Frankfurter Mispelchen, das Kultgetränk

Als „Mispelchen“ wird ein Getränk aus Calvados, garniert mit einer eingelegten Mispel aus der Dose bezeichnet. Aber was zum Geier ist eigentlich eine Mispel?!

Als jemand, der in und um Frankfurt lebt und aufgewachsen ist, glaubt man ja, eigentlich schon alles über die hiesigen Kultgetränke zu wissen. Als ich aber neulich mit Freunden in einer sachsenhausener Apfelweinwirtschaft saß, musste ich mich von Eingeplackten mit Hemd und Kravatte belehren lassen, was ein „Mispelchen“ ist. Normalerweise kümmert mich das Kluggescheiße von irgendwelchen Bankern und selbsternannten Gordon Gecko’s herzlich wenig. Aber diesmal hatten sie Recht: es gibt seit geschätzten 15 Jahren eine frankfurter Spezialität, die an mir vorbeigegangen ist. Vielleicht stand sie auch schon immer auf der Getränkekarte und wurde von mir bloß als Modegetränk abgetan. Aber das würde dem Mispelchen Unrecht tun. Denn es hat eine Eigenschaft, die sie für immer im frankfurter Kosmos verankern wird: Äpfel!

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Ok, nur die eine Hälfte ist aus Apfel, nämlich der Calvados. Und der stammt aus Frankreich. Ist aber auch kein Problem, denn schließlich sind vor langer Zeit genügend Hugenotten hier eingewandert und es waren sicherlich sie, die den Calvados im Ledersäckel hatten und hier einführten. Dazu kommt die andere Hälfte des Getränks, nämlich die Mispel. Wieder so ein urtümliches Gewächs, das vor langer Zeit einmal einen festen Platz in Europa hatte aber mittlerweile größtenteils verschwunden ist. An manchen Plätzen wächst der Baum aber noch, man muss nur aufmerksam hinschauen. Im Saarland nennen sie die aprikosenartige Frucht übrigens „Hundsärsch“, da sie vom Pol aus betrachtet ein wenig an die Poperze eines Köters erinnert. Sie machen Schnaps daraus, was sonst.

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Der Mispelbaum fällt nicht besonders auf mit seinem strauchartigen, leicht krüppelig wirkenden Geäst. Das Obst, also die Mispel, wird erst im Spätherbst reif und hängt von nun an im dürren Gezweig des Bäumchens und warten auf jemanden, der sie erntet. Frost tut der Frucht gut, denn ansonsten ist sie steinhart und ähnlich ungenießbar wie die Quitte. Lässt man die Mispel also ein paar Wochen im Obstkorb vor sich hin reifen, dann kann man es schon wagen, einmal hinein zu beißen. Genug der Theorie, wo findet man schon Mispelbäume (z.B. am kelkheimer Rettershof…)? Es ist doch wesentlich einfacher, sich eine Dose mit der eingelegten Frucht zu kaufen.

Aber woher nehmen, wenn man sie nicht selbst eingedost hat? Im Supermarkt findet man in der Büchsenabteilung zwar eine Menge Obst von der Williams Christ Birne über die Hotelfrühstückobstgarnitur bis hin zur Lychee. Aber die Mispel gibt es nur in sehr wenigen Märkten. Gute Chancen hat man außerhalb des frankfurter Raums, denn die „Mispelchen“-Grenze verläuft recht genau am Rande des franfurter Postleitzahlenbereichs entlang. Und innerhalb dieses Bereichs sind die seltenen Lieferungen schnell ausverkauft. Wer aber einen Asia-Supermarkt um die Ecke hat oder einen dieser arabischen Läden mit einem Sortiment zwischen Souk und Toom-Baumarkt, der kann es auch hier versuchen. Unter der Bezeichnung „Loquat“ wird man manchmal fündig. Ob das jetzt ganz exakt die gleiche Sorte ist, das kann sicher der Botaniker klären (oder man liest die drei Zeilen in Wikipedia). Schmecken tut sie jedenfalls ziemlich ähnlich und auch preislich ist diese Variante sehr attraktiv.

A propos Preis. Man kann ohne weiteres 14 Euro pro Dose mit vielleicht 10 Früchten ausgeben (Amazon). Es geht aber auch billiger, z.B. beim Gourmet Versand für unter 5 Euro oder bei der Metro für 3 Euro. Die frische Mispel dagegen kostet das Kilo etwa 5 Euro, manchmal auch weniger.

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Wie man das Mispelchen jetzt zubereitet, ist schnell erklärt: Calvados ins Cognac-Gläschen geben, eine Mispel dazu und „Kopp in‘ Nacken“, wie der Norddeutsche zu sagen pflegt. Ob man jetzt noch einen Schuss Dosensirup zum Calva gibt oder nicht, die Mispel auf einen Zahnstocher spießt oder nicht, das ist wirklich Geschmacksache. Auch erhitzt und genossen wie ein warmer Sliwowitz macht sich das Mispelchen gut.

Ob sie eines Tages der gleiche kulturelle Ausverkauf wie Pfläumchen, Willi & Co. ereilt, die auf Österreichs Party-Skipisten rund um das Epizentrum von Ischgl und St. Anton gereicht werden, weiss ich nicht.
Aber verkehrt wär’s sischer aach net.

Segeln auf der Adria 36: Seekrankheiten

Auf See, da wird man seekrank, das weiß doch jedes Kind! Dass man Seekrankheit mit diversen Mitteln lindern oder vermeiden kann, ist auch bekannt. Dass sie Verstopfung auslösen können dagegen eher nicht.

Natürlich ist es nicht so einfach, das ist klar. Und schon gar nicht trifft es jeden. Und erst recht nicht bei jedem Wetter und bei jedem Wellengang. Aber besonders dann, wenn man Mitsegler an Bord hat, die keine Segelerfahrung haben, sollte man ein Auge auf erste Anzeichen von Seekrankheit werfen. Oft fängt es damit an, dass betroffene Menschen zunehmend ruhiger werden. Auch dann, wenn das Wasser nur sehr wenige Wellen aufweist, die Sonne lacht und die Temperaturen angenehm sind. Angst kann in diesem Fall also nicht der Auslöser sein. Es ist wohl eher das ungewohnte Schaukeln, das Rollen und Gieren des Boots.

Das ist für erfahrene Segler beim „Schönwettersegeln“ zwar kaum noch zu spüren, aber natürlich sind diese Bewegungen trotzdem vorhanden. Besonders auf einem kleinen Boot wie meinem. Und wer es nicht gewohnt ist, sie intuitiv auszugleichen, der hat seine Probleme damit. In Phase zwei äussert sich der Betroffene meistens von selbst, schließlich geht es nicht darum, aufkeimende Übelkeit zu verheimlichen. Und so fängt das Programm der Gegenmaßnahmen an:

Beschäftigungstherapie. Der Kranke muss an die Pinne und soll Steuern. Oder er soll den Horizont nach irgendetwas absuchen. Oder man spielt ein Ratespiel, etc. pp., Hauptsache die Ablenkung ist da. Wirkt nur bei sehr leichtem Unwohlsein, das man leider nicht immer rechtzeitig mitbekommt.

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Dann Ingwer kauen. Ich habe immer frischen Ingwer an Bord, muss aber zugeben, dass das nicht wirkt. Außerdem ist das Zeug ganz schön scharf! Zitrone und Vitamin C helfen auch nicht spontan, man müsste schon lange vor Abfahrt seinen Vitaminpegel in die Höhe treiben, um überhaupt in die Reichweite eines möglichen Effekts zu kommen. Wer hat da schon Lust zu. Und von Armbändchen zur Stimulierung von irgendwelchen homöopathischen Druckpunkten halte ich überhaupt nichts.

seekrank ingwer zitrone vitamin c

Sich hinlegen. Das wirkt meistens sehr gut, selbst wenn man schon kurz vorm Übeln ist. Der Betroffene ist zwar damit außer Gefecht gesetzt und kann nicht mehr mit anpacken, dafür ist er unter Deck (oder auf der langen Cockpitbank) in Sicherheit und braucht kaum Aufmerksamkeit. Auf dem Bild (unten) das bin ich selber, kurz vor der Kotz-Schwelle. Eine lange Dünung hatte den meisten Mitseglern schon den Rest gegeben. Auch der Alkohol vom Vorabend hat seinen Teil beigetragen. Eisern den Horizont im Blick halten, das hat hier jedenfalls geholfen.

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Wie gerade angesprochen, sollte man Alkohol vor der Abfahrt möglichst vermeiden. Auch eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Wurst und Käse, welche die Histaminproduktion in die Höhe treiben, sollte man nicht essen. Ziemlich spaßlose Angelegenheit leider.

Jetzt kommen die Mittelchen, die helfen: Medikamente gegen Reiseübelkeit schlucken oder kauen. Es gibt sie als Kaugummis oder Tabletten. Die Marke „Superpep“ ist in Deutschland weit verbreitet (oder „Dramina“ in Kroatien) und hilft bei ersten Anzeichen von Übelkeit. Diese Anzeichen muss man natürlich rechtzeitig an sich selbst erkennen, sonst kann auch Superpep nichts mehr reißen. Bei richtig schwerer Seekrankheit helfen diese Kaugummis allerdings nicht mehr. Nur um hier mal die Relationen zu verdeutlichen: wem übel ist, der kotzt halt. Wer ernsthaft seekrank ist, der möchte sterben. Und würde lieber über Bord gehen, als den Rest einer längeren Seepassage noch durchzustehen.

Was bleibt: stärkere Mittel gehen Reiseübelkeit anwenden. Hier wird es eng auf dem deutschen Markt. Früher gab es „Scopoderm“ zu kaufen, das als kleines Pflasterchen hinters Ohr geklebt wurde. Das Mittel ist in Deutschland nicht mehr erhältlich, aber in Frankreich immer noch zu beziehen. Nur leider ist es sehr teuer. Eine Packung enthält vier Pflaster und kostet ca. 40 Euro. Jedes Pflaster wirkt für mindestens drei Tage, danach lässt der Effekt nach. Da sich das Mittel über 12 Stunden im Körper anreichert und damit seine Wirkung aufbaut, soll man das Pflaster am Vorabend der Abfahrt anlegen. Genauso langsam baut es sich auch wieder ab. Die Wirkung lässt also nicht aprupt nach drei Tagen nach, sondern reduziert sich langsam. Somit kann man getrost von vier Tagen Wirksamkeit ausgehen. Macht 2,50 Euro pro Tag, das ist zu verschmerzen.

seekrank scopoderm dramina

Scopoderm wirkt dummerweise auch beruhigend, um nicht zu sagen sedierend. Manche Skipper lehnen das Mittel daher ab. Mir ist das unverständlich, denn wenn man wirklich seekrank ist, dann ist man komplett außer Funktion gesetzt und nicht mehr dazu in der Lage, sein Boot zu führen. Das Mittel gehört daher meiner Meinung nach in jede Skipper-Apotheke. Dass es wirkt, konnte ich an meiner Freundin feststellen, die es nach ein paar Tagen des Leidens genommen hat. Ich wollte sie gerade fragen, was der Magen macht. Da sah ich sie in aller Seelenruhe im Cockpit ein Buch lesen, während draußen Wellen unterwegs waren, die sie kurz vorher noch schachmatt gesetzt hätten. Da hatte ich dann keine Fragen mehr. Eine sedierende Wirkung konnte ich an ihr kaum feststellen. Jedenfalls nicht so dramatisch, wie es gerne zur Abschreckung unter Seglern erzählt wird. Soweit so gut. Aber eigentlich soll es hier ja um die Verdauung gehen.

Leider haben sowohl Superpep als auch Scopoderm eine weitere Nebenwirkung, die im Beipackzettel lediglich unter „ferner liefen…“ aufgeführt wird: Darmträgheit. Alles rund um die Darmfunktionen ist ja leider ein Tabuthema, selbst in Zeiten von Büchern wie „Charme mit Darm“. Fakt ist, dass einem das Nichtkönnen trotz Wollen ganz schön zusetzen kann. Das betrifft nicht nur Frauen, sondern durchaus auch Männer aus meinem Bekanntenkreis. Und wenn es einmal eine Person an Bord betrifft, dann leidet die ganze Crew. Nicht sehr hilfreich ist, dass es an Bord eines Segelbootes (und besonders eines sehr kleinen) bloß eine winzige Toilette gibt. Diese ist mit etwas Glück in einem abgetrennten Raum untergebracht, manchmal auch nicht. Dazu kommt, dass die kleinen Auslass-Schläuche nicht mit Toilettenpapier klarkommen. Dieses muss separat in einer Tüte entsorgt werden. Segler wissen das. Bei Neulingen führt alleine schon der Gedanke daran gerne einmal zu Verstopfung…

seekrank tannacomp dulcolax

Kommt jetzt noch eine durch Medikamente verursachte Darmträgheit hinzu, dann kann es sehr gut sein, dass rein gar nichts mehr geht. Auch an Land auf einem Porzellan-Thron nicht mehr. Auch nicht nach „Kippen und Kaffee“. Auch nicht nach dem Verzehr von Chilies und pervers scharfen Saucen, die der Skipper aus nicht nachvollziehbaren Gründen durchs Mittelmeer schippert.

Da dieses heiße Thema natürlich alles andere überschattet, begibt man sich nun besser schnellstens zur nächsten Apotheke und sucht nach Abführmitteln. Erst die milden (z.B. Dulcolax), dann die härteren. Es ist doch die reine Freude, was Medikamente und Psyche zusammen für Auswirkungen haben und wie sie die Törnplanung beeinflussen können!

Mein Fazit für die Bordapotheke ist jedenfalls, sowohl leichte wie auch starke Mittel gegen Seekrankheit als auch leichte sowie starke Abführmittel dabei zu haben. Glück hat der, der das alles nicht braucht. Ist es aber mal soweit, können einem diese Mittelchen doch  sehr den Urlaub und die Törnplanung erleichtern.

Segeln auf der Adria 35: Bootspflege

Pflege trifft es vielleicht nicht ganz richtig, eigentlich mehr „Erhaltung“. Es ist unglaublich, wie sehr Sonne, Meer und Wetter einem Boot im Mittelmeer zusetzen können!

Grünen Bewuchs an Deck, wie es die Nordeuropäer plagt, hat man zwar nicht. Dafür brät einem die Sonne aber alles andere weg. Dabei besteht meine Zelda zu 99% aus GFK, viel zum Verrotten ist eigentlich nicht vorhanden. Dummerweise gibt es doch noch ein paar Holzteile und diese 1% verursachen so einiges an Aufwand. Viel ist es also nicht, was aus Holz besteht, aber da es sich an kritischen Stellen befindet (Cockpit, Pinne, Tritte), kann man es auch nicht einfach ignorieren. Aber jetzt mal von vorne. Seit Sommer 2013, also seit zwei Jahren liegt mein Boot nun in der Adria. Es wurde also Zeit für einen Krantermin und damit für einen neuen Unterwasseranstrich und andere Arbeiten.

