbooten darauf, mit neuem Touristenfleisch eine Runde durch die Inselwelt zu drehen. Und viele kokettieren damit, dass Delfinsichtungen garantiert sind. Ich meinte daraufhin zu dem Mädel, dass ich selbst bisher nicht feststellen konnte, dass sich die Delfine an einen bestimmten Ort und an eine bestimmte Uhrzeit halten. Tja, sagte sie, man müsse nur wissen wo: vor den Fischfarmen etwas weiter draußen hätte man gute Chancen, Delfine zu sichten. Früh morgens werden die Fische nämlich gefüttert und das wüßten die Delfine inzwischen.

Wo die Fischfarmen sind, das steht sehr deutlich in meinem Revierführer und an den meisten bin ich schon vorbeigekommen. Aber mal im Ernst: will ich mich dort morgens auf die Lauer legen? Das wäre ja so, als ob ich an einem Trüffelbaum darauf warte, dass dort in der Erde ein Trüffel wächst. Dann fahre ich lieber die kreuz und die quer durch die adriatische Küstenwelt und freue mich über jede wirklich zufällige Definbegegnung.

Wer übrigens tatsächlich einen oder mehrere Delfine gesichtet hat, der kann dies auf einer Webseite melden. Ich habe sie aber leider nicht ergooglen können und stattdessen nur mehr oder weniger seriöse Webseiten von Ferienwohnungen gefunden… Da müssen die Delfinschützer wohl noch mal ran, wenn man ihnen wirklich helfen soll.

Segeln auf der Adria 32: Gut Essen in Biograd

Biograd an der dalmatinischen Küste von Kroatien ist eine typische Touristenstadt. Die zwei großen Marinas „Kornati“ und „Sangulin“ bestimmen das Bild, dazu kommen ein großer Campingplatz, viele Hotels und unzählige privat vermietet Zimmer und Appartements. Hier ein Erfahrungsbericht zu Restaurants in Biograd.

Wer nach Biograd mit dem Auto fährt, wird als erstes vom „Zimmer-Strich“ begrüßt: alte Frauen sitzen am Straßenrand und halten Schilder mit der Aufschrift „Zimmer frei“ hoch. Fährt man die Hauptstraße ein wenig weiter den Ort hinunter, kommt man automatisch zu den Marinas und zur Restaurant-Meile. Seit drei Jahren liegt mein Segelboot nun in der Marina Kornati und seitdem teste ich mich durch die Restaurants, Grills und Imbisse von Biograd. Die meisten Restaurants nennen sich hier im Küstenbereich „Konoba“, was in etwa „Kneipe“ bedeutet. Das Ambiente muss urig sein, die Auswahl an Speisen ist dabei fast immer gleich. Hier meine Erfahrungen mit Gaststätten in Biograd.

Carpymore

Dieses Restaurant ist eines der wenigen, wo die Tische ordentlich mit Tischdecken bestückt sind. Man sitzt im Kern der Altstadt und kann den vorbeiflanierenden Touristen zusehen. Ein zweiter ebenfalls bewirteter Bereich liegt „auf der Gasse“ und besteht aus langen Holzbänken und Holztischen, die einen sehr rustikalen Eindruck hinterlassen. Fast so wie in einer frankfurter Apfelweinwirtschaft. In einer Straßenecke vor dem Lokal spielen häufig Musiker. Das Essen ist leicht gehoben und so sind auch die Preise. Dafür bekommt man gute Qualität. Die Fleischplatte besteht aus verschiedenen Sorten zartem und auf den Punkt gebratenem Fleisch. Sie enthält keine Cevapcici, Würstchen und ähnliches, kostet dafür aber auch mehr. Die Fischplatte besteht leider aus den immer eine Spur zu kleinen Fischen, das lässt sich nur ändern, wenn man höherpreisigen Fisch direkt ordert. Die Pizza ist vorzüglich, wie fast überall in Kroatien. Man wird prompt und höflich bedient.

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Grill Corto

Auf der Hauptstraße (die mit dem Zimmer-Strich), die aus Biograd hinausführt, befindet sich ein kleiner Waschsalon. Schräg gegenüber kann man sich die Wartezeit mit einem kühlen Karlovacko oder einem Cappuccino totschlagen. Ansonsten gibt es dort Hamburger, Cevapcici, Pljeskavica oder Pommes. Fast food eben, schnell, unkompliziert und vor allem preiswert. 60 Kuna (ca. 8 Euro) für ein großes Bier und ein Hacksteak mit Pommes, das sind in etwa die Koordinaten. Man sitzt direkt an der Straße, dafür aber auf einer Holzterrasse unter Olivenbäumen. Mücken gibt es abends gratis dazu, wie überall hier während der Sommerzeit. Tipp: die Beine mit Autan einreiben, den Rest hat man unter Kontrolle…

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Konoba Barba

Folgt man der Uferpromenade von der Marina in Richtung Innenstadt, so führen immer wieder kleine Gässchen hinauf in die Altstadt in Richtung Kirche. Hier findet man die Konoba Barba. Sie hat eine hübsche Holzveranda und rühmt sich für den frischen Fisch. Irgendwie ist man mit dem Fischkutter „Hobo“ verbandelt (den ich noch nie hier liegen gesehen habe, er scheint immer draußen am Fischen zu sein…), und daher wäre die Fischqualität hier eben besonders gut. Ganz nachvollziehen kann ich das nicht, es schmeckt wie bei den meisten anderen Konobas auch. Trotzdem ist es mein Lieblingsrestaurant. Die hübsche Bedienung mit dem kantigen Gesicht ist schnell und freundlich, die Portionen lassen einen nicht hungrig zurück und das Ambiente ist einfach nett. Fleischplatte, Fisch und Salate sind allesamt lecker. Ich habe sehr oft hier gegessen und wurde (fast) nie enttäuscht.

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Guste

Der Guste liegt direkt neben dem Westteil der Marina Kornati, also vor meiner Haustür. Hinten raus hat es einen hübschen Innenhof, ansonsten muss man unter einer stickigen, eingemauerten Veranda sitzen. Ein Fernseher mit Bundesliga läuft. Ich war nur einmal dort und leider etwas enttäuscht: die Spaghetti mit Meeresfrüchten waren eine rote Pampe mit kleingeschnittenen, unidentifizierbaren Meeresbewohnern. Dazu gab es frisches und luftiges Brot, das sehr gut schmeckte. Andere Gerichte auf den Nachbartischen sahen aber solide aus.

Konoba Bazilika

Hat man den „Kirchberg“ erklommen, so stößt man hier auf ein Schild, das zur Konoba Bazilika führt. Sie liegt in einer verwinkelten Seitengasse gleich neben den antiken Überresten der besagten Basilika. Man kann an zwei Tischen gleich vorne an der Gasse sitzen und befindet sich damit in etwa auf Augenhöhe der lokalen Anwohner, die hier auch gerne ihre Stühle vor die Tür stellen. Ansonsten sitzt man hinten raus auf einer Veranda mit Weinreben mit Blick in den Gemüsegarten. Der Service und die Küche sind manchmal etwas lahm, aber die Qualität stimmt. Der Oktopus Salat war gut, genauso wie das gegrillte Lamm oder andere Standards. Hier findet man aufgrund der abgeschiedenen Lage meistens noch ein Plätzchen. Es ist überhaupt sinnvoll, während der Sommermonate hier einmal vorbeizuschauen. Denn gleich neben der antiken Basilika befindet sich ein offener Platz, der für Konzerte verschiedenster Art genutzt wird. Zuschauen und –hören kostet nichts, also einfach mal dem Gesang folgen.

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Restaurant in der Marina Kornati

Was man nicht tun sollte: Samstag abends Essen gehen, schon gar nicht im Restaurant einer Marina. An diesem Tag kommen die neuen Crews der Charteryachten und lassen es gerne gleich einmal krachen. Dazu kommen Siegerehrungen der vergangenen Woche und es ist generell viel Trubel, da auch sämtliche anderen Feriengäste an diesem Tag ankommen und etwas essen wollen. Wir waren trotzdem samstags hier essen, denn das Lokal machte tagsüber einen großzügigen und geräumigen Eindruck mit vielen Tischen und wurde andernorts schon hoch gelobt. Hier habe ich bisher am schlechtesten gegessen. Die Fischplatte war mit wenigen winzigen Fischlein bestückt, das Risotto kalt und das Bier warm, um die Highlights zu nennen. Unser ehrliches Feedback an die Bedienung wurde mit Schweigen quittiert. Man kann es auf die hohe Auslastung an diesem Tag schieben. Ich vermute bei dieser Küche aber eher grundsätzliche Schwächen. Jedenfalls kein Vergleich zum Restaurant in der Marina Supetarska Draga auf der Insel Rab. Hier speist man vorzüglich, es gibt sogar ohne Vorbestellung geschmortes Lamm aus der „Peka“.

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Restaurant Arkada

Erst ziemlich spät, nämlich dieses Jahr, habe ich das Restaurant Arkada entdeckt. Es befindet sich am Ende der Uferpromenade, dort wo man an der kleinen Hotel-Marina der Illyria Ressorts vorbeikommt. Die Bedienung besteht aus jungen Kellnern sowie einer wirklich alten Frau, die aber so flott und eifrig ist, dass sie meinen persönlich Kellner-Oskar von Biograd bekommt! Unglaublich, was für einen Überblick die Dame hat und wie wieselflink sie Bestellungen entgegennimmt und die Gäste bedient. Das ist schonmal ein Drittel der Miete. Hinzu kommt die gute Küche, die auch noch schnell liefert. Hier habe ich mittlerweile sehr oft gegessen und mich sehr wohl gefühlt. Die Preise sind ein kleines bißchen gehoben, dafür muss man aber auch keine Überraschungen auf der Rechnung fürchten, wie das extra berechnete Brot in so manchen Gaststätten. Man kann während der kurzen Wartezeit sogar schonmal Törnplanung betreiben: die Tischdecken zeigen Seekarten aus dem Raum Rund um Biograd.

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Konoba Cotonum

Die Konoba „Cotonum“ zeichnet sich dadurch aus, dass sie neben dalmatinischer Küche auch „antike“ Gerichte auf der Speisekarte hat. Diese lesen sich zwar auch wie die bekannte mediterrane Küche, aber es ist eine willkommene Variation im Einheitsbrei der biograder Konobas. Die Karte ist übersichtlich und passt auf eine Doppelseite, dazu kommen noch ein paar Tagesgerichte. Das finde ich immer sehr sympathisch. Denn diese Riesenauswahl an Gerichten, wie sie auf anderen Speisekarten zu finden ist, führt wahrscheinlich eher dazu, dass mehr Fertigprodukte verwendet werden. Diese haut man nochmal schnell in die Friteuse und schon hat man die üblichen Standards „Cevapcici-Calamari-Sardellen“ abgefrühstückt. Zurück zur Konoba Cotonum. Im Innenhof und auf der „Empore“ haben nur so viele Gäste Platz, dass sie von den beiden Kellnern flott bedient werden können. Das ist sehr angenehm, man muss hier nicht um die Rechnung betteln.

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Restaurant Stari Grad

Der Laden liegt auf dem Kirchberg, nicht weit weg von ebender Kirche. Ich war dort zweimal Essen und jedesmal hat es ein „Geschmäckle“ hinterlassen, leider kein Positives. Das erste Mal waren wir zu dritt und hatten am Vortag eine Lamm-Peka bestellt. Dabei wird Fleisch zusammen mit Kartoffeln und Gemüse in einem großen Topf geschmort. Geschmacklich war das gut, nur bestand der Topf zum allergrößten Teil aus Kartoffeln. Verständlich, aus Sicht des Wirts. Aber ärgerlich aus Sicht des Gastes. Danach war ich ein Jahr später nochmal hier für eine Fleischplatte. Sie hatte ihren Namen nicht verdient, da sie nur aus Schwein bestand und zwar in den verschiedensten Aggregatformen. Kein Huhn, kein Rind, vor allem jede Menge Hackfleisch. Hinzu kommt, dass man einen Gruß aus der Küche aufgedrängt bekommt (in Knoblauch ertränktes Weißbrot) mit dem Hinweis, der wäre kostenlos. Na Danke. Woanders is besser.

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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in Biograd wahrscheinlich nur wenige Totalausfälle gibt. Dafür ist nach oben noch reichlich Luft. Fragt sich nur, ob ein teureres Lokal auch geschätzt werden würde. Ich behaupte, das Niveau liegt stabil irgendwo in der Mitte, es spielt kaum eine Rolle, wo man sich hinsetzt. Meine Favoriten sind die Konoba Barba, das Carpymore und das Arkada.

Die große, steile und chinesische Mauer in Mutianyu

Die Chinesische Mauer ist vom Weltraum aus nicht zu sehen. Tut mir leid. Das ist tatsächlich ein Mythos, den auch der erste Chinese im All schließlich kleinlaut dementieren musste. Trotzdem, die Mauer ist immer noch gigantisch. Rauf geht es mit dem Sessellift, runter mit dem Sommer-Bob. Dazwischen ist Raum für Muskelkater, Sonnenbrand und Propagandageflüster.

Vor sehr vielen Jahren besuchten wir unsere Verwandschaft in Süddeutschland und kamen so in den Genuss, auf einer Sommer-Bob-Bahn zu rodeln. In einer schlangenförmigen Halbröhre aus Edelstahl saust man mit seinem Bob den Berg hinab und hat einen Heidenspaß. Kaum 25 Jahre später sollte ich diese Konstruktion wiedertreffen. Allerdings am anderen Ende der Welt. Denn China baut nicht nur abgewrackte Eisenhütten im Ruhrgebiet ab und verschifft sie nach Hause, sondern nimmt auf dem Weg dorthin auch noch allerhand anderen Krimskrams mit.

