Maritimes Frankfurt

Auswärtige denken bei Frankfurt immer nur an Banken, Bonzen und Banditen. Aber nicht ohne Grund heißt es Frankfurt “am Main”, da fließt also auch ein mittelgroßes Bächlein hindurch, welches das Thema des heutigen Eintrages ist.

Der Main hat allein schon deswegen eine Existenzberechtigung, um “Hibbdebach” von “Dribbdebach” zu trennen. Damit ist die herzliche Hassliebe der Frankfurter zu ihren Nachbarn, den Offenbachern gemeint, obwohl sich dribbebach auch Sachsenhausen befindet, was ja eindeutig zu Frankfurt gehört.

Seit das Mainufer vor einigen Jahren recht schön hergerichtet wurde, gibt es dort sogar Grasflächen und wenn man relaxt in der Sonne badet und dabei die Augen schließt, kann man sich fast wie an einem Mittelmeerstrand fühlen.

Das kommt zum einen daher, dass die Binnenschiffer eine ordentliche Welle verursachen, die idyllisch gegen die Uferbefestigung klatscht. Und zum anderen verströmt Meral’s Imbiss Boot mediterranes Flair. Er bedient übrigens sowohl die Festlandseite als auch die Fluss-Seite, falls man mit dem eigenen Boot längsseits kommt. Mittlerweile hat er ein neues Döner-Boot, die Geschäfte scheinen also zu laufen. Er ist auch der einzige Türke, der das in Istanbul so beliebte Fladenbrot mit gebratenen Sardellen anbietet. Meinetwegen könnte die Stadt Frankfurt noch viel mehr solcher Boote erlauben. In Bremen an der Schlachte funktioniert das schließlich auch.

Im Sommer sollte man es sich nicht entgehen lassen, einmal entspannt mit dem Fahrrad zur Griesheimer Schleuse im Westen oder zur Staustufe Ost zu radeln. Unterwegs überholt man die Ausflugsdampfer (die drehen hier um) und Binnenschiffer (fahren zurück nach Holland).

Für die Jungs von den Frankfurter Rudervereinen stellen diese Schleusen zunächst einmal das Ende der befahrbaren Welt dar.

Apropos Rudern. Auf dem Main macht das richtig Spass, denn der Fluß strömt weitaus langsamer als der Rhein und es kann sich auch keine besonders große Welle aufbauen, mangels Breite der Wasserfläche. Der Nachteil ist leider, dass die großen Pötte ziemlich nah am Boot vorbeifahren und es wird einem doch etwas anders, wenn man in so einem schaukeligen 8er sitzt und sich nebenan eine schwarze Wand vorbei schiebt…

Wer sich fürs Rudern interessiert, dem kann ich den Verein Rheno Franconia wärmstens empfehlen. Nette Leute, die sich über jedes neue Gesicht freuen. Und obwohl sie eigentlich eine Verbindung sind, ist das ein normaler Verein, der mit den deutschtümelnden Studententraditionen anderer Verbindungen nichts zu tun hat.

Auch in einem Boot und ebenfalls mit Rudern bewaffnet sind die Jungs mit den Drachenbooten. Ok, dafür würden mich die Ruderer jetzt steinigen: sie benutzen natürlich “Riemen” oder “Skulls“, während die Drachenbootruderer “Paddel” verwenden. Soviel Ordnung muss sein. Einmal im Jahr treten verschiedene Drachenboot-Teams gegeneinander an und fahren um die Wette. Wer zuerst die Glocke unter der Brücke zum Leuten bringt, hat gewonnen.

Schaut man einmal in die andere Richtung, nämlich flussaufwärts, so landet man am  Osthafen an der zweiten Schleuse, der Staustufe Ost, die Frankfurt vom Rest des Mains abgrenzt. Man könnte sich zum Beispiel an die Gerbermühle setzen und den Schippern beim Schippern zusehen. Dumm nur, dass der Wind die meiste Zeit dem Flussverlauf durch die Stadt folgt und somit entweder von hinten oder von vorne kommt. Da hilft nur: Rauftuckern und dann mit dem Wind wieder genüssliche abwärts schaukeln.

Warum sich der Osthafen noch eine eigene Wasserfeuerwehr leistet, weiss ich nicht. Aber sie ist nett anzuschauen.

Der Panamakanal hatte aufgrund seiner Abmessungen zur Folge, dass Schiffe weltweit nur noch so breit gebaut wurden, dass sie dort hindurch passten. Das fiel mir ein, als vor einer Weile eines dieser Schweizer Hotelschiffe mitten auf dem Fluss drehte. Wie man sieht, passt das exakt.

Hin und wieder probt das THW die Benutzung seiner kuriosen Boote. Pardon, “Mehrzweckponton” heissen die, sagt Google. Da es sich im Prinzip um zwei eigenständige Boote handelt, die verbunden sind, müssen sie irgendwie koordiniert werden. Genau dafür steht in der Mitte ein Mensch und gibt mit den Armen Signale. Jeder Arm ist einem Boot zugeordnet. So kann er beide gleichzeitig lenken und Kurven koordinieren etc.

Im Rahmen dieser Übung mussten einige Ausflugsdampfer von ihren angestammten Liegeplätzen am Eisernen Steg weichen. Einer war nicht ganz manövrierfähig, und so kam ich in den Genuss, am kleinen Main sogar einmal einen Schlepper im Einsatz zu sehen. Vor langer Zeit musste ich im Rahmen des Sportboot Führerschein Binnen die Lichter und Tagzeichen dieser mysteriösen geschleppten Zugverbände und noch viele andere absonderliche Dinge lernen. Jetzt steht fest: es gibt sie also wirklich.

Fast hätte ich es vergessen, aber Frankfurt hat sogar eine Segelschule und einen Segel-Shop. Nämlich am Westhafen, gleich neben dem idyllischen Kohlekraftwerk. Durch das warme Kühlwasser friert man beim Reinfallen nicht so, das ist ein echter Vorteil. Aber Spass beiseite: das ehemalige Hafenbecken langt allemal, um die praktische Prüfung für den SBF-See und -Binnen abzulegen.

Heute hat dieser Hafen keine Funktion mehr, sämtliche Liegestellen für Boote gehören zu den extremst teuren Neubau-Penthäusern und nahezu alle liegen bracht. Wer nämlich das nötige Kleingeld für solch eine Luxuswohnung aufbringt, der arbeitet in der Regel von morgens bis abends und hat definitiv nichts mehr für ein Boot übrig. Leben am Wasser, ja bitte. Aber für die nötige Atmosphäre mögen dann andere sorgen. Einfach nur eine Schande.

Jedenfalls, sämtliche Theoriekurse werden im Segel-Center durchgeführt und dafür braucht man wirklich kein Gezeitengewässer. Der Besitzer des Ladens ist nett, die Leiterin meines letzten Kurses zum Thema Funken war es auch und ausserdem noch sehr erfahren und kompetent, was will man mehr.

Also, ich muss sagen: Frankfurt ist schon ganz schön maritim.

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Frittiertes Kulturgut

Dass man in Indonesien gern Frittiertes isst (zum Beispiel “Fliegende Fische”), hatte ich früher schon geschrieben. Frittiert wird aber eigentlich alles, was nicht rechtzeitig aus dem Wok hüpfen kann. Es gibt in jeder Stadt mindestens ein Geschäft, wo in einem riesigen Kessel vor der Tür heisses Öl kocht und im Inneren des Ladens die Frittaten abgepackt in Tüten zu kaufen sind. Verschiedene Gemüsesorten, Obst, Nüsse, Reis, Kartoffeln, einfach alles. Die Logik dahinter ist ja auch bestechend: backe es aus in heissem Öl, gib Salz, Zucker und Gewürze über das knusprige Zeug und verkaufe diese Droge zu einem guten Preis! Wohin das führt, erkennt man schnell an Einheimischen, die es sich leisten können: das Volk verfettet.