Antifouling

Da der Voreigner schon „International VC17m Extra“ drauf gemacht hat, hatte ich keine Wahl als ebenfalls dieses Zeugs draufzupinseln. Es handelt sich bei diesem Antifouling um eine Sorte, die Teflon enthält. Deswegen kann man es mit keinem anderen Antifouling überstreichen, es würde nicht halten. Ein Ärgernis, zumal es sauteuer (echter Champagner ist billiger) und im Mittelmeer nicht wirklich verbreitet ist. Die Wirksamkeit ist gut, da gibt es nichts zu meckern. Es hätte noch ein drittes Jahr gehalten, wenn es nicht weitere Gründe für das Kranen gegeben hätte. Erstaunlich war, dass die selbe Menge Antifouling Farbe hier in Kroatien bei 35° C im Schatten nur für etwas mehr als die Hälfte der Fläche gereicht hat. Vor zwei Jahren bei 15° C im frühlingshaften Norddeutschland konnte ich damit noch das komplette Unterwasserschiff gut zwei Mal streichen. Eine kleine Dose von dem Zeug konnte ich in Zadar noch auftreiben, ansonsten musste reichlich Verdünner herhalten, um die Menge zu strecken. Den Verdünner sollte man hier lieber generell vor dem Streichen dazumischen, sonst trocknen die Anstriche einfach zu schnell.

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Die Schraube hatte ich dummerweise vor zwei Jahren vergessen mit Antifouling zu streichen und auch die Welle nicht. Daher konnten sich dort die Seepocken breit machen. Mit einem Schraubenzieher und einem Drahtbürstenaufsatz für die Akkubohrmaschine bekam ich das schnell in den Griff (auch wenn die Behandlung mit der Drahtbürste der Schraube nicht wirklich gut tat).

Kroatien 2015 (10) drahtbürste schraube kalk

Ich hatte mir extra superteures Sprühantifouling für die Schraube gekauft. Erst die Grundierung, den Primer draufgesprüht, danach viele Schichten Antifouling. Das Ergebnis war nicht sehr überzeugend: schon nach der ersten Ausfahrt löste sich ein Streifen komplett von der Schraube. Und die Kalkgehäuse dieser Ringelwürmer haben jetzt schon wieder Fuß auf der Welle gefasst, trotz Antifouling. Nachtrag Herbst 2016: Schraube und Welle sind komplett zugewachsen… was für ein Reinfall.

Kroatien 2015 (13) propeller schraube antifouling

Opferanode

Unterwasser herrscht die Elektrolyse. Es fließt Strom und dieser zersetzt vorzugsweise Metallteile wie Propellerwellen und Schrauben. Damit das nicht passiert, installiert man sogenannte „Opferanoden“ aus einfachem Zink in der Nähe dieser Teile. So wird die Anode statt dem zu schützenden Bauteil aufgelöst. Bei mir sitzt diese Zinkanode am Ende der Welle, gleich hinter der Schraube. Jetzt wo ich weiß wie man sie austauscht, könnte ich das auch unter Wasser durchführen. Die Schraube wird blockiert, ein Schraubenzieher und ein saftiger Schlag, schon fällt einem die verbrauchte Anode entgegen. Aber auch hier muss ich sagen, dass dieser Zinkrest möglicherweise noch eine Saison gehalten hätte.  Kroatien 2015 (9) opferanode schraube

GFK ausbessern

Glasfaser verstärkter Kunststoff (GFK) lässt sich im Prinzip leicht reparieren. Dafür benötigt man Glasfasermatten und Epoxidharz. Für kleinere Dellen und Kratzer tut es auch reines Epoxy ohne Glasfasern oder „Gelcoat“, wie diese Mischung bei Booten heißt. Man mischt das Harz mit dem Härter und hat dann wenige Minuten Zeit, um alle Stellen mit dem Kleister zu bestreichen. Er härtet recht schnell aus und lässt sich später glattschleifen. Hilfreich ist es, etwas Klarsichtfolie auf die ausgebesserte Stelle zu kleben. Sie lässt sich später leicht abziehen und man hat eine schön glatte Fläche, die kaum noch geschliffen zu werden braucht. Zugegeben, bei mir sieht das Resultat ziemlich rustikal aus, aber Hauptsache das Boot ist dicht. A propos „dicht“.

Boot abdichten

Über die Jahre ist mir aufgefallen, dass das Boot nicht ganz wasserdicht ist. Ein Schwachpunkt sind oft die Fenster. Und so habe ich mir schon zu Hause Gedanken darüber gemacht, wie man die Fenstergummis abdichten könnte. Nach etwas Recherche habe ich ein Mittel namens „Capt’n Tolleys Creeping Crack Cure“ gefunden. Bei dem Zeug handelt es sich um eine dünnflüssige, milchige Lösung, die durch den Kapillareffekt in jede noch so kleine Ritze kriecht und dann darin aushärtet. Ich habe es auf allen Fensterdichtungen, Schrauben und Haarrissen angewendet, die ich finden konnte. Bis jetzt sieht es gut aus: dort wo ich es aufgetragen habe, kommt kein Wasser mehr rein. Bei Fensterdichtungen am besten von außen und innen auftragen. Außerdem eignen sich noch Beschläge und Verschraubungen für das Zeug. Einfach überall draufgeben, wo es potentiell nach innen geht. Alternativ kann man natürlich auch die Gummikeule schwingen und alles mit elastischer Dichtmasse beschmieren (z.B. von Sika). Das sieht halt leider entsprechend verbastelt aus und ist auch keine Garantie für ein dichtes Boot. Denn Wasser findet seinen Weg. Immer.

Trotzdem habe ich mit der Kautschuk-Spritze einmal rund ums Boot die Verbindung von Oberdeck zu Rumpf abgedichtet. Kann ja nicht schaden. Und in weiß sieht das sogar richtig gut aus. Man kann das Zeug mit dem Finger glattstreichen und erhält eine Dichtfläche, so glatt wie ein Babypopo.

Holzteile lackieren

Da ist so eine Sache, um die ich gehofft hatte, irgendwie drumherum zu kommen: nämlich Holz zu lackieren. Was für ein sinnloses Unterfangen! Hätte Gott gewollt, dass Bäume glänzen, hätte er sie Lack statt Rinde produzieren lassen…

Kroatien 2015 (163) holz schleifen

An Bord gibt es jedenfalls mal mindestens zwei Sorten Holz: Teak und alles andere, meistens Mahagoni. Falls es sich bei dem Teil, dessen Lack blättert, um Teak handelt ist alles bestens: einfach blättern lassen! Teak ist das pflegeleichteste Holz der Welt. Durch seinen hohen Ölgehalt ist es haltbar ohne Ende und versilbert schön authentisch. Da rottet nichts, Teak braucht weder Lack noch spezielles Öl oder andere Chemikalien wie Borax, die einen Bewuchs verhindern sollen. Handläufe auf Decksaufbauten sind beispielsweise meistens aus Teak und brauchen nicht weiter behandelt zu werden. Meine sind es leider nicht, sondern sehen unter dem Lack etwas rötlich aus, daher tippe ich auf Mahagoni.

Falls es sich bei dem zu renovierenden Teil jedoch nicht um Teak, sondern um beispielsweise Mahagoni handelt, ist Lackieren angesagt. Man kann auch hier ölen oder hat alternativ die Auswahl zwischen einkomponentigem Lack (der ist eher weich) und zweikomponentigem Lack (mit Härter, wird so hart wie GFK). Beim Anfassen merkt man es schon: wenn der Fingernagel eine kleine Delle eindrücken kann und es sich eher gummistumpf anfühlt, dann hat man wohl einkomponentigen Lack drauf. Und so kam ich zu meiner ersten Dose „Hempel Dura-Gloss Varnish“, einem rotdurchsichtigen Lack. Gemeinsam mit dem dazu passenden Verdünner verbrachten wir die schönsten Nachmittagsstunden gemeinsam an Deck damit, die verschiedensten Holzteile abzuschleifen und wieder einzupinseln. Dort, wo der Lack schon am Abplatzen war, musste die ganze Stelle mit einem scharfen Messer gesäubert und der Bootslack schön verdünnt in einer ersten Schicht aufgetragen werden. Er sieht aus wie roter Himbeersirup, man muss sich schon zusammenreißen, nicht mal eben dran zu naschen. Sechs Schichten verlangt das Faltblatt. Mehr als eine pro Tag geht nicht, man ist also den ganzen Urlaub damit beschäftigt, diesen Sirup zu verstreichen. Zwischendurch lehnt man sich noch mehrmals versehentlich an die gerade gestrichene Stelle. Oder man tritt drauf. Kurz und gut: so schön wie die Werft das damals hinbekommen hat wurde es bei mir nicht. Aber auch hier zählt, dass jede zusätzliche Schicht das Wasser und die Sonne abhält. Also immer dick drauf damit.

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Je mehr Sonne und Wetter das Holz abbekommt, umso schneller altert also der Lack. Dieses Jahr hatte ich die Cockpit-Persenning nicht aufgespannt und das Ergebnis war fatal. Mittlerweile bin ich soweit zu sagen, dass ich mir lieber alle fünf Jahre eine neue Persenning schneidern lasse, als nochmal diese Lackorgie durchzuziehen. Die Persenning kommt drauf für die zehn Monate im Jahr, an denen ich nicht da bin und die Holzteile sehen dafür aus wie neu!
Und wie pflegt man jetzt die Persenning, die aus Stoff, Reißverschlüssen, etwas Kunstleder und den durchsichtigen Plastikfenstern besteht…? Ich fürchte, darum werde ich mich ein andermal kümmern.

Plexiglas/Acrylglas polieren

Kunstglas hat die Angewohnheit, irgendwann kleine Risse zu bekommen und auch noch blind zu werden. Es legt sich ein milchiger Schleier durch’s Plastik und man kann kaum noch etwas erkennen. Im Netz kursieren verschiedene Tipps, wie man Plexiglas wieder auffrischen kann, als da wären:

  • Zahnpasta + Öl = Polierpaste
  • Autopolitur
  • Spezielle Reiniger, Plexiglaspolierpaste, Acrylglasreiniger, Xerapol

Ich habe es zunächst einmal mit kroatischer Zahnpasta pur versucht. Leider mit kaum zu erkennendem Resultat. Dafür riecht die Scheibe jetzt schön frisch und nach Kräutern… wahrscheinlich muss hier was härteres ran. Nur, ob damit die Milchschleier verschwinden, bezweifele ich doch arg.
Nachtrag Herbst 2016: die Lösung heißt „Yachticon Acrylglas Kratzer Entferner„. Unglaubliches Ergebnis… die Scheibe sieht wieder aus wie neu. Gerne würde ich für dieses Statement von der Firma Yachticon einen Sack voll Geld entgegen nehmen… sie mögen sich einfach per Email bei mir melden.

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Segeln auf der Adria 34: Schatzsuche im U-Boot Bunker

Zwischen den Inseln Dugi Otok und Iz bei Halbwind unterwegs, doch plötzlich ist Flaute. Die Segel schlagen nutzlos herum und mein Blick streift das gegenüberliegende Ufer… doch was ist das, ein schwarzes Loch?!

Schaut man sich den kroatischen Küstenstreifen einmal näher an, so findet man in den Revierführern (z.B. 808 Buchten von Beständig) immer wieder Hinweise auf Bunker. Oft sind das U-Boot Bunker oder auch generell einfach ins Wasser und in die Felsen geschlagene Bunker für beliebige militärische Boote. In den offiziellen kroatischen Seekarten für Sportboote sind sie übrigens nicht verzeichnet. Beim ersten Anblick denkt man sich „original deutsche Baukunst, zweiter Weltkrieg!“, aber dem ist nicht so. Sie sind erheblich neuer und wurden vom Jugoslawischen Militär noch bis vor wenigen Jahren genutzt. Entsprechend sehen sie auch aus, mit Beton ausgespritzt und alles in allem noch ziemlich gut in Schuss.

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Der große Bunker auf der Insel Vis reicht mit seinen Gängen bis auf die gegenüberliegende Seite der Felsformation. Nimmt man eine Taschenlampe mit (und einige Freunde zur mentalen Unterstützung), so kann man die dunklen Gänge erkunden und erreicht an deren Ende den Hinterausgang mit Blick aufs Meer. Hier stehen noch Fundamente für große Geschütze und man kann sich den militärischen Sinn der Anlage somit ziemlich gut vorstellen. Irgendwo soll hier auch ein „Schatz“ versteckt sein, den Geocacher hierher gebracht haben. Leider haben wir ihn nicht gefunden.

vis_bunker_geocaching

Die maximale Höhe dieser Bunkergewölbe schätze ich auf etwa 15 Meter. Größere Yachten ab 40 Fuß passen mit ihren Masten dort nicht mehr hinein. Ich kleines 27 Fuß Boot mit 11 Meter Mast könnte dort direkt reinfahren. So richtig gut fühlt es sich aber nicht an, in so ein dunkles Loch zu tuckern. Es tropft von der Decke. Fledermäuse flattern herum. Und Ratten soll es auch geben, die dann bequem über die Landfeste an Bord kommen können… und natürlich kann auch jeder andere Unhold leicht an Bord steigen.

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Gegen Ratten kann man runde Pappscheiben an den Festmacherleinen montieren. Gegen Unholde hilft nur die solide Maglite Taschenlampe. Mehr als ein paar dicke Traktorreifen trennen einen jedenfalls nicht von der Spundwand. Es ist daher in jedem Fall anzuraten, die Fender ordentlich auszubringen oder sogar Fenderbretter auszuhängen, falls man welche hat. Neben den dicken Pollern und Metallösen stehen nämlich auch manchmal nutzlose und rostige Metallstreben hervor, die im Kampf mit GFK sicherlich als Sieger hervorgehen.

Der Bunker in Vis ist ein Touristenhighlight, dort legen tagsüber auch Ausflugsschiffe an. Und die reagieren etwas gereizt, wenn man dort schon nachmittags am Eingang festmacht und den Platz blockiert. Es ist alles in allem kein wirklicher Spaß, an einem Bunkereingang zu übernachten. Für eine kurze Pause ist es aber schön: eben mal schnell angelegt, ausgestiegen, Fotos gemacht. Und vom Rand der Rampe ins Wasser gesprungen. Dafür sind diese Bunker prima geeignet und gerade an Tagen ohne Wind die ideale Abwechslung.

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Der Bunker an der nördlichen Ostküste von Dugi Otok ist leicht zugänglich, hat aber auch nicht sehr viel zu bieten. Im hinteren Teil wurde irgendwann ein Auffangbecken, eine Zisterne für Regenwasser gebaut, das man über einen Wasserhahn abzapfen kann. Alles ist von Kalkstrukturen überzogen. Weitreichende Gänge wie auf Vis gibt es hier aber keine.

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Eine Woche Martinque zum Eingewöhnen

Ich verreise nicht gerne nur für einen 2-Wochen-Event. Wenn ich schon um die halbe Welt fliege, möchte ich auch ein wenig in die örtliche Kultur eintauchen. Und deshalb verbrachte ich im Dezember 2008 eine Woche zur Akklimatisierung in einem Bungalow auf der Insel Martinique, bevor es auf große Fahrt ging.