2015 peking (117) große mauer rodelbahn

Und so kommt es, dass man die Chinesische Mauer bei Mutianyu am einfachsten mit einem klassischen Sessellift erklimmt und mit einem süddeutschen Sommerbob wieder verlässt. Es gibt natürlich noch andere Orte, an denen die Chinesische Mauer touristenreif restauriert wurde. Aber Mutianyu ist besonders deshalb empfehlenswert, weil es dort noch ein wenig ruhiger zugeht als an den anderen Abschnitten. Es hat Wald und Natur, das ist nicht die schlechteste Atmosphäre, um dieses Kulturerbe zu besichtigen.

2015 peking (120) große mauer sessellift

Von Normen à la DIN, ISO und anderen hat man im alten China komischerweise noch nichts gehört. Deshalb sind die Treppenstufen auch abenteuerlich konstruiert. Mal erklimmt man sie mit einer Höhe von 40 cm, mal ist die Stufe nur ein kleiner Absatz, über den man nichtsahnend stolpert. Die Mauer selbst folgt immer dem Kamm der Hügelkette. Sie geht also mal steil nach unten und mal senkrecht nach oben. Analog dazu wächst oder schrumpft die Stufenhöhe. Diese Bauweise ist zwar aus touristischer und wirtschaftlicher Sichtweise idiotisch. Aus militärischer Sicht allerdings die einzig wahre Lösung. So haben die Verteidiger immer die optimale Position, um angreifenden Hunnen in den Feuertopf spucken zu können.

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Zwei Dinge sollte man als verweichlichte Weißnase nicht vergessen: Sonnencreme gegen Sonnenbrand und Magnesium gegen den Muskelkater. Und Ohropax gegen die chinesische Propaganda aus den überall verteilten Lautsprechern („The eagle flies over this beatiful country, blah, würg…“).

2015 peking (147) große mauer hohe stufen

Wie kommt man von Peking zur Großen Mauer? In meinem Fall ganz einfach per Chauffeur. Am besten mal im Hotel nachfragen. Hier wird man gern mit dem ortsansässigen Monopolisten „Mr. Yang“ verbunden. Bei diesem „Mann“ handelt es sich um eine Firma, die hinter den Besucherparkplätzen an der Mauer im Inneren des Areals ansässig ist und so eine Art rundum sorglos Paket schnürt. Man zahlt für den Transfer vom Hotel zur Mauer und zurück. Dazu kommt die Fahrt mit Lift und Bob sowie Mittagessen nach Wunsch. Mr. Yang sammelt die Kohle ein und schleust einen überall durch. Wer denkt, damit übervorteilt zu werden, irrt. Es werden die regulär ausgeschriebenen Preise berechnet. Ein Tagesausflug für unter einhundert Euro alles inklusive, das ist nicht schlecht. Mit mehr als nur einer Person wird es natürlich erst wirklich attraktiv und entsprechend billiger pro Kopf.

2015 peking (165) große mauer steil

Hat man Aufstieg, Wanderung und Abfahrt gemeistert, kann man schließlich noch einen Kaffee im Starbucks am Fuße der Mauer zu sich nehmen. Und dazu einen Sandwich von Subway essen. Da sag ich nur:

Tod dem Kapitalismus!
* schlürf *
Es lebe die Revolution!
*knurps*
Auf zum großen Sprung! Vorwärts, Genossen!
*burps*

Das war sie wieder, die chinesische Ambivalenz.

2015 peking (144) mutyangu steil mauer

Mit dem Fahrrad durch Peking

Es gibt eine Millionen Fahrräder in Beijing, sang Katie Melua vor ein paar Jahren im Radio. Damit hat sie wohl Recht. Hinzu kommen neuerdings aber nocheinmal so viele Autos und Scooter. Und so ist das Radfahren in Peking ein kleines Abenteuer.

Aber wirklich nur ein kleines. Denn hat man erstmal den komplett durchgeknallten Straßenverkehr in Ländern wie Indien und Indonesien erlebt, kann einen nichts mehr schocken. Dort würde ich nie im Leben aufs Fahrrad steigen. Aber in China ist das anders. „Organisiertes Chaos“ mit immerhin noch zu erahnenden Regeln, könnte man wohl sagen.

Schaut man sich die offiziellen Einwohnerzahlen von internationalen Mega-Städten an, kann einem schwummerig werden: Paris 2 Millionen. New York 8 Millionen. Jakarta 9 Millionen. Mumbay 12 Millionen. Nicht verwechseln darf man diese Zahlen der Stadtbereiche mit denen der jeweiligen Einzugsgebiete, die noch um einiges höher ausfallen. Und so kommt es, dass für Peking ca. 20 Millionen Einwohner gelistet sind, wo die eigentliche Stadt doch „nur“ 12 Millionen hat. Ein Klacks. Schaut man sich jetzt nur noch den wirklich zusammenhängend bebauten Stadtkern an, bleiben bloß noch lächerliche 8 Millionen Einwohner übrig! Die verteilen sich bestimmt großzügig irgendwo… Mit diesem Wissen gerüstet, warf ich mich in den Pekinger Stadtverkehr. Mein Hotel war nämlich so nett, mir ein Fahrrad gratis zur Verfügung zu stellen und somit war ich das einemillionenunderste Fahrrad auf Pekings Straßen.

2015 peking (31) verkehr gewitter smog dämmerung

Im Geschäftsleben gibt es ja das westliche „yes“ zur konkreten Bestätigung einer Anfrage. Und es gibt das sogenannte „chinese yes“. Dahinter kann sich alles verbergen, von „hab ich verstanden“ bis zu „ich hab kein Ahnung, was du Weißnase von mir willst“. So ähnlich ist das auch mit den Ampelfarben. Ich würde es mal das „chinese red“ nennen. Man ist zwar für den größten Teil der eigenen Grünphase in Sicherheit. Völlig ausgeschlossen ist es aber nicht, dass ein wild gewordenes Monster-SUV mit Vollgas in die belebte Kreuzung hinein brettert. Immer noch besser als in Indien, wo Ampelfarben gänzlich unbekannt sind. Aber eben auch noch nicht auf europäischem Niveau. Das sollte man wissen, bevor man bei Grün die Kreuzung betritt.

Die Rangfolge im chinesischen Straßenverkehr ist ansonsten streng hierarchisch gegliedert: LKW und Bus schlägt Monster-SUV. SUV schlägt normales Auto. Auto schlägt Mopped. Mopped schägt Fahrrad. Fahrrad schlägt Fußgänger. So einfach ist das. Manchmal versucht auch das Monster-SUV den Bus zu schlagen. Wie das aussieht, zeigte eindrucksvoll ein Haufen Blech hinter einem kaum lädierten Reisebus.

2015 peking (80) fahrrad parkplatz

In der Praxis muss man daher als Fußgänger und natürlich auch als Radfahrer seine Augen überall haben. Das liegt auch an den überall herumwuselnden lautlosen Elektrorollern. Man hört sie nicht und plötzlich zieht neben einem so ein Ding vorbei. Dabei sehen diese klapprigen Roller aus, als stammten sie noch aus Maos Zeiten. Dafür müsste es doch in Deutschland auch einen Markt geben, denn teuer können die ja nicht sein. Jedenfalls, wenn für mich gebremst wurde, dann nur, weil ich kein Chinese war. Wer Ausländer schädigt, kann in den Knast wandern. Das scheint sich tief im Hirn der Chinesen verankert zu haben. Ansonsten ist es sehr hilfreich, wenn man zu Beginn seines Asienaufenthaltes immer hinter den Einheimischen herläuft oder –fährt. Das Tempo ist eher gemütlich, so kann man sich in das fremde System langsam einfinden. Sehr gut ist, dass Fahrradfahrer eine eigene Fahrbahn haben. Sie ist auch physikalisch vom Rest der Straße getrennt, es ist dort also relativ sicher.

2015 peking (190) fahrradspur

Die Straßen sind meistens verstopft, so kommt man mit dem Fahrrad allemal zügiger voran als mit dem Taxi. Falls einen das Taxi überhaupt mitnimmt. Denn sobald man auf das Taxameter besteht, fordert der Fahrer lieber einen wesentlich höheren Festpreis. Das macht Taxifahren zu einem unangenehmen Unterfangen. Mit dem Rad hat man dieses Problem nicht, man stellt es einfach dort ab, wo man anhalten möchte und kann sich auch in aller Ruhe die Hutongs, die kleinen Gassen in der Altstadt von Peking anschauen. Alternativ könnte man dort auch per Rikscha, geführter Fahrradtour oder sogar im Beiwagen eines Motorrads durchfahren. Ist aber alles recht teuer und im Prinzip unnötig. Hat das Hotel kein Fahrrad, so findet man an den öffentlichen Ausleihstationen immer welche oder man kauft sich eben eines bei einem der kleinen Reparatur-Shops in den Hutongs.

2015 peking (75) fahrrad strassenverkehr

Als andere Verkehrsmittel wären da noch die Busse und U-Bahnen zu erwähnen. Die Busse scheiden für mich völlig aus, da die aushängenden Pläne nur auf Chinesisch waren. Die U-Bahn ist eine Empfehlung wert. Größtenteils neu und gut beschildert. Hierfür gibt es eine kleine aber nützliche App, die nichts weiter kann, als den U-Bahnplan von Peking anzuzeigen. Die Bahn verläuft ringförmig um die Innenstadt, das hilft einem in vielen Fällen also auch nicht weiter, wenn man von Nord nach Süd möchte. Die Preise für Bus und U-Bahn sind wirklich lächerlich niedrig. Man sollte also allein schon deswegen chinesisch lernen…

Mein Fazit für Fahrradfahren in Peking lautet definitiv: machen! Man erlebt die Stadt sehr direkt, kann überall anhalten, ist flott unterwegs und braucht sich nicht mehr um andere Verkehrsmittel zu kümmern.

2015 peking (189) fahrrad sonnenuntergang

Das Ji House Courtyard Hotel in Peking

Drei Tage Zeit in Peking. Stellt sich wie immer die Frage: wo wohnen? Mein Fazit: ich würde wieder in das Ji House Courtyard Hotel gehen, das idyllisch in einem Hutong der pekinger Altstadt liegt.

Es gibt ja mehrere Möglichkeiten, sich in einer fremden Stadt nach einer Unterkunft umzusehen. Erstmal natürlich die Hotel-Portale wie HRS, Booking.com und andere. Hier bekommt man schon mal einen realistischen Überblick, was ein Zimmer ungefähr kosten wird. So richtig „einzigartige“ Unterkünfte sind das natürlich nicht. Falls man es irgendwann satt hat, in den immer gleichen Hotelketten unterzukommen, so gibt es noch andere Wege, um charmante Hotels zu finden. Sehr zu empfehlen ist dafür Tripadvisor. Dieses Portal hat sich international zum Standard für Reisende gemausert. Mittlerweile kann man auch indirekt dort buchen. Hier findet man jedenfalls eine weitaus größere Vielfalt an Hotels, Gasthäusern, Hostels, etc. Und hier findet man sehr viele Bewertungen, die man sich sogar übersetzen lassen kann. Die Qualität der Übersetzungen ist leider mies, besonders von Chinesisch nach Englisch. Aber immer noch ausreichend, um anhand von Schlagworten den Inhalt zu begreifen. Wie das so ist mit Bewertungen, so wird auch hier viel Unsinn geschrieben. Wenn sich aber über Monate hinweg die Beschwerden häufen, dann sollte man von der entsprechenden Unterkunft besser fern bleiben.

2015 peking (112) ji house courtyard hotel

Und dann gibt es seit Neuestem noch Air BnB. Viel gehyped, man liest ständig darüber und vor allem die klassische Hotelbranche würde diesen Anbieter von privat vermieteten Zimmern am liebsten verbieten lassen. Die Auswahl an Zimmern ist groß, allerdings war im Fall von Peking nicht immer klar, ob man jetzt ein eigenes Zimmer für sich alleine hat oder ob man unfreiwillig zum Mitglied der Familie wird… Preiswert war auch nur ein kleiner Teil der angebotenen Zimmer, die meisten fand ich ziemlich teuer.

A propos teuer. Peking ist eine Großstadt wie jede andere auch und da muss man es sich leider abschminken, billig wohnen zu können. Es ist zwar nicht so schlimm wie in Moskau, Hong Kong oder Singapur. Aber die Preise liegen auf internationalem Niveau, was bedeutet, für unter einhundert Euro bekommt man kaum etwas Anständiges.

2015 peking (184) ji house zimmer

Wie kriege ich jetzt die Kurve zum Ji House… ich glaube bei HRS wurde ich fündig. Für ungefähr hundert Euro die Nacht bekommt man hier ein gut ausgestattetes Zimmer mit Doppelbett und großem Bad. Dass der Abfluss etwas müffelt, haben die Bewertungen schon nahegelegt. Chinesischer Pragmatismus ist, einfach rund um die Uhr den Lüfter laufen zu lassen. So tragisch war es nicht und da ich im Frühjahr zu Besuch war, konnte man auch die Fenster immer leicht geöffnet lassen.