Genauso halten es die Inder. Das fettige Gift wird hier unter dem Namen “Chivda” verkauft. Der Snack besteht aus in Fett gebratenen Nüssen, Reis (gepuffter, so wie die Kellog’s Rice Krispies), Rosinen und Kokosfleisch. Die Hälfte der Packung ist folglich Öl oder Fett und nach ein paar Happen von diesem Kraftfutter kann man die Beine von sich strecken. Das Dumme ist nur, dass man nicht aufhören kann, diese würzige Mischung in sich hineinzuschaufeln. Es macht wirklich süchtig.

Es ist im Prinzip ähnlich wie das Pemmikan der amerikanischen Indianer, welches allerdings aus Tierfett, Nüssen und anderen haltbaren Kalorienbomben besteht. Damit schafft man es locker durch die Prärie, auch ohne zwischendurch einen Büffel zu erlegen.

Die indischen Indianer dagegen bringen dieses Zeugs liebend gerne mit nach Deutschland, damit sie die ersten Tage etwas zu essen haben. Denn nichts interessiert einen Inder brennender, als die Frage, welche Nahrung ihn ausserhalb der Heimat wohl erwarten mag. Und so kommt es, dass sich meine lieben indischen Kollegen ihre Koffer mit Snacks, Instant-Nudeln und Instant-Coffee füllen, nur um ja nichts unbekanntes im wilden Europa essen zu müssen.

Auch sehr praktisch ist eine konzentrierte Mischung aus gerösteten und dann gemahlenen Erdnüssen, welche mit reichlich Spice versetzt wurde. Mit diesem Pulver und einem Kilo Reis überlebt ein Inder jeglichen Kulturschock. Das Zeug macht übrigens ebenfalls süchtig…

Hier noch ein Rezept für Chivda aus der Region Maharashtra, zum Selbermachen.

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Wien–Frankfurt mit Austrian Airlines

Österreichische Stewardessen lieben ihr Land. Sogar so sehr, dass sie sich konsequent verplappern. Wie beim Abflug aus Wien, als uns die Stewardess einen „Guten Flug nach Wien“ gewünscht hat. Oder später in der Luft, als sie uns „die Flugzeit nach Wien“ durchgegeben hat. Der „Landeanflug auf Wien“ wurde uns dann erspart, da eine Kollegin schnell das Mikro übernommen hat. Tja, das Rockstar-Leben einer Stewardess ist echt hart: heute Wien, morgen Wien, übermorgen Wien. Und zurück. Und dann nochmal zurück, und nocheinmal…

Den Weg von Frankfurt nach Österreich verbringt man ja als Reisender die längste Zeit auf Schusters Rappen und im Shuttle-Bus. Wenn man in Frankfurt die lange Strecke bis ganz ans Ende aller Gates im Terminal A gelaufen ist, fühlt man sich schon fast wie im Urlaub und wähnt sich auf der Höhe von Nürnberg. Hat man dann noch den Bus Transfer in den hintersten Winkel des Flugfeldes überstanden, ist man gedanklich schon mindestens in München. Warum man von dort anschließend noch eine Stunde fliegen muss, bleibt rätselhaft.

Oft kommt es vor, dass ich auf der Heimfahrt vom Flughafen mit dem Taxi für einen Journalisten der FAZ gehalten werde. Liegt wohl an der Adresse, denn die FAZ ist mein Nachbar. So kommt es, dass ich hin und wieder einmal unter dem Pseudonym „Herr Dollase“ reise, allein schon um meinen Hang zur Arroganz ausleben zu können…

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Ein Schnitzel in Wien

In Wien fand 1996 die Abschlussfahrt meiner Schulklasse statt. Damals mussten wir in einer Jugendherberge vom Kolpingwerk übernachten und solche Dinge wie „Senfeier“ essen. Mittlerweile bin ich doppelt so alt und darf selbst entscheiden, was ich essen will. Was liegt also näher, als in Wien in ein Schnitzelhaus zu gehen und Wiener Schnitzel zu essen?

Als Berufsreisender muss man sich auf das Wesentliche konzentrieren und deshalb ließ ich alle „K&K Cafés“ mit ihren braunen Vierspännern links liegen und ging lieber gleich auf die Suche nach was Originellem. Was Fleischigem. In diesem Fall war es so, dass ich kaum meinen Fuß in den “Schnitzelwirt Zeiner” in der Neubaustraße setzen musste, um gleich gefragt zu werden „Wos mogst?“. Noch bevor ich saß, war die Bestellung „Ein Schnitzel“ schon draußen. Was die Mutti dann keine 5 Minuten später brachte, waren zwei Lappen paniertes Fleisch, die locker ihre 500 Gramm auf die Waage brachten. So richtig „Wiener Schnitzel“ war es eigentlich nicht, denn es war vom Schwein und nicht vom Kalb und hat ausserdem nur 6,50 gekostet. Ich hatte es ja auch nicht ausdrücklich bestellt. Aber es war knusprig und frisch aus dem Fett gezogen, was will man mehr. Wie es sich herausstellte, war das nur die kleine Portion. Denn die Typen vom Nachbartisch hatten im Vergleich dazu wahre Berge auf ihrem Teller liegen. Einfach unschaffbar.

Mit diesem Fleisch/Fettgemisch im Bauch machte ich mich am nächsten Morgen dann ohne Frühstück auf zum Kunden, der glücklicherweise direkt neben dem großen Wiener Krankenhaus logierte. Im Falle eines Magendurchbruchs wäre ich also gut versorgt gewesen.

Hier noch das Rezept von Sarah Wiener für Wiener Schnitzel, die kann das.

Auch der Taunus hat ein dank RTL mittlerweile überregional berühmtes Schnitzelhaus, nämlich den Waldgeist in Hofheim. Hier werden dann auch leckere Fress-Wettbewerbe ausgetragen. Ziel ist es, den megafetten Moderator “Jumbo” sattzukriegen. Auch Normalsterbliche können dort Wettbewerbe ausüben, natürlich wer das meiste Fleisch in sich reinstopfen kann und so. Da vergeht es einem wirklich.

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Frankfurter Tatort im Gallus – Episode 2

Heute ging der Tatort weiter. Bin abends auf der Parkplatzsuche wieder fast in Herrn Król gefahren, als er sich aus seinem warmen Wohnwagen ans Set begeben hat. Die beiden Hauptdarsteller haben eigens eine Dienerin, welche ihnen den Mantel bzw. die blaue Fleecejacke reicht, sobald es frisch wird. Soll ja keiner behaupten, der HR hätte kein Geld.

So ein Filmset besteht aus vielen rätselhaften Dingen, die dem Amateur komisch vorkommen. Ich wüsste z.B. gern, warum sie mit einem Scheinwerfer auf einem Kran in die Wohnung des Nachbarhauses gestrahlt haben.

Oder warum sie meinen Hinterhof mit Flutlicht erhellen… ist vielleicht eine Tagszene, die abends gedreht wird. Bis 2 Uhr nachts durfte ich im Licht der Suchscheinwerfer schlafen – so muss sich ein Bomberpilot beim Anflug auf Frankfurt gefühlt haben. Merkwürdig nur, warum die Szene mit dem ankommenden Auto dann im Dunklen spielt. Während der 45 Minuten, die ich mich zum Gucken dazugestellt hatte, haben sie immerhin einen Probedurchgang und 6 Klappen (Wiederholungen) der Ankomm-Szene gedreht.

Frau Kunzendorf fährt schon einen scharfen Zahn, davon können die Felgen und der Bordsteinrand ein Lied singen. Der Regisseur war trotzdem nie zufrieden, immer kommt ihm was dazwischen: Fußgänger tauchen auf (“…Alder, is wohl Kino, hä?!”), Autos wollen durch, Herr Król läuft zu schnell, Herr Król läuft zu langsam, der Ton läuft nicht… Schließlich ist die Szene dann im Kasten.