Die große Fahrt, das war der Segeltörn, den ich schon im Artikel „Segeln mit dem Katamaran durch die Karibik“ beschrieben habe. Die Woche davor habe ich größtenteils nichts gemacht. Niente. Also, keine Pläne geschmiedet, welche Ecken der Insel Martinique ich besuchen möchte. Keine „Must-See“ und „Big-Fife“ oder „Top-10“ der lokalen Touristenhighlights herausgesucht. Letztendlich bin ich dort natürlich schon gelandet. Aber freiwillig. Und immer dann, wenn ich es wollte. Denn ich hatte ein Auto. Das ist sehr zu empfehlen, auch wenn die Karren ein bißchen rumpelig wirken, so bringen sie einen doch zumindest im ersten Gang über jeden Hügel der Insel. Was man bedenken sollte ist, dass es hier in karibischen Gefilden um Punkt 18 Uhr dunkel wird. Eben noch pickt man sein Gepäck vom Gepäckband und sieht draußen den idyllischen Sonnenuntergang. Und schon ist es finstere Nacht. Die Sonne fällt ins Wasser – und wo eben noch die Kolibris koitiert haben, schnalzen jetzt die Grillen.

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Und diese Grillen sind echt tierisch laut. Man hört sie durch die geschlossenen Fensterscheiben und denkt, sie müssen mal mindestens die Größe von Eichhörnchen haben, um diesen Lärm produzieren zu können. Dazu kommt das Gequietsche der Förderpumpen links und rechts der Landstraße. Und es regnet. Und statt Standstreifen haben die Straßen einen metertiefen Seitengraben als Ablauf für das Regenwasser. Einmal falsch gelenkt und der Corsa ist hinüber. Meine Güte, was für ein Einstieg… Navi gab es 2008 auch keins. Hab die halbe Küste nach der Bungalow-Siedlung abgesucht. Dann fand ich die Einfahrt, gleich hinter dem Kaff namens „Le Diamond“, ein kleines Tor am Rande der Landstraße nach Petite Anse: Les Océanides!

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Da stand ich nun in meinem Bungalowchen. Den Seesack über die Schulter geworfen und den Gitarrenkoffer unter dem Arm. Regentropfen so groß wie Murmeln sammelten sich auf den Blättern der Pflanzen im Garten. Und ich dachte mir, dass dieses üppige Grün wohl heute den Regenguss seines Lebens abbekommen hatte. Das war auch so, wie ich später feststellen sollte. Ich lag auf dem Bett und es fiel mir Dank abendlicher Dunkelheit und Jetlag nicht schwer, einzuschlafen.

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Wer früh schlafen geht, wacht auch früh wieder auf. Und so kam es, dass ich in dieser Woche fast immer mit der Sonne aufstand. Das ist früh! Sie geht hier irgendwann kurz nach 6 Uhr auf, der Horizont färbt sich entsprechend früher. Mein Bungalow war schön nach Süden ausgerichtet, so dass ich die ersten Sonnenstrahlen um die Ecke lunzen sah. Eigentlich bin ich eine Eule. Aber für diese eine Woche wurde ich zur Lärche. Was tun mit all der Zeit?!

Zum Beispiel Cruisen gehen. Mit dem Miet-Corsa in aller Ruhe mal die Küstenstraße abfahren (also nicht das, was andere Randgruppen unter diesem Begriff verstehen!).  Was mir auffiel: schon im nächsten Kaff ist der Sand schwarz statt weiß. Und man wird komisch angeschaut, wenn man bei 30° C und 100% Luftfeuchtigkeit eine Regenjacke trägt. Viel Armut. Zerrupfte Dörfer und Flußläufe. Argwöhnisch kuckende Einheimische. Warum ist der nicht in seiner Ferienanlage? Hat er vielleicht sein Kreuzfahrtschiff verpasst? Haben sie ihn ausgesetzt?

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Also erkunde ich die anderen Ecken in Martiniques Süden. Irgendwie steckt in den Straßen ja auch ein Stück meiner Steuern. Denn Frankreich unterstützt seine Départements auf der anderen Seite des Atlantiks nicht zu knapp mit Euronen und hinzu kommen noch Gelder aus EU-Fördertöpfen. Deswegen gibt es hier (und auch auf Madeira und ich möchte meinen Arsch verwetten auch auf den Azoren und Kanaren) exzellente Landstraßen und stylische Flughäfen. War das wirklich so gedacht, als man das System erfand…?

Die Landstraßen schlängeln sich den Berg hinauf und sind so prächtig, dass die Einheimischen sie gerne für Rennen nutzen. Es kann also passieren, dass einem auf 1.500 m Höhe über dem Meer in einer engen Kurve ein Kleinwagen auf der eigenen Spur entgegen kommt. Wohin, wenn rechts nur Fels ist und links der Abgrund? Das dachte sich wohl auch der Franz-Karibe und schwenkte mit rauchenden Reifen zurück auf seine Seite des Abhangs… verdammte Hacke, sowas braucht kein Mensch. Zerfetzt werden auf Martinique, da kommt mich am Grab doch keiner besuchen. Sobald mein Herzschlag wieder im Mitteleuropäischen Bereich angelangt war, hielt ich an der nächsten Parkbucht an und besuchte den örtlichen Hähnchenbrater. Die Schwarzkariben braten gerne mal ein Huhn. Besonders gerne in einem halbierten Ölfass. Und so knabberte ich mein Backhendl und bewunderte die in Lokalkolorit verfassten Schilder des Restaurants.

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Weiter rauf den Berg und auch sonst an jeder Ecke gibt es sehenswerte Flora zu bestaunen. Genau wie auch auf Madeira sprießt es hier aus jeder Ecke und ein botanischer Park folgt dem nächsten. Sehr schön ist zum Beispiel der Jardin de Balata in den Bergen nördlich von Fort-de-France. Als sonstige Flora gibt es auf Martinique eigentlich nur noch zwei erwähnenswerte Arten: Zuckerrohr und Bananen. Beide werden auf großen Plantagen angebaut und haben über die Jahrhunderte dazu geführt, dass auf diese Insel nahezu jede Frucht (und auch fast das gesamte Fleisch) importiert werden muss. Dank der Subventionen aus Paris ist das möglich und so wird auch in absehbarer Zeit niemand auf die Idee kommen, hier sinnvollere Dinge als Zuckerrohr und Bananen anzupflanzen.

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A propos Zuckerrohr. Wie auch auf anderen Inseln der Karibik wird er nahezu vollständig zu Rum verarbeitet. Besonders der frische, klare und etwas grasig schmeckende Rhum Agricole ist hier zu erwähnen. Auf Madeira am anderen Ende des Atlantiks heißt er Aguardente, die Brasilianer nennen ihn Cachaça. Bekannte Destillerien sind hier auf Martinique zum Beispiel Dillon, Trois Rivières, Clément oder La Mauny. Alle haben sie mehr oder weniger schöne Destillerien. Die Rumbrennerei in Calheta auf Madeira schlagen sie jedoch mit Leichtigkeit. Hervorzuheben sind hier die Destillerien von Dillon bei Fort-de-France und die von Clément auf der Ostseite der Insel. Gleich daneben befindet sich eine verfallene Bananenplantage inklusive wildem Stier, die ebenfalls einen Besuch wert ist.

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Die Marken Dillon und La Mauny bekommt man auch in den Feinkostabteilungen vieler deutscher Supermärkte. Ein Daumenhoch davon im Schnapsglas zusammen mit einem Viertel ausgedrückter Limette, etwas Zuckerrohrsirup und einer Prise Muskatnuß und schon erhält man den kleinen Apéritif namens Ti Punch. Der macht zwar ganz schön blau, besonders wenn man den „authentischen“ Rum mit 55 Umdrehungen verwendet. Dafür hat er aber ein Aroma zum Niederknien.

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Irgendwann zieht es einen auch mal in die Hauptstadt Fort-de-France. Hier habe ich es weniger als 15 Minuten ausgehalten. Mangels Parkplatz aber dafür mit penetrant drängelnden Einheimischen gesegnet, gab ich meinem kleinen Corsa die Sporen und schon waren wir wieder auf der Landstraße nach ich-weiß-nicht-wo.

So verging ein Tag nach dem anderen. Früh aufstehen, dann auf dem Markt einkaufen. Natur und Orte besichtigen. An traumhaften Stränden faulenzen. Und abends vor dem Grill zu ein paar Gläsern Rum und mit Gitarrengezupfe den Sonnenuntergang bewundern. Was will man mehr von einem Urlaub. Die Zeit vergeht wie im Fluge, man gewöhnt sich sogar ein wenig an die karibische Gelassenheit. Und mit dieser gesunden Einstellung trat ich den längeren Teil der Karibikreise auf einem Katamaran unter Segeln an.

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Ein Tag auf der Galopprennbahn in Frankfurt

Die frankfurter Galopprennbahn gibt es seit 1864. Jetzt hat die Stadt sie an den Deutschen Fußball Bund verhökert und ihr letztes Stündlein hat geschlagen. Wir waren dabei, als das (wahrscheinlich) letzte Rennen lief.

Obwohl vertraglich zwischen der Stadt Frankfurt und dem DFB soweit alles unter Dach und Fach war, wurden auf der Rennbahn weiterhin fleißig Rennen veranstaltet, so als ob nichts wäre. Und auch so, als ob es keine festgelegten Termine für die Räumung des Geländes gäbe. Dem Schicksal ins Gesicht spuckend, pochte der Frankfurter Rennclub auf bestehende Verträge und veranstaltete einfach weiter ein Rennen nach dem anderen. Das letzte war am 15. November und man kann es nicht anders beschreiben als einen prallen Event für die ganze Familie, das Unmengen von Zuschauern anzog.

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Im Gegensatz zu gängigen Vorurteilen ist das Reiten selbst zwar ein teurer Sport. Das Zugucken an der Rennbahn ist dagegen billiger als ein Kinobesuch und man kann den halben Tag dort verbringen. Die Imbiss-Stände verkaufen ihre Bratwurst, den Espresso, die Crêpes und den Piccolo zu anständigen Preisen. Es ist billiger als auf jedem Bauernmarkt. Das Publikum ist bunt gemischt und es werden vereinzelt sogar ein paar elegante Hutträgerinnen gesichtet. Hier und dort ein Dandy mit Tweedjacke und Knickerbockern… da kommt Flair auf! Die meisten laufen allerdings rum wie immer und schenken dem eigentlichen Rennen auch nicht mehr Beachtung als es verdient hat.

Wie läuft das ab, so ein Galopprennen? Zunächst mal das Wichtigste: man ist ständig auf Achse. Als erstes deckt man sich mit Wett-Zetteln ein. Hier drauf werden die Tipps notiert. Bevor man aber auf ein Pferd setzt, sollte man es sich zunächst einmal im Führring anschauen. Wirkt es unruhig und tänzelt auf und ab? Könnte heißen, dass es kaum zu bändigen ist und eine Spitzenzeit hinlegt! Könnte aber auch heißen, dass ihm die Nerven durchgehen und es keinen einzigen Platz gutmacht.

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Jetzt wirft man einen Blick auf die große LED-Leinwand. Hier werden kontinuierlich die Quoten für jedes teilnehmende Pferd angezeigt. Je höher, desto schlechter das Pferd. Je niedriger, desto bessere Chancen werden dem Gaul eingeräumt. Die Quoten sind ständig in Bewegung, je nachdem wie viele Leute noch am Tipp-Abgeben sind.

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Jetzt wird der Wett-Zettel ausgefüllt. Zuerst die Nummer des Rennens. Das können locker acht Stück sein. Dann den Einsatz: 50 Cent, 1 Euro, 2 Euro, etc. Dann die Art der Wette: auf Sieg (Gaul ist erster), auf Platz (Gaul kommt unter die ersten drei Plätze) oder auf Einlauf (mehrere Gäule laufen in bestimmter Reihenfolge ins Ziel ein). Und schließlich die Nummer des Pferdes. Mit dem Zettel läuft man nun zum Wettschalter, bezahlt und gibt ihn ab.

Jetzt läuft man rüber zur Tribüne oder einfach an den Rand der Rennbahn und wartet auf den Start. Nach ein paar Minuten ist das Rennen vorbei und man ist entweder reich geworden oder hat, was wahrscheinlicher ist, „äusserst knapp“ sein Haus und Hof verzockt.

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Hilft aber alles nichts… schnell einen leeren Wettschein gezückt, rüber zum Führring gegangen und auf das nächste Rennen gesetzt. Die ganze Prozedur beschreibt auch der Frankfurter Rennclub sehr schön auf seiner Webseite: Das erste Mal auf der Rennbahn.

Es ist übrigens keine Schande, auch mal ein Rennen auszulassen und bei Bier und Bratwurst dem Getümmel zuzuschauen. So hat man auch die Muße, der Siegerehrung beizuwohnen, die reichlich unemotional geschätzte 90 Sekunden dauert. Oder im Programmheft zu blättern und nach der Verwandschaft der rennenden Gäule zu schauen. Vielleicht ist ja ein berühmter Papa oder eine schnelle Mama dabei und diese Information sollte natürlich ausgewertet werden und in das nächste Rennen mit einfließen…

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Essen im serbischen Subotica

Die Stadt Subotica liegt weit im Norden von Serbien, an den Grenzen zu Ungarn und Kroatien. Wie man hier kulinarisch über die Runden kommt und wie man zu Hause in Deutschland das original serbische Grillaroma erreicht, darum geht es in diesem Artikel.

Mehr als „über die Runden kommen“ kann man das tatsächlich nicht nennen, denn kulinarisch ist Serbien ein echtes Niemandsland. Was fällt einem zu Serbien ein, außer Krieg und Bohnensuppe? Wenig, das ist es eben. Natürlich gibt es auch hier sämtliche Balkanspezialitäten wie im weitaus bekannteren Kroatien. Aber ein richtiges „Trademark“-Gericht, das gibt es nicht. Ich war beruflich für ein paar Tage in Subotica (spricht man aus wie „Subotiza“) und habe dort nach einigen Fehlschlägen schließlich doch noch eine gute Essensquelle gefunden.

Die Stadt selbst ist eine wilde Mischung aus allen Kulturen oder Nationen, die hier einmal drüber gerutscht sind. Sie hat im Laufe der Geschichte x-Mal ihren Namen geändert, um es dem jeweiligen Herrscher Recht zu machen. Egal ob das jetzt die Österreicher, Ungarn oder Türken waren. Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen. Leider nur sehr wenige beim Essen, das ist mir unerklärlich. Hier im Norden des Landes merkt man von der Nähe zu Ungarn herzlich wenig. Weder Paprikagerichte noch Gulasch & Co. tauchen hier auf. Im Süden soll es wohl etwas türkisch zugehen, aber wenn damit das allgegenwärtige Burek gemeint ist, dann gibt es das auch sonst überall auf dem Balkan.