2015 peking (183) ji house badezimmer

Das „Hotel“ besteht aus mehreren kleinen Häuschen von denen jedes ein eigenes Gästezimmer darstellt. Mehr als 5 oder 6 sind es nicht und sie umgeben gemeinsam den zentralen kleinen Innenhof. Damit wäre das „Courtyard“ im Namen auch geklärt. „Ji“ heißt wohl Schilf, wovon es hier aber keines mehr gibt. Das Hotel liegt im Bereich der Altstadt von Peking, vielleicht drei Kilometer vom Platz des Himmlischen Friedens entfernt in nördlicher Richtung. In dieser Gegend nennt man die kleinen Gassen „Hutong“. Und so liegt mein Hotel im Shaluo Hutong. Die Sträßchen sind so eng, dass man dort kaum mit dem Auto durchkommt und am besten Fahrrad fährt (siehe mein Artikel) oder einfach läuft. Eigentlich ist es wie in Deutschen Altstädten auch: eng und gemütlich und hier findet man die interessantesten Läden. Es ist eine kleine Welt für sich, abseits der großen verstopften Straßen. Hier gibt es Imbissbuden, Wäschereien, Fahrradreparateure, Restaurants… kurz, es gibt hier alles, was es im glänzenden Großstadt-Peking auch gibt. Nur eben eine Nummer kleiner.

2015 peking (185) shaluo hutong ji house

Das Frühstück bei den Li’s ist einfach, aber gut. Da ich in fremden Ländern immer die lokale Küche bevorzuge, habe ich mich auch hier für das chinesische Frühstück entschieden. Man kann wohl auch ein Europäisches haben, ist dann aber selbst schuld, wenn es nicht schmeckt (schon mal in einem deutschen Gasthof ein chinesisches Frühstück bekommen?!). Immer dabei ist das heilige Triumvirat aus warmer Suppe, Dumplings und Eierspeise. Im Detail kann es dann eine Art Müslisuppe mit Früchten und weichen Nüssen sein (Laba Reisbrei). Oder eine Congee-ähnliche Reissuppe mit Mais. Und immer ist eine Tasse Sojamilch mit dabei. Die Dumplings sind helle, weiche, gedämpfte Klößchen mit Fleischfüllung. Und Ei-mäßig gibt es fast immer ein luftiges Omelette und ein gekochtes oder gebackenes Ei. Nicht zu vergessen die salzig deftigen Mixed Pickles, die man sich ins Brötchen oder die Suppe streuen kann. Hinterher ist man echt fit für eine lange Tour durch die Stadt!

2015 peking (111) ji house frühstück

Betrieben wird das Gästehaus wie schon erwähnt von Herr Li und seiner Frau. Sein Neffe Tony („speak english driver“) hatte mich vom Flughafen abgeholt und dabei non-stop von Germany geschwärmt. Ein angestelltes Mädel spricht sehr gut Englisch und ist auch die meiste Zeit anwesend. Alles Wichtige sollte man mit ihr besprechen, da die Li’s leider kein Englisch können. Ich halte das Ji House Guesthouse für eine ideale Unterkunft, um Peking zu erkunden. Von hier ist es nicht weit bis zum Drum Tower, dem Lama Tempel oder dem Tempel von Konfuzius. Selbst wenn man abends völlig erschlagen zurückkommt, findet man nicht weit an der nächsten größeren Straße eine große Auswahl an Restaurants. Ein Fahrrad bekommt man gratis geliehen, damit lässt sich hervorragend die Stadt erkunden. Ebenso organisieren sie den Flughafentransfer oder einen Ausflug zu Großen Mauer (siehe mein Artikel).

Gut Essen in der Karibik

Wenn man in der Karibik unterwegs ist, erschlägt einen die Menge der unbekannten Gerichte. Grund ist die ethnische Vielfalt, man hat Menschen aus allen Ecken der Welt hierher geschleppt und jede Gruppe brachte nicht nur ihre Arbeitskraft ins Land, sondern auch ihre kulinarischen Vorlieben.

Wobei die Kariben selbst eigentlich nie eine Rolle spielten. Niemand spricht heute mehr von ihnen. Die Kariben, das waren die Ureinwohner der Antillen Inseln. Damit sind weder die importierten Afrikaner noch die nachfolgenden Inder oder Chinesen gemeint. Die Kariben ähneln viel mehr den Native Americans, also dem Volk, das man in Deutschland die „Indianer von Amerika“ nennt. Sie wurden ausgerottet.

Und damit war Raum für die europäische und afrikanische Küche gewonnen. Und die Spanische. Auch die Holländer waren mal hier. Und auch die Portugiesen und sogar die Engländer. Ok, die haben nichts mitgebracht, denn England schafft es selbst heute noch als kulinarisch rückständig zu gelten, obwohl sie Kolonien in allen Ecken der Welt hatten, wo wirklich äußerst anständig gekocht wurde. Wie kann man nur so beratungsresistent sein und das über Jahrhunderte.
Aber zurück zu dem, was man heute in der Karibik genießen kann.

Früchte der Natur

Darunter verstehe ich vor allem die Kokosnuss, die Kakaoschote und die Muskatnuss. Kokosnüsse liegen an jedem Strand herum, sind dann aber auch schon ein wenig über das Verfallsdatum heraus. Trotzdem kann man sie öffnen, wenn man die Fähigkeit dazu besitzt. Es ist nämlich für Büromenschen nahezu unmöglich, an das Fleisch und den Saft heran zu kommen. Auf dieser Seite kann man nachlesen, wie es mit Hilfe eines in den Boden gerammten Stocks funktioniert.

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Die Kakaofrucht ist dann reif, wenn sie von gelb so langsam ins braune changiert. Man öffnet sie einfach und schlabbert das süße, weiße Fruchtfleisch von den Kernen ab. Die Kerne selber, das sind natürlich die Kakaobohnen. Glückwunsch an die Südamerikanischen Völker, dass sie herausfanden, wie man aus diesen bitteren Bohnen etwas so Schmackhaftes wie Schokolade macht. Aber mit bitteren Bohnen kennen die sich ja aus, denn auch der Kaffee stammt nicht weit von hier.

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Muskatnüsse sind ein Wunder der Natur. Mitsamt ihrem überdimensionalen Fruchfleischpanzer sehen sie aus wie ein leckerer Pfirsich. Beißt man hinein, zerfällt diese Illusion schlagartig und es wird klar, dass hier nur der Kern zählt. Die frische Muskatnuss ist mir einem grellroten Netz umgeben, welches selbst als Gewürz verkauft wird und „Macis“ genannt wird, die Muskatnussblüte. Sie schmeckt ebenfalls nach Muskat, nur nicht ganz so intensiv wie die Nuß. Die Inder verwenden sie gern für Curries. Die frische und noch ziemlich weiche Muskatnuss wird dagegen von den heutigen Kariben sehr gern über ihren Punch oder „Ti Punch“ gerieben!

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Sie schmeckt überhaupt nicht so, wie man es von Mutterns Sonntagsbraten kennt. Die fruchtige, leicht scharfe Frische tut jedem Cocktail gut. Hier gibt sie dem Ti Punch aus neuem weißen Rum und Zuckerrohrsirup den nötige herben Akzent. Die Muskatnuss Flocken sind weich und wollig, ganz anders als es eine trockene Muskatnuss kann.

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 Früchte des Meeres

So richtig erfolgreich waren wir mit dem Fischen leider nicht. Dafür waren wir gut im Handeln und konnten den lokalen Fischern auf der Insel Mustique für ein paar Caribian Dollars ihre roten Grätenfische abkaufen. Das war jetzt kein Gesellenstück, sondern eher aus der Not geboren. Aber immerhin hatten wir etwas zu tun beim herausfriemeln der Gräten. Und zwar noch lange, nachdem der letzte Currygeschmack unsere Geschmacksnerven durchdrungen hatte. Mann, was waren die grätig… später haben wir sie am Stück gegrillt, das war einfacher.

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Dafür bin ich seit diesem Urlaub ein großer Freund der Conch Schnecken. Dabei handelt es sich um die Tiere, die in diesen stacheligen großen Muscheln leben. Die Gehäuse liegen kubikmeterweise an sämtlichen Stränden der Karibik herum, vorzugsweise dort, wo man sie isst. Sollte man auf die Idee kommen, so ein Gehäuse im Gepäck mit nach Hause zu nehmen, so könnte das zu Diskussionen mit dem heimischen Zoll führen. Selbst 3D-Scanner können aber noch keinen Mageninhalt erfassen, also immer rein damit, denn die Dinger sind einfach delicious. Wer nicht weiß, dass es sich um Meeres-Schnecken handelt, könnte glatt von Hühnerfleisch oder ähnlichem ausgehen. Die Tiere sind recht groß und ergeben kleingeschnitten und gekocht ein ziemlich schmackhaftes Gulasch.

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Saucen

Vor allem eine Sauce ist mir im Kleinhirn hängen geblieben: sie war gelb, durchsetzt mit roten Pünktchen und sehr scharf. Es handelte sich um eine Mischung aus Banane, Senf und Chili. Sie wird fast überall in kleinen Salzstreuern zum Nachwürzen am Tisch angeboten. Man kippt zunächst mal aus den Latschen, weil sie so scharf ist, möchte sie aber nach eine Weile nicht mehr missen. Wer keinen Feinkost- oder Gewürzeladen in der Nähe hat wie zum Beispiel das Gewürzhaus Alsbach in Frankfurt, der findet solche Saucen unter dem Namen Baron West Indian Hot Sauce (und ähnlich klingende) im online Versand.

Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, dem seien noch folgende Saucen ans Herz gelegt, die in eine ähnliche Richtung gehen:

Ob zur Bratwurst, aufs gekochte Ei oder zu Fisch und Fleisch: diese Saucen passen immer. Man darf sich nur nicht irritieren lassen, falls dieser Geschmack auf der nächsten Grillparty bei anderen auf Unverständnis stößt… einfach immer ein Aldi-Gewürzketschup für den deutschen Geschmacksverweigerer in petto haben.

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Segeln mit dem Katamaran durch die Karibik

Die Karibik, das waren für mich immer Piraten, Goldschätze, Rum und Kanonenfregatten. Heute gibt es dort nur noch den Rum. Das Piratenflair findet man auch noch, aber bloß in Form von Hollywood-Kulissen, die nach dem Dreh von „Piraten der Karibik“ übrig geblieben sind. Im Winter 2008 bin ich auf einem Charter-Katamaran mitgesegelt und habe einen der schönsten Urlaube in der karibischen Inselwelt erlebt.

Bevor ich mich einige Jahre später dazu entschied, lieber selber ein Boot zu führen als irgendwo mitzusegeln, bin ich damals doch ziemlich häufig irgendwo mitgesegelt. Eigentlich nicht „irgendwo“, sondern bei einem der vielen Anbieter von Charter-Segeltörns in der Karibik. Nur im Sommer in Kroatien mit Freunden herumzuschippern, das langte mir nicht. Ich wollte dort hin, wo bis jetzt nur meine Phantasie unterwegs war. Es gibt dieses eine Hörspiel von Pippi Langstrumpf, dass ich als Kind auf heavy-rotation gehört habe. Darin wird das Schicksal ihres Vaters beleuchtet. Er vegetierte in einem karibischen Gefängnis vor sich hin, bis Pippi höchstpersönlich dort hinreiste und ihm ein Eisbein per Flaschenzug in seine Zelle schickte. Die Piraten knallten sich derweil in ihrer Höhle mit Rum und Grog den Kopf zu und so gelang es Pippi, ihren Vater schlußendlich zu befreien.
Kurz und gut: da wollte ich auch hin!

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Doch bevor ich diesen zweiwöchigen Urlaubstörn antrat, habe ich mir zunächst einmal die Ausgangs-Insel näher angesehen. Das war Martinique, eine Insel genau in der Mitte der wie auf einer Perlenkette aufgereihten Inseln „über dem Winde„. Sie ist Teil Frankreichs und damit der EU. Man zahlt in Euro und das allgemeine Feeling ist das eines sehr südlichen französischen Departments. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Schließlich habe ich meinen Mietwagen in Le Marin abgegeben, meinen Seesack geschultert, den Gitarrenkoffer gepackt und mich auf den Weg zum Steg unseres Katamarans gemacht. Ich hatte tatsächlich einen Seesack, zumindest die moderne Variante, sehr beständig und wasserdicht, wenn man alle Verriegelungsmechanismen korrekt bedient hat. Dazu allerdings den klapprigen Koffer mit der Slide-Gitarre in der Hand. Der hatte mir schon bei der Einreise einige Aufmerksamkeit beim Zoll beschert. Klar, da passt ne Menge Dope rein. Hätte ich auch mal genauer reingeschaut an denen ihrer Stelle. Mehr als dass der Halsstab ziemlich schief eingeleimt ist habe ich aber trotz Röntgen nicht erfahren.

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Kaum näherte ich mich dem Steg, begrüßte mich Hans der Skipper und sagte, ich solle meinen Kram doch einfach schon mal im Kat deponieren. Samstags werden die Charterboote immer gründlich gereinigt. In diesem Fall war Svend Age, seines Zeichens Chef der Agentur, noch im Boot und organisierte die Verteilung der letzten Spaghettireste der Vorgängergruppe an die nächste Crew. Sobald er von Bord war, übernahm Hans das Kommando und leitete erstmal eine Chlorifizierung der Toiletten ein. Danach eilten wir im Mietwagen mit- und gegen den Straßenverkehr („In der Türkei ist der Verkehr noch viel schlimmer“ – später dachte ich noch öfter an diesen Ausspruch) durch Le Marin und organisierten unsere Einkäufe. Hans besaß ein Gulet (großes Holzboot) in der Türkei und machte den Job des Karibikskippers im Winter, weil in dieser Zeit niemand mit ihm im Mittelmeer herumfährt.