Wenn man das so betrachtet, dann sind Schauspieler wirklich nicht zu beneiden. Die meiste Zeit müssen sie auf irgendwas oder irgendjemanden warten. Dann ein paar Sekunden Einsatz, zwei bis drei Sätze aufsagen und schon ist wieder Kaffeepause. Die gesamte Szene dauerte vielleicht 30 Sekunden: Auto parken, aussteigen, an Tür klingeln, aufsagen “Hier ist nochmal die Kripo wir hätten da noch ein paar Fragen dürfen wir reinkommen”. Feddich.

Zwei Tage später, am Samstag, ist mir Herr Król dann schon wieder begegnet und beinahe ins Fahrrad gelaufen. Da war er aber privat und undercover unterwegs beim Shopping auf der Zeil. Mit grauem Stoppelbart und langem Mantel, hab ihn aber trotzdem erkannt. Zwischen uns muss ein unsichtbares Band bestehen, soviel ist sicher. Herr Król, fühlen Sie das auch?

Also dann: Klappe, und… BITTE!

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Frankfurter Tatort im Gallus – Episode 1

Seit ein paar Tagen werden vor meiner Haustür die meisten Parkplätze durch Parkverbot-Schilder gesperrt. Bei den genannten abstrusen Zeiten (5:30 bis 19:00 Uhr) hatte ich schon überlegt, wozu das gut sein soll. Gestern morgen aber standen sie dann alle da: die blauen Einsatzwagen der Flotte vom Hessischen Rundfunk. Als verlässliche Informationsquelle darüber was denn hier so abgeht, diente mir die Inhaberin des 24/7 Kiosks an der Ecke Hellerhofstrasse/Kölner Strasse: “Ei, Dadort! Des geht de ganze Dach.”.

Schon letztes Jahr wurde hier (also: wirklich exakt hier) irgendein Studentenfilm gedreht. Mit Action-Szenen, von Treppen runter rollen und so weiter. Jetzt also ein Tatort mit den beiden neuen Kommissaren Joachim Król und Nina Kunzendorf. Scheinbar sind diese flachen Werkstattdächer in meinem Hinterhof prima dazu geeignet, Verfolgungsjagden zu drehen. Ein afrikanischer Autoschieberhandel ist dort auch ansässig, vielleicht spielt die Handlung ja in diesem Milliö. Jetzt ist der Tatort jedenfalls schon wieder hier und sorgt dafür, dass die Hälfte sämtlicher Anwohnerparkplätze belegt ist. Schließlich braucht ja jedes Popelsternchen seinen eigenen Wohnwagen, um in den Drehpausen zu relaxen. Obwohl ich selbst auf dem Rückweg vom Kiosk (wo ich regelmäßig DHL-Lieferungen abhole) mit stolz geschwellter Brust an den abends noch anwesenden Fernsehleuten vorbei ging, wurde ich nicht für eine Nebenrolle gecastet.

15 Minuten Ruhm hatte ich zum Glück schon damals in der Sendung Late Lounge mit Roberto Cappelluti gehabt, als der HR noch die Eier hatte, eine gute Nachtsendung zu produzieren. Gemeinsam mit einer Kommilitonin gehörte ich zum “internationalen Spitzenpublikum” von 15 Personen und durfte sogar gegen Tarek Al-Wazir (Grünen Politiker) mit verbundenen Augen Bälle werfen. Glorioser Auftritt also. Die Sendung “Late Lounge” (“preisgünstigste Sendung im Deutschen Fernsehen”) wurde dann aus kostengründen(!) vom HR eingestampft. Was Dauergast Michi Herl dazu sagt (“so ein Schnarchsender”), steht hier. Er hat vollkommen Recht, denn den HR kann man heutzutage nur noch als Freund der Volksmusik genießen, es ist eine Schande. Herl wurde dann auch gleich dafür vom Hässlichen Rundfunk gefeuert. Irgendwann ist er mal in der frankfurter Innenstadt auf dem Fahrrad an mir vorbei geeiert, hat mich aber komischerweise nicht mehr erkannt.

Zurück an den Tatort. Infos zur Sendung gibt’s in diesem Blog. Wer allerdings die “echten” frankfurter Tatorte der Vergangenheit besichtigen will, kann hier eine Führung mitmachen.

In diesem Sinne mache ich jetzt Schluss… war spät gestern.

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Gruß aus der Küche: Hähnchen Bourguignon

Boeuf Bourguignon kennt ja nun fast jeder, aber was heute auf dem Menü steht, heißt “Vollaille Bourguignon” also “Hühnchen wie man’s im Burgund macht”. Und dafür braucht man folgendes:

  • 2 ganze Hühnernschenkel oder einige Unterschenkel
  • 2 Birnen (hart)
  • Echalotten oder Zwiebeln
  • Pain d´épice (Gewürzbrot, notfalls dieses kastenförmige Lebkuchenzeugs für Rheinischen Sauerbraten)
  • Weißwein (Aligoté oder ein anderer trockener Weißwein)
  • Crème de Cassis
  • Milch
  • Butter
  • Senf aus Dijon
  • 1 ausgepresste Orange

Wie es der Zufall so wollte, hatte ich damals ein Semester (oder vielmehr ein halbes Jahr) als Austausch-Student in Dijon verbracht. Dijon ist Hauptstadt der Bourgogne und einmal im Jahr zur Herbsteszeit gibt es dort eine große Messe zum Thema “Schlemmen was das Zeug hält”. Die heißt natürlich anders, hab ich aber vergessen. Da es spannender ist, einem französischen Koch über die Schultern zu gucken als französischen Vorlesungen zum Thema “Indexieren und Thesaurus” zu folgen, bin ich kurzerhand aufs Messegelände gefahren und habe mir die dort ausgestellten Leckereien reingezogen und den Show-Köchen zugeschaut. Eines der Rezepte hat es in mein persönliches Kochbuch geschafft und soll heute nachgekocht werden.

Zunächst mal salzt und pfeffert man die Hühnerteile ordentlich und brät sie dann scharf an. Anschließend ist es sinnvoll, sie bei 180° in den Backofen zu verfrachten. Dort stören sie nicht und können einfach weiter garen und knusprig werden. Eigentlich kann man sie auch gleich in den Ofen legen…

Falls Beilage geplant ist, könnte man jetzt anfangen, sie zuzubereiten. Meine Rosenköhlchen hab ich flott in etwas Wasser im Topf aufgesetzt, dann noch gewürzt mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss und noch etwas Schmalz dazugegeben. Nach einer Weile einfach die Platte ausmachen und ziehen lassen. Wird optimal.

Die meiste Zeit geht für die Sauce drauf, und das liegt an den vielen Zutaten. Es ist ratsam, von allen Bratvorgängen immer den austretenden Fond aufzufangen. Später kippt man das alles zusammen und hat eine prima Sauce. Aber Schritt für Schritt.

Erstmal werden die Schlotten (oder Zwiebeln, dann in Würfeln) in der Pfanne angebraten. Eine Knobizehe noch reingedrückt und schon steht das Grundaroma. In eine Schüssel geben. Dann werden die Birnenhälften in einer Zucker-Zimt Mischung gewälzt und anschließend langsam in Butter angebraten. Nicht zu hoch drehen – 1/3 Power langt, denn sonst verbrennt die Butter. Parallel kann schon mal die Sauce angesetzt werden. Hierfür sämtliche Säfte bis jetzt in einem kleinen Topf vermischen und broddeln lassen. Zwiebeln und Knofi rein. Ordentlich vom Weißwein dazu und auch eine ausgepresste Orange kann nicht schaden.

Das mit dem Gewürzbrot ist so eine Sache: wahrscheinlich hat man das gerade nicht vorrätig, falls nicht zufällig jemand aus Dijon vorbeischaut und es mitbringt. Deshalb tut es auch der in Scheiben geschnittene Kastenlebkuchen, wie er fast rund ums Jahr beim REWE im Regal liegt. In meinem Fall musste ich traurigerweise auf den genialen italienischen Panettone zurückgreifen, da partout kein anderer lebkuchenartiger Kuchen aufzutreiben war. Egal was, dieses Zeug muss jedenfalls ordentlich in Milch getränkt und anschließend angebraten werden. Beiseite stellen. Krümel davon sind zum Andicken der Sauce zu nehmen, ansonsten einen Teelöffel Mehl rein, aufkochen lassen und dabei ordentlich Aufschlagen.