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Das Hotel „Galleria“

Subotica ist zwar für serbische Verhältnisse groß, hat aber trotzdem nur wenige gute Hotels. Eines davon ist das „Galleria Hotel“, das einen ganzen Straßenblock in der Innenstadt einnimmt und sehr gut ausgeschildert ist. Da das Navi hier im Land nicht richtig funktioniert, fährt man ab der Ortseinfahrt einfach den Schildern nach. Alles Wichtige ist nicht nur in kyrillischen sondern auch in lateinischen Buchstaben ausgeschrieben. Im Hotel hat es einen Wellnessbereich, der gut ausgestattet ist. Er entspricht etwa einer mittleren Saunalandschaft in Deutschland, es soll in Serbien aber angeblich nichts besseres geben. Frühstück, Service etc. ist mittlerer Standard. Hierzulande vergibt man sich dafür schon mal selbst 4 Sterne. Das Niveau in Serbien ist generell sehr niedrig. Ich weiß immer noch nicht, ob man das Land offiziell als Schwellenland bezeichnen darf. An seine Nachbarn reicht es jedenfalls bei weitem nicht heran. Wie auch immer, im Hotel gibt es ein bayerisches Restaurant, bzw. Bar namens „München“, wo Paulaner gezapft wird. Ansonsten serviert man dort morgens frisch gebratene und abends dann in der Mikrowelle erwärmte Würstchen als original deutsche Spezialität. Hier sollte man besser fernbleiben.

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Das Restaurant „Boss“

Nachdem ich einen ganzen Abend lang in der Innenstadt herumgeirrt bin, ohne ein Restaurant zu finden, habe ich später dann zum Glück das „Boss“ in einer Nebenstraße des Hotels gefunden. Unter demselben Namen befinden sich in direkter Nähe noch zwei Cafés, eine Pizzeria und eine Vinothek. Mir wurde gesagt, der deutsche Besitzer hat hier in der Stadt viele Eisen im Feuer. Ihm gehört auch ein großer Teil des örtlichen Industriegebiets, in dem gerade wie blöde expandiert wird. Da Polen und Tschechien nicht mehr zu den billigen Standorten für produzierende Firmen gehört, geht der Stab jetzt an Serbien. Für die nächsten 10 Jahre ist hier also auf der grünen Wiese richtig Cash zu machen. Wo die hier arbeitende Bevölkerung ihren Mittagsimbiss holt, steht weiter unten.

Zurück zum Restaurant-Café „Boss“. Serviert wird eine ungewöhnliche Mischung aus Pizza, Pasta, Balkanküche und: chinesisch! Auf diese Kombination muss man erstmal kommen. Aber es funktioniert. Die Pizza ist zwar etwas weich und labberig, aber lecker. Die gefüllten serbischen Kroketten knusprig und vor allem ist das chinesische Essen erstaunlich gut. Hier muss ein „richtiger“ Chinese in der Küche stehen, denn es schmeckt wesentlich besser als in jedem deutschen Chinarestaurant. Das Bier vom Fass perlt und die Bedienung ist aufmerksam, was will man mehr. Preislich kostet das Essen hier etwa die Hälfte in Vergleich zu Deutschland. Auch bei einem Cappuccino für unter 1 Euro kann man nicht meckern.

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Snack, Imbiss und Grill: „The Best“ und andere

Dieser und andere Grills umgeben das Hotel und füllen im Prinzip die gesamte Innenstadt auf. Da es kaum noch normale Geschäfte gibt, bleiben so manche Lücken in den Häuserreihen leer. Ebenso ist die Dichte von Glücksspiel-Spelunken, Bars und Cafés schon im Bereich der absoluten Sättigung angekommen. Für einen Grill oder Snackbetrieb ist aber immer noch ein Plätzchen frei. Auch ganz normale Restaurants gibt es kaum, aber Pljeskavica & Co. sind an jeder Ecke anzutreffen. Für 2 bis 3 Euro bekommt man eine ordentliche Portion mit Beilage.

Dass die herkömmlichen Geschäfte ausgestorben sind, läge an dem Flohmarkt Komplex, der im Südwesten der Stadt gleich neben dem Industriegebiet aus dem Boden gestampft wurde, sagten mir die Einheimischen. Hierbei handelt es sich im Prinzip um einen Dauerflohmarkt, der jeden Tag von morgens bis mittags öffnet und wo man von Bratpfannen bis zu Wintermänteln alles bekommt. Die Folge war, dass die meisten innerstädtischen Geschäfte dicht machen mussten. Eigentlich genau wie in Frankreich, nur dass hier statt Mega-Hyper-Super Marchées ein einfacher Flohmarkt das Sterben eingeleitet hat.

Da auf dem Markt der Teufel los ist und auch die arbeitende Bevölkerung aus dem Industriegebiet mittags was zwischen die Rippen braucht, hat es in den dort ansässigen Imbissbuden Hochbetrieb. Hier wird gegrillt und gebacken, was das Zeug hält und die Qualität ist überzeugend. Tatsächlich habe ich das beste Pljeskavica genau hier in einem serbischen Grill/Bäckerei/Imbiss gegessen! Das Geheimnis des guten Fleischgeschmacks läge im Räuchern, sagte man mir. Man nimmt das rohe Fleisch und hält es für einige Zeit in die qualmende Holzkohle. Dadurch nimmt es den rauchigen Geschmack an und kann anschließend über dem Feuer gegrillt werden. Wichtig ist, dass die Kohle nur qualmt und nicht brennt. Denn sonst wird es zu heiß. Falls das Feuer doch mal auflodert, kann man es mit einer Handvoll Salz wieder bändigen. Wieder was gelernt. Wenn ich mich recht entsinne, sind mir schon in Kroatien die vielen qualmenden Grills aufgefallen. Und ich habe mich immer gefragt, wozu das gut sein soll. Möglicherweise bekommt man zu dem Aroma auch gleich noch Krebs mitgeliefert. Denn uns Deutschen wird ja seit Ewigkeiten schon eingetrichtert, dass so ziemlich alles zwischen Himmel und Erde und insbesondere die im Rauch enthaltenen Schadstoffe krebserzeugend sein sollen. Und deswegen schmeckt unser Grillgut auch irgendwie kastriert. Muss jeder selbst entscheiden. Geschmacklich ist der Krebs jedenfalls bombastisch.

Wer auf solch ein versautes Grillerlebnis steht und in Frankfurt wohnt, dem sei der „Balkan Grill“ im Gallus an der Mainzer Landstraße wärmstens empfohlen! Hier werden kaum zu schaffende Fleischberge serviert, leider ist die Atmosphäre ein wenig Bahnhofshallenartig. Wer es genauer wissen will, lese die Kritiken auf Yelp. Als Vegetarier oder Biofundamentalist sollte man aber vielleicht woanders hingehen…

Segeln auf der Adria 33: Delfine!!!

Jeder Segeltourist will im Urlaub Delfine sehen, das ist doch klar. Aber den wenigsten gelingt es. Mit Geduld oder etwas Insider-Wissen hat man aber doch eine Chance auf Sichtung der grauen Kerle.

Während den sechs bis acht Wochen, die ich im Schnitt auf dem Wasser bin, habe ich vielleicht zwei intensive Begegnungen mit Delfinen. Nicht mitgezählt sind dabei Sichtungen in der Ferne. Die Erwartungen einer Charter-Crew, während genau ihrer einen Urlaubswoche Delfine zu sehen, ist daher wohl etwas überzogen. Warum man sie nicht antrifft, dafür gibt es mehrere Gründe:

Man folgt den ausgetretenen Routen anderer Segeltouristen, mit der Folge, dass auf diesen Meeresautobahnen sicherlich keine Delfine mehr freiwillig herumschwimmen. Lösung: mal die eingetretenen Pfade verlassen und entlegene Winkel erkunden. Mal andersherum um die Insel fahren, wo weniger los ist.

Oder man fährt unter Motor anstatt zu Segeln. Motoren sind laut und Delfine mögen keine lauten Boote. Dazu kommt, dass man selber von dem Getöse eingelullt wird und seine Aufmerksamkeit dem nächsten Reiseziel widmet, anstatt einmal das Meer zu beobachten. Lösung: mal die zu hause gemachte Törnplanung in der Schublade lassen und Segeln! Hey, dafür sind diese weißen Lappen gedacht, die manche Skipper mit ihren 17-Meter-Plastikeimern durch die Gegend schippern. Und auch wenn man damit keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellt, so kommt man doch vom Fleck und mit etwas Glück findet einen die nächste Delfin Familie so attraktiv, dass sie spontan mitschwimmt.

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Sind die grauen Kollegen dann einmal in der Nähe, so lässt man sie am besten selbst entscheiden, was sie tun wollen. Es ist nicht sehr sinnvoll, sich den Delfinen krampfhaft zu nähern. Sie sind schneller weg als der Skipper „Klar zur Wende“ rufen kann. Daher sollte man sich vornehm zurückhalten, den eventuell laufenden Motor ausschalten und abwarten, was passiert. Manchmal schwimmen sie einfach ihres Weges, tauchen hin und wieder prustend auf und sonst passiert nichts. Dann wieder kommen sie unter Wasser näher, tauchen unter dem Boot hindurch und checken, um was für einen Gesellen es sich hier handelt. Ist man unter Segeln und gut in Fahrt und macht ein paar Knoten Geschwindigkeit, so freut es die Delfine manchmal, ein wenig vor dem Bug herumzuschwimmen und zu tauchen. Das ist der schönste Moment, wenn man sich mit diesen großen Tieren in trauter Eintracht durchs Wasser bewegt! Manchmal sind sie auch verspielt und springen aus dem Wasser, machen ulkige Bewegungen und ignorieren einen ansonsten. Was auch immer sie tun, man möchte immer mehr davon sehen.

Richtig große Delfine können einen auch ein wenig erschrecken. Letztes Jahr erlebte ich während langsamer Motorfahrt, wie sich eine große Finne und ein riesiger grauer Rücken vor dem Bug meines Bootchens aufbaute und mir entgegen schwamm. Im ersten Moment dachte ich an einen kleinen Wal. Doch dann tauchte der graue Rücken vor mir ab und verschwand in den Tiefen der Adria, anstatt mich zu versenken. Das muss einer der wenigen richtig alten Tümmler gewesen sein. So einen großen habe ich danach nie wieder gesehen.

Vor zwei Jahren hatte ich übrigens auch einen größeren Delfin getroffen, oder er hat wohl eher mich getroffen. Darüber hatte ich bereits in diesem Artikel berichtet. Kurz darauf musste ich noch die Welt retten, aber dafür konnte der Tümmler ja nichts.

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Beim abendlichen Spaziergang an der Uferpromenade von Biograd entlang hatte ich neulich ein interessantes Gespräch mit einer Touristenfängerin. Dort am Ufer an der Kaimauer wartet eine ganze Armada von Ausflugsbooten darauf, mit neuem Touristenfleisch eine Runde durch die Inselwelt zu drehen. Und viele kokettieren damit, dass Delfinsichtungen garantiert sind. Ich meinte daraufhin zu dem Mädel, dass ich selbst bisher nicht feststellen konnte, dass sich die Delfine an einen bestimmten Ort und an eine bestimmte Uhrzeit halten. Tja, sagte sie, man müsse nur wissen wo: vor den Fischfarmen etwas weiter draußen hätte man gute Chancen, Delfine zu sichten. Früh morgens werden die Fische nämlich gefüttert und das wüßten die Delfine inzwischen.

Wo die Fischfarmen sind, das steht sehr deutlich in meinem Revierführer und an den meisten bin ich schon vorbeigekommen. Aber mal im Ernst: will ich mich dort morgens auf die Lauer legen? Das wäre ja so, als ob ich an einem Trüffelbaum darauf warte, dass dort in der Erde ein Trüffel wächst. Dann fahre ich lieber die kreuz und die quer durch die adriatische Küstenwelt und freue mich über jede wirklich zufällige Definbegegnung.

Wer übrigens tatsächlich einen oder mehrere Delfine gesichtet hat, der kann dies auf einer Webseite melden. Ich habe sie aber leider nicht ergooglen können und stattdessen nur mehr oder weniger seriöse Webseiten von Ferienwohnungen gefunden… Da müssen die Delfinschützer wohl noch mal ran, wenn man ihnen wirklich helfen soll.

Segeln auf der Adria 32: Gut Essen in Biograd

Biograd an der dalmatinischen Küste von Kroatien ist eine typische Touristenstadt. Die zwei großen Marinas „Kornati“ und „Sangulin“ bestimmen das Bild, dazu kommen ein großer Campingplatz, viele Hotels und unzählige privat vermietet Zimmer und Appartements. Hier ein Erfahrungsbericht zu Restaurants in Biograd.

Wer nach Biograd mit dem Auto fährt, wird als erstes vom „Zimmer-Strich“ begrüßt: alte Frauen sitzen am Straßenrand und halten Schilder mit der Aufschrift „Zimmer frei“ hoch. Fährt man die Hauptstraße ein wenig weiter den Ort hinunter, kommt man automatisch zu den Marinas und zur Restaurant-Meile. Seit drei Jahren liegt mein Segelboot nun in der Marina Kornati und seitdem teste ich mich durch die Restaurants, Grills und Imbisse von Biograd. Die meisten Restaurants nennen sich hier im Küstenbereich „Konoba“, was in etwa „Kneipe“ bedeutet. Das Ambiente muss urig sein, die Auswahl an Speisen ist dabei fast immer gleich. Hier meine Erfahrungen mit Gaststätten in Biograd.

Carpymore

Dieses Restaurant ist eines der wenigen, wo die Tische ordentlich mit Tischdecken bestückt sind. Man sitzt im Kern der Altstadt und kann den vorbeiflanierenden Touristen zusehen. Ein zweiter ebenfalls bewirteter Bereich liegt „auf der Gasse“ und besteht aus langen Holzbänken und Holztischen, die einen sehr rustikalen Eindruck hinterlassen. Fast so wie in einer frankfurter Apfelweinwirtschaft. In einer Straßenecke vor dem Lokal spielen häufig Musiker. Das Essen ist leicht gehoben und so sind auch die Preise. Dafür bekommt man gute Qualität. Die Fleischplatte besteht aus verschiedenen Sorten zartem und auf den Punkt gebratenem Fleisch. Sie enthält keine Cevapcici, Würstchen und ähnliches, kostet dafür aber auch mehr. Die Fischplatte besteht leider aus den immer eine Spur zu kleinen Fischen, das lässt sich nur ändern, wenn man höherpreisigen Fisch direkt ordert. Die Pizza ist vorzüglich, wie fast überall in Kroatien. Man wird prompt und höflich bedient.