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Unsere Crew bestand aus einer Gruppe aus Franken, einer Krankenschwester, einer Schweizerin und mir. Im Nachhinein kann ich sagen, dass diese Konstellation kaum zu toppen war. Aber zu Beginn hatte ich doch so meine Zweifel. Wir kauften die üblichen irrsinnigen Vorräte an Alkohol und beluden das Boot damit. Nur – das Wetter meinte es nicht gut mit uns. Stürmische Winde sorgten für eine ordentliche Welle aus dem Osten und verzögerten unseren Aufbruch. Tja, was macht man bei 30° Celsius im Salon eines Boots, wenn die Alkoholvorräte aufgefüllt sind?
Man verbraucht sie! Und so klimperte ich auf meiner schönen Slide-Gitarre vor mich hin, während die Gruppe einen Gin/Vodka/Rum/Tonic nach dem anderen abschüttete. Ich malte mir Schreckliches aus, wie sollten die nächsten Tage werden? Hätte ich gewusst, dass mich Sandra, die Schweizerin, vier Jahre später auf dem eigenen Boot begleiten sollte, wäre ich wohl optimistischer gestimmt gewesen.

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Schließlich legten wir ab. Hans wußte, dass es immer noch sehr kabbelig war. Resultat war dann, dass die großen Wellen zwischen den Inseln unseren Katamaran in regelmäßigen Abständen anhoben und damit für ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengrube sorgten. Ich will nicht lange drumherumreden, es soll zwar Dinge geben wie Vitamin C, gesunde Ernährung, wenig Alkohol und eine disziplinierte Betrachtung des Horizonts. Aber daran hat sich natürlich niemand gehalten und schließlich haben die meisten Mitsegler leeseitig die Fische gefüttert. Auch mir lief schon vor Vorfreude das Wasser im Munde zusammen, doch zum Glück erreichten wir rechtzeitig die Lee-Seite der nächsten Insel: St. Lucia.

Eine Freundin verbrachte dort vor einiger Zeit zusammen mit Bekannten den Karneval und konnte berichten, dass Karneval in der Karibik eine nette Umschreibung für Sex in der Öffentlichkeit ist.
Sobald man die Gewässer der Insel befährt, scharen sich schnell einige Motorboote um die eigene Yacht und belatschern den Skipper, doch bitte an der eigenen Boje anzulegen. Man nennt sie die „Boat Boys“.

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Sie verbreiten ein weltmännisches Flair, da sie angeblich schon die eine oder andere Engländerin beglückt haben, die es dann leider doch aus unpässlichen Gründen versäumt hat, sie mit nach Hause zu nehmen. Als Reisender aus einem reichen Land darf man hier nie eine simple Wahrheit vergessen: alle, die einen ansprechen, sind arme Schlucker und wollen etwas von einem. Das ist absolut legitim, nur sollte man es korrekt einzuordnen wissen. Wir legen an der Boje des Boat-Boys  an und wenig später spratzelt schon der Grill. Irgendeine Pfeife lässt den Grill-Rost ins Wasser fallen… auch emsiges Tauchen bringt ihn nicht wieder ans Tageslicht. Aber unser Boat-Boy leistet uns dafür noch ein wenig Gesellschaft.

Wir sind unschuldige Touristen, kredenzen Cocktails mit Kokosmilch und Rum und da soll unser Boy ruhig auch was von abbekommen. Er erzählt uns von seinem Leben, das im Wesentlichen aus Doperauchen und Ziegenhüten besteht. Und er wird es nicht müde zu erwähnen, dass er als Lover von so einigen Engländerinnen wirklich hoch im Kurs stehe. Wie soll man sich verhalten, als unendlich reicher Europäer, wenn einem so ein Kerl davon erzählt, wie er den Zipfel des Reichtums zu fassen bekommt und es doch niemals schaffen wird, davon wirklich etwas zu greifen? Da hilft auch Reggae Musik von Bob Marley nicht weiter. Für mich war es aber die Nacht, in der Bob Marley Gesicht und Gefühl bekam. Heute sitze ich in meiner frankfurter Wohnung und schaue mit einem merkwürdigen Gefühl zurück auf diese Szene, in der sich die reiche und die arme Welt auf dem Kunststoffdeck eines Boots begegneten. Auch später in anderen Teilen dieser Welt sollte es mir so gehen… dieser Gegensatz ist nicht aufzulösen, damit muss man leben. Oder nicht in diese Länder reisen. Seitdem ist meine Einstellung zu allen „Extragebühren“, abzockerischen Obstverkäufern und Gaunern am Straßenrand die folgende: gib ihnen was ab von deinem Reichtum. Es ist letztendlich Entwicklungshilfe, nur sehr direkt an den Mann gebracht. Ohne eine deutsche Hilfsorganisation dazwischen, die etwa die Hälfte der Spendengelder für organisatorische Zwecke abzweigt.

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Am nächsten Morgen war Sightseeing angesagt. Dampfende Vulkankrater und Fledermaushöhlen wollten besichtigt werden. Ein einheimischer Führer lotste uns (so wie hunderte andere Touristengruppen vorher) durch das Unterholz zu einer heißen Quelle mit Wasserfall. Auch eine Kakaofrucht direkt vom Baum holte er uns herunter. Das weiße Fruchtfleisch um die Kakaobohnen herum schmeckte süß und aromatisch lecker. Ein netter Ausflug und außerdem so ziemlich das einzige, womit wir Touristen die Inselwirtschaft rund um das Städtchen Soufriere ankurbeln konnten. Wir blieben noch auf ein „Piton“-Bier in einer der Kaschemmen in Ufernähe. Die kaputten Holzhäuser mit der abblätternden Farbe wirkten auf uns doch sehr romantisch. In Wahrheit aber war der Verfall der Ortschaft und auch der Menschen hier unübersehbar.

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In dieser Nacht sollte mein Kojennachbar aufstehen und im Suff den Motor des Boots starten. Während wir allerdings noch fest an der Boje lagen! Er wollte weg, fühlte sich von den Klippen in der Nähe bedroht. Skipper Hans hat es zum Glück bemerkt und verbrachte den Rest der Nacht mit Erklärungen und Beschwichtigungen. Bei anderen Skippern hätte mein Kojennachbar wohl im nächsten Hafen von Bord gemusst. Bei Skipper Hans nicht, und das ist ihm hoch anzurechnen. Er konnte Konflikte auf eine nette Art lösen, das ist sehr selten unter diesen Touristen-Kommandanten. Besonders, da ich mittlerweile die leidvolle Erfahrung mit anderen Skipper-Admirälen machen durfte (siehe Ein SKS-Törn auf den Kanaren bleibt scheinlos).

Leider ist Hans mittlerweile tot. Er verunglückte wenige Jahre später auf dem Weg zu einem Boot in der Türkei. Abgerutscht mit dem Auto oder dem Mopped, ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass seine ultra-obszessive türkische Freundin ihn auf Schritt-und-Tritt überwacht hat, soweit es die damalige Handy-Technologie eben zuließ. Jetzt überwacht er uns von oben und freut sich bestimmt, dass sein damaliger Mitsegler mittlerweile selbst zum Skipper geworden ist.

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Wir lösten uns von der Boje. Wir wollten weiter in Richtung Süden. Normalerweise lautet der Plan auf einem solchen Segeltörn, schnell in Richtung Süden zu fahren, um dann gemächlich wieder in den Norden zu kommen. So ist man flexibel, was Wind und Wetter angeht und so hielten wir es auch. Saint Vincent war unser nächstes Ziel. Dank konstantem Passatwind besteht das Segeln im Wesentlichen aus dem Setzen der Segel. Danach wird solange man möchte auf halbem Wind gesegelt und irgendwann holt man die Segelgarnitur wieder ein, um sich ein ruhiges Plätzchen in Lee der Inseln zum Übernachten zu suchen. Wenden oder Kreuzen braucht man nicht. Halsen auch nicht. Solange man stabiles Wetter hat, fährt man einfach seinen Kurs und folgt den reihenweise auftauchenden Inseln.

In welcher Bucht wir genau übernachtet haben weiß ich nicht mehr. Nur, dass nachts plötzlich Taschenlampen im Dickicht zu leuchten begannen. Als verweichlichter Europäer malt man sich in so einem Fall die grausigsten Gründe dafür aus: von karibischen Kannibalen, die es auf weißes Frischfleisch abgesehen haben bis zu korrupten Polizisten, die einem ans Leder wollen… Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass wir vor einem aufgegebenen Hotelkomplex geankert hatten. Die kleinen Gästehütten lagen verstreut am Hang und wie es aussah, gab es noch eine Handvoll Wachmänner, die das Gebiet kontrolliert haben. Tja, es sah ganz so aus, als ob wir selber die Eindringlinge gewesen sind.

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Und weiter ging es mit dem Wind! Der nächste Halt war die kleine Insel Bequia mit seiner „Hauptstadt“ Port Elisabeth. Eine große Bucht mit türkisfarbenem Wasser empfing uns. Die verrücktesten Bootskonstruktionen näherten sich uns Neuankömmlingen und boten ihre Dienste an: Verkauf von Frischwasser, Absaugung von Abwasser, Diesel, Wäscheservice und natürlich die allgegenwärtigen Obst- und Gemüseverkäufer. Wir verbrachten den Abend an Land im ziemlich edlen „Devil’s Table – Food and Barrels of Rum“ und anschließend in einer klapprigen Raggae-Bar mit einem unglaublich zugedröhnten DJ – es war wunderbar.

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Der Wind blies uns weiter, und zwar nach Mustique. Die Insel der Reichen und der Adligen, der Stars aus Rock und Pop! Und weil man in diesen Kreisen gerne unter sich bleibt, kostet das Ankern vor Mustique auch eine unverschämt hohe Gebühr, die nur von solch großen Touristengruppen wie uns überhaupt noch berappt wird. Ganz ähnlich wie im kroatischen Briuni Nationalpark vor Istrien. Andererseits – in „Basil’s Bar“, so sagt man, kommt hin und wieder Keith Richards vorbei, trinkt seine vier Finger hoch Rum und spielt ein Liedchen auf seiner Klampfe. Und genau das hatte ich ebenfalls vor! Was ich wieder mal verdrängt hatte: keiner der Superstars ist länger als ein paar Wochen pro Jahr in seinem Feriendomizil auf Mustique anzutreffen. Die Chance also, hier auf Bryan Adams, Mick Jagger, Paul McCartney oder Johnny Depp zu treffen ist mehr als bescheiden. Die einzigen Menschen, die hier wirklich leben, das sind die guten Geister in Form von Gärtnern, Hausmädchen und anderen Angestellten, die die Insel am Laufen halten. Und die sie in einen riesigen sterilen Golfplatz verwandelt haben. Sie malen sogar die Kokosnüsse an den Palmen zu Weihnachten silbern an. Nichts wie weg hier.

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Bevor wir ablegten, besorgten wir uns noch etwas Fisch bei den herumsitzenden Fischern der Insel. Sie spielen den ganzen Tag Domino. So sieht es jedenfalls aus. Was den Chinesen ihr Mahjong, ist den Kariben ihr Domino. Die Fische waren jedenfalls rot und ziemlich grätig. Auch wenn hier Berge von Gehäusen von Conch-Schnecken herumlagen und wir uns gerne ein schönes Exemplar für zu Hause mitgenommen hätten: lieber nicht, sowas wird vom Zoll einkassiert und man darf dazu noch ordentlich Strafe zahlen.

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Wir segelten weiter. Union Island war das nächste Ziel und diese Insel ist eigentlich einen eigenen Artikel wert. Korallen als Wellenbrecher, Lambi’s Bar mit Steel Drum Band und Conch-Schnecken-Ragout. Die Künstler Kolonie. Soggy Dollar „Happy“-Bar (nicht die auf den British Virgin Islands). Beinah abgebrochener Außenborder dank Korallen im Dunkeln. Party mit Carib-Beer. Party mit minderjährigen Nutten, die nach Eheringen suchen. Krankenschwestern, die einen retten. Skipper, die nachts mit Klamotten auf dem Kopf zurück zum Boot schwimmen. Kanonen, die auf Kreuzfahrtschiffe zeigen. Auf dieser Insel gibt es alles. Die Karibik im Kleinen.

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Mit nur unwesentlichem Kater im Kopp ging es am nächsten Tag weiter in die Tobago Cays hinein. Das sind schon wieder kleine Inseln, nur diesmal geschützt von einem vorgelagerten Korallenriff. Draußen blasen 5-6 Beaufort Wind und schleudern eine ordentliche Welle an das Riff. Drinnen ist es spiegelglatt und nur der Wind heult – surreal. Hier darf man keinen Pups lassen, keine Fische angeln und auch nicht Ankern, ohne dass gleich ein Parkwächter ankommt und einem nen fetten Strafzettel verpasst. Außer man ist Einheimischer. Dann wartet man ab, bis der Touri an der Boje liegt und verkauft ihm dann den eben frisch harpunierten Fisch. Ich glaube, man nennt es Ambivalenz.

Wer es wollte, konnte hier am Riff und auch dahinter Schnorcheln gehen. Für mich als Brillenträger relativ uninteressant, da ich nichts sehe. Dazu kommt die recht heftige Strömung, die einen in null komma nix weggetrieben hat. Nichts für Landratten. Aber wir konnten mit Wasserschildkröten um die Wette schwimmen. Es wimmelte hier nur so von denen und kam man ihnen zu nahe, schnappten sie nach einem. Habe ich mir später von Dritten erzählen lassen…

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Und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg, in Richtung Norden, nach Martinique. Eine Nacht sind wir durchgefahren, unter Motor gegen die Wellen. Es war ein denkwürdiges Gefühl, in der eigenen Koje wie in einem Trampolin zu liegen. Jede Welle führte zu einem kurzen Moment der Schwerelosigkeit. Wenn ich heute daran zurück denke, wie komfortabel es doch alles in allem auf diesem Katamaran war, dann will ich mir wirklich nicht vorstellen, wie sich diese Reise mit meinem kleinen 27 Fuß Bootchen angefühlt hätte. Man kann das aber nachlesen, denn Thomas Langer hatte vor ein paar Jahren mit seiner Albin Vega „Frigga“ diese Route genommen. Und hat dann mitten auf dem Atlantik festgestellt, dass ihn das ewige Geschaukel um den Verstand bringt. Auch ein Argument für mich, erst mal im Küstenbereich des Mittelmeers zu bleiben.