Finalemente muss alles nur noch drapiert und garniert werden: Lebkuchenscheiben mit Birne obenauf (oder nebendran), Hühnchen mit Sauce und Beilage daneben. Fertig ist die burgundische Küche.

Das beste am Kochen mit alkoholischen Zutaten ist natürlich der kontinuierliche Genuß derselben… in diesem Fall selbstredend ein Kir oder – falls man Schampus zur Hand hätte – sogar Kir Royal. Dazu wird einfach ein Schuss des Cassis mit einem noch etwas größeren Schuss Wein oder Champagner gemischt.

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Gruß aus der Küche: Ode an den Kreuzkümmel

Warum Kreuzkümmel? Dieses Gewürz polarisiert. Ist es frisch, riecht es fast schon nach Zitrusnoten, ist es alt, erinnert es an Achselschweiß. Hier mal ein Beispiel, was damit alles geht:

Gebratener Fisch mit Grünkohl und Bratkartoffeln

Zunächst wird das Fischfilet in Milch eingelegt. Milch alleine ist öde, also kann man das noch mit asiatischer Fischsauce und Ketjap Manis abrunden. Die Milch mariniert das Fleisch und der darin enthaltene Milchzucker karamelisiert gemeinsam mit dem süßen Ketjap Manis ganz wunderbar in der Pfanne. Die Fischsauce gibt Geschmack und Salz.

Den Grünkohl kann man zum Glück tiefgefroren kaufen. Das spart einem das Waschen, Abribbeln, Kleinschneiden und Kochen. Eine Mordsarbeit, die ich mir nur ein einziges Mal angetan habe, als ich für kurze Zeit im Mutterland des Grünkohls gewohnt habe (Bremen). Da der Kohl recht lange gart, brät man zunächst gewürfelte Zwiebeln und Speck im Topf glasig und füllt das ganze mit einer Tasse Brühe auf. TK-Kohl rein und auf niedriger Hitze Blubbern lassen.

Bis jetzt war noch kein einziges Mal die Rede vom Kreukümmel, aber das kommt gleich. Doch zunächst werden die Bratkartoffeln in der Edelstahl-Pfanne vorbereitet. Das Geheimnis liegt hierbei darin, die Hitze nicht zu hoch zu stellen. Bei 30% Leistung braten die Kartoffeln hervorragend an und lassen sich dann leicht vom Pfannenboden lösen. Gegen Ende kommt Speck dazu.

Jetzt aber zum Kreuzkümmel, oder “Cumin”, wie die Engländer und Inder sagen. Eine Prise wirft man direkt über die Kartoffeln, es darf auch ruhig etwas Chilli mit dazu. Es sollte nur nicht stundenlang rösten, denn das bringt aromatisch gesehen nix mehr.

Gegen Ende der Garzeit von Kartoffeln und Grünkohl findet der eingelegte Fisch seinen Weg in die Pfanne. Hierbei auf jeden Fall eine beschichtete Pfanne nehmen, denn das Filet zerhaut es schnell in Stücke, wenn es irgendwo anklebt. In ausreichend Butter und auch wieder bei 1/3 Hitze brutzelt der Fisch ganz fidel vor sich hin und die Butter kann nicht verbrennen. Währenddessen kann man etwas gehackten Ingwer und Chillis hinzufügen. Obenauf streut man nun zerstoßenen Kreuzkümmel und Koriandersamen, in etwa die selbe Menge jeweils.

Fertig ist das ganze, wenn der Grünkohl mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt ist und die Kartoffeln knusprig sind. Alles auf einen Teller und voilà, fertig ist die Ostsee-Asia-Platte. Das Hansa-Pils ist fakultativ.

Weitere Details zum Kreuzkümmel finden sich hier. Er ist wirklich in fast allen Aggregatzuständen genießbar, egal ob am Stück, gestoßen oder gemahlen. Er gehört zusammen mit Koriander zur Basis eines jeden Curries. In der richtigen Mischung sticht er nicht hervor, sondern verbindet sich mit den übrigen Gewürzen zu einem harmonischen aber intensiven Aroma. Er ist außerdem wichtiger Bestandteil von Garam Masala, welches aber Dank der “Weihnachtsgewürze” noch exotischer schmeckt und den Rahmen dieses Fischgerichts sprengen würde.
Hin und wieder findet man noch den schlauen Hinweis in Rezepten, dass man Kreuzkümmel auch mit “normalem” Kümmel ersetzen kann. Das ist Unfug, es sind zwei völlig verschiedene Gewürze. Genausowenig kann man Basilikum durch Petersilie oder Kaffirlimettenblätter durch Minze ersetzen.

Und gleich nochwas für Morgen über…

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Gruß aus der Küche: Linsen Dal

Ein Dal ist ein indisches Linsengericht. Es müssen also Linsen rein, mehr Vorschriften gibt es nicht. Anstatt Lorbeerblättern, Muskatnuss und Pertersilie wie wir Deutschen das machen, hauen die Inder natürlich ihr gesammeltes Gewürzemagazin in die Pfanne. Und das geht so:

Zutaten

  • 1 Tasse Linsen (rot oder gelb, halbiert oder ganz)
  • 1 TL je Salz und Zucker
  • 1 TL Kurkumapulver
  • Frische Chillischoten nach Geschmack
  • Rote getrocknete Chillis (die großen) nach Geschmack
  • Ingwer 2 cm
  • 1 TL jeweils Samen von Koriander und Kreuzkümmel
  • 1/2 TL jeweils Samen von Fenchel, Bockshornklee und Senf
  • Ein paar Curry Blätter
  • 2 Knoblauchzehen
  • Koriander, frisch zum Garnieren

Man merkt schon, da ist so einiges drin. Macht aber nichts, denn die Linsen brauchen viel Geschmack, das ist wie mit Kartoffeln oder Erbsen. Wer schon mal ein professionelles Dal gegessen hat, der weiss, dass man eigentlich nichts anderes mehr braucht. Nie wieder. Es ist Geschmack und Aroma in einem, einfach die geballte Power aus tausend Jahren indischer Gewürzemischkunst.

Die Linsen werden ein paar mal gewaschen, man sagt: bis das Wasser klar ist, wie beim Reis. Egal, die Linsen quellen währenddessen schon mal etwas. Dann einfach ins kochende Salz-Zucker-Wasser rein und etwas broddeln lassen. Den Kurkuma dazu und die Temperatur reduzieren.

Währenddessen oder schon vorher in aller Ruhe alle Gewürze in der Kaffemühle mahlen und mit etwas Öl in der Pfanne rösten. Wenn man gerade nicht alle Gewürze da hat, was wohl bei den meisten Nicht-so-oft-indisch-Kochern der Fall sein dürfte, dann darf man auch was weglassen. Ansonsten einfach mal den Hintern in den nächsten Indien-Shop bewegen und für billig Geld die beim Rewe zehnmal so teuren Gewürze holen. Nach den Gewürzen kommt der Knoblauch dazu, die Darrreichungsart ist hier mal wurscht, es zieht eh alles ne ganze Weile durch. Die Zehen zerdrücken tut es vollkommen. Der Ingwer und die eben geröstete Mischung wird nun über die Linsen gegeben. Ebenso wirft man jetzt alle Chillis rein und was sonst noch so in Reichweite ist (na, die Curry-Blätter und die getrockneten Chillis).

Zwischendurch ist Probieren erlaubt und auch ratsam, denn gerade der Salzgehalt ist in so einem Gericht nicht wirklich abzuschätzen. Also einfach abschließend abschmecken und darauf achten, dass die Linsen weder zu hart noch komplette Matsche sind. Sämig soll es sein. Fertig, Koriander hacken und zum Garnieren drübergeben. Und ab auf den Suppenteller damit…!