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Grill Corto

Auf der Hauptstraße (die mit dem Zimmer-Strich), die aus Biograd hinausführt, befindet sich ein kleiner Waschsalon. Schräg gegenüber kann man sich die Wartezeit mit einem kühlen Karlovacko oder einem Cappuccino totschlagen. Ansonsten gibt es dort Hamburger, Cevapcici, Pljeskavica oder Pommes. Fast food eben, schnell, unkompliziert und vor allem preiswert. 60 Kuna (ca. 8 Euro) für ein großes Bier und ein Hacksteak mit Pommes, das sind in etwa die Koordinaten. Man sitzt direkt an der Straße, dafür aber auf einer Holzterrasse unter Olivenbäumen. Mücken gibt es abends gratis dazu, wie überall hier während der Sommerzeit. Tipp: die Beine mit Autan einreiben, den Rest hat man unter Kontrolle…

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Konoba Barba

Folgt man der Uferpromenade von der Marina in Richtung Innenstadt, so führen immer wieder kleine Gässchen hinauf in die Altstadt in Richtung Kirche. Hier findet man die Konoba Barba. Sie hat eine hübsche Holzveranda und rühmt sich für den frischen Fisch. Irgendwie ist man mit dem Fischkutter „Hobo“ verbandelt (den ich noch nie hier liegen gesehen habe, er scheint immer draußen am Fischen zu sein…), und daher wäre die Fischqualität hier eben besonders gut. Ganz nachvollziehen kann ich das nicht, es schmeckt wie bei den meisten anderen Konobas auch. Trotzdem ist es mein Lieblingsrestaurant. Die hübsche Bedienung mit dem kantigen Gesicht ist schnell und freundlich, die Portionen lassen einen nicht hungrig zurück und das Ambiente ist einfach nett. Fleischplatte, Fisch und Salate sind allesamt lecker. Ich habe sehr oft hier gegessen und wurde (fast) nie enttäuscht.

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Guste

Der Guste liegt direkt neben dem Westteil der Marina Kornati, also vor meiner Haustür. Hinten raus hat es einen hübschen Innenhof, ansonsten muss man unter einer stickigen, eingemauerten Veranda sitzen. Ein Fernseher mit Bundesliga läuft. Ich war nur einmal dort und leider etwas enttäuscht: die Spaghetti mit Meeresfrüchten waren eine rote Pampe mit kleingeschnittenen, unidentifizierbaren Meeresbewohnern. Dazu gab es frisches und luftiges Brot, das sehr gut schmeckte. Andere Gerichte auf den Nachbartischen sahen aber solide aus.

Konoba Bazilika

Hat man den „Kirchberg“ erklommen, so stößt man hier auf ein Schild, das zur Konoba Bazilika führt. Sie liegt in einer verwinkelten Seitengasse gleich neben den antiken Überresten der besagten Basilika. Man kann an zwei Tischen gleich vorne an der Gasse sitzen und befindet sich damit in etwa auf Augenhöhe der lokalen Anwohner, die hier auch gerne ihre Stühle vor die Tür stellen. Ansonsten sitzt man hinten raus auf einer Veranda mit Weinreben mit Blick in den Gemüsegarten. Der Service und die Küche sind manchmal etwas lahm, aber die Qualität stimmt. Der Oktopus Salat war gut, genauso wie das gegrillte Lamm oder andere Standards. Hier findet man aufgrund der abgeschiedenen Lage meistens noch ein Plätzchen. Es ist überhaupt sinnvoll, während der Sommermonate hier einmal vorbeizuschauen. Denn gleich neben der antiken Basilika befindet sich ein offener Platz, der für Konzerte verschiedenster Art genutzt wird. Zuschauen und –hören kostet nichts, also einfach mal dem Gesang folgen.

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Restaurant in der Marina Kornati

Was man nicht tun sollte: Samstag abends Essen gehen, schon gar nicht im Restaurant einer Marina. An diesem Tag kommen die neuen Crews der Charteryachten und lassen es gerne gleich einmal krachen. Dazu kommen Siegerehrungen der vergangenen Woche und es ist generell viel Trubel, da auch sämtliche anderen Feriengäste an diesem Tag ankommen und etwas essen wollen. Wir waren trotzdem samstags hier essen, denn das Lokal machte tagsüber einen großzügigen und geräumigen Eindruck mit vielen Tischen und wurde andernorts schon hoch gelobt. Hier habe ich bisher am schlechtesten gegessen. Die Fischplatte war mit wenigen winzigen Fischlein bestückt, das Risotto kalt und das Bier warm, um die Highlights zu nennen. Unser ehrliches Feedback an die Bedienung wurde mit Schweigen quittiert. Man kann es auf die hohe Auslastung an diesem Tag schieben. Ich vermute bei dieser Küche aber eher grundsätzliche Schwächen. Jedenfalls kein Vergleich zum Restaurant in der Marina Supetarska Draga auf der Insel Rab. Hier speist man vorzüglich, es gibt sogar ohne Vorbestellung geschmortes Lamm aus der „Peka“.

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Restaurant Arkada

Erst ziemlich spät, nämlich dieses Jahr, habe ich das Restaurant Arkada entdeckt. Es befindet sich am Ende der Uferpromenade, dort wo man an der kleinen Hotel-Marina der Illyria Ressorts vorbeikommt. Die Bedienung besteht aus jungen Kellnern sowie einer wirklich alten Frau, die aber so flott und eifrig ist, dass sie meinen persönlich Kellner-Oskar von Biograd bekommt! Unglaublich, was für einen Überblick die Dame hat und wie wieselflink sie Bestellungen entgegennimmt und die Gäste bedient. Das ist schonmal ein Drittel der Miete. Hinzu kommt die gute Küche, die auch noch schnell liefert. Hier habe ich mittlerweile sehr oft gegessen und mich sehr wohl gefühlt. Die Preise sind ein kleines bißchen gehoben, dafür muss man aber auch keine Überraschungen auf der Rechnung fürchten, wie das extra berechnete Brot in so manchen Gaststätten. Man kann während der kurzen Wartezeit sogar schonmal Törnplanung betreiben: die Tischdecken zeigen Seekarten aus dem Raum Rund um Biograd.

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Konoba Cotonum

Die Konoba „Cotonum“ zeichnet sich dadurch aus, dass sie neben dalmatinischer Küche auch „antike“ Gerichte auf der Speisekarte hat. Diese lesen sich zwar auch wie die bekannte mediterrane Küche, aber es ist eine willkommene Variation im Einheitsbrei der biograder Konobas. Die Karte ist übersichtlich und passt auf eine Doppelseite, dazu kommen noch ein paar Tagesgerichte. Das finde ich immer sehr sympathisch. Denn diese Riesenauswahl an Gerichten, wie sie auf anderen Speisekarten zu finden ist, führt wahrscheinlich eher dazu, dass mehr Fertigprodukte verwendet werden. Diese haut man nochmal schnell in die Friteuse und schon hat man die üblichen Standards „Cevapcici-Calamari-Sardellen“ abgefrühstückt. Zurück zur Konoba Cotonum. Im Innenhof und auf der „Empore“ haben nur so viele Gäste Platz, dass sie von den beiden Kellnern flott bedient werden können. Das ist sehr angenehm, man muss hier nicht um die Rechnung betteln.

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Restaurant Stari Grad

Der Laden liegt auf dem Kirchberg, nicht weit weg von ebender Kirche. Ich war dort zweimal Essen und jedesmal hat es ein „Geschmäckle“ hinterlassen, leider kein Positives. Das erste Mal waren wir zu dritt und hatten am Vortag eine Lamm-Peka bestellt. Dabei wird Fleisch zusammen mit Kartoffeln und Gemüse in einem großen Topf geschmort. Geschmacklich war das gut, nur bestand der Topf zum allergrößten Teil aus Kartoffeln. Verständlich, aus Sicht des Wirts. Aber ärgerlich aus Sicht des Gastes. Danach war ich ein Jahr später nochmal hier für eine Fleischplatte. Sie hatte ihren Namen nicht verdient, da sie nur aus Schwein bestand und zwar in den verschiedensten Aggregatformen. Kein Huhn, kein Rind, vor allem jede Menge Hackfleisch. Hinzu kommt, dass man einen Gruß aus der Küche aufgedrängt bekommt (in Knoblauch ertränktes Weißbrot) mit dem Hinweis, der wäre kostenlos. Na Danke. Woanders is besser.

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Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in Biograd wahrscheinlich nur wenige Totalausfälle gibt. Dafür ist nach oben noch reichlich Luft. Fragt sich nur, ob ein teureres Lokal auch geschätzt werden würde. Ich behaupte, das Niveau liegt stabil irgendwo in der Mitte, es spielt kaum eine Rolle, wo man sich hinsetzt. Meine Favoriten sind die Konoba Barba, das Carpymore und das Arkada.

Die große, steile und chinesische Mauer in Mutianyu

Die Chinesische Mauer ist vom Weltraum aus nicht zu sehen. Tut mir leid. Das ist tatsächlich ein Mythos, den auch der erste Chinese im All schließlich kleinlaut dementieren musste. Trotzdem, die Mauer ist immer noch gigantisch. Rauf geht es mit dem Sessellift, runter mit dem Sommer-Bob. Dazwischen ist Raum für Muskelkater, Sonnenbrand und Propagandageflüster.

Vor sehr vielen Jahren besuchten wir unsere Verwandschaft in Süddeutschland und kamen so in den Genuss, auf einer Sommer-Bob-Bahn zu rodeln. In einer schlangenförmigen Halbröhre aus Edelstahl saust man mit seinem Bob den Berg hinab und hat einen Heidenspaß. Kaum 25 Jahre später sollte ich diese Konstruktion wiedertreffen. Allerdings am anderen Ende der Welt. Denn China baut nicht nur abgewrackte Eisenhütten im Ruhrgebiet ab und verschifft sie nach Hause, sondern nimmt auf dem Weg dorthin auch noch allerhand anderen Krimskrams mit.

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Und so kommt es, dass man die Chinesische Mauer bei Mutianyu am einfachsten mit einem klassischen Sessellift erklimmt und mit einem süddeutschen Sommerbob wieder verlässt. Es gibt natürlich noch andere Orte, an denen die Chinesische Mauer touristenreif restauriert wurde. Aber Mutianyu ist besonders deshalb empfehlenswert, weil es dort noch ein wenig ruhiger zugeht als an den anderen Abschnitten. Es hat Wald und Natur, das ist nicht die schlechteste Atmosphäre, um dieses Kulturerbe zu besichtigen.

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Von Normen à la DIN, ISO und anderen hat man im alten China komischerweise noch nichts gehört. Deshalb sind die Treppenstufen auch abenteuerlich konstruiert. Mal erklimmt man sie mit einer Höhe von 40 cm, mal ist die Stufe nur ein kleiner Absatz, über den man nichtsahnend stolpert. Die Mauer selbst folgt immer dem Kamm der Hügelkette. Sie geht also mal steil nach unten und mal senkrecht nach oben. Analog dazu wächst oder schrumpft die Stufenhöhe. Diese Bauweise ist zwar aus touristischer und wirtschaftlicher Sichtweise idiotisch. Aus militärischer Sicht allerdings die einzig wahre Lösung. So haben die Verteidiger immer die optimale Position, um angreifenden Hunnen in den Feuertopf spucken zu können.

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Zwei Dinge sollte man als verweichlichte Weißnase nicht vergessen: Sonnencreme gegen Sonnenbrand und Magnesium gegen den Muskelkater. Und Ohropax gegen die chinesische Propaganda aus den überall verteilten Lautsprechern („The eagle flies over this beatiful country, blah, würg…“).

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Wie kommt man von Peking zur Großen Mauer? In meinem Fall ganz einfach per Chauffeur. Am besten mal im Hotel nachfragen. Hier wird man gern mit dem ortsansässigen Monopolisten „Mr. Yang“ verbunden. Bei diesem „Mann“ handelt es sich um eine Firma, die hinter den Besucherparkplätzen an der Mauer im Inneren des Areals ansässig ist und so eine Art rundum sorglos Paket schnürt. Man zahlt für den Transfer vom Hotel zur Mauer und zurück. Dazu kommt die Fahrt mit Lift und Bob sowie Mittagessen nach Wunsch. Mr. Yang sammelt die Kohle ein und schleust einen überall durch. Wer denkt, damit übervorteilt zu werden, irrt. Es werden die regulär ausgeschriebenen Preise berechnet. Ein Tagesausflug für unter einhundert Euro alles inklusive, das ist nicht schlecht. Mit mehr als nur einer Person wird es natürlich erst wirklich attraktiv und entsprechend billiger pro Kopf.

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Hat man Aufstieg, Wanderung und Abfahrt gemeistert, kann man schließlich noch einen Kaffee im Starbucks am Fuße der Mauer zu sich nehmen. Und dazu einen Sandwich von Subway essen. Da sag ich nur:

Tod dem Kapitalismus!
* schlürf *
Es lebe die Revolution!
*knurps*
Auf zum großen Sprung! Vorwärts, Genossen!
*burps*

Das war sie wieder, die chinesische Ambivalenz.

2015 peking (144) mutyangu steil mauer

Mit dem Fahrrad durch Peking

Es gibt eine Millionen Fahrräder in Beijing, sang Katie Melua vor ein paar Jahren im Radio. Damit hat sie wohl Recht. Hinzu kommen neuerdings aber nocheinmal so viele Autos und Scooter. Und so ist das Radfahren in Peking ein kleines Abenteuer.

Aber wirklich nur ein kleines. Denn hat man erstmal den komplett durchgeknallten Straßenverkehr in Ländern wie Indien und Indonesien erlebt, kann einen nichts mehr schocken. Dort würde ich nie im Leben aufs Fahrrad steigen. Aber in China ist das anders. „Organisiertes Chaos“ mit immerhin noch zu erahnenden Regeln, könnte man wohl sagen.

Schaut man sich die offiziellen Einwohnerzahlen von internationalen Mega-Städten an, kann einem schwummerig werden: Paris 2 Millionen. New York 8 Millionen. Jakarta 9 Millionen. Mumbay 12 Millionen. Nicht verwechseln darf man diese Zahlen der Stadtbereiche mit denen der jeweiligen Einzugsgebiete, die noch um einiges höher ausfallen. Und so kommt es, dass für Peking ca. 20 Millionen Einwohner gelistet sind, wo die eigentliche Stadt doch „nur“ 12 Millionen hat. Ein Klacks. Schaut man sich jetzt nur noch den wirklich zusammenhängend bebauten Stadtkern an, bleiben bloß noch lächerliche 8 Millionen Einwohner übrig! Die verteilen sich bestimmt großzügig irgendwo… Mit diesem Wissen gerüstet, warf ich mich in den Pekinger Stadtverkehr. Mein Hotel war nämlich so nett, mir ein Fahrrad gratis zur Verfügung zu stellen und somit war ich das einemillionenunderste Fahrrad auf Pekings Straßen.

2015 peking (31) verkehr gewitter smog dämmerung

Im Geschäftsleben gibt es ja das westliche „yes“ zur konkreten Bestätigung einer Anfrage. Und es gibt das sogenannte „chinese yes“. Dahinter kann sich alles verbergen, von „hab ich verstanden“ bis zu „ich hab kein Ahnung, was du Weißnase von mir willst“. So ähnlich ist das auch mit den Ampelfarben. Ich würde es mal das „chinese red“ nennen. Man ist zwar für den größten Teil der eigenen Grünphase in Sicherheit. Völlig ausgeschlossen ist es aber nicht, dass ein wild gewordenes Monster-SUV mit Vollgas in die belebte Kreuzung hinein brettert. Immer noch besser als in Indien, wo Ampelfarben gänzlich unbekannt sind. Aber eben auch noch nicht auf europäischem Niveau. Das sollte man wissen, bevor man bei Grün die Kreuzung betritt.