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Irgendwie habe ich die Insel Mayreau vergessen. Hier haben wir auch gestoppt, irgendwo zwischen Union Island und den Tobago Cays… – Ich muss kurz über Kreuzfahrtschiffe sprechen. Die haben ja eigentlich alles an Bord, was man jemals brauchen könnte. Nur eines haben sie (noch) nicht: einen eigenen Sandstrand! Und weil es uncool ist, ein Barbecue woanders als an einem karibischen Sandstrand zu halten, mietet man eben mal schnell eine halbe Insel und baut ein Grillbuffet für 3000 Passagiere auf. Das sah dann für uns so aus, dass wir am Vorabend noch mutterseelenallein in einer schönen Bucht vor Mayreau lagen. Während am frühen Morgen ein Kreuzfahrtriese draußen seinen Anker warf und die Beiboote im Morgengrauen damit begannen, den Strand vorzubereiten. Liegen, Tische, Grills und eine zünftige Cocktailbar müssen schon stehen, wenn um 9 Uhr die ersten Gäste eintrudeln. Und ehe wir es uns versahen, lagen wir „im Weg“. Schon merkwürdig, wenn einen nach dem Aufstehen ein paar hundert Touristen-Augen anstarren…

Hey, das war mal unser Strand! Wir sind hier gestern Abend im Schweiße unseres Angesichts die steile Dorfstraße aufgestiegen. Wir waren das, die gestern in Robert’s Bar eingekehrt sind und dort die letzten Biervorräte geleert haben! Wir waren das, die zu Reggae aus einem Subwoofer aus Kanalröhren getanzt haben! Ihr habt währenddessen in eurer Kajüte gelegen und euch zur nächsten nichtssagenden Insel fahren lassen, für die ihr widerwillig die klimatisierte Kabine verlassen müsst, wenn ihr sie besichtigen wollt!

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Der alte Robert war korrekt. Mit seinem Joint in der Rechten und der Mundharmonika in der Linken hat er den Laden im Griff gehabt. Nachdem ich mit seinen Jungs ein wenig getrommelt habe und er irgendwann kein Bier mehr hatte, ist er zusammen mit uns in seine Lieblingskneipe gezogen und hat uns dort einen ausgegeben. Das war ein kalt gekachelter Laden, in dem sich die Einheimischen vergnügt haben. Irgendwie hatten sie alle was mit den Touristen zu tun: die Boat Boys, die Barbesitzer, die Charter Skipper wie unser Hans, die örtlichen Nutten (die waren wirklich überall)… es war ein Spaß! Und ich glaube, hier muss ich mich berichtigen: es war hier, wo unser Skipper kein Ende fand und sich erst am frühen Morgen mit den Klamotten auf dem Kopf schwimmend auf den Weg zu unserem Kat machte.

Eigentlich war es das. Wir waren noch in den Restekulissen von „Piraten der Karibik“ und haben uns verkleidet und mit Säbeln attackiert. Was anderes blieb uns auch nicht übrig, um die Zeit herumzukriegen: Hans hatte uns schon ausklariert für den Grenzübertritt und wir lagen trotzdem noch in der Bucht dieser Insel. Das ist eigentlich kein Weltuntergang – außer, draußen patrouilliert seit Stunden die Küstenwache. Und da dachten wir uns so, vielleicht sollten wir lieber noch ein wenig klatschnass hier in der Bar sitzen bleiben, bis die Polente wieder weg ist. Alle haben es überlebt. Hinterher gab es gebratene Chillis und spätestens dann war es uns wieder warm!

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Was soll ich sagen. Dieser Urlaub war genial und es kamen viele glückliche Umstände zusammen. Und er ist sicherlich so nicht wiederholbar. Aber wer Interesse an solch einem Segeltörn hat, dem würde ich jederzeit empfehlen: mach es! Man sollte sich nicht von alten Karibikhasen beeindrucken lassen, die behaupten, früher wäre dort alles besser gewesen. Fahrt hin und schaut euch die Gegend an. Obwohl tausendfach stärker besucht als früher, ist es dort immer noch ursprünglicher als in den meisten Touristengebieten Europas. Hingeflogen bin ich damals mit Air France, die heute billigflüge anbieten, wie so viele andere Fluggesellschaften auch.

Zum Ausklang noch ein paar Bilder, die ich einfach loswerden möchte…

Karibik 502 palme klettern

karibik boot verkäufer

Karibik 044 katamaran vorsegel

karibik limbo dance

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Schweinebauch chinesisch à la „Herr Wu“

In Berlin gibt es das China-Restaurant „Hot Spot“, über das vor kurzem ein Buch erschienen ist. Die Rezepte von Herrn Wu sollen leicht nachzukochen und sehr authentisch sein. Mal sehen, ob das klappt!

Indisch koche ich ja schon eine ganze Weile, aber auch das Chinesische hat es mir seit längerem angetan. Weniger die pappige Deutsch-Asiatische Glutamatküche als die original Chinesische. Das „Originale“ ist eigentlich gar nicht so weit weg von dem, was man hier in der BRD schon seit vielen Jahren bekommt. Man lässt einfach alles weg, was man auch in der deutschen Küche nicht verwenden würde, außer man betreibt eine Imbissbude. Geschmacksverstärker wie Glutamat und Zutaten aus der Dose zum Beispiel. Stattdessen verwendet man mehr frische Zutaten und auch nicht wenig Chilli und schon ist man auf der richtigen Spur.

china_hot-spot_herr_wu (1) gurke

Natürlich sind nicht alle Geschmacksverstärker des Teufels, da sie gerade bei Kurzgebratenem erst das richtige Aroma mit einbringen. Aber irgendwann lief das wohl aus dem Ruder und statt Soja- oder Fischsauce wurden einfach eine handvoll Glutamatkörner in den Wok geworfen. Es hängen zwar so einige positive Kindheitserinnerungen an der gallertartigen Suppe und dem zuckersüßen Schweinefleisch vom Chinesen. Aber wenn es nur nach Kindheitserinnerungen ginge, müsste ich auch heute noch täglich Cheeseburger von McDo essen. Also Zeit für ein Update.

Die Erinnerung an mein letztes wirklich leckeres China-Essen bringt mich wieder zurück in den Städte-Entdeckungs-Modus. In so einem Fall spare ich mir gerne den Hunger ein wenig auf, um schließlich dort zuzuschlagen, wo es wirklich vielversprechend aussieht. So war das neulich in Berlin, wo auch das Restaurant „Hot Spot“ zu Hause ist, um das es hier gleich geht. Ich lief ein wenig verloren abends nach dem Kundenbesuch durch die Berliner Innenstadt, Ostseite, und suchte das Außergewöhnliche. Fast so wie damals in Hong Kong, nur mit nem ziemlichen Loch im Magen. Da sah ich plötzlich ein grell violettes Schild mit einer Leuchtreklame für das Soya Cosplay. Es entpuppte sich als ein gehobener Chinese mit teuren und auch sehr kleinen Portionen aber dafür mit einer exquisiten Qualität. Mit dieser Erinnerung in Gedanken las ich wenig später einen Artikel in der FAZ. Es ging um das neue Buch von der Journalistin und Köchin Ursula Heinzelmann, in welchem sie ihre Schwärmerei für das „Hot Spot“ in Worte gefasst und quasi als Abfallprodukt ein Kochbuch darüber geschrieben hat. Die Betreiber Herr Wu und seine Frau sind außerdem Weinliebhaber, insbesondere Riesling, und so ist es kein Zufall, dass der bekennende Riesling-Fanatiker Stuart Pigott („I am Riesling“) das Vorwort geschrieben hat. Außerdem ist er der Mann von Frau Heinzelmann, schreibt ebenfalls für die FAZ und irgendwie schließt sich hier der Kreis wieder.

china_hot-spot_herr_wu (3) gurkensalat

Herrn Wu hatte ich in Berlin leider verpasst, also musste eben das Buch „Die China-Küche des Herrn Wu: Rezepte aus dem „Hot Spot“ Berlin“ angeschafft werden. Und eines kann ich jetzt schon sagen: man kann die Rezepte tatsächlich sehr gut nachkochen! Ok, es sieht bei uns Laien sicherlich nicht so perfekt aus, wie wenn ein chinesischer Profi kocht, aber immerhin. Bevor das Kochen losgehen kann, müssen natürlich noch diverse Zutaten aus dem Asia-Shop herangeschafft werden, aber so viele sind es nicht und schon kann es losgehen.

Als Vorspeise oder vielmehr Salatbeilage sollte es die gesmashte Gurke geben. Das Rezept ist leicht: man halbiere eine Gemüsegurke der Länge nach und schlage auf sie ein, bis sie platzt. Die angeknacksten Stücke werden dann noch kunstvoll kleingeschnitten und mit einer Marinade aus Sesamöl, Chinkiang-Essig, Chilli, Sojasauce und Knoblauch vermischt.

Als Verehrer alles Schweinischen musste als Hauptgang heute der Schweinbauch nachgekocht werden. Bauch ist was Tolles: saftig durch die dicke Fettschicht und gleichzeitig knusprig, wenn man es will und hinbekommt. Der Knaller in diesem Rezept ist die Zubereitung der dicken Soße. Ok, „dicke Saus“ klingt erstmal wenig appetitlich, aber es ist diese Art von Sauce, wie man sie selten bekommt und die einem noch lange mental am Gaumen klebt. Dazu gab es noch eine kreative Gemüsemischung aus sehr klein geschnittenen Paprikas, Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Chilli und Ingwer, die mit heißem, rauchendem Öl übergossen wurde. Das gibt dem rohen Zeug wirklich ein super Aroma.

china_hot-spot_herr_wu (7) rauchendes öl

Der kleingeschnittene Schweinebauch wird in mundgerechte Stücke geschnitten und für eine gute Stunde in Hühnerbrühe mit Frühlingszwiebeln, Ingwer, Sojasauce, Zucker, Reiswein, Sternanis und Chilli geköchelt. Danach das Fleisch und die groben Stücke aus der Flüssigkeit herausfiltern und alles heftigst einkochen lassen. Etwas andicken mit Stärke und schon ist die prächtige Sauce fertig. Ein Hochgenuß. Meine Fotos können das wie immer nur äußerst mangelhaft wiedergeben.

china_hot-spot_herr_wu (17) schweinebauch

Super! Motor! Yachten!

Je weiter man mit seinem eigenen mickrigen Segelbootchen herumkommt, desto mehr fallen einem die richtig dicken Yachten auf. Natürlich gibt es auch in der Kategorie „Superyacht“ solche mit Segel, aber meistens handelt es sich doch um Motoryachten. Und auch die mit Segeln werden die meiste Zeit von Motoren fortbewegt, da die gediegene Kundschaft ja rechtzeitig zum nächsten Sundowner wieder in der Marina am Steg liegen möchte. Leider habe ich nicht jedesmal auf den Auslöser gedrückt, wenn so ein BRT-Monster an mir vorbeizog. Aber immerhin doch manchmal. Und diese Bootchen möchte ich hier kurz vorstellen.

adria zelda 2014 (87) super yacht high powerBescheidenheit ist keine Tugend unter Superyacht Besitzern. Während kleinere Motoryachten bis 20 m Länge oft noch spaßige Namen tragen, wie zum Beispiel „The Salt Shaker“ oder „Tooth Fairy“, so verschwindet der Spaß bei den wirklich dicken Dingern. Die Namen werden zunehmend einfallsloser und so erhält dann eine Yacht wie die oben abgebildete im Wert von sehr vielen Millionen Euro den Namen „High Power III„. Da wäre selbst einem Dreijährigen etwas besseres eingefallen. Warum sie vorne hinter dem Bug diesen nashornförmigen Turm spazieren fährt, das weiß wohl auch nur der Konstrukteur. Nein, gerade habe ich es gegoogelt, auch das italienische Designbüro lässt sich darüber nicht aus.

adria_zelda_2013_ (398) torquise silver shalisDie da oben („Silver Shalis„, endlich mal ein guter Name!) habe ich in der Luka Tiha auf der Insel Hvar gesehen. Was die farblich passende Handtasche für die Dame, ist das farblich passende Beiboot für die Superyacht.

adria_zelda_2013_ (169) motor yacht unlimited 88Die hier, malerisch vor Primosten aufgenommen, ist zwar mit knapp 30 m noch gar nicht so riesig. Sie darf trotzdem schon einen langweiligen Namen tragen und hört auf „Unlimited 88„. Bei der 88 komme ich ein wenig ins Grübeln… in Deutschland bedeutet dieser Zahlencode in gewissen Kreisen ein verschlüsseltes „HH“, was das braune Gesocks gerne als Abkürzung für den gegenseitigen Gruß verwendet. Vielleicht ist es auch nur das Baujahr der Eignertochter. Nein, es ist natürlich die Länge in Fuß. Eigentlich ungewöhnlich, sie bei Booten dieser Länge noch im Namen mit anzugeben.

adria zelda 2014 (52) motoryacht maltaDie hier ist jetzt wirklich namenlos, aber sie fährt mir jedes Jahr über den Weg. Wirklich ständig. Der Kapitän müsste mich also schon kennen. Letztes Mal stand er gelangweilt auf der Außenbrücke und hat einen sehr netten, sehr großen Bogen um mich gemacht. Wenn das mal alle Motoryachten täten, dann würden mittags meine Spaghetti auch nicht vom Herd fallen. So klein ist sie eigentlich gar nicht. Aber aufgrund des Alters könnte sie nach einigen Besitzerwechseln wieder zurückgefallen sein in die Kategorie der Spaßnamen. Vielleicht ist es eine „Zeitverschwendung“  oder eine „My Pride and Toy“. Oder – sie kommt ja schließlich aus Malta – es handelt sich um die legendäre „Maltese Falcon“ (hier abgebildet im Tarnzustand).

adria_zelda_2013_ (534) royal clipperUnd hier die letzte aber dafür auch dickste Lady: die „Royal Clipper„. Vor vielen Jahren schon einmal in der Karibik gesehen, hier auf dem Bild liegt sie gerade vor Hvar (Stadt). Sie gilt zwar als Segelschiff, aber einer der Masten ist in Wahrheit ein Schornstein. Und da sie aus eingangs genannten Gründen die wenigste Zeit segelt, kann man sie getrost zu den Super Motoryachten zählen.