Übrigens: wovon der Dippegucker am meisten schwärmt, das ist, wenn es wieder aufgewärmt. Also gleich mal ne Portion mehr machen, das Zeug kann über Nacht nur noch mehr an Geschmack gewinnen.

Da der Dippegucker außerdem kein Dal als ausschließliches Hauptgericht isst, gibt es hier noch ein Beispielmenü, wozu das Dal seinen Teil beiträgt:

  • Erstmal ein paar Jakobsmuscheln in der Grillpfanne anbraten. Dabei immer wieder mit einer Olivenöl-Salz-Knobi Mischung einpinseln. Wird saugeil und diese Mixtur kann im Sommer natürlich auch beim “echten” Grillen verwendet werden.
  • Danach ein paar Koteletts von der Iberico Sau in die Grillpfanne hauen. Dieses Fleisch ist hervorragend – es riecht schon im rohen Zustand fast wie der klassische spanische Schinken. Gebraten bleibt es dank des dicken Fettanteils super saftig. Nicht meckern, das ist natürlich nix für annorexic chicks, das Fett trägt den Geschmack dafür in neue Dimensionen, besonders im gebratenen Zustand. Dummerweise ist die auch sauteuer, die Sau. Also eher ein Feiertagsvergnügen.

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Die “Gute Stute” im Gallus

Jetzt wohne ich doch schon seit ein paar Jährchen hier im frankfurter Gallusviertel, war aber noch nie in der “Guten Stute” gewesen. Die Stute ist ein klassisches Bierlokal, Raucherkneipe, Pils-Stube oder wie man das eben nennt, wenn es nichts anderes als Bier gibt (stimmt nicht ganz, aber Cocktails schlürfen sollte man woanders). Eine Karte gibt’s deswegen auch gleich keine. Nachdem man sich ein Plätzchen im überschaubaren Inneren des Ladens gesucht hat, bietet einem der Ivo gleich seine hausmacher Spezialität an: frisch gezapftes Bier mit optimaler Schaumkrone! Dazu Erdnuss-Flipps für umsonst und schon kann der Abend gemütlich werden.

Hin und wieder gibt es laut Programm auch Musik von einem DJ. Wo der dann stehen soll ist mir zwar rätselhaft, aber es wird sich schon irgendwo eine Ecke für ihn finden. Ungefähr ein Drittel des knappen Raums wird übrigens von einem lebensgroßen ausgestopften Pferd belegt, das einen wiehernd begrüßt sobald man zur Tür herein kommt.
In klassischer Balkantradition gibt es nach dem Zahlen noch ein Slivovitz auf’s Haus und schon kann man die 100 Meter nach Hause wie auf Wolken zurücklegen.

In diesem Sinne: “Habt ihr kein Zu Hause?!”

Gute Stute
Kölner Str. 42
60327 Frankfurt am Main
http://www.gute-stute.com

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Maggi Kochstudio und Shop in Frankfurt

Wenn es einen Tempel für die Anbeter von Tütensuppe gibt, dann liegt dieser in Frankfurt, gleich neben der Zeil. Tatsächlich scheint es Jünger zu geben, die so dermaßen unwissend und mit geschlossenen Augen durch die Welt rennen, dass sie auf dem Weg zum Maggi Kochstudio sämtliche Leckereien links liegen lassen. Als da wären: die Kleinmarkthalle (gleich gegenüber), den Metzger Heininger mit der besten Bratwurst der Stadt (5 Meter links), Brezel Benno (nochmal 50 Meter links) und selbst Burger King (alle 100 Meter überall).

Prinzipiell kann man es als den Gipfel der Frechheit ansehen, aber Maggi verfährt genau so: im Shop kann man sich das Tütengericht seiner Wahl aussuchen und hat wenige Sekunden später – solange wie der Wasserkocher eben braucht – eine schmackhafte Mahlzeit auf dem Teller. Die Menschen an den Tischen wirken gar nicht mal so unzufrieden, in den Gesichtern kann man erkennen, dass ihnen ein heißer Aufguss aus Salz und Geschmacksverstärker als Mittagessen vollkommen ausreicht. Statt 0,49 Euro pro Tüte legen sie dann auch gut und gerne das Zehnfache auf den Tisch, denn mal ehrlich: wer hat schon Zeit und Lust, sich zu Hause eine aufwändige Tütenmahlzeit zuzubereiten? Natürlich niemand, und daher empfinden es diese Menschen auch als legitim, wenn ihnen für ein paar Löffel heißem Hefeextrakt der Preis für zwei Currywürste abgeknöpft wird.

Doch was ist das?! Bevor mich der Brechreiz übermannte und ich den Laden überstürzt verlassen musste, fiel mir noch ein marketingtechnisch vor dem Ausgang äußerst geschickt platziertes Fläschchen mit einem zauberhaften Extrakt ins Auge: Maggi Sauce… aber mit Chilli. Es führte kein Weg vorbei, auch ich musste meinem inneren Schweinehund die Flosse reichen und mir eingestehen, dass sich dieser schwarze Zaubertrunk hervorragend auf hart gekochten Eiern machen würde. Und da gekochte Eier meine Leib und Magen Speise sind und ich sie für gewöhnlich mit diversen scharfen Saucen als Mitternachtssnack verspeise, traf dieses Produkt genau meinen Nerv.

Der Geschmackstest in aller Kürze: salzig, umami, leicht scharf. Etwas weniger scharf als Tabasco. Von mir aus dürfte es noch schärfer sein, denn um die gewünschte Schärfe mit dieser Sauce zu spüren, müsste man zunächst mal den Salz-Schock überleben. Von daher ist Überschärfen ausgeschlossen.

Ach ja: passt auch gut auf Spiegelei. Und Omelette.

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Thomas Cook und HRS spendieren mir einen Luxusurlaub

Das mit dem Luxus hab ich jetzt mal frei erfunden, wäre aber durchaus angemessen bei der unschlagbaren Qualität meiner Artikel…
Was steckt dahinter: sowohl Thomas Cook als auch HRS (die mit den Hotels) freuen sich ungemein, wenn sie von möglichst vielen Webseiten verlinkt werden. Google und andere Suchmaschinen registrieren diese Links sowie den Kontext, in dem sie stehen und positionieren die verlinkte Seite bei ausreichend vielen Verweisen im oberen Bereich der Suchergebnisse. Damit das so bleibt, sind clevere Marketingagenturen rund um die Uhr damit beschäftigt, Links zu erzeugen. Manche dieser Links können sie offiziell kaufen, das sind dann z.B. Werbebanner oder Google-Textanzeigen. Andere können sie dagegen nicht kaufen, wie z.B. Links in privaten Blogs. Eigentlich.

So irgendwie hintenrum und indirekt kann man sich natürlich trotzdem Links in vielen Reiseblogs kaufen (so wie meiner eines ist). Vielleicht fließt kein Geld, aber es können ja auch Gutscheine für ein Doppelzimmer in Berlin oder der potentielle Gewinn einer Fernreise in Aussicht gestellt werden. Das ist nicht wirklich anrüchig – Menschen bezahlen sogar bares Geld für ein Reisemagazin, das fast ausschließlich aus Werbung besteht. Dennoch – liest man den Namen eines großen Reiseveranstalters in einem privaten Blog, so findet das nicht nur Google wesentlich wertvoller, um den Pagerank zu verbessern. Auch den meisten Lesern ist nicht bewusst, dass sie gerade Werbung betrachten und daher konsumieren sie diese Breitseite des Marketings mit einem guten Gefühl.

Mir wurde also angeboten, einen Artikel zu schreiben, der die zwei folgenden Links enthalten muss:

Das wäre nun hiermit geschehen. Nur den Werbetext, den ich mir originellerweise selbst aus den Fingern saugen sollte, spare ich mir an dieser Stelle einzufügen. Somit schwindet wohl leider auch die Hoffnung auf einen Luxusurlaub. Nach allem, was mir jetzt tatsächlich aus den Fingern geflossen ist, sind meine Chancen etwas zu gewinnen wohl auch nicht mehr ganz so hoch.