Die Rangfolge im chinesischen Straßenverkehr ist ansonsten streng hierarchisch gegliedert: LKW und Bus schlägt Monster-SUV. SUV schlägt normales Auto. Auto schlägt Mopped. Mopped schägt Fahrrad. Fahrrad schlägt Fußgänger. So einfach ist das. Manchmal versucht auch das Monster-SUV den Bus zu schlagen. Wie das aussieht, zeigte eindrucksvoll ein Haufen Blech hinter einem kaum lädierten Reisebus.

2015 peking (80) fahrrad parkplatz

In der Praxis muss man daher als Fußgänger und natürlich auch als Radfahrer seine Augen überall haben. Das liegt auch an den überall herumwuselnden lautlosen Elektrorollern. Man hört sie nicht und plötzlich zieht neben einem so ein Ding vorbei. Dabei sehen diese klapprigen Roller aus, als stammten sie noch aus Maos Zeiten. Dafür müsste es doch in Deutschland auch einen Markt geben, denn teuer können die ja nicht sein. Jedenfalls, wenn für mich gebremst wurde, dann nur, weil ich kein Chinese war. Wer Ausländer schädigt, kann in den Knast wandern. Das scheint sich tief im Hirn der Chinesen verankert zu haben. Ansonsten ist es sehr hilfreich, wenn man zu Beginn seines Asienaufenthaltes immer hinter den Einheimischen herläuft oder –fährt. Das Tempo ist eher gemütlich, so kann man sich in das fremde System langsam einfinden. Sehr gut ist, dass Fahrradfahrer eine eigene Fahrbahn haben. Sie ist auch physikalisch vom Rest der Straße getrennt, es ist dort also relativ sicher.

2015 peking (190) fahrradspur

Die Straßen sind meistens verstopft, so kommt man mit dem Fahrrad allemal zügiger voran als mit dem Taxi. Falls einen das Taxi überhaupt mitnimmt. Denn sobald man auf das Taxameter besteht, fordert der Fahrer lieber einen wesentlich höheren Festpreis. Das macht Taxifahren zu einem unangenehmen Unterfangen. Mit dem Rad hat man dieses Problem nicht, man stellt es einfach dort ab, wo man anhalten möchte und kann sich auch in aller Ruhe die Hutongs, die kleinen Gassen in der Altstadt von Peking anschauen. Alternativ könnte man dort auch per Rikscha, geführter Fahrradtour oder sogar im Beiwagen eines Motorrads durchfahren. Ist aber alles recht teuer und im Prinzip unnötig. Hat das Hotel kein Fahrrad, so findet man an den öffentlichen Ausleihstationen immer welche oder man kauft sich eben eines bei einem der kleinen Reparatur-Shops in den Hutongs.

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Als andere Verkehrsmittel wären da noch die Busse und U-Bahnen zu erwähnen. Die Busse scheiden für mich völlig aus, da die aushängenden Pläne nur auf Chinesisch waren. Die U-Bahn ist eine Empfehlung wert. Größtenteils neu und gut beschildert. Hierfür gibt es eine kleine aber nützliche App, die nichts weiter kann, als den U-Bahnplan von Peking anzuzeigen. Die Bahn verläuft ringförmig um die Innenstadt, das hilft einem in vielen Fällen also auch nicht weiter, wenn man von Nord nach Süd möchte. Die Preise für Bus und U-Bahn sind wirklich lächerlich niedrig. Man sollte also allein schon deswegen chinesisch lernen…

Mein Fazit für Fahrradfahren in Peking lautet definitiv: machen! Man erlebt die Stadt sehr direkt, kann überall anhalten, ist flott unterwegs und braucht sich nicht mehr um andere Verkehrsmittel zu kümmern.

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Das Ji House Courtyard Hotel in Peking

Drei Tage Zeit in Peking. Stellt sich wie immer die Frage: wo wohnen? Mein Fazit: ich würde wieder in das Ji House Courtyard Hotel gehen, das idyllisch in einem Hutong der pekinger Altstadt liegt.

Es gibt ja mehrere Möglichkeiten, sich in einer fremden Stadt nach einer Unterkunft umzusehen. Erstmal natürlich die Hotel-Portale wie HRS, Booking.com und andere. Hier bekommt man schon mal einen realistischen Überblick, was ein Zimmer ungefähr kosten wird. So richtig „einzigartige“ Unterkünfte sind das natürlich nicht. Falls man es irgendwann satt hat, in den immer gleichen Hotelketten unterzukommen, so gibt es noch andere Wege, um charmante Hotels zu finden. Sehr zu empfehlen ist dafür Tripadvisor. Dieses Portal hat sich international zum Standard für Reisende gemausert. Mittlerweile kann man auch indirekt dort buchen. Hier findet man jedenfalls eine weitaus größere Vielfalt an Hotels, Gasthäusern, Hostels, etc. Und hier findet man sehr viele Bewertungen, die man sich sogar übersetzen lassen kann. Die Qualität der Übersetzungen ist leider mies, besonders von Chinesisch nach Englisch. Aber immer noch ausreichend, um anhand von Schlagworten den Inhalt zu begreifen. Wie das so ist mit Bewertungen, so wird auch hier viel Unsinn geschrieben. Wenn sich aber über Monate hinweg die Beschwerden häufen, dann sollte man von der entsprechenden Unterkunft besser fern bleiben.

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Und dann gibt es seit Neuestem noch Air BnB. Viel gehyped, man liest ständig darüber und vor allem die klassische Hotelbranche würde diesen Anbieter von privat vermieteten Zimmern am liebsten verbieten lassen. Die Auswahl an Zimmern ist groß, allerdings war im Fall von Peking nicht immer klar, ob man jetzt ein eigenes Zimmer für sich alleine hat oder ob man unfreiwillig zum Mitglied der Familie wird… Preiswert war auch nur ein kleiner Teil der angebotenen Zimmer, die meisten fand ich ziemlich teuer.

A propos teuer. Peking ist eine Großstadt wie jede andere auch und da muss man es sich leider abschminken, billig wohnen zu können. Es ist zwar nicht so schlimm wie in Moskau, Hong Kong oder Singapur. Aber die Preise liegen auf internationalem Niveau, was bedeutet, für unter einhundert Euro bekommt man kaum etwas Anständiges.

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Wie kriege ich jetzt die Kurve zum Ji House… ich glaube bei HRS wurde ich fündig. Für ungefähr hundert Euro die Nacht bekommt man hier ein gut ausgestattetes Zimmer mit Doppelbett und großem Bad. Dass der Abfluss etwas müffelt, haben die Bewertungen schon nahegelegt. Chinesischer Pragmatismus ist, einfach rund um die Uhr den Lüfter laufen zu lassen. So tragisch war es nicht und da ich im Frühjahr zu Besuch war, konnte man auch die Fenster immer leicht geöffnet lassen.

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Das „Hotel“ besteht aus mehreren kleinen Häuschen von denen jedes ein eigenes Gästezimmer darstellt. Mehr als 5 oder 6 sind es nicht und sie umgeben gemeinsam den zentralen kleinen Innenhof. Damit wäre das „Courtyard“ im Namen auch geklärt. „Ji“ heißt wohl Schilf, wovon es hier aber keines mehr gibt. Das Hotel liegt im Bereich der Altstadt von Peking, vielleicht drei Kilometer vom Platz des Himmlischen Friedens entfernt in nördlicher Richtung. In dieser Gegend nennt man die kleinen Gassen „Hutong“. Und so liegt mein Hotel im Shaluo Hutong. Die Sträßchen sind so eng, dass man dort kaum mit dem Auto durchkommt und am besten Fahrrad fährt (siehe mein Artikel) oder einfach läuft. Eigentlich ist es wie in Deutschen Altstädten auch: eng und gemütlich und hier findet man die interessantesten Läden. Es ist eine kleine Welt für sich, abseits der großen verstopften Straßen. Hier gibt es Imbissbuden, Wäschereien, Fahrradreparateure, Restaurants… kurz, es gibt hier alles, was es im glänzenden Großstadt-Peking auch gibt. Nur eben eine Nummer kleiner.

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Das Frühstück bei den Li’s ist einfach, aber gut. Da ich in fremden Ländern immer die lokale Küche bevorzuge, habe ich mich auch hier für das chinesische Frühstück entschieden. Man kann wohl auch ein Europäisches haben, ist dann aber selbst schuld, wenn es nicht schmeckt (schon mal in einem deutschen Gasthof ein chinesisches Frühstück bekommen?!). Immer dabei ist das heilige Triumvirat aus warmer Suppe, Dumplings und Eierspeise. Im Detail kann es dann eine Art Müslisuppe mit Früchten und weichen Nüssen sein (Laba Reisbrei). Oder eine Congee-ähnliche Reissuppe mit Mais. Und immer ist eine Tasse Sojamilch mit dabei. Die Dumplings sind helle, weiche, gedämpfte Klößchen mit Fleischfüllung. Und Ei-mäßig gibt es fast immer ein luftiges Omelette und ein gekochtes oder gebackenes Ei. Nicht zu vergessen die salzig deftigen Mixed Pickles, die man sich ins Brötchen oder die Suppe streuen kann. Hinterher ist man echt fit für eine lange Tour durch die Stadt!

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Betrieben wird das Gästehaus wie schon erwähnt von Herr Li und seiner Frau. Sein Neffe Tony („speak english driver“) hatte mich vom Flughafen abgeholt und dabei non-stop von Germany geschwärmt. Ein angestelltes Mädel spricht sehr gut Englisch und ist auch die meiste Zeit anwesend. Alles Wichtige sollte man mit ihr besprechen, da die Li’s leider kein Englisch können. Ich halte das Ji House Guesthouse für eine ideale Unterkunft, um Peking zu erkunden. Von hier ist es nicht weit bis zum Drum Tower, dem Lama Tempel oder dem Tempel von Konfuzius. Selbst wenn man abends völlig erschlagen zurückkommt, findet man nicht weit an der nächsten größeren Straße eine große Auswahl an Restaurants. Ein Fahrrad bekommt man gratis geliehen, damit lässt sich hervorragend die Stadt erkunden. Ebenso organisieren sie den Flughafentransfer oder einen Ausflug zu Großen Mauer (siehe mein Artikel).

Gut Essen in der Karibik

Wenn man in der Karibik unterwegs ist, erschlägt einen die Menge der unbekannten Gerichte. Grund ist die ethnische Vielfalt, man hat Menschen aus allen Ecken der Welt hierher geschleppt und jede Gruppe brachte nicht nur ihre Arbeitskraft ins Land, sondern auch ihre kulinarischen Vorlieben.

Wobei die Kariben selbst eigentlich nie eine Rolle spielten. Niemand spricht heute mehr von ihnen. Die Kariben, das waren die Ureinwohner der Antillen Inseln. Damit sind weder die importierten Afrikaner noch die nachfolgenden Inder oder Chinesen gemeint. Die Kariben ähneln viel mehr den Native Americans, also dem Volk, das man in Deutschland die „Indianer von Amerika“ nennt. Sie wurden ausgerottet.

Und damit war Raum für die europäische und afrikanische Küche gewonnen. Und die Spanische. Auch die Holländer waren mal hier. Und auch die Portugiesen und sogar die Engländer. Ok, die haben nichts mitgebracht, denn England schafft es selbst heute noch als kulinarisch rückständig zu gelten, obwohl sie Kolonien in allen Ecken der Welt hatten, wo wirklich äußerst anständig gekocht wurde. Wie kann man nur so beratungsresistent sein und das über Jahrhunderte.
Aber zurück zu dem, was man heute in der Karibik genießen kann.

Früchte der Natur

Darunter verstehe ich vor allem die Kokosnuss, die Kakaoschote und die Muskatnuss. Kokosnüsse liegen an jedem Strand herum, sind dann aber auch schon ein wenig über das Verfallsdatum heraus. Trotzdem kann man sie öffnen, wenn man die Fähigkeit dazu besitzt. Es ist nämlich für Büromenschen nahezu unmöglich, an das Fleisch und den Saft heran zu kommen. Auf dieser Seite kann man nachlesen, wie es mit Hilfe eines in den Boden gerammten Stocks funktioniert.

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Die Kakaofrucht ist dann reif, wenn sie von gelb so langsam ins braune changiert. Man öffnet sie einfach und schlabbert das süße, weiße Fruchtfleisch von den Kernen ab. Die Kerne selber, das sind natürlich die Kakaobohnen. Glückwunsch an die Südamerikanischen Völker, dass sie herausfanden, wie man aus diesen bitteren Bohnen etwas so Schmackhaftes wie Schokolade macht. Aber mit bitteren Bohnen kennen die sich ja aus, denn auch der Kaffee stammt nicht weit von hier.

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Muskatnüsse sind ein Wunder der Natur. Mitsamt ihrem überdimensionalen Fruchfleischpanzer sehen sie aus wie ein leckerer Pfirsich. Beißt man hinein, zerfällt diese Illusion schlagartig und es wird klar, dass hier nur der Kern zählt. Die frische Muskatnuss ist mir einem grellroten Netz umgeben, welches selbst als Gewürz verkauft wird und „Macis“ genannt wird, die Muskatnussblüte. Sie schmeckt ebenfalls nach Muskat, nur nicht ganz so intensiv wie die Nuß. Die Inder verwenden sie gern für Curries. Die frische und noch ziemlich weiche Muskatnuss wird dagegen von den heutigen Kariben sehr gern über ihren Punch oder „Ti Punch“ gerieben!

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Sie schmeckt überhaupt nicht so, wie man es von Mutterns Sonntagsbraten kennt. Die fruchtige, leicht scharfe Frische tut jedem Cocktail gut. Hier gibt sie dem Ti Punch aus neuem weißen Rum und Zuckerrohrsirup den nötige herben Akzent. Die Muskatnuss Flocken sind weich und wollig, ganz anders als es eine trockene Muskatnuss kann.

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 Früchte des Meeres

So richtig erfolgreich waren wir mit dem Fischen leider nicht. Dafür waren wir gut im Handeln und konnten den lokalen Fischern auf der Insel Mustique für ein paar Caribian Dollars ihre roten Grätenfische abkaufen. Das war jetzt kein Gesellenstück, sondern eher aus der Not geboren. Aber immerhin hatten wir etwas zu tun beim herausfriemeln der Gräten. Und zwar noch lange, nachdem der letzte Currygeschmack unsere Geschmacksnerven durchdrungen hatte. Mann, was waren die grätig… später haben wir sie am Stück gegrillt, das war einfacher.

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Dafür bin ich seit diesem Urlaub ein großer Freund der Conch Schnecken. Dabei handelt es sich um die Tiere, die in diesen stacheligen großen Muscheln leben. Die Gehäuse liegen kubikmeterweise an sämtlichen Stränden der Karibik herum, vorzugsweise dort, wo man sie isst. Sollte man auf die Idee kommen, so ein Gehäuse im Gepäck mit nach Hause zu nehmen, so könnte das zu Diskussionen mit dem heimischen Zoll führen. Selbst 3D-Scanner können aber noch keinen Mageninhalt erfassen, also immer rein damit, denn die Dinger sind einfach delicious. Wer nicht weiß, dass es sich um Meeres-Schnecken handelt, könnte glatt von Hühnerfleisch oder ähnlichem ausgehen. Die Tiere sind recht groß und ergeben kleingeschnitten und gekocht ein ziemlich schmackhaftes Gulasch.