Mehr Bilder habe ich nicht parat, aber wer möchte, findet im Mittelmeer Skipper Forum ein Thema, das sich lang und breit mit  „Yacht Spotting“ beschäftigt.

Wer einen Sportbootführerschein besitzt und schon einmal reinschnuppern möchte wie es ist, so viele PS unter dem Hintern zu befehligen, der kann das zum Beispiel in den spanischen Gewässern bei Ibiza oder Mallorca tun. Es ist möglich, sich dort ein Boot zu mieten und damit mal flott zwischen Ibiza und Formentera hin- und herzudüsen. Während meine Fähre damals beim Gitarrenbaukurs noch eine gute halbe Stunde bis nach Formentera brauchte, schafft es so ein Motorspielzeug wohl in 10 Minuten. Preise finden sich dann auch auf der genannten Webseite: eine 40 m lange Megayacht ist dort schon für um die 100.000 Euro zu haben (Charterpreis, pro Woche).

Abschließend noch eine Liste der längsten Yachten der Welt auf Wikipedia, die sich wie ein Best-Of der Scheichs, Oligarchen und Softwaremilliardäre liest.

Die Kokerei Hansa in Dortmund – eine Führung

Schon mal darüber nachgedacht, woher Stahl kommt? Wo das Erz gefördert wird? Wie man Koks zur Metallgewinnung erhält? Und woher die Kohle zur Koksgewinnung stammt? Eine Führung im Ruhrgebiet schafft Klarheit.

Ich sehe mich noch heute, in mittelalterliche Kleidung gewandet, mit Lederstiefeln an den Füßen und einem Schwert auf dem Rücken durch den winterlichen Taunus stiefeln… zumindest in meiner Phantasie, während ich aus dem Kinderzimmerfenster schaute und von den Hausaufgaben abschweifte. Doch wie eigentlich in J.R.R. Tolkiens Welt der Stahl hergestellt wird, ist mir auch nach drei Filmen noch nicht klar. Aber es gab einmal eine Zeit, da wollte ich das unbedingt selbst tun: Dinge aus Metall herstellen.

Jahre später war ich dann IT-Student im praktischen Semester. Und der Gedanke trieb mich um, wie cool es doch wäre, mit den eigenen zwei Händen etwas schmieden zu können. Das Praktikum in der IT-Branche langweilte mich, so dass ich mir eifrig die Inhalte diverser Internetforen zum Thema „Schmieden“ reinzog. Klar war, dass ich eine Esse brauchte. Eine alte Feldschmiede mit Fußantrieb war auf Ebay schnell gefunden und für’n Appel und’n Ei gehörte sie mir. Sie war schon von Rost zerfressen und an den meisten Ecken mit Stahlplatten notdürftig ausgebessert. Der alte Bauer, von dem ich die Schmiede abholte, hatte damit jahrzehntelang Hufeisen für seine Pferde hergestellt und repariert. Sein Sohn kauft sowas heutzutage sicherlich bei Amazon und so musste das Teil die Scheune verlassen.

feldschmiede esse koks

Mit dabei war ein dicker Sack mit Kohle, so dachte ich zumindest. Aber eigentlich war das meine erste Begegnung mit Koks. Erst, nachdem ich das Zeug nicht zum Brennen bekam, ging mir ein Licht auf: ich brauche erstmal ein normales Kohlefeuer, bis das rockt! Und so begriff ich den Unterschied zwischen normaler Kohle (entzündet sich relativ schnell, brennt aber mit niedriger Temperatur) und Koks (brennt heiß und bringt Metall zum Glühen, geht aber ohne Sauerstoffzufuhr von selbst aus).
Relativ schnell war klar, dass das ein dreckiges Geschäft ist. Die Nase voll mit Staub, die Hände verbrannt und Muskelkater im Bein wegen dem Tretgebläse… Ausserdem bekam ich noch eine ordentliche Erkältung, weil im Winter natürlich kein Mensch ne Jacke trägt, wenn einem vom Schmieden doch schon warm genug ist. Die Schmiederomantik jedenfalls war verflogen und außer ein paar verbogenen Nägeln hatte ich nichts zustande gebracht. Ein frankfurter Sozialarbeiter hat mir die Esse schließlich dankenswerterweise abgekauft und beschäftigt damit jetzt seine Problemkinder.

kokerei hansa dortmund  (11) kohle förderband

Aber zurück in die Gegenwart. Da hält man irgendetwas aus Edelstahl in der Hand, zum Beispiel einen Schraubendreher. Und doch hat man im Prinzip keinen blassen Schimmer, wie lange es gedauert hat, bis aus diversen Grundstoffen dieses superstabile Werkzeug entstanden ist. Wer es genau wissen will, besucht einfach eine der Führungen im Ruhrgebiet, wo einem die Zechenlandschaft näher gebracht wird. Ich nahm Teil an einer Führung in der Kokerei Hansa in Dortmund Huckarde (auf der verlinkten Seite findet man auch die Öffnungszeiten, Preise, etc.).

Die Kette lautet im Prinzip folgendermaßen: Bergwerk – Kokerei – Hütte

  • In den Zechen (Bergwerken, Minen) wird Kohle und Erz gefördert.
  • Die Kohle wird in der Kokerei von diversen unerwünschten Inhaltsstoffen befreit und zu Koks verarbeitet.
  • Der Koks wird zur Metallgewinnung aus Erz im Hochofen genutzt.
  • Das Metall wird unter Hinzufügung verschiedener Stoffe zu Edelstahl und irgendjemand fertigt daraus die Klinge des Schraubendrehers.

kokerei hansa dortmund  (4) kohle koks schwefel benzol

Ob in dieser Gruppe von Teilnehmern der Führung nur Industrieromantiker waren oder auch Angehörige ehemaliger Kumpel – ich weiß es nicht. Jedenfalls war diese Führung durch die Kokerei Hansa in Dortmund gut besucht. Nachdem es in letzter Zeit ein paar Umbauarbeiten gab, ist der Weg der Kohle bis zur Kokswerdung jetzt ganz einfach für Jedermann begehbar. Los geht es beim Förderband, das früher zu einem guten Teil mit der Steinkohle der benachbarten Zeche bestückt wurde. Die hier verarbeitet Kohle stammt aus verschiedenen Bergwerken und ist daher nicht immer gleich. Das Koks für die Hütten muss allerdings schon von gleichbleibender Zusammensetzung sein. Deshalb wird die Kohle gemischt und hat am Ende eine gleichbleibende Zusammensetzung.

kokerei hansa dortmund  (16) koks verfahren

Was einem Stadtkind vielleicht im ersten Moment genauso fremd ist wie die Kuh auf der grünen Wiese, das ist hier die monumentale Bauweise der Anlage. Es ist nicht ganz falsch, wenn man von Kathedralen und Palästen spricht, die hier für die Kohle gebaut wurden. Was ein wenig fehlt, ist dekorative Inneneinrichtung. Stattdessen werden die gigantischen Räume eben mit Kohle gefüllt. Nachdem sie zerkleinert, gemischt und gesiebt wurde, wird sie auf die über 300 Öfen verteilt. Die Anzahl erscheint viel, aber der Grund ist simpel: jeder Ofen ist weniger als einen halben Meter breit. Dafür aber 12 Meter lang und in der Lage, etwa 16 Tonnen Kohle unter Sauerstoffabschluss zu Koks zu verarbeiten.

kokerei hansa dortmund  (18) koksofen

Während der Erhitzung der Steinkohle entweichen alle möglichen Stoffe, die als Gas über Rohrleitungen abgeführt und auf der anderen Seite der Anlage herausgefiltert werden. Teer, Schwefel, Benzol – hier sammelt sich das Sahnehäubchen der Koksgewinnung. Alles Stoffe, die sich gewinnbringend an andere Industriezweige verkaufen lassen. Wie auch in anderen Branchen profitieren eng beinander liegende Industrien schwer davon, wenn sie ihre „Abfallstoffe“ an den Nachbarn verkaufen können. Für diesen ist es möglicherweise der Grundstoff für ein völlig anderes Produkt.

Am Ende der Tour landen wir in der riesigen Halle der Kompressoren. Hier wurden die Gase mit Hilfe großer, dampfgetriebener Kompressoraggregate verdichtet und schließlich an wen-auch-immer weitergeleitet.

kokerei hansa dortmund  (25) gas kompressor

Und weil es unmöglich ist, einen Artikel über Koks ohne Zweideutigkeiten zu beenden, sei hier noch erwähnt, dass mir Koks in seiner weißen Form bisher noch nicht untergekommen ist. Ein Gagschreiber könnte daraus vielleicht was machen – aber mir fällt dazu bloß ein, dass es das Koks heutzutage quasi aus der Schwerindustrie direkt in die Dienstleistungsgesellschaft geschafft hat.

Ok, der war wirklich schwach.

Segeln auf der Adria 31: Die perfekte Flaschenpost

Schonmal davon geträumt, eine Flaschenpost zu finden? Man schlappt so nichts ahnend durch den Sand und plötzlich: eine beklebte Flasche!
Oder wie wäre es damit: man träumt sogar davon, eine eigene Flaschenpost zu erhalten? Wie man eine solche Flasche versendet, das erklärt dieser Artikel.

Zunächst mal zurück auf den Boden der Tatsachen: der Finder einer Flaschenpost ist niemals der Empfänger. Ok, unter Fischern wäre das vielleicht eine Art von Running-Gag, sich gegenseitig eine Flaschenpost zu schicken: „Jorge, deine Netze stinken, Alter! Gruß, Jose“ oder: „Zlatko fängt nur kleine Fische und hat auch einen kleinen Pulpo! Do viđenja. Ante“.

In Wahrheit sieht es wohl eher mal so aus, dass die Flasche nach tage- oder wochenlangem Treiben im Meer irgendwann an irgendeiner Küste an irgendeiner Kante hängenbleibt und auf ihr Schicksal wartet. Reißt die nächste Windböe sie wieder frei? Kommt die nächste Flut und schwemmt sie wieder in den Kreislauf der Dinge? Kommt vielleicht ein volltrunkener Pauschaltourist daher, macht sich einen Spaß daraus und pfeffert erstmal einen Stein auf die Flasche? Oder wird sie von Herr Abramovic seiner Mega-Yacht in Stücke geshreddert, ohne dass er es überhaupt merkt? Ma waases net. Aber eins ist sicher: irgendwo findet auch die abwegigste Strömung des Mittelmeers ein Ende und die Flasche kommt wahrscheinlich zur Ruhe. Und ab hier ist sie auf Gedeih und Verderb dem Wohlwollen des Finders ausgeliefert.

adria zelda 2014 (112) flaschenpost brief

Der Inhalt einer erfolgreichen Flaschenpost muss folglich immer aus zwei Teilen bestehen, nämlich dem schleimigen Anschreiben an den Finder und der eigentlichen Botschaft. Beide sollte man mit wasserfesten Stiften schreiben, also mit Bleistift oder Buntstift. Texte, die mit Kugelschreiber oder Filzstift geschrieben werden, zerfransen schnell auf feuchtem Papier. Was man in beiden Briefen sinnvollerweise erwähnen sollte:

  • Den Absender, also Bootsname und eigener Name
  • Datum des Abwurfs
  • Position des Abwurfs mit GPS Koordinaten

Der Finder liest natürlich zuerst den Brief an sich selbst, den man sinnigerweise außen um den eigentlichen Brief an den Adressaten herumwickelt. Darin schreibt man, dass man sich unbändig freut, dass diese Flaschenpost ans Ziel gekommen ist und dass der eigentliche Adressat sich noch viel unbändiger freuen würde, wenn der ehrliche Finder diese Flaschenpost mit der regulären (und dummerweise auch kostenpflichtigen) Post weitersenden würde. Ewiger Dank und Jungfrauen im Paradies sind ihm sicher, nur im Diesseits habe er leider keine weitere Belohnung zu erwarten.

Lustigerweise sind Flaschenpostfinder normalerweise nicht in der Position, dass sie jedes Jahr eine Flaschenpost beim Strandspaziergang aufgabeln. Und so finden sie die Sache noch sehr spannend und leiten den Brief aus der Flasche gerne weiter. Außer, man gerät an Jorge, Zlatko oder Ante. Dann fliegt die Flasche wahrscheinlich noch auf hoher See wieder zurück ins Wasser. Was aber auch Ok ist, dann hat die Message in der Bottle noch eine Chance, mehr Strecke zu machen.