Abschließend noch drei Beispiele für Blogger, die sich richtig verhalten haben (jedenfalls aus Sicht der Marketingabteilung):

  • NIEDblog.de – quasi ein Kollege aus dem frankfurter Raum, der seine Leser “mit neuen Perspektiven überraschen” möchte und “schonungslos und hautnah” seine Eindrücke vermitteln will. Wow. Bringt Werbung sogar im Navigationsbereich seines Blogs unter.
  • Cinny – aus Marzahn, äh, Bayern. Bekommt Produktproben, testet sie und schreibt darüber. Möchte ansonsten den Hotelgutschein für Frankfurt gewinnen. Wenn’s weiter nichts ist: mein Sofa ist auf couchsurfing.org registriert…
  • Barbaras Reisen – wirbt peinlicherweise mit einem “Ad Free Blog”. Schreibt ansonsten recht nüchtern und sachlich über ihre vielen Reisen. Hat exakt schon 27% der Welt bereist.
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OMKAFE vom Gardasee

Wenn ich an den Gardasee zum Wandern fahre und dort in einer meist ziemlich preiswerten Unterkunft wohne, dann gehört es einfach dazu, beim Frühstück diesen leicht verbrannten, nussig schmeckenden Filterkaffee zu trinken. Deutscher Kannen-Kaffee kann dagegen nur abstinken, denn der hat einfach keinen Charakter. Über Filterkaffee wollte ich jetzt gar nicht schreiben, sondern eigentlich über die am Gardasee – genauer gesagt in Arco (ehemals Riva) – ansässige Bohnenrösterei namens OMKAFE.

Im großen und modernen Röst-, Büro- und Verkaufsgebäude von OMKAFE kann man zum einen so einiges Besichtigen. Und zum anderen kann man dort leckere Spezialitäten kaufen. Von dort habe ich mir zwei Päckchen Kaffee (scusate, wolle schreibe “cafè”) mitgebracht: einen für Mokka Kannen und einen für Siebträger Espresso Maschinen. Welche Bohnensorte genau enthalten ist, erfährt man schändlicherweise nicht. Es ist eben ein “blend”, also kann es alles Mögliche sein.

Ich muss sagen – so richtig begeistert hat mich der Mokka jetzt nicht. Er ist etwas dünn im Geschmack, doch gleichzeitig besitzt er eine den Mund zusammenziehende Bitternis. Ob man wohl mehr Pulver als üblich nehmen sollte für mehr Geschmack? Oder weniger, für weniger Bitter? Werde das demnächst ausprobieren, habe aber keine große Hoffnung. Ob es die andere Sorte, die Espresso Mischung wieder herausreißen kann? Auch das wird sich demnächst zeigen. Oder sollte es schlicht und einfach daran liegen, dass italienischer Cafè nach Italien gehört, und nicht ins verregnete Deutschland?

Die weltberühmten schnellen “Riva”-Motorboote, in welchen Gunter Sachs und Brigitte Bardot in den wilden 50er herumgeknutscht haben, kommen übrigens nicht aus Riva, sondern vom nahe gelegenen Lago d’Iseo. Nur mal so zum Klugscheißen.

Und eben finde ich noch einen netten Bericht zu einem Besuch vor Ort bei OMKAFE. Hm. Als ich selbst dort war, mussten die beiden Verkäuferinnen zwar erst mit Gewalt dazu aufgefordert werden, mich bezahlen zu lassen, aber das kann ja auch tagesformabhängig gewesen sein…

Nachtrag:
Der Espresso hat es leider auch nicht rausgerissen. Ist genauso bitter, nur kräftiger im Geschmack. Das restliche Mokkapulver hat sich schließlich in der Mülltonne prächtig als Geruchsabsorber für Küchenabfälle bewährt.

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Was die Nordlichter so essen

Wenn der Segelkurs in Kühlungsborn abends endlich rum ist, steht die wichtigste Entscheidung des Tages an: in welches Restaurant gehe ich heute? Zur Auswahl stehen diverse Fischkneipen und Segler-Kaschemmen – genau was ich brauche.

Zum Harten Törn
Hier hab ich lecker Labskaus und Grünkohl mit Schweinebauch gegessen. Beim Labskaus handelt es sich um eine Pampe aus Kartoffelbrei mit Corned Beef und Roter Beete sowie anbei einem Matjes mit Zwiebeln. Oben drauf noch ein gebackenes Ei und schon ist Surf ‘n Turf à la Ostsee fertig. Ich mag ja Kontraste. Bei anderen dürfte das latenten Brechreiz auslösen.

Grünkohl mit Schwein ist soweit nichts Besonderes, das gibt es in Variationen auch in Hessen bis runter nach Bayern. Bei uns heißt das halt “Haspel” mit Sauerkraut und bei den Bayern ist es ne “Hax’n” mit Kraut, alles das gleiche. Schlachtplatte eben. Nur der Grünkohl wird hier oben doch häufiger gegessen, das hatte ich schon während meiner Bremer Zeit entdeckt. Im Original gehört dazu natürlich “Pinkel”, was nichts Unanständiges ist, sondern eine Mettwurst mit geschrotetem Hafer, den man als Grütze auch an den Kohl gibt, um die Flüssigkeit zu binden.

Fisch Hus
Dieser Pavillion-artige Laden ist spezialisiert auf Fisch und es war tatsächlich jedes Mal lecker. Großartige Varianten darf man allerdings nicht erwarten. Der Fisch wird halt in die Pann gehauen, in Butter gebraten und dazu gibt es dann Bratkartoffeln. Meine Buttermakrele war prima, nur der orangefarbene Dünnpfiff vom vielen Fett am nächsten Tag war doch aussergewöhnlich unangenehm.

Café unterm Leuchtturm
Genaugenommen Valetins Café, wie es richtig heißt. Da der Leuchtturm nur 10 Minuten von meiner Pension entfernt lag, bin ich dort auch bei horizontalem Regen und Sturm noch hingetigert, um einen Sanddorn Grog zu trinken. Vom Tisch aus hat man einen prima Blick auf die Ostsee, welche an dieser Stelle in die Wismarer Bucht einbiegt. Genau dort fanden auch einige der Kartenaufgaben zum Sportbootführerschein See statt. Dass der Leuchtturm eine Kennung mit Blinklicht (2,1 Sekunden), Gruppe 4 mit den Farben weiß und rot hat, spielt an dieser Stelle allerdings überhaupt keine Rolle und sei bloß erwähnt, um unnützes gelerntes Wissen wieder loszuwerden…

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Sportbootführerschein See in Kühlungsborn

Zu Studentenzeiten hatte ich einmal den Sportbootführerschein Binnen gemacht. Wer mit einem einigermaßen motorisierten Boot in deutsche Küstengewässer will, braucht aber den SBF-See. Und um diesen zu machen, bin ich Mitte Dezember für eine Woche nach Meck-Pomm an die kalte Ostsee nach Kühlungsborn gefahren. Oder „K-born“, wie die Einheimischen sagen. Für mich als F-furter zwar ein gutes Stück weit weg, aber außer der hier ansässigen Segelschule gibt es nicht viele Anbieter eines einwöchigen Kurses. Einquartiert hatte ich mich in der Pension Zum Leuchtturm, welche gleich nebenan in Bastorf liegt. Ein sehr sympathischer Laden mit großen Zimmern, gutem Frühstück und einer freundlichen Besitzerin.

Außer mir war im Kurs lediglich noch ein schwäbisches Ehepaar dabei, die sich schon ein kleines Bootchen auf der Insel Föhr gekauft hatten und jetzt eben diesen Schein brauchten, um es zu segeln. Kursleiter war „Bubi“, ein Käpt’n-Blaubär-mäßig redender, älterer Herr, der mit diversen Schwänken aus dem Leben eines Seemanns die graue Theorie aufgelockert hat. „Moin Kinnings, dann lass’ uns mal die lütten Tonnen im Fahrwasser bestimmen…!“, so in etwa hat er uns morgens begrüßt. Richtig gut, deswegen bin ich hier. Nur durch einen solchen Kursleiter lernt man Zusammenhänge, wie sie einem der blanke Text nicht vermitteln kann.