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Saucen

Vor allem eine Sauce ist mir im Kleinhirn hängen geblieben: sie war gelb, durchsetzt mit roten Pünktchen und sehr scharf. Es handelte sich um eine Mischung aus Banane, Senf und Chili. Sie wird fast überall in kleinen Salzstreuern zum Nachwürzen am Tisch angeboten. Man kippt zunächst mal aus den Latschen, weil sie so scharf ist, möchte sie aber nach eine Weile nicht mehr missen. Wer keinen Feinkost- oder Gewürzeladen in der Nähe hat wie zum Beispiel das Gewürzhaus Alsbach in Frankfurt, der findet solche Saucen unter dem Namen Baron West Indian Hot Sauce (und ähnlich klingende) im online Versand.

Wer dann auf den Geschmack gekommen ist, dem seien noch folgende Saucen ans Herz gelegt, die in eine ähnliche Richtung gehen:

Ob zur Bratwurst, aufs gekochte Ei oder zu Fisch und Fleisch: diese Saucen passen immer. Man darf sich nur nicht irritieren lassen, falls dieser Geschmack auf der nächsten Grillparty bei anderen auf Unverständnis stößt… einfach immer ein Aldi-Gewürzketschup für den deutschen Geschmacksverweigerer in petto haben.

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Segeln mit dem Katamaran durch die Karibik

Die Karibik, das waren für mich immer Piraten, Goldschätze, Rum und Kanonenfregatten. Heute gibt es dort nur noch den Rum. Das Piratenflair findet man auch noch, aber bloß in Form von Hollywood-Kulissen, die nach dem Dreh von „Piraten der Karibik“ übrig geblieben sind. Im Winter 2008 bin ich auf einem Charter-Katamaran mitgesegelt und habe einen der schönsten Urlaube in der karibischen Inselwelt erlebt.

Bevor ich mich einige Jahre später dazu entschied, lieber selber ein Boot zu führen als irgendwo mitzusegeln, bin ich damals doch ziemlich häufig irgendwo mitgesegelt. Eigentlich nicht „irgendwo“, sondern bei einem der vielen Anbieter von Charter-Segeltörns in der Karibik. Nur im Sommer in Kroatien mit Freunden herumzuschippern, das langte mir nicht. Ich wollte dort hin, wo bis jetzt nur meine Phantasie unterwegs war. Es gibt dieses eine Hörspiel von Pippi Langstrumpf, dass ich als Kind auf heavy-rotation gehört habe. Darin wird das Schicksal ihres Vaters beleuchtet. Er vegetierte in einem karibischen Gefängnis vor sich hin, bis Pippi höchstpersönlich dort hinreiste und ihm ein Eisbein per Flaschenzug in seine Zelle schickte. Die Piraten knallten sich derweil in ihrer Höhle mit Rum und Grog den Kopf zu und so gelang es Pippi, ihren Vater schlußendlich zu befreien.
Kurz und gut: da wollte ich auch hin!

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Doch bevor ich diesen zweiwöchigen Urlaubstörn antrat, habe ich mir zunächst einmal die Ausgangs-Insel näher angesehen. Das war Martinique, eine Insel genau in der Mitte der wie auf einer Perlenkette aufgereihten Inseln „über dem Winde„. Sie ist Teil Frankreichs und damit der EU. Man zahlt in Euro und das allgemeine Feeling ist das eines sehr südlichen französischen Departments. Aber dazu mehr in einem anderen Artikel.

Schließlich habe ich meinen Mietwagen in Le Marin abgegeben, meinen Seesack geschultert, den Gitarrenkoffer gepackt und mich auf den Weg zum Steg unseres Katamarans gemacht. Ich hatte tatsächlich einen Seesack, zumindest die moderne Variante, sehr beständig und wasserdicht, wenn man alle Verriegelungsmechanismen korrekt bedient hat. Dazu allerdings den klapprigen Koffer mit der Slide-Gitarre in der Hand. Der hatte mir schon bei der Einreise einige Aufmerksamkeit beim Zoll beschert. Klar, da passt ne Menge Dope rein. Hätte ich auch mal genauer reingeschaut an denen ihrer Stelle. Mehr als dass der Halsstab ziemlich schief eingeleimt ist, habe ich aber trotz Röntgen nicht erfahren.

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Kaum näherte ich mich dem Steg, begrüßte mich Hans der Skipper und sagte, ich solle meinen Kram doch einfach schon mal im Kat deponieren. Samstags werden die Charterboote immer gründlich gereinigt. In diesem Fall war Svend Age, seines Zeichens Chef der Agentur, noch im Boot und organisierte die Verteilung der letzten Spaghettireste der Vorgängergruppe an die nächste Crew. Sobald er von Bord war, übernahm Hans das Kommando und leitete erstmal eine Chlorifizierung der Toiletten ein. Danach eilten wir im Mietwagen mit- und gegen den Straßenverkehr („In der Türkei ist der Verkehr noch viel schlimmer“ – später dachte ich noch öfter an diesen Ausspruch) durch Le Marin und organisierten unsere Einkäufe. Hans besaß ein Gulet (großes Holzboot) in der Türkei und machte den Job des Karibikskippers im Winter, weil in dieser Zeit niemand mit ihm im Mittelmeer herumfährt.

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Unsere Crew bestand aus einer Gruppe aus Franken, einer Krankenschwester, einer Schweizerin und mir. Im Nachhinein kann ich sagen, dass diese Konstellation kaum zu toppen war. Aber zu Beginn hatte ich doch so meine Zweifel. Wir kauften die üblichen irrsinnigen Vorräte an Alkohol und beluden das Boot damit. Nur – das Wetter meinte es nicht gut mit uns. Stürmische Winde sorgten für eine ordentliche Welle aus dem Osten und verzögerten unseren Aufbruch. Tja, was macht man bei 30° Celsius im Salon eines Boots, wenn die Alkoholvorräte aufgefüllt sind?
Man verbraucht sie! Und so klimperte ich auf meiner schönen Slide-Gitarre vor mich hin, während die Gruppe einen Gin/Vodka/Rum/Tonic nach dem anderen abschüttete. Ich malte mir Schreckliches aus, wie sollten die nächsten Tage werden? Hätte ich gewusst, dass mich Sandra, die Schweizerin, vier Jahre später auf dem eigenen Boot begleiten sollte, wäre ich wohl optimistischer gestimmt gewesen.

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Schließlich legten wir ab. Hans wußte, dass es immer noch sehr kabbelig war. Resultat war dann, dass die großen Wellen zwischen den Inseln unseren Katamaran in regelmäßigen Abständen anhoben und damit für ein ziemlich flaues Gefühl in der Magengrube sorgten. Ich will nicht lange drumherumreden, es soll zwar Dinge geben wie Vitamin C, gesunde Ernährung, wenig Alkohol und eine disziplinierte Betrachtung des Horizonts. Aber daran hat sich natürlich niemand gehalten und schließlich haben die meisten Mitsegler leeseitig die Fische gefüttert. Auch mir lief schon vor Vorfreude das Wasser im Munde zusammen, doch zum Glück erreichten wir rechtzeitig die Lee-Seite der nächsten Insel: St. Lucia.

Eine Freundin verbrachte dort vor einiger Zeit zusammen mit Bekannten den Karneval und konnte berichten, dass Karneval in der Karibik eine nette Umschreibung für Sex in der Öffentlichkeit ist.
Sobald man die Gewässer der Insel befährt, scharen sich schnell einige Motorboote um die eigene Yacht und belatschern den Skipper, doch bitte an der eigenen Boje anzulegen. Man nennt sie die „Boat Boys“.

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Sie verbreiten ein weltmännisches Flair, da sie angeblich schon die eine oder andere Engländerin beglückt haben, die es dann leider doch aus unpässlichen Gründen versäumt hat, sie mit nach Hause zu nehmen. Als Reisender aus einem reichen Land darf man hier nie eine simple Wahrheit vergessen: alle, die einen ansprechen, sind arme Schlucker und wollen etwas von einem. Das ist absolut legitim, nur sollte man es korrekt einzuordnen wissen. Wir legen an der Boje des Boat-Boys  an und wenig später spratzelt schon der Grill. Irgendeine Pfeife lässt den Grill-Rost ins Wasser fallen… auch emsiges Tauchen bringt ihn nicht wieder ans Tageslicht. Aber unser Boat-Boy leistet uns dafür noch ein wenig Gesellschaft.

Wir sind unschuldige Touristen, kredenzen Cocktails mit Kokosmilch und Rum und da soll unser Boy ruhig auch was von abbekommen. Er erzählt uns von seinem Leben, das im Wesentlichen aus Doperauchen und Ziegenhüten besteht. Und er wird es nicht müde zu erwähnen, dass er als Lover von so einigen Engländerinnen wirklich hoch im Kurs stehe. Wie soll man sich verhalten, als unendlich reicher Europäer, wenn einem so ein Kerl davon erzählt, wie er den Zipfel des Reichtums zu fassen bekommt und es doch niemals schaffen wird, davon wirklich etwas zu greifen? Da hilft auch Reggae Musik von Bob Marley nicht weiter. Für mich war es aber die Nacht, in der Bob Marley Gesicht und Gefühl bekam. Heute sitze ich in meiner frankfurter Wohnung und schaue mit einem merkwürdigen Gefühl zurück auf diese Szene, in der sich die reiche und die arme Welt auf dem Kunststoffdeck eines Boots begegneten. Auch später in anderen Teilen dieser Welt sollte es mir so gehen… dieser Gegensatz ist nicht aufzulösen, damit muss man leben. Oder nicht in diese Länder reisen. Seitdem ist meine Einstellung zu allen „Extragebühren“, abzockerischen Obstverkäufern und Gaunern am Straßenrand die folgende: gib ihnen was ab von deinem Reichtum. Es ist letztendlich Entwicklungshilfe, nur sehr direkt an den Mann gebracht. Ohne eine deutsche Hilfsorganisation dazwischen, die etwa die Hälfte der Spendengelder für organisatorische Zwecke abzweigt.

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Am nächsten Morgen war Sightseeing angesagt. Dampfende Vulkankrater und Fledermaushöhlen wollten besichtigt werden. Ein einheimischer Führer lotste uns (so wie hunderte andere Touristengruppen vorher) durch das Unterholz zu einer heißen Quelle mit Wasserfall. Auch eine Kakaofrucht direkt vom Baum holte er uns herunter. Das weiße Fruchtfleisch um die Kakaobohnen herum schmeckte süß und aromatisch lecker. Ein netter Ausflug und außerdem so ziemlich das einzige, womit wir Touristen die Inselwirtschaft rund um das Städtchen Soufriere ankurbeln konnten. Wir blieben noch auf ein „Piton“-Bier in einer der Kaschemmen in Ufernähe. Die kaputten Holzhäuser mit der abblätternden Farbe wirkten auf uns doch sehr romantisch. In Wahrheit aber war der Verfall der Ortschaft und auch der Menschen hier unübersehbar.

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In dieser Nacht sollte mein Kojennachbar aufstehen und im Suff den Motor des Boots starten. Während wir noch fest an der Boje lagen. Er wollte weg, fühlte sich von den Klippen in der Nähe bedroht. Skipper Hans hat es zum Glück bemerkt und verbrachte den Rest der Nacht mit Erklärungen und Beschwichtigungen. Bei anderen Skippern hätte mein Kojennachbar wohl im nächsten Hafen von Bord gemusst. Bei Skipper Hans nicht, und das ist ihm hoch anzurechnen. Er konnte Konflikte auf eine nette Art lösen, das ist sehr selten unter diesen Touristen-Kommandanten. Besonders, da ich mittlerweile die leidvolle Erfahrung mit anderen Skipper-Admirälen machen durfte (siehe Ein SKS-Törn auf den Kanaren bleibt scheinlos).

Leider ist Hans mittlerweile tot. Er verunglückte wenige Jahre später auf dem Weg zu einem Boot in der Türkei. Abgerutscht mit dem Auto oder dem Mopped, ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass seine ultra-obszessive türkische Freundin ihn auf Schritt-und-Tritt überwacht hat, soweit es die damalige Handy-Technologie eben zuließ. Jetzt überwacht er uns von oben und freut sich bestimmt, dass sein damaliger Mitsegler mittlerweile selbst zum Skipper geworden ist.

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Wir lösten uns von der Boje. Wir wollten weiter in Richtung Süden. Normalerweise lautet der Plan auf einem solchen Segeltörn, schnell in Richtung Süden zu fahren, um dann gemächlich wieder in den Norden zu kommen. So ist man flexibel, was Wind und Wetter angeht und so hielten wir es auch. Saint Vincent war unser nächstes Ziel. Dank konstantem Passatwind besteht das Segeln im Wesentlichen aus dem Setzen der Segel. Danach wird solange man möchte auf halbem Wind gesegelt und irgendwann holt man die Segelgarnitur wieder ein, um sich ein ruhiges Plätzchen in Lee der Inseln zum Übernachten zu suchen. Wenden oder Kreuzen braucht man nicht. Halsen auch nicht. Solange man stabiles Wetter hat, fährt man einfach seinen Kurs und folgt den reihenweise auftauchenden Inseln.

In welcher Bucht wir genau übernachtet haben weiß ich nicht mehr. Nur, dass nachts plötzlich Taschenlampen im Dickicht zu leuchten begannen. Als verweichlichter Europäer malt man sich in so einem Fall die grausigsten Gründe dafür aus. Von karibischen Kannibalen, die es auf weißes Frischfleisch abgesehen haben bis zu korrupten Polizisten, die einem ans Leder wollen… Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass wir vor einem aufgegebenen Hotelkomplex geankert hatten. Die kleinen Gästehütten lagen verstreut am Hang und wie es aussah, gab es noch eine Handvoll Wachmänner, die das Gebiet kontrolliert haben. Tja, es sah ganz so aus, als ob wir selber die Eindringlinge gewesen sind.

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Und weiter ging es mit dem Wind! Der nächste Halt war die kleine Insel Bequia mit seiner „Hauptstadt“ Port Elisabeth. Eine große Bucht mit türkisfarbenem Wasser empfing uns. Die verrücktesten Bootskonstruktionen näherten sich uns Neuankömmlingen und boten ihre Dienste an: Verkauf von Frischwasser, Absaugung von Abwasser, Diesel, Wäscheservice und natürlich die allgegenwärtigen Obst- und Gemüseverkäufer. Wir verbrachten den Abend an Land im ziemlich edlen „Devil’s Table – Food and Barrels of Rum“ und anschließend in einer klapprigen Bar mit einem unglaublich zugedröhnten DJ – es war wunderbar.