Und das bringt uns genau zu dem wichtigsten Punkt: Strecke machen! Eine Flaschenpost ist ja äußerst nachhaltig unterwegs, sprich, sie verbraucht keine Energie und reitet mit der Natur. Wirft man sie ins Wasser an einer Stelle, die laut Windvorhersage optimal ist, so kann es sein, dass sie aus Strömungssicht ganz und gar nicht optimal ist. So passierte mir das zwischen den Inseln Hvar und Brac in Kroatien. Es herrschte Südwind und die Flasche hätte eigentlich schön in Richtung Norden nach Istrien oder meinetwegen auch nach Venedig treiben sollen. Tatsächlich aber habe ich die Strömung vernachlässigt. Die scherte sich nicht besonders um den kurzzeitig wehenden Südwind und verfrachtete die Flasche auf dem kürzesten Wege in die nahe südliche Bucht von Hvar, wo sie wenige Tage später von einem aufmerksamen Menschen gefunden und zurückgesendet wurde. Soweit die hochtrabenden Pläne für diese Flasche.

adria zelda 2014 (110) flaschenpost

Die zweite Flasche aber ist zu diesem Zeitpunkt noch unterwegs, obwohl sie nur einen Tag später „abgesendet“ wurde. Hoffentlich denkt der Finder an seine eigenen Absendedaten, so dass ich weiß, wo und wann er sie gefunden hat! Aber jetzt mal zur Hardware.

Flasche ist nicht gleich Flasche. Stellt man ein Lastenheft für eine Flaschenpost auf, so fallen die folgenden Begriffe:

  • Langlebigkeit
  • Dicht muss sie sein
  • Stabilität
  • Raum für einen Brief

Damit scheiden schonmal kleine und/oder dünnwandige Flaschen oder solche mit mangelhafter Verschließbarkeit aus. Weinflaschen zum Beispiel. Viel zu dünnwandig. Optimal sind Likör- oder Schnapsflaschen. Sie haben die erforderliche Größe, sie sind aus stabilem Glas und haben meist einen korkenartigen Verschluss. So können sie ruhig einmal gegen die nächste Klippe dotzen und treiben dennoch ihres Weges ohne Leck zu schlagen. Abdichten lassen sie sich auch prima.

Normalerweise haben Schnappsflaschen entweder einen Plastikkorken oder einen Drehverschluss. Nachdem man die Briefe an den Finder und den Empfänger zusammengerollt und hineingesteckt hat, wird die Flasche also erstmal abgedichtet. Dafür eignet sich sehr gut Marine-Fett oder einfach Wachs. Oder am besten beides. Etwas Fett auf das Flaschengewinde schmieren, dann den Deckel aufschrauben. Hinterher alles zusammen mit flüssigem Wachs abdichten, Kalfatern sozusagen. Wer paranoid ist, wickelt jetzt noch Ducktape drumherum, aber das löst sich in der Sonne nach ein paar Wochen sowieso auf. Kann man sich also sparen und den natürlichen Zutaten vertrauen. Nach dem Abwurf wird man beobachten können, dass die Flasche wegen dem schweren Glas doch reichlich Tiefgang hat. Das erklärt auch die Tatsache, dass weniger der Wind als die Strömung die Oberhand über die Zugrichtung der Flasche behält.

Nicht zu vergessen ist das fachmännische Bekleben der Flasche. Niemand stoppt sein Boot wegen einer herumtreibenden Buddel. Wenn aber schon von weitem erkennbar ist, dass mit der Flasche „was nicht stimmt“, dann steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der fachkundige Skipper die Chance zur Übung des „Flasche über Bord“ Manövers wahrnimmt. Ich habe für meine Flaschenposten (bis jetzt zu 77,7% erfolgreich) einfach weißes Papier bemalt und mit durchsichtigem Klebeband außen an der Flasche befestigt.

Die erste Post in 2013 brauchte noch knapp vier Monate. Die zweite in 2014 schaffte es in drei Wochen zum Empfänger. Wenn das bei der dritten in dem Stil so weitergeht, werde ich von jetzt an jeden Brief einfach in das nächste Gewässer werfen. Ist doch erheblich billiger und dauert kaum länger als mit der herkömmlichen gelben Post.

Segeln auf der Adria 30: Ankern unter Segeln

Nördlich von Split auf der Festlandseite gibt es eine großzügige Ankerbucht, an der das Dorf Vinisce liegt. In den letzten Jahren kam es hier immer wieder zu „Unregelmäßigkeiten“, wie es im Küstenhandbuch für Segler so schön heißt. Mit anderen Worten: hier wurde spontan und illegal eine kleine Marina eröffnet, die kurze Zeit später von der Polizei wieder geschlossen wurde. Dann gibt es dort noch das immer wiederkehrende Unwesen von Freibeutern, die abends ihre Runde in der Ankerbucht drehen und frech eine Phantasiegebühr von den dort liegenden Jachten verlangen. Für diese Bucht ist jedoch nie eine Konzession vom Staat vergeben worden und somit liegen hier keine Bojen aus, noch hat jemand das Recht, einfach Geld einzusammeln. Eine alte, zeternde Frau macht das trotzdem und daher hat man (abgesehen vom Bezahlen) zwei Möglichkeiten, die Angelegenheit zu klären: Ausdiskutieren oder einfach vom Boot an Land flüchten. Da ich der Dame schon am Vortag klar gemacht habe, dass ich nicht zu zahlen gedenke, bin ich heute Abend an Land gerudert. Erstens ist das besser für den Stresspegel und zweitens überfiel mich wieder einmal die Lust auf eine Fleischplatte, die es in einem der Restaurants mit Sicherheit geben wird. Aber ich schweife ab.

20140808_195657_ankern vinisce

Die Bucht. Sie ist groß und überwiegend flach, so dass sie ein beliebtes Ziel für Jachten ist, die ankern wollen. Nach einem langen Segeltag komme ich also mit ordentlich Rückenwind an den Eingang der Bucht und denke mir, wofür eigentlich jetzt den Motor anmachen? Der Wind bläst mich doch schon seit über einer Stunde bis auf wenige Grad genau in die Bucht hinein. Also bleibt das große Vorsegel oben. Und wieder eine Viertelstunde später denke ich mir, du wolltest doch schon immer mal ausprobieren, wie es ist, nur unter Segeln zu ankern. Gedacht, getan. Das Großsegel ist eh schon seit heute Mittag eingeholt, denn bei Wind von hinten trägt es nicht viel zur Geschwindigkeit bei. Also steht nur noch die Genua, welche ich nun schrittweise einrolle, um nicht zu schnell zu sein. Man braucht erstaunlich wenig Segelfläche, da einen der Wind sowieso anschiebt. Das Einrollen des Vorsegels geht auf Vorwindkurs sehr gut und so gleite ich lautlos mit 2 bis 3 Knoten Fahrt in die Bucht und erfreue mich an den Kommentaren der am Ufer badenden Urlaubsgäste. Ob sein Motor wohl kaputt ist?

Schon von weitem sehe ich geradeaus ein schöne Lücke zwischen den vor Anker liegenden Jachten. Da will ich rein. Ich fahre so platt vor dem Wind wie möglich, um im Notfall noch anluven und ausweichen zu können. Der Motor ist natürlich startbereit – aber diesmal soll er ja ausbleiben. Da ich am Bug keine Ankerwinsch habe, hole ich den Anker aus der Backskiste, schaue ob die Leine klar ist und warte auf den richtigen Augenblick. Die Genua ist bis auf einen Fetzen eingerollt und ich habe immer noch 2 Knoten Fahrt drauf. Mehr soll es nicht sein, denn wenn mein Anker greift (und das tut er immer), soll es mir die Heckklampe nicht ausreißen.

adria_zelda_2013_ (529) ankern unter segeln

Der Anker fällt, ich gebe Leine, belege an der Heckklampe und harre der Dinge… Nur, es passiert nichts, außer dass ich stehen bleibe. Das Boot ruckt leicht ein, das ist schon alles. Das Segel ist natürlich noch gebläht und ich rolle es nun komplett aus, um mehr Druck auf die Ankerleine zu geben. Ende des Manövers. Ein lustiger Anblick, so mitten im Feld der Ankerlieger mit geblähten Segeln auf der Stelle zu stehen. Später tauche ich noch den Anker ab, nur um festzustellen, dass er sich vorbildlich eingebuddelt hat.

adria_zelda_2013_ (254) vinisce bucht

Vor lauter Stolz und Selbstzufriedenheit über diese gelungene Aktion hatte ich eigentlich fest damit gerechnet, dass mir die Crews auf den anderen Booten Beifall klatschen, mich auf ein Bier einladen und mir dann ihre Töchter schenken. Aber leider blieb es wie üblich bei meinem eigenen Ankerbier. Das war dann aber doppelt so lecker!

Wandern auf Madeira mit Poncho

Ein paar Jahre zurück empfahl mir der besorgte Vater, beim Wandern doch bitte immer einen dünnen Plastik-Poncho mitzunehmen. Man könne ja nie wissen in den Bergen, der Regen überrascht einen möglicherweise und da wäre ich doch froh, dieses gelbe Ungetüm dabei zu haben. „Jo, Vadder…“ dachte ich mir und packte das hässliche Ding in die hinterste Ecke meines Wander-Inventories. Ich gab ihm noch die Schnellzugriffstaste „F12“ und vergaß es daraufhin für viele Jahre – bis es eines Tages unverhofft seinen Einsatz bekommen sollte. Aber dazu später mehr…

2013 Madeira (72) steilküste

Für einen Badeurlaub oder bloß zum Räkeln am Strand eignet sich die Insel Madeira wirklich nicht. Genauso wie bei den etwas südlicher liegenden Kanarischen Inseln fällt auch vor Madeira das Wasser innerhalb kürzester Entfernung vom Ufer schon auf einige tausend Meter Tiefe ab. Der Albtraum für alle Freischwimmer mit tief verwurzelten Urängsten vor der unergründlichen, dunklen See. Wer aber schonmal mitten auf dem Meer von einem Boot gesprungen ist und dann mit Wonne direkt nach unten in die Tiefe geschwommen ist, der wird das einfach nur geil finden. Wie tief kommt man da wohl hinunter? Wo ist jetzt nochmal „oben“? Und will man dort oben überhaupt wieder hin?
Aber wir sind ja zum Wandern hier.

Jedenfalls, ohne sanft umspülter Küste und ohne Korallenriffen in der Nachbarschaft bildet sich nunmal auch kein weißer Sandstrand vor einer Insel. Dafür gibt es aber spektakuläre Steilküsten, hohe Berge, grüne Wälder und verträumte Dörfer. „Verträumt“ klingt dabei definitiv besser als „verlassen“, auch wenn das eher zutreffen würde. Man merkt, dass die Einwohner hier lieber einen Job im Tourismus suchen, als im bergigen Land den Boden zu beackern oder dem Fischfang nachzugehen.

2013 Madeira (66) wandern machico

Für Wanderer ist die Insel dagegen ideal. Das Wetter ist ganzjährig passabel und die Temperaturen pendeln um die 20° Celsius. Bei schönem Wetter ist es sommerlich warm, auch im Winter. Kurz gesagt, normalerweise ist hier T-Shirt-Wetter. Gewandert wird vor allem entlang der Levadas. Das sind endlose Kanäle aus Stein oder Beton, die etwa einen halben Meter breit sind. Mit Hilfe eines minimalen Gefälles transportieren sie das Wasser aus den verregneten Bergen in die südlichen, trockenen Winkel der Insel. Dank des zentralen Mini-Gebirges sammeln sich die Wolken und damit der Regen nämlich bevorzugt an der Nordseite von Madeira, wo der feuchte Passatwind aufsteigt und abregnet. Und damit die gesamte Insel in den Genuß von reichlich Wasser kommt, haben die findigen Ur-Madeirenser schon vor Jahrhunderten das Problem mit eben diesen Levadas gelöst. Eine Arbeit für Generationen, wenn man bedenkt, wie lang diese Kanäle sind und in was für unwegsames Gelände sie in den puren Stein gekloppt wurden. Wobei man auch hier erwähnen sollte, dass die alten Portugiesen sich dabei eher selten die Hände schmutzig gemacht haben. Diese harte und gefährliche Arbeit wurde gern den Sklaven aus Afrika überlassen. Die kamen hier eh vorbei auf dem Weg in die Neue Welt und da hat man sich gleich mit bedient.

2013 Madeira (129) levada stein

Der verweichlichte Wanderer von heute frohlockt jedenfalls, denn an den hübsch bepflanzten und gepflegten Wegen entlang der Kanäle lässt es sich vorzüglich wandern. Steile Anstiege gibt es fast gar nicht. Nur selten einmal balanciert man auf 50 cm Breite zwischen der Levada und dem Abgrund. Abgründe gibt es genug, daher empfiehlt die örtliche Tourismusbehörde, nicht alleine aufzubrechen und immer eine Trillerpfeife dabei zu haben. Falls man abrutscht und mit gebrochener Hüfte unter einem Felsen begraben liegt, kann man also immer noch vor sich hinträllern und hoffen, dass Jorge, der Landschaftsgärtner, einen auf seinem wöchentlichen Kontrollgang findet…

Das Handy ist leider keine große Hilfe, denn alle EU-Gelder sind bereits in die unheimlich wichtige Autobahn und den Flughafen mit seiner Airbus-A380-kompatiblen Landebahn geflossen. Für ein paar zusätzliche Funkmasten war einfach kein Geld mehr da. Spaß beiseite, in den engen Tälern und Schluchten hat man einfach keinen Empfang, so simpel ist das. Nix mit eben mal per Whatsapp das coole Selfie von sich selbst und der Wildnis posten… hier ist man einfach – allein. Und das ist gut so. Statt der 112 muss man also auf der Pfeife trällern. Aber so schnell verdurstet man ja nicht, die Levadas sind immer gut gefüllt. Manchmal auch mit toten Ratten und Katzen. Aber im Fall der Fälle ist man ja nicht so zimperlich.