Da der zu bewältigende Stoff nicht so ganz wenig ist – ca. 350 Fragen, welche möglichst im Wortlaut in der Prüfung wiederzukäuen sind – hatte ich schon einige Wochen vorher mit dem Lernen angefangen. Das hat sich als sehr sinnvoll herausgestellt. Denn der puren Verzweiflung in den Augen der Schwaben nach zu urteilen, hatten diese beiden hier keine entspannten Abende. Sie wollten möglichst „unbelastet“ in den Kurs gehen, was ja auch funktioniert hat. Nur ist dann eben die Belastung währenddessen größer. Jedem seins. So ganz unschuldig ist daran auch die Segelschule nicht, denn die könnten einem ruhig auch den Hinweis geben, dass hier ne Menge Schiet in die Birne rein muss. Wenigstens einmal vorher das offizielle Begleitbuch durchlesen, das sollte schon mindestens drin sein.

Zu Kühlungsborn selbst ist nicht viel zu sagen – zwischen November und März haben die ganzen Läden mit maritimem Nippes sowieso geschlossen. Und was noch geöffnet hat, schließt schon um 18 Uhr. Nach Kursende war hier also tote Hose angesagt. Was jeder Besucher aber unbedingt ausnutzen sollte, ist das Essen von Fisch und anderen Norddeutschen Spezialitäten in einem der Restaurants. Die Qualität ist gut und die Preise in Ordnung. Das freut die wenigen Rentner, die hier noch herumfallen. Im Sommer dürfte dagegen ordentlich was los sein, da tanzt der Senior auf der Uferpromenade, würde ich mal sagen.

Mit Schietwetter hatte ich gerechnet. Dass hier aber gleich ein dickes Sturmtief über Deutschland zieht und auch noch Springflut ist, während die Motorbootübung stattfindet, das hatte mir natürlich vorher keiner gesagt. Andererseits – bei 25 Grad in Badeshorts die Prüfung machen… das kann ja jeder.

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Gruß aus der Küche: Essigtrauben

Auch wieder ein Rezept aus dem Buch der alten hessischen Spezialitäten: Essigtrauben.

  • 750 ml Weinessig
  • 1 kg Trauben
  • 400 g Zucker
  • Zimt (am Stück)
  • 2 Gewürznelken

Die Menge der Zutaten gilt für ein 1-Liter Einmachglas. Möglicherweise bleibt etwas übrig, aber besser als zu wenig genommen. Die Zubereitung ist einfach: den Weinessig mit dem Zucker und den Gewürzen zum Kochen bringen. Über die Trauben ins Glas kippen und fertig.

Doch der Teufel liegt im Detail! Zunächst mal werden grüne Trauben leider braun. Das kann man etwas abmildern, indem zusätzlich der Saft von 1-2 Zitronen mitgekocht wird. Trotzdem werden einige Trauben immer braun, das lässt sich nicht verhindern. Hinzu kommt, dass sie wirklich sehr sauer werden. Ich würde also etwas weniger Essig nehmen und einen Teil davon durch Weißwein oder einfach Wasser ersetzen. Hier muss man nur etwas achtgeben, denn das Gebräu hat eine konservierende Wirkung, die natürlich nachlässt, wenn man weniger Essig nimmt.
Man könnte ebensogut den Essig durch Alkohol ersetzen. Vollständig. Dann sind das halt keine Essigtrauben mehr sondern Korn-Trauben. Aber Hauptsache konserviert.

Um das Originalrezept mal weiterzuspinnen muss man jedenfalls die Prozedur des Aufkochens und über die Trauben schüttens noch zwei mal wiederholen. Und zwar nach jeweils etwa 5 Tagen. Erst danach sind die Trauben so richtig schön durchgezogen.

Was man am Ende mit den Essigtrauben anfängt, bleibt jedem selbst überlassen. Man könnte sie an den Obstsalat geben. Oder zu Vanille-Eis essen. Oder in einen Kuchen einbacken… irgend sowas. Aber der größte Spaß ist ja eh das Zugucken, wie sich der Inhalt des Glases über die Wochen auf der Fensterbank entwickelt – wer will das dann schon noch essen?
Andererseits, für die hessischen Bäuerchen vor 150 Jahren war das bestimmt ne tolle Sache: Trauben im Winter! Wir verwöhnten Modern-Hessen holen uns die Trauben dann doch lieber im Januar frisch aus dem Supermarkt. In irgendeinem Land auf dieser Erde wird auch um diese Jahreszeit bestimmt die Sonne scheinen und die Trauben sprießen.

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Gruß aus der Küche: Pizza mit Weltformel

Heute habe ich nichts geringeres als die Weltformel für Pizza entdeckt. Das Ergebnis ist eine Pizza, die Raffaele aus Kalabrien nicht leckerer hätte backen können.

Der Teig
Wer Pizzateig braucht, kennt das Problem: entweder man hat einen viel zu dicken Boden gemacht, der eher an Hefezopf als an Pizza erinnert. Oder man hat schon im Supermarkt kapituliert und eine Rolle Fertigteig eingepackt. Dabei ist es gar nicht schwer, guten Pizzateig herzustellen. Man nehme für ein Blech:

  • 350 g Mehl, Typ 405
  • weniger als 1/4 eines frischen Hefewürfels
  • 130 ml Wasser
  • 1 gestrichener Esslöffel Salz
  • 1 Schuss Olivenöl

Erstmal den Backofen auf 50 Grad anwärmen, dann ausstellen.

Die Hefe in ein wenig lauwarmem Wasser auflösen, dann das restliche Wasser und den Schuss Öl beimengen. Mehl und Salz in einer Schüssel vermischen. Schluck für Schluck die Flüssigkeit unter das Mehl kneten, am besten mit einem Knethaken am Rührer. Wenn der nicht mehr weiterkommt, ordentlich mit den Händen kneten, bis das ein schöner Teig ist, welcher nicht mehr an den Fingern klebt. Er muss geradezu gummiartig sein. Gegebenenfalls mit einem Schluck Wasser oder einer Prise Mehl nachhelfen.

Diesen Teig jetzt in der mit einem feuchten Tuch abgedeckten Schüssel in den warmen Backofen stellen. Mindestens 30 Minuten warten, besser 45 oder so lange man eben Zeit hat. Zeit ist überhaupt das Wichtigste – die Hefe kann in Ruhe den Teig durchdringen und auch die Tomatensauce, welche als nächstes angegangen wird, profitiert stark davon wenn alle Zutaten ihre Aromen entfalten können.

Die Tomatensauce

  • 250 ml pürierte Tomaten
  • 1 Esslöffel Salz
  • 1 Teelöffel Zucker
  • paar Umdrehungen Pfeffer
  • 2 durchgedrückte Knoblauchzehen
  • 1 Esslöffel Oregano

Basis für die Sauce auf der Pizza ist ein Päckchen pürierter Tomaten. Ruhig das Billigste nehmen, die Tomaten schmecken alle gut, es muss nicht die Luxus-Version von den Hängen des Vesuvs sein. Das ganze Päckchen braucht man nicht, vielleicht die Hälfte. Die anderen Zutaten einfach damit vermischen. Wer es gern scharf mag, kann jetzt noch eine Chilli-Schote reinschneiden.

Die Zubereitung
Wenn der Teig schön gequollen ist, dann kann man ihn aus der Schüssel nehmen und auf dem Tisch mit einem Nudelholz in etwa auf die Maße des Backblechs bringen. Es ist kein Problem, Stücke vom Teig abzuschneiden und damit Lücken zu stopfen. Im Ofen wächst das schon wieder zusammen.