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Der Wind blies uns weiter, und zwar nach Mustique. Die Insel der Reichen und der Adligen, der Stars aus Rock und Pop! Und weil man in diesen Kreisen gerne unter sich bleibt, kostet das Ankern vor Mustique auch eine unverschämt hohe Gebühr, die nur von solch großen Touristengruppen wie uns überhaupt noch berappt wird. Ganz ähnlich wie im kroatischen Briuni Nationalpark vor Istrien. Andererseits – in „Basil’s Bar“, so sagt man, kommt hin und wieder Keith Richards vorbei, trinkt seine vier Finger hoch Rum und spielt ein Liedchen auf seiner Klampfe. Und genau das hatte ich ebenfalls vor! Was ich wieder mal verdrängt hatte: keiner der Superstars ist länger als ein paar Wochen pro Jahr in seinem Feriendomizil auf Mustique anzutreffen. Die Chance also, hier auf Bryan Adams, Mick Jagger, Paul McCartney oder Johnny Depp zu treffen ist mehr als bescheiden. Die einzigen Menschen, die hier wirklich leben, das sind die guten Geister in Form von Gärtnern, Hausmädchen und anderen Angestellten, die die Insel am Laufen halten. Und die sie in einen riesigen sterilen Golfplatz verwandelt haben. Sie malen sogar die Kokosnüsse an den Palmen zu Weihnachten silbern an. Nichts wie weg hier.

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Bevor wir ablegten, besorgten wir uns noch etwas Fisch bei den herumsitzenden Fischern der Insel. Sie spielen den ganzen Tag Domino. So sieht es jedenfalls aus. Was den Chinesen ihr Mahjong, ist den Kariben ihr Domino. Die Fische waren jedenfalls rot und ziemlich grätig. Auch wenn hier Berge von Gehäusen von Conch-Schnecken herumlagen und wir uns gerne ein schönes Exemplar für zu Hause mitgenommen hätten: lieber nicht, sowas wird vom Zoll einkassiert und man darf dazu noch ordentlich Strafe zahlen.

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Wir segelten weiter. Union Island war das nächste Ziel und diese Insel ist eigentlich einen eigenen Artikel wert. Korallen als Wellenbrecher, Lambi’s Bar mit Steel Drum Band und Conch-Schnecken-Ragout. Die Künstler Kolonie. Soggy Dollar „Happy“-Bar (nicht die auf den British Virgin Islands). Beinah abgebrochener Außenborder dank Korallen im Dunkeln. Party mit Carib-Beer. Party mit minderjährigen Nutten, die nach Eheringen suchen. Krankenschwestern, die einen retten. Skipper, die nachts mit Klamotten auf dem Kopf zurück zum Boot schwimmen. Kanonen, die auf Kreuzfahrtschiffe zeigen. Auf dieser Insel gibt es alles. Die Karibik im Kleinen.

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Mit nur unwesentlichem Kater im Kopp ging es am nächsten Tag weiter in die Tobago Cays hinein. Das sind schon wieder kleine Inseln, nur diesmal geschützt von einem vorgelagerten Korallenriff. Draußen blasen 5-6 Beaufort Wind und schleudern eine ordentliche Welle an das Riff. Drinnen ist es spiegelglatt und nur der Wind heult – surreal. Hier darf man keinen Pups lassen, keine Fische angeln und auch nicht Ankern, ohne dass gleich ein Parkwächter ankommt und einem nen fetten Strafzettel verpasst. Außer man ist Einheimischer. Dann wartet man ab, bis der Touri an der Boje liegt und verkauft ihm dann den eben frisch harpunierten Fisch. Ich glaube, man nennt es Ambivalenz.

Wer es wollte, konnte hier am Riff und auch dahinter Schnorcheln gehen. Für mich als Brillenträger relativ uninteressant, da ich nichts sehe. Dazu kommt die recht heftige Strömung, die einen in null komma nix weggetrieben hat. Nichts für Landratten. Aber wir konnten mit Wasserschildkröten um die Wette schwimmen. Es wimmelte hier nur so von denen und kam man ihnen zu nahe, schnappten sie nach einem. Habe ich mir später von Dritten erzählen lassen…

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Und dann waren wir auch schon wieder auf dem Rückweg, in Richtung Norden, nach Martinique. Eine Nacht sind wir durchgefahren, unter Motor gegen die Wellen. Es war ein denkwürdiges Gefühl, in der eigenen Koje wie in einem Trampolin zu liegen. Jede Welle führte zu einem kurzen Moment der Schwerelosigkeit. Wenn ich heute daran zurück denke, wie komfortabel es doch alles in allem auf diesem Katamaran war, dann will ich mir wirklich nicht vorstellen, wie sich diese Reise mit meinem kleinen 27 Fuß Bootchen angefühlt hätte. Man kann das aber nachlesen, denn Thomas Langer hatte vor ein paar Jahren mit seiner Albin Vega „Frigga“ diese Route genommen. Und hat dann mitten auf dem Atlantik festgestellt, dass ihn das ewige Geschaukel um den Verstand bringt. Auch ein Argument für mich, erst mal im Küstenbereich des Mittelmeers zu bleiben.

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Irgendwie habe ich die Insel Mayreau vergessen. Hier haben wir auch gestoppt, irgendwo zwischen Union Island und den Tobago Cays. Ich muss kurz über Kreuzfahrtschiffe sprechen. Die haben ja eigentlich alles an Bord, was man jemals brauchen könnte. Nur eines haben sie (noch) nicht: einen eigenen Sandstrand! Und weil es uncool ist, ein Barbecue woanders als an einem karibischen Sandstrand zu halten, mietet man eben mal schnell eine halbe Insel und baut ein Grillbuffet für 3000 Passagiere auf. Das sah dann für uns so aus, dass wir am Vorabend noch mutterseelenallein in einer schönen Bucht vor Mayreau lagen. Während am frühen Morgen ein Kreuzfahrtriese draußen seinen Anker warf und die Beiboote im Morgengrauen damit begannen, den Strand vorzubereiten. Liegen, Tische, Grills und eine zünftige Cocktailbar müssen schon stehen, wenn um 9 Uhr die ersten Gäste eintrudeln. Und ehe wir es uns versahen, lagen wir „im Weg“. Schon merkwürdig, wenn einen nach dem Aufstehen ein paar hundert Touristen-Augen anstarren…

Hey, das war mal unser Strand! Wir sind hier gestern Abend im Schweiße unseres Angesichts die steile Dorfstraße aufgestiegen. Wir waren das, die gestern in Robert’s Bar eingekehrt sind und dort die letzten Biervorräte geleert haben! Wir waren das, die zu Reggae aus einem Subwoofer aus Kanalröhren getanzt haben! Ihr habt währenddessen in eurer Kajüte gelegen und euch zur nächsten nichtssagenden Insel fahren lassen, für die ihr widerwillig die klimatisierte Kabine verlassen müsst, wenn ihr sie besichtigen wollt!

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Der alte Robert war korrekt. Mit seinem Joint in der Rechten und der Mundharmonika in der Linken hat er den Laden im Griff gehabt. Nachdem ich mit seinen Jungs ein wenig getrommelt habe und er irgendwann kein Bier mehr hatte, ist er zusammen mit uns in seine Lieblingskneipe gezogen und hat uns dort einen ausgegeben. Das war ein kalt gekachelter Laden, in dem sich die Einheimischen vergnügt haben. Irgendwie hatten sie alle was mit den Touristen zu tun: die Boat Boys, die Barbesitzer, die Charter Skipper wie unser Hans, die örtlichen Nutten (die waren wirklich überall)… es war ein Spaß! Und ich glaube, hier muss ich mich berichtigen: es war hier, wo unser Skipper kein Ende fand und sich erst am frühen Morgen mit den Klamotten auf dem Kopf schwimmend auf den Weg zu unserem Kat machte.

Eigentlich war es das. Wir waren noch in den Restekulissen von „Piraten der Karibik“ und haben uns verkleidet und mit Säbeln attackiert. Was anderes blieb uns auch nicht übrig, um die Zeit herumzukriegen: Hans hatte uns schon ausklariert für den Grenzübertritt und wir lagen trotzdem noch in der Bucht dieser Insel. Das ist eigentlich kein Weltuntergang – außer, draußen patrouilliert seit Stunden die Küstenwache. Und da dachten wir uns so, vielleicht sollten wir lieber noch ein wenig klatschnass hier in der Bar sitzen bleiben, bis die Polente wieder weg ist. Alle haben es überlebt. Hinterher gab es gebratene Chillis und spätestens dann war es wieder allen warm!

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Was soll ich sagen. Dieser Urlaub war genial und es kamen viele glückliche Umstände zusammen. Und er ist sicherlich so nicht wiederholbar. Aber wer Interesse an solch einem Segeltörn hat, dem würde ich jederzeit empfehlen: mach es! Man sollte sich nicht von alten Karibikhasen beeindrucken lassen, die behaupten, früher wäre dort alles besser gewesen. Fahrt hin und schaut euch die Gegend an. Obwohl tausendfach stärker besucht als früher, ist es dort immer noch ursprünglicher als in den meisten Touristengebieten Europas.

Zum Ausklang noch ein paar Bilder, die ich kommentarlos loswerden möchte…

Karibik 502 palme klettern

karibik boot verkäufer

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Schweinebauch chinesisch à la „Herr Wu“

In Berlin gibt es das China-Restaurant „Hot Spot“, über das vor kurzem ein Buch erschienen ist. Die Rezepte von Herrn Wu sollen leicht nachzukochen und sehr authentisch sein. Mal sehen, ob das klappt!

Indisch koche ich ja schon eine ganze Weile, aber auch das Chinesische hat es mir seit längerem angetan. Weniger die pappige Deutsch-Asiatische Glutamatküche als die original Chinesische. Das „Originale“ ist eigentlich gar nicht so weit weg von dem, was man hier in der BRD schon seit vielen Jahren bekommt. Man lässt einfach alles weg, was man auch in der deutschen Küche nicht verwenden würde, außer man betreibt eine Imbissbude. Geschmacksverstärker wie Glutamat und Zutaten aus der Dose zum Beispiel. Stattdessen verwendet man mehr frische Zutaten und auch nicht wenig Chilli und schon ist man auf der richtigen Spur.

china_hot-spot_herr_wu (1) gurke

Natürlich sind nicht alle Geschmacksverstärker des Teufels, da sie gerade bei Kurzgebratenem erst das richtige Aroma mit einbringen. Aber irgendwann lief das wohl aus dem Ruder und statt Soja- oder Fischsauce wurden einfach eine handvoll Glutamatkörner in den Wok geworfen. Es hängen zwar so einige positive Kindheitserinnerungen an der gallertartigen Suppe und dem zuckersüßen Schweinefleisch vom Chinesen. Aber wenn es nur nach Kindheitserinnerungen ginge, müsste ich auch heute noch täglich Cheeseburger von McDo essen. Also Zeit für ein Update.

Die Erinnerung an mein letztes wirklich leckeres China-Essen bringt mich wieder zurück in den Städte-Entdeckungs-Modus. In so einem Fall spare ich mir gerne den Hunger ein wenig auf, um schließlich dort zuzuschlagen, wo es wirklich vielversprechend aussieht. So war das neulich in Berlin, wo auch das Restaurant „Hot Spot“ zu Hause ist, um das es hier gleich geht. Ich lief ein wenig verloren abends nach dem Kundenbesuch durch die Berliner Innenstadt, Ostseite, und suchte das Außergewöhnliche. Fast so wie damals in Hong Kong, nur mit nem ziemlichen Loch im Magen. Da sah ich plötzlich ein grell violettes Schild mit einer Leuchtreklame für das Soya Cosplay. Es entpuppte sich als ein gehobener Chinese mit teuren und auch sehr kleinen Portionen aber dafür mit einer exquisiten Qualität. Mit dieser Erinnerung in Gedanken las ich wenig später einen Artikel in der FAZ. Es ging um das neue Buch von der Journalistin und Köchin Ursula Heinzelmann, in welchem sie ihre Schwärmerei für das „Hot Spot“ in Worte gefasst und quasi als Abfallprodukt ein Kochbuch darüber geschrieben hat. Die Betreiber Herr Wu und seine Frau sind außerdem Weinliebhaber, insbesondere Riesling, und so ist es kein Zufall, dass der bekennende Riesling-Fanatiker Stuart Pigott („I am Riesling“) das Vorwort geschrieben hat. Außerdem ist er der Mann von Frau Heinzelmann, schreibt ebenfalls für die FAZ und irgendwie schließt sich hier der Kreis wieder.

china_hot-spot_herr_wu (3) gurkensalat

Herrn Wu hatte ich in Berlin leider verpasst, also musste eben das Buch „Die China-Küche des Herrn Wu: Rezepte aus dem „Hot Spot“ Berlin“ angeschafft werden. Und eines kann ich jetzt schon sagen: man kann die Rezepte tatsächlich sehr gut nachkochen! Ok, es sieht bei uns Laien sicherlich nicht so perfekt aus, wie wenn ein chinesischer Profi kocht, aber immerhin. Bevor das Kochen losgehen kann, müssen natürlich noch diverse Zutaten aus dem Asia-Shop herangeschafft werden, aber so viele sind es nicht und schon kann es losgehen.

Als Vorspeise oder vielmehr Salatbeilage sollte es die gesmashte Gurke geben. Das Rezept ist leicht: man halbiere eine Gemüsegurke der Länge nach und schlage auf sie ein, bis sie platzt. Die angeknacksten Stücke werden dann noch kunstvoll kleingeschnitten und mit einer Marinade aus Sesamöl, Chinkiang-Essig, Chilli, Sojasauce und Knoblauch vermischt.

Als Verehrer alles Schweinischen musste als Hauptgang heute der Schweinbauch nachgekocht werden. Bauch ist was Tolles: saftig durch die dicke Fettschicht und gleichzeitig knusprig, wenn man es will und hinbekommt. Der Knaller in diesem Rezept ist die Zubereitung der dicken Soße. Ok, „dicke Saus“ klingt erstmal wenig appetitlich, aber es ist diese Art von Sauce, wie man sie selten bekommt und die einem noch lange mental am Gaumen klebt. Dazu gab es noch eine kreative Gemüsemischung aus sehr klein geschnittenen Paprikas, Frühlingszwiebeln, Knoblauch, Chilli und Ingwer, die mit heißem, rauchendem Öl übergossen wurde. Das gibt dem rohen Zeug wirklich ein super Aroma.

china_hot-spot_herr_wu (7) rauchendes öl

Der kleingeschnittene Schweinebauch wird in mundgerechte Stücke geschnitten und für eine gute Stunde in Hühnerbrühe mit Frühlingszwiebeln, Ingwer, Sojasauce, Zucker, Reiswein, Sternanis und Chilli geköchelt. Danach das Fleisch und die groben Stücke aus der Flüssigkeit herausfiltern und alles heftigst einkochen lassen. Etwas andicken mit Stärke und schon ist die prächtige Sauce fertig. Ein Hochgenuß. Meine Fotos können das wie immer nur äußerst mangelhaft wiedergeben.

china_hot-spot_herr_wu (17) schweinebauch