2013 Madeira (21) levada wanderweg

Nicht alle Wandertouren führen entlang von Levadas. Wo ein Gebirge ist, und sei es noch so kompakt, gibt es natürlich auch hochalpine Routen. Und die sollte man nicht unterschätzen. Wetter und Berg verhalten sich hochalpin, da kann einen von Nebel, über gefrorenen Boden bis zum Steinschlag einfach alles erwarten. Früher war der Weg durch das Zentralmassiv die kürzeste Verbindung zwischen Nord und Süd. Auf den engen Pfaden wurden sämtliche Güter transportiert, die rüber mussten. Wenn man sich vorstellt, dass kräftige Kerle damals eine 40 Liter fassende Ziegenhaut schleppten und man selbst mit seiner knapp 10 Kg wiegenden Wander-„Handtasche“ schon gut bedient ist, dann wird einem klar, was für eine Plackerei das gewesen sein muss.

Wer auf dem Encumenada-Pass steht, hat die Hälfte des Weges geschafft und sieht den Atlantik sowohl an die Nord- als auch an die Südküste von Madeira donnern. Von hier starten einige Wanderwege und die Straße führt weiter in Richtung der Hochebene Paul de Serra, wo es noch mehr zu entdecken gibt. Wer die Abgeschiedenheit liebt, kann sich hier in die Encumenada Lodge einquartieren, ein modernes Hotel mit allem Komfort. Man ist aber tatsächlich ziemlich am Pobbes der Zivilisation, das sollte einem bewusst sein.

2013 Madeira (47) pico grande ruivo arieiro

Auf den höchsten Berg der Insel, den Pico Ruivo, kann man fast komplett mit dem Auto fahren, was ihm das Spektakuläre auch so ziemlich komplett nimmt. Wer sich den Gipfel lieber selber verdienen möchte, sollte sich eher in Richtung Pico Grande oder Pico do Arieiro orientieren. Nachdem man seinen untermotorisierten Mietwagen im ersten Gang zum Forsthaus kurz hinter der letzten Siedlung geprügelt hat, folgt eine schöne 4 bis 5 stündige Wanderung, deren Highlight die Besteigung des Pico Grande ist. Spektakulär sind ein paar steil abfallende Stellen, wo man sich tunlichst an den (hoffentlich vorhandenen) Stahlseilen einpicken oder zumindest festhalten sollte.

Im Gegensatz zu den Levada-Touren gilt für alle Bergtouren, dass man so früh wie möglich aufbrechen sollte. Ab Mittag schwappen die Wolken gnadenlos über den Gebirgskamm und füllen die Hochtäler bis zum Gipfel mit Nebel. Auch bei meinem „Besteigungsversuch“ war das so. Nur dass ich eben kein Frühaufsteher bin und daher den Versuch kurz vor dem Gipfel abbrechen musste. Hier alleine auf weiter Flur irgendwo in einer Felsspalte zu landen und sich hinterher mit dem Taschenmesser den Arm abschneiden zu müssen… nee, das ist einfach nicht mein Stil. Aber egal, die Aussicht, die man schon bis zur Stelle unterhalb des Gipfels hat, ist phänomenal.

2013 Madeira (12) wandern alpin

Leider gibt es nur wenige Rundwanderwege auf Madeira. Man ist also entweder gezwungen, mit dem Bus zum Startpunkt zurück zu fahren oder man kehrt je nach persönlicher Kondition nach der Hälfte oder 2/3 des Weges wieder um und läuft die selbe Strecke zurück. Die Busverbindungen sind gut, nur leider in den Bergen nicht so häufig. Und da ich vor einigen Jahren einmal fast die letzte Talfahrt einer Seilbahn verpasst habe (nur Dank aktivem Trampen kam ich noch rechtzeitig an), bin ich seitdem ein großer Freund des eigenen Autos vor Ort. Als Alternative bliebe noch das Taxifahren. In jedem Ort stehen die knallgelben Mercedes-Taxen herum, deren Baujahr in eine Zeit fällt, als man das Blech von Autos noch nicht mit dem kleinen Finger eindrücken konnte.

2013 Madeira (103) levada tunnel

Aber was war jetzt eigentlich mit diesem gelben Poncho? Ganz einfach, auf Madeira fließt immer Wasser. Auch ohne Regen gibt es immer das eine oder andere Rinnsal, dass fröhlich über die Levada-Wege träufelt. Aber besonders nach unwetterartigen Regenfällen wie in diesem Jahr werden diese Rinnsale zu respektablen kleinen Wasserfällen. Kurz gesagt, man hat die Wahl, sich auf der Innenseite der Levada um den Wasserstrom herumzudrücken und dabei nass bis auf die Haut zu werden. Oder alternativ den Absturz in die grüne Hölle an der Außenseite der Levada in Kauf zu nehmen und dafür mit trockener Haut zu sterben.

Und als ich so vor diesem verdammten unpassierbaren Wasserfall stand, ging es mir wie Zak McKracken, dem Helden des gleichnamigen unsterblichen Videogames aus den späten 80ern, einem der ersten Point-and-Click Adventures aller Zeiten, der immer ein volles Inventory mit allen möglichen und unmöglichen Gegenständen mit sich herumschleppte, und man nie wusste, wofür man den ganzen Kram eigentlich aufgehoben hatte. Aber eines Tages kam der Zeitpunkt, wo einem dann intuitiv klar wurde, was man tun musste (oder man hatte die Komplettlösung gekauft…):

„<Benutze> Poncho mit <mir selber> und <gehe> durch die Wand aus Wasser!“

2013 Madeira (131) wasserfall levada

Und so kam es, dass ich an diesem Tag das Rätsel meines gelben Plastikponchos lösen konnte und ihn seitdem in einer etwas besser zu erreichenden Tasche meines unergründlichen Inventories aufbewahre. Er wanderte dann auch umgehend auf die Schnellzugriffstaste „F1“.

Gut Essen auf Madeira

Auch wenn die Madeirenser nicht gerade den Ruf haben, Weltküche aufzutischen, so bekommt man hier doch eine leckere Mischung von Fisch- und Fleischgerichten. Es zwingt einen ja niemand, in Funchal um die Mittagszeit den billigsten Touristenteller mit labberigem Schnitzel und Pommes zu essen. Das war jetzt etwas fies, denn selbst die Touristenkost hat hier noch wirklich solide Qualität. Aber es geht auch besser! Und das ist nicht mal unbedingt sehr viel teurer. Folgende Speisen sollte man probiert haben:

Espada (Degenfisch)
Ein ziemlich langer und schmaler, schwarzer Fisch. Er treibt sich in über tausend Metern Wassertiefe herum und wird mit Angeln gefischt. Beim Hochziehen verfärbt sich seine Haut ins Schwarze. Interessant ist, wie hinterlistig er jagt. Normalerweise schwimmt er mit schlängelnden Bewegungen durch die Gegend und genießt die Ruhe der Tiefsee. Doch wenn er Beute wittert, schießt er lang gestreckt wie ein Stock direkt auf sein Opfer zu. Da er so schmal ist, sieht er von vorne nicht sehr bedrohlich aus und kann sich auf diese Weise seine verdutzte Beute schnappen. Der Haken an dieser Theorie ist nur, dass es da unten eigentlich gar kein Licht mehr gibt und das Opfer den Espada sowieso nicht sehen kann… aber egal, es ist ne tolle Story und wenn’s auf Wikipedia steht, muss es einfach stimmen.

2013 Madeira (142) espada degenfisch

Aber jetzt zum Essen. Der Espada wird in Scheiben geschnitten serviert und sieht dann aus wie seine Kollegen Schwertfisch, Marlin oder Thun. In der Pfanne gebraten landet er auf dem Teller wie ein Steak; der einzige Wirbel lässt sich leicht um-essen bzw. einfach herauslösen, so dass man nahezu grätenfreien Fischgenuss erlebt. Auch für Fischverachter ein Versuch, denn fischig schmeckt der Espada nicht.

Espetada (Fleischspieß)
Klingt fast wie der „Espada“, ist aber Rindfleisch am Spieß. Eigentlich nicht sehr spektakulär, eher wie ein in Stücke gehauenes Rumpsteak, das man auf einen Metallstab gespießt hat. Die Art der Darreichung ist hier das Besondere: der Spieß ist etwa einen Meter lang und wird entweder in einem tragbaren Ständer, der aussieht wie eine Halterung für Ofenwerkzeug, serviert. Oder aber der Spieß wird direkt am Tisch eingeklinkt. Manche Tische haben hierfür extra ein Loch in der Mitte, das keinen Sonnenschirm aufnimmt sondern ein vierkant Stahlprofil, in das sich die Spieße direkt einhängen lassen! Fehlt nur noch eine Machete zum Abernten des Spießes, dann käme echtes Gaucho-Feeling auf. Man kann die Fleischstücke aber auch einfach abziehen, ohne ein Massaker zu veranstalten.

2013 Madeira (78) espetada fleisch spiess lorbeer

Besonders gut schmeckt das Fleisch, wenn zwischen den Stücken frische Lorbeerblätter mitgeröstet werden. Das soll wohl ein wenig darüber hinweghelfen, dass der Espetada zu ganz ursprünglichen Zeiten traditionell mit Ästen des Lorbeerbaumes zubereitet wurde. So viel Lorbeerholz hat es hier nicht mehr, daher nun also mit Metallspieß.
Auf das oberste Fleischstück legt man noch einen Batzen Kräuterbutter, der im Laufe des Schlachtfestes über das Fleisch rinnt und am Boden der Vorrichtung eine schmackhafte Blut-Butter-Sauce bildet. Diese lässt sich ganz vorzüglich aufstippen mit…

Bolo de caco (Knoblauchbrot)
Hierbei handelt es sich um sehr weiches, fladenartiges Brot, das einmal horizontal aufgeschnitten wird. Man kann es sich vorstellen wie fluffiges Pizzabrot oder Lángos. Frisch aus dem Ofen und mit ordentlich Knoblauchbutter bestrichen ist es ein Genuß (wie ja eigentlich alles, was frisch aus dem Ofen kommt).

2013 Madeira (76) bolo de caco knoblauchbrot

Milho frito (frittierte Maiswürfel)
Wenn wir schon bei den Beilagen sind, hier also eine weitere. So kreativ wie die Südtiroler sind die Madeiraner zwar nicht, aber auch sie können aus Polenta tolle Sachen herstellen. In diesem Fall handelt es sich um in Fett ausgebackene Würfel oder Stäbchen aus Maismehl, die gern an Stelle von Pommes serviert werden. Sehr empfehlenswert, weil einfach lecker. Die Teile kommen auch nicht so wuchtig rüber wie das alpenländische Polenta. Solche außen knusprig und innen weichen Mais-Pommes habe ich dort jedenfalls noch nicht gesehen.

2013 Madeira (79) milho frito mais polenta

Bolo de Mel (Gewürzkuchen)
Gewürzkuchen gibt es in vielen Ländern. Bei uns läuft er unter „Lebkuchen“, so wie man ihn an rheinischen Sauerbraten gibt, um die leicht süßliche Sauce zu erhalten. Die Franzosen nennen ihn „Pain d’Epice“ und halten ihn im Burgund, rund um Dijon für etwas einzigartiges. Letztendlich ist es ein sehr süßer, nach Lebkuchen schmeckender Kuchen, der noch ein paar Nüsse und Trockenfrüchte enthält. Die Version aus Madeira wird natürlich mit Zuckerrohrsirup gesüßt und es gibt ihn traditionell zur Weihnachtszeit. Er taugt gut als Mitbringsel und hält dank dem hohen Zuckergehalt ewig. Als Dessert und Magenschließer passt er prima zu einem Gläschen Madeira, beispielsweise einem Bual oder Malmsey. Besonders frischen Bolo de Mel gibt es in der Zuckerrohr Fabrik in Calheta, siehe auch den separaten Artikel.

madeira bolo de mel gewürzkuchen

Lapas (Napfschnecken)
Das Highlight zum Schluss, die urtümlichen „Lapas“. Jeder hat diese krustigen Beulen schonmal gesehen, wie sie an den vom Meer umspülten Felsen kleben. Als Kind hatte ich italienischen Männern teils mit Faszination, teils mit Ekel, dabei zugesehen, wie sie die Napfschnecken mit einem Taschenmesser vom Stein gehebelt und gleich an Ort und Stelle ausgeschlürft haben. Jetzt kam ich endlich in den Genuß, diese Arme-Leute-Austern auch einmal zu probieren. Allerdings im gebackenen Zustand, mit reichlich Kräuterbutter und Zitronensaft garniert. Der freundliche Wirt des Café Klenk, wo ich die Woche über gegessen hatte, war so nett, mir eine Portion zuzubereiten. Normalerweise stehen die Lapas nicht auf der Karte. Sie sind etwas gewöhnungsbedürftig, da sie eine knorpelige Konsistenz haben und auch viel Seetang – oder „Seemoos“ – mitbringen. Wer Weinbergschnecken mag, dem werden jedenfalls auch Lapas schmecken. Recht ähnlich im Geschmack sind die kleinen Meeresschnecken namens „Bulot„, wie sie die Franzosen servieren. Und sogar die fette „Conch„-Muschel aus der Karibik ist eigentlich eine Schnecke. Dort gibt es so viele davon, dass man daraus sogar Gulasch macht. Und zwar ein richtig leckeres.

2013 Madeira (122) lobos schnecken
Aber zurück zu den Lapas. Eigentlich müsste man sagen „Bio-Lapas“. Denn im Gegensatz zu Weinbergschnecken müssen Lapas nicht erst über Salz kriechen, um ihren Schleim zu verlieren. Und gezüchtet werden sie auch nicht. Man kommt also in den Genuß von quasi „freilaufenden“, wilden Napfschnecken, die ein garantiert glückliches Napfschneckenleben hatten!

Natürlich gibt es noch eine Menge anderer Köstlichkeiten auf Madeira zu erkunden. Weitere portugiesische Gerichte findet man bei Wikipedia. Oder auch hier und hier.