Die Sauce dünn auf dem Teig verteilen. Für alle weiteren Zutaten gilt: alles darf drauf. Aber wer meint, die Pizza müsse am Ende die Dicke einer Lasagne haben, soll sich auch nicht über einen labberigen Boden beschweren. Meine Pizza hatte folgenden Belag:

  • Salamischeiben
  • Oliven
  • Sardellen
  • Kapern

Beim Käse liebe ich besonders zwei Sorten:

  • Büffelmozzarella
  • Blauschimmel (am besten Gorgonzola, notfalls auch Bavaria Blue oder so was)

Alles schön abtropfen lassen (Mozzarella, Sardellen, Kapern) und dann gleichmäßig verteilen. Dran denken, dass der Käse noch verlaufen wird, also nicht zu dicht legen. Alle Lücken dann schließlich mit geriebenem Emmenthaler schließen.

Echte Pizzaöfen sind heiß, und deswegen wird das Blech jetzt für 30 Minuten bei 200 Grad in den Ofen geschoben. Am Ende nochmal den Grill drüberbrutzeln lassen und das Resultat kann sich wirklich sehen lassen, wie ich finde!

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Gruß aus der Küche: Frankforter Woihinkelche

Von einem dieser Grabbeltische, welche in Bücherhandlungen aufgestellt werden, hatte meine Mutter dieses altertümliche Buch mit hessischen Kochrezepten aufgegabelt. Menschen in Schlaghosen oder Adidas-Trainingsanzügen verspeisen darin Schweinshaxen und trinken Äppelwoi, es muss irgendwann Ende der 70er aufgelegt worden sein. Wenn man von den diversen Bauernspeisen aus zermatschten Kartoffeln vermischt mit Irgendwas mal absieht, sind da drin immer noch einige Rezepte, die einem das Wasser im Munde zusammen laufen lassen. Heute: Woihinkelsche.

“Woi” ist klar, denk ich mal: Wein. Und ein “Hinkelsche” ist ein Hähnchen.

Man nehme:

  • Hähnchenschenkel
  • Champignons
  • Zwiebeln
  • Knoblauch
  • Riesling (oder Apfelwein)
  • Cognac zum Flambieren (oder Sherry)
  • Süße Sahne
  • Eigelb
  • Petersilie

Die Hähnchenteile mit Knoblauch abreiben, salzen und anbraten. Mit Cognac flambieren. Champignons und Zwiebeln separat anbraten. Dann Hähnchen und Champignons zusammen in einer Pfanne mit dem Riesling garen. Nach Lust und Laune Knobi und Chillis dazu, etwas Estragon oder Thymian passt auch. Eine knappe halbe Stunde ziehen lassen. Gegen Ende ca. 2 Eigelb mit einem Schuss Sahne verrühren (etwas Muskatnuss schadet nicht) und unter die Pfanne rühren. Nicht mehr aufkochen lassen, sonst flockt es aus. Mit Petersilie garnieren.

Dazu: Bratkartoffeln, am besten aus der Edelstahlpfanne. Darin werden sie einfach am besten. Etwa halbe Hitze, die Kartoffeln immer solange in Öl braten, bis sie sich von alleine lösen. Regelmäßig wenden, etwa 30 Minuten. Sowas gutes bekommt man im Restaurant nicht…!

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Im Test: Rindswurst von Gref-Völsing

Als Frankfurter stolpert man früher oder später über die legendären Rindswürste von Gref-Völsing. Selbst der schmuddeligste Bild-Zeitung-Kiosk rühmt sich noch mit ihrem Namen auf einem vergilbten Schild. Fakt ist: die Worscht ist hier in der Gegend ein Klassiker.

Nachdem ich neulich mal wieder über die hübsch-hässliche Hanauer Landsstraße gelaufen bin, kam ich am Stammgeschäft der Metzgerei Gref-Völsing vorbei und habe mir dort gleich mal eine Rindswurst genehmigt. Das Ergebnis will ich jetzt noch nicht vorwegnehmen. Einige Wochen später lief ich dann in der Feinkostabteilung vom Rewe an der Hauptwache an einer Pyramide mit eingedosten Würsten dieser Marke vorbei. 4 Stück sind drin, ca. 6,50 Euro kostet der Spaß, also 1,65 Euro pro Wurst. Ein ziemlich selbstbewusster Preis für ne Dosenwurst.
Also wie auch immer, die Dose gleich mitgenommen und am nächsten Tag den Kollegen auf der Arbeit vorgesetzt.

Nachdem mir die Vegetarier-Fraktion und auch die Joghurt-zu-Mittag-Esser verständlicherweise die Teilnahme verweigerten, blieben noch drei Kandidaten übrig: ein Rheinländer, ein Gießener und ich. Der Testaufbau bestand im Wesentlichen aus der korrekt im Wasserbad aufgewärmten Wurst, ein paar Semmeln und Senf.

Hier nun die Urteile, alles natürlich gemittelte Werte.

  • Haut: zu dick und zu zäh, aber knackig
  • Konsistenz: homogen und fein, einfach standard
  • Geschmack: dünn, etwas fad, kaum salzig

Tja, Gesamtnote: nur eine 2- (eigentlich eine 3, aber als Lokalpatriot hat meine Stimme einfach mehr Gewicht…).
Das Schlimme ist, dass diese Dosenwürste immer noch besser waren als das, was ich in der Ur-Metzgerei vorgesetzt bekommen habe. Dort war die Haut geradezu lederig und die Wurst nur lauwarm. Schon traurig, wenn es Gref-Völsing nicht einmal in der eigenen Imbiss-Stube hinbekommt, seine Rindswürste aufzuwärmen. Wie dem auch sei – das größte Manko ist ganz klar der Geschmack. Wie sich diese Wurst ihren Ruf erarbeiten konnte, bleibt wohl ein Rätsel. Sie ist nicht wirklich schlecht… nur eben bei weitem nicht so gut, wie ihr Ruf. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

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Gruß aus der Küche: Schnitz und Schnitz

Vielleicht sollte ich mal erwähnen, woher diese alten Hessischen Rezepte stammen, die ich hier koche. Das Buch heißt “Kulinarische Streifzüge durch Hessen” und ist zur Zeit vergriffen, also nur gebraucht zu kaufen. Den Fotos nach zu urteilen muss der Inhalt irgendwann in den 70er oder 80er Jahren erstellt worden sein, ein Datum findet sich im gesamten Buch keins. Offiziell gedruckt wurde es aber wohl um 1999 herum, sagt zumindest Amazon.

Nach dem Motto “De Mensch hat en Maage, un des net umsonst” will ich also von Zeit zu Zeit ein altertümliches Rezept an dieser Stelle ausprobieren. Heute: Schnitz und Schnitz. Dieses Gericht ist wirklich alt und bäuerlich und daher auch sehr simpel; es besteht nur aus Kartoffeln, Speck und getrockneten Birnen.
Getrocknete Birnen hab ich keine, also mussten Apfelringe herhalten, was aber grad gar nichts ausmacht, Äbbel passen ja auch viel besser nach Frankfurt.

Man schneide also die Kartoffeln in Schnitze (oder Viertel, hauptsache löffelbar) und koche sie zusammen mit den Speckstücken eine Weile in Salzwasser, bis sie fast weich sind. Einige Minuten vor Ende kommen dann die getrockneten Birnen oder Äpfel dazu. Die getrockneten Birnen (“Hutzeln”) sollen angeblich am Vortag in Wasser eingeweicht werden. Keine Ahnung, was für Extrembirnen unsere Vorfahren früher hatten. Die Apfelscheiben mussten jedenfalls nur für ein paar Minuten ins heiße Wasser, dann waren die gut. Vorher am besten mal ausprobieren.

Das Resultat schmeckt erstaunlich gut! Drei Zutaten, drei Geschmäcker, da braucht man eigentlich nichts optimieren. Aber eben nur “eigentlich”… ich würde doch noch ein paar Zwiebeln beimengen und vielleicht einen Schuß Sahne. Aber nur so is’ auch gut.

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